Archiv | Oktober 2013

achtung neuigkeiten: peter freund, laura und die guardians

Nachdem mich das Guardians-Fieber gepackt hat und ich ja nun leider ein Jahr auf Band 2 warten muss, habe ich mir den ersten Teil der Laura Leander Serie besorgt und in einer halben Nacht und einem ganzen Tag durchgelesen! 🙂 Ich weiß,… verrücktes ich. Aber es war so spannend!!! Und es war Feiertag! Also darf man das auch mal! Deswegen habe ich die Guardians-Seite auch in eine allgemeine Peter Freund’s Romane Seite umgewandelt um euch an einer zentralen Stelle über die Bücher auf dem Laufenden halten zu können! Habt Spaß!! 🙂

achtung buch: der letzte große schrecken von brock brower

Dank des Verlags Antje Kunstmann gelangte auch dieses tolle Buch in meine Sammlung:

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Der letzte große Schrecken erschien nach 42 Jahren endlich in deutscher Sprache. Doch zunächst ein paar Worte zum Inhalt:

[Klappentext] Simon Moro, ein alternder B-Movie Horrorstar, dreht 1968 seinen letzten Film – ein Low-Budget-Remake von Edgar Allen Poes »Der Rabe«. Moro, der sich über die harmlosen zeitgenössischen Horrorfilme aufregt, sieht den Sinn seines eigenen künstlerischen Schaffens darin, die verkommene Öffentlichkeit mit einem überwältigenden moralischen Schock aufzurütteln. Seinen größten Erfolg feierte er in den 20er- und 30er-Jahren mit »Ghoulghantua«, dem erschreckendsten Film aller Zeiten. Sein Ruhm ist zwar inzwischen etwas verblasst, aber sein Ruf als skurriles und geheimnisvolles Original eilt ihm noch immer voraus. Moros Leben ist Legende, und Warner Williams, ein abgehalfterter Journalist, der eine Reportage über den Dreh des »Raben« schreiben will, versucht ihr auf die Spur zu kommen. Und dann ist da noch Terry Cowan, der amoralische und zynische Regisseur, der unbedingt Erfolg haben muss und sich eine ausgetüftelte Marketingmaßnahme zur Präsentation des Films ausdenkt. Doch Simon Moro wäre nicht Simon Moro, würde er nicht seinem Credo treu bleiben und die Präsentation am Ende in ein grausames und großartiges Spektakel verwandeln.

Viel mehr soll über den Inhalt auch gar nicht verraten werden, soll sich doch jeder selbst ein Bild über dieses kultige Meisterwerk machen.

Der Roman selbst ist in drei Teile gegliedert (achtung: spoiler)

Im ersten Teil erfahren wir von Warner Williams Versuchen, die Reportage über Simon Moro und den Dreh des Raben fertigzustellen und auch zu publizieren. Für seinen Chef ist diese jedoch nicht tragbar, da a) ihr Wahrheitsgehalt nicht ausreichend belegt ist und b) sie das Leben Moros mit all seinen grausigen Attributen wiedergibt, die für den Zuschauer nicht tragbar sind. Vorwurf: Mangel an Humor und zu morbide. Außerdem reisen wir mit Warner Williams in die Vergangenheit und begleiten ihn durch seine kurze Bekanntschaft mit Moro und dessen „Freunden“ und Bekannten, die den Stoff für die Reportage boten. Wir erhalten Einblicke in Moros Familie und seine Vergangenheit, wobei Warner diesen Erzählungen nur wenig Wahres zuschreibt.

Teil 2 bildet den kompletten Filmdreh des Raben, der laut Regisseur Terry zu viel Moro beinhaltet. Kein Wunder, legt dieser doch einen ganz großen Wert auf Selbstbestimmung. Moro gelingt es, seine Phantasien und Vorstellungen durchzusetzen – meist auf eine Weise, die Terry,  kein Einschreiten ermöglicht. Dieser ist über die Wendungen überhaupt nicht glücklich, ist sein Film doch absolut nicht mehr Familientauglich. Da der Film aber dennoch absoluten Erfolg erzielen muss, sinnt Terry nach der perfekten PR,  nämlich dem Tod Moros. Seine Leiche soll in einem Sarg liegen, wo ihn Anhänger, Freunde und Bekannte aufgebahrt sehen können. Mitternacht soll der dann verschlossene Sarg von einem gecasteten „wahnsinnigen“ Fan mit einem Holzpflock durchschlagen werden. Nachdem der Sarg dann geöffet wird, sollte den Zuschauern Moros berühmtes Grinsen aus „Ghoulgantua“ entgegenspringen. Moro erbittet sich zwei Tage Zeit, um Terry bei den Vorbereitungen zu helfen.

