Archiv | Juli 2015

achtung buch: miss nightingale in paris von cynthia ozick

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Es gibt sie, die Bücher, die einen nach dem Lesen zunächst einmal sprachlos zurücklassen, sprachlos und nachdenklich, die eine Geschichte erzählen, die so tiefgründig ist, sich in die Seele des Lesers gräbt und dort ihre Spuren hinterlässt. Dazu gehört für mich definitiv „Miss Nightingale in Paris“Ein Titel, der zunächst doch irgendwo romantisch anmutet und den Leser zum Träumen hinreißt. Als ich dann zu lesen begann, ich gestehe: mit leichten Startschwierigkeiten, erwartete mich jedoch keine Pariser Leichtigkeit oder große Liebe. Vielmehr tat sich ein Familiendrama vor meinen Augen auf, dessen Ausmaß ich zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht erkennen konnte. Wahrscheinlich war dies auch der Grund, warum ich das Buch dann eine ganze Weile vor mir her schob. Doch diese Woche las ich endlich weiter und kam in den Sog der Geschichte, die mich nicht mehr loslassen wollte.

Wie oft glaubt man doch, dass Blut dicker ist, als Wasser, dass die Familie zusammenhalten muss und dass man in Notsituationen aufeinander bauen können muss, egal wie nahe man sich wirklich steht. Man denkt, man kann die anderen Menschen beeinflussen und nach den eigenen Vorstellungen formen. Meist erreicht man jedoch das absolute Gegenteil: Rebellion und Revolution. Und genauso geschieht es auch in Cynthia Ozicks Roman.

Wir befinden uns im Jahre 1952 und treffen dort auf Beatrice „Bea“ Nightingale, die relativ frisch geschieden als Lehrerin arbeitet. Sie versucht ihren Schülern die großen Klassiker beizubringen – sie zu kultivieren – während sie zu Hause wie in einem Käfig lebt, eingesperrt vom Flügel ihres Ex-Mannes, der ihr Appartement mehr als dominiert und ihr die Luft zum Atmen nimmt. Eines Tages im Sommer erhält sie einen Brief von ihrem Bruder Marvin, der sie darin bittet, seinen verlorenen Sohn Julian aus Paris zurück zu ihm nach Kalifornien zu bringen. Dieser wollte nur ein Jahr im Ausland bleiben und ist nun mittlerweile das dritte Jahr in der Seine-Metropole und schlägt sich mehr schlecht als recht als Kellner durch. Für seinen Vater, den erfolgreichen Unternehmer, ist er damit das schwarze Schaf der Familie. Zum Glück gibt es noch Schwester Iris, die Studentin voller Ehrgeiz und der ganze Stolz des Vaters.

Bea lässt sich darauf ein, nach Paris zu reisen, obwohl sie ihrem Bruder nicht wirklich nahe steht und macht sich auf die Suche nach Julian. Sie trifft ihn jedoch nicht an, erfährt aber, dass er eine Freundin haben muss. Nach ihrer Rückkehrt informiert sie Marvin über ihre Erkenntnisse, der darüber sehr entsetzt ist. Nachdem dieser erste Versuch gescheitert ist, zwingt Marvin Bea erneut, nach Paris zu reisen – diesmal mit der Unterstützung von Iris:

„Bea,
erzähl mir nichts von Deinem sogenannten Job, sie werden Dich nicht vermissen. Du tust das, was Du tust und DU bist, wer Du bist, weil Du nie den Drang hattest, etwas anderes zu sein. Iris ist dabei zu promovieren, das habe ich Dir doch bereits erzählt, dieses schwierige Zeug, das echte Ding – sie ist ehrgeizig, sie ist auf dem richtigen Weg, sie bleibt bei dem, was sie angefangen hat. Dich will ich dort haben, ich habe Dir schon erklärt, warum. Du kannst Dir freinehmen – besorg Dir eine Stellvertreterin von der Lehrergewerkschaft oder was auch immer. Wie ich schon sagte, ich lass Dich wissen, wo Julian ist, sobald wir etwas hören. In der Zwischenzeit wird Iris Dich ins Bild setzen. 
Marvin
(S. 24)

