Achtung Buch: Lennard Malmqvist und der ziemlich seltsame Mops des Buri Bolmen von Lars Simon

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Schon als ich das Cover samt Titel sah, stand fest, dass ich dieses Buch unbedingt lesen möchte. Humor, Magie und eine fesselnde Handlung wurden versprochen und auch auf weite Sicht vermittelt. Doch worum geht es überhaupt?

Lennart Malmqvist ist ein erfolgreicher Unternehmensberater, der weitestgehend – sieht man einmal von der juckreizauslösenden Liebesallergie ab –  zufrieden seinem Tagewerk nachgeht. Er lebt in einem gemütlichen Haus in Göteborg, in dessen Erdgeschoss sich ein Zauberei- und Scherzartikelladen befindet. Mit dessen Besitzer Buri Bolmen versteht sich Lennard ebenso gut wie mit seiner italienischen Nachbarin Maria, die ihn und den Rest des Hause mit kulinarischen Hochgenüssen verwöhnt und dazu gern laute Arien der italienischen Operngrößen zum Besten gibt. Eine fast perfekte Idylle, würde man meinen. Aber eben nur fast. Denn eines Tages stirbt Buri Bolmen auf mysteriöse Weise, ein gruseliger Leierkastenmann verfolgt Lennart bis in seine Träume und zu guter Letzt verliert er noch in einem wichtigen Meeting die Gewalt über seine Stimme und somit den wichtigsten Firmenvertrag aller Zeiten. Doch eine neue große Aufgabe wartet schon auf Lennart: Wie er von einem Notar erfährt, hat Buri ihm den Lasen samt Mops Bölthorn vererbt, der bei Gewitter zu sprechen beginnt. Ein skurriles Abenteuer und eine besondere Freundschaft nehmen ihren Lauf…

Die Geschichte entspricht genau ihrem witzig-skurrilen Cover. Simon nimmt den Leser von der ersten Seite an mit in sein magisches Abenteuer, das nicht an wenigen Stellen massiv die Lachmuskeln strapaziert. Schon allein die Darstellung des leicht adipösen und stark sabbernden und röchelnden Mopses ist allzu köstlich und in Mischung mit den herrlich lockeren und komischen Dialogen unschlagbar. Ebenso die Darstellung der einzelnen Charaktere: Herrlich erfrischend und lebendig lernen wir Maria kennen, die italienische Seele des ganzen Hauses, die nicht nur mit fabelhaftem Essen Herz und Seele jedes einzelnen Bewohners zusammenhält, sondern eher wie eine „Mamma“ zu allen ist. Dazu Lennart, eigentlich ziemlich durchschnittlich und doch so besonders, wie er erst nach dem Tod Boris – den ich übrigens sehr fernmehr kennengelernt hätte – erfährt. Magisch ist er, aber keinesfalls in Magie geschult oder ausgebildet.Vielmehr muss er im „Selbststudium“ beginnen, die Geheimnisse zu lösen, die er sich in seinen kühnsten Träumen nicht ausgemalt hätte. Aber erstens kommt ja alles anders, und zweitens als man denkt. Zur Magie kommen noch der magische Mops und Beschützer Bölthorn sowie eine orakelnde Keksdose deren Geheimnisse es zu entschlüsseln gilt, was – unter uns gesagt – stellenweise zum Brüllen komisch ist.

Und schon sind wir mitten im Strudel der spannenden Geschehnisse dieses ersten Bandes einer spannend-komischen Trilogie aus dem Hause dtv. Freund wird Feind, die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen mehr und mehr und mitten im Zentrum stehen ein noch immer relativ ratloser Lennart samt magischem Mops Bölthorn, die sich mutig ins Abenteuer stürzen, dessen Fortsetzung hoffentlich nicht allzu lange auf sich warten lässt. Viele Handlungsstränge wurden aufgeworfen, wenige abgeschlossen, was in Anbetracht der Folgebände nicht schlimm ist, sondern viel mehr Lust auf das Weitere macht.

Ein sehr gelungener und erfrischender Lesegenuss, der mit Humor, Fantasy und sehr charmanten Charakteren zu punkten versteht!

 

Achtung, Buch: Himbeeren mit Sahne im Ritz von Zelda Fitzgerald

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Zelda Fitzgerald ist vor allem durch ihren Ehemann bekannt geworden. Sie war die Frau des großen Autors Scott F. Fitzgeralds. Kaum ein Autor prägte die Roaring Twenties mehr als er. Doch auch Zelda schrieb und veröffentlichte eigene Werke, wenn auch teilweise unter Scotts Namen.

Berühmt geworden als Muse und Frau an der Seite des großen Scott F. Fitzgerald, prägte Zelda schon bald ein eigener Schaffensdrang. Die beiden waren wohl das berühmteste Künstlerpaar ihrer Zeit. Stets umgeben von Glamour und Ruhm, füllten sie die Titelseiten der damaligen Presse – sowohl der Unterhaltungs- als auch der Literaturpresse. 1920 publizierte Scotty seinen ersten Roman, im selben Jahr, in dem er das eigensinnige Südstaaten-Flappermädchen Zelda heiratete. Sie entsprach genau dem Frauenbild, das er in seinen Romanen stets in den Fokus rückte. Doch Zelda war mehr als nur Muse und Flapper. Sie schrieb eigene Geschichten, die sie zunächst des Geldes wegen unter dem Namen ihres Mannes publizierte. Nun erschien vor Kurzem unter dem Tirel „Himbeeren mit Sahne im Ritz“ eine Sammlung von elf Erzählungen aus der Feder der einzigartigen Künstlerin. Vor allem das weibliche Lebensgefühl der Goldenen Zwanziger war es, das sie in den Fokus ihrer Erzählungen rückte.

Auch in „Himbeeren mit Sahne im Ritz“ sind es solche modernen, extravaganten junge Frauen, deren Leben im Mittelpunkt steht. Wir begleiten elf junge Heldinnen, die große Träume haben, sich durchsetzen und hart um Erfolg und vor allem um die Liebe kämpfen müssen. Da scheint sich der Wunsch nach dem großen Ruhm zu erfüllen, ist kurz darauf aber nicht mehr von Belang, da das Mädchen das große Glück in einer bürgerlichen Liebe gefunden hat. Ein anderes Mädchen schnuppert Broadwayluft und kehrt dann doch zufrieden in die Kleinstadt zurück. Eine Dritte ruiniert fast ihren Ruf und macht später doch eine außergewöhnliche Karriere. Wir haben – so die Titel der Geschichten – „Mädchen mit Talent“, „Das Südstaatenmädchen“, „Das Mädchen, das dem Prinzen gefiel“ und „Die erste Revuetänzerin“.

