Archiv | Oktober 2014

achtung buch: angriff der unsinkbaren gummienten von christopher brookmyre

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Jack Parlabane, seines Zeichens Journalist aus Glasgow und bekennender Atheist und Zyniker, glaubt weder an Geister noch an andere Dinge die sich nicht wissenschaftlich erklären lassen. Außerdem verabscheut er jene Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die vielen gutgläubigen Menschen mit dubiosen Vorhersagen hinters Licht zu führen, um ihnen das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Da Jack zu keiner dieser Parteien gehört, wird ihm die Ehre zuteil, ein besonderes Experiment zu begleiten: Gabriel Lafayette,ein berühmtes Medium mit einer sensationellen Erfolgsquote, soll in einer exklusiven Forschungsreihe an der Universität komplett überwacht und wissenschaftlich belegt beweisen, dass er Übernatürliches bewirken kann. Sollte dies der Fall sein, würde der Uni ein eigener Lehrstuhl für Spirituelle Wissenschaften eingeräumt werden, der an die wissenschaftliche Fakultät angegliedert werden solle.

Parlabane nimmt an und wird dem Team zugeordnet, dass den Versuch auf Betrügereien hin überwachen soll. Scheinbar scheint dies der Fall zu sein, denn Parlabane schildert seine Sicht der Dinge aus dem Totenreich und deutet an mehreren Stellen an, dass er eines nicht normalen Todes starb, sondern Opfer eines dubiosen Verbrechens wurde.

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Brookmyres Roman ist nicht nur ein Krimi, sondern viel mehr auch ein Spiegel der Gesellschaft. Gerade in der heutigen Zeit, in der fast täglich bahnbrechende technische und wissenschaftliche Fortschritte gemacht werden, schießen die Spiritisten, Medien, Fanatiker und Sekten nur so aus dem Boden. Fernsehsender bieten – vorrangig in den Abendstunden – Wahrsagerei und Vorhersagen an und die Leitungen glühen. Menschen lassen sich aufs Schlimmste manipulieren, was der Autor am Beispiel der Zeugen Jehovas zeigen, die lieber ihr Kind sterben lassen, als ihm die lebensrettende Blutkonserve geben zu lassen. Eine klare Ansage gegen die kommerzielle Ausbeute leichtgläubiger Menschen!

Ähnlich eines Puzzles gestaltet Brookmyre seine Geschichte. John Parlabane, der einzige der Bescheid weiß, berichtet machtlos aus dem Jenseits, während sich im Diesseits die Protagonisten die Klinke in die Hand geben. Aus verschiedenen Perspektiven werden die Geschehnisse vor, während und nach des Experimentes geschildert, bis sie letztendlich ein schlüssiges Gesamtbild ergeben. Brookmyre entzaubert das Mythische und zeigt die Tricks, mit denen die Spiritisten arbeiten und belegt nicht nur einmal, wie leicht sich die Menschen veräppeln lassen – weil sie es teilweise auch gar nicht anders wollen, denn sie bekommen ja scheinbar genau die Antworten, die sie insgeheim hören wollten. Wie beruhigend ist es doch, aus „fachlicher“ Hand zu hören, dass es dem geliebten Menschen im Jenseits wirklich gut geht und dass er nicht will, dass wir auf der Erde in Trauer versinken?

Eine Wendung jagt die nächste und man gerät oft auf die falsche Spur. Nichts ist wie es scheint, alles ist eine große Illusion. Lafayette ist der Star dieser Illusion und die Menschen scharen sich freiwillig um ihn, denn er kennt die Antworten auf die Fragen der Menschen, er kann Trost spenden, Angst nehmen – und sich damit wunderbar bereichern. Dieses Prinzip funktioniert schon seit vielen Jahrtausenden und erinnert an die Handlungsweisen verschiedener Glaubensgemeinschaften. Wissenschaftlich belegt ist dabei nicht viel, aber die Menschen wollen ja meist auch keine Beweise, das gute Gefühl genügt.

Die Story insgesamt ist mehr als spannend, man muss aktiv dabei sein, um den verschiedenen Handlungssträngen zu folgen und die Puzzleteile zueinander zu bringen. Die lebendigen Charaktere tragen dazu viel Nützliches bei: Erfahrungen mit dem Spirituellen, Zweifel, die Suche nach der Wahrheit, aber auch Selbstbetrug und Dreistigkeit. Dazu kommt noch eine gehörige Portion Humor und Unterhaltung, die das Buch zu einem tollen Gesamtwerk mit aufklärerischem Charakter machen. Für mich ein sehr informatives, spannend-kurioses und unterhaltsam-schwarzhumoriges Lesevergnügen, das ich hier nur empfehlen kann!