Diese zwei Tage bilden den dritten Teil des Romans, nämlich die Geschehnisse aus der Sicht Moros. Er reist in sein Heimatdorf zu seinen Brüdern, die Warner im ersten Teil noch als Hirngespinste des Schauspielers abgetan hat, und erarbeitet mit diesen einen Plan. Sie bauen die Särge, 2 identische, da ja nur ein Skelett am Ende darin sein soll, während der echte Moro im Flugzeug sitzt und aus der Schusslinie gebracht wird. Seine Brüder bringen ihn dann zurück zum Set und erledigen alles Weitere. Es wäre jedoch keineswegs Moro, der nun lammfromm Terrys Anweisungen folgt. Vielmehr hat er die Zügel, wenn auch von allen unbemerkt, fest in der Hand. Alle Gedanken, auch in Bezug auf seine wahre Vergangenheit, schreibt er auf und bereitet insgeheim den richtig großen Coup vor – den letzten großen Schrecken. Er legt alle Aufzeichnungen, die er über sein Leben gemacht hat unten in den Sarg und sich hinein. Sein großer Bruder vertauscht die Deckel und eins ist sicher… Es ist kein Skelett, welches am Ende durchbohrt wird – nein –  die Zuschauer werden das einzig wahre Moro-Grinsen ein letztes Mal zu sehen bekommen…

Brock Brower ist mit Der letzte große Schrecken ein klassisches, skurriles Meisterwerk gelungen, welches den deutschen Lesern viel zu lange vorenthalten wurde. Eine Hauptfigur, perfide, maßlos talentiert, öfters an der Grenze zur Legalität, die ihr Umfeld fest im Griff hat. Genie und Wahnsinn direkt nebeneinander, das ist Simon Moro. Er hält die Zügel zu jeder Zeit fest in der Hand, treibt die Menschen in den Wahnsinn, weiß sie zu verführen, willenlos zu machen, zu frustrieren. So einen Menschen schiebt man nicht ins Exil. Lieber verabschiedet er sich mit einem letzten großen Schrecken aus dem Leben, aber mit der Gewissheit, sein Ziel erreicht zu haben. Die Geschehnisse in Worte zu fassen fällt mir schwer, denn man muss das Buch lesen, um die Empfindungen zu teilen. Ich kann es wirklich nur Empfehlen und gebe 5 von 5 Sterne für einen wiedergefundenen Klassiker 🙂

achtung prickelnd: marc staten – die nacht seines lebens von tharah meester

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Durch eine Leserunde auf Lovelybooks wurde ich auf die Kurzgeschichtenserie von Tharah Meester aufmerksam und durfte auch gleich in den ersten Teil hineinschnuppern. Diese Kurzgeschichten soll jedoch nicht in einem Buch enden, sondern in ca. 30seitigen Episoden monatlich erscheinen.

Doch nun zur ersten Episode: Marc Staten, Bruder des reichen und erfolgreichen Thomas Staten, schlüpft regelmäßig in die Rolle seines schüchternen und menschenscheuen Bruders um an öffentlichen Anlässen teilzunehmen und die eine oder andere weibliche Eroberung zu machen. In dieser Nacht hat er es auf Rebecca Idlewood abgesehen. Ausgestattet mit dem teueren Leihwagen seines Bruders macht er sich auf den Weg zu seiner Eroberung, um nach einer sinnlichen Nacht in mehrfacher Weise erleichtert zu erwachen.

Tharah Meesters Story bilden einen tollen Auftakt zu ihrer Kurzgeschichtenserie, wobei anzumerken ist, dass die Storys  um Marc keine abgeschlossenen Geschichten sind, sondern wirklich eine Fortsetzungsserie bilden. Die Hauptfiguren sind sehr gut gezeichnet. Zum einen die beiden Brüder, die gegensätzlicher nicht sein könnten. Dazu noch die wenig damenhafte Tessa, Freundin der Brüder, die eine Schwäche für Pferdewetten hat und für die Thomas eine heimliche Schwäche hegt. Ihnen gegenüber Rebecca und ihr Vater, deren Rolle noch undurchsichtig ist. Welche Pläne stecken hinter dem Diebstahl? Ist sie nur darauf aus, reiche Männer abzuzocken oder ist da mehr?