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All diesen Mädchen schrieb Zelda mit leichter Hand, viel Charme und einer gewissen Portion Naivität und Melancholie eine Lebensgeschichte auf den Leib. Man taucht mitten hinein in die Welt der Goldenen Zwanziger, berauscht von Nachtclubs und Partys. Man begleitet die jungen Frauen auf ihrem Weg durch Paris, beobachtet sie bei den Versuchen der Selbstinszenierung, die unabdingbar zum Leben dieser Zeit gehört. Alles ist in Bewegung, unaufhörlich, jeder will sich vergnügen, jeder will Erfolg und Ruhm in einer schillernden Welt, die sich am Ende doch meist nur als schöner Schein entpuppt.

Kaum jemandem könnte es besser gelingen, diese Stimmungen zu Papier zu bringen, als einer Frau, die genau dies alles am eigenen Körper erfahren musste. Zwar nicht mit der gleichen, fast fühlbar schmerzhaften Tiefe, mit der ihr Mann Scott arbeitete, aber dennoch mit einer ergreifenden Melancholie, gelingt es Zelda, die Stimmung der Zeit einzufangen und dem Leser zu vermitteln. Als kluge Beobachterin und Kennerin ihrer Zeit, blickt sie hinter die Fassade und vermittelt tiefe Einblicke in die Gedanken- und Lebenswelt der jungen Frauen, die sie so stilvoll porträtiert. Hinreißend und sinnlich wird man durch eine Welt geführt, in der die hohe Kunst der Selbstinszenierung zum guten Ton gehört und bekommt dennoch auch vor Augen gehalten, welch hohen Preis man unter Umständen für ein Leben im Glanz zu zahlen hatte. Es ist ein harter Kampf, der jeden Tag und jede Nacht aufs Neue gekämpft werden muss. Und nicht nur an wenigen Stellen lassen sich Parallelen und autobiografische Züge zum Leben der Autorin finden. Man erfährt von der Kluft zwischen Arm und Reich, ebenso wie man mit der Nase auf die dunklen Seiten des Ruhms gestupst wird. Abtreibung und Selbstmord stand zu dieser Zeit oftmals hoch im Kurs – wurde aber meist überspielt. So verfährt Zelda auch in ihrem Buch, in dem diese Themen nur sachte am Rande aufgegriffen werden. Die Wirkung wird dadurch jedoch nur noch verstärkt, was besonders am Tod der jungen und aufstrebenden Revuetänzerin Grace deutlich wird. Eine Geschichte, die noch lange in mir nachhallen wird.

„Gin und Champagner“ sind das Zaubermittel, das dafür gesorgt hat, dass die Welt so lange geschafft hat, durchzuhalten. Gin und Champagner als Symbole für die Zeit der Goldenen Zwanziger, als Symbol für all die jungen Seelen, die in dieser Zeit lebten und versuchten, ihren Weg zu gehen und zur Zufriedenheit zu finden. Zelda Fitzgerald schrieb in ihren Erzählungen so leise, so melancholisch, so zart und dennoch so brutal, widersprüchlich und hinreißend, wie es die Zeit der Entstehung wiederspiegelte. Das Werk ist der Spiegel eines Talents, das sich viel zu oft hinter dem Namen des eigenen Mannes verstecken musste und viel mehr gewürdigt werden sollte. So gern würde ich noch ewig zwischen den Seiten verweilen, mit den jungen Mädchen und Männern durch die Nachtclubs flanieren und sie auf ihrem Lebensweg begleiten, doch irgendwann ist der letzte Tropfen Gin getrunken, das letzte Glas Champagner geleert und man muss zurückkehren in die Realität. Dies aber nicht, ohne Zelda einen besonderen Platz im Herzen eingeräumt zu haben.

Himbeeren mit Sahne im Ritz von Zelda Fitzgerald

Zelda Fitzgerald: Himbeeren mit Sahne im Ritz. Erzählungen
Aus dem amerikanischen Englisch übersetzt von Eva Bonné
Manesse Verlag, Zürich 2016

Achtung Buch: Dora und der Minotaurus von Slavenka Drakulić

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Spricht man von Dora Maar, drängt sich unweigerlich ein anderer Name in den Vordergrund: Pablo Picasso – Künstler, Visionär, Legende. Doch mehr als das war er derjenige, der die Tragödie im Leben der franco-argentinischen Künstlerin bedeutete.

In Form eines unbekannten Tagebuchs der Fotografin und Surrealistin, entführt uns die Autorin in die Welt der Autorin und lässt diese somit direkt selbst zur Sprache kommen. In der Ich-Form lässt Dora (eigentlich Henriette Theodora Markovitch) ihr Leben in verschiedenen prägnanten Episoden Revue passieren.

Als Tochter einer Französin und eines kroatischen Architekten wächst sie zunächst in Paris auf, muss jedoch schon bald nach Argentinien auswandern, wo ihr Vater einen vielversprechenden neuen Beruf bekommen hat. Im Gegensatz zu ihm, gelingt es der Mutter Julie nie, Frankreich hinter sich zu lassen. Sie kann sich mit der neuen Heimat nicht anfreunden und findet keinen Zugang zu den ihr neuen Kulturen und Menschen. All das Neue scheint ihr verwerflich und moralisch inkorrekt.

Ganz anders verhält es sich mit der jungen Dora, die mittlerweile zu einer jungen Frau herangewachsen ist. War sie früher ein schüchternes und ernstes Kind, sprüht sie nun vor Energie und lässt sich vom südamerikanischen Temperament hinreißen. Ein absolut inakzeptables Verhalten in den Augen der Mutter, das dazu führt, dass sie mit Dora umgehend nach Paris zurückkehrt und Argentinien samt dem primitiven und unwürdigen Leben hinter sich lässt.

Auch in Paris findet Dora schnell Anschluss und absolviert erfolgreich ein Studium im Bereich Fotografie und Malerei. Zu dieser Zeit ändert sie auch ihren Namen in Dora Maar, um ihr introvertiertes und einsames Ich hinter sich zu lassen. Ihr größtes Ziel ist eine Karriere als Fotografin und vor allem ein unabhängiges Leben.

