Archiv | Januar 2015

achtung buch: auge des mondes von brigitte riebe

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Wir befinden uns in Per Bastet im 6. Jh. v. Chr. – etwa 100 km vom heutigen Kairo entfernt. Dort lebt Mina, eine junge Geschichtenerzählerin, die viel zu früh ihren Mann verlor. Trotz der Trauer gelingt es ihr immer aufs Neue, die Menschen, besonders die Frauen auf den Markt, mit ihren Geschichten in den Bann zu ziehen. Geschichten voller Weisheit, Träume und Gefühl weiß sie zu erzählen, Geschichten, die tief aus ihrem Herzen wachsen.

Doch nicht nur diese schönen Geschichten sind es, die man in den Straßen von Per Bastet hört. Hinter vorgehaltener Hand munkelt man von bärtigen Männern und dem ungeheuerlichen Verschwinden der Katzen aus der Stadt. Und das, wo Per Bastet doch die Stadt der Katzengöttin Bastet ist, der Göttin der Fruchtbarkeit und Liebe. Katzen sind heilig, werden verehrt, in den Tempeln gehalten und gepflegt. Wer einer Katze etwas antut, besiegelt damit nicht in wenigen Fällen sein eigenes Todesurteil. Warum also diese Geschehnisse?

Inmitten dieser turbulenten und einsamen Zeit bekommt Mina unerwarteten Beistand: Eine kleine Katze rettet sie mutig vor einer Speikobra und wird zu ihrer treuen Gefährtin, bis auch sie eines Tages nicht mehr auftaucht. Mina macht sich auf, um die Wahrheit herauszufinden, denn sie kann einfach nicht glauben, dass es die Göttin Bastet ist, die ein solch grausames Opfer verlangt.

Neben der kleinen vierbeinigen Bastet gesellt sich auch noch der Perser Numi zu Mina, der schon bald tiefe Gefühle in Mina entfacht. Werden sie den schrecklichen Geschehnissen Einhalt gebieten können und werden sich die beiden näher kommen? Findet es heraus und begleitet Mina nach Ägypten.

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Ich bin nun schon durch einige Länder und Bücher mit Brigitte Riebe gereist und bin jedes Mal aufs Neue schwer beeindruckt von ihrer Art zu schreiben. In „Auge des Mondes“ nimmt sie den Leser mit ins alte Ägypten. Im 6. Jahrhundert vor Christus waren die Perser die eigentlichen Herrscher über Ägypten, was zu nicht wenigen Spannungen führte. Zum einen die Herrschaft: Die Perser herrschten über die Ägypter und weigerten sich oftmals deren Lebensweise anzuerkennen. Deutlich wird dies an der Figur des Satrapen Aryandes, der beispielsweise ein weißes Katzenfell haben will – dass dazu eines der heiligen Tiere sterben muss, interessiert ihn nicht.

Historische Personen, wie eben die Figur des Satrapen, treffen im Roman auf fiktive Charaktere und auch das Zeitgeschehen wurde sehr gut recherchiert und fließt nahtlos in das Geschehen ein. Dazu kommt der erdachte Teil: eine wundervolle Geschichte, die einem das Land Ägypten fast spürbar nahe bringt. Plastische und liebevoll gezeichnete Charaktere wie Mina, ihr Neffe, Numi und Iset – alle haben sie einen Platz in meinem Herzen erobert. Dazu kommen Minas Geschichten, teils Fabel teils Erzählung, die einen beim Lesen direkt gedanklich auf den Markt versetzen, wo man genauso fasziniert lauscht, wie es die Marktbesucherinnen tun.

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Große Gefühle sind natürlich auch dabei: Mina und Numi lernen sich kennen und werden schon bald zu Freunden. Tiefe Gefühle entwickeln sich. Gefühle, die eigentlich nicht zulässig sind, denn er ist Perser und sie Ägypterin. Doch Liebe überbrückt jegliche Konventionen und beide halten auch in schweren Situationen immer zusammen.

Insgesamt ist „Auge des Mondes“ eine wundervolle Geschichte voller ägyptischer Mythologie, Historie, Gefühl und tollen Handlungssträngen, die ein wahres Lesevergnügen ergibt. Eine klare Empfehlung für Ägypten-Liebhaber und Freunde wundervoller Geschichten, die trotz Spannung zum Träumen einladen! Danke dafür, liebe Brigitte!

achtung buch: totale kontrolle von james douglas

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Raben sind schon interessante Tiere, so intelligent, so vielseitig einsetzbar. Seit vielen Jahren stehen die Vögel schon im Zentrum von Untersuchungen im Bereich der Neurowissenschaften. Ihre komplexe Denkweise und vielseitigen Einsatzmöglichkeiten beeindrucken immer wieder aufs Neue. So auch die Wissenschaftler in James Douglas Thriller „Totale Kontrolle“.

„Ja, man spricht auch von außersinnlicher Wahrnehmung. Raben sehen Dinge, die wir nicht erkennen. Ihre Hirnaktivität kann zum Beispiel das Magnetfeld der Erde wahrnehmen und für die Ortsbestimmung nutzen. Es gibt Leute, die behaupten, Raben hätten Verbindung zum Jenseits.“ (S. 8)

Raben sind es auch, die die Inaugurationsrede des US-Präsidenten Obama stören. Was für die normalen Besucher wie eine Tücke der Natur aussieht und auch in der Presse nicht großartig erwähnt wird, ist jedoch bei Weitem von ernsthafterer Natur. Schließlich warf einer der Raben eine Kapsel mit einer eindeutigen Warnung ab: „Nächstes Mal sind es Ebolobama-Tröpfchen… Von Hunderten Raben auf die Stadt versprüht…“

