achtung hörbuch: die unglaubliche reise des fakirs, der in einem ikea-schrank feststeckte

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Ein Fakir zu Besuch in Frankreich ist nichts Ungewöhnliches denkt ihr? Ein Fakir, dessen erstes und einziges Ziel im fremden Land eine Ikea-Filiale ist, schon. Denn genau dort will Ayarajmushee Dikku Pradash direkt nach der Landung hin. Also schnell in ein Taxi gesprungen und dem verdutzten Taxifahrer  Palourde das lang ersehnte Ziel genannt. Warum gerade Ikea, fragt Ihr Euch? Nur dort kann er sich den Traum eines jeden Fakirs erfüllen: das Nagelbett »Likstupikstå« aus schwedischem Kiefernholz in Puma-rot und nur echt aus 15.000 Nägeln für den unschlagbaren Preis von 99€. Bewaffnet mit nur einem (gefälschten) 100€  Schein, mit dem er zuvor schon seinen Taxifahrer geprellt hat, macht sich unser charmanter Hochstapler auf die Suche, um kurz darauf zu erfahren, dass das Nagelbett nicht verfügbar ist und nur gegen einen Aufpreis bis zum nächsten Tag bestellt werden kann. Nun ist guter Rat teuer, denn mehr Geld muss her und ein Schlafplatz will auch gefunden werden. Ayarajmushee wäre kein echter Fakir, wenn er sich nicht zu helfen wüsste und so stößt er nicht ganz ungewollt mit der jungen und hübschen Französin Marie zusammen, die ihn prompt zum Essen einlädt – eine Begegnung, die Gefühle in ihm weckt, die er noch nie gekannt hat. Die Frage nach dem Schlafplatz klärt sich auch sehr schnell, denn warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah? Ikea hat doch schließlich eine eigene Bettenabteilung. Klingt alles gut, wäre da nicht das Personal, was just in dieser Nacht Möbel aus der Ausstellung nehmen will, um diese weiterzusenden. Unser Fakir sieht nun keinen anderen Ausweg mehr, als sich in einem großen Schrank zu verstecken… der natürlich zum großen Pech Ayarajmushees mit auf die Reise geht. Eine irrwitzige Fahrt über England, Barcelona, Rom und Tripolis bis zurück nach Paris beginnt, bei dem ihm nicht nur die Ikea-Mitarbeiter auf den Fersen sind.

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„Die unglaubliche Reise des Fakirs, der in einem Ikea-Schrank feststeckte“ – was für ein Titel für ein Buch! Romain Puértolas hat damit genau den Zeitgeist getroffen. Ein langer, kurioser Titel, ein Cover, das mit typischen Ikea-Farben wirbt, ein Klappentext mit viel Interpretationsraum. Dank des Argon-Verlags konnte ich mit Ayarajmushee auf die Hörreise durch das Buch gehen und es hat mich während einer längeren Zugfahrt gut unterhalten.

Zunächst konnte ich mir wirklich nicht vorstellen, wo die Handlung außerhalb der Ikea-Filiale hinführen würde und wurde in mehrerlei Richtung überrascht. Die Story um Ayarajmushee ist gut durchdacht und unterhaltsam geschrieben. Gerade die zwischenmenschlichen und persönlichen Entwicklungen des Fakirs haben mir gut gefallen, der als Hochstapler – wenn auch als charmanter – nach Paris kommt und dann, während der Reise durch die Welt, Werte und Gefühle  kennenlernt, die er bisher nicht kannte und die ihn dazu bringen, sein Leben grundliegend zu ändern. Er, der nur sein Dorf kannte und dort die eigenen armen Mitmenschen belogen hat, um sich diese Reise und sein neues Nagelbett zu finanzieren, wird nun selbst Zeuge von ungerechten und elenden Zuständen und beginnt nachzudenken. Auch seine Liebe zu Marie ist schön geschrieben: Die zarten Gefühle, die er für die junge Frau hegt und die immer tiefer werden. Schließlich ist sie ja schon irgendwie ein rettender Anker in der so unbekannten Welt. Rettende Anker: Davon gab es ja so einige im Buch, die ich hier jetzt nicht näher ausführen möchte, die aber maßgeblich zur Entwicklung unseres Fakirs beitragen. Denn sie ermöglichen es, dass er ganz ungeahnte, ehrliche Talente erkennt, die in ihm schlummern.

Schmunzeln konnte ich während des gesamten Hörbuchs an etlichen Stellen, wobei der Humor an manchen Punkten doch etwas flach war (Bsp.: Wieso ist denn das Nagelbett mit 15.000 Nägeln billiger als das mit 1000? – Na überlegen sie mal, wie lange sie brauchen die 15.000 Nägel in das Brett zu klopfen (frei übertragen).

Der einzige wahre Wermutstropfen war für mich das Spiel mit typischen Stereotypen, wie beispielsweise dem Roma-Taxifahrer Palourde, denn das hat sich, meiner Meinung nach, absolut mit der Intention des Buches geschnitten. (Spoiler) Neben der Hauptstory versucht der Autor an vielen Stellen die elenden Umstände der Menschen in den Entwicklungsländern anzudeuten und verweist nicht nur einmal auf die Risiken, die diese Menschen aufzunehmen bereit sind, um illegal in andere Länder einzureisen. Dagegen stellt er die Karikatur Palourdes, der mit seiner Familie in einem Wohnwagen haust, die typischen Holzkullern auf den Autositzen hat und seine Tochter am besten möglichst gewinnbringend unter die Haube bringen will. (Spoiler Ende).

Absolut Klasse und von der ersten bis zur letzten Minute zu genießen war die Stimme des Sprechers Matthias Koeberlin. Wer mich kennt, weiß, dass ich männliche Sprecher bevorzuge und dieser hat mich komplett gefesselt.

Insgesamt hat mir das Hörbuch trotz des kleinen Makels sehr gut gefallen und ich kann es auch guten Gewissens jedem weiter empfehlen, der leichte Unterhaltung mag. Dem Argon Verlag möchte ich an dieser Stelle herzlich für das Hörbuch danken! Wer mehr über Buch und Sprecher erfahren möchte, kann gern auf der Seite des Verlags vorbeischauen:

Seite des Argon-Verlags zum Buch

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