Archiv | Juli 2014

achtung buch: luftpost zwischen tag und nacht von lea pinkerton

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Eines Tages hatte Lili den Entschluss gefasst, eine Auszeit aus ihrem eigentlichen Leben zu nehmen, um sich den Dingen zu widmen, die sie schon die ganze Zeit tun wollte, aber zu denen sie nie kam: Schreiben und Zeichnen.

Da kommt ihr das Angebot eines Immobilienmaklers ganz recht, ein möbliertes Haus, das in der Stille der ländlichen Umgebung liegt, für ein Jahr günstig zu mieten. Der Besitzer, ein gewisser Prof. Rufus Pinkerton sei in den USA für eine Forschungsreise. Lili schlägt zu und findet sich im Paradies wieder. Eine ruhige Umgebung, Idylle pur und niemand, der sie in der Kreativität stört. Niemand? Wirklich niemand?

Das sieht Rufus Pinkerton anders, denn schließlich ist er ja zu Hause und muss hilflos zusehen, wie die fremde Frau sich einfach in seinem Haus breit macht und von ihm keinerlei Notiz nimmt. Wie kann das sein? Und wieso sieht in seinem Haus auf einmal alles so anders, unbewohnt aus?

„Rufus war der geisterhaften Erscheinung ins Wohnzimmer gefolgt. Irritiert stellte er fest, dass der Raum völlig verändert aussah. Sämtliche Möbelstücke waren plötzlich in weiße Tücher gehüllt. „Was ist das denn?“, fragte Rufus verblüfft. Er ging zu seinem Wohnzimmertisch und wollte das bis auf den Boden reichende Tuch herunterziehen, doch er konnte es nicht greifen. Verwirrt und mit offenem Mund beobachtete er die Frau.“ (S. 9)

Alle Kommunikationsversuche scheitern, bis auf einen Block Luftpostpapier, sowie ein blauer und ein roter Filzstift – das einzige Mittel, mit dem beide kommunizieren können, ohne zu verstehen, wie eine derartige Verbindung möglich sein kann. Aus den Fremden werden nach und Vertraute, die sich ihre tiefsten Geheimnisse anvertrauen und langsam aber sicher kommen tiefere Gefühle ins Spiel. Verrückt und aussichtslos, denkt ihr? Wer weiß!

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Als ich das Cover von Luftpost zwischen Tag und Nacht sah, wusste ich sofort, dass ich dieses Buch furchtbar gerne lesen möchte , und meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht. Auf ca. 160 Seiten beschreibt Lea Pinkerton eine Liebesgeschichte der besonderen Art. Lili und Rufus sind zwei besondere Charaktere: Sie ist vergesslich, kreativ und sucht nach der Erfüllung im Schreiben und Zeichnen, nachdem sie quasi aus ihrem alten Leben geflohen ist und sich auf dem Land ein Jahr Auszeit nehmen wollte. Er ist der gebildete Professor, leicht verschroben, der seine schwierige Kindheit nie verarbeitet hat, außer indem er sich in seine Arbeit stürzte. Beide Charaktere – verschiedener geht kaum – treffen im Haus des Professors aufeinander, ohne direkt miteinander kommunizieren oder sich gar sehen zu können. Ein langsames Abtasten beginnt, ein Kennenlernen auf einer wundervollen phantastischen Ebene, was gleichzeitig ein Verarbeiten der Vergangenheiten beider Protagonisten mit sich bringt.

Tiefe Gefühle, Verunsicherung, Liebe und paradiesische Idylle treffen in diesem kleinen Buch aufeinander und ich sage nicht zu viel, wenn ich behaupte, dass Luftpost zwischen Tag und Nacht den Leser nur bezaubern kann. Eine wundervolle Geschichte mit einem Hauch Fantasy und und viel Romantik und Liebe, die ich nicht mehr aus den Händen legen konnte, bis ich wusste, wie sie endet. Mehr möchte ich an dieser Stelle gar nicht zur Handlung sagen, denn es würde zu viel wegnehmen. Das Buch muss man lesen, genießen und tief in sich aufnehmen. Eine klare Empfehlung meinerseits. Ich bin noch immer ganz verzaubert davon!