Auch in der Forschung von Vanessa Parker, einer angesehenen Neurobiologin, spielen die Raben eine Rolle: Parker gelangen große Fortschritte im Zusammenhang mit dem „Human Brain Project“, einer Forschung, die ermöglichen sollte, Krankheiten des Hirns wie Alzheimer zu heilen. Natürlich bringen derlei Manipulationen am Hirn auch eine andere Seite mit sich: man könnte Menschen bewusst manipulieren.Genau an diesem Punkt ist Parker angekommen:

„Sie werden es nicht glauben. Sie baut Chips aus künstlichen Silikonneuronen. Statt Ionen, wie in den Zellkanälen der Neuronen in unserem Kopf, fließen Elektronen durch ihre künstlichen Nervenzellen. Ihr ist es gelungen, sehr nah an die Biologie heranzukommen. Sie sagt, sie könne praktisch jedes Musterverhalten programmieren, ein sogenanntes Aktionspotenzial auslösen, das an die Zellen im Gehirn weitergeleitet wird. Ich verstehe darunter Emotionen, Triebe, Aggressionen aber auch schöpferische Impulse.“ (S. 16).

Man muss, denke ich, nicht weiter ins Detail gehen, was das für Folgen haben könnte. Menschen könnten zum Kampfmaschinen umgebaut werden die auf Töten und Morden programmiert sind. Sie würden kämpfen, ohne ihr Handeln zu hinterfragen. Die perfekte Armee könnte auf diese Weise geschaffen werden und die positiven Aspekte dieser Forschung gerieten komplett ins Hintertreffen. Die Wunschvorstellung der Total Mind Control ist zur schrecklichen Wahrheit geworden. Um einen Missbrauch zu verhindern, wird Ex-FBI Agent Ken Cooper eingeschaltet, der mit seiner Firma die Sicherung des Projekts gewährleisten soll.

Doch dafür ist es schon fast zu spät. Zu viele Geheimdienste haben Informationen erhascht und wollen nun das Projekt für Ihre militanten Zwecke nutzen. Eine junge Frau wird brutal ermordet aufgefunden und das Wettrüsten erreicht neue, erschreckende Dimensionen. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, der Cooper und Co. von den USA nach Nordkorea und Europa führt. Kann Cooper die Zentrale des Cyberkriegs zerstören und wird er verhindern können, dass Parkers Erfindung in die falschen Hände gerät? Lest selbst!

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„Totale Kontrolle“ – Was für ein klasse Buch! Es liegt schon eine ganze Weile bei mir und ich hatte letztes Jahr auch schon begonnen zu lesen, könnte es aber nicht beenden, da mir die Masterarbeit dazwischen kam. Und dieses Buch kann man nicht nebenbei lesen. Es fordert die gesamte Aufmerksamkeit des Lesers von der ersten bis zur letzten Seite.

Man taucht direkt ein in die Handlung und wird Zeuge, wie Cooper den Auftrag bekommt, Parkers Forschung zu schützen. Kaum wurde dieser Auftrag ausgesprochen, explodiert die Handlung in sehr viele Einzelstränge, die wiederum mit noch mehr Personen verbunden sind. Anfangs war das ziemlich verwirrend für mich, doch im Laufe der Handlung konnte ich die Institutionen, Geheimdienste und Forscher ziemlich gut auseinanderhalten.

Die Handlung war sehr dicht gestrickt und man musste wirklich aktiv dabei sein, um nichts zu verpassen. Denn Unwichtiges gab es nicht. Jede Seite war Teil dieses Politpuzzles, des Kampfes um die brisanten Forschungsergebnisse, die der Erfindung der Atombombe gleichkämen. Der Spannungsbogen wurde perfekt ausgearbeitet und hielt wirklich bis zuletzt an.

Auch die Charaktere könnten mich überzeugen, meist knallharte Geheimdienstler oder Politiker, die ihre Interessen mehr als deutlich kund taten und vor nichts zurückschreckten, dass sie von ihrem Ziel abhalten könnte: der totalen Kontrolle des menschlichen Bewusstseins.

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Und da sind wir schon an dem Punkt, der mich an dem Buch am meisten fesselte: der Realitätsbezug. Drohnen, Spionage, Abhörskandale, all das ist nichts Neues mehr. Hobbyfilmer können schon mit Drohnen arbeiten, die es frei zu kaufen gibt und so einfach alles Filmen, ohne dass es das Umfeld gleich mitbekommt. Wie weit sind wir entfernt vom total gläsernen Menschen? Gibt es das Recht auf Privatsphäre noch?

Und dann natürlich der Aspekt der Forschung: Was ist ethisch noch vertretbar? Wo steht die Forschung, die Pharmaindustrie wirklich? Was ist wahr und was wird uns vorgespielt? Welchen Stellenwert hat der Mensch? Ist er noch ein eigenständiges Wesen oder Marionette?

All diese Fragen werden im Roman mehr oder weniger direkt angesprochen und regen sehr zum Nachdenken an. Insgesamt kann ich den Roman nur jedem empfehlen, der auf diese Art Thriller steht, also vor wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und politischen Themen nicht zurückschreckt und gern beim Lesen mitdenkt. Bisher hatte ich noch nicht viele Romane dieser Art, bin aber wirklich gefesselt und werde zukünftig sicher auch mehr aus dieser Richtung lesen. Das einzige Manko am Buch war die kleine Schrift. Wenn man so hochkonzentriert lesen muss, lieber ein dickeres Buch aber bissl größer geschrieben. Dies tut dem Buch aber keinerlei Abbruch, ist nur meine persönliche Empfindung gewesen!