Anmerkung: Angriff der unsinkbaren Gummienten ist der fünfte Band der Romane um den Journalisten Jack Parlabane, aber der erste, der in deutscher Sprache übersetzt wurde. Dies tut der Handlung eigentlich keinen Abbruch, nur findet man ab und an Bezüge auf Jacks Vergangenheit, die mich, da ich das erst nach dem Lesen festgestellt hatte, leicht verwunderten.

Mehr Informationen zum Buch findet ihr auf der Seite des Galiani Verlags.

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achtung buch: der schelm von venedig von christopher moore

Der Schelm von Venedig von Christopher Moore

Der Hofnarr Pocket reist im Auftrag der Königin von England, seiner geliebten Cordula, nach Venedig um dort den Ausbruch eines Krieges zu verhindern, den die Mächtigen der Stadt anzetteln wollen. Diese Mission gerät jedoch zunächst in den Hintergrund des Geschehens, da Cordula an einem mysteriösen Fieber starb. Pocket ist in tiefster Trauer, ahnt er doch zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass Cordula Opfer einer Intrige des Senators Brabantio und des Kaufmanns Antoio wurde. Direkt nach seiner Ankunft in Venedig geht Pocket den beiden in die Falle und wird bei lebendigem Leibe in einen Keller eingemauert. Hilfe kommt von unerwarteter Seite in Form einer liebestollen Meerjungfrau (Ist es wirklich eine Meerjungfrau, oder doch etwas anderes, dass Pocket seiner Sinne beraubt und ihm aus der Misere hilft? Findet es heraus!!)

Er kann sich aus dem Kellergefängnis befreien und findet zuflucht bei Shylock, einem jüdischen Geldverleiher und seiner liebreizenden Tochter Jessica. Ihr vertraut er seine Pläne an, sich an Brabantio rächen zu wollen, und gemeinsam machen sie sich auf die Reise. Doch plötzlich taucht der oberste General des venezianischen Militärs, Othello, auf und macht den Beiden einen Strich durch die Rechnung. Denn Othello ist der Schwiegersohn von Brabantio und der Ehemann von dessen Tochter Desdemona. Sollte Brabantio also etwas geschene, würde Othello per Erbrecht Senator in Venedig werden. Das will natürlich verhindert werden, besonders von geschickten Strippenziehern wie Jago. Als das klar wird, ist es doch von großem Vorteil, dass sich Pocket und Othello kennen, denn mit einem auf Rache getrimmten Narren, kann sich das Blatt doch sicher noch einmal wenden…

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Mit Der Schelm von Venedig ist Christopher Moore ein einzigartiger amüsanter Lesespaß gelungen, der perfekt an seine letzten Bücher anknüpft. Othello trifft auf den Kaufmann von Venedig und an Ende hat man einen spritzigen Roman, der dem Leser schon nach wenigen Seiten ein breites Dauergrinsen sowie gute Laune beschert. Langeweile? Nicht wenn Pocket in der Nähe ist und dem Leser mit flapsig, teils urkomisch ordinärer Ausdrucksweise zeigt, wo der Hammer hängt. Unterhaltung und spritziger Wortwitz reichen sich die Hand und legen ein Tempo vor, dem man als Leser immer weiter folgen möchte. Laute Lachanfälle sind vorprogrammiert!

Klassische Shakespeare Figuren und Grundzüge seiner Stücke bilden die Basis für diesen Roman. Doch es geht auch nicht ohne einen Geist… Und ohne eine „Meerjungfrau“, die immer dann auftaucht, wenn Not am Mann ist. Entpuppt sich die Meerjungfrau dann noch als Drache, den der Narr „gepoppt“ hat, zeigt sich der Wortwitz in vollster Blüte. Ein rhetorisches Feuerwerk voller deftiger, kühler, sich teils unter der Gürtellinie  befindender und dennoch immer grandios lustiger Wörter und Sätze wird auf jeder einzelnen Seite von Moore abgefeuert und peppt die Shakespeare-Klassiker ganz schön auf!