„Ich fühlte mich wohl in meiner neuen Haut als Dora Maar, denn Dora war eine Persönlichkeit nach meinem Maß. Ich selbst hatte sie zugeschnitten. Mir schien, ich hätte, anstatt zu sein, was mir durch Geburt vorgegeben war, mich schließlich selbst so geschaffen, wie ich sein wollte. Ich war von Menschen umgeben, mit denen ich verkehrte und arbeitete und die mich schätzten. In diesen Jahren begann ich auch Geld zu verdienen. Es war nicht viel, aber damals lebten wir einfach.“
(S. 48)

Unterstütz wird sie dabei von ihrem Vater, der ihr mit finanzieller Unterstützung ihr erstes eigenes Atelier ermöglicht. Dort kommt sie dann auch schnell in Kontakt mit den schillerndsten Persönlichkeiten der Zeit wie André Breton und Georges Bataille. Insbesondere mit ihrer Straßenfotografie und mit Erotik- und Modefotos macht sich die junge Frau schnell einen Namen. Die Kamera wird ihr Auge auf die Welt, sie wird der Spiegel der Seele der Menschen für Dora. Eins jedoch kann sie nie aus ihrem Leben verbannen: das Gefühl der Entwurzelung. Es fällt ihr schwer, irgendwo heimisch zu werden. stets ist sie rastlos und unsicher – Charakterzüge, die sie hinter der Kamera zu verbergen versucht.

„Unbewusst begriff ich schon damals das Wesen der Fotografie, ich hatte ein Auge dafür. Ich frage mich, ob ich überhaupt jemals einen unschuldigen Kinderblick gehabt habe. Oder schließt der Sinn für die Fotografie Unschuld bereits aus, selbst bei einem Kind?
(S. 40)

29 Jahre alt war Dora, als es im Pariser Café „Les Deux Magots“ zur ersten schicksalhaften Begegnung mit Picasso kam. Für Dora war er zu diesem Zeitpunkt nichts anderes als ein anderer Künstler, aber für ihn war sie sofort faszinierend. Er wollte sie um jeden Preis erobern und letztendlich hatte er Erfolg. Die junge Künstlerin konnte sich seiner Ausstrahlung und Anziehungskraft nicht widersetzen, wenngleich Picasso keinesfalls als attraktiv zu bezeichnen war. Eine stürmische Affäre folgt, die wider aller Erwartungen in eine Beziehung mündete. Völlig im Liebesrausch, ignoriert Dora alle Frauengeschichten sowie Picassos Hang zu Geiz und Macht und stürzt sich zum ersten Mal in ein großes persönliches Glück, in der Gewissheit, ihrem Leben nun eine ganz andere Richtung geben zu können.

Und eine andere Richtung wurde es wirklich: Dora wurde zu Picassos Muse, Teil seiner Kunst und Mittelpunkt der Gesellschaft. Sie inspiriert ihn und wird sogar Teil des Schaffens, indem sie den Entstehungsprozess von „Guernica“ mit der Kamera begleitet.

Leider soll das Glück nicht von langer Dauer sein, denn mit der Zeit schleicht sich die Unzufriedenheit in die Beziehung. Picasso ist sich seiner Sache so sicher, dass er Dora mehr und mehr als Objekt, denn als Mensch behandelt. Er will keine gleichwertige, selbstständig denkende Person an seiner Seite, er will eine Muse, die zu ihm aufschaut und ihn vergöttert. Auch die Fotografie als Kunstform lehnt Picasso strikt ab und verhöhnt Dora für die Arbeit. Zu diesem Punkt ist ihm Dora jedoch schon so hörig, dass sie das Fotografieren aufgibt und sich freudlos der Kunst und Malerei zuwendet.

„Später riss mich seine Stimme aus dem Schlummer. Dora, ich zeige dir, was ich heute Nachmittag gezeichnet habe! Er machte das Licht an, und vor mir auf dem Bett befand sich eine kleine Zeichnung, auf der eine Frau und ein Mann mit Stierkopf abgebildet waren. Das sind du und ich, siehst du, Dora und der Minotaurus, sagte er stolz, richtete den Finger aufs Papier und wartete auf meine Reaktion.
Die Zeichnung ist brutal. Ich hasse ihn. Bete ihn an. Niemals werde ich mich von ihm trennen.“
(S. 85)

Damit ist Picasso jedoch nicht zufrieden. Vielmehr muss sich Dora mit einer Vielzahl von ständig wechselnden Geliebten stellen, mit denen Picasso sie psychisch quält. Sie redet sich ein, dass er ja stets zu ihr zurückkommt. So hält sie an einer Beziehung fest, aus der sie nur als Verliererin hervorgehen kann. Picasso erniedrigt sie so sehr, dass sie sich in psychologische Betreuung begeben muss. Dort muss sie schmerzhaft erkennen, dass Picasso ihre Situation komplett egal ist, er sie sogar schon mit einer jungen Muse ersetzt hat. In diesem Moment fasst die junge Frau einen Entschluss, der ihr Leben komplett verändern soll…

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Dora Maars Leben wird von Drakulić auf eine ungeschönte und direkte Art und Weise wiedergegeben, die den Leser von der ersten Seite an bannt. Aufgrund der intensiven und klaren Ich-Erzählung, hat man das Gefühl, direkt in Doras Gedankenwelt einzutauchen. Man schwankt zwischen Verständnis und Entsetzen für die junge Frau. Wie konnte sie sich so selbst aufgeben, ihre Ziele opfern für einen Mann, für den sie nur ein austauschbares Objekt ist? Messerscharfe Selbstanalysen stehen im Widerspruch zu ihrem Handeln. Sie schafft es einfach nicht, sich aus dem Bann Picassos zu befreien und schaut sich in gewisser Weise selbst beim Verfall zu.

Eine wichtige Schlüsselstelle ist eindeutig die Präsentation des Bildes „Dora und der Minotaurus“, das der jungen Frau ihre Situation schmerzlich wie einen Spiegel vor die Augen hält. Auch auf den anderen Bildern dieser Zeit ist Dora nur noch ein Schatten der jungen und aufstrebenden Frau. Trotz all dieser Demütigungen kommt sie nicht von ihm los, erhebt ihn nahezu zu einem Heiligen und lässt sich zerstören. Ebenso gebannt wie Dora von Picasso ist, ist man als Leser von der Geschichte. Man kann sich nicht von ihr lösen, ganz gleich, wie entsetzt man doch aufgrund der Qualen der jungen Frau ist. Der Roman ist brillant recherchiert und berührt auf jeder Seite mit seiner Tragik und dem tiefen Schmerz. So schnell kann es passieren, dass man sich trotz aller Cleverness in eine Abhängigkeit stürzen kann, aus der man nur als Verlierer und komplett zerstört hervorgehen kann. Immer dachte Dora, sie sei anders als die anderen Verflossenen des großen Genies. Und am Ende musste sie teuer für dieses Trugbild bezahlen. Eine Lebensgeschichte, die tief berührt und lange nachhallt.

 

Achtung Buch: Ein Meer aus Tinte und Gold von Traci Chee

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Kaum beginnt das neue Jahr, wird es auf meinem Blog nach einer kurzen berufsbedingten Pause auch richtig spannend, denn ich nehme euch mit auf eine Reise ins Abenteuer der jungen Sefia.

