Achtung Buch: Holmes und Ich – Die Morde von Sherringford von Brittany Cavallaro

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Manche Bücher kommen genau zur rechten Zeit, so wie dieses. Als ich im März meine erste Klasse übernommen habe, stand das Thema Krimi ganz hoch im Kurs auf dem Lehrplan und damit einhergehend natürlich große Namen wie Sherlock Holmes, Agatha Christie und Alfred Hitchcock. Namen, die aus dem Krimigenre nicht mehr wegzudenken sind und die ihren guten Ruf bis heute gewahrt und verstärkt haben. Agatha Christie erfährt ein großes Comeback im Aufbau Verlag und Sherlock Holmes verfolgt uns in einer brillanten Neuverfilmung als Serie mit dem fabelhaften Mr. Cumberbatch und Co. Doch auch aus dem Bereich Jugendbuch kann man den Charmanten Detektiv mit seinen Markenzeichen Mütze und Pfeife nicht mehr wegdenken. Auf vielfältige Weise begegnet er uns immer wieder, sei es bei Fischer FJB als Young Sherlock Holmes oder nun hier im DTV. Eins haben sie aber alle gemeinsam: Sie verstehen das Publikum zu fesseln.

Und dieses Handwerk versteht auch Brittany Cavallaro in ihrem Buch „Holmes und Ich“, obwohl, oder gerade weil sie einmal eine ganz andere Herangehensweise wählt. Stellt euch vor, ihr müsst eure geliebte Heimat London verlassen, da ihr ein Stipendium für einen Platz an einem Elite-Internat an der Ostküste der USA erhalten habt. Kann passieren, denkt ihr euch. Aber dann trefft ihr genau dort auf den Menschen, der euer Unterbewusstsein schon das ganze Leben lang beschäftigt: Charlotte Holmes, Nachfahrin des einzigartigen und legendären Sherlock Holmes. Und ihr? Ihr seid kein Geringerer als Jamie Watson, Nachfahre Doktor Watsons. Schicksal, Vorhersehung, Zufall oder doch ein abgekartetes Spiel? Findet es heraus! Euch bleibt nicht viel Zeit, denn schon kurze Zeit, nachdem ihr an der Eliteuniversität angekommen seid, geschieht ein erster Mord. Hauptverdächtige: Jamie Watson und Charlotte Holmes. Misstrauen und Beobachtung von allen Seiten folgen auf die Geschehnisse und auf einmal holt euch die Vergangenheit ein. Nur ihr beiden könnt gemeinsam den Mord von Sherringford  aufklären. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt…

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Brittany Cavallaro ist mit ihrer Version von Sherlock Holmes ein toller Auftakt gelungen. Von einer ganz neuen Seite beleuchtet sie das Leben des berühmten Detektivs, nämlich durch die Augen seiner Nachfahrin Charlotte, die ihm gar nicht so unähnlich ist. Ausgestattet mit einer sehr egozentrischen und eigenen Art sowie zahlreichen Ticks, gelingt es ihr sehr schnell den jungen Watson in ihren Bann zu ziehen, der eigentlich nichts wollte, außer ein ruhiges Leben zu führen und eins tunlichst zu vermeiden: Charlotte Holmes zu begegnen. Unmöglich! Denn schon bei der ersten Begegnung ist es um den jungen Mann geschehen. Nach und nach raufen sich die beiden mehr zusammen und Watson gelingt es, den harten Panzer um den Kern Charlottes zu durchbrechen. Beide Charaktere erzählen und berichten parallel über ihre Erlebnisse, sodass der Leser die verschiedenen Gedanken sehr plastisch vermittelt bekommt. Dabei spart die Autorin an keiner Stelle mit Details und Beschreibungen, sodass vor dem inneren Auge des Lesers eine sehr lebendige Welt entsteht. Ebendiese Perspektivenwechsel machen das Buch sehr spannend und halten den Leser in den Seiten gefangen. Man mag das Buch kaum mehr aus den Händen legen, wenn man einmal damit begonnen hat.

Der Autorin ist hier ein wirklich tolles Jugendbuch gelungen. Die gewählte Thematik punktet mit Spannung, einer gut durchdachten Handlung, aber auch mit viel Romantik und Herzblut, was im Jugendgenre einfach auch nicht fehlen darf. Schauplätze und die Atmosphäre sind zauberhaft beschrieben und mit viel Liebe zum Detail zum Leben erweckt worden und stets schwebt die Erinnerung an die großen Vorbilder über der Geschichte. Ein prima Auftakt, den ich jedem Jugendlichen Krimifreund und auch den „großen“ Verehrern von Sherlock Holmes nur empfehlen kann. Ich freue mich schon auf weitere spannende Abenteuer der beiden!

Achtung Buch: Die Bechsteins: Eine Familiengeschichte von Gunna Wendt

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Viele meiner Freunde wissen, dass es mir eine große Freude machen kann, eine gute Biografie in den Händen zu halten und diese natürlich auch zu lesen. Und bei manchen Biografien weiß ich schon lange, dass ich sie lesen will, bevor sie überhaupt auf den Markt kommen. Genauso war es mit der Biografie der Familie Bechstein von Gunna Wendt. Schon in der letzten Verlagsvorschau ist mir das Cover ins Auge gestochen: Mattschwarz. Ein stilisierter Flügel. Goldene Schrift. Schlicht aber alles sagend. Dann noch ein kurzer Blick auf den Klappentext und mein Entschluss stand fest. Dieses Buch muss ich haben – unbedingt!

Und – so viel kann ich jetzt schon sagen – enttäuscht wurde ich keinesfalls. Habe ich erwartet, größtenteils über den Klavierbauer Carl Bechstein zu erfahren, war ich schon auf den ersten Seiten überrascht, welchen Weg die Autorin einschlug. Nicht nur Carl stand im Zentrum der Biografie, sondern die ganze Familie findet Beachtung. Neben Carl waren das vor allem Ludwig Bechstein, der als zukünftiger Autor unter anderem die „Tannhäuser-Sage“ entdeckte, die später Wagner zu seiner berühmten Oper inspirieren sollte.

Doch erst einmal zurück zu Carl. 1826 wurde er geboren und war von einem überragenden Gehör gesegnet, dass ihm mitsamt seinem großen handwerklichen Geschick den Weg zur Karriere eines großen Klavierbauers ebnen sollte. 1953 machte er sich nach harten Lehr- und Wanderjahren mit seiner ersten Werkstatt selbstständig. Ein Jahr, das zum goldenen Jahr der großen Klavierhersteller werden sollte: In New York wuchs Steinway heran, in Leipzig Blüthner und in Berlin Bechstein. Drei große Unternehmen, die allesamt in Deutschland gegründet wurden und bis heute großen Weltruhm genießen. Ja, richtig, auch Steinway stammt aus Deutschland, da Steinway niemand anderer war als ein gewisser Herr Steinweg aus dem Harz.