Vielen Dank an den LangenMüller-Verlag für das Tolle Buch!

achtung buch: die drei musketiere von ute krause

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Jeder kennt sie, die Geschichte von D’Artagnan und den drei Musketieren, die große Abenteuer erlebten und immer füreinander einstanden, egal wie aussichtslos die Situation auch schien. So geht es auch Hamster Bertram, der einsam in seinem prunkvollen goldenen Käfig lebt und sich oft zu den Musketieren träumt, die er von den Hörspielen seines Herrchens kennt. Wie gern wäre er da draußen und nicht allein hier. Denn sein Herrchen interessierte sich schon eine ganze Weile nicht mehr für ihn. Und ein Leben allein im Käfig, wenn es auch noch so prunkvoll ist, ist doch etwas arg langweilig.

Derweil am anderen Ende der Stadt im Feinkostgeschäft von Frau Fröhlich: Der Mäuserich Picandou Camembert Saint-Albray lebt seit vielen Jahren ein beschauliches Leben inmitten der vielen Delikatessen, denen er auch seinen Namen verdankt. Doch auf einmal ist nichts mehr wie es war. Frau Fröhlich ist immer traurig und Herr Fröhlich ist einfach nicht mehr da. Wo ist er nur? Und warum hat er Frau Fröhlich so etwas gruslig klingendes wie Schulden hinterlassen? Da muss man etwas tun. Gesagt, getan, unser Mäuserich macht sich auf den Weg und trifft direkt auf einige spezielle Wegbegleiter: die Ratte…äh Maus ohne Namen (die er kurzerhand Gruyère Réserve taufte) und Ernie, die wilde Maus, die den viel edler klingenden Namen Pomme de Terre erhält.

Gemeinsam machen sich die drei unfreiwilligen neuen Freunde auf den Weg, um das Zuhause von Gruyère und eine Lösung für Frau Fröhlichs Probleme zu finden. Kaum außer Haus beginnen jedoch schon die Gefahren in Form von wilden Hunden und anderen bösen Zeitgenossen. Auf der Flucht treffen unsere Freunde auf Bertram, der sofort die Führung übernimmt und richtige Musketiere aus dem wild zusammengewürfelten Haufen macht. Schließlich kann er, dank der Ideen der Mäuse, nun auch endlich seinen Lebenstraum vom großen Abenteuer verwirklichen und aus seinem goldenen Käfig fliehen.

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Was für eine wundervolle Geschichte ist hier unter der Hand von Ute Krause entstanden! Die drei Musketiere im ganz neuen Kostüm und mit einer großen Botschaft. Zwei Mäuse, und eine Ratte, die sich für eine Maus hält, werden zu dicken Freunden, die einer großen Mission folgen. Dabei müssen sie Ängste überwinden, mutig sein und auch über sich hinaus wachsen. Vertrauen muss gefasst werden – auch zu Tieren, die sonst eher zur Kategorie Feind zählen würden. Aber mit genug Power meistert das Trio auch derlei Hinternisse mit Bravour. Und dann ist da ja noch Bertram, der die Idee der Musketiere in unsere Freunde eintrichtert: Einer für Alle und Alle für Einen. Dieses Motto bleibt auch immer spürbar, denn egal wie groß das Problem oder die Hürde ist, die es zu meistern gilt, unsere Freunde stehen das alles gemeinsam durch.

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Auch mit Vorurteilen wird ordentlich aufgeräumt, denn zum Beispiel die großen Feinde Ratte und Maus werden kurzerhand zu Verbündeten, zu Freunden. Egal wie verschieden man ist, man wird zum Feind erst gemacht. Im Inneren kann jeder Freund sein, was unsere kleinen Helden im gesamten Buch beweisen.

Dazu kommen noch die wundervollen Illustrationen der Autorin, die aus der Geschichte nicht nur ein wahres Lesevergnügen sondern auch eine große Freude am Anschauen machen! Ganz toll und ganz groß und für jeden kleinen Bücherfreund sehr zu empfehlen. Ute Krause schenkte uns Lesern mit Die Drei Musketiere eine wundervolle Geschichte über den wahren Wert der Freundschaft, die sogar schwere Vorurteile zu überwinden weiß. Gemeinsam kann man alles schaffen! Einer für Alle, Alle für Einen!

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Die Illustrationen wurden aus den Buch abfotografiert und geben euch hoffentlich einen kleinen Vorgeschmack auf die tolle Gestaltung des Buches. Nahezu auf jeder Seite findet man die liebevollen Zeichnungen der Illustratorin und Autorin! Geht mit und begleitet die Freunde bei ihrem großen Abenteuer!

Mehr Informationen zum Buch findet ihr auf der Seite des cbj- Verlags. Vielen Dank an Blogg dein Buch für das Rezensionsexemplar.

achtung buch: die kalte sofie von felicitas gruber

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Manchmal passiert’s, dass man einem Menschen begegnet, der alle (Lese-)Pläne umwirft. So ging es mir mit Dr. med. Sofie Rosenhuth, ihres Zeichens Rechtsmedizinerin. Letzte Woche habe ich mit ihr einen spannenden Fall, ihren zweiten in München, lösen dürfen und kam nun schier um vor Neugier. Schließlich blieben so viele Fragen offen. Warum ist Sofie getrennt, wieso kam sie nach München, was ist mit Joe, wie traf sie auf Charly Loessl und wie lebte sie sich an ihrer neuen Arbeitsstelle ein? Fragen über Fragen, die trotz des tollen Falls in meinem Kopf schwirrten und mich nicht losließen. Fragen, die nur die „Gruberin“ selbst beantworten konnte. Und die versorgte mich auch direkt mit dem ersten Fall unserer charmanten Medizinerin. Ich kam nicht umhin, meine eigentlichen Lesepläne über den Haufen zu werfen und zu verfolgen, wie Tante Vroni ihre geliebte Nichte mit einem kleinen Trick zurück nach München holte und ein neuer Lebensabschnitt für die liebe Sofie beginnen sollte. Oder vielleicht doch ein alter wieder aufgefrischt wird? Nun aber…

Wie alles begann:

 Zwei Jahre war Sofie an der Berliner Charité angestellt gewesen, hat hart gearbeitet, wichtige Ergebnisse zur Lösung kniffliger Fälle beigetragen und ihren Doktortitel bekommen. Damit war einer ihrer großen Wünsche in Erfüllung gegangen. In der Liebe sah es jedoch nicht so gut aus, denn ihre Beziehung zu Dr. Erik Rohrbach ging in die Brüche, nachdem Sofie feststellen musste, dass sie nicht die einzige Frau in seinem Herzen war. Den endgültigen Ausschlag, um wieder nach München zurückzukehren, gab jedoch der Herzinfarkt ihrer geliebten Tante Vroni. Kurzentschlossen packte Sofie ihre sieben Sachen und kehrte Berlin den Rücken. Ein ehemaliger Professor, dem Sofie sehr am Herzen lag, verhalf ihr auch auch gleich zu einer neuen Stelle und dem Neuanfang in der alten Heimat stand nichts mehr im Wege.

Ein Neuanfang, der turbulenter nicht beginnen konnte. Denn schon an ihrem ersten Arbeitstag stehen ihr mehrere Hürden im Weg: Zum einen ihr Ex-Mann Joe, mit dem sie nun wieder enger zusammenarbeiten muss, als ihr lieb ist. Dann ihre neue Chefin, der personifizierte Eiszapfen Dr. Falk und kurz darauf schon die erste Leiche, die so stark verkohlt ist, dass nur eine Zahnprobe Aufschluss geben kann. Dazu wird noch ein kleines Mädchen mit starken Vergiftungserscheinungen ins Krankenhaus gebracht und tote Tiere sowie glitzernde Bonbons sind die einzigen Spuren, die greifbar sind. Allerdings nimmt niemand Sofie ernst, die darin einen Weg zur Lösung des Falls sieht…

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Charmant, charmanter, Sofie Rosenhuth muss es heißen. Da ich das Pferd ja quasi von hinten aufgerollt habe, weil ich zuerst Fall 2 las, konnte ich nun eine Reise in die Vergangenheit der lieben Sofie unternehmen und ihren Neuanfang in München verfolgen. Sowohl im Beruf als auch im Privatleben geht es ganz schön chaotisch im Leben der jungen Rechtsmedizinierin zu. Tante Vroni will sie wieder mit Joe verkuppeln – Sofie will das gar nicht, oder vielleicht doch? Viel Zeit zum Grübeln darüber bleibt nicht, denn auch im Job muss sie sofort durchstarten, obwohl noch nicht einmal die Umzugskisten ausgepackt sind. Sowas stört doch aber unsre Sofie nicht und frohen Mutes macht sie sich an die Arbeit.

Eine Arbeit, die sie von Herzen erfüllt und die sie gleich mit dem nächsten „Elend“ – ihrer neuen Vorgesetzten Dr. Falk – konfrontiert. Sie ist eine wahre Eiskönigin, die es Sofie wirklich nicht leicht macht mit spitzen Bemerkungen und ihrem Talent, die Erfolge anderer in die eigene Tasche zu wirtschaften. So nimmt sie auch Sofies Vermutung nicht ernst, die hinter dem Todesfall sowie den Vergiftungen durch Liquid Ecstasy enge Zusammenhänge vermutet.

Bloß gut, dass sich unsere Sofie davon nicht ins Bockshorn jagen lässt, sondern ihrer Intuition folgt und weiter ermittelt, was das Zeug hält. An ihrer Seite natürlich Joe, der die Lösung des Falls auch dringend braucht. Denn wenn er seinem Chef nicht langsam mal ein paar Erfolge vorlegen kann, sieht es bös aus mit den Karrierechancen unseres lieben Kommissars. Und dann ist da noch Charly Loessl, seines Zeichens Polizeijournalist, der nicht nur ein berufliches Interesse an Sofie zeigt.

Beruflich und privat bleibt es also ziemlich turbulent und unterhaltsam. Ein toller Krimi mit viel Lokalkolorit, der genau das Richtige für mich war. Ich mag dieses Genre: Spannung, tolle Charaktere, die man sofort ins Herz schließt, eine tolle Umgebung – hier ein liebenswert gezeichnetes und keinesfalls überzeichnetes München voller Lokalkolorit und mit ordentlich Humor. So lässt es sich wunderbar lesen! Ganz toll und erfrischend geschrieben und dabei mit einer ordentlichen Prise Krimi gewürzt. Perfekt, meine Damen! Bitte bald mehr davon!

Der zweite Fall für Dr. Sofie Rosenhuth

Der zweite Fall für Dr. Sofie Rosenhuth

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Felicitas Gruber ist das Pseudonym der Autorinnen Brigitte Riebe und Gesine Hirsch. Zusammen schrieben sie die Kriminalromane “Die kalte Sofie” und “Vogelfrei”, in denen die beliebte Rechtsmedizinerin Sofie Rosenhuth ermittelt. Brigitte Riebe ist promovierte Historikerin und begeistert mit historischen Romanen seit vielen Jahren ihre zahlreichen Leserinnen und Leser. Gesine Hirsch ist Kunsthistorikerin und arbeitet als Producerin und Drehbuchautorin. Die erfolgreiche Serie “Dahoam is Dahoam” hat sie fürs Bayerische Fernsehen mitentwickelt. Beide Autorinnen leben in München. 