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Luftpost zwischen Tag und Nacht war mein erster Roman aus dem Verlagshaus El Gato, einem Kleinverlag, der sich sofort in mein Herz gemogelt hat. Buchliebhaber sollten unbedingt mal auf der Verlagsseite stöbern gehen, denn das liebevoll zusammengestellte Sortiment an Büchern ist fast wie ein Bummel durch die kleine Lieblingsbuchhandlung. Und als ich gestern in der großen Lieblingsbuchhandlung in Dresden unterwegs war, kam ich natürlich nicht drum herum, die kleinen tollen Katzenlesezeichen zu kaufen *lach*, die nun auch im El Gato Roman wohnen dürfen!

achtung buch: tanz der tarantel von kirsten wulf

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Heute möchte ich euch, passend zum Sommerwetter, mit nach Apulien ins schöne Italien nehmen und euch einen tollen Sommerkrimi aus dem Hause Kiepenheuer & Witsch vorstellen 🙂

Elena von Eschenburg, die kecke Journalistin,  steckt mitten in einer Reportage über die jungen Pizzica-Musiker von Lu Ientu, der erfolgreichsten Band Apuliens, als plötzlich schreckliches geschieht. Am ersten Abend des Festes Santo Polo feierten die Musiker noch einen grandiose Erfolg, doch am zweiten Tag gibt es schon keine Spur mehr von Nicola Capone, dem Frontmann der Truppe. Am Morgen des dritten Tages erhält Elena plötzlich eine SMS von Nicola, der sie bittet, zu einer kleinen alten Kapelle zu kommen. Dort angekommen findet die junge Frau jedoch nur den Leichnam des jungen Mannes, zugerichtet wie ein taranto, also ein von der Tarantel gebissener junger Mann. Ohne zu wissen warum, nimmt sie die Kamera und beginnt zu fotografieren. Doch sie ist nicht allein in der Kapelle. Kurz darauf erhält sie eine Nachricht, in der sie dazu angehalten wird, die Bilder zu veröffentlichen, ganz im Interesse ihres kleinen Sohnes, für dessen Gesundheit sonst nicht garantiert werden könne…

Zur selben Zeit in Mailand: Commissario Cozzoli steht kurz davor, in einem wichtigen Prozess gegen die Mafia auszusagen, als er die Nachricht über den Tod des jungen Musikers hört und in diesem Zusammenhang auch von der Rolle Elenas erfährt, die natürlich unter Verdacht steht, etwas mit dem Mord zu tun zu haben. Er beschließt schnellstmöglich nach Apulien zu reisen, um der Sache auf den Grund zu gehen, bevor die junge Deutsche ihre Nase noch weiter in gefährliche Dinge stecken kann.

Diese hat die Nase natürlich schon viel zu tief drin und ermittelt fleißig auf eigene Faust weiter, ohne zu ahnen, in welche Gefahr sie sich damit begibt. Nach der Ankunft des Commissario machen sie sich mehr oder weniger gemeinsam an die Lösung des Falles, der nicht nur eine Überraschung bereit hält…

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Kirsten Wulf nimmt den Leser mit auf eine Reise ins wundervolle Apulien mit all seinen schönen Olivenhainen, Masserien und Traditionen, wie die Pizzicamusik, die einst zur Heilung von Taranteln gebissener Landarbeiterinnen diente.

„Das Gift der Tarantel machte die Frauen verrück“. hob Nicola wieder ernst an. „Das Chaos wütete in ihnen.“ Gebissen wurden fast immer Frauen, Landarbeiterinnen, Tagelöhnerinnen, die im Sommer auf den Feldern den gemähten Weizen oder Tabakblätter vom Boden aufhoben. Im Schatten, wo es feucht und dunkel war, im Gras, dort versteckten sich Taranteln vor der grellen Sonne. Meist begann es mit Unwohlsein im Magen, zuckenden Gliedern, dann wurden die Musiker gerufen und spielten tagelang. Einige Frauen wurden hysterisch und schrien, rannten wie besessen umher. Andere reagierten depressiv, apathisch – je nachdem, was für eine Spinne gebissen, welche Farbe sie gehabt hatte. Pizzica war Heilung, „und Pizzica war immer auch Befreiung“, ergänzte Nicola.
(S.57).