Marvin, wie er leibt und lebt. Der Patriarch, der denkt, dass er alles erreicht. Und fast scheint es, als habe er Erfolg, denn Bea macht sich erneut auf den Weg nach Paris, um Julian zu finden. Doch sie ist nicht allein. Iris reist zu Bea, bleibt offiziell eine Woche, reist aber unterdessen selbst nach Paris, um den Bruder zu finden. Dies war keine spontane Idee, sondern von langer Hand geplant, sodass Bea letztendlich nur als Sprungbrett benutzt wurde. An sich auf den ersten Blick nicht schlecht, bleibt ihr so ja eine weitere Reise erspart. Doch die „Freude“ war nur von kurzer Dauer, da Iris nun – endlich der harten Hand des Vaters entkommen – auch beschlossen hatte, in Paris zu bleiben. Bea hatte keine Wahl, sie musste noch einmal nach Paris, wo sie auf Julian und seine nicht Freundin sondern Ehefrau traf, die noch dazu ein schweres Schicksal zu bewältigen hat. Kann Bea das Unmögliche bewältigen und die Kinder wieder zu einem Vater, der dominant, tyrannisch und bestimmend ist? Zu einem Vater, der kein Verständnis für Kunst und Freidenker hat und der seine eigene Frau dazu brachte, vor ihm zu fliehen, in dem sie sich in ein Sanatorium einliefern ließ, obwohl sie vollkommen klar war?

„“So wie Marvin es sieht, ist seine Frau weggelaufen, ist sein Sohn weggelaufen, die Einzige, die nicht weggelaufen ist, ist seine Tochter. Was glaubst du, warum sonst bin ich hier? Was glaubst du, wie ich überhaupt hierhergekommen, wie ich hier gelandet bin? Und wo sonst in der Welt könnte ich hingehen?“ Ihre Augen waren weit geöffnet, die unteren Lider gerändert von schmalen blutroten Halbmonden. “ Ich – kann – nicht – mit meinem Mann leben.““
(Margret im Gespräch mit Bea, S. 133)

„Miss Nightingale in Paris“ hat alle meine Erwartungen weit übertroffen. Verschiedene Konflikte werden aufgegriffen und beleuchtet. Da hat man zunächst den Bezug zum amerikanischen Originaltitel „Foreign Bodies“ – „Fremdkörper“. Wer ist der Fremdkörper? Diese Frage zieht sich wie ein roter Faden durch den gesamten Roman. Ist es Marvin, der versucht, die ganze Familie zu dominieren und sie nach seinen Vorstellungen zu formen?

Ist es Bea, die – ohne Nichte und Neffe wirklich zu kennen –  wie eine Art Spionin nach Paris gesandt wird, um die verlorenen Kinder zurück zu holen? Oder ist es Julian, der als künstlerischer Freigeist aus dem goldenen Käfig des väterlichen Haushalts ausgebrochen ist? Davon sollte sich jeder Leser ein eigenes Bild machen, denn die Charaktere sind so feinfühlig geschliffen und lebendig gezeichnet, dass man auf jeder einzelnen Seite Verletzlichkeit, Wut, Liebe, Hass, Ungewissheit fast körperlich spüren kann.

„Es ist schon ziemlich lange her, seit ich hier angekommen bin – genau dort, wo Du mich haben wolltest – , also schulde ich Dir wohl ein paar Neuigkeiten. Die Neuigkeiten sind nicht gut. Ich habe nichts erreicht, und es hat sich herausgestellt, dass tatsächlich eine Freundin mit im Spiel ist, die zufällig keine Französin ist…“
(Bea an Marvin, S. 99)

Als weiteres Motiv hat man das unweigerliche Aufeinandertreffen zweier Welten: Die „Neue Welt Amerika“ gegen die „Alte Welt Europa mit Paris in der Stellvertreterrolle. Ein Konflikt, der fest zur Zeit der Fünfziger Jahre gehört und der im Roman deutlich herausgearbeitet wurde.

Jeder Charakter war geprägt von einer Rastlosigkeit, von einer Art Heimatlosigkeit, Für jede einzelne Person bedeutete der Roman den persönlichen Weg zur Selbstfindung, zur Befreiung, zum Kampf gegen die alten Gespenster, zum Widerstand oder zum Versagen, zur Kraftlosigkeit. Jeder versuchte seinen Platz zu finden und stetig fiel die Familie auseinander. Oft fühlte ich mich beim Lesen an die „Buddenbrooks erinnert, sah, wie die Familie sich teilweise selbst zerstörte in ihrem Drang nach Freiheit. Ich litt mit den Protagonisten, spüre ihre Zerrissenheit noch jetzt, als das Buch ausgelesen ist. Dabei ist mir besonders Bea ans Herz gewachsen. Sie, die frisch geschieden gegen die Erinnerungen kämpfte, die ihr eigenes Leben neu organisieren musste/sollte, anstatt sich von Marvin als Botin, als rettender Engel missbrauchen zu lassen. Bea, die so viel Ablehnung erfuhr und am Ende doch erhobenen Hauptes aus sich herausgewachsen ist. Iris erkannte an einer Stelle richtig:

„Ehrlich gesagt, habe ich es erst vor einer Weile gemerkt, aber ich glaube, Du bist wahnsinnig tapfer!“
(S. 299)