Seit Sefias Eltern gestorben sind, gibt es nur noch eine Person im Leben des jungen Mädchens: ihre Tante Nin. Schon immer zogen die beiden durch das Land, auf der Flucht vor einem unheimlichen Verfolger. Alles scheint gut zu sein, bis Tante Nin plötzlich entführt wird uns Sefia ganz allein zurückbleibt. Die einzige Spur zu ihrer Tante ist ein mysteriöser Gegenstand im Rucksack, den Sefia schon mit sich führt, so lange sie denken kann. Dabei handelt es sich um nichts Geringeres als um ein Buch. Was ein Buch ist? Das weiß Sefia nicht, denn in ihrer Welt spielen Bücher keine Rolle. Niemand ist sich der Macht des geschriebenen Wortes bewusst. Wirklich niemand?

Sefia beginnt, sich intensiv mit dem Buch zu beschäftigen, ist es doch die einzige Spur, die sie zu ihrer Tante Nin führen kann. Schnell erkennt sie dabei die gewaltige, geheimnisvolle und magische Kraft, die sich im Inneren des Buches befindet. Eine Kraft, die sie nur dann entschlüsseln kann, wenn sie sich auf eine gefährliche Reise begibt. Zum Glück muss sie diese Reise nicht alleine antreten, denn unverhofft kommt es zur Begegnung mit einem treuen Begleiter. Sefia rettet den jungen, stummen Archer aus den Fängen brutaler Männer. Dafür schwört ihr Archer ewige Freundschaft und Treue. Und nach und nach entschlüsseln die beiden jungen Abenteurer nicht nur das Geheimnis des Buchs, sondern auch das Geheimnis ihrer eigenen Herkunft…

Das erste Buch von Kelanna, „Ein Meer aus Tinte und Gold“ von Traci Chee ist ein fulminanter Auftakt zu einer spannenden und magischen Jugendbuchwelt. Man befindet sich mitten in einer Welt, in der weder Bücher, noch das geschriebene Wort von Bedeutung zu sein scheinen. Auf den ersten Blick zumindest. Denn: Schaut man in die Tiefe, erkennt man bald, dass genau die Macht der Bücher die große Gefahr ist, in der sich Archer und Sefia befinden. Keine Bücher, also auch keine Geschichten? Zum Glück ist dem nicht so, denn auf traditionelle Weise erzählen sich die Menschen die Geschichten der großen Abenteurer und Helden, die so stets am Leben erhalten werden. Ein Appell an uns möglicherweise, auch die Geschichten unserer Ahnen am Leben zu erhalten und weiterzuerzählen? Ich finde, es ist ein schöner Gedanke, der durch Figuren wie Kapitän Lees und die Erzählungen über ihn in mir zu keimen begann. Er ist nur eine von einer Vielzahl einzigartiger und liebevoll gezeichneter Figuren, die Sefia und Archer während ihrer abenteuerlichen und gefährlichen Reise begleiten. Schon früh zur Selbstständigkeit erzogen, wurde aus dem jungen Mädchen schnell eine kluge und mutige Überlebenskünstlerin, die sich frei von Angst jeder Gefahr stellt. Je mehr sie sich mit dem Buch auseinandersetzt, desto mehr erschließen sich ihr die Buchstaben und die Welt der Wörter – sie bringt diese in die Welt hinaus und sich damit noch in größere Gefahr.

Der Erzählstil der Autorin hat mich besonders begeistert. Von ruhigen Tönen bis hin zu spannenden, fast atemlos machenden Beschreibungen hat das Buch alles, um den Leser von der ersten bis zur letzten Seite gebannt zu halten. Dazu tut auch die liebevolle Gestaltung des Buches ihr Übriges. Da findet man ausgebrannte Textstellen, mysteriöse Symbole und kleine Rätsel, die das Lesen zu einem eigenen Abenteuer machen und den Leser so noch tiefer in Sefias Welt eintauchen lassen. Der Wechsel von Vergangenheit und Gegenwart ist zwar manchmal etwas schwierig zu verfolgen, aber den roten Faden verliert man eigentlich nie. Für mich war „Das Meer aus Tinte und Gold“ ein wundervoller Auftakt und ich freue mich schon sehr, bald wieder nach Kelanna zurückkehren zu dürfen.

Achtung Buch: Im dunklen dunklen Wald von Ruth Ware

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Freundschaft ist…

… wenn man eigentlich seit geraumer Zeit gar kein Freund von Thrillern ist, sich aber im Gespräch mit den anderen Lesemädels doch dazu breit schlagen lässt, es zu versuchen. So kam es, dass ich mich der Herausforderung gestellt habe, und nicht nur das Buch gelesen, sondern auch an der Blogtour zum Buch teilgenommen habe. Was wir da so erlebt haben, könnt ihr auf den folgenden Seiten nachlesen:

Kurzvorstellung des Buches bei Ronja

Eine besondere Cocktailparty bei Anja

Interview mit Ruth Ware bei Sabine

Dialog über die Freundschaft und ihre Besonderheiten bei Yvonne, Pauli und mir

Eva erklärt uns warum wir Angst im Wald haben und was ihn so besonders macht

Heike erklärt uns das Phänomen des Junggesellinnenabschieds

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Das war sie also, unsere sehr spannende und gruselige Blogtour zum Thriller von Ruth Ware. Doch um was geht es nun genau?

Der Klappentext verrät uns Folgendes: 
Eine bizarre Junggesellinnenparty.
Ein Spiel, das aus dem Ruder läuft.
Manche Partys sind gut, manche sind schlecht. Diese hier ist tödlich.
Als Nora, 26, eine Einladung zum Junggesellinnenabschied ihrer ehemals besten Freundin Clare bekommt, ist sie mehr als überrascht. Sie hat Clare seit zehn Jahren nicht gesehen. Seit dem Vorfall damals, den Nora nie ganz überwunden hat… Und jetzt aus heiterem Himmel diese Einladung. Ein idyllisches Wochenende in einem Haus tief in den winterlichen Wäldern Nordenglands ist geplant. Was kann es schon schaden? Nora gibt sich einen Ruck und fährt hin. Doch etwas geht schief. Grauenvoll schief.

Viel mehr Worte möchte ich dazu gar nicht verlieren, denn jedes Wort zu viel wäre ein Wort, das euch einen, wenn auch noch so kleinen Teil der Spannung nehmen könnte. Was zunächst wie ein allseits bekanntes Schema für dieses Genre klingt, entwickelt sich schon ab der ersten Seite zu einem perfiden Katz und Maus Spiel. Jeder Mensch hat zwei Seiten, heißt es immer so schön. Und genau dies wird im Buch bewiesen. Da wird die beste Freundin zur Kratzbürste und die Feindin zur Verbündeten. Da glaubt man jahrelang, sich zu kennen und wird sich auf engstem Raum doch fremder als man es je zu glauben gewagt hatte.

