Archiv | März 2015

achtung buch: die letzten tage von rabbit hayes von anna mcpartlin

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Rabbit Hayes ist 42 Jahre alt und gemeinsam mit ihrer Mutter Molly auf dem Weg ins Hospiz. Doch es ist nicht die Mutter. die am Ende ihres Lebens angelangt ist, sondern die junge Frau und Mutter einer 12jährigen Tochter, die so jäh aus dem Leben gerissen wird, das eigentlich noch so viele schöne Momente für sie alle bereit halten sollte.

Neun Tage bleiben ihr nun noch, um dem Unvermeidlichen ins Auge zu sehen, um gemeinsam mit ihrer Familie zu lachen, zu scherzen, zu weinen. Um ihnen Kraft zu geben für die Zukunft ohne die Tochter, Schwester, Freundin und Mutter. Viele kleine Aufgaben hat sich Rabbit für diese neun Tage vorgenommen: Sie will mit Kampfgeist, lautem Fluchen und einem Lächeln im Gesicht gehen, ihrem Vater die Kraft und Nähe geben, um das alles zu verarbeiten und ihm vor allem nahe sein. Eine Sache, die für Jack Hayes nicht leicht ist, da er nicht zusehen kann, wie ihm seine eigene Tochter entgleitet und er hilflos zusehen muss. Sie will ihrer Schwester helfen, mit ihrer Familie zurechtzukommen und ihrem Bruder dabei, ein geregeltes Leben zu führen und vor allem will sie eines: das Beste für ihre Tochter, die noch nicht weiß, dass die Mutter sie sehr bald für immer verlassen wird.

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„Die letzten Tage von Rabbit Hayes“ gehört eigentlich zu der Kategorie Bücher, die ich normalerweise nicht lese. Doch es hatte etwas an sich, das mich nicht losgelassen hat. Als ich dann aber zu Lesen begonnen, und etwa die ersten 40 Seiten vorbei waren, dachte ich, dass ich dieses Buch nie zu Ende lesen kann. Warum, fragt ihr euch sicher, und ich werde euch die Antwort geben, wenn sie auch sehr persönlich ist. Aber unpersönlich geht nicht bei diesem Buch.

Rabbit Hayes ist 42, hat eine zwölfjährige Tochter und bekam vor einigen Jahren die Diagnose Brustkrebs. Sie machte alle Operationen mit und ließ alle Therapien über sich ergehen, in der Hoffnung auf Heilung. Doch der Krebs kam zurück, schlimmer als zuvor und irgendwann können die Ärzte nichts mehr tun, außer alles für den Patienten so schmerzfrei wie möglich zu gestalten. Genau diese Geschichte habe ich mit meinem Papa erlebt. Er erkrankte vor ein paar Jahren an Krebs, machte alle Operationen und Therapien mit, galt als geheilt, es kam zurück, man versuchte es einzudämmen, keine Chance. Nach drei Jahren hat er den Kampf letztendlich verloren und wir haben ihn auch, genau wie Rabbits Eltern ihre Tochter, bis zum Schluss begleitet.

Nun gibt es ja Bücher wie Sand am Meer zu dieser Thematik, aber kein einziges wie das, das Anna McPartlin geschrieben hat. So authentisch, wie sie die Gefühle und Erlebnisse beschreibt, war ich schon zu Beginn ein weinendes Häufchen.I ch konnte mich so direkt in Rabbit und ihre Familie hineinversetzen, in die Schmerzen und die Hoffnungslosigkeit und in die Wut, nichts tun zu können.

„Sie wollte treten, kratzen und beißen, sie wollte um sich schlagen und der Welt ins Gesicht brüllen. Sie wollte etwas kaputt machen, ein Auto zu Schrott fahren, eine Kirche anzünden, die Hölle entfesseln.“
(S. 15)

Allgegenwärtig sind die Fragen im Raum, ob man wirklich alles getan und versucht hat, ob man alles gegeben hat, um dem geliebten Menschen zu helfen. Es kann doch nicht sein, dass im 21. Jahrhundert Menschen so qualvoll aus dem Leben gerissen werden! Man möchte den Tatsachen nicht ins Auge sehen, man will kämpfen, auch wenn es ein Kampf gegen Windmühlen ist.

„Ich weiß nicht genau. Ich denke die ganze Zeit darüber nach, ob wir vielleicht was übersehen haben. Vielleicht wartet irgendwo da draußen noch ein Wunder.“
(S. 80)

Wunder sind es, auf die man hofft, an die man sich klammert und die nur viel zu selten eintreffen. Und dann haben wir da Rabbit, die – genau wie mein Pa – bis zuletzt optimistisch und herzlich mit ihrer Familie lacht und scherzt und ihre Lieben einfach nur bedingungslos liebt. Trotz dessen es ihr sehr schlecht geht, versucht sie das Leben der anderen zu Regeln und in ordentliche Bahnen zu bringen, obwohl ihr selbst nur noch wenige Tage bleiben, die sie zu großen Teilen verschläft.

„Ich hatte es im Griff. Es war weg – und jetzt ist es wieder da, und ich bin wie gelähmt. Ich weiß. was kommt. Diesmal gehe ich den Dingen mit offenen Augen entgegen. Ich habe keine Angst mehr, ich bin nur wütend.“
(S. 498)

Trotz der schlimmen Diagnosen verließ Rabbit nie der Mut und sie kämpfte für sich und vor allem für ihre Familie, die schon immer ein seh enger Bezugspunkt in ihrem Leben war. Doch es ist nicht nur die Krankheit Rabbits, die im Zentrum der Geschichte steht, und ich bin sehr, sehr froh, dass ich weitergelesen habe. Während Rabbit im Hospiz ist und sehr viel schläft, erfährt man in sehr gefühlvollen Rückblicken, wie Rabbit aufgewachsen ist und wie sie gelebt hat. Wir erleben mit ihr eine sehr glückliche Kindheit mit Freunden, Lachen und bedingungslosem Glück.

