Archiv | April 2014

achtung: welttag des buches :)

Nachdem ich mich eine Weile rar gemacht habe, bin ich pünktlich mit einem Post zum heutigen Welttag des Buches wieder für Euch da 😀

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Dank der tollen Aktion „Blogger schenken Lesefreude“konnte und kann ich ein paar Freunde, Bekannte und auch einen von Euch zum heutigen Tag eine kleine Freude machen. Drei Bücher stehen dabei im Zentrum meines Lesetages:

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Der DuMont Verlag stellte mir ein Wunschexemplar aus seinem Sortiment zur Verfügung und ich entschied mich für „Ab morgen ein Leben lang“ von Gregory Sherl. Mit diesem Buch möchte ich meiner besten Freundin eine Freude bereiten, da sie gerade Haus baut und sicher eine kleine Flucht aus dem Alltag bestens gebrauchen kann.

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Vom Rowohlt Verlag wurde mir ein Exemplar von „Die letzte Jüdin von Würzburg“ zugesendet, zusammen mit den „River Singers“. Dieses soll an unsere Chefsekretärin am Theater gehen. Ich kenne sie seit nunmehr 14 Jahren und sie ist einfach eine sooooo liebe Seele, immer ein offenes Ohr und nen Knuddl hat sie und manchmal schaffen wir es sogar zu nem Cappu 🙂 Außerdem war sie es, die in mir die Liebe zu historischen Romanen geweckt hat – ein Genre, was mir eigentlich gar nicht so zusagt – aber mir Diana Gabaldon hatte sie gewonnen 🙂 Danke, meine liebe Pommi für die schöne Zeit und hab viel Spaß mit dem Buch!

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Und nun zu Euch liebe Leser 🙂 Auch wenn ich ja nicht so der Freund von Gewinnspielen auf dem Blog bin, möchte ich Euch natürlich auch etwas Gutes tun! Im Rahmen der Lesefreundeaktion 2014 bekam ich zehn Exemplare von „Ave Maria“ von James Patterson zugeschickt. So schnell konnte ich gar nicht schauen, wie sich Freunde und Bekannte dafür begeistern konnten und sie mir abgenommen haben *lach* Aber eins habe ich noch für Euch reserviert!

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Was ihr tun müsst?

Kommentiert kurz unter dem Beitrag, warum ihr gerne lest 🙂

Zeit habt ihr von heute bis zum 30.4.2012 um 18.00 Uhr! Ich freu mich auf Eure Kommentare und wünsche Euch einen tollen Welttag des Buches 2014!!

UPDATE 02.05.2014

Dank des lieben Teams des Suhrkamp Verlags flatterte noch ein Leseexemplar von Der Sommer der toten Puppen mit der Post herein, das ich leider erst heute von der Post holen konnte, da ich einige Tage im Urlaub war 🙂

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Zum Bücher verschenken braucht man ja keine festen Tage und Leserherzen kann man immer höher schlagen lassen, sodass dieser schicke Krimi in gute Hände wandern wird! Nämlich zu einer lieben krimisüchtigen Arbeitskollegin meiner Mama!

Ein herzlicher Dank an den Suhrkamp Verlag für die tolle Buchspende und ich hoffe, ihr seht mir nach, dass ich etwas spät dran bin mit dem Buch schenken 🙂