Natürlich bleibt auch der Tragödienaspekt nicht außen vor. Betrachtet man den Tod  Cordulas, die Intrigen, schier ausweglose Situationen… Aber immer wieder trumpft Moore auf und setzt noch einen Spruch drauf, der die Situation fix wieder zur brillanten Komödie werden lässt – man denke nur an Drool! Ein Wechselbad der Gefühle: Liebe und Schmerz, Vertrauen und Verrat, Freundschaft und Hass.

Verschiedene Erzählperspektiven runden das Ganze ab und zeigen Liebe, Tod und Machtspiele im Roman auf eine ganz einzigartige Art und Weise. Ein wahrer Lesegenuss, der voller Spannung und Humor bis zur letzten Seite zu überzeugen versteht und von mir eine klare Leseempfehlung bekommt.

 Besucht doch den Schelm von Venedig auf der Seite des Goldmann-Verlags oder bei Facebook!

achtung buch: die unsterblichkeit der signora vero von cornelia becker

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Und auf einmal ist alles anders: Nachdem ihr schwer kranker Mann gestorben ist, blieb ein großes Loch im Leben von Cordula Pasini und ihrer Tochter. Doch der schmerzliche Verlust des geliebten Menschen ist nicht genug, denn auf einmal tauchen Geheimnisse auf, Schulden, die er hinterlassen hat und die die Familie in eine große Existenzkrise stürzen. Die Situation scheint ausweglos, bis Cordula auf eine Zeitungsannonce aufmerksam wird. Sie trifft sich mit der exzentrischen Beatrice Vero, die mit ihrem Leben abgeschlossen hat und einem Menschen sucht, der ihr in den Tod hilft. Dafür soll dieser ihr Alleinerbe werden. Cordula lehnt zunächst ab. Die Vero hat ihr unterdessen bei den gemeinsamen Treffen von ihrem früheren ruhmreichen und wilden Leben berichtet, das sicher eine interessante Biografie abgeben würde. So versucht es Cordula mit einem Kompromiss: Sie hilft der Vero und darf dafür ihre Memoiren sichten, ordnen und zu Papier bringen. Als Ghostwriterin natürlich. Nicht ahnend, dass sich mit dieser Einigung neue Konflikte entwickeln würden, versinkt Cordula mehr und mehr in der Arbeit und auch Signora Vero gerät mehr und mehr in den Bann ihres eigenes Lebens. Sogar ihre Lebensfreude kehrt zurück, doch zu welchem Preis…

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Cornelia Becker ist mit ihrem Roman Die Unsterblichkeit der SIgnora Vero ein ganz besonderes Werk gelungen. Auf nicht einmal 200 Seiten beschreibt sie die besondere Bekanntschaft zweier Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Einmal angefangen, kann man das Buch nicht mehr aus den Händen legen, so fesselt einen die Entwicklung der beiden Frauen. Einerseits ist da die Trauer um den verstorbenen Mann, die sich wie ein roter Faden durch den gesamten Roman zieht, obgleich in Cordula auch der Wille besteht, weiterleben zu wollen und wieder froh zu sein. Dazu kommt die Vero mit ihrem abstrusen Wunsch, in den Tod geholfen zu bekommen. Gerade von Cordula, die dabei ist, sich ins Leben zurückzukämpfen.

Mit ganz großem Stil beschreibt die Autorin die Treffen der beiden Frauen, die sich zu einer Art gefühltem Tanz entwickeln, den beide umeinander ausführen. Je mehr Cordula die Lebensgeschichte der Vero aufarbeitet, desto mehr kehrt das Leben in die alte Dame zurück. Währenddessen beginnt Cordulas Leben mehr und mehr aus den Fugen zu geraten und ihr zu entgleiten, wie beispielsweise ihre eigene Tochter, zu der sie bald gar keinen Draht mehr hat.

Große Worte und viel Bildgewalt, die das Buch im Kopf des Leser auslöst. Poetische Beschreibungen der italienischen Natur sowie des Lebens der Vero, einer früheren Grand Dame, machen das Lesen zu einem wahren Hochgenuss. Man sieht förmlich, wie beide Frauen umeinander herumschleichen, sich ineinander verwirren, quasi einen Rollentausch erleben, in dem die Vero neu zu erblühen scheint und Cordula mehr und mehr verblasst. Doch wird es der Vero letztendlich gelingen, ihrem Schicksal zu entrinnen? Das werde ich nicht verraten.