Diese Tradition steht zentral im Roman, denn Nicola wurde ermordet im traditionellen Gewand eines taranto gefunden. Doch was steckt hinter diesem Mord? Den Leser erwartet ein feinfühliger Krimi, ohne Blut, aber dafür mit viel Tiefe und Nationalkolorit. Der typische Alltag im kleinen Apulischen Städtchen mit seinen verschiedenen Machtstrukturen wird ebenso präsentiert wie zwischenmenschliche Liebeleien und Streitereien, die nach und nach ein Gesamtbild ergeben – ein Puzzle, welches erst ganz zum Schluss gelöst wird.

Die Sprache ist dabei flüssig und locker gehalten und die Protagonisten sind allesamt liebevoll und detailliert gezeichnet. Sei es Elena, die ihre Nase einfach nicht aus Dingen heraushalten kann, die sie nichts angehen, oder die einfach immer zur falschen Zeit am falschen Ort (oder genau am richtigen Ort)ist, der etwas schrullige Commissario, der natürlich immer mit Elena zusammenrauschen muss, obwohl sie innerlich schon irgendwie ein Herz und eine Seele sind und sich gegenseitig sehr bei den Ermittlungen unterstützen. Und natürlich muss auch die italienische Großfamilie erwähnt werden: Onkel Gigi und sein schwuler Lebensgefährte Ettore, die streng katholische Nonne Schwester Benedetta, Gigis Schwester – oh ja, Unstimmigkeiten sind vorprogrammiert, aber wenn es um Elenas Sohn Ben geht, sind sich alle einig. Der kleine Sonnenschein steht im Zentrum der Aufmerksamkeit und wird verwöhnt, was das Zeug hält.

Dazu kommt noch das typische Italien-Feeling, was der Roman versprüht. Man fühlt sich beim Lesen, als läge man direkt am Meer oder schlendert durch das Dorf, trinkt einen caffe und lässt die Seele baumeln. Das habe ich zumindest beim Lesen getan 🙂

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Insgesamt bleibt nur zu sagen, dass Kirsten Wulf mit Tanz der Tarantel ein toller Sommerkrimi gelungen ist. Perfekte Lektüre für Tage am Strand, auf dem Balkon, im Garten oder für Zwischendurch. Italien trifft auf Krimi – das Ergebnis: ein erfrischender Roman, der in mir den Wunsch geweckt hat, sofort meinen Koffer zu packen und nach Apulien zu reisen. Mehr davon, bitte, Kirsten Wulf!

Tanz der Tarantel beim KiWi-Verlag

achtung buch: ziemlich schlechteste freunde von stephan serin

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Manche Dinge verdrängt man im Leben und manche holen einen auch nach sieben Jahren wieder ein: So geht es Markus aus Ostberlin, der vor zehn Jahren ein Erasmus-Jahr in Pau in Frankreich absolvierte und nun plötzlich eine E-Mail seines damaligen Kumpels Sebastian im Postfach hat, der heiraten wird und ihn zur Feier nach Pau einlädt. Auf einmal sind alle Erinnerungen an das Jahr in der Ferne wieder ganz nah:

Markus möchte sein Studium aufpeppen, seine Französischkenntnisse verbessern und nebenbei noch mit vielen hübschen Französinnen in möglicht engen Kontakt kommen. Was gibt es dafür besseres, als ein Erasmus-Jahr im Land selbst. Los geht die Reise ins kleine Städtchen Pau.

Schon am Flughafen trifft Markus auf seinen zukünftigen Weggenossen, der gerade in eine oberpeinliche Verabschiedungsszene mit seiner Freundin Josepha vertieft ist und, als beide allein im Flugzeug sind, prompt den Entschluss fasst, Markus nicht mehr von der Seite zu weichen. Obwohl beide nicht viel gemein haben und Markus es sehr witzig findet, den naiven und lebensbejahenden Sebastian, der noch dazu sehr unter dem Scheffel seiner Freundin Josepha steht, zu veralbern, bilden beide eine Art Notallianz, die am Ende vielleicht doch nicht ganz so furchtbar war, wie Markus zunächst erwartete.

Aber nun zu den wichtigen Dingen, französische Sprache und französische Frauen: Beides schwieriger zu finden, als man denkt! Die Frauen zeigen kein Interesse auf die vielseitigen Annäherungsversuche und französische Sprechen kann man auch kaum, da ja auf den Erasmus Partys alles gesprochen wird, außer Französisch. Auch mit den deutschen Studenten verscherzt es sich der liebe Markus schnell und Frauen aus anderen Ländern? Auf keinen Fall… Man ist ja schließlich in Frankreich. Und so ziemlich schnell ziemlich allein im Land der Träume.