Mehr Infos zum Buch findet ihr auf der Homepage von Brigitte Riebe!

achtung buch: dark wonderland (1) – die herzkönigin von a. g. howard

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Willkommen im Unterland – im Skatepark der besonderen Art, wo ihr Alyssa begegnen werdet. Sie, gerade 16 Jahre alt, hat es wirklich nicht leicht: die Mutter in der Irrenanstalt, der Vater unnahbar und sie selbst unsterblich in ihre unerreichbare Kindergartenliebe Jeb verliebt. Doch das ist nicht alles: Sie kann Insekten und Blumen sprechen hören, genau wie ihre Mutter. Und: Sie ist die direkte Nachfahrin der Alice aus dem Buch von Llewis Carroll. Alice, die das Wunderland besuchte. Und all dies soll wahr sein? Als plötzlich Morpheus, der Mottenmann und Gefährte aus Alyssas Kinderträumen vor ihr steht und ihr sagt, dass nur sie den Familienfluch lösen und ihre Mutter retten kann, gerät Alyssas Welt aus den Fugen. Dennoch macht sie sich auf den Weg ins Wunderland, auf eine Reise, nach der nichts mehr so sein soll wie es war.

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Und schon sind wir mitten im Dark Wonderland. Was für eine wahnsinnig tolle Adaption des Klassikers. Howard hat eine Welt gestaltet, die man nicht so schnell vergessen wird.  Eine Welt, die zugleich bunt und düster, etwas schräg und undurchsichtig und verrückt, aber definitiv einmalig gezeichnet wurde. Eine Welt, aus der man so schnell gar nicht auftauchen will, da sie so vielschichtig ist, dass man alles ganz tief in sich aufnehmen möchte.

Klassische Figuren wie der Hutmacher und die Grinsekatze scheint man zu kennen, genau wie das weiße Kaninchen, doch bei genauerer Betrachtung weisen sie doch mehr oder weniger liebenswerte Eigenschaften auf. So auch die Soldaten, die Rubine bluten und und und.

Action, Spannung und Liebe treffen aufeinander als Alyssa beginnt, ihre Prüfungen abzulegen und man weiß irgendwann nicht mehr, wer gut und wer böse, wer Freund und wer Feind ist. Man ist gefangen in dieser Welt und froh dabei!

Die Charaktere sind einmalig und wundervoll gezeichnet. Alyssa, die Hauptprotagonistin hat dabei ziemlich schnell mein Herz erobert. Ihr Mut und Kampfgeist, eiserner Wille, Liebe und Freundschaft machen sie zu einer einzigartigen Persönlichkeit, die sich dem Geschehen offen entgegenstellt und keine Aufgabe scheut. Sie zeigt authentische Gefühle und auch ihre dunkle, verrückte Seite kommt zum Vorschein – was in der Umgebung kein Wunder ist.

Ihr Gegenstück ist Morpheus. Was für ein beeindruckender Charakter! Für Alyssa ist er einerseits der Kindheitsfreund aus den Erinnerungen und andererseits der Mottenmann aus dem Wunderland – undurchschaubar, definitiv verrückt, aber auch in gewisser Weise der einzige, der Alyssa richtig verstehen kann und somit ihr Gefährte ist. Oder ist er doch derjenige, der seine eigenen Ziele verfolgt und nur mit Alyssa spielt?

Und dann ist da noch Jeb, der Kindheitsfreund und die wahre Liebe Alyssas, der jedoch weggehen möchte und seinem alten Leben den Rücken kehren möchte. Als er plötzlich auch im Wunderland landet, scheint alles noch komplizierter zu werden, denn dort bleiben auch die wahren Gefühle nicht verborgen.

Worte reichen nicht, um die Charaktere und die Örtlichkeiten wiederzugeben. Jeder Alicefreund sollte dieses Buch lesen und das Wunderland einmal auf eine ganz besondere andere Art kennen lernen, an der Tim Burton seine helle Freude hätte. Wie im Original „Alice im Land hinter dem Spiegel“ werden auch hier die Figuren auf einem Schachfeld hin und her gerückt und geschickt durch die manchmal etwas konfus dargestellte Handlung geleitet, bevor am Ende alle Fäden auf eine absolut tolle Art und Weise zusammenlaufen.

Wunderland ist Fantasie, Wunderland ist anders, Wunderland kann auch dunkel sein und dabei wunderschön! Ich hoffe, die Folgebände werden bald erscheinen und bis dahin werde ich sicher nochmals zu diesem Teil greifen, da einmal Lesen definitiv nicht reicht, um alle Facetten dieses Wunderwerks zu erfassen!

Dark Wonderland beim cbt-Verlag

achtung buch: the diviners (1) – aller anfang ist böse von libba bray

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Alles beginnt mit zwei Partys im Amerika der 20er Jahre. Auf der einen in Manhattan feiern einige junge Leute ausgelassen den 18. Geburtstag eines jungen Flapper-Mädchens. Als die Partygäste sich zu langweilen beginnen, beschließt die Gastgeberin mithilfe eines Hexenbretts die Stimmung wieder anzuheben. Was auch zu glücken scheint, sieht man einmal großzügig davon ab, dass sie einen sehr bösen Geist wieder zum Leben erweckt haben. Die jungen Leute glauben, es war alles ein Scherz, doch Naughty John ist zurück und es liegt eine Menge Arbeit vor ihm.

“Naughty John, Naughty John, does his work with his apron on.

Cuts your throat and takes your bones, sells ‘em off for a coupla stones.”

Derweil in Ohio: Die 17-jährige Evie O’Neill, ein bekennendes Partygirl und absolutes Symbol der Goldenen 20er bringt sich (nicht zum ersten Mal) in Schwierigkeiten: Auf einer Party prahlt sie betrunken mit ihrer Fähigkeit, jedem Partygast seine dunkelsten Geheimnisse zu entlocken, wenn sie nur einen persönlichen Gegenstand dieser Person in der Hand hält. Als sie dies bei Henry, dem Sohn sehr einflussreicher Eltern macht, kommt ein Geheimnis ans Tageslicht, dass das Aus für die Zukunft des Jungen bedeutet hätte. Also wird Evie beschuldigt, ihn in Verruf gebracht zu haben. Sie verweigert die öffentliche Entschuldigung und wird zur Strafe von ihren Eltern zu ihrem Onkel Will Fitzgerald nach Manhattan geschickt. Dies ist für die aufgeweckte Evie jedoch mehr Segen als Fluch, sieht sie doch in der Weltmetropole ihre große Chance auf den Durchbruch.