Wir verbringen Stunden mit Rabbit, ihrem Bruder und dessen Band in der Garage und erleben, wie das Mädchen zum festen Bestandteil der Truppe wird. Wir erleben ihre erste große Liebe, die zwar schmerzvoll ist, aber auch zeigt, dass Rabbit ein Mensch ist, der bedingungslos liebt und dafür alles tut. Und wir erleben die tückische Krankheit, die sich in die Idylle schleicht und Rabbits Körper zerstört, aber nie die Seele erreicht.

Bis zur letzten Seite spürt man eine immense Wärme und so viel Liebe, die zwischen den Hayes herrscht und die nichts zerstören kann. Man will die Familie im Herzen halten, sie umarmen und mit ihnen lachen, weinen und vor allem fluchen. Es wird nichts beschönigt, aber auch nicht auf die sentimentale Ader gedrückte. Anna McPartlin präsentiert eine mehr als authentische Geschichte, die für mich zu großen Teilen ein Spiegel der letzten drei Jahre war. Hoffnung und Verzweiflung reichen sich die Hand, aber darüber steht immer die Liebe der Familie. Es gibt viele Szenen, an denen man schmunzeln muss – insbesondere, wenn Tochter und Mutter um die Wette fluchen (sehr zum Entsetzen der Krankenschwestern), aber auch ganze Kapitel, in denen die Tränen nicht enden wollen.

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Das Thema Tod wird dabei auf eine erschütternde, emotionale und sehr behutsame Weise behandelt. McPartlin ist schmerzhaft offen und ehrlich und geht keine Kompromisse ein, den Kompromisse gibt es in dieser Situation nicht. Dies zeigt sie auch anhand der Reaktionen ihrer Protagonisten, von denen jeder auf seine eigene Weise versucht, mit der Situation klar zu kommen. Drei Generationen Hayes, die von jung bis alt ihre Gefühle nicht verbergen können, die selbst dann noch hoffen, als es keine Hoffnung mehr gibt, die wütend sind, hoffnungslos und traurig und die zuletzt akzeptieren, dass es keinen Weg zurück gibt.

Wie schon angedeutet, dachte ich nicht, dass ich dieses Buch beenden kann, da es einfach tiefe Wunden wieder aufgerissen hat. Und das auf den ersten Seiten in einer derartigen Direktheit, dass es mir kaum unmöglich war, weiterzulesen. Doch in bin froh, Rabbit bis zum Schluss begleitet zu haben und es ist eine wahre Liebe zwischen uns und der ganzen Familie gewachsen. Auch Anna McPartlin bringe ich hier meinen größten Respekt entgegen, da das Buch zwar fiktiv ist, aber viele schwere Schicksalsschläge aus ihrem eigenen Leben verarbeitet – wahrscheinlich ist es das, was es so authentisch macht, nämlich dass wahre Begebenheiten dahinter stecken.

Von mir gibt es für dieses Buch eine sehr klare Empfehlung, aber mit einer kleinen Warnung an diejenigen, die ein derartiges Schicksal teilen. Da sollte man wirklich austesten, inwiefern man es „verträgt“. Sonst lieber noch im Regal lassen und später lesen. Es ist ein sehr warmherziges und gefühlvolles Buch, dem man sich, wenn man einmal begonnen hat, nur schwer entziehen kann und will. Ein Buch mit so viel Liebe und Lebensfreude, dass einen selbst inne halten lässt und tief dankbar darüber macht, dass man am Leben und gesund ist. Das anregt, die kleinen Freuden des Lebens zu genießen und nicht alles als selbstverständlich anzusehen und das auch zum Nachdenken anregt. Es ist eine Geschichte, die aus dem Leben gegriffen ist und dem Leser eine definitive Achterbahnfahrt der Gefühle beschert.

achtung hörbuch: tafiti und ur-ur-ur-ur-ur-uropapas goldschatz von julia boehme

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Eines schönen Tages im Erdmännchenbau: Tafiti und seine Familie sitzen zusammen und unterhalten sich über sie alten Zeiten, als Ur-ur-ur-ur-ur-uropapa mit der Sippe hier in dieses Gebiet gekommen ist, nachdem sie ihr altes Zuhause verlassen mussten, da der große Fluss über seine Ufer getreten ist und alles überschwemmt hat.

Wie sie sich so unterhalten, flattert doch ein Brief zu Boden, der hinter dem alten Bilderrahmen von Ur-ur-ur-ur-ur-ur-uropapas Bild geklemmt haben muss. Doch was ist das? Eine Schatzkarte?  Ur-ur-ur-ur-ur-ur-uropapa hatte nämlich, kurz bevor sie ihre alte Heimat verlassen mussten, einen Goldschatz gefunden und diesen gut vor Feinden getarnt. Natürlich ist Tafiti sofort Feuer und Flamme und möchte sich mit seinem Freund Pinsel auf die Suche machen. Eine Suche, die sich gar nicht so einfach gestaltet, denn die Karte führt die Freunde direkt zum Lieblingspfad von Nashorn Norbert. Und dann ist da ja auch noch der Löwe King Kofi. Wird es den beiden trotzdem gelingen, den Schatz der Familie zu finden?

