achtung buch: the diviners (1) – aller anfang ist böse von libba bray

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Alles beginnt mit zwei Partys im Amerika der 20er Jahre. Auf der einen in Manhattan feiern einige junge Leute ausgelassen den 18. Geburtstag eines jungen Flapper-Mädchens. Als die Partygäste sich zu langweilen beginnen, beschließt die Gastgeberin mithilfe eines Hexenbretts die Stimmung wieder anzuheben. Was auch zu glücken scheint, sieht man einmal großzügig davon ab, dass sie einen sehr bösen Geist wieder zum Leben erweckt haben. Die jungen Leute glauben, es war alles ein Scherz, doch Naughty John ist zurück und es liegt eine Menge Arbeit vor ihm.

“Naughty John, Naughty John, does his work with his apron on.

Cuts your throat and takes your bones, sells ‘em off for a coupla stones.”

Derweil in Ohio: Die 17-jährige Evie O’Neill, ein bekennendes Partygirl und absolutes Symbol der Goldenen 20er bringt sich (nicht zum ersten Mal) in Schwierigkeiten: Auf einer Party prahlt sie betrunken mit ihrer Fähigkeit, jedem Partygast seine dunkelsten Geheimnisse zu entlocken, wenn sie nur einen persönlichen Gegenstand dieser Person in der Hand hält. Als sie dies bei Henry, dem Sohn sehr einflussreicher Eltern macht, kommt ein Geheimnis ans Tageslicht, dass das Aus für die Zukunft des Jungen bedeutet hätte. Also wird Evie beschuldigt, ihn in Verruf gebracht zu haben. Sie verweigert die öffentliche Entschuldigung und wird zur Strafe von ihren Eltern zu ihrem Onkel Will Fitzgerald nach Manhattan geschickt. Dies ist für die aufgeweckte Evie jedoch mehr Segen als Fluch, sieht sie doch in der Weltmetropole ihre große Chance auf den Durchbruch.

So reist sie nach New York und zieht zu ihrem Onkel, dem Chef des Museums für Amerikanisches Volkstum, Aberglauben und Okkultes. Ganz anders, als Evies Eltern hält er die Nichte aber nicht an der kurzen Leine, sondern gibt ihr die Chance, New York auf eigene Faust zu erkunden, solange sie sich an die Regeln hält.

Doch der Friede ist nicht von langer Dauer, denn schon wenige Tage nach Evies Ankunft beginnt eine Serie blutiger Morde die Stadt zu erschüttern; Morde mit eindeutig okkultem Hintergrund. Schon bald rücken Evie und ihr Onkel ins Zentrum der Ermittlungen und Evie wird klar, dass sie ihre besondere Gabe nun nutzen kann, um bei der Aufklärung des Mordes zu helfen. Aber damit lockt sie die Bestie erst recht auf ihre Spur…

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Schon als ich das Cover sah, wusste ich, dass ich dieses Buch unbedingt lesen will. Der Stil entspricht komplett den Goldenen 20ern, der ausgelassenen Zeit des Jazz, der Flapper, dem schillernden und pulsierenden New York dieser einmaligen Zeit. Und genau diese Stimmung wird dem Leser im Buch vermittelt. Die Sprache, die Charaktere, die Beschreibungen von Orten und Feierlichkeiten lassen den Leser in seiner Vorstellung direkt vor Ort sein und den Protagonisten  über die Schulter schauen.

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Und Protagonisten gibt es viele, sehr viele. Von Kapitel zu Kapitel wird die Perspektive gewechselt und man erfährt von verschiedensten Charakteren.

An erster Stelle sind da natürlich Evie und Will. Evie, das typische verwöhnte Partygirl, das keine Regeln kennt und auf der Sonnenseite des Lebens stehen will. Evie, die mit ihrem Leichtsinn, ihrer auch zu Beginn leicht überheblichen Art auch etwas nervig und anstrengend sein kann, die aber auch eine Gabe hat, die sie zu etwas Besonderem macht. Nachdem sie dies erkannt hat, entwickelt sie sich zu einem wirklich wundervollem Charakter, der nicht nur Glamour und Prunk sondern auch ein großes Verantwortungsbewusstsein und Mut zeigen kann, ohne dabei langweilig zu sein, oder ihre flippig-liebenswerte Art zu verlieren – denn sie ist schließlich, neben Theta, die Verkörperung der Goldenen 20er.

Onkel Will hingegen ist der ruhige Wissenschaftler und Leiter des mehr schlecht als recht laufenden Museums. Doch dieser Fakt scheint ihn nicht besonders zu stören. Vielmehr missfällt ihm, dass Evie das Museum zu neuem Ruhm und Ansehen bringen will und dabei auch manchmal auf unlautere Mittel zurückgreift. An seiner Seite ist der junge, zunächst unnahbare Assisten Jericho, ein gewissenhafter junger Mann, der auch ein Geheimnis im Inneren trägt.