Bis da plötzlich die kecke Marijo aus Madagaskar, Roger und Guillaume von der bizarren Black-Islamic-Metal-Band Immortal Ayatollah und sein Interesse an französischer Politik auftauchen und sein Leben in Pau nun doch noch aufrütteln…

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Stephan Serin beschreibt in seinem Buch viel mehr als das Erasmus Jahr seines Protagonisten Markus. Viel mehr nimmt er Anteil an den schlechten Bedingungen im Wohnheim, am Desinteresse der französischen Studenten an vielen wichtigen Dingen, an der Politik an den Hochschulen sowie an den studentischen Verbindungen und Gruppierungen.

Er nimmt uns mit auf eine Reise durch Pau, sicher eine Selbstreflexion eigener Erfahrungen, und lässt uns seinem Protagonisten auf knapp 450 Seiten über die Schulter schauen, während er von einem Fettnäpfchen ins nächste tritt und die schmerzliche Erfahrung machen muss, dass einem auch in Frankreich die süßen Französinnen nicht so zufliegen. Serins Darstellungen waren größtenteils sehr amüsant und luden zum Schmunzeln ein, wenn auch phasenweise etwas langatmig und unspektakulär, da die Probleme unseres Protagonisten doch etwas zu wenig Stoff für die vielen Seiten hergaben. Ein Aufschwung folgte jedoch mit der Bekanntschaft von Marijo und den Metallern, die ordentlich frischen Wind in das Buch und somit auch die Lesefreude zurück brachten.

Markus macht während des Romans auch eine merkliche Entwicklung durch, was der Geschichte sehr gut tut, da man bis gut zur Hälfte permanent gewillt ist, ihn für seine oberflächliche Art in den Allerwertesten zu treten. Zuletzt war jedoch nicht alles schlecht am Jahr in Pau, Markus lernt, über seinen Schatten zu springen und so ganz schlechteste Freunde sind er und Sebastian ja vielleicht doch nicht!

Insgesamt ist „Ziemlich schlechteste Freunde“ ein lockeres Lesevergnügen mit einigen Längen, die aber durch den Charme und Humor größtenteils wieder ausgeglichen werden konnten. Ich hatte viel Freude am Buch und kann es gerade jetzt als Sommerlektüre empfehlen! 😀

achtung buch: teufelsmord von tanja noy

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Drei brutale Morde erschüttern das niedersächsische Wittenrode: Ein Mann, eine junge Frau und ein Kind wurden auf brutalste Weise ermordet. Die Kehle wurde ihnen aufgeschlitzt und ein Pentagramm in den Bauch geritzt – ein Teufelszeichen. Aus diesem Grund gingen die Morde auch als die „Teufelsmorde“ in die Annalen des Dorfes ein. Glücklicherweise konnte der Täter schnell gefasst werden. Beim Außenseiter des Dorfes, Bruno Kalis, wurden die Anziehsachen der Toten gefunden. Ein Beweis, der sich nur schwer wiederlegen lässt. Und als Kalis in seiner Zelle noch Selbstmord begeht, scheint das Schuldeingeständnis perfekt. Bis….

20 Jahre später eine neue Leiche auftaucht. Ein Mann wurde auf die gleiche Weise zugerichtet, wie die damaligen Leichen. Eine Jugendfreundin Julia Wagners gesteht die Tat und bringt sich, genau wie damals Kalis, in der Zelle um. Zur Beerdigung treffen sich die Freunde Julia, Eva und Greger wieder, nachdem sie sich aus den Augen verloren hatten, als sie das Kinderheim verlassen hatten, in dem sie die gemeinsame Kindheit verbracht haben. Julia ist sofort von der Unschuld ihrer alten Freundin überzeugt und stürzt sich in eigene Ermittlungen in der verschworenen Dorfgemeinschaft, zu der sie nie wirklich gehört hat. Anstatt auf den „gut gemeinten“ Rat der Dorfbewohner zu hören und ihre Tasche zu packen, stürzt sie sich immer tiefer in die Untersuchungen, bei denen sie sich gefährliche Feinde macht und ungeheuerliche Dinge über ihre eigene Vergangenheit erfährt…

