achtung buch: ziemlich schlechteste freunde von stephan serin

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Manche Dinge verdrängt man im Leben und manche holen einen auch nach sieben Jahren wieder ein: So geht es Markus aus Ostberlin, der vor zehn Jahren ein Erasmus-Jahr in Pau in Frankreich absolvierte und nun plötzlich eine E-Mail seines damaligen Kumpels Sebastian im Postfach hat, der heiraten wird und ihn zur Feier nach Pau einlädt. Auf einmal sind alle Erinnerungen an das Jahr in der Ferne wieder ganz nah:

Markus möchte sein Studium aufpeppen, seine Französischkenntnisse verbessern und nebenbei noch mit vielen hübschen Französinnen in möglicht engen Kontakt kommen. Was gibt es dafür besseres, als ein Erasmus-Jahr im Land selbst. Los geht die Reise ins kleine Städtchen Pau.

Schon am Flughafen trifft Markus auf seinen zukünftigen Weggenossen, der gerade in eine oberpeinliche Verabschiedungsszene mit seiner Freundin Josepha vertieft ist und, als beide allein im Flugzeug sind, prompt den Entschluss fasst, Markus nicht mehr von der Seite zu weichen. Obwohl beide nicht viel gemein haben und Markus es sehr witzig findet, den naiven und lebensbejahenden Sebastian, der noch dazu sehr unter dem Scheffel seiner Freundin Josepha steht, zu veralbern, bilden beide eine Art Notallianz, die am Ende vielleicht doch nicht ganz so furchtbar war, wie Markus zunächst erwartete.

Aber nun zu den wichtigen Dingen, französische Sprache und französische Frauen: Beides schwieriger zu finden, als man denkt! Die Frauen zeigen kein Interesse auf die vielseitigen Annäherungsversuche und französische Sprechen kann man auch kaum, da ja auf den Erasmus Partys alles gesprochen wird, außer Französisch. Auch mit den deutschen Studenten verscherzt es sich der liebe Markus schnell und Frauen aus anderen Ländern? Auf keinen Fall… Man ist ja schließlich in Frankreich. Und so ziemlich schnell ziemlich allein im Land der Träume.

Bis da plötzlich die kecke Marijo aus Madagaskar, Roger und Guillaume von der bizarren Black-Islamic-Metal-Band Immortal Ayatollah und sein Interesse an französischer Politik auftauchen und sein Leben in Pau nun doch noch aufrütteln…

~

Stephan Serin beschreibt in seinem Buch viel mehr als das Erasmus Jahr seines Protagonisten Markus. Viel mehr nimmt er Anteil an den schlechten Bedingungen im Wohnheim, am Desinteresse der französischen Studenten an vielen wichtigen Dingen, an der Politik an den Hochschulen sowie an den studentischen Verbindungen und Gruppierungen.

Er nimmt uns mit auf eine Reise durch Pau, sicher eine Selbstreflexion eigener Erfahrungen, und lässt uns seinem Protagonisten auf knapp 450 Seiten über die Schulter schauen, während er von einem Fettnäpfchen ins nächste tritt und die schmerzliche Erfahrung machen muss, dass einem auch in Frankreich die süßen Französinnen nicht so zufliegen. Serins Darstellungen waren größtenteils sehr amüsant und luden zum Schmunzeln ein, wenn auch phasenweise etwas langatmig und unspektakulär, da die Probleme unseres Protagonisten doch etwas zu wenig Stoff für die vielen Seiten hergaben. Ein Aufschwung folgte jedoch mit der Bekanntschaft von Marijo und den Metallern, die ordentlich frischen Wind in das Buch und somit auch die Lesefreude zurück brachten.

Markus macht während des Romans auch eine merkliche Entwicklung durch, was der Geschichte sehr gut tut, da man bis gut zur Hälfte permanent gewillt ist, ihn für seine oberflächliche Art in den Allerwertesten zu treten. Zuletzt war jedoch nicht alles schlecht am Jahr in Pau, Markus lernt, über seinen Schatten zu springen und so ganz schlechteste Freunde sind er und Sebastian ja vielleicht doch nicht!

Insgesamt ist „Ziemlich schlechteste Freunde“ ein lockeres Lesevergnügen mit einigen Längen, die aber durch den Charme und Humor größtenteils wieder ausgeglichen werden konnten. Ich hatte viel Freude am Buch und kann es gerade jetzt als Sommerlektüre empfehlen! 😀

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