achtung theater: scheherazade – ein märchenhafter abend aus 1001 nacht

Die erste große Premiere der neuen Spielzeit fremd-körper stand ganz im Zeichen des Balletts. Und auch dieses entführte uns in die Fremde, nämlich in den fernen Orient ins Reich des Sultans Schahriyâr (Kojiro Suzuki). Dieser hat seine Frau erstochen und befiehlt nun dem Wesir, ihm jeden Abend eine neue Braut zu bringen, die er nach der Hochzeitsnacht umbringt. Die Tochter des Wesirs Scheherazade (Maki Taketa) möchte den Sultan von diesem Blutrausch abbringen und ersinnt eine List. Nur mit ihren Geschichten und ihrer Fantasie will sie erreichen, dass Schahriyâr von ihrer Hinrichtung absieht. Trotz aller Versuche des Wesirs, sie davon abzubringen, heiratet Scheherazade den Sultan und beginnt direkt in der Hochzeitsnacht mit der Erzählung der Märchen aus 1001 Nacht. Schahriyâr begleitet Sindbad und Aladdin auf ihrer Reise und gerät mehr und mehr in den Bann der Erzählung, sodass er seine Gattin nicht tötet, sondern vielmehr erfahren möchte, wie die Erzählung weitergeht. So verfährt Scheherazade Nacht für Nacht – sie endet an spannenden Stellen um sich die Aufmerksamkeit ihres Mannes zu erhalten und sucht stetig nach Inspiration für ihre Geschichte und die Charaktere. Schahriyâr ist nun voll und ganz im Bann der Geschichte und beginnt an seinen bisherigen Standpunkten zu zweifeln. Erst seine eigene Geschichte – der Ehebruch seiner ersten Frau mit einem Sklaven – die ihm Scheherazade in der 999. Nacht erzählt, schafft es, den Sultan zu bekehren und ihn zu dem Mann zu machen, den man lieben kann und will. Scheherazade und Schahriyâr können nun gemeinsam in eine glückliche Zukunft gehen.

Scheherazade

Torsten Händler versuchte in seinem Ballett nicht, die Geschichten aus 1001 Nacht wiederzugeben, sondern wollte vielmehr die Rahmenhandlung ins Zentrum des Geschehens rücken. Im Interview im Programmheft zum Stück sagt er: „Ich fand die Rahmenhandlung spannender, da Scheherazade durch das Erzählen im Sultan einen psychologischen Prozess freisetzt, der sich fast in allen 199 Märchen auch vollzieht.“ Dies darzustellen gelang Händler perfekt. Von der ersten bis zur letzten Minute ist der Zuschauer in den Bann gezogen von der Geschichte um den Sultan und Scheherazade. Maki Taketa und Kojiro Suzuki brillieren dabei mit ihrer tänzerischen Leistung und es ist einfach nur ein Genuss zuzusehen, wie sie die beiden Figuren mit Leben erfüllen. Von der umschmeichelnden Erzählkunst der Scheherazade bis hin zur inneren Zerrissenheit des Sultans wird jedes einzelne Gefühl dem Zuschauer nahegebracht. Neben den beiden Hauptpartien sollen die anderen Tänzer aber nicht unerwähnt bleiben, denn diese bildeten einen zweiten, nicht minder wichtigen Part des Abends. Sie waren es, die auf eine wundervoll bunte und ästhetische Weise die Erzählungen der Scheherazade zum Leben erweckten. Eine wahre Freude zu sehen, wie vielseitig und verschieden die Tänzer die unterschiedlichen Figuren besetzen und diese während des Stücks weiterentwickelten. Insgesamt eine absolut tolle und wundervolle Leistung des Ensembles!

Scheherazade

Wenn man von Scheherazade spricht, darf jedoch auch die Musik nicht außer Acht gelassen werden. Neben der Sinfonischen Dichtung Scheherazade von Nikolai Rimski-Korsakow, die den zweiten Teil des Balletts begleitete, erklangen im ersten Teil Stücke von Alexander Borodin und Maurice Ravel (die Shéhérazade Lieder wurden in französischer Originalsprache wundervoll von Judith Schubert begleitet) – natürlich nicht vom Band, sondern vom Philharmonischen Orchester Plauen-Zwickau unter der musikalischen Leitung von Tobias Engeli. Ein weiterer besonderer Hörgenuss waren außerdem die Darbuka-Improvisationen von Andreas Brinsa, die den Zuschauer schon zu Beginn klanglich in die Welt des Orients entführten.

Scheherazade

Abschließend noch einige Worte zur Ausstattung: Es gibt wenige Stücke mit so wenig Kulisse, wie dieses Ballett, aber es gibt noch weniger Stücke, die mit so wenig Kulisse so perfekt auskommen. Die Beleuchtung überzeugte das gesamte Stück über mit warmen Erdtönen, die die Bühne und auch den Zuschauerraum einhüllen und auf diese Weise das Gefühl des Orients vermitteln. Dazu kommen noch bunte, orientalische Kostüme und die passende Ausstattung. Das Zentrum bildete eine große Luftskulptur aus einem großen Luftkissen (von Frank Fierke), welches je nach Szene und teilweise mit Hilfe von Projektionen zum tosenden Meer, zur Düne, zum wolkigen Himmel oder zum fliegenden Teppich wurde und auch aktiv von den Tänzern genutzt wurde. Eine tolle Idee mit sehr viel Wirkung.

Scheherazade

Mit Scheherazade ist Torsten Händler und seinem Ensemble ein toller Abend von großer Qualität gelungen, der jedem nur zu empfehlen ist, wofür auch der lang anhaltende Applaus und die durchweg positiven Meinungen des Premierenpublikums sprechen.

Die Premiere fand statt am 5.10.2013 im Vogtlandtheater Plauen (Theater Plauen-Zwickau) und das Copyright der Fotos liegt bei Peter Awtukowitsch.

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