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Ein erster wichtiger Wegbegleiter für Carl war der Komponist Franz Liszt und es sollten viele weitere folgen, die den guten Ruf der Bechstein-Flügel besiegeln sollten. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts ging es steil bergauf, obwohl Carl selbst im Jahr 1900 verstarb. Die drei Söhne übernahmen das Unternehmen, wobei es durch den ersten Weltkrieg zu einer ersten Krise kam: Die Menschen hatten nun andere Dinge im Kopf als die schönen Künste und auch viele Auslandsfilialen mussten geschlossen werden.

Viel schlimmer schadeten jedoch der Zweite Weltkrieg und die Jahre der Weimarer Republik dem Unternehmen. Carls Sohn Edwin gehörte seit den frühen Zwanziger Jahren zu den Förderern Hitlers, den seine Frau Helene liebte und ideell und finanziell stark unterstütze. Dies war ein Makel, der dem Unternehmen nachhaltig schadete, auch nachdem Edwin auf Drängen der Familie das Unternehmen verlassen musste.

Nichts desto trotz blieb das Unternehmen bis heute eine erstklassige Klaviermanufaktur, das noch immer über Weltruhm verfügt und großartige Künstler zu seinen Anhängern zählt. Hat Carl schon zu Beginn seiner Karriere verstanden, geschickt Netzwerke zu spinnen, setzen sich diese bis heute fort und werden in Künstlerkreisen weiter gesponnen. Ganz gleich ob die Beatles, Queen, Elton John oder große Künstler der Klassikszene – alle vereint bis heute der Name Bechstein. Name einer Familie, die eine spannende Geschichte zu erzählen hat, die Gunna Wendt sehr gekonnt niedergeschrieben hat.

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Spannend und informativ erzählt Gunna Wendt die Entstehung der Familiendynastie und setzt ihr Augenmerk dabei auf alle Mitglieder der Familie Bechstein und deren individuellen Entwicklungen. Ergänzt wird dies durch eine Vielzahl gegenwärtiger Stimmen, die sich aktuell zum Stellenwert eines Bechsteinflügels äußern. Interviews mit Pianisten, Musikern und Komponisten wurden im Text eingebunden und bieten so eine absolut abgerundete Geschichte vom Beginn des Flügelbaus bis heute. Für mich als bisherige Steinway-Verehrerin ein wahres Lesevergnügen, das mir auch nach über 10 Jahren direkter und indirekter Orchesterarbeit so viel Neues vermitteln konnte und dabei so viel Freude gemacht hat! Eine wahre Empfehlung für alle Musikfreunde und diejenigen, die gern spannende und sehr gut recherchierte Biografien lesen mögen!

Achtung Buch: Die Vegetarierin von Han Kang

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Als eine der großen literarischen Entdeckungen wird „Die Vegetarierin“ von der südkoreanischen Autorin Hang Kan angepriesen, und das mit Recht. Nachdem ich binnen weniger Tage dieses Werk nahezu verschlungen habe, bin ich noch immer zutiefst aufgewühlt, verstört und zugleich beeindruckt von dem Gelesenen. Im Vorfeld war mir die Autorin gänzlich unbekannt und rückte nur durch meine neugeweckte Liebe zur asiatischen Literatur in meinen Fokus, die oftmals mit leisen Worten so vieles auf eine besondere Art und Weise auszudrücken vermag.

Und genau so war es auch mit diesem Buch. Wenige Sätze genügten, um mich vollkommen in den Bann zu ziehen und nicht mehr loszulassen. Mittendrin war ich in der Geschichte der Südkoreanerin Yong Hye, einer ganz normalen Ehefrau – fast schon zu normal, wenn man ihrem Ehemann glaubt, der genau das schon zu Beginn des Romans beschreibt:

„Bevor meine Frau zur Vegetarierin wurde, hielt ich sie in jeder Hinsicht für völlig unscheinbar“, sagt er. „Um ehrlich zu sein, fand ich sie bei unserer ersten Begegnung nicht einmal attraktiv. Mittelgroß, ein Topfschnitt, irgendwo zwischen kurz und lang, gelbliche unreine Haut, Schlupflider und dominante Wangenknochen. So fühlte ich mich weder von ihr angezogen noch abgestoßen und sah daher keinen Grund, sie nicht zu heiraten. Ihr Mangel an Ausstrahlung, ihr fehlender Esprit und Charme, kam mir im Grunde genommen sehr gelegen. Auf diese Weise brauchte ich keine intellektuellen Hochleistungen zu vollbringen, um sie für mich zu gewinnen.“

Normal und unscheinbar: Werte, die für ihn groß geschrieben werden. Auf keinen Fall auffallen oder gar anders sein. So lebten sie still miteinander oder doch eher nebeneinander in einem Land, das von ebendiesen Normen geprägt ist. Bis zu jenem besagten Abend, an dem alles Yong Hye vor dem Kühlschrank sitzt, inmitten von haufenweise eingefrorenem Fleisch in allen Variationen. Fleisch, das man von keiner Speisekarte wegdenken kann und das zum Leben gehört wie die Luft zum Atmen. Alle essen Fleisch, die ganze Familie kocht und liebt es. Vegetarismus ist streng verpönt und absolut nicht akzeptabel. Schon gar nicht in Yong Hyes Familie. Doch dann passiert genau in dieser Nacht das Unglaubliche. Yong Hye hört auf Fleisch zu essen, überhaupt alles Tierische wird von der Speisekarte gestrichen. Eine einzige knappe Begründung gibt es immer wieder:

„Ich hatte einen Traum.“

Nich mehr und nicht weniger. Träume waren es von Blut, von Fleisch, vom Fressen und gefressen werden. Aus der Ablehnung des Fleisches wird eine Ablehnung des Essens überhaupt. Mehr und mehr verfällt die junge Frau und geht vor den Augen ihrer Familie zugrunde. Bis es bei einer Familienfeier zur Eskalation kommt: Der Vater, das Oberhaupt der Familie, versucht seine Tochter „zu Vernunft“ zu bringen, indem er ihr gewaltsam Fleisch in den Mund steckt.

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Spätestens in diesem Moment wird alles klar: Fleisch ist nicht nur Fleisch und auch nicht nur ein Symbol für das Essen in Korea. Fleisch steht in diesem Buch als Symbol für Gewalt, für alle Gewalt, gegen die es aufzubegehren gilt. Ganz gleich ob häusliche Gewalt oder andere tätliche Gewalt. Und Yong Hye steht genau in der Mitte des Ganzen als Symbol für den Kampf und für die Freiheit in einer Umgebung, die dieser entgegensteht. Sie steht für den Kampf und für den Wandel.

Und der Wandel ist ein weiterer wichtiger Aspekt, der im Roman schon fast kafkaesk anmutet, wenn nicht sogar ein wenig an Ovids Metamorphosen denken lässt. Mit dem Verzicht auf Fleisch kommt in der jungen Frau nämlich ein großer Wunsch auf: Sie will selbst zur Pflanze werden. Und einen Moment, einen sehr bizarren Moment lang, scheint dieser sogar wahr zu werden. Ein wilder Akt, den ich an dieser Stelle nicht näher beschreiben will, der für mich aber zu einer schockierenden und dennoch sehr faszinierenden Stelle im Buch wurde. Ein Akt der Befreiung, nachdem sie sich schon in der Öffentlichkeit entblößte und der Sonne entgegenstreckte – wie eine Pflanze auf der Suche nach dem rettenden Sonnenlicht.

