achtung wanderbuch: der tod fährt audi von kristian bang foss

Dank Bini und Arndt von Literatwo durfte ich, neben der lieben Heike von „Irve liest“, nun schon das zweite Mal in den Genuss einer Leserunde kommen. Diesmal ging es mit dem Bulli von Kopenhagen nach Dänemark. Wie es dazu kam? Schaut her:

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Asgar, seines Zeichens PR-Fachmann in einer Agentur in Kopenhagen, leidet unter einem kreativen Tief und unter viel Zeitdruck, da die Präsentation einer neuen Kampagne direkt vor der Tür steht. Von einer Präsentation ist leider noch nicht viel zu sehen, also muss ein Notfallplan her: Freund Internet sponsort das Bild eines dicken spaghettifressenden Mannes und einige andere nette Dinge, die flugs zu einer vorzeigbaren Idee zusammengebastelt werden.

Was zunächst nach einem großen Erfolg aussah, verwandelt sich schneller als gedacht in eine Katastrophe: Der Spaghettifresser ist nicht irgendwer, sondern ein großer italienischer Faschist. Konsequenz: fristlose Kündigung, ein tiefes Loch, eine zerstörte Beziehung, Leere.

Sein Kumpel bringt ihn dann mit viel Druck dazu, auf ein Bewerbungsgespräch einzugehen, um dem Teufelskreis aus Alkohol, Faulheit, Depression und Null-Bock-Stimmung entgegenzurudern und schwupps findet sich Asgar im sozialen Brennpunkt der Stadt wieder, nämlich in Stentofte in der Wohnung von Waldemar. Er bekommt den Job als Pflegehelfer des totkranken jungen Mannes und nach und nach entwickelt sich eine besondere Freundschaft zwischen den beiden Männern.

Eine Freundschaft, die so tief wird, dass sie den ultimativen Plan fassen: Sie müssen raus aus Kopenhagen. Weit raus. Wie weit? Bis nach Marokko soll die Reise gehen, wo sich Waldemar Heilung erhofft. Ein alter VW-Bulli ist schnell ergattert und los geht das Roadmovie der besonderen Art.

~

Kristian Bang Foss hält unserer Gesellschaft in seinem Roman gleich zu Beginn direkt den Spiegel vor, nämlich mit der Figur Asgars. Er verkörpert den erfolgreichen Werbetexter, der unter starkem Konkurrenz- und Leistungsdruck erfolgreich sein muss. Tag für Tag müssen neue Ideen her. Schadenfrohe Kollegen, die einem das Leben schwer machen und mit den Hufen scharren, um den begehrten Posten zu erreichen und permanenter Stress bis hin zu Burn Out stehen an der Tagesordnung. Aus Verzweiflung wird improvisiert und getrickst, was hier richtig schief geht. Es folgt der Teufelskreis aus Arbeitslosigkeit, Zukunftsangst und Resignation. Wer will schon einen Werbefachmann von fast 40 Jahren, wenn die jungen nach den Jobs lechzen? Asgar kommt aus diesem Loch nicht heraus und verlottert mehr und mehr, bis ihm sein Kumpel den besagten Tritt in den Hintern gibt und er den Job bei Waldemar annimmt. Zwei „Ausgestoßene“ aus der Gesellschaft treffen aufeinander: Asgar, der sich in gewisser Weise selbst zum Ausgestoßenen gemacht hat, da er nichts an seiner Situation ändern wollte und Waldemar, der aufgrund seiner schweren Krankheiten und das Verhalten seiner engsten Verwandten an den Rand der Gesellschaft getrieben wurde. Beide wollen aus dieser Isolation ausbrechen und beschließen die Flucht nach vorn – nach Marokko.

Tendenziell eine gute Idee und ein guter Handlungsansatz. Die Sprache voller Gefühl, Wortwitz und einer ordentlichen Portion schwarzem Humors, der mir wirklich gut gefallen hat. Auch der Aspekt, dass Bang Foss Asgard die Leser direkt ansprechen lässt, gefällt mir sehr, bringt er die Geschichte auf diese Weise doch näher ans Publikum. Viele tief gehende Momente waren dabei, gerade was die Beziehung zwischen den beiden Protagonisten betrifft, die jedoch an einigen Stellen durch den schwarzen Humor etwas abgeschwächt wurden. Das Motiv des Tods im Audi war auch etwas Neues und zog sich wie ein roter Faden durch den Roman, wurde er doch immer gegenwärtiger, umso schlechter es Waldemar ging.

Ganz überzeugen konnte der Roman mich jedoch nicht, denn sobald klar wurde, was Asgar bei Waldemar erwartet hatte ich permanent den Film „Ziemlich beste Freunde“ im Hinterkopf. Und mit dieser „Vorlage“, die in mir auch bestehen blieb, konnte der Roman leider nicht mithalten. Bis zum Beginn der Reise konnte ich noch mitfiebern, teilte die Begeisterung der beiden Männer für ihr Vorhaben und ging mit, aber im Laufe des Road-Trips, besonders nach dem Zwischenstopp bei der Kommune blieb die Handlung in einer Hasch-Wolke stecken und plätscherte so vor sich hin. Das Ende war auch ziemlich schnell klar und überraschte nicht. [spoiler] Waldemar als neue „Frau Ella“, der am Ende seiner letzten Reise auf der Fahrt friedlich einschlief… [ende]

Insgesamt war er sehr unterhaltsam, teilweise auch wirklich tief gehend und hat auch Spuren bei mir hinterlassen und mich sehr berührt, aber leider wurde es zum Ende hin ziemlich flach und konnte somit nicht komplett überzeugen. Trotz dessen aber ein Buch, welches ich nicht bereue, gelesen zu haben und nochmals ein herzlicher Dank an Literatwo für die Leserunde 🙂

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