achtung hörbuch: totensonntag von andreas föhr

9783426213612

 

Totensonntag ist der fünfte Roman aus der Serie um die Kommissare Wallner und Kreuthner. Eigentlich müsste er jedoch an erster Stelle stehen, beschreibt er doch den ersten Fall Wallners, der im Jahr 1992 noch ein frischgebackener Kriminalkommissar war.

Wallner begleitet Kreuthner zu einem Besäufnis auf eine Berghütte, wo beide mitten in eine Geiselnahme geraten. vom Geiselnehmer Nissel erfahren die Kommissare von einer tragischen Geschichte, die sich in der Zeit des zweiten Weltkriegs abgespielt hat und die Kreuthner die heiße Spur zu seiner ersten selbst entdeckten Leiche – einem Frauenskelett in einem verzierten Sarg mit einem Einschussloch im Kopf – liefert.

Im weiteren Verlauf des Buches gliedert sich die Handlung in zwei Ebenen: Zum einen bleiben wir im Jahr 1992 und begleiten die Kommissare bei ihren Ermittlungen und zum anderen begeben wir uns auf eine Reise ins Jahr 1945, wo wir über die Geschehnisse während des Kriegs informiert werden.

Dabei steht Frieda, eine Gefangene des KZ Dachau, im Zentrum, die den SS-Mann Kieling kennt und beim Zusammentreffen kurz vor Kriegsende hofft, dass er sie nicht erkennt und ihr Leben somit verschont bliebe. Eine Fülle von Ereignissen folgt im Wechsel mit den aktuellen Ermittlungen. Ereignisse, die berühren, verwundern, dem Leser nahegehen. Eine beeindruckende Leistung des Autors, diese Geschehnisse so real und plastisch dazustellen, die beim Anhören große Gefühle beim Hörer erzeugen. Man fühlte sich direkt in die Zeit zurückversetzt und konnte die Ängste der Menschen und die Hoffnung auf baldige Rettung durch die Amerikaner fast körperlich spüren. Genauso deutlich  zeigt er dem Leser das Verhalten der Nazis in Oberbayern, die begeisterten Kids, die unbedingt mitmachen wollen und zu Mitläufern werden, andere die gezwungen wurden, der Bewegung zu folgen  und die Bürger, die die Augen vor den Gräueltaten um sich herum verschließen.

Anders als im Jahr 1992: Hier begleiten wir, wie gesagt, die Kommissare bei ihren Ermittlungen im Fall der Frauenleiche. Mit zum Teil sehr unkonventionellen, gar tollpatschigen und unbeholfenen Methoden schreiten die Kommissare stellenweise zur Tat, sodass ein glaubwürdiges Bild der Staatsmänner in manchen Szenen kaum möglich ist. Allerdings störte mich das größtenteils nicht unbedingt, konnte ich mich doch so stellenweise vor Lachen nicht mehr halten.

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Insgesamt ist Andreas Föhr mit seinem Krimi ein tolles Werk gelungen. Eine perfekte Mischung aus Ernst, Humor, Lokalkolorit und Geschichte, die den Leser bis zuletzt fesselt. Die Handlung lässt auch keinerlei Wünsche offen, strotzt sie doch vor Spannung und unvorhersehbaren Wendungen bis zum Ende. Da dies mein erster Krimi des Autors und der Serie ist, bleibt mir an dieser Stelle nur ein kleiner Wunsch nach mehr Authentizität der Kommissare, die in ihrer derzeitigen Verfassung wohl eher kurz vor der Suspendierung als vorm Erfolg stehen dürften (*spoil* siehe bekiffte Staatsanwältin oder einen Kommissar, der sich an der Asservatenkammer bedient und mit dem dort gefundenen Sprengstoff fast ein Haus in die Luft jagt). Dennoch sind die Charaktere wunderbar geformt und liebevoll gestaltet, was dann irgendwo wieder ein uriges Gefühl vermittelt. Ach, ich mag sie alle und auch die Handlung und ich will mehr davon lesen und schauen, wie sie sich alle entwickeln.

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Noch ein kleiner Nachtrag: Habe dieses Buch im Rahmen einer Lovelybooks-Leserunde als Hörbuch genießen dürfen und muss an dieser Stelle noch ein großes Lob an den Sprecher Michael Schwarzmaier aussprechen. Der bekannte Film- und Theaterschauspieler macht aus dem Hörbuch viel eher ein Hörspiel. Jeder Charakter bekommt eine eigene Stimme oder einen eigenen Dialekt verpasst. Einfach nur klasse und ein wahrer Hörgenuss!!

Insgesamt: 5 von 5 Sternchen

 

 

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