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Tanja Noy entführt den Leser in ihrem Thriller „Teufelsmord“ in eine eingeschworene Dorfgemeinschaft, die nicht nur ein dunkles Geheimnis zu hegen scheint. Nach dem Selbstmord der ehemaligen Freundin kommen die drei früheren Freunde Julia, Eva und Greger zurück ins Dorf, dem sie eigentlich, und insbesondere Julia, für immer den Rücken zu kehren wollten. Die Freundschaft zwischen den vier verschiedenen Charakteren ist schon die erste Besonderheit des Romans, auf die unbedingt hingewiesen werden muss. Über Kerstin erfahren wir nur in der Retrospektive, aber die anderen drei werden dem Leser sehr gut nahegebracht und man erhält tiefe Einblicke in die Psychologie eines jeden der Akteure. Da sei zunächst Julia, deren Eltern bei einem Autounfall ums Leben kamen und die daraufhin in das Waisenhaus kam; Eva für die Julia zur Bezugsperson wurde und die sich von dieser komplett vor den Kopf gestoßen fühlt, da diese sie einfach aus ihrem Leben „verdrängt“ hat, nachdem sie eigene Wege ging. Und Greger, eigentlich ein ruhiger und besonnener Genosse, der sich jedoch in diesem Fall auch ganz schön ins Zeug legen kann.

Alle drei sind nun wieder in dem Dorf, in dem sie ihre Kindheit gemeinsam verbracht haben und zu dessen Gemeinschaft sie nie wirklich gehört haben. Eine Tatsache, die sie nahezu permanent zu spüren bekommen. Die Dorfbewohner, eine makabere Sammlung von verschrobenen Gesellen, resignierten Mädchen und Frauen, einem korrupten Bürgermeister und einem katholischen Pfarrer, der sich um das Waisenhaus kümmert und der versucht, seine Schäfchen zu frommen Leuten zu machen. Doch in jedem Einzelnen brodeln Geheimnisse, tiefe und teilweise sehr dunkle Geheimnisse, denen es auf die Spur zu kommen gilt, um Licht ins Dunkel um die „Teufelsmorde“ zu bringen.

Eine Aufgabe, der sich die drei Freunde stellen, obwohl die Gefahr immer spürbarer und die Aggression der Dorfbewohner immer offensichtlicher wird. Nachdem Julia aber erst einmal an der Oberfläche gekratzt hat, kommen Dinge ans Tageslicht, die sich die Freunde nicht im Entferntesten hätten träumen lassen und die ihre eigene Vergangenheit in einem ganz anderen Licht darstellen.

Teufelsmord ist ein Thriller, der alles hat, um einem Leser schlaflose Nächte zu bereiten und die Spannung bis zuletzt aufrecht zu erhalten. Die verschrobene Dorfgemeinschaft mit all ihren dunklen Geheimnissen hat mir nicht nur einmal einen Schauer über den Rücken gejagt und die Handlung an sich: puh, phasenweise ganz schön harter Stoff! Eine tolle Leistung von Tanja Noy, ein Dorf mit so vielen menschlichen Abgründen auszuschmücken, die nach und nach wie ein Puzzle ein grausiges Gesamtbild der dort wohnenden Gesellschaft ergeben. Allein das Ende hat mir nicht so gut gefallen, da zu viele Fragen offen blieben. Da aber im Dezember schon der Folgeband erscheint, hoffe ich jetzt einfach, dass diese Fragen dort beantwortet werden und empfehle dieses Buch jedem Fan von guten Thrillern.

Erschienen ist das Buch im Mira Taschenbuchverlag und mehr Informationen gibt es auch bei Blogg dein Buch, dank deren Aktion ich auf diesen super Thriller aufmerksam gemacht wurde!

achtung buch: siebenschön von judith winter

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Eine brutale Mordserie erschüttert Frankfurt am Main. „Theo hat versagt!“ Dazu eine Adresse und der Hinweis, dass sie Jennifer heißt. So viel stand in dem mysteriösen Brief, den Christina Höffgen an einem Nachmittag bekommt und der ihr keine Ruhe lässt. Gemeinsam mit ihrem Mann fährt sie zur genannten Adresse, einem alten Lagerhaus, und findet dort eine Frauenleiche. Sie, Jennifer, wurde bei lebendigem Leib zersägt und mit dem Leichnam einer Katze und Farnstücken in einer Gefriertruhe abgelegt.