achtung buch: bittere sünde von liselotte roll

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Magnus Kalo, Polizist, lebt mit seiner Frau Linn und seinen beiden Töchtern Moa und Elin glücklich zusammen, auch wenn sein Beruf das Familienleben phasenweise stark überschattet. Wie auch an diesem Morgen, an dem er zur Dienststelle muss, obwohl die Kids krank sind. Dort erwartet ihn jedoch auch nichts Schönes: Ein Mann, Erik Berggren wurde auf brutalste Weise ermordet und vor seinem Tod noch mit kochendem Wasser im Genitalbereich verstümmelt. Er lebte ein einsames Leben und hatte weder Freund noch Feind. Um trotzdem einige Informationen über ihn zu bekommen, beschließt Magnus Eriks Mutter im Pflegeheim aufzusuchen. Diese leidet jedoch unter Alzheimer und wird ihm nicht viel sagen können. Er versucht es trotzdem, besucht die alte Dame und findet auch sie schwer verstümmelt im Genitalbereich vor. Scheinbar war er gerade noch rechtzeitig gekommen, um zu verhindern, dass der Täter sein grausames Werk beenden konnte. Zwei Anschläge auf Mitglieder einer Familie. Was hat dies zu bedeuten? Weitere Recherchen führen die Ermittler auf die Spur des schon verstorbenen Vaters von Erik. Gösta Berggren hat in den Fünfzigerjahren in Argentinien gearbeitet und kam nach Schweden zurück, da ihm in Argentinien eine Vergewaltigung an einem vierzehnjährigen Mädchen vorgeworfen wurde. Die Ermittlungen verliefen damals allerdings im Sand und nun ist Gösta tot und kann keine Antworten mehr geben. Sind die Morde dennoch auf einen Racheakt zurückzuführen? Magnus und sein Team tappen im Dunkeln. Spuren tauchen auf und verwischen wieder, doch die Ermittler lassen nicht locker. Eine Hartnäckigkeit, die schwere Folgen haben soll, denn je mehr sich die Ermittler der Wahrheit nähern, desto mehr gerät Magnus‘ Familie ins Fadenkreuz der Täter…

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„Düster und abgründig –Hochspannung aus Skandinavien“. So lautet eine Zeile des Klappentextes, die ich nur unterstreichen kann. Liselotte Roll hat mit „Bittere Sünde“ einen Thriller geschaffen, der das Herz eines jeden Liebhabers dieses Genres höher schlagen lassen dürfte.

Die Handlung ist vielschichtig und tiefgründig, windet sich wie eine Schlange, die nicht erwischt werden will. Ganz gleich, wie nahe man sich der Lösung fühlt, immer ist uns das Buch einen Schritt voraus und macht die Überlegungen zunichte. Ein Spannungsbogen, der besser nicht gehalten sein könnte und eine Story, die wunderbar durchdacht und ausformuliert ist. Sehr grausige Morde und Verstümmelungen finden statt, die realistisch geschildert, aber keinesfalls überspitzt wirken und am Ende erfolgt eine Zusammenführung aller Handlungsstränge, die noch die eine oder andere kleine Überraschung für den Leser bereithält.

Dazu die Charaktere, die mir sehr ans Herz gewachsen sind – insbesondere Magnus und seine Familie. Man spürt die Angst nahezu körperlich, die alle Beteiligten durchmachen mussten, während ihnen der Täter auf der Spur war. Die Verbissenheit der Polizisten, die dieser schrecklichen Mordserie und der Bedrohung des Kollegen endlich ein Ende bereiten wollten und nicht nur einmal auf eine falsche Fährte gelockt wurden. Alles Personen, die wie aus dem Leben gegriffen zu sein scheinen und im Zusammenhang mit Umfeld und Story ein absolut gelungenes Gesamtwerk bilden. Besonders sei dabei auch Linn zu erwähnen, die mich mit ihrer analytischen Sichtweise  – sie ist Psychologin – nicht nur einmal überrascht hat!

Insgesamt kann ich nur sagen: Thriller-Liebhaber greift zu, es lohnt sich von der ersten bis zur letzten Seite!

achtung buch: unsterblich ist der tod von morten lund

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Alles beginnt an einem scheinbar normalen Tag in Stockholm. Inspektor Kodi Bloom bereitet sich auf seinen Arbeitstag vor, als das Telefon klingelt und seine Kollegin Eva Pelle ihn über den Tod eines Mannes informiert. Nichts Besonderes im Alltag der Polizei denkt ihr? Eigentlich schon, wäre der Tote nicht ausgestopft und in die Uniform Hermann Görings gesteckt worden. Eine Tatsache, die die Ermittlungen in die rechte Szene Schwedens führen. Ca. 800 aktive Neonazis und etwa weitere 2000 Anhänger gibt es aktuell in Schweden, die rein äußerlich im Vergleich zu früher jedoch nicht mehr auffallen. Darunter befinden sich auch drei Fraktionen: Anhänger von Himmler, Göring und Goebbels. Alles besonders abgedrehte Typen, die ihren Idolen nacheifern und das Germanentum in Schweden beleben wollen. Die schwedischen Himmleranhänger vermuten in Island die verschollene Insel Thule, auf der eine besonders edle germanische Rasse gelebt haben soll. Diese Spur führt Eva und Kodi dann auch direkt auf die Insel, wo sie versuchen wollen, unter anderem mithilfe der dort ansässigen Elfenbeauftragten, mehr über den Fall und dessen Hintergründe herauszufinden. Der Aufenthalt ist leider nicht von langer Dauer, da ein weiterer Mord gemeldet wurde: diesmal ein Toter, gekleidet wie Joseph Goebbels. Weitere Recherchen ergeben, dass beide Opfer der schwedischen Neonaziszene angehörten. Politische Gesinnung als Motiv für die Morde? Oder steckt doch mehr dahinter? Je weiter die Ermittlungen fortschreiten, desto undurchsichtiger wird die Fülle an Vermutungen und Verdächtigungen, bis man zuletzt nicht einmal mehr den Kollegen aus den eigenen Reihen trauen kann. Wird es Kodi Bloom gelingen, Licht ins Dunkel zu bringen und dem Täter auf die richtige Spur zu kommen? Taucht ein in ein spannendes Netz aus Geschichte, Politik, Schicksal, Verzweiflung und Rache.

