achtung buch: die sache mit dem glück von matthew quick

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Das Glück hat schon so seine Tücken und manchmal braucht es große Umwege, um es zu finden. So auch bei Bartholomew Neil. Er ist 39 und hat in seinem Leben eigentlich nichts anderes gemacht, außer mit seiner Mutter zusammenzuleben. Er hat keine Arbeit, noch nie eine Beziehung oder Verabredung mit einer Frau gehabt oder freundschaftliche Beziehungen zu Kumpels aufgebaut. Aber das macht nichts, er hatte ja Mama.

Doch eines Tages ist Mama gestorben – an Hirnkrebs – und Bartholomew ist allein und muss lernen zurechtzukommen. Hilfe bekommt er dabei vom Pfarrer McNamee, der, nachdem er sein Amt niedegelegt hat, spontan bei Bartholomew einzieht. Doch das ist nicht die einzige Hilfe, denn ein Wink des Schicksals spielt ihm einen Brief zu: Einen Brief von Richard Gere, in dem der Schauspieler zum Boykott gegen die Olympischen Spiele in Peking aufruft. Die Tatsache, dass die Mutter den Brief aufbewahrte und Bartholomew in ihren letzten Tagen als Richard ansprach, bestärken ihn darin, dass Richard Gere auch sein Schicksal zu sein scheint.

Er beginnt nun, dem Schauspieler Briefe zu schreiben. Briefe über die Theorien seiner Mutter in Bezug auf Glück, Schicksal und die Lebensweise der Güte. Briefe über sein eigenes Leben, über die geheime Liebe zur Jungthekarin, über den Buddhismus und seine kleinen Lebensziele. Er berichtet ihm von Leuten, die sein Leben kreuzen und auch nicht gerade vom Glück beschienen zu sein scheinen, wie Max, der den Tod seiner Katze nicht verwinden kann; seine Trauerbegleiterin Wendy, die selbst mit großer Trauer und schwerwiegenden Problemen kämpft; Father McNamee, der ein tiefes Geheimnis hütet und die Jungthekarin, die mit den schlimmen Geistern der Vergangenheit kämpft. Noch hat Richard Gere nicht geantwortet, aber Bartholomew ist sich sicher, dass er ihm trotzdem genau dann beistehen wird, wenn es nötig ist…

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Hätte nicht schon auf den ersten Seiten gestanden, dass Bartholomew 30 Jahre alt ist, wäre er für mich wohl eher ein kleiner, wohlbehüteter Junge gewesen, der im und vor allem durch den Schutz der Mama allen Widrigkeiten des Lebens trotzte. Denn seine gesamte Ausstrahlung entspricht der kindlichen Naivität und Neugier. Er ist eine reine und unverbrauchte Seele, die man behüten und beschützen möchte und die man vor allem lieb haben will und muss. Und das tat seine Mutter voller Hingabe und sogar darüber hinaus, denn nachdem sie gestorben war, ist Bartholomew außerstande ein normales Leben zu führen. Die kleinsten zwischenmenschlichen Dinge, wie einen Kaffee trinken gehen oder Freundschaften schließen, stellen für ihn fast unüberwindbare Hürden dar. Und das, obwohl er auf der anderen Seite sehr sensibel für die Bedürfnisse der Menschen in seinem Umfeld ist. Er erkennt die Sorgen und Probleme der anderen und wird nicht nur einmal zum Retter derer, die eigentlich da sind, um ihn zu retten.

Bartholomew ist für mich wie eine Knospe, die erblühen muss; wie das hässliche Entlein, das die Schönheit des Schwans in sich trägt, sie aber noch nicht zu erkennen vermag. Er wurde mit einer Philosophie der absoluten Güte und Liebe erzogen, die er an sein Umfeld weitergibt. Nicht immer ist er damit gut gefahren, aber er blieb sich treu und ließ sich auf seinem Weg nicht beirren. Er ist wie ein Buddha, eine absolut weise und in sich ruhende Persönlichkeit, noch dazu hochintelligent, was vielen erst auf den zweiten Blick auffällt.