Der Stil und die Sprache sind sehr angenehm zu lesen, tolle Beschreibungen und ein absoluter Hauch von prickelnder Erotik. Ich bin gespannt, wie sich das Geschehen weiterentwickelt. Der Auftakt ist gelungen 🙂 5 von 5.

achtung buch: fkk im streichelzoo von björn berenz

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Quentin, Autor einer Science-Fiction Romanserie, hegt keinen größeren Traum, als irgendwann von der Schreiberei leben zu können. Da dies bisher nicht der Fall ist, muss ein Nebenjob her. So gerät er in die Fänge eines dubiosen Filmagenten, der Quentin in der Pornoszene groß rausbringen will und vor absolut nichts zurückschreckt. Dabei fängt sich der arme Kerl auch noch die eine oder andere Geschlechtskrankheit ein, was den Gang zum Urologen unabdingbar macht. Eigentlich nicht schlimm, ist er doch beim Arzt und der Sprechstundenhilfe gut bekannt, aber der Terminkalender seines Urologen des Vertrauten ist bis oben hin voll. Er kann jedoch sofort bei der neuen Aushilfsärztin Rebecca vorsprechen und bei dieser Begegnung trifft ihn nicht der Schlag, aber dafür Amors Pfeil.

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Björn Berenz gelang mit seinem Roman ein wunderbar tragisch-komisches Werk, welches mir ein permanentes Grinsen ins Gesicht zauberte. Quentin, sein Protagonist, ist ein naiver Pechvogel vor dem Herren, der kein Fettnäpfchen auslässt. Versucht er doch gleich zu Beginn aus Bequemlichkeit seinen Koffer an einer Bank am Bahnhof anzuketten, wo doch jeder weiß, dass  man sein Gepäck NICHT unbeaufsichtigt stehen lassen darf. Natürlich hat ihn sofort die Polizei in der Mangel, die das Gepäck bis ins kleinste Detail durchsucht Nicht so schlimm, denkt ihr? Sicher, wäre darin nicht sein gesamtes Sextoy-Equipment vom letzten Pornodreh in Tschechien…

Derlei Episoden erlebt Quentin nahezu täglich und man hat wirklich Mitleid mit dem armen Kerl, der wirklich von seinem Leben gestraft ist. Dazu noch sein natürlicher Hang zur Naivität, die ihn blind in die nächsten Fallen des Alltags rennen lässt, wie bei seinem Vorsprechen bei Cockbuster Casting. Selbst als er sich nackt ausziehen soll, ist er noch immer der Meinung eine Rolle in einer Neuverfilmung von He-Man zu bekommen, bevor ihm dann mit Schrecken klar wird, dass Sheera Gail keineswegs die Heldin aus seinen Jugendjahren ist.

Zu all seinen Alltagsproblemen kommt dann Knall auf Fall noch die Sache mit der Liebe. Rebecca, DIE Traumfrau schlechthin und dazu noch seine Urologin. Ob sie seine Sehnsucht erhören wird? Kann er sie erobern? Was würde er da nur ohne Melanie machen, eine Reporterin, die für ihn unfreiwillig zur Vertrauten wurde. Oder vielleicht auch zu mehr? Lasst euch überraschen!

Insgesamt ist FKK im Streichelzoo ein absolut unterhaltsamer und kurzweiliger Roman, der auch trotz der vielen Pannen von Quentin erfrischend bleibt, ohne dass man denkt: „Was kommt denn jetzt noch?“ oder ohne zu überladen zu wirken. Mir persönlich hat er sehr gut gefallen, selten konnte ich von der ersten bis zur letzten Seite so herzlich lachen, toller Wortwitz, tolle Sprache, tolles Buch!

Von mir: 5 von 5 Punkten!!

Mehr Infos zum Buch bekommt ihr HIER!

achtung info: news zu den guardians of secret powers

Ihr Lieben,

auf meiner Blogseite zu Peter Freunds Guardians of Secret Powers regt sich erstes Leben 🙂

Habe gerade eben die Rezension zum Siegel des Teufels hochgeladen!

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https://zimttraeumereien.wordpress.com/peter-freunds-guardians-of-secret-powers/guardians-of-secret-powers-band-1-das-siegel-des-teufels/

Weiter Infos zu den Charas, der Handlung, dem Autor etc. folgen demnächst 🙂

achtung buch: william boyd’s solo

Dank lovelybooks war es mir möglich an der Leserunde zu Solo von William Boyd in englischer Originalsprache teilzunehmen.