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Morten Lund ist mit „Unsterblich ist der Tod“ ein Krimi der Superlative gelungen. Eine Handlung, die von der ersten bis zur wirklich letzten Seite fesselt und überrascht und die den Spannungsbogen kontinuierlich zu steigern vermag wird kombiniert mit wunderbaren Charakteren. Kodi Bloom kam mir sofort vor, wie ein guter alter Bekannter, an dessen Seite man immer wieder gern den einen oder anderen Fall lösen möchte. Sein Privatleben mit allen Problemen und auch schönen Seiten machen ihn auch eine wunderbare Weise menschlich und zeigen auch seine schwache Seite und seine Verletzbarkeit. Dies wird insbesondere in der Beziehung zu seiner besten Freundin Lisa verdeutlicht, die für ihn Kumpel, Schulter zum Anlehnen und Gegenpol ist. Tolle Gespräche und berührende Momente, die die Geschichte auf der Gefühlsebene stark vorantreiben und den grausamen Geschehnissen einen beruhigenden Aspekt gegenüberstellen.

Die Mordserie: Männer aus der rechten Szene werden umgebracht und in Uniformen früherer Nazi-Größen gesteckt. Wie schon angedeutet führen die Ermittlungen bis ins Jahr 1944 zurück, ohne dabei gewohnt schwer und geschichtlich belehrend zu wirken. Vielmehr bezieht sich Lund auf aktuelle Geschehnisse in der schwedischen Politik und gestaltet die direkten Kriegsgeschehnisse nur in Form kurzer Rückblenden. Dazu bringt er eine ganze Fülle teilweise skurriler Fakten aus dem Leben von Himmler, Goebbels und Göring, die mir und ich denke auch vielen anderen Lesern bisher gänzlich unbekannt waren und die Geschichte etwas aufzulockern vermochten. Auch schwedische und nordische Traditionen werden nicht außer Acht gelassen und mit kleinen Besonderheiten, wie dem Besuch bei der Elfenbeauftragten, ausgeschmückt, die zum einen sehr interessant waren und andererseits auch zum Schmunzeln anregten. Mir persönlich gefällt es immer sehr gut, wenn auch derartige Informationen über Land und Leute in den Geschichten mit verpackt werden und somit eine zusätzliche Authentizität von Orten oder Geschehnissen vermitteln.

Insgesamt also ein pures Lesevergnügen in einer besonders abwechslungsreichen Form, das jedem Freund skandinavischer Krimis oder auch Krimis an sich sehr ans Herz zu legen sei. Ich hoffe, dass der liebe Kodi Bloom uns Leser bald wieder mit zu einem neuen Fall nehmen wird!

achtung kinderbuch: lindbergh – die abenteuer einer fliegenden maus von torben kuhlmann

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Ihr denkt, dass Charles Lindbergh der erste große Pionier der Lüfte war? Der erste, dem es gelang, mit einem gewagten Flug allein über den Atlantik Fluggeschichte zu schreiben? Der dies mit seinem Flugzeug, der „Spirit of St. Louis“ ohne Zwischenlandung in ca. 33 Stunden schaffte? Dass Ihr Euch da mal nicht irrt. Was wäre denn, wenn sein Erfolg auf den Erlebnissen einer kleinen und mutigen Maus basiert, die ihn zu seinen großen Taten inspirierte? So ein Quatsch denkt ihr, steht doch überall wissenschaftlich belegt nachzulesen, dass sowohl Otto Lilienthal als auch die Gebrüder Wright und einige andere großartige Persönlichkeiten der Luftfahrtgeschichte dafür sorgten, dass nach den geflügelten Tierfreunden der Mensch den Luftraum eroberte.