Es ist ein spannendes packendes Buch, das einen auf sehr subtile Art und Weise in einen Sog zieht, dem man sich kaum entziehen kann und auch nicht will. Man fiebert mit den Frauen, hofft, bangt, erschrickt und leidet mit ihnen und erlebt am Ende einen faszinierenden Showdown, der das Buch noch lange nachwirken lässt. In mir arbeitet es noch immer und es bleibt vieles vom Gelesenen, was man erst einmal verdauen muss. Ein wahnsinnig tolles, beeindruckendes Buch, das auf relativ wenigen Seite die absolute Essenz dessen vereint, was ein nachhaltiger Roman braucht. Für mich ein Lesehighlight des Jahres, das ich unbedingt jedem ans Herz legen möchte, der diese Art Roman mag! Mancher Krimi zeigt weniger Spannung als diese „Biografie“ der Signora Vero.

achtung buch: wild cards (1) – das spiel der spiele von george r. r. martin (u.a.)

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Gerade war der Zweite Weltkrieg überstanden und schon begann eine neue „Gefahr“ die Welt zu bedrohen. Das Wild-Card Virus war ausgebrochen und ließ die Menschen zu Mutanten werden. Neben normalen Menschen entstanden nun Joker, die „nur“ körperliche Mutationen aufwiesen, und Asse, die besondere Superkräfte besaßen. Anlass genug, um in der heutigen mediengeprägten Zeit ein neues Sendeformat in den USA herauszubringen: American Hero. Dort müssen die Kandidaten – Asse, die in einer Castingshow ausgewählt und vier Teams (Karo, Herz, Pik und Kreuz) zugeteilt werden – speziell inszenierte Prüfungen ablegen, die ihre Heldenhaftigkeit beweisen sollen. Nach jeder Aufgabe stehen sowohl eine Promijury als auch die anderen Kandidaten bereit, um ein Urteil zu fällen. Das Siegerteam bleibt unbeschadet, die anderen müssen jedoch intern ein Mitglied herauswählen, bis am ende nur noch der wahre Held übrig bleiben wird. Doch ist dieser ein wahrer Held?

Während in Amerika alle Augen auf die Fernsehsendung gerichtet sind, passieren im Großteil der islamischen Länder Arabiens wahre Schrecken, Diese haben sich zu einem Kalifat zusammengeschlossen, was den Briten nicht gefällt. Diese wollen einen anderen Kalifen an der Spitze sehen und senden eines ihrer Agentenasse, um einen Mordanschlag auf den Kalifen zu verüben. Diese Tat schieben sie einer Gruppe von Jokerterroristen in die Schuhe. Unterdessen haben die Joler Ägyptens den Glauben an das antike Pantheon wiederbelebt und schlüpfen in die Rollen antiker Götter. Diese sind den Islamisten ein absoluter Dorn im Auge und es werden zahlreiche Übergriffe auf sie ausgeübt.

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Da ich mich bisher nie an den lieben George R. R. Martin und seine große Reihe um die Games of Thrones herangetraut habe, aber total neugierig auf seinen Stil war, sah ich in dem ersten Band der Wild Cards eine tolle Chance, seinen und den Stil der anderen Autoren kennen zu lernen. Dazu kam noch die absolute Neugier, ob denn so viele Autoren ein in sich stimmiges Werk vollbringen könnten, das mich am Ende auch überzeugen kann und Lust auf mehr macht. Die Thematik, die ja in gewisser Weise nicht aktueller sein könnte – Casting Shows und der Nahost-Konflikt dominieren ja leider auch das aktuelle Weltgeschehen und Fernsehprogramm – hat mir schließlich noch den endgültigen Anstoß gegeben.

Gleich zu Beginn reist man in die Vergangenheit und erfährt vom Ursprung des Wild Card Virus, bevor wir in der Gegenwart den Assen begegnen, die sich für das Casting bewerben. Viele Namen, viele Figuren und tolle Fähigkeiten stürmen auf den Leser ein und wollen erstmal sortiert werden. Dabei war ich aber niemals überfordert, sondern viel mehr gespannt, was denn als nächstes passieren würde.