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Leise Töne dominieren diesen Roman – leise Töne, die so laut in den Ohren widerhallen wie die Gewalt und die Brutalität, die hinter dem gesamten Verhalten Yong Hyes stecken und Auslöser des Ganzen sind. Gewalt und Brutalität, die das Leben der jungen Frau von Kindesbeinen an auf verschiedenste Art und Weise prägten und die immer gut verschlossen unter der Oberfläche gehalten wurden – man muss ja schließlich die Norm wahren.

Der Verzicht auf Fleisch – ein stummer Aufschrei mit einer gravierenden Wirkung. „Lass uns einfach nicht nach Hause gehen“, sagte sie zu ihrer Schwester in jungen Jahren. Damals schon ein leiser Hilferuf, der nie erhört wurde. Vielleicht hätte es etwas geändert, vielleicht auch nicht…

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Tief aufgewühlt lässt mich dieser Roman zurück, voller Fragen, auf die ich momentan keine Antworten finde und vielleicht auch nicht finden werde oder finden will. Nicht umsonst hat „Die Vegetarierin“ den Man Booker International Prize gewonnen und wird hoch im Kurs gehandelt. Er ist ein literarisches Meisterwerk, das einen von der ersten bis zur letzten Seite fesselt und weit darüber hinaus beschäftigt. Man schaut über die Grenzen, denn dieser Roman steht für weit mehr als für den Vegetarismus in Korea, als für Normen und Auflehnung. Er hält uns einen Spiegel vor, einen Spiegel der Gesellschaft und der Doktrinen. Einen Spiegel derer, die die Freiheit suchen und alles dafür geben. Und steht es nicht jedem Menschen frei, das zu sein? FREI?

Klassiker Weltreise – Unterwegs mit Friedrich Schiller und Giuseppe Verdi

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Heute ist es soweit: Ich bin zu Gast bei Ronja und ihrer Klassikerweltreise. Jeder der mich kennt, würde wahrscheinlich vermuten, dass ich nun „Faust“ vorstellen werde, womit ich auch tatsächlich kurz geliebäugelt habe. Aber dann gibt es da ja noch diese anderen Klassiker, die einen fesseln und nicht mehr loslassen. Die einem auf besondere Art und Weise immer wieder begegnen und die man einfach weitergeben will. Mein Klassiker für euch ist deshalb Schillers „Kabale und Liebe“. Dieses Stück möchte ich euch zunächst in seiner ursprünglichen Form als Text/Bühnenfassung für das Theater vorstellen, bevor ich mit euch dann weiter in die Oper gehe. In die Oper? Richtig gelesen! Kein Geringerer als Giuseppe Verdi persönlich nahm sich des Stoffes an und zauberte eine Oper, die zwar relativ unbekannt, aber dennoch wunderschön ist. Ich habe das große Glück, dass sie bei uns am Theater aufgeführt wird und möchte euch somit einen kleinen Exkurs in die Opernwelt inklusive Einblicke in meinen persönlichen Premierenbesuch geben. Viel Spaß dabei!

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Der Roman/Das Theaterstück: Friedrich Schiller – Kabale und Liebe

Die Handlung:

Ferdinand, Sohn des Präsidenten von Walter liebt Luise Miller, die Tochter eines einfachen Musikers. Beide Väter lehnen diese nicht standesgemäße Liebe ihrer Kinder ab. Der Präsident von Walter möchte Ferdinand mit Lady Milford verheiraten, um so einen höheren Rang bei Hofe zu erreichen – ein Plan, den Ferdinand vereitelt, indem er sich offen gegen den Vater wendet. Er geht zu Lady Milford, um ihr von seiner Liebe zu Luise zu berichten und sie so dazu zu bewegen, dieses unglückselige Bündnis aufzuheben. Dabei erfährt er aber, dass die Lady ihn wirklich liebt und auf ihn nicht mehr verzichten möchte. Luise geht daraufhin selbst zu ihr und spricht voller Unschuld und Selbstlosigkeit zu ihr. Daraufhin verlässt Lady Milford das Land und löst diese Verbindung.

Geschockt darüber, dass ihre Ziele so in die Ferne rücken und besorgt, dass Ferdinand die korrupten Machenschaften des Vaters offenlegen könnte, spinnen der Präsident und sein Sekretär Wurm eine vernichtende Intrige: Luises Eltern werden grundlos verhaftet und man redet ihr ein, dass sie diese nur retten könne, indem sie dem Hofmarschall von Kalb einen Liebesbrief schreibt. Auf diesen Brief muss sie außerdem einen Eid schwören, der den Brief als ein von ihr aus freien Stücken verfasstes Dokument belegt. Dieser Brief wird Ferdinand zugespielt, der in eifersüchtige Raserei verfällt. Luise will sich indessen durch Selbstmord von diesem Eid lösen, um so vor Ferdinand sterbend wieder die reine Liebe schwören zu können.

Ihr Vater durchkreuzt diese Pläne aber, da er Selbstmord als eine Schwäche und vor allem als ein unchristliches Verhalten anklagt, das einer schweren Sünde gleichkommt. So kann sie Ferdinand nur schweigend gegenüberstehen. Wütend und verzweifelt vergiftet Ferdinand erst sich und dann Luise. Sterbend offenbart diese dem Geliebten die Wahrheit über die Intrige und vergibt ihm. So sterben beide in Liebe. Im Moment des Todes kommt auch noch Ferdinands Vater dazu, der an dem Bild, das sich ihm zeigt, zu zerbrechen droht. Als Zeichen wahrer Größe reicht ihm der sterbende Sohn noch die Hand zur Versöhnung, bevor er seinen letzten Atemzug tut.

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Rodolfo: Jason Kim – Copyright: Peter Awtukowitsch

Hintergrund

Kabale und Liebe ist ein klassisches Drama in fünf Akten von Friedrich Schiller. (Ich spare mir hier die Beschreibung der klassischen Dramentheorie. Sollte es für euch von Interesse sein, kann ich dazu natürlich noch einen kleinen Exkurs hinzufügen.) Wie so ziemlich jedes klassische Drama war es für die Bühne konzipiert und wurde am 13. April 1784 in Frankfurt am Main uraufgeführt. Es gehört zu den wichtigsten Beispielen der Literatur des Sturm und Drang, einer literarischen Strömung, die sich zur Zeit der Aufklärung ausprägte. Heute zählt es zu den bedeutendsten Theaterstücken überhaupt. Nannte Schiller es ursprünglich „Luise Millerin“, änderte er dies bald in „Kabale und Liebe“ – ein Name, von dem er sich mehr Publikumswirksamkeit erhoffte.