Dass ein Mord passieren wird, wird hier jedem klar sein. Denn was ist schon ein Thriller ohne Blut und ohne Mord. Aber wie er vollzogen und vor allem wie sich die Geschichte im weiteren Verlauf entwickelt, das ist schon gar nicht von schlechten Eltern. Ein Mord also, MORD… wieso kann sich Nora aber an nichts erinnern? Und wieso liegt sie im Krankenhaus? Was machen die Polizisten vor ihrem Zimmer? Wie ein undurchdringlicher Nebel liegt die Vergangenheit über ihrem Gedächtnis und kann selbst mit der größten Anstrengung nicht hervorgeholt werden. Der Druck auf die junge Frau nimmt zu und da ist sie: eine erste kleine Erinnerung. Schritt für Schritt rekonstruiert Nora im Geiste die Geschehnisse vom Tag der Einladung zum Junggesellinnenabschied bis hin zum Krankenhaus. Und je weiter sich der Nebel lichtet, desto mehr wird sich Nora der Gefahr bewusst, in der sie und die anderen schweben.

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Ruth Ware ist brillant. Anders kann man es nicht sagen. Ihr ist es gelungen, einen althergebrachten Stoff so gekonnt neu zu verpacken, dass man von der ersten bis zur letzten Seite im Buch gefangen ist. Man hegt erste Ahnungen, verwirft sie wieder. Man verfolgt Spuren, die zunächst klar zu sein scheinen und dann im Schnee verlaufen. Man vertraut, um am Ende mehr zu misstrauen und man dreht sich ähnlich wie Nora permanent im Kreis, um die richtige Lösung zu finden. Perfekt spielt Ware dabei mit der Vergangenheit und der Gegenwart ihrer Protagonisten und lässt still und leise Unstimmigkeiten aus der Schulzeit einfließen. Unstimmigkeiten, die Misstrauen säen und kleine, subtile Boshaftigkeiten, die auf den ersten Blick als Neckereien abgetan werden könnten. Am Ende weiß man gar nicht mehr, wem man überhaupt noch trauen kann…

Untermalt wird dies noch durch die schaurige Kulisse. Ein Glashaus mitten im dunklen und dichten Wald. Gegensätzlicher hätte es nicht sein können: Transparenz trifft auf Bedrohung. Man fühlt sich permanent beobachtet und kann doch selbst keinen Blick ins Dunkle werfen. Dazu noch dichter Schnee und kein Handyempfang. Viel mehr braucht es nicht, um eine beklemmende Stimmung zu verursachen. Auch die einfache und knapp gehaltene Sprache unterstreichen diese Gefühle. Bis zuletzt spinnt Ruth Ware ihre Fäden, die sich mehr und mehr zu einem tödlichen Kokon verfestigen und es bleibt lange Zeit unklar, auf wen das Ganze nun eigentlich abzielt und ob Nora sich wirklich wieder komplett erinnern können wird.

Trotz einiger Längen im ersten Teil und des doch bekannten Stoffes konnte mich der Thriller komplett überzeugen und hat den Ausflug in dieses Genre für mich zu einem lohnenswerten Leseerlebnis gemacht. Ich kann das Buch jedem empfehlen, der sich gern in eine beklemmende Stimmung voller Spannung entführen lassen will und danke auch meinen Mitleiterinnen sowie dem dtv für die tolle Leserunde!

Le phénomène continue: Das Bildnis aus meinem Traum von Antoine Laurain

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Während ich gerade in London auf Klassenfahrt war, erreichte mich ein wundervolles Päckchen meines Lieblingsautors und des Atlantik-Verlags. Ich hatte die Nase gerade aus der Rhapsodie Française genommen als nun auf einmal das Bild aus meinem Traum druckfrisch mit einem wundervollen persönlich gewidmeten Bild, und vielen liebevoll ausgewählten Accessoires vor mir lag. Schon in diesem Moment huschte mir ein Lächeln über die Lippen – ist es doch genau diese Detailverliebtheit, die Antoine Laurain ausmacht.

Doch worum geht es nun in seinem neuen Meisterwerk? Allem voran um eine große und zentrale Frage:

Wie viel sind wir bereit aufzugeben, um die große Liebe zu gewinnen?

Eine Frage, die sich sicher jeder von uns schon einmal gestellt hat. Eine Frage, die den Protagonisten Pierre-François Chaumont eiskalt erwischt. François ist Anwalt, verheiratet mit Charlotte, wohnhaft in Paris, wenn man es einmal knapp und nüchtern zusammenfasst. Denn: Nüchtern gestaltet sich ihr Zusammenleben. Arbeit, Routine und vor allem kein gegenseitiges Verständnis dominieren sein Leben. Kein Verständnis? Ihr habt richtig gelesen, denn François hat ein Hobby: Er sammelt Antiquitäten. Eine Leidenschaft, die schon in frühester Kindheit mit einer Sammlung von Radiergummis begann:

„Eine Sammlung beginnt mit zweien, wenn man auf der Suche nach dem dritten ist.“
(S.22)

Dass er damit jedoch noch nicht die hohe Kunst des Sammelns erreicht hatte, wurde ihm spätestens dann klar, als er sich mit seinem Onkel Edgar – ach, ich hätte ihn so gern kennengelernt – einem Paradiesvogel mit besonderen Eigenarten, über sein Hobby unterhielt. Denn Edgar war es, der ihm den wahren Sinn des Sammelns erklärte. Nicht irgendwelche Antiquitäten oder schöne Dinge solle man sammeln, sondern diese, die eine Geschichte erzählen und die Seele ihrer Vorbesitzer wahren konnten.

„“Wenn du ein echter Sammler werden willst, musst du eines verstehen: Die Dinge, die echten Dinge“, hatte er mit gehobenen Zeigefinger betont, „bewahren die Erinnerung derjenigen, die sie besessen haben.““
(S. 27)

Von diesem Moment an änderte sich das Leben François‘ komplett. Er sammelte gezielter und entwickelte einen besonderen Sinn für das Geschäft. Auktionen wurden seine zweite Heimat, sehr zum Leidwesen seiner Frau, die ihn mehr und mehr ins Abseits drängte, sodass sein Hobby bald komplett in sein Arbeitszimmer ausgelagert wurde. Man stelle sich das einmal vor: Regale, Schränke, Ablagen zum Bersten gefüllt mit kleinen und größeren Schätzen, die den vorgegebenen Rahmen zu sprengen drohen! Nach und nach erobert er sich mehr Platz in der Wohnung zurück – sehr zum Missfallen von Charlotte.

