achtung buch: abbey road murder song von william shaw

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Penny Lane is in my ears and in my eyes…

Willkommen im London der Swinging Sixties, wo die weiblichen Fans noch vor den Häusern ihrer Idole herumhingen und diese vergötterten, selbst dann noch, wenn diese aufgrund von Drogen von der Polizei abgeführt wurden. In diesem Fall spreche ich natürlich von den Fab4 und deren Fanclub, die die ganze Handlung begleiten.

Doch nun erstmal zu genau dieser Handlung: Ein junges Mädchen wurde nackt und ermordet gefunden. Officer Breen übernimmt den Fall – ein auf den ersten Blick scheinbar psychisch labiler Cop, der vor kurzem seinen Vater verloren hat und einen Kollegen im Einsatz im Stich gelassen hat. Schlimmer, als den Hohn und Spott der Kollegen geht es nicht, denkt ihr? Doch, denn er bekommt in Tozer eine weibliche Kollegin zur Seite gestellt. Ein absolutes No-Go in den 60s, in denen die Frauen bei Weitem nicht so ernst genommen wurden, wie es sein sollte und in denen die Gleichberechtigung noch auf sich warten ließ. Auch Tozer kämpft mit einigen Problemen, wurde ihre kleine Schwester vor einigen Jahren brutal ermordet – eine Sache, die sie und ihre Familie nie komplett verarbeiten konnten, da der Fall nie gelöst wurde.

Unlösbar scheint auch der Fall um die junge Frau, die niemand zu vermissen scheint. Spuren verlaufen im Sand, Pannen passieren, die nicht passieren sollten, bis eine scheinbare Lösung des Falls auftaucht, die auch akzeptiert wird. Von allen? Nein, Breen und Tozer graben tiefer und geraten mit Hilfe des Beatles-Fanclubs und einiger hartgesottener Fans auf eine ganz andere Spur. Eine Spur, die viel tiefer geht, als man zunächst erwarten würde. Wird es den Beiden gelingen, den Fall aufzuklären? Was steckt wirklich hinter dem Mord an Morwenna Sullivan?

Geht gemeinsam mit den Beatles auf eine Krimi-Reise durch das bunte, schrille London, gespickt mit Miniröcken, Musik, Swing, und einer Packung Zigaretten in der Tasche und lasst Euch hinabreißen in einen Strudel aus politischen Intrigen, Korruption und Rassismus.

William Shaw ist mit seinem Abbey Road Murder Song ein toller Krimi gelungen. Unter der lockeren Fassade der Swinging Sixties brodelt ein Vulkan: Afrikanische Einwohner werden offen diskriminiert, England kämpft in Afrika einen blutigen Kampf der Eroberung. Tausende Menschen verloren dort ihr Leben. Eine Sache, der sich im Roman eine Hilfsorganisation entgegenzusetzen versucht. Eine Thematik, die blutige Realität war und in den Romanen britischer Schriftsteller verankert zu sein scheint, die sich mit ihrer Geschichte auseinandersetzen. So auch vor kurzem gelesen in William Boyds Solo. Boyd verwendete die fiktive Demokratische Republik von Dahum als Deckmantel für Nigeria und AfrikaKIN als Organisation, die sich für das Land einzusetzen schien. Eine erkennbare Parallele zu Schaws Roman, finde ich!

Tolle Charaktere – Wir haben mal nicht die typischen Helden, sondern in Tozer und Breen zwei Menschen, die sich bewähren müssen, die mit ihren eigenen Problemen klar kommen müssen und dabei fähig ermitteln sollen. Steine bekommen sie wahrlich von allen Seiten in den Weg gelegt. Abgesehen davon passieren den gesamten Polizisten aber Fehler, die heutzutage unverzeihlich sind. Wahrscheinlich war im London der 60s alles noch etwas lockerer!

Die gesamte Afrika-Thematik war, wie schon angedeutet, eine interessante Erfahrung, da ich denke, dass dieser gesamte Konflikt in meiner Generation nur sehr spärlich bekannt ist und ich mir des Rassismus gegenüber afrikanischer Einwohner in England gar nicht bewusst war.

Ich bin sehr gespannt, was uns in den weiteren Bänden erwarten wird und welche Einblicke wir da in die Geschehnisse in beiden Ländern bekommen werden! Und ich hoffe, dass Tozer das Landleben für den einen oder anderen Einsatz mit Breen aufgeben wird.

Danke, William Shaw, für einen spannenden und interessanten Krimi-Auftakt!

5 von 5 Punkten, ganz klar!

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