Doch dann kam Torben Kuhlmann und mit ihm sein toll illustriertes Kinderbuch „Lindbergh – Die abenteuerliche Geschichte einer fliegenden Maus“.  Auf einmal wird alles bisher Bekannte auf eine wundervolle Weise infrage gestellt und selbst die Erwachsenen, die es ja eigentlich besser wissen, lassen sich nur zu gern auf die Erlebnisse der kleinen Maus ein und pochen einmal nicht auf den Wahrheitsgehalt des Dargestellten. Aber wie kam es denn dazu, dass die Maus den festen Boden unter ihren Füßen verlassen wollte?

Schuld daran hatte natürlich der Mensch. Die kleine Maus las sehr gern und viel in den Büchern der Menschen und verkroch sich dazu in die Bibliotheken der Menschen. Eines Tages, als sie zu Familie und Freunden zurückkehren wollte, waren diese jedoch alle verschwunden und die Maus fand sich allein zwischen merkwürdigen und unheimlich wirkenden Apparaten wieder, die die Menschen neu erfunden hatten und die MAUSEFALLEN hießen. Unser Mäuserich begann sich Gedanken zu machen. Es musste an dieser Erfindung liegen, dass alle verschwunden sind. Doch wo sind sie hin? Die Lösung scheint klar: das Land der unbegrenzten Möglichkeiten! Amerika! Doch wie sollte die kleine Maus den weiten Weg bewältigen? Schiff fahren scheint schier unmöglich, da dort die Katzen das Zepter in der Hand haben. Erst eine unfreiwillige Begegnung mit den fliegenden Verwandten, richtig – den Fledermäusen, bringt den Mäuserich auf die zündende Idee. Ein Flugapparat muss her! Unser Mäuserich stürzt sich in die Arbeit und die Mission „Suche nach Freunden und Familie“ kommt ins Rollen. Doch nicht alles läuft glatt, denn die wahren Herren der Lüfte, die Eulen, wollen ihr Revier nicht wirklich gern mit unserem kleinen Helden teilen. Wird er es dennoch schaffen, das Flugzeug zu bauen und letztendlich seine Familie und Freunde wiederzusehen? Kommt mit auf diese einzigartige Reise und lasst Euch überraschen!

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Torben Kuhlmann ist mit „Lindbergh“ ein wundervolles Kinderbuch gelungen, welches auch die Erwachsenen in seinen Bann zu ziehen weiß. Eine wundervolle großformatige Aufmachung, ein erstes Aufblättern und man kann nicht mehr loslassen. Die Geschichte ist so liebevoll erzählt, mit wenig Text und großformatigen zauberhaften Illustrationen. Da braucht es nicht mehr Text, denn Bilder sprechen mehr als tausend Worte! Bilder, die eine wahnsinnige Tiefe vermitteln, die eine eigene Traumwelt erschaffen, in die man als Leser tief eintaucht. Bilder, die den Figuren Leben einhauchen.

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Man ist mitten drin in der Geschichte, sucht nach der Familie der kleinen Maus, schaut ihr bei den Versuchen, eine Flugmaschine zu konstruieren, genau über die Schulter und sitzt letztendlich hinter ihr im Cockpit während der Flugversuche. Man bangt vor Katzen und Eulen und wird einfach nur mitgerissen. Ein Buch, das eine ganze Traumwelt eröffnet, wenn man sich darauf einlässt, was wahrlich nicht schwer fällt. Groß und Klein werden dieses Buch wirklich zu lieben wissen. Die großen, die im Herzen Fantasie und Kindlichkeit bewahrt haben, werden es mit strahlenden Augen an die Kleinen weitergeben, die es ebenso lieben werden und manchmal kommt es vor, dass die Kleinsten am Ende die Größten sein werden!