Ein Fall für Hauptkommissarin Emilia Capelli und ihre neue Partnerin Mai Zhou. Schon bald müssen die beiden Frauen feststellen, dass die Leiche der Frau nicht das erste, sondern schon das vierte Opfer eines perversen Serienkillers ist. Jeder Mord ist eine makabere und bis ins Detail geplante Inszenierung des Täters, der den Ermittlern stets eine Spur voraus zu sein scheint. Nach und nach erkennen die Polizistinnen das Muster der Taten und kommen auf eine erste Spur. Doch wird diese zum Ziel führen und werden die Ermittlerinnen weitere Bluttaten verhindern können?

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Emilia „Em“ Capelli ist überhaupt nicht begeistert, als sie von ihrem Vorgesetzten die schöne und intelligente Mai Zhou als neue Assistentin vor die Nase gesetzt bekommt. Nicht umsonst gilt sie unter ihren Kollegen als „weiberinkompatibel“ und hätte niemanden lieber als ihren Freund und Kollegen Tom an ihrer Seite gewusst, von dem sie dachte, dass er die Stelle schon so gut wie in der Tasche hat. Viel Zeit zum murren bleibt jedoch nicht, denn schon steht der Leichenfund der jungen Frau ins Haus und die Damen müssen sich wohl oder übel  zusammenraufen. Nach und nach muss Em erkennen, dass Zhou ihr sehr wohl ebenbürtig ist und gemeinsam machen sie sich an die Lösung des Falls.

Der Fall: schaurig, perfide und diabolisch – perfekt für diesen Thriller und von der Autorin auch absolut stimmig in Szene gesetzt. Spannung bis zur letzten Seite und eine unerwartete Wendung nach der anderen lassen dem Leser kaum Zeit zum atmen, ganz davon abgesehen, dass man das Buch gar nicht mehr weglegen mag, wenn man einmal in der Geschichte gefangen ist. Stück für Stück setzt Judith Winter die Geschichte zusammen, sodass der Leser wie vor einem Puzzle sitzt und gebannt die passenden Teile sucht.

Ein lockerer Erzählstil und wechselnde Perspektiven lassen den Leser gleich direkt ins Geschehen eintauchen und man bekommt tiefe Einblicke in die Psychologie unserer Ermittlerinnen und auch der Täter. Besonders gefallen hat mir in diesem Zusammenhang die Rollenverteilung. Jeder Leichenfund wird aus verschiedenen Perspektiven beschrieben, sodass der Leser ein Gesamtbild über die Vorgänge und die Gedanken aller Beteiligten und über die Intention des Mörders vermittelt bekommt.

Besonderes Lob gilt auch den beiden Hauptfiguren Emilia und Zhou. Winter stellt zwei Frauen auf eine Ebene, die es gewohnt sind hart für ihre Ziele zu arbeiten und diese auch zu erreichen. Zwei Frauen, die nun zusammen agieren müssen, obwohl sie eher Einzelkämpferinnen sind. Die beiden machen im Laufe der Ermittlungen eine wundervolle Entwicklung durch, die man auch direkt mitverfolgen kann, da die Autorin viele Einblicke ins private Umfeld beider Frauen gibt. Am Ende raufen beide sich doch sehr gut zusammen und die Basis für eine tolle Ermittlerzukunft ist geschaffen.

Insgesamt bleibt nur zu sagen, dass Siebenschön alles hat, was ein guter Thriller braucht! Mit Zhou und Capelli ist Judith Winter ein tolles Ermittlerduo gelungen und ich freue mich wirklich auf weitere Fälle die die beiden Damen zu lösen haben werden. Siebenschön ist eine wahre Freude für jeden Thriller-Liebhaber und absolut empfehlenswert!

achtung buch: fussballgefühle von axel hacke

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Pünktlich zum Halbfinale dreht sich auch bei den Zimtträumereien alles um das runde Leder. Axel Hackes „Fussballgefühle“ haben mich in den letzten Wochen passend zur WM begleitet und etwas ganz Besonderes bewirkt.

Sprüche wie „Das Runde muss ins Eckige“ begleiten treue Fußballfans durch ihr ganzes Leben und viele Menschen hegen besondere Erinnerungen im Zusammenhang mit dem Sport. So auch Axel Hacke, Fußballfreund, der auch viele Jahre als Sportreporter tätig war.