Jedes Kapitel beschreibt einen anderen Charakter und wird auch aus dessen Perspektive beschrieben, wobei auch jeder Autor die „Patenschaft“ für einen Charakter übernommen hat. Man erfährt viele Fakten über die Vergangenheit der einzelnen Charaktere und über deren Beweggründe, um an der Castingshow teilzunehmen. Das bringt einem die einzelnen Charaktere sehr nahe und macht ihre Beweggründe deutlich, wenn sie auch nicht immer totale Sympathieträger sind. Da haben wir Jonathan Hive, der sich in einen Schwarm Wespen verwandeln kann, Rustbelt, der Mann aus Rost, Jamal, den Stuntman, Rachel mit ihren Killerplüschtieren oder Drummer Boy, das lebende Schlagzeug und noch viele mehr. Sieht man einmal von den besonderen Fähigkeiten der Asse und Joker ab, könnte man denken, dass das Buch in unserer Welt zu unserer Zeit spielt. Hier sucht man das Supertalent, den Dschungelkönig oder die Dschungelkönigin, warum also nicht mal einen Superhelden?

Die Show an sich steht auch zunächst im Vordergrund des Buches. Spannend beschrieben werden die Aufgaben und auch die zwischenmenschlichen Beziehungen, die sich herausbilden. Von Liebe und Freundschaft zu Wettbewerb, Konkurrenzkampf bis hin zu Hass erlebt man jede einzelne Gefühlsregung in der Show oder auch im Haus, in dem die Ausgeschiedenen zusammenleben bis die Show vorbei ist.

Im zweiten Teil des Buches dominiert dann das aktuelle Zeitgeschehen: politische Unruhen und Krieg, Schuldfragen und wahres Heldentum rücken ins Zentrum des Geschehens und auch der Schauplatz verschiebt sich mehr und mehr nach Ägypten. Betrachtet man diese Geschehnisse, wird einem die Oberflächlichkeit des Glitzers und Glamours erst richtig bewusst und es wird klar, dass in der Show sicher nicht der nächste Superheld geboren wird. Helden gibt es nur auf dem Schlachtfeld, Helden wie du und ich, die dort Tag für Tag um ihr Leben und ihre Familien und um den Frieden kämpfen müssen.

Insgesamt hat mich das Buch total gefesselt – gerade aufgrund der inhaltlichen Realitätsnähe – und konnte auf ganzer Linie überzeugen. Die verschiedenen Autoren arbeiten stilistisch Hand in Hand, sodass das Buch flüssig zu lesen und keinen einzigen Moment langatmig oder unverständlich ist. Die Figuren und Handlungsorte sind wunderbar und plastisch beschrieben und die Autoren kombinieren die fantastischen Elemente perfekt mit einer wohl dosierten Portion Gesellschaftskritik. Für mich ein tolles Leseerlebnis und ein Einstieg in diese Serie, auf deren Fortsetzung ich mich wirklich freue.

Wer mehr über das Buch erfahren möchte, ist herzlich eingeladen, auf der Verlagsseite von Penhaligon oder direkt bei Random House vorbeizuschauen. Ein extra Dank gehört Blogg dein Buch, die mir das Buch zur Verfügung gestellt haben!

achtung buch: das vermächtnis der feen von brigitte endres

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Josie, die sonst bei ihrer Grandma aufwächst, besucht in den Ferien ihren Vater Taddy, der als Biologe an einem Forschungsprojekt zum Thema DNS in Chicago arbeitet. Schon längere Zeit wird sie von merkwürdigen Träumen und einer seltsamen Melodie verfolgt, die sie auch in den USA nicht loslassen. Dazu bekommt sie noch einen treuen Begleiter in Form einer seltsamen Amsel mit einem weißen Brustfleck. So einen Vogel hat sie noch nie zuvor gesehen und auch Taddy hat keine Erklärung dafür. Umso überraschter ist Josie, als der Vogel sich eines Morgens in einen kleinen Mann verwandelt und ihr im Park eine kostbare Brosche – eine sogenannte Drachenfibel – überreicht.