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Alle gezeigten Bilder sind Auszüge aus den Illustrationen aus dem Kinderbuch. Bild 1 ist das Cover, Bild 2 zeigt 3 kleine Ausschnitte verschiedener wundervoller Großformate und Bild 3 zeigt die Rückseite des Buchs.

achtung buch: die sonderbare buchhandlung des mr. penumbra

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Schon seit jeher beschäftigen die Menschen die großen Geheimnisse und Fragen der Welt und des Lebens. Nicht selten stehen diese im Zusammenhang mit großen Abenteuern und Gefahren. Schon in den Ursprüngen der Literatur machen sich Helden auf die Suche nach den Reliquien des ewigen Lebens, wie zum Beispiel schon ab dem frühen 12. Jahrhundert in den Gralslegenden, die bis in die heutige Zeit überdauern. Erinnern wir uns an Indiana Jones, der unter anderem genau nach diesem Gral, der ewiges Leben verspricht, suchte. Meist stehen diese Suchen nach den großen Geheimnissen des Lebens im Zusammenhang mit einem Helden, einem gewaltigen Basiswissen des jeweiligen Bereiches, einer großen Reisebereitschaft, einer Schnitzeljagd, gefährlichen Auseinandersetzungen mit geheimdienstlichen oder politischen Organisationen, viel Action sowie der Fähigkeit Dinge zu entschlüsseln. Dabei denke ich insbesondere an den lieben Dan Brown oder – um wieder einmal auf den cineastischen Wegen zu wandeln – an Indiana Jones oder Flynn Carsen aus der“The Quest“ Reihe.

Doch auch ohne großes „Hollywood-Kino“ kann man sich auf die Suche nach dem Gral begeben – nämlich nach dem Heiligtum einer jeden bibliophilen Gesellschaft! Dabei wird man definitiv kein Zeuge von wilden und actiongeladenen Szenen, sondern nimmt viel mehr Teil an einer traditionellen Art und Weise der akribischen Entschlüsselung von Einzelteilen, die zur Lebensaufgabe wird. Aber um das zu verstehen, wendet Ihr Euch am besten an einen wahren Fachmann in diesem Bereich:

Mr. Ajax Penumbra – Inhaber der Buchhandlung Penumbra – 24 Stunden geöffnet

Durch die Tür ebendieses kleinen und unscheinbaren Buchladens tritt eines Tages der arbeitslose Webdesigner Clay Jannon, der aufgrund einer Stellenanzeige bei Penumbra vorstellig wird. Er bekommt den Job und absolviert nun die Nachtschichten in der Buchhandlung. Dass dort etwas ganz und gar nicht mit rechten Dingen zugehen kann, wird spätestens dann klar, als er mit den „Hausregeln“ konfrontiert wird:

„„Erstens: Du musst immer von Punkt 22 Uhr bis Punkt sechs Uhr hier sein. Du darfst dich nicht verspäten. Du darfst nicht früher gehen. Zweitens: Du darfst die Bücher in den Regalen nicht durchblättern,  lesen oder in sonst einer Weise inspizieren. Du darfst sie den Mitgliedern holen. Mehr nicht.“ […]. „Du musst alle Transaktionen präzise protokollieren. Die Uhrzeit. Die äußere Erscheinung des Kunden. Seinen Gemütszustand. Wie er nach einem Buch fragt. Wie er es entgegennimmt. Ob er verletzt aussieht. Ob er einen Rosmarinzweig am Hut trägt. Und so weiter.““(S.22)

Die Bücher in den Regalen sind das eigentliche Mysterium der Buchhandlung, die sonst kein wirklich vielseitiges Angebot aufzuweisen hat. Kaum ein Kunde kauft etwas, nur die Mitglieder kommen in unregelmäßigen Abständen und leihen ein Buch aus den ewig hohen Regalen aus, die nur über sehr hohe Leitern erreichbar sind. Angestiftet durch seinen Freund, wirft Clay doch einen Blick in eines der Bücher und sieht nur unzusammenhängende Buchstabenreihen. Ein Code?? Komisch, genau wie das gehetzte Verhalten derjenigen, die die Bücher leihen. Clay wird neugierig und wäre nicht Webdesigner geworden, wenn er sich nicht der Technik bedienen könnte, die er nun auch benutzt um hinter das Geheimnis der Gesellschaft zu kommen. Just in diesem Moment trifft er auf Kat, die bei keinem Geringeren als bei GOOGLE persönlich arbeitet. Gemeinsam mit einigen Freunden Clays und Penumbras beginnt ein Abenteuer, dessen Ausmaß und Folgen die Beteiligten in diesem Moment noch nicht zu erkennen vermögen.