Dieser Satz hallt noch laut in mir nach, obwohl das Buch ausgelesen vor mir liegt und ich denke, es wird noch lange in mir arbeiten. Es zieht einen hinab in einen Strudel familiärer Abgründe, der Suche nach Freiheit und nach sich selbst und der Frage nach Zugehörigkeit und Entwurzelung. Ozick erzählt diese Geschichte, eine Hommage an Henry James berühmten Roman „Die Gesandten“, mit leisen aber eindringlichen Tönen, die den Leser wie eine Melodie tragen. Von leisem piano steigert es sich stellenweise in lauten crescendi, um wieder leiser zu werden. Von mir eine klare Leseempfehlung für die Freunde tiefgründiger, wundervoller Literatur mit Nachhall. „Miss Nightingale in Paris“ ist ein großes literarisches Werk, dem ich wünsche, dass es noch viele Leser begeistern wird und dass es auch seine Autorin in Deutschland bekannter werden lässt.

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Internationale Literatur
Hardcover, gebunden mit Schutzumschlag
368 Seiten
Originaltitel: Foreign Bodies
Aus dem Englischen übersetzt von Anna Leube, Dietrich Leube.
ISBN-13 9783862200399
erschienen bei den Ullstein Buchverlagen.

Dieses Buch ist Teil meines Projekts „Paris lesen und staunen“

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achtung buch: how to be parisian wherever you are von anne berest

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Immer wieder stellt man sich die Frage, was das Besondere an den Französinnen ist. Stil, Charme und absolute Lässigkeit kennzeichnen diese wunderbaren Frauen, die immer perfekt aussehen – egal zu welcher Zeit und welcher Angelegenheit, selbst wenn sie nur außer Haus gehen, um ein Baguette zu kaufen und sich dabei scheinbar nicht einmal großartig Mühe zu geben scheinen. Liebevolle Mutter und zugleich eine Frau von Welt – so etwas gibt es nur in Frankreich. Strikt diszipliniert ist sie auf der einen Seite, um auf der anderen ohne Scheu jedes Abenteuer einzugehen und die selbst auferlegten Regeln zu brechen. In How to be Parisian wherever you are zeigen vier typische Französinnen und Stilikonen mit viel Humor und dem einen oder anderen Augenzwinkern, wie jede Frau zur perfekten Französin werden kann, wenn sie nur ein paar Dinge beachtet.

Fünf Hauptthemen erwarten den Leser: Die Grundlagen, Liebe deine Laster, Steh zu deinen Vorzügen, Liebe wagen und Pariser Tipps. Hat man sich durch dieses Programm gearbeitet, hat man also alles auf den Punkt gebracht, was eine waschechte Französin ausmacht. Schon die Gestaltung dieses Buches hat mich kleine Luftsprünge machen lassen. Außen im schlichten – typisch französischem – Chic, innen vollgepackt mit Illustrationen und großflächigen Fotos, die das Durchblättern zu einer großen Freude machen. Man entdeckt immer wieder Neues und nimmt das Buch gern oft zur Hand, schon um sich an der tollen Aufmachung zu erfreuen.

Und auch der Inhalt lässt nichts zu wünschen übrig. Wer Stilberatung à la Vogue erwartet, ist hier allerdings fehl am Platz. Wichtige To-Do-Lists

„Finde dein Parfum, bevor du dreißig bist und trage es die nächsten dreißig Jahre * Such dir etwas aus, was jeder mag – die Oper, Kätzchen, Erdbeeren -, und verabscheue es * Sei allzeit bereit: ob sonntagmorgens beim Bäcker, beim Kippenkaufen mitten in der Nacht oder wenn du die Kinder von der Schule abholst – man kann nie wissen.“
S. 17

Tipps für die eigene Pflege und andere interessante Informationen stehen in direktem Gegensatz dazu und machen das Buch zu einem vielseitigem Leseerlebnis. Die typische „Klischeepariserin“ wird wunderbar auf die Schippe genommen und von den vier Autorinnen wundervoll mit viel Selbstironie und Schmunzeleien präsentiert. Jedes erdachte oder wahre Klischee wird im Buch bedient und ich habe mich beim Lesen nicht nur einmal köstlich amüsiert. Untermalt wird dies durch die schon angedeuteten Unterkapitel, in denen sich Texte mit Listen und vielen tollen Bildern abwechseln. Das macht die Lektüre so frisch wie die Sprache des Buchs selbst. Man taucht tief ein in die französische Lebensart und lässt sich dabei auf sehr kurzweilige Art und Weise unterhalten.

Für mich war das Buch eine wirkliche Bereicherung, da ich Paris und Frankreich sehr liebe. Wer tiefgründige Inhalte erwartet, ist hier jedoch an der falschen Adresse, aber es wird jeden Leser begeistern können, der sich stilvoll unterhalten lassen und dabei herzlich schmunzeln mag. Ein perfektes Buch für den perfekten und entspannten Abend bei einem schönen Glas Wein.