Das Stück handelt von der leidenschaftlichen Liebe zwischen der bürgerlichen Musikertochter Luise Miller und dem Adelssohn Ferdinand von Walter, die jedoch durch vielerlei Intrigen zerstört wird. Schiller sah in seinem Theater die Bühne schon immer als einen Ort, der einer moralischen Anstalt gleichkommt. Theater soll die von Gott geschaffene Ordnung der Welt zeigen, es hat einen Bildungs- und Erziehungsauftrag – die Reinigung des Zuschauers sei ein wünschenswertes Ergebnis des Theaterbesuchs. Eine Tatsache, die auch in „Kabale und Liebe“ nicht zu kurz kommt, denn auch dort setzt sich am Ende Gott als richterliche Instanz gegen die weltliche Justiz durch. Auch wird die Politik der Zeit an vielen Stellen offen kritisiert, was ein typisches Merkmal der Epoche darstellt.

Gattungstechnisch muss man das Stück dem bürgerlichen Trauerspiel zuordnen, einer Form der Tragödie, die – das ist die eigentliche Neuerung der Gattung – nicht mehr ausschließlich in der Adelswelt stattfindet, sondern auch das Bürgertum einschließt (siehe die Liebe Luisas zu Ferdinand). Die bestehende Ständeordnung wird gewollt außer Kraft gesetzt, der Konflikt zwischen Adel und Bürgertum wird zum zentralen Motiv. Deutlich für den Sturm und Drang ist außerdem die Vertretung individueller Interessen und subjektive Empfindungen. Man fordert die persönliche Freiheit fernab der standesbedingten Zwänge, die letztendlich immer wieder in die Katastrophe führen.

Die Oper: Giuseppe Verdi – Luisa Miller 

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Was geschieht, wenn ein großer Komponist von einem klassischen Stoff begeistert ist und den Auftrag bekommt, für Neapel zwei neue Opern zu schreiben, für die Salvatore Cammarano, der Hausdichter des Teatro San Carlo die Libretti liefern sollte? Richtig: Verdi entschied sich für eine Inszenierung für „Luisa Miller“ nach Schillers Drama „Kabale und Liebe“. Man kann fast schon sagen, dass Verdi ein Verehrer Schillers sein musste, war „Luisa Miller“ nach „Giovanna d’Arco“ (nach „Die Jungfrau von Orléons“) und „I masnadieri“ (nach „Die Räuber“) schon die dritte Vertonung eines Dramas des großen Klassikers. Es soll später noch „Don Carlos“ folgen.

Schillers „Kabale und Liebe“ bilden, wenn auch in damals zensurbedingt zurechtgestutzter Form, die Grundlage für Verdis „Luisa Miller“ (Libretto: Salvatore Cammarano), eine Oper, die in unserer Zeit nur sehr selten auf den deutschen Bühnen zu finden ist. „Warum?“, frage ich? Aufführungen finden sich in Berlin 1927, Wien 1930 oder in Zürich 1938. Warum aber nur so selten und gar kaum im deutschen Raum. Das Werk besitzt alles, was Opernfreunden den perfekten Abend bescheren kann: Eine schlüssige und gut ausgebaute Handlung, das nötige Drama, bezaubernde Melodien und Arien zum Niederknien.

Vergleicht man das Libretto mit dem Trauerspiel Schillers, darf man die Zeit nicht außer Acht lassen. Bleibt der Inhalt nahezu gleich, muss doch mit einigen Streichungen gelebt werden. So war Kritik am politischen Geschehen ein absolutes Tabu und auch der Sohn Ferdinand musste in Rodolfo umbenannt werden, da zur Entstehungszeit der König Siziliens Ferdinand hieß. Der Chor war unabdingbar in der Oper, sodass räumliche und szenische Umlagerungen erfolgen mussten und auch die Soli mussten teilweise umgeschrieben und in eine Art Hierarchie gebracht werden, was der Dramaturgie des Trauerspiels in der Umsetzung als Oper an sich einige kleine Schwächen bringt. So wird die Rolle der Herzogin in der Oper im Vergleich zu ihrer doch starken Vorlage im  Buch arg heruntergebrochen und auf wenige Szenen beschränkt und auch Wurm verliert mangels einer eigenen Arie oder ähnlichem an Handlungsmotivation, die er mit Schalk und Intrige auszugleichen versucht. All dies tut der Qualität des Stückes jedoch keinen Abbruch!

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Luisa: Sonja Westermann, Wurm: Igor Leviten – Copyright: Peter Awtukowitsch

Handlung:

Aus dem klassischen Drama in fünf Akten wurden in der Oper drei Akte. Drei Worte reichen eigentlich aus, um diese Oper Verdis zu beschreiben:

Liebe – 1. Akt

Die junge und schöne Luisa feiert mit ihrem Vater, ihrem Geliebten und den Freunden und Nachbarn ihren Geburtstag. Der Vater ist dem Geliebten der Tochter gegenüber sehr misstrauisch, will Luisas Hand aber auch nicht dem dubiosen Sekretät Wurm zur Frau geben, da diese ihre Liebe frei wählen solle. Was keiner wusste: Der Geliebte Luisas ist kein Geringerer als Rodolfo, der Sohn des Grafen Walter. Dieser wiederum will Rodolfo mit der Herzogin Federica verheiraten. Als der Abend der Verlobung naht, gesteht Rodolfo dieser, in eine andere Frau verliebt zu sein. Daraufhin geht er zu Miller, gibt sich zu erkennen und bittet um die Hand Luisas. Der Graf will dies nicht akzeptieren und will Luisa und ihren Vater gefangen nehmen. Rodolfo verhindert zumindest die Festnahme Luisas.

Intrige – 2. Akt

Luisa erfährt von der Inhaftierung des Vaters und wird von Wurm erpresst. Ihr Vater wird nur am Leben bleiben, wenn sie einen Brief an Rodolfo schreibt und darin ihrer Liebe abschwört. Um das Ganze noch zu verstärken, bringt Wolf Luisa zur Herzogin, vor der sie das Spiel weiterspielen muss. Rodolfo erhält den gefälschten Brief und versöhnt sich gekränkt wieder mit dem Vater, der erneut zur Ehe mit der Herzogin drängt.

Gift – 3. Akt

Luisa ist verzweifelt und will Selbstmord begehen, wird aber von ihrem Vater davon abgehalten. Beide planen, am kommenden Tag der Stadt für immer den Rücken zu kehren. Unterdessen kommt Rodolfo,um sich an Luisa zu rächen. Während er sie bedrängt, um zu erfahren, ob ihre Liebe zu Wurm wirklich echt sei, reicht er ihr Gift und trinkt es selbst auch. Luisa bleibt zunächst bei ihrer Aussage, bis Rodolfo gesteht, dass er sie beide vergiftet hat. Dann eröffnet sie ihm die Wahrheit über die Intrige. Die Väter können den Tod ihrer Kinder jedoch nicht mehr verhindern.

