achtung buch: die buchspringer von mechthild gläser

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Nachdem in ihrem Leben nicht alles so rund läuft, wie es soll, beschließen Amy und ihre Mutter die Flucht auf die kleine Insel Stormsay, wo die Familie der beiden wohnt, die Amy bisher noch nicht kennen lernen durfte. Und das hat auch seinen Grund, den Amy schon direkt nach der Ankunft erfahren sollte. Sie dürfe nämlich nur unter der Bedingung bleiben, dass sie liest. Nichts leichter als das, schließlich ist Amy ja ein geborener Bücherwurm. Sehr schnell muss sie aber erfahren, dass Lesen nicht gleich Lesen ist. In ihrer Familie und in der verfeindeten Familie Macalister wird das besondere Talent der Buchspringer vererbt, das beide Familien trotz der Feindschaft auch zusammenschweißt. Ihre Hauptaufgabe ist es, die Literatur zu beschützen, indem sie in die Werke hineinspringen und dort nach dem Rechten sehen. Natürlich können sie nicht willkürlich von Buch zu Buch springen, sondern müssen sich an feste Regeln halten. Doch schon bei ihrem ersten Sprung verletzt Amy die Regeln und verlässt ihre Geschichte – das Dschungelbuch – und stößt auf erste Unstimmigkeiten in der Literatur. Im Gespräch mit diversen Figuren der Weltliteratur wird schnell deutlich, dass in letzter Zeit etwas ganz und gar nicht mehr stimmt. Und als dann noch Sherlock Holmes aus seiner Geschichte verschwindet, schrillen die Alarmglocken in Amys Kopf laut. Immer mehr Ideen verschwinden aus den Büchern und niemand weiß warum. Die Literatur schwebt in großer Gefahr und Amy und ihr neuer Freund Will machen sich auf, um die Literatur vor der Vernichtung zu retten.

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Bücher über Bücher und die Liebe zu Büchern sind immer etwas besonderes. Mechthild Gläsers Roman zählt dabei für mich zu den ganz großen Schätzen dieses Genres. Welch wundervolle Idee hinter der Geschichte steckt! Träumt nicht jeder davon, einmal tief in die Geschichte einzutauchen, die er gerade liest? Sich mit den Charakteren zu unterhalten, ein Teil davon zu sein? All dies ist den Buchspringern möglich.

Gemeinsam mit Amy taucht man ein in die wundervolle Atmosphäre auf Stormsay und in der Welt der literarischen Werke. Man springt zwischen Fiktion und Realität hin und her, spürt die Vermischung beider und findet es einfach nur wunderbar! Man lernt die absolut lebendig und authentisch gezeichneten Charaktere kennen, leidet mit Werther, rennt dem weißen Kaninchen hinterher, trifft auf Mogli und Shir Khan und so viele alte Freunde mehr. Aber vor allem leidet man mit Will und trauert um seinen besten Freund Sherlock Holmes, dessen Tod den Ausschlag dafür gibt, das in der literarischen Welt etwas ganz und gar nicht stimmt. Merkwürdige Dinge gehen vor sich: Bücher werden dünner, verlieren an Inhalt. Amy und Will versuchen herauszufinden, warum das so ist und stellen mit Erschrecken fest, dass die Ideen – also die Herzstücke der Bücher – verschwunden sind und die Geschichten so nicht mehr funktionieren. Zum Beispiel verschwindet das weiße Kaninchen aus Alice im Wunderland. Überlegt mal, was wäre die Geschichte ohne Kaninchen? Richtig, nichts, denn das Kaninchen initiiert ja das Geschehen, indem es Alice in den Bau lockt. Kein Kaninchen, keine Alice, die in den Bau klettert und somit wird auch das Wunderland nie entdeckt und die Geschichte wäre unwiederbringlich verloren.

Wer hat Interesse daran, die Literatur so zu schädigen und warum werden die Ideen gestohlen? Das Kaninchen ist nur eine Figur in der Reihe der verschwundenen Ideen und Amy beschließt, mit allen Mitteln und mit ganzer Kraft, die Literatur zu retten. Gesagt, getan und schon ist unsere junge Heldin gefangen aus einem Strudel von Märchen, Realität und großer Gefahr, bei der sie von ihrer Familie und Freund Will tatkräftig unterstützt wird. Doch wem kann Amy wirklich trauen?

Mit ihrem wundervollen leichten und flüssigen Schreibstil gelingt es Mechthild Gläser, den Leser tief in die Geschichte eintauchen zu lassen. Geschickt lässt sie Klassiker der Weltliteratur in das Geschehen einfließen und gibt den darin agierenden Charakteren eigene kleine Episoden, die mir viel Lust darauf gemacht haben, diese Bücher herzunehmen oder neu kennen zu lernen, wenn ich sie bisher noch nicht gelesen habe. Die Haupthandlung hat mich verzaubert, von der ersten bis zur letzten Seite wollte ich das Buch nicht aus den Händen legen und habe es fast in einem Zug durchgelesen. Die Charaktere sind, wie schon angedeutet, sehr detailliert und mit Liebe gezeichnet, sodass es eine wahre Freude war, ihre Entwicklung und Erlebnisse innerhalb der Geschichte zu verfolgen.

Fantastische und märchenhafte Elemente treffen auf Spannung, ein wenig Romantik und eine deftige Portion Humor. Bekannte literarische Werke werden mit der fiktiven Geschichte um Amy vermischt. Das Ende kam etwas überraschend daher, fügte sich aber wunderbar in das Geschehen ein, wenngleich es mich doch ein wenig traurig gestimmt hat. Aber auch das stellt einen großen Pluspunkt dar, trennte sich Mechthild Gläser doch von der klassischen und von mir fast erwarteten Methode.

Insgesamt kann ich nur sagen: Lasst euch von diesem literarischen Schatz verzaubern, legt ein Buch auf euer Gesicht, atmet tief durch und taucht ein in euer persönliches Leseerlebnis. Springt Amy hinterher und rettet die Literatur. Mechthild Gläser ist ein wundervolles Buch gelungen, das eine tolle und einmalige Geschichte mit der wahren und puren Liebe zwischen Mensch und Buch vereint. Ich bin hin und weg von den Bildern, die sich während des Lesens in meinem Kopf auftaten und kann nur jedem von euch empfehlen, dieses Buch zu lesen!

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Nachdem ich dieses tolle Buch verschlungen hatte, blieben natürlich viele Fragen offen. Wer ist die Autorin dieses tollen Buches und was bewegte sie zum schreiben? Dies und vieles mehr hat sie mir in einem wundervollen Interview verraten, das ich euch nicht vorenthalten will. Mit einem Klick aufs Bild von Mechthild kommt ihr direkt zum Interview 🙂 Ich wünsche euch viel Spaß!

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Copyright: Homepage der Autorin

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3 Kommentare zu “achtung buch: die buchspringer von mechthild gläser

  1. Huhu,
    das Buch steht schon lang auf meiner Lese-Liste, bis jetzt war ich mir aber immer noch ein bisschen unsicher. Aber nach dieser Rezension muss ich es mir wohl unbedingt durchlesen ;).
    Liebste Grüße,
    buecherbeere.

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