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Hier findet ihr noch ein interessantes Interview mit einer der Autorinnen – Caroline de Maigret KLICK

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Originaltitel: How To Be Parisian
Originalverlag: Doubleday
Aus dem Französischen von Carolin Müller

DEUTSCHE ERSTAUSGABE

Gebundenes Buch, Pappband mit Schutzumschlag,272 Seiten, 15,0 x 21,0 cm, 100 farbige Abbildungen,4 s/w Abbildungen
ISBN: 978-3-442-75620-9
Verlag: btb

Mit Karla Paul durch Paris – ein halbliterarischer Reisebericht

Letzte Woche war es wieder soweit: Karla Paul – in Insiderkreisen liebevoll „die Literaturpäpstin“ genannt – hat im ARD neue Buchtipps vorgestellt.

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Doch diesmal war etwas anders: Vorab bekamen Blogger die Möglichkeit, über die Werke zu schreiben oder sie vorzustellen. Tolle Sache, dachte ich, da bist du gern dabei. Aber wie es so ist, kommt im Leben alles anders als man denkt, denn ich war in Paris!

Paris, die schöne Zauberstadt,
die dem Jüngling so hold-selig lächelt,
den Mann so gewaltig begeistert,
und den Greis so sanft tröstet.
Heinrich Heine

Gut, man kann nicht alles haben und wer mich kennt, weiß, dass Paris zu mir gehört wie Schnee zum Winter, die Sterne zur Nacht, die Sonne zum Sommer und der Zimt zum Kaffee *lach*. Aber dann kam die Nachricht von Karla mit den Buchtipps und das Schicksal meinte es wirklich gut mit mir, denn ihr Thema war – tadaaaaa – FRANKREICH!!!

Also haben wir kurzerhand vereinbart, dass ich mir die Vorschläge in meinen Koffer packe und mal schaue, was mir in Paris so davon begegnen wird. Ich kann jetzt schon sagen: kein einziges Buch *lach*, da ich als Betreuerin einer Jugendreise unterwegs war und mit 4 anderen Betreuern 67 Kids durch die Stadt der Liebe geführt und dort betreut habe. Das heißt aber nicht, dass die Reise unliterarisch war, denn so manches Erlebnis lässt sich sehr gut mit dem einen oder anderen Buch in Verbindung bringen. Freut euch also hier an dieser Stelle auf einen Reisebericht der anderen Art, der an mancher Stelle mit einem kleinen Augenzwinkern genossen werden sollte.

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Nachdem wir am Montag nach etwa 14 Stunden Busfahrt unser Hotel erreicht hatten, war natürlich nicht mehr viel Zeit zum genießen der Stadt der Liebe. Die Kids musste auf ihre Zimmer und auch wir Betreuer waren froh, dass alles gut über die Bühne gebracht wurde. Allerdings warf ein großes Ereignis seine Schatten voraus, denn der Dienstag war der 14. Juli, also der Nationalfeiertag der Franzosen. Zum einen erinnert dieser Tag an den Sturm der Bastille, der am 14. Juli 1789 erfolgte und zum anderen an die Fête de la Féderation, bei der die Abgeordneten aller Departements und Abertausende Franzosen zusammenkamen, um sich feierlich zu versöhnen. So konnten wir von so ziemlich allen Fenstern aus schon große Feuerwerke in allen Ecken der Stadt bewundern, bevor wir letztendlich todmüde gegen 2.30 Uhr ins Bett fielen (ohne auch nur noch eine Seite gelesen zu haben).

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7.55 Uhr hieß es dann Frühstück und los in die Stadt, denn für unsere Truppe stand eine Stadtrundfahrt auf dem Programm. Leute, doofe Idee zum Nationalfeiertag, ganz doofe Idee. Denn morgens findet zwischen 10 und 12 Uhr eine große Militärparade statt, bei der der Präsident empfangen wird und die Fliegerstaffeln zeigen was sie können. Wir waren zunächst noch guter Hoffnung und sammelten unseren netten Reiseführer ein (dessen Name mir leider entfallen ist). Er war wahnsinnig toll, Schauspieler, der vor einigen Jahrzehnten von Deutschland nach Paris ging und dort mit Größen wie Lotte Lenya noch auf der Bühne stehen durfte und so schön über Woody Allen sprach – Ich habe mein Herz an ihn verloren *lach*. Allerdings hatte er trotz seines Charmes keine Chance, die schwer bewaffneten Sicherheitskräfte dazu zu bewegen, uns doch zu den Sehenswürdigkeiten zu lassen. Eiffelturm gesperrt, Louvre gesperrt, Arc de Triomphe gesperrt, Place de la Concorde gesperrt…. nun ja, so viel zur Stadtrundfahrt. Macht aber nix, das für die Kids interessante Montmartre-Viertel, speziell die Straßen rund ums Moulin Rouge *grins* standen uns ja frei. Und dort hin verschlug es uns dann auch, um die Freizeit des Tages zu genießen…