Zur Eskalation kommt es jedoch erst, als François bei einer Auktion auf ein Gemälde aus dem 18. Jahrhundert stößt, das niemanden geringeren zeigt als ihn selbst. Zu Hause verhöhnt und von den Freunden milde belächelt, macht er sich auf, um die Geschichte des Bildes zu erforschen. Ein Weg, der ihn zu einem Weingut im Burgund und einer jungen Gräfin führt, die seit Jahren auf ihren verschwundenen Gatten wartet. Mit großer Freude wird er dort empfangen, schließlich ist es doch er: Aimé-Charles de Rivaille, der Graf von Mandragore… oder etwa nicht?

***

Im Januar habe ich euch ja die ersten beiden auf Deutsch beim Atlantik Verlag erschienenen Bücher von Antoine Laurain vorgestellt. Damals unter dem Titel „Vom Suchen, Finden und Gefunden werden“. Ein Thema, an das ich beim Bild aus meinem Traum nahtlos anknüpfen kann. Denn auch François war verloren, auf der Suche nach dem Glück und der Liebe. Der Job war für ihn keine Erfüllung, genauso wie seine Ehe mit Charlotte. Und wieder einmal war es das Schicksal, das ihm zugute kam: Ein Bild tauchte in einer Auktion auf, nicht irgendein Bild, sondern DAS Bild. Ein Gemälde, das ihn selbst zeigt. Spätestens seit Oscar Wildes Bildnis des Dorian Gray sollte sich der Leser ja der Gefahr bewusst sein, die von einem spontan auftauchenden Bildnis seiner selbst ausgehen könnte, aber wie es so oft der Fall ist, überwog auch hier die Neugier. François musste das Bild haben, um jeden Preis. Und er ging als Sieger aus der Auktion hervor.

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Ehekrach, Spott und mildes Kopfschütteln waren die Reaktionen auf sein Bild und die Ähnlichkeit, die keiner außer ihm zu erkennen vermochte. Doch ihm öffnete all dies die Augen: neue Perspektiven, eine neue Zukunft. Er stürzte sich in die Recherchen und die Mühen sollten belohnt werden. Der Weg führe ihn ins Burgunder Land auf ein Weingut der Gräfin von Mandragore. Dort angekommen schien die Zeit stillzustehen. Fast schon magisch und ein wenig märchenhaft mutet die Geschichte von diesem Moment der Ankunft an. Ein Dorf, das sonst von allen Landkarten gestrichen zu sein scheint und eine traurige Vergangenheit hegt. Ist der Graf doch vor einigen Jahren spurlos verschwunden und die Gräfin einsam und in Trauer. Und nun ist er wieder da. François…. nein, Aimé, oder doch François?

Die Ankunft im Dorf bestimmt eine wichtige Wende im Leben des Anwalts, eine Entscheidung, die nur schwarz oder weiß zulässt. Eine endgültige Entscheidung ohne Weg zurück, egal welche Richtung er einschlagen würde.

„Pierre-François Chaumont, bist du da? Ein Schlag ja, zwei Schläge, nein.“
(S.189)

Auch in diesem Buch von Antoine Laurain dient die Geschichte zur Selbstfindung. Jeder einzelne Charakter findet in irgendeiner Weise seinen Platz im Leben und zu sich selbst. Ein Aspekt, der diese Geschichte zu einer wundervollen Botschaft für mich macht: nicht aufgeben, alles wird sich zur rechten Zeit fügen. Man muss manchmal aus bekanntem Terrain ausbrechen und den Mut haben, Neues zu wagen. Dann wird man auch irgendwann seinen Platz und seine Bestimmung finden.

Paris als Schauplatz rückt dieses Mal etwas in den Hintergrund, aber gerade der Sprung von der Stadt als Ort des unglücklichen Lebens des Anwalts bis hin zum märchenhaften, fast ein wenig wie in Pastell gezeichneten Weingut zeigt gleichzeitig den Weg heraus aus dem trüben Grau zum erfüllten Bunt der Zukunft. Untermalt wird dies von einer Fülle an Details, die lebendiger und liebevoller nicht sein könnten. Jeder Laurain ist davon geprägt, genau wie von einem einzigartigen Charme, der jede Seite zu einem besonderen Genuss macht. Greift zu und erlebt auch mit diesem Buch einen ganz besonderen Genuss, der den Leser mit viel Wärme und einem Glücksgefühl im Inneren zurücklässt

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189 Seiten Leseglück liegen hinter mir, 189 Seiten, die ich mit einem Lächeln im Gesicht beende, in der Gewissheit auf nachfolgende Geschichten und in der Erinnerung an einen Tag im April am Louvre im strahlenden Sonnenschein. An den Tag, an dem ich mit Antoine Laurain genau dort saß und über seine Bücher, Projekte und Gott und die Welt geredet habe. Jede Seite seiner Bücher ist Antoine Laurain, jedes Wort und jeder Satz. Ich bin sehr dankbar, diesem wundervollen Menschen begegnen zu dürfen und freue mich schon auf ein Wiedersehen in Paris. Und bis dahin bleiben ja noch einige wunderbare Geschichte.

Merci, Antoine! Merci pour le bonheur que tu apportes dans ma vie!#

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Achtung: #mädelswaldtour: Im dunklen dunklen Wald von Ruth Ware

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Hallo ihr Lieben und herzlich willkommen im dunklen Wald… Heute ist schon der 4. Tag unserer tollen Blogtour.

Ihr habt doch keine Angst, oder? Hier ist es nur ein bisschen dunkel und es passieren ziemlich schräge Dinge. Ihr wollt wissen was passiert? Na dann macht mit bei unserem Gewinnspiel und lest diesen fantastischen Thriller selbst. Der Klappentext soll euch aber dennoch einen kleinen Hinweis geben:

Eine bizarre Junggesellinnenparty. Ein Spiel, das aus dem Ruder läuft.
Manche Partys sind gut, manche sind schlecht. Diese hier ist tödlich.
Als Nora, 26, eine Einladung zum Junggesellinnenabschied ihrer ehemals besten Freundin Clare bekommt, ist sie mehr als überrascht. Sie hat Clare seit zehn Jahren nicht gesehen. Seit dem Vorfall damals, den Nora nie ganz überwunden hat… Und jetzt aus heiterem Himmel diese Einladung. Ein idyllisches Wochenende in einem Haus tief in den winterlichen Wäldern Nordenglands ist geplant. Was kann es schon schaden? Nora gibt sich einen Ruck und fährt hin. Doch etwas geht schief. Grauenvoll schief…
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Eine besondere Rolle spielt das Thema Freundschaft. Was würde es da besseres geben, als ein bisschen mit unserer lieben Yvonne und der herzallerliebsten Pauli von der „Lesenden Samtpfote“ über das Thema Freundschaft zu plaudern. Ich habe sie die Tage zufällig im Wald getroffen und mit ihr über das Geheimnis einer langlebigen Freundschaft gesprochen. Aber lest selbst:

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Pauli: Hey Jule, ich lese gerade „Im dunklen, dunklen Wald“ und da sind mir ganz viele Frage in den Kopf gekommen, die ich unbedingt loswerden wollte. Wie lange hatten Frauchen und du eigentlich keinen Kontakt mehr?