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„Tafiti und Ur-ur-ur-ur-ur-uropapas Goldschatz“ ist der vierte Band, oder in diesem Fall das vierte Hörbuch aus der Reihe um das kleine Erdmännchen Tafiti. Gemeinsam mit seinem Freund Pinsel macht er sich auf die Suche nach dem versteckten Familienschatz, eine Suche, die gar nicht so einfach ist, wie es zunächst aussieht. Denn erstens ist der Gegenstand als normaler Gebrauchsgegenstand getarnt und zweitens sind da ja auch noch Mister Gogo, King Kofi und Nashorn Norbert, die den Freunden das Leben schwer machen.

Und dann machen beide auch noch den fatalen Fehler und graben sich ein. Für Tafiti kein Problem, denn wenn ein Erdmännchen etwas kann, dann ist es graben. Doch für Schwein Pinsel sieht die Lage schon ernster aus. Aber die beiden ungleichen Freunde meistern natürlich auch diese Krise mit Bravour und es wäre doch gelacht, wenn am Ende nicht auch noch der Goldschatz auf sie warten würde.

Das Hörbuch ist ein großer Spaß für die ganze Familie und zeigt, dass man gemeinsam alles schaffen kann und auch keine Angst vor größeren „Feinden“ haben muss. Mit Mut und guten Freunden an der Seite übersteht man jede Gefahr und kommt am Ende ans Ziel. Christoph Maria Herbst, der schon den Erdmännchen von Moritz Matthies seine Stimme lieh, brilliert auch hier mit seiner vielfältigen und angenehmen Sprechstimme, die jeden Charakter auf seine besondere Weise zum Leben erweckt. Ich freue mich schon auf die anderen Teile.

paris lesen und staunen: an einem tag in paris von ellen sussmann

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Ein ganz normaler Tag in Paris: Die Sonne scheint, viele Menschen flanieren durch die Straßen, kaufen ein, plaudern, besichtigen die vielen Sehenswürdigkeiten oder genießen den Tag in einem der wundervollen Cafés der Stadt. Der Duft von frisch gebackenen Baguettes und von Crêpes liegt in der Luft, glückliche Paare schlendern durch die Parks und auch drei besondere junge Menschen werden sich in den neuen Tag begeben, drei Menschen, deren Leben nach diesem Tag ganz sicher nicht mehr so sein wird, wie zuvor.

Chantal, Nico und Philippe sind drei junge, schöne Leute, die mitten im Leben stehen und dabei voller Träume stecken, was dieses noch für sie bereit halten wird. Momentan jobben sie als Privatlehrer an einer Sprachschule in Paris. Ihre Beziehung untereinander ist sehr komplex: Philippe ist Chantals Freund, auch wenn er das gar nicht so eng sieht. Chantal hingegen sehnt sich nach der wahren Liebe und hegt zarte Gefühle für Nico, mit dem sie eine wunderbare Nacht verbracht hat.

An besagtem Sommermorgen treffen sich die drei in einem Straßencafé, bevor jeder von ihnen seinen „Schüler“, einen nahezu unbekannten Menschen, in Empfang nehmen wird und mit diesem Paris erkunden wird. Am Abend wollen sie sich im Café wiedertreffen und über ihren Tag austauschen. Doch eins ist schon jetzt klar: Nichts wird nach diesem Tag noch so sein, wie es bisher war.

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Als ich das Buch und die Beschreibung zum ersten Mal las, dachte ich „Wie schön, eine romantische und kurzweilige Liebesgeschichte für zwischendurch. Ein richtiger Frauenroman zum Träumen und schmelzen, genießen und das auch noch vor der wundervollen Kulisse der Stadt der Liebe.“ Dieser Eindruck verflog aber sehr schell, da der Roman gänzlich anders aufgebaut war. Anstatt einer in sich geschlossenen Erzählung erwartet den Leser viel mehr ein Episodenroman.

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Eingeleitet durch eine Illustration und die Namen der jeweiligen Protagonisten gliedert sich das Buch in drei Episoden, die den Tag des jeweiligen Privatlehrers mit seinem Schüler in Paris beschreiben. Zusammengehalten werden die Geschichten durch zwei Fixpunkte: Die Treffen im Café zu Beginn und am Ende des Tages und einen Filmdreh an der Seine.

Jede Geschichte ist dabei etwas ganz besonderes, zeigt sie doch die tiefen inneren Gefühle und Probleme der einzelnen Protagonisten. Die einzelnen Lehrer und auch die Schüler haben mit Schicksalsschlägen zu kämpfen, sind auf der Suche nach einem Neuanfang oder überhaupt nach ihrem Platz im Leben und es ist so schön zu lesen, wie sich Lehrer und Schüler zusammenraufen und versuchen sich gegenseitig zu helfen und Halt zu geben, wenn auch nur für ein paar Stunden. Dabei könnten die Charaktere nicht unterschiedlicher sein. Wir haben den bodenlosen Romantiker auf der Suche nach der großen Liebe, den Drufgänger, der den Unterschied zwischen Sex und Lieb erst noch lernen muss und das Mädchen, das auf der Suche nach dem richtigen Platz im Leben ist. Doch am Ende zeigt sich bei allen Protagonisten eine Gemeinsamkeit: Der Punkt, an dem sie sich selbst verloren haben und nun den Mut fassten, um ihr Leben wieder neu und voller Kraft zu leben.