„Als ich elf Jahre alt war, spielten wir Fußball mit allem, was sich treten ließ. An der Bushaltestelle kickten wir mit Quitten aus den Sträuchern neben dem Wartehäuschen. Auf dem Pausenhof kickten wir mit flach gedrückten Kakaotüten. Auf dem Heimweg von der Schule kickten wir mit zusammengeknülltem Butterbrotpapier. Einer bekam die Stulle immer in Tupperware verpackt. Mit der Tupperware kickten wir auch. Am Nachmittag kickten wir sogar mit einem Ball. Zum Kicken war uns alles recht. So fing alles an, für mich.“ (S.5)

Mit diesen Worten beginnt Axel Hackes persönliche Reise durch sein Leben mit dem Ball, auf die er uns Leser der „Fussballgefühle“ mitnimmt. Voller Humor und Herzenswärme zeigt er Phänomene, die von Damals bis Heute den Fußball prägten, wie zum Beispiel die kickenden Kids, die sich während der Spiele Namen berühmter Spieler gaben oder ihre favorisierte Mannschaft nachstellten. Mit einem Schmunzeln widmet er sich den großen Fragen wie: „Man müsse sich ja nur mal vorstellen, wie unsere Welt aussähe, gäbe es keinen Ball.“ 

Von den Jugenderinnerungen geht es direkt über in die Zeit der Tätigkeit als Sportreporter. Aufregende Partien, Kontakt zu den Sportlern, viel unterwegs sein und vieles erleben.

„Das mag ich auch am Fußball: Man kommt bei geringsten Anlässen ins Erzählen. Und Geschichten gibt es immer.“ (S. 11)

Da kann ich dem lieben Axel nur zustimmen, denn genau das ist eine Besonderheit des Sports und eine Besonderheit dieses Buches. Es macht etwas besonderes mit den Menschen: Sie erinnern sich an ihre eigenen Fußballgefühle. Schon nach den ersten paar Seiten haben sich bei mir erste Erinnerungen an meine eigene Zeit mit dem Fußball eingeschlichen. „Fußballerinnerungen? Die?“, denkt ihr euch vielleicht. Klar, hier schreibt ja ein gerade mal 29 Jahre altes Mädel, das noch dazu Germanistik und Französisch studiert – also in einem Gebiet fernab des runden Leders agiert. Denkste!

Seit meiner Kindheit lebe ich in der schönen Ostvorstadt neben dem Fußballplatz des 1. FC Wacker, wo ich schon von klein auf oft mit dem Papa zum Spiel schauen war (auch wenn damals der Sandkasten noch verführerischer war). Irgendwann kam dann die Lust doch mal in die Mannschaft zu gehen und zum großen Glück trainierten damals ein paar größere Mädels unter Herrn Haupt – eine Karriere, die ein jähes Ende nahm, als die Angst vorm Kopfballtraining zu groß wurde…

Fußball ist Männersache, sagt Axel Hacke in seinem Buch, ohne das abwertend zu meinen. Er interessiert sich nicht für Frauenfußball und erinnert sich gerne an die Zeit zurück, in der er und sein Vater diese besonderen Momente nur unter sich teilten. Umso interessanter findet er den Aspekt, dass sich die Frauen immer mehr für den Männerfußball zu interessieren scheinen.

In diesem Zusammenhang kamen mir durch Zufall einige Bilder in die Hände, die mir zeigten, dass meine Familie sowohl von Männer- als auch von Frauenfußball geprägt ist. Mein Pa war früher ein Fußballer – natürlich bei Wacker, aber meine Oma und die Tante meiner Mutter sowie deren Freundinnen waren auch aktive Spielerinnen in den 50er Jahren. Das Mannschaftsbild ist leider gerade verschwunden, aber die zwei aktiven Damen kann ich euch nicht vorenthalten:

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Und eine andere Frage Hackes beantwortet das Bild gleich mit: An einer Stelle im Buch fragt er, ob es Fußball auch ohne Rasen gäbe. Sicher gibt es den! Bis ins Jahr 2004 wurde bei Wacker auf dem Hartplatz gespielt, der seinen Abschied mit einem klasse Konzert der Puhdys feierte und zur heutigen Gerhard Bertram Sportanlage umgebaut wurde. Auf dem haben wir Kinder uns auch noch schön die Knie aufgeschlagen… nicht nur ein Mal! 🙂