Ein Geheimnis, das bis tief zu den Wurzeln der Kunst des Buchdrucks führt, ein Geheimnis, das mit keinem anderen Hilfsmittel als dem eigenen Verstand gelöst  werden sollte, wird mithilfe modernster Technik binnen Sekunden gelöst und ebnet den Weg zur endgültigen Lösung des großen Geheimnis. Doch wie wird der innerste Zirkel der Suchenden auf diesen innovativen Schritt reagieren? Können Tradition und Innovation in diesem Fall miteinander agieren? Lasst Euch mitnehmen auf eine Reise in die Vergangenheit des Druckgeschichte, in die Buchhandlung Penumbra und versucht das Rätsel mit Clay und seinen Freunden zu lösen!

Denn etwas anderes bleibt Euch gar nicht übrig. Robin Sloan gelang ein so toller Schreibstil, der den Leser immer auf einer Ebene mit den wunderbar gezeichneten Charakteren hält. Jede persönliche Vermutung konnte auf der nächsten Seite zunichte gemacht werden. FESTINA LENTE – Eile mit Weile – wurde das Leitmotto von mir und meine lieben Mitpenumbrianern. Penumbrianer? Genau… durch Zufall fanden wir – Heike von irve liest, Arndt und Bini von Literatwo und ich zueinander. Ja, wir kannten uns schon, aber diesmal geschah es, dass wir unabhängig voneinander dasselbe Buch begonnen hatten (ohne Absprache) und schnell bemerkten, dass wir dabei auf genau derselben Wellenlänge lagen.

Robin Sloan nahm uns mit auf eine Reise bis zum Beginn des Buchdrucks. Eine Geschichte, die den Wert der Worte zu vermitteln weiß und die die Wichtigkeit der Erhaltung dieser verdeutlichte. Dazu kommt noch eine große Portion Aktualität, befinden wir uns doch jetzt gerade in einer Zeit, in der die technischen Innovationen im Buchbereich den Markt erobern und zur Konkurrenz der klassischen Bücher werden. Ist es in Anbetracht dessen so abwegig, dass sich der innere Zirkel der Suchenden im Roman so vehement gegen die Technik wehrt? Und auch die zwischenmenschliche Ebene kommt nicht zu kurz, denn ohne seine Freunde wäre dieses Abenteuer für Clay nie durchführbar gewesen.  Buchfreunde, begleitet unsere Protagonisten durch eine Geschichte, die die wahre Liebe zum Buch, zur wahren Kunst des Buchdrucks und der Typografie zeigt und macht Euch auf die Suche nach dem großen Geheimnis. Vor allem aber nehmt Euch Zeit, um tief in die wundervollen Seiten dieser vielschichtigen und tiefgründigen Geschichte einzutauchen, die zunächst viele Fragen aufwirft, am Ende jedoch keine unbeantwortet lässt.

Und abschließend auch hier noch einmal der Verweis auf die Kurzgeschichte „Die unglaubliche Entdeckung des Mr. Penumbra“, die eine Zeitreise in die Vergangenheit des Buchhändlers darstellt und der Geschichte, egal ob vorher oder nachher gelesen, den letzten Schliff gibt!

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achtung herzensbuch: die bücherdiebin von markus zusak

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Wir befinden uns im Jahr 1939. Im kalten, schneereichen Winter sind Liesel Meminger und ihr Bruder Werner auf dem Weg nach Molching, um ihren neuen Pflegeeltern übergeben zu werden. Eine erste Katastrophe erschüttert Liesels junges Leben: Werner stirbt während der Fahrt und muss auf der Strecke beerdigt werden. Während der Beerdigung sieht Liesel, wie der junge Bestatter ein Buch im Schnee verliert. Die Bücherdiebin schlägt das erste Mal zu und mit dem „Handbuch für Totengräber macht sie sich auf die Reise in ihre ungewisse Zukunft. Ihr steter Begleiter ist dabei kein Geringerer als der Tod selbst, der Liesels Geschichte in allen Farben und Facetten berichtet.