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Gespräche voller Mut, Optimismus und Zuversicht helfen aus den tiefen seelischen Abgründen heraus, leidenschaftliche Stunden lassen die Trauer und Trostlosigkeit vergessen und sanfte Gesten der Zuneigung helfen den Protagonisten bei der Suche nach sich selbst. Die Sehnsucht nach der Liebe und nach dem Platz, an dem man sich zu Hause fühlen kann wird dabei auf fast jeder Seite spürbar und zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Buch.

Insgesamt ist „An einem Tag in Paris“ ein zauberhafter Roman, der mit leisen Tönen, viel Melancholie aber auch mit Leidenschaft und Feuer zu überzeugen versteht und einige unterhaltsame Lesestunden verspricht.

Dieses Buch ist Teil meines Projekts: „Paris lesen und staunen“

achtung buch: theater! dichter und dramen von katharina mahrenholtz und dawn parisi

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Theater – allgegenwärtig von der Antike bis heute und immer dem Wandel unterworfen. Theater polarisiert, Theater unterhält, Theater bildet und Theater politisiert. Das ist bei Weitem noch nicht alles, aber es gibt einen groben Überblick über die Aufgaben des Theaters. Doch was ist es, das all diese Aufgaben erfüllt? Richtg: die Stücke.

Schauspielführer gibt es wie Sand am Meer, alphabetisch sortiert, nach Genres, nach Epoche, von oben nach unten und von hinten nach vorn. Deren Aufgabe ist es, möglichst knapp die einzelnen Theaterstücke vorzustellen und bestenfalls noch anhand ihrer Kernthesen und der dem Publikum zu vermittelnden Botschaft zu analysieren. Meist ist dies eine zwar informative aber auch sachliche und trockene Angelegenheit, was auch die Reaktion meist jüngerer „Leser“ zeigt. Spricht man Schüler auf Emilia Galotti oder Faust an, erntet man oft ein: „Langweilig“ oder „mussten wir in der Schule lesen“.

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© Hoffmann & Campe

Bloß gut, dass sich das Autorenduo Dawn Parisi und Katharina Mahrenholz nun des Themas angenommen und im letzten Jahr einen ganz besonderen Band beim Hoffmann und Campe Verlag veröffentlicht haben. Nach Shakespeare und der Literatur wird nun das Theater in Bezug auf seine Geschichte, die wichtigsten Autoren und Stücke genau untersucht und präsentiert. Und das auf eine ganz besonders ansprechende und erfrischende Art und Weise.

Statt ellenlanger trockener Zusammenfassungen warten kurze und knappe Texte, die dem Leser in einem lockeren Ton das jeweilige Stück nahe bringen und ein Gähnen oder Langeweile schon im Keim ersticken. Sicher ein Dorn im Auge für die großen „Theaterkritiker“ aber ein großes lehrreiches Vergnügen für alle anderen, die Theater unterhalten und dennoch auch bilden soll. Gerade auch für Schüler und junge Menschen dürfte das ein toller Weg sein, um den „trockenen“ Stoff der Klassiker zu vermitteln. Ergänzt wird das alles mit kuriosen Informationen über Stücke und Autoren sowie den wundervollen Illustrationen von Dawn Parisi, der es doch glatt gelingt, Faust, Macbeth oder andere Stücke auf eine Seite illustriert und mit einem Augenzwinkern zusammenzufassen.

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© Hoffmann & Campe

Dieses Buch nimmt man wirklich gerne immer wieder in die Hand, um sich zu informieren, einen Theaterbesuch vorzubereiten oder einfach nur so zu stöbern. Inhaltlich wird von der Antike bis zur Moderne alles von A-Z, oder besser von Aischylos („Die Perser“, 472 v. Chr.) bis Yasmina Reza („Der Gott des Gemetzels“, 2006) präsentiert, was als Stück Rang und Namen oder einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht hat. Klassische Stoffe reichen vergessenen Dramatikern und modernen Theaterautoren die Hand und bilden somit einen großen Bogen quer über die Theatergeschichte. Dieser wird noch mit einem Zeitstrahl untermalt, der die Daten der Uraufführungen der Stücke mit historischen Ereignissen, wichtigen Daten, Erfindungen und Personen vermischt darstellt. Quasi ein kulturpolitischer Gesamtüberblick quer durch die Jahrhunderte!

Dazu kommen dann auch noch die – ich nenne sie jetzt einfach mal so – bunten Seiten voller interessanter, witziger und kurioser Zusatzinformationen rund um das Theater. Wir lernen die wichtigsten Regisseure kennen, erfahren Wissenswertes über Epochen und die verschiedenen Bühnenformen, lernen Theatervokabular und werden über den hauseigenen Aberglauben aufgeklärt. Warum man im Theater nicht pfeift, über welche Schulter man zur Premiere spucke muss und wieso man sich nicht bedankt, wenn man Toi Toi Toi gewünscht bekommt? All diese Fragen werden beantwortet und noch viele mehr.

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© Hoffmann & Campe

„Theater“ ist ein Buch für Theaterfreunde, für Theatermuffel, für Jung und Alt,  der einfach nur Interesse und Freude am Theater und den Stücken weckt. Erfrischend spritzig, informativ und qualitativ hochwertig, macht es Lust auf mehr: Man stöbert, liest, recherchiert und überlegt unweigerlich, welches Stück man als Nächstes sehen möchte! Ein tolles Buch, das man einfach im Regal haben sollte und mit dem man viele vergnügliche Stunden haben wird. Außerdem ist es eine tolle Geschenkidee für Theaterfreunde jeden Alters (haben wir schon mit großem Erfolg erprobt) und Neueinsteiger, deren Interesse zu hundert Prozent geweckt werden wird. Ich bin sehr gespannt, was als nächster Geniestreich aus der Feder der beiden Autorinnen kommen wird.