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Rodolfo: Jason Kim, Luisa: Sonja Westermann – Copyright: Peter Awtukowitsch

Der Opernabend – Premiere in Plauen:

Dem Musiktheaterdirektor Jürgen Pöckel ist es zu verdanken, dass es dieses Werk auf unsere Bühnen in Plauen und Zwickau geschafft hat – und das auf eine Weise, an der es nichts außer Lob zu finden gibt. Regie führte Thilo Reinardt, der im Haus schon wunderbar „Joseph Süß“ inszeniert hatte. Ein Hauch früherer 50er Jahre lag in der Luft, als die Damen und Herren in angedeuteter Rock’n Roll Manier Luisas Geburtstag feierten. Gewagt? Nein, denn es ergab sich im Folgenden eine fesselnd konsequente Regieführung, die den Abend zu einer komplett runden und in sich geschlossenen Sache machte. An seiner Seite dabei Luisa Lange, die sich für Bühne und Kostüme verantwortlich zeigt. Luisa kenne ich schon seit ihren ersten Tagen an unserem Haus und kann wiederholt nur sagen: Hut ab vor dieser Leistung. Da entstanden mit relativ geringer Kulisse und fantastischer Beleuchtung wahre Bilderwelten, die einfach nur faszinierend und traumhaft waren. Wahrlich ein goldener Griff für diese Inszenierung.

Identitätsfragen stehen im Zentrum um das große Thema der dramatischen Liebe: Wer ist man? Wer will man sein? Was will man erreichen? Zentrale Fragen, die auf der Bühne gestellt und von den jeweiligen Charakteren verkörpert werden. In einer von Gegensätzen regierten Welt agieren die Charaktere, die individueller und klarer nicht gezeichnet sein könnten. Liebe stirbt, das Böse überlebt – ein Ausgang, der Triumph und Versagen zugleich sein kann. Wir haben das kleine Haus der Millers im Vergleich zu einem pompösen Festsaal im Hause des Grafen (meine Lieblingsbilder in der Oper) und die unendlichen Weiten des Horizonts. Brillant war es auch, die Handlung quasi von Hinten her aufzurollen: Alles beginnt und endet am Grab der Kinder. In der Ouvertüre sieht man schon die Väter an den Gräbern knien und am Ende ergibt sich dasselbe Bild. Ein wahnsinnig kluger Schachzug der Regie!

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Federica: Johanna Brault, Il conte di Walter: Karsten Schröter, Ensemble – Copyright: Peter Awtukowitsch

Das Philharmonische Orchester Plauen-Zwickau brillierte unter der Leitung von GMD Lutz de Veer mit großer klanglicher Qualität und vermittelte Verdis Melodien auf nahezu perfekte Art und Weise. Technisch perfekt brillierte Sonja Westermann in der Hauptrolle der Luisa Miller. In beeindruckender Höhe und Klarheit meisterte sie die anspruchsvollen Koloraturen und vermittelte eine wundervolle Ausgestaltung der Rolle. Genauso auch ihre Kontrahentin Federica, die von Johanna Brault verkörpert wurde. Beschränkt auf wenigere Szenen füllte sie den Abend sowohl spielerisch als auch stimmlich komplett und mehr als überzeigend aus und bestach mit einer wahrlich bedrohlichen Kühle in der Ausstrahlung, die der Rolle der Herzogin mehr als gerecht wurde. Jason Kim als Rodolfo verging in Liebe zu Luisa. Bedingungslos wollte er das einfache Mädchen lieben und wurde Opfer der Intrige. Genau wie die Liebe, verkörperte er auch die Verzweiflung in einmaliger Brillanz. Ebenso glänzte Shin Taniguchi in der Partie des Vaters in gewohnter einmaliger stimmlicher Qualität. Imposant auch Karsten Schröter, mein persönlicher „Bad-Boy“ des Musiktheaters. Die intriganten und bösen Rollen stehen ihm einfach nur gut zu Gesicht. Stimmlich füllt er diese auch mit seinem angenehmen Bass aus. Als letzter sei Igor Levitan zu erwähnen, der das hauseigene Ensemble gastierend in der Rolle des Wurm sowohl stimmlich als auch spielerisch bereicherte.

Summiert man dies alles, erhält man einen qualitativ sehr hochwertigen Opernabend, der den Großstädten in keinster Weise nachstehen muss, ein brillantes Ensemble von immenser Qualität und Stimmgewalt, das durch ein harmonierendes Orchester begleitet wird, sowie einen starken Chor. All dies in einer wunderbaren Kulisse vereint und perfekt ausgeleuchtet. Ja, die Beleuchtung muss hier einfach explizit erwähnt werden, denn die Jungs erzeugten einfach einmalige Stimmungen.

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Miller Shin Taniguchi Luisa Sonja Westermann – Copyright: Peter Awtukowitsch

Ein verdienter fulminanter Applaus, fliegende Blumensträuße und ein toller Premierenempfang waren das wohlverdiente Ende dieses einfach perfekten Opernabends. der einmal mehr zeigte, dass es sich lohnt, auch so manche Rarität auf die Bühne zu bringen. Und: Ist es nicht wundervoll zu sehen, wie gut der teils so unwillig gelesene Stoff zum Leben erwachen kann?

Achtung Buch: Die Seiten der Welt „Blutbuch“ von Kai Meyer

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Eine Weile ist es nun schon her, seit das „Blutbuch“ im Fischer Verlag das Licht der Welt erblickt hat. Warum ich es jetzt erst bespreche, fragt ihr euch sicher. Aus mehreren Gründen: Der erste ist mein neuer Job, der mich so auf Trab hält, dass ich mir nicht nur einmal das Bookboard gewünscht habe, um meine Wege zu verkürzen – von Lesezeit ganz zu schweigen. Der zweite Grund wiegt natürlich noch viel schwerer – zumindest aus buchiger Sicht: Das „Blutbuch“ ist der dritte Band aus der Reihe um Kai Meyers „Seiten der Welt“ und somit das Finale. Finale bedeutet immer etwas Endgültiges, einen Abschluss und auch einen Abschied von den geliebten Charakteren, die man mehrere Jahre lang begleitet hat, mit denen man gelacht und gelitten hat. Wie man die Monate bis zum Erscheinen des Folgebandes gehibbelt hat, weil man kaum erwarten konnte, wieder tief in die „Seiten der Welt“ einzutauchen. Dazu noch die tollen Aktionen des Verlags, die uns Lesern die Welt rund um Libropolis und seine Einwohner, Gauner, Schurken, Kämpfer des Friedens und Freunde noch nähergebracht und unsere Fantasie so richtig zum Kochen gebracht haben. All das soll nach dem Finale nun vorbei sein…

Ich gebe zu, ich wollte nicht, dass die Reihe endet. Zu viel habe ich mit Furia und ihren Freunden erlebt. Vom ersten Moment an war ich tief in der Welt der Bibliomantik gefangen, lernte Tintlinge, die gefürchteten Ideen, die Kämpfer des Widerstands und viele mehr kennen. Ich erfuhr, was Gut und Böse ist und auch, dass Böse zu Gut und Gut zu Böse werden kann, dass Schein oft mehr ist als Sein, aber auch zu Sein werden kann. Wilde Exlibri wurden zu treuen Freunden, der einzigartige Duft von gespaltenen Seitenherzen lag allerorts in der Luft, während der Fischer Verlag uns einlud, ein Bookboard zu besteigen und so die Refugien aus luftiger Höhe zu erobern.