So reist sie nach New York und zieht zu ihrem Onkel, dem Chef des Museums für Amerikanisches Volkstum, Aberglauben und Okkultes. Ganz anders, als Evies Eltern hält er die Nichte aber nicht an der kurzen Leine, sondern gibt ihr die Chance, New York auf eigene Faust zu erkunden, solange sie sich an die Regeln hält.

Doch der Friede ist nicht von langer Dauer, denn schon wenige Tage nach Evies Ankunft beginnt eine Serie blutiger Morde die Stadt zu erschüttern; Morde mit eindeutig okkultem Hintergrund. Schon bald rücken Evie und ihr Onkel ins Zentrum der Ermittlungen und Evie wird klar, dass sie ihre besondere Gabe nun nutzen kann, um bei der Aufklärung des Mordes zu helfen. Aber damit lockt sie die Bestie erst recht auf ihre Spur…

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Schon als ich das Cover sah, wusste ich, dass ich dieses Buch unbedingt lesen will. Der Stil entspricht komplett den Goldenen 20ern, der ausgelassenen Zeit des Jazz, der Flapper, dem schillernden und pulsierenden New York dieser einmaligen Zeit. Und genau diese Stimmung wird dem Leser im Buch vermittelt. Die Sprache, die Charaktere, die Beschreibungen von Orten und Feierlichkeiten lassen den Leser in seiner Vorstellung direkt vor Ort sein und den Protagonisten  über die Schulter schauen.

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Und Protagonisten gibt es viele, sehr viele. Von Kapitel zu Kapitel wird die Perspektive gewechselt und man erfährt von verschiedensten Charakteren.

An erster Stelle sind da natürlich Evie und Will. Evie, das typische verwöhnte Partygirl, das keine Regeln kennt und auf der Sonnenseite des Lebens stehen will. Evie, die mit ihrem Leichtsinn, ihrer auch zu Beginn leicht überheblichen Art auch etwas nervig und anstrengend sein kann, die aber auch eine Gabe hat, die sie zu etwas Besonderem macht. Nachdem sie dies erkannt hat, entwickelt sie sich zu einem wirklich wundervollem Charakter, der nicht nur Glamour und Prunk sondern auch ein großes Verantwortungsbewusstsein und Mut zeigen kann, ohne dabei langweilig zu sein, oder ihre flippig-liebenswerte Art zu verlieren – denn sie ist schließlich, neben Theta, die Verkörperung der Goldenen 20er.

Onkel Will hingegen ist der ruhige Wissenschaftler und Leiter des mehr schlecht als recht laufenden Museums. Doch dieser Fakt scheint ihn nicht besonders zu stören. Vielmehr missfällt ihm, dass Evie das Museum zu neuem Ruhm und Ansehen bringen will und dabei auch manchmal auf unlautere Mittel zurückgreift. An seiner Seite ist der junge, zunächst unnahbare Assisten Jericho, ein gewissenhafter junger Mann, der auch ein Geheimnis im Inneren trägt.

Wenn man über Jericho spricht, muss auch Mabel erwähnt werden. Mabel ist die beste Freundin von Evie. Vor einigen Jahren zog sie mit ihren Eltern, die für Bürger- und Arbeitsrechte kämpfen, nach New York und blieb dabei aber immer im Kontakt zu Evie, die sie insgeheim um ihr sorgloses Leben beneidet. Sie ist Jericho verfallen und wünscht sich nichts mehr, als an seiner Seite zu sein.

Verlässt man das Museum und das Bennetton, befindet man sich direkt in den Straßen von New York, wo sich mysteriöse Dinge zutragen: Ein junger Mann verdient sich sein Geld auf Laufbursche obwohl er davon träumt ein großer Dichter zu werden und trifft dabei auf die Liebe seines Lebens, eine wundervolle Revuetänzerin, ein blinder Straßenmusiker versucht sich im Glücksspiel und hat dabei eigentlich nur Pech, ein kleiner aber charmanter Straßendieb schlägt sich durch das Leben, um eine Mission zu erfüllen… So kann man ewig weiter machen. Jede dieser Figuren hat ihre Geschichte, die im Roman erzählt wird und die im Zusammenhang mit den anderen Figuren steht. Diese Zusammenhänge werden im Laufe des Romans teilweise aufgelöst, einige bleiben jedoch im Dunkeln, wobei man mutmaßen kann, wie es weitergehen wird. Viele der Charaktere haben besondere Fähigkeiten, derer sie sich mehr oder minder bewusst sind und die sie versuchen geheim zu halten.

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Wie schon angedeutet, befindet man sich als Leser immer mitten im Geschehen, man erkundet die Flüsterkneipen, staubige Bibliotheken, fremde Wohnungen und unheimliche Villen. Eine sehr greifbare Atmosphäre, die durch die bildhafte und ausführliche Darstellungsweise der Autorin geschaffen wurde und die mich absolut begeistern konnte. Historische Ereignisse treffen auf Mythologie, alles wurde gut recherchiert und wirkt nicht überzogen. Für mich war es ein sehr dichtes Lesen. 700 Seiten erfordern Aufmerksamkeit und für manchen Leser mag das Buch auch einige Längen bekommen haben. Ich mag aber genau diesen Stil, den Libba Bray hier zeigt: ausführliche Beschreibungen von Orten, detailliert und liebevoll gezeichnete Charaktere, einen gut durchdachten Spannungsbogen, der nicht nachlässt, sondern bis zum Ende bestehen bleibt und natürlich den Charme der 20er Jahre.