Mehr Informationen zum Buch findet ihr beim Hoffmann und Campe Verlag!

achtung buch und hörbuch: dickes fell von moritz matthies

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Und wieder ist ein Winter vergangen, die Sonne scheint, die Frühjahrsblüher sprießen, Ostern steht vor der Tür und alles könnte einfach nur toll sein, wäre da nicht die geliebte Familie. Roxane zickt, da Rocky seinen väterlichen Pflichten nicht nachkommt: „Weißt du, was du bist?“, ruft Roxane, um sich die Antwort im nächsten Moment selbst zu geben. „Ein Aufzuchtsvernachlässiger!“ und Rocky stimmt der Scheidung zu. Dabei hat er die Rechnung aber nicht mit Ma und Pa gemacht, die ihm mit Nachdruck klar machen, dass dies nicht infrage kommt und sie nicht vor ihren Problemen davon laufen sollten. Rufus fühlt sich folglich zum Paartherapeuthen berufen und stürzt sich mit viel Herzblut in die Therapie, die jedoch nicht wirklich so abläuft, wie er sich das vorgestellt hätte.

Und auch Ray wird von der komischen, unzufriedenen Stimmung angesteckt. Er ist rastlos, möglicherweise mitten in der Midlife-Crisis. Schließlich ist er ja in diesem Jahr sechs geworden und hätte damit in der freien Wildbahn seine durchschnittliche Lebenserwartung erreicht. Bloß gut, dass er im Zoo ist und ihm somit locker nochmal so viele Jahre bevorstehen.

„Vielleicht, überlege ich, fehlt jedem was. Mir zum Beispiel fehlt ein Ziel. Ich habe das Bedürfnis aufzustehen und irgendwohin zu gehen. Da ich aber nicht weiß, wohin, bleibe ich sitzen. Es ist ein Gefühl, als müsste eine Veränderung in meinem Leben eintreten, ein neuer Abschnitt beginnen – aber es passiert nichts. Das Alte ist vergangen, aber das Neue lässt auf sich warten.“
(S. 12)

So trübsinnig und philosophisch kennt man den pfiffigen Ray sonst gar nicht und es ist gut, dass es da doch noch Phil gibt, seinen Privatermittler-Kumpel, mit dem er schon drei klasse Fälle lösen konnte. Und als ob er es geahnt hat, taucht er just in dem Moment am Erdmännchen-Gehege auf.

„Wir haben einen neuen Fall“, stöhnt er. Einen neuen Fall? Beinahe mache ich es wie mein Bruder und haue mir vor Begeisterung die Klaue aufs Ohr. „Im Ernst?“, frage ich. „Denke schon.“ „Cool!“ Ein neuer Fall ist vielleicht nicht der ersehnte Neuanfang, aber sicher geeignet, mich auf andere Gedanken zu bringen. „Worum geht es denn?“ […]. „Um mich“, röchelt Phil. Und bricht zusammen. Einfach so. Rutscht vom Geländer ab und klatscht bewusstlos auf den Boden.
(S. 15)

Nun ist guter Rat teuer, denn Phil ist schwer verletzt und nicht ansprechbar. Nachdem seine Erstversorgung gesichert ist, liegt es nun an Rufus und Ray, herauszufinden, was Phil passiert ist. Sie schmuggeln sich ins Krankenhaus, wo an Phils Bett eine Frau (Mo) und ihre Tochter (Lea) sitzen. Unerwartete Neuigkeiten kommen ans Tageslicht und langsam lichtet sich der Nebel um die mysteriösen Geschehnisse. Wer will Phil töten, warum schickt Mo Lea allein weg, obwohl die zwei bedrohlichen Typen hinter ihr her sind was hat es mit dem mysteriösen kleinen schwarzen Buch auf sich, hinter dem alle her sind? Rufus und Ray machen sich sofort auf, um Antworten auf all die ungeklärten Fragen zu finden, ihrem Partner zu helfen und um die kleine Lea zu beschützen. Ob die kleinen cleveren Kerlchen auch diesmal genug Power und Glück haben werden, um diesen Fall ohne ihren menschlichen Partner zu lösen? Findet es heraus!

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„Dickes Fell“ ist nach „Ausgefressen“, „Voll Speed“ und „Dumm gelaufen“ der vierte Fall der Erdmännchentruppe und dem Ermittler Phil. Auf gewohnte Weise und voller Humor schlittern Rufus und Ray diesmal in ihren persönlichsten Fall, da ihr Freund Phil selbst zum Opfer wurde. In altbekannter charmanter Manier machen sich die kleinen Helden auf und geraten diesmal direkt in die Vergangenheit ihres Freundes, über die sie bisher eigentlich gar nicht so viel wussten. Überraschende Wendungen tun sich auf und den Erdmännchen ist eins klar: Sie müssen diesmal alles tun, um Phils Leben in mehrerlei Hinsicht in Ordnung zu bringen und dabei noch die kleine Lea und das mysteriöse schwarze Buch beschützen.