Ziemlich zur gleichen Zeit trifft sie auf Amy, eine kleine Streunerin, wie es auf den ersten Blick aussieht. Beide Mädels fassen schnell Vertrauen zueinander und stellen unglaubliche Parallelen in ihrem Leben fest. Amy lebte auch bei ihrer Granny Edna, die bei einem mysteriösen Tornado verschwunden ist. Seither schlägt sie sich allein durchs Leben und verdient ihr Geld, indem sie Hunde ausführt. Genau wie Josie ist auch Amy eine Synästhetikerin – sie kann Musik in Farben wahrnehmen – und beide Mädchen sind extrem sensibel in Bezug auf die Stimmungen ihrer Mitmenschen. Dazu kommt noch eine absolute optische Ähnlichkeit, und die Tatsache, dass die Großmütter der Mädchen beide ihr Geld mit Schreiben verdienen – die eine mit Drehbüchern, die andere mit Fantasyromanonen. Auch Amy kann den Vogelmann, der sich als Druid Dubh vorstellt,  sehen und hat von ihm eine Drachenfibel erhalten. Er schickt die Mädchen auf ein großes Abenteuer nach Irland, um dort das Feenland Narranda vor dem Untergang zu retten, das von der Macht des Bösen bedroht wird. Glücklicherweise ist auch Moma, Josies Großmutter, gerade dort, um für ihr Buch zu recherchieren, sodass der Reise der Mädchen nichts mehr im Weg steht. Sie wohnt dort bei Professor O’Reardon, der einer altirischen Bardenfamilie entstammt, und sehr viel über die irische Mythologie weiß, was den Mädchen nur von Nutzen sein kann. Doch schon auf der Reise verläuft nicht alles nach Plan und Amy wird von dunklen Gestalten verschleppt. Wird es Josie gelingen, die Dunkelheit zu besiegen und ihre Freundin zu retten? Kommt mit auf eine phantastische Reise ins mythische Irland und lasst euch von Feen und Kobolden verzaubern!

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Brigitte Endres ist mit  ihrem Jugendroman Das Vermächtnis der Feen ein zauberhaft bezauberndes Meisterwerk gelungen. Voller Liebe und Detailtreue beschreibt sie Irland und die dortige Mythenwelt und entführt den Leser in das Reich der mannigfaltigen Elfen- und Koboldfamilien. Jeder einzelnen Figur haucht die Autorin Leben ein und verleiht ihr einzigartige Charakterzüge und Besonderheiten. Da wird ein Hund zum treuen Begleiter und Helfer in allen Lebenslagen, dort ist ein Kobold der gute Geist des Hauses, kleine Ratten werden zu Helden und große Drachen zum Erzfeind. Magische Waffen müssen im rechten Moment ihren wahren Besitzer finden und Entscheidungen wollen Weise getroffen werden.

Bedenke stets des Wortes Macht und nutze es nie unbedacht! Dies ist der Leitspruch, der sich durch den gesamten Roman zieht und dem es stets und frohem Mutes Folge zu leisten gilt. Steter Optimismus und Selbstbewusstsein sollen die Begleiter Josies sein und sie versucht sich auch daran zu halten, wenn es auch manchmal wirklich schwer ist. Doch für diese Momente gibt es ja treue Begleiter und Freunde wie Wolf und Arthur, den Enkel des Professors. Ich mag die Figuren von Brigitte Endres so sehr! Und wenn man sich diese auch noch im wunderschönen Irland vorstellt, dass sie genauso detailgetreu und liebevoll in Szene setzt wie ihre Figuren, ist der imaginäre Abenteuerurlaub perfekt *lach*. Sofort würde ich mit Josie und den anderen gemeinsam versuchen, das Feenland zu befreien! Ich habe jede einzelne Seite mehr als genossen und war richtig traurig, als die über 400 Seiten nach drei Tagen schon ausgelesen waren! Es war sicher nicht das letzte Mal, dass ich dieses Buch in die Hand genommen habe 🙂

Insgesamt kann ich das Buch jedem empfehlen, der ein Freund von Jugenfantasy ist, der es an nichts fehlt. Das Vermächtnis der Feen vereint in sich so viele Elemente: Fantasy, Irland, Mythologie und Vertrauen, dazu noch Freundschaft, tiefe Geheimnisse, Schuld und Vergebung, die den Leser von der ersten bis zur letzten Seite einfach nur in ihrem Bann halten. Das Ende des Buches ist wie das Ende einer Reise, die man mit neu gewonnenen Freunden gemacht hat und was bleibt, ist eine wundervolle Erinnerung an eine gemeinsame Zeit, die man nicht missen möchte und auch etwas Trauer, dass es schon vorbei ist. Dieses Gefühl haben bei mir aus diesem Genre zuletzt die Laura Romane von Peter Freund ausgelöst, die ich auch abgöttisch liebe! Damit kann Brigitte Endres locker mithalten!

An dieser Stelle sei auch der lieben Scatty von Scattys Bücherblog ganz lieb gedankt, ohne die ich nicht auf diesen buchigen Schatz aufmerksam geworden wäre 🙂 und der Autorin Brigitte Endres, die mir ein eBook Exemplar zur Verfügung gestellt hat! Ich bin verzaubert ❤