Archiv | November 2014

achtung buch: der dirigent von sarah quigley

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Wir schreiben das Jahr 1941: Grausames bahnt sich an. Die Deutschen verlassen Leningrad, das in den folgenden Monaten schweren Belagerungen ausgesetzt sein soll. Die Menschen erleiden Armut, Hungersnot, Krankheit und schwere Verluste während des Winters im Krieg. Nirgends gibt es Nahrung – Hunde und Katzen verschwinden von den Straßen und auch Ratten werden in der Not zu Essbarem verwertet.

Mitten im Zentrum dieser Geschehnisse stehen zwei Männer: Dmitri Schostakowitsch und Karl Elias Eliasberg. Der eine ein berühmter Komponist, der im Land geblieben ist, um zu helfen, obwohl alle wichtigen Menschen und Kulturschaffenden die Möglichkeit hatten, das Land unbescholten zu verlassen. Der andere ein zweitklassiger Dirigent des Rundfunkorchesters, der ein eigenbrötlerisches Leben führte und seine Mutter pflegte.

Während dieser Zeit keimte in Schostakowitsch die Idee für seine Siebte Sinfonie. Eine Idee, die ihn nicht mehr los ließ. Zwischen harter Arbeit und Bombenhageln, Hunger und Not schriebt er drei von vier Sätzen seiner „Kriegssinfonie“ in Leningrad, bevor er mit seiner Familie ins Ausland floh. Zurück blieb Eliasberg, der „ewige Zweite“. In dieser düstersten Stunde der Stadt scheint sein Stern aufzugehen. Denn er wird beauftragt, diese Sinfonie im besetzten Leningrad aufzuführen. Zur Verfügung stehen ihm nur wenige Musiker, die, ausgezehrt und vom Krieg gezeichnet, Probleme haben, auch nur wenige Minuten am Stück konzentriert zu proben. Die fertige Partitur wird im Flugzeug nach Leningrad gebracht und die Musiker nehmen die Herausforderung an, dieses Mammutprojekt zu stämmen. Schließlich wollen sie sich ebenso wenig unterkriegen lassen wie ihre Landsleute an der Front.

Am 09.08.1942 wird die Sinfonie in voller Länge aufgeführt und im Radio übertragen.

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Sarah Quigley ist mit ihrem Roman ein wahres Monumentalwerk gelungen. Sie vermischt Geschichte mit einem Hauch Fiktion und schafft damit ein Bild des belagerten Leningrad, das plastischer nicht hätte sein können.

Beginnt man bei den Figuren seien zunächst Schostakowitsch und Eliasberg näher zu betrachten. Beides sind reale Figuren, in deren Leben man tiefe Einblicke bekommt. Schostakowitsch wird als das Genie präsentiert, dessen Kunst vor der Familie steht. Genie bedeutet Entbehrung. Frau und Kinder werden während des Entstehungsprozesses der Sinfonie oft ausgeschlossen und ihr Schmerz darüber wird an vielen Stellen nahezu körperlich spürbar. Doch auch Schostakowitsch ist zerrissen, sehnt sich nach Normalität, nach seiner Familie. Und vor allem will er nicht tatenlos zusehen, wie sein Leningrad zerstört wird. Er arbeitet tagsüber, hebt Gräben aus, will sich zum Militär verpflichten lassen und komponiert nachts. Rastlos und getrieben erscheint er an vielen Stellen. Ein Genie, das nicht aus seiner Haut heraus kann. Seine Frau scheint sich damit abgefunden zu haben und hält zu ihm, trotz seiner Fehler und Fehltritte.

Schostakowitsch 1941 während der Belagerung in Leningrad - © Blog Kammermusikkammer

Schostakowitsch 1941 während der Belagerung in Leningrad – © Blog Kammermusikkammer

Ganz anders Eliasberg, der immer ein Leben im Schatten der „Großen“ führen musste. Er, der Dirigent des Rundfunkorchesters, pflegt seine kranke Mutter, ist stets von Selbstzweifeln geplagt, kann sich nur schwer durchsetzen und sehnt sich nach Erfolg und Ruhm. Je weiter der Roman voranschreitet, macht gerade diese Figur entscheidende Entwicklungen durch. Spätestens dann, als er unfreiwillig zur „Nummer 1“ wird und die Siebte Sinfonie aufführen soll – mit einer Hand voll kranker Musiker – entwickelt er einen ungeahnten Kampfgeist und Durchhaltewillen, der sich am Ende doch auszahlen soll.