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Ganz schön viel zu tun für zwei kleine Erdmännchen, egal wie clever sie auch sind und schnell wird klar, dass sie das alles gar nicht allein stemmen können. Zum Glück gibt es im Zoo Freunde, die ihnen stets zur Seite stehen, auch wenn die Beziehungen untereinander eher rau wahren. Wie zum Beispiel mit Nashornmann Justus und dem Gorilla Kong. Doch wenn Not am Mann ist, halten die Tiere zusammen wie Pech und Schwefel. Dabei darf man sich mal wieder nicht wundern, wenn dieses ungewohnte Trio (Rufus, Ray und Kong) gemeinsam nachts aus dem Zoo herausschlendert und sich im Park offen mit einem Rudel streunender Hunde anlegt oder eine Imbissbude zerlegt (natürlich nur in bester Absicht). Wir sind schließlich in der Welt von Moritz Matthies und diese ist wundervoll.

Doch nicht nur der Fall an sich beschäftigt unsere Erdmännchen. Ich finde, „Dickes Fell“ ist das am meisten erwachsene Buch der Reihe. Sechs Jahre sind die Jungen des ersten Wurfes nun alt und stehen damit in der Mitte ihres Lebens. Schicksalsschläge liegen hinter ihnen – Ray verlor Elsa, Rufus tritt mit Natalie auf der Stelle, Rocky ist Vater, manchmal wider Willen – und bisher unausgesprochene Fragen tauchen auf: Wer bin ich? Was habe ich erreicht? Was will ich erreichen? Ist es an der Zeit für Veränderungen? Viel Humor trifft auf philosophischen Tiefgang, ohne aber an Spritzigkeit, Spaß und Leichtigkeit zu verlieren. Denn dafür ist es viel zu lustig zu sehen, wie die jüngeren Clanmädels Ray verführen wollen. Schließlich ist er der Held des Clans und damit „voll Porno“. Und auch Rufus lässt einen wieder herrlich schmunzeln – entdeckt er doch seine besonderen Fähigkeiten als Psychotherapeut, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Ehe zwischen Rocky und Roxane zu kitten. Aber ob seine Methoden dafür so optimal sind? Einfach nur herrlich!

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Insgesamt ist „Dickes Fell“ wieder ein absolut kurzweiliger und witziger Lesegenuss, der aber auch sehr an Tiefe gewonnen hat. Es ist ein sehr persönlicher Fall für die Erdmännchen und Phil und man erkennt, dass alle Tiere und Menschen wahnsinnige Entwicklungen durchmachen und dass nun unweigerlich große Veränderungen bevorstehen. Dabei war es auch nicht schlimm, dass Phil durch seine Verletzung keine große Rolle spielte. Vielmehr brachte es die Handlung auf eine ganz neue Ebene. In den bisherigen Fällen war es ja so, dass Phil mit einem Fall kam und sie ihn dann gemeinsam und brillant gelöst haben. Diesmal mussten die kleinen Helden allein ran. Ich bin gespannt, wie sich nach dem überraschenden Ende nun alles weiterentwickeln wird. Die Leseprobe für Band 5, der nächstes Jahr erscheinen wird, ist sehr vielversprechend, macht sehr neugierig und lässt mich schon wieder in hibbelnder Vorfreude zurück.

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Als großer Fan dieser Reihe ist es von Beginn an schon Tradition geworden, dass bei mir Buch und Hörbuch einziehen dürfen – nicht zuletzt, weil das Hörbuch vom einmalig wundervollen Christoph Maria Herbst eingelesen wird. Keinen anderen könnte ich mir besser vorstellen, um die Erdmännchen zum Leben zu erwecken. Vielseitig, mit tausend verschiedenen Facetten, Humor und einer absolut angenehmen Stimme macht er jeden Charakter zu einer besonderen und einzigartigen Figur und die Geschichte an sich zu einem absolut lustigen und kurzweiligen Hörerlebnis, das mit 5 Stunden und 6 Minuten viel zu schnell vorbeirauscht!

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Christoph Maria Herbst, geboren 1966 in Wuppertal, verkörpert u. a. die Titelfigur in der Serie und im Kinofilm ›Stromberg‹ und erhielt dafür den Deutschen Fernsehpreis, den Grimme-Preis, den Bayerischen Fernsehpreis und sechsmal den Deutschen Comedypreis

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Von mir und den Erdmännchen gibt es an dieser Stelle eine klare Empfehlung für Buch und Hörbuch und ich kann nur jedem ans Herz legen, sich diese Reihe zu besorgen, der niedliche und humorvolle Kriminalfälle mag und einzigartige Protagonisten erleben will, die man vom ersten Moment an tief ins Herz schließen muss.

Mehr Infos zum Buch findet ihr beim Fischer-Verlag und zum Hörbuch beim Argon-Verlag! Ich wünsche euch viel Freude und Spaß!

paris sehen und staunen: paris im licht von christopher thomas

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Eigentlich heißt mein neues Herzensprojekt ja „Paris lesen und staunen“, doch heute muss ich eine Ausnahme machen! Denn „Paris im Licht“ ist ein wahrer Augenschmaus für Freunde der Stadt der Lichter und der Liebe.