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Die Liebe zum Buch, zum Wort und auch die Macht des geschriebenen Wortes wurden in jedem Satz, auf jeder Seite deutlich. Die Phantasie Kai Meyers ist dabei einfach unschlagbar – ein wahrer Großmeister der Phantastik. Er erschafft literarische Welten, die vor dem inneren Auge des Lesers zum Leben erwachen. Welten in einer absoluten Vollendung geschrieben, mit einer eigenen Geschichte ausgestattet, die ausgeklügelter und in sich schlüssiger nicht sein könnte. Einer Geschichte, die niedergeschrieben wurde und somit erst zur Realität wurde und den eigentlichen Stein ins Rollen brachte. Mir soll an dieser Stelle verziehen sein, dass ich mir die Details zum Inhalt des Buches spare. Wer die ersten beiden Bände der Reihe gelesen hat, wird den dritten Band schon lange herbeigesehnt haben, und für diejenigen, die die ersten beiden Teile nicht kennen, wird der dritte Band einer Trilogie wohl kaum von inhaltlicher Relevanz sein.

Doch zurück zur Geschichte: Drei Bände brauchte es unbedingt, um sie zu erzählen, zu schreiben und auch, um sie umzuschreiben. Die „Seiten der Welt“ als fulminante Ouvertüre, die uns in die Welt Furias und der Bibliomantik entführte, „Nachtland“ als eine Art Entwicklungsroman, in dem sich Charaktere entfalten konnten, sich neue Wege auftaten, neue Wege begründet wurden und in dem ganz neue Refugien entdeckt wurden. Bestehendes wurde hinterfragt, Gewohntes verändert oder umgestürzt, eine merkliche Aufbruchsstimmung in eine neue Zeit war spürbar geworden. Und nun das „Blutbuch“ als episches Finale. Blut, der Stoff des Lebens, Blut als Symbol der Zugehörigkeit zu einer Familie oder/und der Verbundenheit. All diese Aspekte spielen in gewisser Weise eine wichtige Rolle.

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Jedem einzelnen Charakter wurde eine bestimmte Rolle zuteil, er entwickelte sich weiter, musste über sich hinauswachsen und sich seinem persönlichen Schicksal stellen. Nicht selten gingen diese Entwicklungsprozesse mit Schmerz und Leid einher, jedoch liegt die Betonung auch stets auf den Werten der Freundschaft und Loyalität. Am Ende laufen alle Fäden zusammen, man versteht, warum alles so kam wie es kommen musste. Doch bis zu diesem Moment erlebt man ein wahrlich episches Finale in den Tiefen der Seiten der Welt. Furia, Isis und Cat sind meine definitiven Favoritinnen des Buches, was nicht bedeutet, dass die anderen Charaktere nicht genauso gut gezeichnet sind. Jeder einzelne strotzte vor Komplexität, Lebendigkeit und einer eigenen Persönlichkeit, die bis ins kleinste Detail ausgefeilt wurde. Dabei bleibt auch die eigene Person – die Person des Autors – nicht außen vor. Schonungslos stellt er seine Rolle infrage, zeigt indirekt auf, welche Macht das geschriebene Wort hat und übt auch ausreichend Kritik.

Man kann nur sagen, dass Kai Meyer ein absolutes Gesamtkunstwerk gelungen ist: Eine Hommage an das geschriebene Wort, eine Welt, in die man eintaucht, in die man sich verliebt, die man tief inhaliert und die man nicht mehr missen möchte. Eine Welt, in der die Geschichte um Furia in Ende fand, die aber so komplex aufgebaut ist, dass am Ende die Hoffnung auf neue Abenteuer in den Refugien bleibt und wir dem einen oder andren liebgewonnenen Charakter doch noch einmal über den Weg laufen werden. Definitiv wurden die „Seiten der Welt“ zu meinem Seelenbuch, das mit all seiner Bibliomantik mein Seitenherz gespaltet hat. Danke dafür, danke für ein buchiges Wunder, lieber Kai!

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Achtung Buch: Die Liebenden im Chamäleon-Club von Francine Prose

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Nachdem wir gemeinsam tief in die berührenden Kurzgeschichten der „Pariser Symphonie“ eingetaucht waren, dauert es nicht lange, bis der liebe Arndt von AstroLibrium mir Folgendes schrieb:

„Die Liebenden im Chamäleon-Club – Das MUSST du lesen Paris vor und während des Zweiten Weltkriegs aus einer ganz besonderen Perspektive – nein aus ganz besonderen Perspektiven!“

Okay, dachte ich, nachdem ich Arndt jetzt schon für meine Herzensstadt begeistern konnte, wollte und musste ich ihm bei diesem Tipp einfach vertrauen – lag er doch auch bei der „Pariser Symphonie“ mehr als richtig. Und ich sollte nicht enttäuscht werden. Anstatt eines Buches erwartete mich ein Potpourri aus sechs, ja ihr lest richtig, aus sechs Büchern, die im Werk von Francine Prost vereint sind und deren Fäden im legendären Chamäleon-Club zusammenlaufen. Diese Bücher sind:

„Der Teufel am Steuer – Das Leben der Lou Villars“ von Nathalie Dunois

„Erschaffen Sie sich neu“ – von Lionel Maine

„Paris im Rückspiegel“ – von Lionel Maine

„Die Memoiren der Suzanna Dubois Tsenyi“ von Suzanna Dubois Tsenyi

„Die Baronin bei Nacht“ von Lily de Rossignol

„Der Briefwechsel des Fotografen Gabor Tsenyi“ – Gabor – Tsenyi – Archiv

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Dazu sei eine Sache vorab anzumerken, bevor Sie, liebe Leser, sich auf die Suche nach diesen Büchern machen sollten. Sie werden sie – der größten Wahrscheinlichkeit nach nicht finden. Denn: Der Roman von Francine Prost basiert war auf einem Gerüst von realen Persönlichkeiten und Geschehnissen, konnte jedoch an vielen Stellen nicht ausreichend historisch gefestigt werden, sodass sich die Autorin die Freiheit herausnahm, ihm den Mantel der Fiktion überzustülpen. Dies tat der Qualität des Buches jedoch keinerlei Abbruch – so viele soll schon gesagt werden – sondern macht es zu einem Meisterwerk der „Historifiktion“.

Zwei Dinge stehen im unmittelbaren Zentrum des Romans: Lou Villard und der Chamäleon-Club. Wer aber ist Lou Villard? Eine junge Frau, die von Klein auf orientierungslos ist, burschikos, sportlich, mit einer Vorliebe für Jungenkleidung geboren, keine wahre Schönheit und ausgestattet mit der wahnwitzigen Idee, eins wie ihr großes Idol Jeanne d’Arc Großes für ihr geliebtes Heimatland zu vollbringen. Und Großes wird sie vollbringen – Schreckliches zwar, aber definitiv Großes.Bis dahin sollen jedoch einige Jahre ins Land gehen. Jahre, in denen Lou verzweifelt nach dem kranken Bruder sucht, der in irgendeine Anstalt eingewiesen worden sein soll. Jahre der Schmach und der Ausgrenzung, nirgends passt sie hin. Überall wird sie benutzt, ausgenutzt und geschunden, dabei sucht sie nur etwas Liebe und Glück. Doch jeder, bei dem sie dies zu finden glaubte, missbrauchte sie wieder nur für die eigenen Zwecke – bis sich Jahre später das Blatt wendet und aus dem Opfer ein Täter wird, der die Weltgeschichte verändern soll.