Nun ist der Anker in seinem Leben weg, die Mutter starb an einem grausamen Hirntumor und Bartholomew muss seinen Weg finden. Viel mehr als Trauerbegleiterin Wendy helfen ihm dabei die Briefe an den Schauspieler Richard Gere – seines Zeichens ein sehr charmanter Zeitgenosse und Buddhist. Er zeigt offene Bewunderung für sein Schaffen, sein Engagement für Tibet, philosophiert über sein Leben und die buddhistische Lebensweise und beruft sich auch öfters auf die Weisheiten des Dalai Lama.

Aus Richard Gere zieht er sich die Kraft und das Selbstbewusstsein, seinen Weg zu gehen. Er soll ihm helfen, erste kleine Lebensziele zu verwirklichen (ein Bier mit einem gleichaltrigen Kumpel trinken gehen, die Jungthekarin ansprechen,…). Und vor allem, soll er ihm die Kraft geben, nicht mehr auf die böse Bauchstimme zu hören, die ihn immer als Dummkopf, unnütz und Versager beschimpft.
Wie Engel und Teufel kämpfen diese beiden Seiten von Bartholomew gegeneinander und spiegeln die Zerrissenheit des Protagonisten wieder, der einerseits etwas im Leben erreichen will und sich andererseits selbst im Wege steht.

„Glück ist die einzige Sache, die sich verdoppelt, wenn man sie teilt“

Diese Weisheit trifft auf den Roman mehr als zu, denn Bartholomew trifft auf ein paar Leute, die so ein bisschen sind wie er, die nie so richtig Glück hatten und die nicht genau wissen, wo sie hingehören. Und mit diesen Leuten macht sich Bartholomew auf einen Roadtrip der besonderen Art und Weise: nämlich auf die Suche nach dem Glück.

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Das Buch besticht durch die Fülle an Emotionen, Gefühl und Gedanken. Es steckt so voller weiser und wundervoller Ideen und Sinnsprüche, dass man am liebsten ein eigenes Notizbuch dafür anlegen möchte.

Philosophische Gedanken und Weisheiten des Dalai Lama bilden dafür ein Gerüst und auch die Mutter lehrt uns immer wieder, dass man selbst aus den negativsten Erlebnissen etwas Positives ziehen sollte. Man hat immer die Wahl, den Kopf in den Sand zu stecken, oder die Dinge einfach selbst in die Hand zu nehmen.

Insgesamt ist Matthew Quick mit „Die Sache mit dem Glück“ ein wundervolles Buch mit viel Tiefe und Gefühl gelungen. Es ist unterhaltsam und inspirierend und lädt an vielen Stellen zum Nachdenken und zur Selbstreflexion ein. Es ist eines der Bücher, aus denen man so viel für sich selbst mitnehmen kann, dass es ein reines Glück ist, auf sie gestoßen zu sein. So eine wundervolle Geschichte ist pures Glück für jeden, der sie lesen wird. Definitiv ein Must-Read!

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6 Kommentare zu “achtung buch: die sache mit dem glück von matthew quick

    • Danke sehr 🙂 Ich finde, es passiert meist andersrum: Wenn man es gezielt sucht, kommt es nicht. Aber dann, wenn man es kaum erwartet, schlägt es zu 🙂 hab nen schönen Glückstag 😀

      • Ok, dann muss ich mich anders ausdrücken….
        Wenn man offen ist für das Glück und nicht zu festgebunden an ganz spezielle Erwartungen, dann findet es leicht seinen Weg, dann erkennt man es und freut sich darüber 🙂
        Und wenn man seine Situation „analysiert“ merkt man oft, wie viel Glück man eigentlich hat, was einem oft im Alltagseinerlei gar nicht so bewusst ist. Das geht mir manchmal so…in ganz krassen Phasen. Beim Innehalten merke ich dann, wie gut ich es trotz allem habe 🙂 Glücksrauschen…..

  1. Dieses Buch habe ich im Dezember gelesen und noch heute denke ich gerne darin, werde es sicherlich noch einmal lesen, weil deine Rezension, ja, sie spiegelt alles wieder, was dieses Buch ist: Glück.

    Lieben Gruß
    Yvonne

    • Jaaaa, so war es mir auch! Hihi werde es jetzt erstmal einer lieben Lesefreundin leihen – erst wöllte ich es ihr schenken, aber irgendwie kann ich mich nicht ganz davon trennen 🙂 Aber teilen will ich das Glück so gern mit ihr und dann irgendwann selber nochmal darin versinken!

      Liebe Grüße
      Jule

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