Pont de Bir-Hakeim ©Christopher Thomas & Prestel

Pont de Bir-Hakeim
©Christopher Thomas & Prestel

Als Motto für diesen Bildband könnte man guten Gewissens „À la recherche des temps perdus“ – „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ nehmen. Diese suchte schon Marcel Proust in seinem allgegenwärtigen Monumentalwerk und auch Christopher Thomas war fasziniert davon, das zu finden, was keiner sah. Er sagt dazu:

„Paris nun ist zwar kein Freilichtmuseum, sondern eine pulsierende Metropole. Gleichwohl ächzt auch diese Stadt unter den ungeheuren Mengen an Besuchern – wenngleich sie, wie Venedig, natürlich auch vom Tourismus profitiert. Aufgrund der Enge und der Grundstruktur alter europäischer Städte fühlt sich Paris für mich wesentlich dichter und gedrängter an als New York. Somit war diese Stadt auch die größte Herausforderung für mich. Mein Wunsch war es, die ungeheure Schönheit von Paris in dem Gewimmel von Touristen, Autos, Rollern, Bussen und natürlich dem gesamten Grundrauschen einer der größten Städte Europas wiederzufinden.“
(S. 155)

Mit dieser Prämisse machte sich Christopher Thomas an die Arbeit und schuf ein einzigartiges Meisterwerk der Fotokunst. Er fotografierte ausschließlich auf Polaroid und schuf damit eines der letzten großen Werke, in denen diese Technik überhaupt zum Tragen kam. Doch was ist es, das seine Bilder so einzigartig macht?

„Ich hoffe, in diesem Buch mit einer Art Röntgenblick durch das ständige Pulsieren des Lebens einen Lichtschein nicht nur auf das Knochengerüst, sondern auf das Herz und die Seele von Paris werfen zu können, und wünsche mir, dass hier die Essenz der Stadt zu sehen und zu spüren sein möge, die auf den Abermillionen von Selfies, die tagtäglich entstehen, so weit im Hintergrund stehen muss“
(S. 155)

Und das ist ihm ohne Frage gelungen. Ist Paris normalerweise gekennzeichnet durch den Eiffelturm, Notre-Dame, die Cafés und Montmartre, sowie durch das Pulsieren der tausenden und abertausenden Menschen, die tagein und tagaus durch die Metropole strömen, zeigt Christopher Thomas dem Betrachter ein absolut konträres Bild: Paris in absoluter Stille und Leere.

Café Les Deux Magots ©Christopher Thomas & Prestel

Café Les Deux Magots
©Christopher Thomas & Prestel

Mit einer Vielzahl an analoger Fototechnik machte er sich auf den Weg durch die Stadt und erkundete sie vor allem am frühen Morgen und am späten Abend, da dies die Zeiten sind, wenn die Stadt einerseits in Ruhe vor ihm liegt und andererseits durch das Licht des Sonnenuntergangs die Gebäude mystisch eingehüllt werden. So bekommt Paris einen ganz besonderen Flair. Dieser wird noch durch die bewusste Entscheidung für die Polaroid Fotografie und die Wahl eines Schwarz-Weiß-Films untermalt.

Louvre I ©Christopher Thomas & Prestel

Louvre I
©Christopher Thomas & Prestel

Klassisch, aber auch abstrakt muten die Bilder an, die eine sonst von Millionen Menschen pulsierende Stadt einmal in schier eingefrorener Stille zeigen. Das natürliche Licht – meist mithilfe langer Belichtungszeiten eingefangen – verleiht den Gebäuden dabei noch ein ganz besonderes und mythisches Strahlen. Die Stadt zeigt sich nun in ihrer ganzen anmutigen Struktur, von der der Besucher oder Betrachter sonst durch die natürlichen Einflüsse abgelenkt wird.

Notre-Dame IV ©Christopher Thomas & Prestel

Notre-Dame IV
©Christopher Thomas & Prestel

Das romantische, alte Paris trifft in diesem Bildband auf das neue und moderne Paris und Christopher Thomas machte sich mit seinen Kameras auf, um genau diese Vielfalt in seinen besonderen Bildern festzuhalten. Er nimmt uns mit auf eine Reise durch das Paris der Vergangenheit, so wie man es kennt: Brücken, Parks und enge Gassen laden zum flanieren ein. Weiter geht es vorbei an Cafés. den Kai entlang zum Eiffelturm, Notre-Dame, dem Louvre bis hin nach Montmartre zum Moulin Rouge. All dies in einmaliger Stille.

Sacré-Coeur III ©Christopher Thomas & Prestel

Sacré-Coeur III
©Christopher Thomas & Prestel

Dieser Bildband ist eine wahre Hommage an die Stadt der Liebe, die man so sicher noch nie gesehen hat und auch bestimmt nie wieder so sehen wird. All die Schönheit, das betörende Spiel mit dem Licht und das einzigartige Flair der Seine-Metropole bilden den perfekten Rahmen für dieses Liebesgedicht, dass Christopher Thomas mit seinen Bildern schuf. Blättert man darin, tritt die Realität in den Hintergrund und man erlebt sie selbst – diese einmalige Reise durch Paris. Ein wahrer Schatz der Fotografie, den man jedem Freund der Stadt und der Fotografie nur ans Herz legen kann!

Dieses Buch ist Teil meines Projekts: „Paris lesen und staunen“

achtung hörspiel: hop – osterhase oder superstar

Ostern steht schon fast vor der Tür und da darf einer definitiv nicht fehlen: E.B! Nachdem ich den Kinofilm schon sehr geliebt habe und er zur festen Ostertradition bei uns gehört, möchte ich euch heute das dazugehörige Hörspiel vorstellen. Worum geht’s?

Auf einer fernen Osterinsel lebt der Osterhase mit seinem Sohn E.B., der einmal das ehrwürdige Amt des Osterhasen übernehmen soll. Der junge Hasenmann hat darauf natürlich gar keine Lust, will er doch viel lieber ein berühmter Schlagzeuger werden. Also beamt er sich kurzentschlossen nach Hollywood, wo er auf den arbeitslosen Fred O’Hare trifft, mit dem er sich in einer Luxusvilla einquartiert. Fred hat keine richtige Perspektive und wurde deswegen von seiner Familie kurzentschlossen aus dem Haus geworfen, um nun – mit Anfang 30 – sein Leben in den Griff zu bekommen. Ob ihm da ein lebendig gewordenes Plüschtier so gelegen kommt? Eher nicht, denn mit E.B. wird es gar verrückt und der aufgeweckte Hasenmann stellt Freds leben ziemlich schnell auf den Kopf.