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Aber an dieser Stelle, passend zu dem geschichtsträchtigen Datum soll zunächst der erste Buchtipp Karlas einfließen:

Anthony Doerr: Alles Licht, das wir nicht sehen

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Saint-Malo 1944: Marie-Laure, ein junges, blindes Mädchen, ist mit ihrem Vater, der am „Muséum National d’Histoire Naturelle“ arbeitet, aus dem besetzten Paris zu ihrem kauzigen Onkel in die Stadt am Meer geflohen. Einst hatte er ihr ein Modell der Pariser Nachbarschaft gebastelt, damit sie sich besser zurechtfinden kann. Nun ist in einem Modell Saint-Malos, der vielleicht kostbarste Schatz aus dem Museum versteckt, den auch die Nazis jagen.

Werner Hausner, ein schmächtiger Waisenjunge aus dem Ruhrgebiet, wird wegen seiner technischen Begabung gefördert, auf eine Napola geschickt und dann in eine Wehrmachtseinheit gesteckt, die mit Peilgeräten Feindsender aufspürt, über die sich der Widerstand organisiert. Während Marie-Laures Vater von den Deutschen verschleppt und verhört wird, dringt Werners Einheit nach Saint-Malo vor, auf der Suche nach dem Sender, über den Etienne, Marie-Laures Onkel, die Résistance mit Daten versorgt & Kunstvoll und spannend, mit einer wunderschönen Sprache und einem detaillierten Wissen um die Kriegsereignisse, den Einsatz des Radios, Widerstandscodes, Jules Verne und vieles andere erzählt Anthony Doerr mit einer Reihe unvergesslicher Figuren eine Geschichte aus dem zweiten Weltkrieg, und vor allem die Geschichte von Marie-Laure und Werner, zwei Jugendlichen, deren Lebenswege sich für einen folgenreichen Augenblick kreuzen.

Nachdem wir also kurz zu Fuß den Glöckner von Notre Dame besucht und den Wasserspeiern gewunken haben, ging es nach einem Mittagessen, das günstig aber eher hmm naja war,  in rasantem Tempo mit der Metro nach Montmartre und zu Fuß ganz hoch zur Sacre Coeur, da der zweite Erlebnispunkt Eiffelturm auch ins Wasser gefallen ist.

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Warum? Richtig… Vollsperrung wegen des Nationalfeiertags. Aber Montmartre konnten die Kids auch wirklich ausgiebig genießen, während wir Betreuer kurz zum verschnaufen kamen. Und den schöneren Ausblick über die Stadt gibt es ja sowieso nur von der Sacre Coeur aus *lach*. Abends haben wir uns alle etwas besonderes gegönnt – nach dem *hüstel* Mittagessen und waren klassisch französisch in einem Restaurant unterwegs mit Schnecken, Froschschenkeln und Muscheln. Also meines Erachtens nach sind Froschschenkel ja total überbewertet, aber chaqu’un à son goût.

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Beim Thema Essen wären wir auch schon beim zweiten Buchtipp der lieben Karla:

Martin Walker: Brunos Kochbuch

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Endlich: Essen wie Bruno im Périgord! Das Kochbuch zu den kulinarischen Krimis von Martin Walker. Statt nur delikater Kriminalfälle für Bruno gibt es endlich auch die delikaten Rezepte mit marktfrischen Zutaten von >Bruno, Chef de police<, zusammengestellt von Martin Walker und optisch stimmungsvoll in Szene gesetzt durch den Foodfotografen Klaus-Maria Einwanger! Trüffeln, Pâté, Käse, guter Wein und schöne, geschichtsträchtige Landschaft: Der Hobbykoch aus dem Périgord spricht alle Sinne an. Ein Gaumenschmaus und kulinarischer Reiseführer! Und eine große Liebeserklärung an das Périgord!

Hätten wir uns nur an Bruno gehalten, dann wären wir mittags sicher nicht so eingestiegen *lach*. Macht aber nix, satt geworden sind wir trotzdem und bei einer Reise mit so vielen Kiddies müssen die eigenen Bedürfnisse und Wünsche eben manchmal zurückstecken.

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Das zeigte sich auch am nächsten Tag, als ich wieder bei meiner eigenen Bustruppe war und die Stadtrundfahrt noch einmal erleben durfte. Davor ging es allerdings erst noch in die wundervollen Gärten nach Versailles. Dort könnte man wirklich Tage verbringen, einfach mit schauen und schlendern!