Auch unser Fußballwille wurde 2012 noch einmal geweckt, als das jährliche Fanturnier anstand. Kurzentschlossen traten wir Mädels nach einem halben Jahr harten Trainings gegen die gestandenen Männer an, die ihren favorisierten Mannschaften nacheiferten. Gegen die ehrgeizigen Männer konnten wir uns leider nicht durchsetzen, aber der Spaß war es allemal wert! 🙂 

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Es folgen weitere Erinnerungen an brillante Spiele und Spieler, Meisterschaften und Mannschaften, die der Generation meiner Elten ein Strahlen in die Augen treiben würde und  für die ich einfach zu jung bin und die ich verpasst habe, was aber keinesfalls bedeutet, dass ich mich beim Lesen gelangweilt habe. Vielmehr ließ es mich verstehen, was der Fußball für meine Elterngeneration bedeutete.

Mit einigen der Namen kann ich jedoch auch vieles anfangen. Zum Beispiel Uwe Seeler, ehemals begnadeter Mittelfeldspieler und auch heute noch vielseitig im Sport engagiert. 2011 hatten wir beim 1. FC Wacker das große Glück die Uwe Seeler Traditionself begrüßen zu dürfen, die bei miesem Wetter mit einem starken 7:3 gegen die Old Boys Plauen gewann. Einige Eindrücke davon:

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Das Copyright der Bilder liegt bei Markus Löffler

Auch heute noch aktuellen Themen wie den Ultrafans und Hooligans widmet Axel Hacke einige Kapitel seines Buches und vervollständigt damit das Bild einer Sportart, die bis heute für Faszination sorgt und alle Generationen zu begeistern versteht. Das Phänomen der Panini Hefte und Mannschaftsbilder aus den Kicker-Heften kommt natürlich auch nicht zu kurz, hat Hacke doch viel Spaß daran gefunden, skurrile Mannschaften zusammenzustellen, wie beispielsweise die Truppe „Alptraum der Radioreporter“ aus der Saison 2003/2004: Zkitschwili, Ogungbure, Mbwando, Younga-Mouhani, Schindzielorz,… oder „Medizinische Abteilung“ aus der Saison 2012/2013: Kotze, Kastrati, Leberfinger, Huszti,…

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„Fussballgefühle“, ein Buch, das für jeden Fußballfan oder Fußballfreund ein Muss sein sollte! Gerade für die Generation meiner Eltern oder zumindest derer, die ein paar Jährchen älter sind, die genau mit den genannten Spielern und Mannschaften aufgewachsen sind und die Erinnerungen an grandiose Spiele und Tore dieser Zeit teilen können, ist es der perfekte Lesegenuss.

Axel Hacke schreibt so voller Humor, Leichtigkeit und Tempo, dass man mitgerissen wird von der Freude am Spiel, dass man die Spannung in den Stadien spüren kann und dass man vor allem auch in den eigenen Erinnerungen zu schwelgen beginnt, die mit den Fußballern und dem Sport an sich in Verbindung stehen. Erinnerungen, tolle Spiele und Sportler, Fußballphilosophie, Humor, ein fundiertes Fachwissen und persönliche Ansichten, die mich vollkommen begeistert haben, erwarten den sportbegeisterten Leser auf knapp 180 Seiten und seien jedem Fußballfreund ans Herz gelegt. Danke, Axel Hacke, für diese Worte und danke an den 1. FC Wacker Plauen, der mir meine persönlichen „Fußballgefühle“ beschert hat und bis heute eine tolle Vereinsarbeit leistet!

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„Wissen Sie, was das Schönste am Fußball ist? Es gibt immer ein nächstes Spiel, immer eine neue Saison. Es gibt immer Hoffnung, immer ein Morgen. Es fängt alles immer wieder an. Insofern ist Fußball schöner als das Leben.“ (S. 171)

Ps: Die erste Halbzeit des WM-Halbfinales ist durch und Deutschland führt mit 5:0 – auf der Straße kochen jetzt schon die Fußballgefühle. Ich glaube, es wird eine kurze Nacht. 🙂

…. Endstand: 7:1 für Deutschland, Feuerwerk auf der Straße…. Jungs, jetzt nicht leichtsinnig werden und am Sonntag noch eine gute Leistung abliefern 🙂