 Karl Eliasberg(1907-1978) - ©Europalibera.org

Karl Eliasberg(1907-1978) – ©Europalibera.org

Als Bindeglied zwischen den beiden Herren fungiert der fiktive Charakter Nikolai mit seiner Tochter Sonja. Sonjas Mutter, eine berühmte Cellistin, starb sehr früh und hinterließ Vater und Tochter allein mit einer Tante, die sich um alles kümmert. Früh zeigte sich, dass Sonja das Talent der Muter geerbt hat, und Nikolai schenkt ihr zum 9. Geburtstag, bei dem auch Schostakowitsch als guter Freund der Familie zu Gast war, das Cello der Mutter, das er nicht einmal in der größten Not verkaufen würde. Und diese Not kam bald über sie, denn als der Krieg hereinbrach setzte Nikolai seine Tochter in einen Zug, der sie in Sicherheit bringen sollte. Doch dieser kam nie an. In seiner Verzweiflung schloss er sich dem Orchester Eliasbergs an und unterstütze ihn bei den harten Proben der Sinfonie.

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Historie trifft auf Fiktion in einer derart qualitativ hochwertigen Form, dass der Roman ein wahrer Genuss war. Ein Buch, das man nicht einfach so nebenbei lesen kann, sondern das man tief in sich aufnehmen muss. Ich habe während des Lesens die Siebte Sinfonie gehört. Damit bekam das Buch eine unglaubliche Eigendynamik. Worte und Musik verschmolzen und die dargestellten Ereignisse wurden körperlich spürbar. Die Bedrohung der einmarschierenden Belagerer wurde schon in den ersten Takten spürbar, erreichte einen Höhepunkt schon nach etwa fünfzehn Minuten, als marschartig das Invasionsthema einsetzt. Im direkten Gegensatz stehen jedoch musikalische Momente der Hoffnung und Kraft, die an die Belagerten Menschen weitergegeben werden sollten. Dies wird auch in Quigleys Roman deutlich. Der Roman ist die Sinfonie dieses einen Winters. Sprachgewaltig und vor allem bildgewaltig präsentiert die Autorin eine dunkle Episode der Geschichte anhand der Biografie zweier Personen und einer Sinfonie.  Elend und Not sind auf jeder Seite sichtbar und die herrschende Kälte des Winters und des Krieges beim Lesen nahezu körperlich spürbar. Die 7. Sinfonie wurde Schostakowitschs Kriegssinfonie. Geschrieben, um den Menschen Hoffnung in der Zeit der Hoffnungslosigkeit zu geben, geschrieben, um Kraft zu geben. Aufgeführt von einem Orchester, das vom Krieg ausgezehrt und kraftlos war und das geleitet wurde vom „ewigen Zweiten“ Karl Elias Eliasberg, dem Dirigenten des Rundfunkorchesters. Eine Geschichte, die perfekt zu den langen Herbst- und Winterabenden passt, denn diese versetzen den Leser in die besondere Stimmung, die dieses Buch verlangt. Es ist ein Winterbuch, dass sich mit einer Thematik beschäftigt, die niemand hätte besser in Szene setzen können als es Sarah Quigley mit „Der Dirigent“ gelungen ist.

 „Der Dirigent“ beim Aufbau Verlag

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Neues von Antoine de Saint-Exupéry

Samstags ist Antoine de Saint-Exupéry Zeit!

Nachdem Antoine sein Studium erfolgreich absolviert hatte, lebt er nun glücklich verlobt mit Louise de Vilmorin zusammen. Oder doch nicht ganz so glücklich? Er sehnt sich nach der Fliegerei und ist noch immer auf der Suche nach seinem richtigen Platz im Leben. Auch wird sein Interesse für die Schriftstellerei geweckt und seine erste Kurzgeschichte L’aviateur‘ wird publiziert. Kommt mit mir in die Jahre 1923-1926 und erlebt Antoines Jahre der Hoffnung und Dunkelheit

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Jahre zwischen Hoffnung und Dunkelheit (1923-1926) – L’aviateur

achtung blogtour: tanz! von sonja planitz

Ihr Lieben,

heute ist die tolle Blogtour zu Tanz! von der lieben Sonja Planitz bei mir angekommen! In den letzten Tagen konntet ihr viel über das Buch, die Charaktere und die Autorin selbst erfahren und heute gibt es zum Abschluss ein tolles Gewinnspiel!