Unterdessen hat E.Bs Vater bemerkt, dass sein Sohn verschwunden ist und setzt die Pinks – 3 bezaubernde Ninja-Hasen – in die Spur, um ihn zurück zu bringen.  Denn auf den Osterinseln läuft nicht alles so rund wie es sollte: Carlos, das Oberosterküken will die Macht an sich reißen und selbst Osterhase nach seinen eigenen Vorstellungen werden.

Inzwischen feilt E.B. an seiner Karriere, besucht die Castingshow des „Hoff“ teil und begeistert David Hasselhoff total. Doch auch Fred hat einen Geistesblitz: Wenn E.B. schon nicht will, kann er doch der neue Osterhase werden. Auf den Osterinseln brennt es mittlerweile gewaltig. Carlos hat die Macht an sich gerissen und nur einer kann Rettung für Ostern bringen: E.B. Der denkt jedoch gar nicht an etwaige Probleme in der Heimat und bereitet sich fleißig aufs Finale der Castingshow vor. Auf der anderen Seite trainiert Fred hart, um den Ansprüchen an das Amt des Osterhasen gerecht zu werden. Als beiden die Gefahr richtig bewusst wird, in der das Osterfest schwebt, wissen sie jedoch genau was zu tun ist: Gemeinsam mit E.B. stellt Fredr sich der Herausforderung und reist schließlich auf die Osterinseln, um zu verhindern, dass Carlos an die Macht kommt. Werden sie rechtzeitig ankommen oder muss Ostern dieses Jahr ausfallen? Lasst euch überraschen!

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Herzerwärmend, frech und flauschig trommelt sich der kleine Hase schon von Beginn an in die Herzen der Hörer. Denn jeder kennt doch das Gefühl, einfach nicht erwachsen werden zu wollen und Angst vor großer Verantwortung zu haben. Außerdem ist eine Karriere als Schlagzeuger ja auch viel toller als Ostereier zu den Kids zu bringen. Oder etwa nicht?

Hop, Osterhase oder Superstar ist einfach eine tolle Story, die absolut liebevoll gestaltet ist und gute Laune macht. Ein großer Spaß für die ganze Familie. Beide Protagonisten machen eine wundervolle Entwicklung durch, denn sie müssen beide noch richtig erwachsen werden und den Ernst des Lebens kennen lernen, auch wenn sie das selbst zu Beginn nicht so sehen. E.B. hat das Ziel ein berühmter Drummer zu werden und Fred möchte der neue Osterhase sein – beides an sich unmöglich, denkt ihr? Nicht wenn man voller Herzblut an sein Ziel glaubt und dafür kämpft und alles tut. Das ist eine der wichtigen Botschaften, die Hop für uns bereit hält: Du kannst alles erreichen, wenn du nur daran glaubst.

Dass man dabei nicht nur egoistisch sein darf, sondern miteinander viel mehr erreichen kann, wird auch an vielen Stellen deutlich. Ich möchte hier gar nicht so detailliert schreiben, denn das würde zu viel verraten! Auch die große Erwartungshaltung der Eltern wird thematisiert und die Angst der Kinder, diese zu enttäuschen. Dabei ist es egal, ob man ein Hasenkind oder ein erwachsener Mann ist. E.B. verlässt die Osterinseln für seinen Traum und aus Angst, dem Posten des Osterhasen nicht gerecht werden zu können und auch Fred hat Versagensängste, da er seine Eltern schon so oft ungewollt enttäuscht hat. Beide sind auf der Suche nach ihrem Platz im Leben und unterstützen sich bewusst und unbewusst dabei, diesen zu finden.

Wortwitz, flippige Dialoge und eine tolle und warmherzige Story machen die ganze Sache zu einem wundervollen Familienabenteuer, das noch dazu mit brillanten Synchronstimmen brilliert. Alexander Fehling erweckt E.B. zum Leben, Wolfgang Stumph leiht E.B.s Vater seine wundervoll sächsische Stimme (was bei mir schöne Heimatgefühle beim Hören hervorrief) und Detlev Buck spricht den Bösewicht Carlos. Dazu kommt noch ein Gastauftritt des einzigartigen und einmaligen „Hoff“, der bei den Eltern nostalgische Momente erwecken dürfte *lach*. Besser kann man die Figuren nicht in Szene setzen. Und das alles im Rahmen einer wundervollen Hörspielkulisse mit vielen Elementen und Geräuschen aus dem Film, die aus dem Hörspiel ein wahres Kopfkino machen.

Insgesamt also ein Hörspiel, das nicht nur für Kinder funktioniert, sondern sich als ein Spaß für die ganze Familie entpuppt. Man muss die Charaktere einfach lieben und mitfiebern bis zum Schluss. Viele Situationen laden zum schmunzeln und lachen ein, wobei die stimmlich starken Sprecher die richtige Mischung aus kindlichem und erwachsenen Humor finden. Diese Geschichte hat ihr Herz am rechten Fleck und ich kann sie, genau wie den Kinofilm, bedingungslos empfehlen. Ich bin begeistert von dieser unglaublich niedlichen Geschichte, die bei mir nicht nur zu Ostern geschaut oder ab jetzt auch gehört wird! Und auch E.B. selbst hat seinen Spaß:

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