Solo William Boyd FINAL

Der Untertitel A James Bond Novel verweist dabei schon auf die Story. Wir befinden uns im Jahr 1969 – einen Tag nach James Bonds 45. Geburtstag. Er bekommt den Auftrag nach Zanzarim (Afrika) zu reisen, um den dort herrschenden Bürgerkrieg zu beenden. Je weiter er jedoch in das Geschehen vordringt, desto mehr verstrickt er sich in einem Netz aus geopolitischen Intrigen und schwer durchschaubaren Machenschaften. Die Anweisungen seines Vorgesetzten missachtend, stürzt er sich in einen Alleingang um primär Rache zu üben und außerdem den Geschehnissen wirklich auf den Grund zu gehen…

William Boyd ist mit diesem Roman ein wahres Glanzstück in Sachen James Bond gelungen. Absolut authentisch gezeichnete Charaktere: Beginnend bei James Bond mit der Vorliebe für schöne Autos, kulinarische Genüsse und natürlich tolle Frauen. Auf den stilechten Martini muss man zwar verzichten, trinkt er doch eher einen guten Gin, aber dafür erfahren wir an dieser Stelle mehr von seinen Essgewohnheiten und von der Vorliebe die Sachen selbst zuzubereiten (siehe das Rezept für seine Vinaigrette, die er sich selbst mixt, oder auch den Gin, den er nach seinen Vorstellungen mit Limette und Eis verfeinert.)

Gleich zwei tolle Frauen werden dem Doppel-0 Agenten zur Seite gestellt: Zum einen Bryce Fitzjohn und zum anderen Bryce Ogilvy-Grant. Zwei Frauen, die genau in sein Beuteschema handeln und die maßgeblich in die Handlung verstrickt sind.

Dazu noch eine ganze Fülle an dubiosen Gestalten, Gaunern, Mittelsmännern und eine absolut actionreiche und wohl durchdachte Handlung, die einen bis zur letzten Seite gefangen hält, sodass man das Buch nur schwer aus den Händen legen kann, wobei gerade in diesem Zusammenhang das große Fachwissen Boyds über Afrika zum Zuge kommt. Er verbindet geschickt die kolonialhistorischen Hintergründe, die bis heute in den afrikanischen Ländern an Gültigkeit behalten haben, mit seiner Handlung, sodass das Geschehen dem Leser sehr plausibel nahegebracht wird.

Das Sahnehäubchen war für mich jedoch Bonds Spezialausrüstung in Form von präparierten Toilettenartikeln! So retro und typisch Bond! Herrlich!

Fazit: Für Bond-Liebhaber ein absolutes Muss und auch in der Originalsprache sehr gut verständlich. Würde sich sicher auch auf der Leinwand gut machen!! Ach ja, eins noch: Das Cover ist wundervoll! Wahnsinnig tolles Papier und toller Druck… fast wie Samt!

achtung theater: scheherazade – ein märchenhafter abend aus 1001 nacht

Die erste große Premiere der neuen Spielzeit fremd-körper stand ganz im Zeichen des Balletts. Und auch dieses entführte uns in die Fremde, nämlich in den fernen Orient ins Reich des Sultans Schahriyâr (Kojiro Suzuki). Dieser hat seine Frau erstochen und befiehlt nun dem Wesir, ihm jeden Abend eine neue Braut zu bringen, die er nach der Hochzeitsnacht umbringt. Die Tochter des Wesirs Scheherazade (Maki Taketa) möchte den Sultan von diesem Blutrausch abbringen und ersinnt eine List. Nur mit ihren Geschichten und ihrer Fantasie will sie erreichen, dass Schahriyâr von ihrer Hinrichtung absieht. Trotz aller Versuche des Wesirs, sie davon abzubringen, heiratet Scheherazade den Sultan und beginnt direkt in der Hochzeitsnacht mit der Erzählung der Märchen aus 1001 Nacht. Schahriyâr begleitet Sindbad und Aladdin auf ihrer Reise und gerät mehr und mehr in den Bann der Erzählung, sodass er seine Gattin nicht tötet, sondern vielmehr erfahren möchte, wie die Erzählung weitergeht. So verfährt Scheherazade Nacht für Nacht – sie endet an spannenden Stellen um sich die Aufmerksamkeit ihres Mannes zu erhalten und sucht stetig nach Inspiration für ihre Geschichte und die Charaktere. Schahriyâr ist nun voll und ganz im Bann der Geschichte und beginnt an seinen bisherigen Standpunkten zu zweifeln. Erst seine eigene Geschichte – der Ehebruch seiner ersten Frau mit einem Sklaven – die ihm Scheherazade in der 999. Nacht erzählt, schafft es, den Sultan zu bekehren und ihn zu dem Mann zu machen, den man lieben kann und will. Scheherazade und Schahriyâr können nun gemeinsam in eine glückliche Zukunft gehen.

