achtung buch: der letzte große schrecken von brock brower

Dank des Verlags Antje Kunstmann gelangte auch dieses tolle Buch in meine Sammlung:

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Der letzte große Schrecken erschien nach 42 Jahren endlich in deutscher Sprache. Doch zunächst ein paar Worte zum Inhalt:

[Klappentext] Simon Moro, ein alternder B-Movie Horrorstar, dreht 1968 seinen letzten Film – ein Low-Budget-Remake von Edgar Allen Poes »Der Rabe«. Moro, der sich über die harmlosen zeitgenössischen Horrorfilme aufregt, sieht den Sinn seines eigenen künstlerischen Schaffens darin, die verkommene Öffentlichkeit mit einem überwältigenden moralischen Schock aufzurütteln. Seinen größten Erfolg feierte er in den 20er- und 30er-Jahren mit »Ghoulghantua«, dem erschreckendsten Film aller Zeiten. Sein Ruhm ist zwar inzwischen etwas verblasst, aber sein Ruf als skurriles und geheimnisvolles Original eilt ihm noch immer voraus. Moros Leben ist Legende, und Warner Williams, ein abgehalfterter Journalist, der eine Reportage über den Dreh des »Raben« schreiben will, versucht ihr auf die Spur zu kommen. Und dann ist da noch Terry Cowan, der amoralische und zynische Regisseur, der unbedingt Erfolg haben muss und sich eine ausgetüftelte Marketingmaßnahme zur Präsentation des Films ausdenkt. Doch Simon Moro wäre nicht Simon Moro, würde er nicht seinem Credo treu bleiben und die Präsentation am Ende in ein grausames und großartiges Spektakel verwandeln.

Viel mehr soll über den Inhalt auch gar nicht verraten werden, soll sich doch jeder selbst ein Bild über dieses kultige Meisterwerk machen.

Der Roman selbst ist in drei Teile gegliedert (achtung: spoiler)

Im ersten Teil erfahren wir von Warner Williams Versuchen, die Reportage über Simon Moro und den Dreh des Raben fertigzustellen und auch zu publizieren. Für seinen Chef ist diese jedoch nicht tragbar, da a) ihr Wahrheitsgehalt nicht ausreichend belegt ist und b) sie das Leben Moros mit all seinen grausigen Attributen wiedergibt, die für den Zuschauer nicht tragbar sind. Vorwurf: Mangel an Humor und zu morbide. Außerdem reisen wir mit Warner Williams in die Vergangenheit und begleiten ihn durch seine kurze Bekanntschaft mit Moro und dessen „Freunden“ und Bekannten, die den Stoff für die Reportage boten. Wir erhalten Einblicke in Moros Familie und seine Vergangenheit, wobei Warner diesen Erzählungen nur wenig Wahres zuschreibt.

Teil 2 bildet den kompletten Filmdreh des Raben, der laut Regisseur Terry zu viel Moro beinhaltet. Kein Wunder, legt dieser doch einen ganz großen Wert auf Selbstbestimmung. Moro gelingt es, seine Phantasien und Vorstellungen durchzusetzen – meist auf eine Weise, die Terry,  kein Einschreiten ermöglicht. Dieser ist über die Wendungen überhaupt nicht glücklich, ist sein Film doch absolut nicht mehr Familientauglich. Da der Film aber dennoch absoluten Erfolg erzielen muss, sinnt Terry nach der perfekten PR,  nämlich dem Tod Moros. Seine Leiche soll in einem Sarg liegen, wo ihn Anhänger, Freunde und Bekannte aufgebahrt sehen können. Mitternacht soll der dann verschlossene Sarg von einem gecasteten „wahnsinnigen“ Fan mit einem Holzpflock durchschlagen werden. Nachdem der Sarg dann geöffet wird, sollte den Zuschauern Moros berühmtes Grinsen aus „Ghoulgantua“ entgegenspringen. Moro erbittet sich zwei Tage Zeit, um Terry bei den Vorbereitungen zu helfen.

Diese zwei Tage bilden den dritten Teil des Romans, nämlich die Geschehnisse aus der Sicht Moros. Er reist in sein Heimatdorf zu seinen Brüdern, die Warner im ersten Teil noch als Hirngespinste des Schauspielers abgetan hat, und erarbeitet mit diesen einen Plan. Sie bauen die Särge, 2 identische, da ja nur ein Skelett am Ende darin sein soll, während der echte Moro im Flugzeug sitzt und aus der Schusslinie gebracht wird. Seine Brüder bringen ihn dann zurück zum Set und erledigen alles Weitere. Es wäre jedoch keineswegs Moro, der nun lammfromm Terrys Anweisungen folgt. Vielmehr hat er die Zügel, wenn auch von allen unbemerkt, fest in der Hand. Alle Gedanken, auch in Bezug auf seine wahre Vergangenheit, schreibt er auf und bereitet insgeheim den richtig großen Coup vor – den letzten großen Schrecken. Er legt alle Aufzeichnungen, die er über sein Leben gemacht hat unten in den Sarg und sich hinein. Sein großer Bruder vertauscht die Deckel und eins ist sicher… Es ist kein Skelett, welches am Ende durchbohrt wird – nein –  die Zuschauer werden das einzig wahre Moro-Grinsen ein letztes Mal zu sehen bekommen…

Brock Brower ist mit Der letzte große Schrecken ein klassisches, skurriles Meisterwerk gelungen, welches den deutschen Lesern viel zu lange vorenthalten wurde. Eine Hauptfigur, perfide, maßlos talentiert, öfters an der Grenze zur Legalität, die ihr Umfeld fest im Griff hat. Genie und Wahnsinn direkt nebeneinander, das ist Simon Moro. Er hält die Zügel zu jeder Zeit fest in der Hand, treibt die Menschen in den Wahnsinn, weiß sie zu verführen, willenlos zu machen, zu frustrieren. So einen Menschen schiebt man nicht ins Exil. Lieber verabschiedet er sich mit einem letzten großen Schrecken aus dem Leben, aber mit der Gewissheit, sein Ziel erreicht zu haben. Die Geschehnisse in Worte zu fassen fällt mir schwer, denn man muss das Buch lesen, um die Empfindungen zu teilen. Ich kann es wirklich nur Empfehlen und gebe 5 von 5 Sterne für einen wiedergefundenen Klassiker 🙂

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