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Im Anschluss gab es dann die Stadtrundfahrt diesmal mit Hannelore (für mich war sie eher eine Claire, also genau das, was man sich unter der ultimativen „Klischeefranzösin“ vorstellt). Was ich damit meine?? Hmm am besten lest ihr das Buch (nein, der Tipp ist nicht von Karla, sondern von mir *grins*)…

Anne Berest (u.a.):How to be Parisian wherever you are

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Millionen Frauen überall auf der Welt wollen so sein wie sie: die Pariserin. Denn nur sie schafft es, mit Stil, Charme und beneidenswerter Lässigkeit durchs Leben zu gehen. Sie sieht immer gut aus – obwohl sie sich keine Gedanken darüber macht, was sie morgens aus dem Kleiderschrank zieht. Sie ist eine liebevolle Mutter – und fährt trotzdem auch ohne Anhang an die Côte d‘Azur. Sie stellt toujours strikte Regeln auf – nur um jede einzelne von ihnen mit Genuss zu brechen …

In How to be Parisian enthüllen vier Pariser Lifestyle-Ikonen mit viel Selbstironie und Witz den Mythos der Pariser Frau: ihre Allüren, ihre Nonchalance, ihren Style, wie sie liebt und wie sie ihre Tage und Nächte verbringt. Ihre wichtigste Lektion: Um eine echte Pariserin zu sein, kommt es nicht auf die Herkunft an – sondern allein auf die Einstellung!

… und ihr werdet verstehen, was ich meine. Mondän trat sie auf und führte uns durch die Stadt, in die sie vor etlichen Jahren gezogen ist. Sie punktete wirklich mit wahnsinnig viel interessantem Wissen über die Stadt und ihre Geschichte, die sie auch mit ausreichend Anekdoten und Geschichten ausschmückte, die den Kids jedoch nicht wirklich Jubelschreie entrissen. Denn mit 14 interessiert man sich noch nicht im großen Rahmen dafür, in welchem Haus die großen Modedesigner arbeiten, wo man sich die Miete sowieso nicht leisten kann, was dieses Jahr die Trends sind, die die Laufstege dominieren etc. Knapp 3 Stunden dauerte die Fahrt – man muss Hannelore trotzdem ein großes Lob aussprechen, sie hat ihre Sache toll gemacht und es ist, denke ich, auch nicht einfach, den Kindern die Geschichte einer Stadt über so einen langen Zeitraum hinweg nahezubringen. Kurz vor einem meiner Wunschziele, der tollen Buchhandlung „Shakespeare and Company“ verließ ich die Stadtrundfahrt, um Tickets für den Louvre zu besorgen und es blieb leider keine Zeit, um die Nase kurz ins Schaufenster zu stecken. Also wird das Buch einziehen dürfen, das übrigens der nächste Tipp von Karla ist:

Sylvia Beach: Shakespeare and Company

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Sylvia Beachs amerikanische Buchhandlung in Paris war für ein Vierteljahrhundert literarischer Mittelpunkt der Stadt. Gertrude Stein gehörte ebenso zu ihren Besucherinnen wie Ezra Pound, Ernest Hemingway und James Joyce. In ihren Erinnerungen entfaltet die inspirierte und inspirierende Buchhändlerin eine anschauliche Kulturgeschichte zwischen den beiden Weltkriegen.

Nachdem ich endlich – und ich habe mich wirklich gefühlt, wie in „Asterix erobert Rom“ in der Szene im Irrenhaus auf der Suche nach Formular A38 – unsere Gruppentickets hatte, habe ich ausgiebig die Sonne in den Tuilerien genossen, bevor der Rest meiner Gruppe wieder ankam und wir der Mona Lisa einen Besuch abstatten wollten.

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War aber leider nichts, denn im Louvre war’s zu warm, was einen unvermeidlichen Einlassstopp mit sich zog. Schade, sehr schade, da wirklich die Hälfte unseres Busses ein Foto mit der lieben Mona Lisa haben wollte. Hätte ich die Möglichkeit nur genutzt, mir das Ganze schon einmal anzuschauen, als die anderen noch bei der Staru waren 🙂 naja… die nächste Chance kommt bestimmt *lach*.  Damit endete auch der letzte Abend in der Stadt der Liebe, bevor es am nächsten Tag vor der Heimreise als krönender Abschluss noch ins Disneyland gehen sollte.