Spannung, ja an Spannung mangelt es dem Buch wirklich nicht. Naughty John war wirklich sehr sehr blutig und gruselig und die Szenen wurden auch genauso dargestellt. Ich hatte nicht nur einmal Gänsehaut und ein komisches Gefühl, wenn es beim Lesen auf einmal irgendwo geknackt oder geknirscht hat. Bray spielt wirklich außerordentlich gut mit den Gefühlen ihrer Leser.

Wie schon erwähnt, ist das Buch mit 700 Seiten nicht wirklich dünn. Aber viel weniger hätten es auch nicht sein können, um die ganzen Informationen, Handlungen und Personen unterzubringen. Viele Handlungsstränge werden geknüpft, viele nicht zu Ende geführt. Das ist aber an dieser Stelle für mich kein Problem gewesen, da es ein erster Band einer Serie war. Die Personen wurden sehr ausführlich anhand ihrer Lebensgeschichte eingeführt und der erste Fall konnte erfolgreich gelöst werden. Man hat nun offen erfahren, dass es die Diviners gibt, was nun sicher in Band 2 dazu führen wird, dass die einzelnen Charaktere und ihre Fähigkeiten in direkte Verbindung kommen werden. Die Story: gruselig und teilweise wirklich nichts für schwache Nerven aber immer überzogen vom Charme der Zeit, in der sie spielt.

Für mich persönlich was das Buch ein mehr als gelungener Auftakt für die Reihe der Diviners und ich hoffe, dass die Fortsetzung genauso vielversprechend sein wird.

Libba Bray: The Diviners – Aller Anfang ist böse beim dtv

Wer mehr Infos zum Buch möchte und sich genauer in die Welt der Diviners hineinversetzen will, sollte unbedingt auf der Sonderseite zum Buch vorbeischauen. Diese findet ihr HIER

achtung buch: frühstück bei tiffany von truman capote

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Willkommen in New York in den 50er Jahren: Lernt dort einen jungen, aufstrebenden und für uns namenlosen Schriftsteller kennen, der eine wundervolle Geschichte zu erzählen hat. Nennen wir ihn der Einfachheit halber doch einfach „Fred“, so wie Holly das eine ganze Zeit lang tat, und lauschen seiner Geschichte über die Begegnung mit dieser einzigartigen jungen Frau.

Joe Bell, der Barkeeper, rief ihn eines Tages an und bat ihn, in die Bar zu kommen. Ein Foto war aufgetaucht, auf dem der Kopf einer afrikanischen Skulptur zu sehen war, der der jungen Frau zum verwechseln ähnlich sah. Joe, inzwischen 67 Jahre alt, gibt zu, dass er Holly geliebt habe, aber nicht so, dass er sie anrühren wollte. Und genauso hat sie auch der Schriftsteller geliebt! Vorhang auf für Holly Golightly.

Sie ist im Jahre 1943 die Nachbarin unseres Schriftstellers in einem Mietshaus in Manhattan gewesen und sorgte regelmäßig für Aufsehen, da sie ihren Schlüssel nie bei sich trug und somit zu unmöglichsten Nachtzeiten ihre Nachbarn weckte. Genauso wurde „Fred“ auch auf sie aufmerksam und eine Freundschaft zwischen beiden begann sich spätestens da zu entwickeln, als die junge Holly nachts auf der Feuertreppe vor seinem Fenster steht, weil sie vor einem Betrunkenen auf der Flucht war, den sie mit in ihr Appartement gelassen hatte und der jetzt doch etwas zu zudringlich werden wollte. Doch wer ist Holly Golightly?

„Bei all ihrer schicken Magerkeit strahlte sie eine Haferflocken-Gesundheit aus, eine Seifen- und Zitronen-Reinlichkeit, und auf ihren Wangen lag eine raue Röte. Sie hatte einen großen Mund und eine Stupsnase. Eine Sonnenbrille verbarg ihre Augen. Es war ein Gesicht, das nicht mehr ganz in der Kindheit zu Hause war und schon einer Frau gehörte. Ich schätzte sie auf irgendetwas zwischen sechzehn und dreißig; wie sich herausstellte, stand sie zarte zwei Monate vor ihrem neunzehnten Geburtstag.“ (S. 15)

Und so kam unser Schriftsteller auch zum Namen „Fred“. Sie fühlte sich bei ihm so aufgehoben, wie sie das nur bei ihrem Bruder Fred, der an der Front kämpft, bisher konnte und sie ist auch nirgends zuhause. Selbst mit dem Kater, der in ihrer Wohnung lebt, hat sie nur eine offene Vereinbarung. Überfällt sie dazu noch das „fiese rote Elend“, hilft jedoch nichts außer ein Besuch des berühmtesten Juweliergeschäfts überhaupt: Tiffany & Co. an der Ecke Fifth Avenue.

„Das beruhigt mich sofort, da ist es so still und alles sieht so vornehm aus, dort kann einem nichts Schlimmes zustoßen, nicht bei diesen freundlichen Herren in ihren schönen Anzügen und diesem wunderbaren Geruch nach Silber und Krokodillederbrieftaschen. Wenn ich im richtigen Leben mal einen Ort finde, wo ich mich so fühle wie bei Tiffany, dann werde ich Möbel kaufen und dem Kater einen Namen geben.“ (S. 44-45)

Ein festes Einkommen hat unsere junge Protagonistin nicht, außer 100 Dollar pro Woche für die sie einen alten Mafiaboss (Sally Tomato) im Gefängnis besucht und ihm den Wetterbericht vorliest, den sie von seinem Anwalt zugesteckt bekommt. Sonst fällt es ihr nicht schwer, sich von reichen und attraktiven Herren aushalten zu lassen.