Scheherazade

Torsten Händler versuchte in seinem Ballett nicht, die Geschichten aus 1001 Nacht wiederzugeben, sondern wollte vielmehr die Rahmenhandlung ins Zentrum des Geschehens rücken. Im Interview im Programmheft zum Stück sagt er: „Ich fand die Rahmenhandlung spannender, da Scheherazade durch das Erzählen im Sultan einen psychologischen Prozess freisetzt, der sich fast in allen 199 Märchen auch vollzieht.“ Dies darzustellen gelang Händler perfekt. Von der ersten bis zur letzten Minute ist der Zuschauer in den Bann gezogen von der Geschichte um den Sultan und Scheherazade. Maki Taketa und Kojiro Suzuki brillieren dabei mit ihrer tänzerischen Leistung und es ist einfach nur ein Genuss zuzusehen, wie sie die beiden Figuren mit Leben erfüllen. Von der umschmeichelnden Erzählkunst der Scheherazade bis hin zur inneren Zerrissenheit des Sultans wird jedes einzelne Gefühl dem Zuschauer nahegebracht. Neben den beiden Hauptpartien sollen die anderen Tänzer aber nicht unerwähnt bleiben, denn diese bildeten einen zweiten, nicht minder wichtigen Part des Abends. Sie waren es, die auf eine wundervoll bunte und ästhetische Weise die Erzählungen der Scheherazade zum Leben erweckten. Eine wahre Freude zu sehen, wie vielseitig und verschieden die Tänzer die unterschiedlichen Figuren besetzen und diese während des Stücks weiterentwickelten. Insgesamt eine absolut tolle und wundervolle Leistung des Ensembles!

Scheherazade

Wenn man von Scheherazade spricht, darf jedoch auch die Musik nicht außer Acht gelassen werden. Neben der Sinfonischen Dichtung Scheherazade von Nikolai Rimski-Korsakow, die den zweiten Teil des Balletts begleitete, erklangen im ersten Teil Stücke von Alexander Borodin und Maurice Ravel (die Shéhérazade Lieder wurden in französischer Originalsprache wundervoll von Judith Schubert begleitet) – natürlich nicht vom Band, sondern vom Philharmonischen Orchester Plauen-Zwickau unter der musikalischen Leitung von Tobias Engeli. Ein weiterer besonderer Hörgenuss waren außerdem die Darbuka-Improvisationen von Andreas Brinsa, die den Zuschauer schon zu Beginn klanglich in die Welt des Orients entführten.

Scheherazade

Abschließend noch einige Worte zur Ausstattung: Es gibt wenige Stücke mit so wenig Kulisse, wie dieses Ballett, aber es gibt noch weniger Stücke, die mit so wenig Kulisse so perfekt auskommen. Die Beleuchtung überzeugte das gesamte Stück über mit warmen Erdtönen, die die Bühne und auch den Zuschauerraum einhüllen und auf diese Weise das Gefühl des Orients vermitteln. Dazu kommen noch bunte, orientalische Kostüme und die passende Ausstattung. Das Zentrum bildete eine große Luftskulptur aus einem großen Luftkissen (von Frank Fierke), welches je nach Szene und teilweise mit Hilfe von Projektionen zum tosenden Meer, zur Düne, zum wolkigen Himmel oder zum fliegenden Teppich wurde und auch aktiv von den Tänzern genutzt wurde. Eine tolle Idee mit sehr viel Wirkung.

Scheherazade

Mit Scheherazade ist Torsten Händler und seinem Ensemble ein toller Abend von großer Qualität gelungen, der jedem nur zu empfehlen ist, wofür auch der lang anhaltende Applaus und die durchweg positiven Meinungen des Premierenpublikums sprechen.

Die Premiere fand statt am 5.10.2013 im Vogtlandtheater Plauen (Theater Plauen-Zwickau) und das Copyright der Fotos liegt bei Peter Awtukowitsch.

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