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3 Fragen wollen dafür von euch beantwortet werden:

1) Was war das schönste Erlebnis der Autorin?

2) Wie heißt die größte Konkurrentin von Kaera?

3) Wohin führt Kaera ihr nächster Auftrag?

 

Die Antworten und eure Adresse sendet ihr bitte bis zum 30.11.2014 um 18.00 Uhr unter dem Stichwort „Tanz!“ an: julie.gross85@gmail.com

Wenn ihr bei den anderen Bloggern vorbeischaut und ihre tollen Beiträge zur Blogtour aufmerksam lest, werdet ihr sicher die richtigen Lösungen finden! 🙂 Hier nochmal die Links für euch:

1) The loyal me

2) Jessy & René

3) Sonnenblumentraumwelt

Natürlich warten auch tolle Preise auf die Gewinner

1. Platz: Das Taschenbuch von „Tanz!“ mit Lesezeichen

2. Platz und 3. Platz: Das ebook im Wunschformat

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Also los, haut in die Tasten – es lohnt sich wirklich und wir freuen uns auf eine rege Teilnahme von euch 🙂

achtung blogtour: tanz! von sonja planitz

Hallo liebe Leser,

diese Woche gibt es etwas ganz besonderes! Ein Blogtour mit der lieben Sonja Planitz nämlich. Mit ihrem Buch Tanz! macht sie halt bei insgesamt vier lieben Bloggerfreunden.

Am Mittwoch geht es los mit einer Buchvorstellung bei Meike – schließlich müsst ihr ja wissen, um was es eigentlich geht 🙂 Donnerstag werden Jessi und René für euch die liebe Sonja Planitz mal etwas genauer unter die Lupe nehmen, am Freitag gibt es bei den Sonnenblumentraumwelten Interviews mit den Charakteren und am Samstag erwartet euch ein Gewinnspiel bei mir!

Ich hoffe, ihr verirrt euch zahlreich auf unseren Blogs und habt viel Freude mit der Blogtour! Beim Klick auf den jeweiligen Namen kommt ihr direkt zum Blog 🙂

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achtung buch: lebt! von orkun ertener

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Can Evinman verlor seine Eltern bei einem Unfall, als er noch ein Kind war. Es folgen viele Jahre in Heimen und Pflegefamilien, an die er sich nur ungern zurückerinnert und über die er auch nicht sprechen möchte. Heute ist er verheiratet, zweifacher Vater und Schriftsteller – dabei meist als Ghostwriter tätig. Momentan schreibt er an der Biografie der berühmten Schauspielerin Anna Roth, als alles aus den Fugen zu geraten beginnt.

Annas Assistentin Ellen Reichert nimmt Can eines Tages mit zu einem alten Mann, der ihm seine Lebensgeschichte erzählt. Diese ist nicht nur äußerst brisant, sondern steht auch noch im mehr als direkten Zusammenhang mit seiner eigenen. Erste Indizien sprechen nun dafür, dass der Tod von Cans Eltern nicht nur ein Unfall war. Er versucht das ganze zunächst zu verdrängen, doch Ellen lässt nicht locker. Sie lockt ihn mit Fotografien und weiteren Informationen, bis er schließlich gemeinsam mit Anna Roth nach Griechenland reist, deren Geschichte auch eng mit dem Ganzen verwoben zu sein scheint.

Direkt nach ihrer Ankunft wird schon deutlich, dass nichts so ist, wie es zunächst scheint. Ellen Reichert ist tot – ermordet – und irgendjemand scheint versessen darauf zu sein, die Wahrheit unter Verschluss zu halten. Auch scheint dieser Jemand immer einen Schritt voraus zu sein und die Fäden in der Hand zu haben. Schon bald befinden sich Anna und Can in einem Spinnennetz aus Vergangenheit, Gegenwart, Lüge und Verrat. Und die Fäden werden immer enger…

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Nachdem es mir anfangs etwas schwer gefallen ist, mich in die Handlung hineinzufinden, wurde die Geschichte schon bald sehr flüssig und hielt mich in ihrem Bann. Orkun Ertener überzeugt mit einem Schreibstil, der sich in kurze Kapitel und eine vielseitige Handlung gliedert, deren Sinn sich meist erst im weiteren Verlauf des Buches erschließt. Hat man sich daran erst einmal gewöhnt – was sehr schnell geht – lässt einen die Geschichte nicht mehr los. Viele einzelne Puzzleteile bekommt man gleich zu Beginn präsentiert, die scheinbar ohne Zusammenhang sind: Die Rolle der einzelnen Figuren (Ellen, Eissler, Anna Roth, Cans Familie) sowie die Handlungsorte (Griechenland, Türke, Deutschland,…) sind unklar. Das einzige, was klar ist, ist die Tatsache, dass Cans Eltern nicht bei einem Unfall gestorben sind.

