achtung buch: die seltsamen von stefan bachmann

Stefan-Bachmann-Die-Seltsamen

 

Es gab einmal eine Zeit, da öffnete sich ein Portal und die Feen suchten unsere Welt heim. Es folgten bittere Schlachten mit vielen Toten und die, die übrig blieben, wurden zusammengetrieben in ihrer neuen Heimat: New Bath. Was mit der Magie geschah, fragt Ihr Euch? Sie galt von diesem Zeitpunkt an als etwas Schlechtes und wurde bedeckt gehalten. Eisen war das Heilmittel gegen die Zauber und mit dem Erwachen des Industriezeitalters hatten auch die Feen ihren festen Platz in unserer Welt gefunden, ohne dass die Magie noch groß Erwähnung fand. Da überall mit viel Eisen gearbeitet wurde und dieses zu einem Bestandteil von nahezu allem geworden war, war es auch kaum möglich auch nur einen kleinsten Zauber zu wirken. Die Feen hatten sich also mit dem normalen Leben arrangiert. Ganz anders verhält es sich jedoch mit den Sídhe, den früheren Hochelfen. Sie können ihren früheren Status nicht vergessen und haben sich geschworen, die alte Macht zurückzuerlangen.

Am schwersten hatten es jedoch die Mischlinge unter ihnen. Sie werden von niemandem gemocht, wie Ausgestoßene behandelt und Morde an ihnen sind zur schlimmen Tagesordnung geworden. Bartholomew Kettle gehört zu den Mischlingen und lebt mit seiner Mutter und seiner Schwester Hettie, auch ein Mischling, in einem Feen-Slum in London. Verstecken und von niemandem gesehen werden sind die wichtigsten Punkte im Leben der beiden. Eines Tages taucht jedoch eine wunderschöne und zugleich mysteriöse Dame in einem pflaumenblauen Kleid auf und nimmt den Sohn der Nachbarsfamilie Buddelbinster mit sich fort. Dies ist jedoch nur der Beginn einer grauenvollen Serie von Morden an. Mischlingskindern, die merkwürdig hohl an der Themse gefunden werden. Diese Morde lassen auch den Politiker Arthur Jelliby, einen sonst eher ruhigen und nahezu ein wenig phlegmatischen Zeitgenossen nicht kalt. Als dann auch noch Hettie entführt wird, führt das Schicksal die Wege von Batholomew und Arthur zusammen und die beiden ungleichen Weggefährten machen sich auf, um das Rätsel zu lösen und um die kleine Hettie zu erretten…

 

„Die Seltsamen“ – ein ganz besonderes Buch, welches schon mit seinem Cover meine Neugier erweckt hat. Ein stilisierter mechanischer Vogel auf roten Grund entführt den Leser auf eine Reise ins London zur Zeit der Industrialisierung. Eisen erobert die Zeit, Dampf liegt über der Stadt, Lärm, Fortschritt und Mechanisierung treffen aufeinander. Eine Zeit, die ich sehr spannend finde, gerade aufgrund der vielen Innovationen und eine Zeit, die die perfekte Kulisse für diesen Roman darstellt.

Dazu kommt die Fülle an besonderen und einzigartigen Figuren. Fantastische Wesen geben den menschlichen die Klinke in die Hand! Da gibt es die unnahbaren Sídhe, dabei allen voran den sehr ungemütlichen Justizminister Lickerish, die Kobolde, Trolle, und Mischlinge, wie Barthy und Hettie. Gerade die Geschwister habe ich direkt in mein Herz geschlossen! Sie verkörpern eine Zusammengehörigkeit, die in ihrer Situation so wichtig ist und so viel Kraft gibt. Eine Zusammengehörigkeit, die Barthy vorantreibt, so aussichtslos die Situation auch zu sein scheint. Auf der anderen Seite haben wir die Menschen wie Arthur Jelliby, eine – wie ich finde – gelungene und liebevoll gezeichnete Karikatur eines Politikers, der lieber in den Tag hineinlebt, als selbst Entscheidungen zu treffen. Beides auf ihre Weise Antihelden, deren Wege sich in einer dunklen und aussichtslosen Stunde kreuzen und die nun zeigen müssen, was in ihnen steckt.

Die Handlung des Romans finde ich wundervoll. Eine Fülle an Ideen und Phantasie, die  von dem Altbekannten abweicht und eine vollkommen neue Art des Fantasy-Romans erschafft. Besonders gelungen ist dabei die Aufteilung der Handlung in die zwei verschiedenen Sichtweisen von Barthy und Mr. Jelliby, die eine Betrachtung aus zwei Perspektiven ermöglicht und das Erschließen der Handlung auf eine ganz andere Ebene hebt.  Das ist ja an sich nichts Neues, gibt dem Roman aber einen besonderen Schliff. Von der ersten Seite an konnte das Buch absolut überzeugen und hielt den Spannungsbogen auch bis zur letzten Seite aufrecht. Anhand der Entwicklung der Geschehnisse blieb am Ende viel Potential für die  Fortsetzung, auf die ich mich sehr freue und ich wage hier jetzt einfach mal die Aussage, dass „Die Seltsamen“ eine wundervolle Ouvertüre zu dem Folgeband/den Folgebänden sind, da das eigentliche Kernproblem noch nahezu unangetastet geblieben ist und mit der Entführung Hetties erst richtig ins Rollen gebracht wurde. Eine spannende Hinführung zur Kernthematik, die jedoch so vielseitig, detailliert und liebevoll ausgearbeitet ist, dass sie auch dieses ganze Buch mühelos und ohne einen einzelnen Moment der Langeweile zu füllen vermochte. Freunde des Steampunk und guter Fantasy, ganz gleich ob jung oder alt, sollten sich dieses Buch zur Hand nehmen und sich einfach begeistern lassen!

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