Jule: Hey Pauli, schön, dich hier auf dieser Bank im Wald zu treffen! Findest du es nicht ein wenig dunkel hier? Gerade wo wir doch noch zusammen im passenden Buch stecken!

Puh, das waren schon einige Jahre, die wir nichts voneinander gehört haben. War sehr traurig, aber wir hatten ja auch beide viel um die Ohren. Vieles hat sich spontan geändert, viele schöne und unschöne Dinge sind passiert, wir haben unseren Weg im Leben gesucht und mussten so manche Entscheidung treffen. Da blieb einfach kaum Zeit. Aber weißt du, was richtig schön ist? Nachdem wir durch die liebe Brigitte Riebe wieder so richtig in Kontakt kamen, war es so, als hätte es diese „leeren“ Jahre nie gegeben. Als würden wir einfach wieder bei Animal Crossing und Caramel Latte dasitzen und über Gott und die Welt reden. Es hatte sich absolut nix geändert. Die gleiche Vertrauensbasis, der gleiche Humor, wir können lachen, weinen, uns kritisieren, … Hat man nur selten im Leben und umso mehr bin ich froh, dass wir uns das so erhalten konnten.

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Was meinst du denn dazu? Dich hab ich ja auch so vermisst! Was macht für dich die enge und langjährige Freundschaft aus?

Pauli: Ich finde es auch ziemlich dunkel hier, fast schon gruselig. Aber ich hab es im Buch und dem Glashaus nicht ausgehalten. Doch wenn ich mir recht überlege, gruselt es mich noch mehr, dass du mir genau die Frage gestellt hast, wegen der ich zu dir komme. Mir geht es einfach nicht mehr aus dem Kopf, wie Tom Nora gefragt hat, was das Geheimnis einer langlebigen Freundschaft ist und Nora gar nicht wusste, was sie antworten soll, weil sie und Clare so lange Funkstille hatten. Deshalb dachte ich, ich frage dich. Frauchen und du, ihr hattet doch auch so lange Funkstille. Ist das Geheimnis eurer Freundschaft vielleicht genau diese Funkstille? Eine Zeit, in der sich jeder weiterentwickelt hat, um dann dem anderen gegenüberzutreten und genau da weiterzumachen, wo man vor vielen Jahren aufgehört hat – ohne Vorwürfe, sondern mit Verständnis? Ich denke, das ist der Schlüssel! Verständnis für den anderen, den man so gut kennt, auch nach einer längeren Kontaktpause. Und welche Rolle spiele ich dabei, hier in diesem Rahmen, in dem wir uns wiedergetroffen haben. Bin ich vielleicht so besessen von Frauchen, wie Flo von Clare? Das Buch macht mich paranoid…

Darf ich dich was anderes fragen?

Jule: Flo ist wirklich besessen von Clare. So etwas kenne ich auch. Ich hatte einmal eine beste Freundin in der Schule. Sie rief mich jeden Tag an, ich durfte nur mit ihr etwas unternehmen und kaum Kontakt zu anderen haben. Das hat mich dann so fertig gemacht, dass ich es kaum mehr ausgehalten habe und diesen Kontakt auch sehr zurückgeschraubt habe.

Pauli: Solche Freunde kenne ich auch. Man denkt, sie können ohne diese eine andere Person nicht existieren, weil sie so abhängig sind. Das ist nicht nur für den Freund sehr anstrengend, an den sich diese Person klammert, sondern auch für alle anderen Personen. Man hat immer das Gefühl, dass man diese eine Person mitschleifen muss.

Aber irgendwie finde ich es traurig, dass es Menschen gibt, die sich so abhängig machen von einem Menschen. Allerdings bin ich ehrlich gesagt ja auch so abhängig und besessen von Frauchen… bei Katzen ist das aber was anderes.

Jule: Das stimmt. Aber wieso tun sie das? Vielleicht aus Bewunderung oder auch aus dem Gefühl heraus, einfach etwas Besonderes in der Person zu sehen, ihr nahe sein zu wollen? Ist das gut dosiert, kann das sehr schön sein. Aber sobald es ungesunde Ausmaße annimmt, muss man schon vorsichtig sein.

Pauli: Mir tun die Menschen leid, die sich von jemandem so abhängig machen. Jeder ist doch auch allein toll, auf seine eigene Art.

Jule: Magst nicht vorbei kommen und bissl kuscheln? Ich mag keine gruseligen dunklen Wälder, obwohl ich sonst sehr gern draußen bin! Und was wolltest du mich fragen?

Pauli: Oh ja, es ist auch ziemlich kalt, da kuschel ich gern. Aber nun zu einer dieser Fragen, die mich nicht loslässt. Stell die vor, Frauchen hätte dich in all den Jahren der Kontaktpause aus heiterem Himmel auf ihren Junggesellinnenabschied eingeladen… wärst du gegangen, um der alten Zeiten willen?

Jule: Oh…. diese Frage ist wirklich schwierig, da ich ja eigentlich kein Freund dieser ganzen Spektakel bin *Lach* komisch, wo ich doch so ne ewig endlose Romantikerin bin. Ich kann dir darauf keine eindeutige Antwort geben, da das auch die Zeit und die Umstände bestimmt hätten. Wäre es in der Zeit gewesen, als mein Pa… sicher nicht, wäre es zu machen gewesen, vielleicht… hmm das ist wirklich ein etwas schwieriges Thema, auf Frauchen hätte ich mich sehr gefreut und hätte es bei ihr sicher auch in Erwägung gezogen, auch wenn ich sonst niemanden gekannt hätte.

Pauli: Hättest du dich gar nicht gewundert?

Jule: Gewundert – sicherlich etwas, aber ich kenn so viele verrückte Pärchen, bei denen das Knall auf Fall passiert und auch Freunde, mit denen man viel weniger als mit Frauchen zu tun hatte, die einen einladen, von daher wäre ich sicher überrascht gewesen, aber positiv und erfreut. Und hundert pro hätte das dazu geführt, dass wir wieder eher mehr Kontakt gehabt hätten – egal, ob ich hingegangen wäre oder nicht.😉

Pauli: Und wenn ihr so lange keinen Kontakt gehabt hättet, dass du nicht mal weißt, wer der Bräutigam ist? Wärst du gegangen? Ist das das Geheimnis, dass man sich nach Jahren noch blind vertraut.