Man ist gefangen in den Handlungsansätzen, man will mehr wissen, aufgeklärt werden. Und das passiert auf eine brillante Weise und sehr ausführlich. Sehr gut recherchierte Geschichtsfakten treffen auf die Story Erteners. Man erfährt sehr viel über die Geschichte der Türken im Zweiten Weltkrieg und über diese Zeit an sich. In diesem Zusammenhang präsentiert er auch die Glaubensgemeinschaft der „Dönme“, von denen ich bis dato kaum etwas gehört hatte und deren Geschichte bis ins 17. Jh. zurück reicht. Wahnsinnig interessant und gut recherchiert!

All diese Geschichtsfakten paart Ertener mit einem mehr als spannenden Thriller, der auf über 600 Seiten zu keinem Zeitpunkt Längen hat oder gar langweilig wird. Viel mehr muss man aufpassen, dass man mit den Protagonisten Schritt halten kann, die sich zu einer wilden Schnitzeljagd quer durch Europa aufgemacht haben. Bloß gut, dass Finanzen keine Rolle zu spielen scheinen!

Die Figuren sind absolut einzigartig und lebendig. Gerade die Zerrissenheit Cans, der seine Familie zurücklässt, um gemeinsam mit einer eigentlich fremden Frau ein Kapitel seines Lebens aufzuschlagen, das er bisher sicher unter Verschluss gehalten hat, ist fast körperlich spürbar. Genauso wie die Verzweiflung seiner Frau Sandra und der Kinder. Eine Familie, in der – gerade nach dem Tod der Freundin – viel getan werden muss, um sie wieder zusammenzubringen. Und genau in dieser heißen Phase riskiert Can alles, um seiner Vergangenheit nachzujagen. Tiefe Gefühle, die auf jeder Seite zu spüren sind und wie ein Mantel über der ganzen Geschichte liegen. Ähnlich ergeht es Anna Roth. Sicher ist sie berühmt, doch ihre nach außen so perfekte Fassade bekommt mehr und mehr Risse, je weiter man in die Geschichte eintaucht.

Die Bösen erscheinen oftmals wie die harmlosen Freunde und lieben Nachbarn, doch wird man sich ihres Handelns mehr und mehr bewusst, ist es umso erschreckender und abstoßender zu welchen perfiden Taten diese fähig sind. Sie sind Marionettenspieler auf ganz hohem Niveau. Die Opfer verfangen sich in ihren Netzen, die weit in der Vergangenheit gesponnen wurden und deren Maschen sich nun immer enger ziehen, je mehr man hinter die Fassade blicken kann.

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„Lebt“ ist ein mehr als anspruchsvoller Thriller, der es perfekt versteht, Spannung, Geschichte, Action und tiefe Emotionen in sich zu vereinen. Eine Überraschung jagt die nächste und man wird so oft auf die falsche Fährte gelockt oder von neuen Wendungen überrascht, dass man kaum zum Atmen kommt. Ein klares Must-Read für Freunde des Krimi-Genres! Ganz hohes Niveau, das Sehnsucht nach mehr erweckt!

„Lebt“ beim Fischer-Verlag

Der Kleine Prinz zu Gast bei Freunden

Heute hat der Kleine Prinz zum ersten Mal eine Zwischenlandung gemacht und die Sternenwarte vom Planeten AstroLibrium besucht! Dort hat er dem lieben Arndt wahre Löcher in den Bauch gefragt und ein wundervolles Buch entdeckt! Kommt vorbei und schaut selbst! Ein Klick aufs Bild genügt!

Der Kleine Prinz zu Gast bei AstroLibrium - "Der Pilot und der Kleine Prinz von Peter Sis"

Der Kleine Prinz zu Gast bei AstroLibrium
– „Der Pilot und der Kleine Prinz von Peter Sis“