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Knappe 40 Grad und dennoch viel Freude läuteten den Abschiedstag ein. Zimmer wurden abgenommen, Gepäck in den Bus gebracht und los ging es. In Disneyland selbst durften die Kids ihre Freizeit genießen und ohne uns Betreuer los. Umgekehrt waren wir auch froh über etwas Ruhe und schlenderten entspannt herum oder saßen am Treffpunkt bei Eis und kühlen Getränken. In diesem Zusammenhang soll auch Karlas letzter Buchtipp stehen, zu dem mir im Zusammenhang mit meiner Reise leider keine andere Assoziation einfällt als Eis *lach*

Alain Monnier: Die wunderbare Welt des Kühlschranks in Zeiten mangelnder Liebe

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Es sind ja immer die simplen Dinge im Leben, die Großes verändern. Da bestellt eine entzückende, etwas unterkühlte Französin in Toulouse einen neuen Kühlschrank – und der ist defekt. So weit, so normal. Aber dann: Marie – das ist die Schöne – ruft die Hotline der Firma an, die ihr das Haushaltsgerät verkauft hat, und was passiert? Nach und nach treffen 17 Kühlschränke in Maries Wohnung ein, während in Indonesien ein neues Thermostat auf seinen Transport ins ferne Frankreich wartet. Halb Europa ist unterwegs, um ihr zu helfen, und das bleibt natürlich nicht unbeobachtet: Das Fernsehen kommt, sogar die BILD aus Deutschland berichtet. Wie gut, dass Marie einen verlässlichen Freund an ihrer Seite hat. Er ist Schriftsteller und erzählt diese Geschichte so herzerwärmend komisch, dass mangels Kühlung nicht nur in Toulouse die Temperaturen steigen.

Und auch im Disneyland stiegen die Temperaturen stetig, aber die Kids haben es zum Großteil gut überstanden und genug getrunken und gegessen, sodass wir gegen 19.00 Uhr langsam zu den Bussen starten konnten und mit ein wenig Wehmut den Heimweg antraten.

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Nach einer angenehmen Nachtfahrt mit wenig Schlaf erreichten wir die Heimat Freitag morgens gegen 7.30 Uhr und konnten die Kids alle gesund an ihre Eltern übergeben. 

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Für mich war es die erste Reise als Betreuerin für TweenyTOURS und ich bin so begeistert. Toll organisiert, super Reiseleiter und größtenteils echt liebe Kids. Freue mich schon tierisch auf die nächste Reise und sage an dieser Stelle richtig dolle DANKE an alle, die dabei waren (auch wenn ich bezweifle, dass es einer von ihnen lesen wird). Und der zweite Dank gehört Karla für die tollen Buchtipps 🙂 hoffentlich gibt es bald mehr 😀

Mehr von Karla findet ihr auf Facebook, Twitter oder auf: Buchkolumne 

achtung hörbuch: after love von anna todd

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Nun ist schon der dritte Teil der After-Reihe gelesen und verschlungen worden und ich muss gleich vorab sagen: Ich bin wieder an Bord. Nachdem der zweite Teil für mich mehr als zäh war und eigentlich nicht wirklich Handlung und Entwicklung der Protagonisten aufweisen konnte, tat sich im dritten Teil sehr viel in der richtigen Richtung!

 After truth endete mit dem großen Knall, nämlich als Tessa ihrem Vater gegenüber stand und Band 3 setzt genau an dieser Stelle an. Als offensichtlicher Alkoholiker mit diversen Problemen sucht er den Kontakt zu seiner Tochter, wovon Hardin natürlich alles andere als begeistert ist. Noch dazu tritt er gerade dann in Tessas Leben, als diese ihre Zukunft in Seattle geplant hat und dort große Perspektiven für ihre berufliche Entwicklung sieht. Auch ein Aspekt, der Hardin alles andere als glücklich stimmt, da er selbst niemals nach Seattle gehen will und Tessa damit ziemlich unter Druck setzt.

Man fühlt sich zunächst also doch in dem Gefühl gefangen: „Oh nein, der ewige Zoff aus Band 2, der zu nichts führt, geht so weiter. Und das auf diesmal knapp 1000 Seiten!“ Doch schnell wurde klar, dass das zum Glück nicht so ist, und Anna Todd zu ihrer Geschichte zurückgefunden hat. Beide Protagonisten entwickeln sich weiter, arbeiten an sich und an ihrer gemeinsamen Zukunft. Es gibt Streitereien, ja, aber nicht das ewige Hin-Her-Sex-Versöhnung-Streit. Unstimmigkeiten definitiv, aber auch ein großes Aufeinanderzugehen und viele Versuche, Kompromisse zu schließen. Hardin wächst an vielen Stellen über sich hinaus und auch Tessa lernt, sich für ihre Ziele einzusetzen und vor allem auch, diese durchzusetzen.

Ab etwa dem ersten Drittel mag man das Buch kaum noch aus den Händen legen, denn es entwickelt sich so ein rasantes Tempo und die Ereignisse beginnen sich zu überschlagen, sodass man atemlos da sitzt und Seite für Seite in sich aufsaugt. Nicht nur einmal dachte ich: „Das kann doch jetzt nicht wahr sein!“. Familiäre Geheimnisse, Abgründe und dunkle Vergangenheiten tun sich auf, unerwartete Entwicklungen, schockierende Ereignisse, die die Handlung prägen, aber nicht überfüllen. Man bangt, fiebert, ist entsetzt, freut sich aber auch, ist stolz und genießt. Ein wahres Wechselbad der Gefühle erwartet den Leser.