Ein neuer Lebensabschnitt für Liesel beginnt in Molching, in der Straße, die nach dem Himmel benannt ist, bei Hans und Rosa Hubermann, in einem kleinen Haus mit zu niedrigem Keller. Das Erste, was das Mädchen mit ihrer neuen Familie verbindet, ist das lautstarke Fluchen von „Mama“ Rosa. SAUMENSCH heißt das neue Zauberwort, das Rosas Lieblingsbezeichnung für Liesel und auch Hans ist (da auch in der Abwandlung Saukerl). Klingt hart, findet ihr? Lest das Buch und ihr werdet den Begriff lieben, denn darin verbirgt sich auch etwas ganz anderes: pure Liebe!

„Was ist schlimmer als ein Junge, der dich hasst? Ein Junge, der dich liebt.“ (S. 59)

Genau auf diesen trifft Liesel auch: Rudi Schneider, Jesse Owens Fan und begeisterter Läufer, der zu ihrem Vertrauten, besten Freund und Seelenverwandten wurde und … der einen Kuss von Liesel wollte, den diese ihm aber niemals geben wollte.

Diese Menschen stellten also das neue Zentrum in Liesels neuem Leben dar, oder? Richtig, wenn man nicht das „Handbuch für Totengräber“ vergisst, das stets seinen Platz an Liesels Herzen hat, wenngleich sie nicht einmal weiß, was sie da mit sich herum trägt. Denn: Liesel kann nicht lesen. Im Laufe der Zeit entwickelt sich eine innige Freundschaft zwischen dem Mädchen und ihrem neuen Papa und sie beginnt bei ihm lesen zu lernen und den Wert der Worte zu erkennen.

Eines Tages geschieht jedoch etwas absolut Unerwartetes im Leben der Habermanns: ein ausgemergelter junger Mann vor der Tür, der von Rosa und Hans im Keller versteckt wird. Im Keller? Ja, denn Max Vandenburg ist Jude, also die Gefahr Nummer 1, die man sich zu dieser Zeit ins Haus holen konnte.

Der Beginn einer außergewöhnlichen Freundschaft und einer aufregenden Zeit im Hause Habermann, die geprägt sein wird von tiefen Gefühlen, weiteren Bücherdiebstählen, 13 Geschenken, Geheimnissen und politischen Entwicklungen…

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Die Bücherdiebin – ein Buch, über das man Bücher schreiben könnte. Markus Zusak ist damit ein Wunderwerk gelungen. Auf eine bisher einzigartige Art und Weise gelang es ihm, die Zeit des Nationalsozialismus einzufangen und dem Leser zu präsentieren. Gerade auch für Jugendliche sollte es zur Pflichtlektüre werden, spiegelt es doch so viele Werte und so viel Geschichte wieder.

Gleich zu Beginn zeigt uns der Tod persönlich, was das Verderben ist! Drei Mal ist er Liesel direkt begegnet und drei Farben begleiteten ihn dabei:

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Der Nationalsozialismus, der Liesel die Mutter und den Bruder nahm, der ihr Leben bei den Habermanns bestimmte, der ihr den Freund Max nahm, nur weil dieser der falschen Religion angehörte. Der Nationalsozialismus der Menschen in den Krieg trieb, der Menschen ausrottete. Krieg – Tod – Schmerz – Verlust – alles Dinge, die unter dem Hakenkreuz zu schlimmer Realität wurden. Der Nationalsozialismus, der Wohlstand und Frieden versprach – wenn man sich mit der Partei arrangieren konnte. Doch konnte es jeder? Hans Hubermann konnte es nicht …

Bücher als ein weiterer wichtiger Aspekt des Romans: Durch sie lernt Liesel die Bedeutung der Wörter kennen, sie lernt lesen und das Lesen wird zu einem zentralen Punkt im Leben des Mädchens. Sie erkennt die Macht der Worte. So vieles kann mit Worten erreicht werden – Gutes und Schlechtes. So bleibt auch ihr erster Bücherdiebstahl nicht der Einzige. Ein zweites Buch stiehlt sie während einer Bücherverbrennung zu Ehren Hitlers. Ein gefährlicher Akt, der ihr jedoch neue Türen öffnet – nämlich die zur Bibliothek der Bürgermeistergattin. Wo dies hinführen wird? Lest selbst und heftet Euch an die Fersen von Liesel, wenn sie sich einmal wieder auf den Weg zum Haus des Bürgermeisters macht.