Doch irgendwann wird Holly direkt mit ihrer Vergangenheit konfrontiert: Zum einen, als ihr Ehemann, der Tierarzt Doc Golightly, auftaucht, um sie, eigentlich Lulamae,  nach Hause auf die Farm nach Texas zu den Kindern zu holen. Doch Holly überzeugt ihn, dass ihr Leben in New York ist und verliebt sich in den Diplomaten José aus Brasilien. Zum anderen erhält sie die Nachricht, dass ihr Bruder im Krieg gefallen ist. Eine Nachricht, die ihr den Boden unter den Füßen weg zieht. Aber José gibt ihr Halt und bringt sie ins Leben zurück. Kann es ihm jedoch gelingen, den Paradiesvogel wirklich zu zähmen?

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Holly Golithly ist eine junge Frau, die nicht gern an ihre Vergangenheit als Waise und vierzehnjährige Ehefrau des Tierarztes erinnert wird. Sie floh nach Hollywood, wo sie die Sprache der Edlen und Reichen lernte und hofft nun, in New York die große Liebe in Form eines reichen Mannes zu finden. Sie ist jung, frei und wild und fügt sich keinerlei Konventionen. Sie lebt, als sei jeder Tag der letzte und genießt dies in vollen Zügen. Sicherheiten im Leben? Nein… Bis auf Tiffany’s.

Capote beschreibt in seinem kurzen Roman das Leben der jungen Frau aus der Sicht des jungen Schriftstellers. Er bedient sich dabei typischer Elemente wie der jungen Frau, die mittellos nach New York kommt und dort berühmt werden will und diverser satirischer und gesellschaftskritischer Mittel. Er zeigt das Bild einer Gesellschaft, die aus Sehen und Gesehen-werden besteht, die sehr auf Äußerliches bedacht ist und im Glitzer und Glamour leben will. Dies zeigt auch die Beschreibung der Charaktere mit denen Holly verkehrt. Gerade die „Freunde “ Rusty und Mag – er einer der reichsten Junggesellen New Yorks und sie ein Starlet – zeigen, wie schnell es sich mit der Freundschaft erledigen kann, wenn man nicht mehr ins gesellschaftliche Bild passt. Genauso auch Hollys fast Ehemann José, der nach langer Zeit so etwas wie „ankommen und bleiben“ für sie bedeutete. Durch den Skandal mit Mafiaboss Sally durfte er natürlich nicht mehr bei ihr bleiben, da sich ein wichtiger Diplomat nicht mit einer Kleinkriminellen sehen lassen durfte.

Jubiläumsausgabe

Jubiläumsausgabe

Ganz anders zeigen sich aber Holly, der Schriftsteller und Joe, der Barkeeper. Holly verkörpert den typischen amerikanischen Traum: Das junge Mädchen mit schlechter Vergangenheit träumt vom Paradies in New York. Ein tolles und prunkvolles Leben an der Seite eines toll aussehenden Millionärs, der sie auf Händen trägt – das wäre der Idealzustand. Und diesen Traum verfolgt sie mit einer nahezu kindlichen Naivität, die sie aber mit vollstem Ernst lebt! Sie weiß einen Rat für jede Lebenslage und hat die Welt scheinbar im Griff. Sogar im inhaftierten Mafiaboss Sally sieht sie nur das Gute. Er ist doch eigentlich ein netter und großzügiger Mann! Holly, das Mädchen, dass die High Society im Griff zu haben scheint und tief im Inneren ein Kind geblieben ist. Ein Kind, das stets vor den schlimmen Dingen im Leben geflohen ist und seinen Ruhehafen sucht. Man wünscht ihr von ganzem Herzen Glück dabei und klammert sich an die Hoffnung, dass es ihr geglückt ist, als die einzige Postkarte ihre alten Freunde erreicht:

„Brasilien war schauderhaft, Buenos Aires dagegen fabelhaft. Nicht Tiffany, aber fast. Bin an Hüften verbunden mit 1a $enor. Liebe? Glaube ja. Schau mich jedenfalls nach Behausung um ($enor hat Frau, 7 Gören) und werde Dich Adresse wissen lassen, sobald ich sie selber weiß. Mille tendresse.“ (S. 118).

Der Schriftsteller ist eigentlich Hollys wahrer Hafen und ein wundervoller Mensch. Sie kabbeln und streiten und vertragen sich wieder und das Wichtigste: Sie sind immer füreinander da. Ja, Holly versucht sogar, mithilfe ihrer vielen Kontakte die Karriere des jungen Mannes anzutreiben! Und der dritte Mann im Bunde ist letztendlich Joe, der Barkeeper, den sie mehrmals täglich aufsucht, um zu telefonieren und um ihre Post zu holen. Trotz tiefer Brummigkeit erkennt man sofort, dass er die junge Frau sehr ins Herz geschlossen hat.

Knapp 120 Seiten umfasst dieses Buch und ich könnte Bücher darüber schreiben! So wundervoll wie Capote die Welt durch Hollys Augen beschreibt. Wie ein warmer Windhauch umspielt es die Leserseele und man will wissen, wie es Holly jetzt geht, was sie erlebt hat, wo und ob sie angekommen ist. Sitzt sie in Südamerika, in Afrika oder in Europa? Ist sie gut aufgehoben oder genießt sie ein Glas Champagner bei Tiffany’s? Dieses Buch ist so sehr Pflicht in jeder noch so kleinen Bibliothek wie das kleine Schwarze, das Audrey Hepburn in der Verfilmung trug. Nehmt dieses kleine Buch und genießt es, genießt jede Seite und vor allem gebt Holly einen Platz in eurem Herzen, sodass auch der Kater endlich einen Namen bekommen kann. Einfach nur bezaubernd!

Danke, lieber Kein & Aber Verlag für dieses Schmuckstück. Wenn ihr mehr wissen wollt, schaut hier!