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Doch noch befinden wir uns im Paris der „Goldenen Zwanziger“ mit all seiner schillernden Freizügigkeit. Zoomen wir direkt ins Nachtleben – in den legendären Chamäleon-Club, dessen Besitzerin Yvonne gerade versonnen ihr Chamäleon streichelt, das – passend zu ihrem Kleid eine rote Farbe angenommen hat. Dort treffen wir auch auf Lou, entspannt in Männerkleidern, ihre Geliebte Arlette im Arm – eine Szene, die von dem jungen ungarischen Fotografen Gabor Tsenyi für die Ewigkeit auf Zelluloid gebannt wird und die später noch die wahre Macht und Gefahr des Bildes zeigen soll. Ein erster Schritt zur Unsterblichkeit Lous wurde mit diesem Bild gegangen und zu diesem Zeitpunkt ahnte noch niemand, dass aus dem Kunstwerk einst etwas Entartetes werden sollte. Gabor war dabei nur eine Person, die Lou im Club kennenlernen sollte und die ihr den Weg in die Zukunft ebnen würden.

Niemand geringeres als die Familie Rossignol persönlich nahmt Lou unter ihre Fittiche und machte sie zur ersten Rennfahrerin Frankreichs, und in ihrer Freizeit war es der Schriftsteller Lionel Maine, der ihr die schillernden Seiten der Stadt zeigt. Lou blühte merklich auf, kann zum ersten Mal sie selbst sein, ihren Traum leben, auf der Rennbahn ein kleines bisschen wie ihr Idol Jeanne d’Arc für Frankreich kämpfen – wenn auch nur hinter dem Steuer. Dafür verzichtete sie sogar auf den Rest Weiblichkeit und lässt sich beide Brüste transplantieren, um besser und sicherer hinter das Lenkrad zu passen. Der Sport und die Liebe zur Tänzerin Arlette lassen dies jedoch alles zu Nichtigkeiten werden.

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Ewig hätte es so weitergehen können. Das erste Mal, dass Lou glücklich war. Doch es sollte ihr nicht vergönnt sein. Mit der Machtergreifung der Nazis änderte sich alles, auch die Situation in Paris. Alles „untypische“ – so auch der Chamäleon-Club galt nun als entartet und gehört ausgemerzt: Allem voran natürlich auch Frauen, die in Männerkleidung auftraten und dazu noch Autorennen fuhren. Einst als Favorit für Olympia gehandelt, verlor Lou nun direkt ihre Lizenz und dazu noch die Geliebte, die sich lieber in die Arme des Polizeichefs begab, der Lou nicht sonderlich mochte, um es harmlos auszudrücken. Einmal mehr stand Lou am Abgrund ihres Lebens, verraten und enttäuscht. Das Land, für das sie alles gab, hat sie fallen gelassen wie eine heiße Kartoffel.

Der rettende Anker kommt diesmal von gänzlich unerwarteter Seite. Eine Einladung zu den Olympischen Spielen nach Berlin führt Lou direkt in die Arme Hitlers und Inge Walisers, der deutschen Ikone des Rennsports. Eine erneute Verblendung, von der Lou nichts ahnt. Bedingt durch den Hass auf die Heimat, von der sie sich verraten und ausgestoßen fühlt, begibt sie sich nur zu gern in die offenen Hände der Nazis, die ihr neue Möglichkeiten bieten und sie zu einer ihrer besten und gefährlichsten Waffen machen sollen. Wie ein Racheengel kehrt sie zurück nach Paris – in ein Paris, das nicht mehr ihre Stadt ist. Dennoch kreuzen ihre Wege immer wieder die der alten „Freunde“, ohne dass diese eine Ahnung von Lous neuer Funktion haben. Ich glaube, manchmal – zumindest zu Beginn – war sich Lou dieser selbst nicht ganz bewusst.

Lou Villars – eine tragische Figur, eine tragische Liebesgeschichte im Zentrum eines Romans, der von den Bekannten Lous erzählt wird. Verschiedene Perspektiven wechseln sich ab, Protagonisten aus den verschiedensten Schichten reichen sich die Hand, um dem Leser ein ganzheitliches Bild der Zeit zu vermitteln, was brillant gelingt. Man erlebt die Gründung der Résistance ebenso  wie die Passivität der Franzosen gegenüber den Deutschen zu Beginn des Krieges, man wird Augenzeuge der politischen Veränderungen, man atmet direkt die Luft dieser Zeit.

Keine Sichtweise kommt zu kurz und jede Persönlichkeit trägt zur Ganzheit der Geschichte bei. Dabei basiert diese fiktionale Erzählung durchaus auf wahren Begebenheiten und Persönlichkeiten. So begründet niemand anderes die Biografie Lou Villars als Violette Morris, was man nach schon kurzer Recherche belegen kann. Auch der Fotograf lässt Rückschlüsse auf den real existierenden Fotografen Brassaï zu. Eine grandiose Verschmelzung von Realität und Fiktion. Ganz großes literarisches Kino.Wer darüber mehr erfahren möchte, sei herzlich eingeladen, auch den Lebensweg Arndts zu diesem Buch zu folgen. HIER findet ihr seine berührende Besprechung!

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Und am Ende bleibt immer nur Lou. Lou Villars, die nichts hatte als einen Traum und ein Idol: Sie wollte als moderne Jeanne d’Arc für ihr Land da sein. Ein Traum, eine Sehnsucht und ihre Besonderheit, die sie letztendlich zu einer absonderlichen Person machten. Lou, die nach jedem Strohhalm griff, um einfach nur sie selbst und glücklich zu sein und am Ende schmerzlich erfahren musste, dass sie wieder und wieder ausgenutzt wurde. Tief berührt lässt mich dieses Buch zurück. Tief berührt und zerrissen über Lou und die Schuldfrage, die über allem schwebt. Die Schuld besteht, eindeutig. Lou folterte, quälte und verriet Menschen und ihr eigenes Land. Das ist unbestreitbar und auch unverzeihlich. Dennoch regt sich in mir ein „aber“. Kann man einen Hund, der das ganze Leben von Welpenbeinen an getreten und misshandelt wurde, verübeln wenn er beißt? Ein merkwürdiges Gleichnis, ich weiß. Aber je mehr ich mich in Lou hineindenke, ist es doch genau das, was passiert ist. Von Kindesbeinen an wurde sie schlecht behandelt, nicht für voll genommen, eingezwängt in Paradigmen, benutzt und missbraucht, um andere ans Ziel zu bringen. Hatte sie ihren Zweck erfüllt, wurde sie fallengelassen. Nichts von dem entschuldigt den Schmerz, den sie anderen angetan hat, aber tief im Inneren sehe ich noch immer das kleine Mädchen, das einfach nur sein wollte wie Jeanne d’Arc, ihre Liebe und ihren Bruder finden und im Rausch der Geschwindigkeit ihr Talent beweisen wollte. Das Mädchen, das so viele Enttäuschungen und so viel Schmerz erdulden musste, bis es innerlich schwarz vor Rache und Gram sein musste…

Ein literarisches Meisterwerk, das tief nachhallt und auch noch lange in mir klingen wird. Fragen, die mich beschäftigen. Fragen, auf die ich Antworten suche. Werde ich sie je finden? Ich weiß es nicht.