Zusak zeichnet in seinem Roman wunderbare Charaktere, die plastischer nicht dargestellt werden könnten. Die Beziehungen und Verbindungen werden im Verlauf des Buches immer klarer und reißen von der ersten bis zur letzten Seite mit. Eine Handlung, so vielseitig und tiefgründig, dass sie trotz der bekannten Grundmaterie komplett überzeugt. Trotz des fiktiven Ortes gibt es so viel Realität darin, dass man sich versucht fühlt, mehr über den Ort Molching und die Schicksale der dort lebenden Protagonisten zu erfahren. Wie kann etwas Fiktives so real sein? Zusak sagte dazu in einem Interview im Börsenblatt:

„Aus dem Heimatdorf Olching, wo sich die Schlüsselszene des Romans “Die Bücherdiebin” ereignet, habe ich kurzerhand Molching gemacht. Ich wollte keinen realen Schauplatz, sondern wollte den Ort der Handlung selbst erfinden. Ich habe mich also an der Realität orientiert, sie aber fiktionalisiert. Der Name Molching stand sehr schnell fest, bei anderen Namen dauerte es länger. Manche habe ich aus bestehenden Namen zusammengesetzt, zum Beispiel von Freunden meiner Eltern oder aus dem Abspann deutscher Filme.“

Das komplette Interview mit noch mehr interessantem Hintergrundwissen findet Ihr hier:

Interview Markus Zusak

Insgesamt ein Buch, welches sich sofort in die Kategorie Herzensbuch geschlichen hat. So viel Tiefe, Gefühl, Wahrheit auf so vielen Seiten, die man am Liebsten in einem Rutsch lesen möchte und die mir einige Nächte mit sehr wenig Schlaf beschert haben, habe ich bisher nicht so oft erlebt und ich danke Markus Zusak aus ganzem Herzen für dieses Wunderwerk!

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Natürlich habe ich mir auch die Verfilmung angeschaut und muss sagen: Sie hat mich überzeugt und mir ausgesprochen gut gefallen. Natürlich kann man kein Buch von derartiger Vielseitigkeit und Komplexität in einen 2,5-3h Film pressen und vieles, auch Wichtiges, fällt dem Schnitt zum Opfer. Aber dennoch ist hier großes Gefühlskino gelungen, welches die Handlung, gestutzt, aber sehr gut zu vermitteln weiß. Aber, liebe 20th Century Fox, wieso ein derartiger Epic Fail???? Der Film spielt in Deutschland, in Molching, einer Stadt, an deren Geschäften Titel wie KOLONIALWARENGESCHÄFT und SCHNEIDEREI stehen. Und was passiert dann? Liesel lernt lesen im „Handbuch für Totengräber“ und schreibt ihre gelernten Vokabeln an die Wand. Gut und schön, ist ja im Buch auch so. Aber wieso ist das Buch und alle weiteren auf ENGLISCH? Und wieso schreibt Liesel die Vokabeln auf ENGLISCH an die Wand? Das wäre vermeidbar gewesen. So viel Geld, das für gute Filmrequisiten ausgegeben wird, da wäre doch ein wenig mehr Authentizität drin, oder? Das ist wirklich sehr schade, aber abgesehen davon ein toller Film, schon allein durch die hervorragende schauspielerische Leistung aller Beteiligten.

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Eine Notiz in eigener Sache an den Tod

Lieber Tod,

Durch die Bücherdiebin bist Du mir sehr gegenwärtig geworden in einer plastischen Art und Weise. Denn ein stiller Begleiter meiner Familie warst du ja seit dreieinhalb Jahren. Stets an unserer Seite, manchmal fast nur wie ein Hauch, dann wieder beängstigend hart und gegenwärtig warst du da. Bis zum 19.2. diesen Jahres, als Du die Seele meines Papas dann doch in die Finger bekommen hast. Mit nur 57 Jahren natürlich zu früh, aber wann ist schon der richtige Moment, um zu gehen? Gesundheitlich betrachtet war es genau der richtige Moment und ich danke Dir für die Sanftheit, mit der du agiert hast. Oft genug hat er Dir ein Schnippchen geschlagen und wir konnten so noch eine schöne gemeinsame Zeit haben. Auch für diese Möglichkeiten danke ich Dir. Und ich bin sicher, seine Seele saß auch aufrecht und erwartete Dich an diesem Tag…

Und sollte mich jemals jemand fragen, was es für ein Tag war? Es war ein türkisblauer Tag…