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Jule: Gegenfrage: Steht da meine Meinung denn zur Debatte? Ich meine, ich hätte ihn zwar nicht gekannt, aber Frauchen ist ja dennoch meine Freundin und wird schon wissen, was sie da tut. Hofft man zumindest.🙂

Und du hast recht: Verständnis ist die Grundvoraussetzung, um nahtlos an etwas anzuknüpfen, das lang unterbrochen war. Wie eben unsere Freundschaft. Und dazu kommt sicher noch die Ebene auf der man sich bewegt hat. Wir waren ja so arg auf einer Wellenlänge, da war das kaum ein Problem. Eher habe ich mich geärgert, dass es überhaupt alles so lang auf Eis lag. Umso schöner ist es aber, dass wir uns jetzt wiedergefunden haben.

Magst du denn Hochzeiten? Und Junggesellinnenabschiede? Wie würdest du den denn gern feiern? Oder wie überhaupt nicht?

Pauli: Ich hätte eingeladen zur Wellnessbehandlung an einem Mauseloch an einem See oder so. Ich hätte aber alle eingeladen. Nicht nur Katzen, auch Kater. Alle Kumpels! SamRoc, Wallee, Ponyo, Jack, Chester (aber nur bis 22 Uhr) und alle anderen und wir hätten Milchskey getrunken und uns von unseren Frauchen kraulen lassen. Aber wenn, dann würde ich nur Frauchen heiraten und die hat gesagt das geht nicht. Da fällt mir ein, dass ich gar nicht weiß, wie und ob sie feiern würde. Da muss ich genau zuhören, was Heike am 31.10.2016 von Frauchen zu berichten hat.

Wurdest du schon mal nach langer Zeit der Funkstille zu einem Junggesellinnenabschied eingeladen?

Jule: Eine liebe Freundin, die ich ewige Jahre auch nicht mehr gesehen habe, hat mich auch zur Hochzeit eingeladen gehabt und war unterdessen Mama geworden und so einige Überraschungen mehr, das war auch etwas komisch und am Ende aber eine riesen Freude.🙂

Pauli: Ich bin ja von Natur aus skeptisch.

Aber ich weiß, dass Frauchen genau diese Sache zu schaffen macht. Vor dem Studium, in der Schulzeit, gab es schon mal eine Juliafreundin. Zu der war auch einige Jahre der Kontakt abgebrochen, als plötzlich eine Einladung zum Junggesellinnenabschied und zur Hochzeit kam. Frauchens Mama war in der Zeit grad so krank und Frauchen ist kaum noch aus dem Haus gegangen, weil alles zu viel war. Deshalb hat sie die Einladung abgesagt. Ich weiß aber ganz genau, dass sie nicht mehr bereut, als diese Entscheidung. Nachvollziehbarerweise, ist der Kontakt zu dieser Freundin jetzt nicht mehr so gut. Ich glaube, sie hat es Frauchen nie verziehen, dass sie nicht gekommen ist. Frauchen ist deshalb immer sehr traurig.

Yvonne: Pauli, hier bist du? Ich habe schon gesucht! Hey Jule, schön dich zu sehen. Na, plaudert der Fellball wieder aus dem Nähkästchen.

Jule: Hey Yvonnchen! Mannomann, Pauli ist aber wissbegierig. Man kommt ja gar nicht zum durchatmen.😉

Yvonne: Wem sagst du das. Aber ich bin froh, dass Pauli so clever ist. Ohne ihre Idee mit dem Blog, hätten wir uns wohl nicht so schnell wieder gefunden. Aber wieso ist das Kontakthalten oftmals so schwierig heutzutage? Wir leben doch im Zeitalter der modernen Kommunikation.

Jule: Vielleicht besteht genau da das Problem – wir sind übermedialisiert! Nie war es leichter als heute, Kontakt zu knüpfen und zu halten. Man kann auf Facebook schauen, auf Instagram, Twitter und wie die ganzen Social Medias alle so heißen. Deshalb macht man sich ja kaum noch die Mühe, einen Kontakt bewusst aufrecht zu erhalten. So mit Briefe schreiben und so. Ich will wissen, was jemand macht: Ach schau, ein neuer Snap, ein neuer Eintrag auf der Pinnwand. Man wird so von Informationen aus allen Bereichen überflutet, dass man auch manchmal einfach den Überblick verliert. Jeder arbeitet viel und hart und will in seiner Freizeit so wenig Stress wie möglich haben. Da wird es einem ja sehr leicht gemacht. Allerdings sind das sehr oberflächliche Kontakte. Wenn man diese vertiefen möchte, muss man dann schon wieder auf die konventionellen Wege zurückgreifen. Oder wie siehst du das? Ach… ich bin gern hier mit euch!

Yvonne: Das stimmt schon. Man denkt immer, man kann ja jederzeit jemandem schreiben, weil man so gut vernetzt ist. Aber irgendwann ist so viel Zeit vergangen, dass man sich irgendwie nicht mehr traut und dann die Funkstille immer länger wird.

Ich bin jedenfalls froh, dass wir uns wiedergefunden haben und es nun auch hinbekommen, den Kontakt zu halten.

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Bei der #Mädelswaldtour könnt ihr übrigens auch ein Exemplar von Ruth Wares „Im dunklen, dunklen Wald gewinnen – und das müsst ihr dafür tun:

Auf allen 6 Stationen sind 4 Buchstaben, bzw. einmal 3 Buchstaben, im Text rot markiert.
Diese ergeben in die richtige Reihenfolge gebracht das Lösungswort (23 Buchstaben), welches per Mail an lesende_samtpfote@web.de bis einschließlich 31.10.2016, 23.59 Uhr geschickt werden sollte und euch mit viel Glück das Exemplar von „Im Dunklen dunklen Wald“ beschert.

Teilnahmebedingungen:

  • Wer darf teilnehmen? Minderjährige nur mit Erlaubnis der Eltern, nur Teilnehmer aus Deutschland. Teilnehmer aus dem Ausland sind ebenfalls zugelassen, sofern diese das Porto selbst tragen.
  • Die Gewinner werden ausgelost und stimmen durch ihre Teilnahme zu, namentlich auf den teilnehmenden Blogs genannt zu werden.
  • Die Verlosung beginnt am 26.10.2016 und endet auch am 31.10.2016 um 23:59 Uhr.
  • Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
  • Eure Daten werden ausschließlich für das Gewinnspiel und den Versand benutzt und danach gelöscht.
  • Eine Haftung für den Versand ist ausgeschlossen.
  • keine Barauszahlung möglich
  • Meldet sich der Gewinner auf unsere Nachricht nicht innerhalb von 7 Tagen nicht, wird neu ausgelost.

Der Gewinner wird am 01.11.2016 gezogen und veröffentlicht, bzw. bekommt dann auch eine entsprechende Mail mit der Bitte um Angabe seiner Anschrift.

VIEL GLÜCK