Wenn man über Jericho spricht, muss auch Mabel erwähnt werden. Mabel ist die beste Freundin von Evie. Vor einigen Jahren zog sie mit ihren Eltern, die für Bürger- und Arbeitsrechte kämpfen, nach New York und blieb dabei aber immer im Kontakt zu Evie, die sie insgeheim um ihr sorgloses Leben beneidet. Sie ist Jericho verfallen und wünscht sich nichts mehr, als an seiner Seite zu sein.

Verlässt man das Museum und das Bennetton, befindet man sich direkt in den Straßen von New York, wo sich mysteriöse Dinge zutragen: Ein junger Mann verdient sich sein Geld auf Laufbursche obwohl er davon träumt ein großer Dichter zu werden und trifft dabei auf die Liebe seines Lebens, eine wundervolle Revuetänzerin, ein blinder Straßenmusiker versucht sich im Glücksspiel und hat dabei eigentlich nur Pech, ein kleiner aber charmanter Straßendieb schlägt sich durch das Leben, um eine Mission zu erfüllen… So kann man ewig weiter machen. Jede dieser Figuren hat ihre Geschichte, die im Roman erzählt wird und die im Zusammenhang mit den anderen Figuren steht. Diese Zusammenhänge werden im Laufe des Romans teilweise aufgelöst, einige bleiben jedoch im Dunkeln, wobei man mutmaßen kann, wie es weitergehen wird. Viele der Charaktere haben besondere Fähigkeiten, derer sie sich mehr oder minder bewusst sind und die sie versuchen geheim zu halten.

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Wie schon angedeutet, befindet man sich als Leser immer mitten im Geschehen, man erkundet die Flüsterkneipen, staubige Bibliotheken, fremde Wohnungen und unheimliche Villen. Eine sehr greifbare Atmosphäre, die durch die bildhafte und ausführliche Darstellungsweise der Autorin geschaffen wurde und die mich absolut begeistern konnte. Historische Ereignisse treffen auf Mythologie, alles wurde gut recherchiert und wirkt nicht überzogen. Für mich war es ein sehr dichtes Lesen. 700 Seiten erfordern Aufmerksamkeit und für manchen Leser mag das Buch auch einige Längen bekommen haben. Ich mag aber genau diesen Stil, den Libba Bray hier zeigt: ausführliche Beschreibungen von Orten, detailliert und liebevoll gezeichnete Charaktere, einen gut durchdachten Spannungsbogen, der nicht nachlässt, sondern bis zum Ende bestehen bleibt und natürlich den Charme der 20er Jahre.

Spannung, ja an Spannung mangelt es dem Buch wirklich nicht. Naughty John war wirklich sehr sehr blutig und gruselig und die Szenen wurden auch genauso dargestellt. Ich hatte nicht nur einmal Gänsehaut und ein komisches Gefühl, wenn es beim Lesen auf einmal irgendwo geknackt oder geknirscht hat. Bray spielt wirklich außerordentlich gut mit den Gefühlen ihrer Leser.

Wie schon erwähnt, ist das Buch mit 700 Seiten nicht wirklich dünn. Aber viel weniger hätten es auch nicht sein können, um die ganzen Informationen, Handlungen und Personen unterzubringen. Viele Handlungsstränge werden geknüpft, viele nicht zu Ende geführt. Das ist aber an dieser Stelle für mich kein Problem gewesen, da es ein erster Band einer Serie war. Die Personen wurden sehr ausführlich anhand ihrer Lebensgeschichte eingeführt und der erste Fall konnte erfolgreich gelöst werden. Man hat nun offen erfahren, dass es die Diviners gibt, was nun sicher in Band 2 dazu führen wird, dass die einzelnen Charaktere und ihre Fähigkeiten in direkte Verbindung kommen werden. Die Story: gruselig und teilweise wirklich nichts für schwache Nerven aber immer überzogen vom Charme der Zeit, in der sie spielt.

Für mich persönlich was das Buch ein mehr als gelungener Auftakt für die Reihe der Diviners und ich hoffe, dass die Fortsetzung genauso vielversprechend sein wird.

Libba Bray: The Diviners – Aller Anfang ist böse beim dtv

Wer mehr Infos zum Buch möchte und sich genauer in die Welt der Diviners hineinversetzen will, sollte unbedingt auf der Sonderseite zum Buch vorbeischauen. Diese findet ihr HIER

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5 Kommentare zu “achtung buch: the diviners (1) – aller anfang ist böse von libba bray

  1. Tolle Rezi zu einem Buch das mich genauso begesitern konnt wie dich. Evie ist eine vielschichtige Prota, der man auf den ersten Blick soetwas gar nicht zutraut 🙂 Dann lass uns mal gemeinsam hoffen, das Band 2 nicht sooo lange dauert 🙂

    Tintengrüße von der Ruby

    • Oh ja die Leselisten *lach* meine ist auch meeeega lang und immer kommen neue Bücher dazu. Aber dieses Buch musste sofort gelesen werden, als ich es gesehen hab! Und ich muss echt sagen, dass ich noch immer platt bin, wie gefangen und gruselig ein Jugendbuch so sein kann *lach*

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