 

Achtung Buch: Sommernachtstraum von Tanya Lieske

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Shakespeares ›Sommernachtstraum‹ als Schultheaterprojekt! Voller Vorfreude stürzen sich Ben und seine Schüler in die Proben. Hermia liebt Lysander, Helena will Demetrius, Oberon straft Titania, und die Feenkönigin liebt plötzlich einen Esel: willkommen in Shakespeares Sommernachtstraum! Während die Theatertruppe versucht, der verschlungenen Verwechslungskomödie um verwirrte Liebespaare Herr zu werden, geraten die Liebesgeschicke aller Beteiligten ziemlich durcheinander: Struppi liebt Mireille, Mary Jane will Ben und Bens Freundin trifft sich heimlich mit Mireilles Vater. Bald weiß niemand mehr, wer eigentlich gerade in wen verliebt ist …

»Verliebte und Verrückte
Sind beide von so brausendem Gehirn, 
So bildungsreicher Phantasie, die wahrnimmt, 
Was nie die kühlere Vernunft begreift!«

Soweit beschreibt der Klappentext das Buch, das ich von dem Moment an, als ich diesen las, unbedingt haben wollte. Shakespeares „Sommernachtstraum“ im Hinterkopf, perfekt für den Sommerabend an dem man die Elfen erahnen kann, während draußen die Grillen zirpen. Oberon und Titania, dazwischen den kecken Puck, der seinen Schabernack treibt, um die Liebenden zu necken, bis am Ende jeder den richtigen Partner gefunden hat. Diese Geschichte adaptiert als Theaterstück einer 9. Klasse – das kann sehr unterhaltsam sein, dachte ich, und nahm mir das Buch letzte Woche an einem richtig schönen Sonnentag mit in den Garten. Doch schon bald zeichnete sich ab, dass dieses Buch viel mehr ist, als nur eine Adaption des beliebten Klassikers.

Wieso? Ganz einfach: Die Autorin holt das Stück ins Hier und Jetzt, lässt es eine Schulklasse aufführen, die gerade mitten in der Pubertät steckt und der all die Irrungen und Wirrungen, die Shakespeare schon vor über 400 Jahren aufschrieb, mehr als bekannt ist – auch wenn die Kids den Klassiker sicher noch nicht in den Händen hatten – wenn doch, dann aber sicher nur widerwillig als Pflichtlektüre. Und da stecken wir auch schon mitten im Geschehen. Während die Kinder für das Stück proben, läuft das normale Leben weiter. Doch was ist schon normal? Mobbing, Schikane, Probleme zuhause, schwache Elternhäuser, Karriere, wenig Zeit für die Kinder, Gruppenzwang – das sind Stichworte, die heute leider an vielen Stellen schon zum Alltag gehören und aus diesem nur schwer wegzudenken sind. Natürlich sind das oftmals Einzelfälle, aber wenn man diese summiert, kommt man teilweise auf erschreckende Bilanzen. Ich arbeite ja seit März als Lehrerin an einer Oberschule und bin mit all diesen Themen schon in Berührung gekommen, manchmal fassungslos, dass es das wirklich in diesem Maße gibt, berührt und immer bemüht, den Kids zu helfen. Genau wie Ben – der junge Englischlehrer. Auch er versucht, mithilfe seiner Inszenierung des „Sommernachtstraums“ die Kids ein Stück weit aus der Realität zu entführen und sie ihren Alltag vergessen zu lassen.

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Doch das kann nicht gänzlich gelingen, da an vielen Stellen Realität und Klassiker verschmelzen – siehe Klappentext. Die Liebe geht die merkwürdigsten Wege und trifft dabei auf die Alltagsprobleme der Jugendlichen und auch auf die Erwachsenen, die oft ihr Päckchen zu tragen haben. Darüber erfahren wir durch die verschiedenen Erzählperspektiven, die uns die Protagonisten in all ihren Gefühlen – von Freude bis Trauer, von Euphorie bis Melancholie, von Liebe bis Schmerz – nahebringen. Man erfährt die Dinge, die zu Hause hinter den Kulissen passieren, man lernt sie im strahlenden Scheinwerferlicht kennen, sieht aber auch ihre Verzweiflung und Tränen, wenn der – metaphorisch betrachtete – Vorhang gefallen ist. Jeder spielt jeden Tag seine Rolle und ich war so oft sehr berührt, was auch durch den wundervoll sanften und einfühlsamen Erzählstil der Autorin verstärkt wurde, die sich sehr gut in die Seele eines 15jährigen Teenagers hineinversetzen kann.

Begleitet wird die Geschichte von keinem anderen als von Shakespeare persönlich, der an vielen Stellen mit Ironie und Witz, aber auch mit Tiefgründigkeit das Geschehen kommentiert. An seiner Seite agiert der Elfenkönig Oberon, der es nicht für nötig erachtet, im Hintergrund zu bleiben, sondern viel lieber direkt auf der Erde herumspaziert und so – verkleidet als Bettler – unbemerkt die Geschicke der Protagonisten in die richtige Richtung lenkt und deren Wege kreuzt. Eins wird beiden aber deutlich: Es gibt Probleme, die auch die Jahrhunderte nicht lösen können, vor allem in Bezug auf die Liebe und die dazugehörigen Probleme.

Die Geschichte fließt beim Lesen nur so dahin und war viel zu schnell vorbei. Man begleitet die Protagonisten mit all ihren Problemen wie der ersten Liebe, Mobbing, Magersucht, Verwahrlosung und erkennt so viele Bekannte darin wieder. Ein großer Teil Gesellschaftskritik, der in dieser Geschichte verarbeitet wird und mich sehr getroffen hat, sehe ich doch genau das fast täglich. Ein Jugendbuch ist hier entstanden, das einerseits amüsiert und andererseits tief berührt und aufrüttelt. Kein leichter Lesestoff! Wirklich nicht. Aufgrund der Fülle der angeschnittenen Themen, blieb manches Thema mehr an der Oberfläche und wird auch nicht zum Ende gebracht, was einerseits etwas schade ist, andererseits dem Buch aber keinen Abbruch tut, da es so dennoch wichtige Denkanstöße gibt, die jeder für sich selbst betrachten und benutzen kann.

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Insgesamt haben wir hier einen Jugendroman, der mich mehr als begeistern konnte. Ein Hauch von Mystik und Fantasie trifft auf Realität und eine berührend tragisch-komische Geschichte. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge verlasse ich diese Seiten, die mir direkt vor Augen geführt haben, wie das Leben als 15jährige(r) war, ist und immer wieder sein wird: Ein Chaos aus Gefühl, Liebe, Orientierungslosigkeit und dazu noch dem alltäglichen Wahnsinn des Lebens obendrauf. Und dennoch bleibt  auch da immer der Hauch des Fernstaubs, der das ganze überstrahlt! Eine klare Leseempfehlung meinerseits und wohl eins der besten und überraschendsten Bücher des Jahres!