Bad Boy Hardin ist und bleibt der Bad Boy, zeigt aber große Bemühungen, nicht nehr nur an sich, sondern auch an seine Geliebte zu denken und auf ihre Wünsche und Bedürfnisse einzugehen. Und dabei hat er es wirklich nicht leicht: Seine Vergangenheit holt ihn nicht nur einmal ein, sondern versetzt ihn einen Schlag nach dem anderen. Dennoch lässt er sich nicht fallen, sondern versucht noch Tessas Vater zu helfen, um ihr diese Last zu ersparen und eine „gemeinsame“ Zukunft möglich zu machen.

Und auch Tessa geht es nicht anders: Könnte sie zwar ihren Traum von Seattle letztendlich wahr machen und sich gegen Hardin durchsetzen – ja, Tessa wird reifer und  erwachsener und lernt, für Ihre Ziele zu kämpfen und diese durchzusetzen – wird aber dennoch vor schwere Proben gestellt. Wem kann sie vertrauen und wer hat sie nur benutzt? Unverhoffte Machtverschiebungen lassen den Mund offen stehen und atemlos muss man zusehen, wie großer Verrät auf schlimmster Ebene fast nicht verhindert werden kann. Zum Glück gibt es jedoch Freunde und sogar Feinde, die manchmal Gewissen zeigen können und so eine große Katastrophe zu verhindern wissen.

Ein toller dritter Band mit einem heftigen Showdown am Ende, der dafür sorgt, dass man Band 4 wirklich herbeisehnt, lässt diesmal eigentlich nichts zu wünschen übrig. Tolle Story, Entwicklungen der Protagonisten, Spannung, wohl dosierte und nicht so überspannte Erotik, eine lockere Sprache … Was will man mehr von einer solchen unterhaltsamen Sommerlektüre?

Nur der Klappentext hat mich persönlich gestört, nachdem ich das Buch gelesen habe:

„Zudem schlägt Hardin immer noch um sich anstatt Tessa zu vertrauen, und der Kreislauf aus Eifersucht, Zorn und Verschmelzung wird immer zerstörerischer!

Das stimmt so einfach nicht. Wie ich schon schrieb, geht Tessa ihren Weg und Hardin versucht ihr nach bestem Wissen und Gewissen – wenn auch nicht gleich – diesen doch zu ermöglichen und ihr beizustehen. Aber lest selbst und bildet euch eine eigene Meinung. Mich hat Anna Todd mit diesem dritten Band restlos überzeugen können und ich kann allen, die eventuell nach Teil 2 Zweifel haben, guten Gewissens sagen, dass es eine tolle Fortsetzung mit viel und stimmiger Handlung ist.

Auch die Sprecher Nicole Engeln und Martin Bross konnten mich überzeugen und haben den Protagonisten auf eine tolle Weise Leben eingehaucht. Gerade die Wahl zweier Sprecher für die Tessa und Hardin Kapitel macht das Hören zu einem sehr plastischen und realistischen Erlebnis. Ganz toll!

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Ungekürzte Lesung

Originaltitel: After 3 (Simon & Schuster, Gallery)
Originalverlag: Heyne TB – Hörbuch: Random House Audio
Aus dem Amerikanischen von Corinna Vierkant-Enßlin, Julia Walther

3 MP3-CDs, Laufzeit: ca. 1689 Minuten
ISBN: 978-3-8371-3084-3

achtung buch: after love von anna todd

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Nun ist schon der dritte Teil der After-Reihe gelesen und verschlungen worden und ich muss gleich vorab sagen: Ich bin wieder an Bord. Nachdem der zweite Teil für mich mehr als zäh war und eigentlich nicht wirklich Handlung und Entwicklung der Protagonisten aufweisen konnte, tat sich im dritten Teil sehr viel in der richtigen Richtung!

 After truth endete mit dem großen Knall, nämlich als Tessa ihrem Vater gegenüber stand und Band 3 setzt genau an dieser Stelle an. Als offensichtlicher Alkoholiker mit diversen Problemen sucht er den Kontakt zu seiner Tochter, wovon Hardin natürlich alles andere als begeistert ist. Noch dazu tritt er gerade dann in Tessas Leben, als diese ihre Zukunft in Seattle geplant hat und dort große Perspektiven für ihre berufliche Entwicklung sieht. Auch ein Aspekt, der Hardin alles andere als glücklich stimmt, da er selbst niemals nach Seattle gehen will und Tessa damit ziemlich unter Druck setzt.

Man fühlt sich zunächst also doch in dem Gefühl gefangen: „Oh nein, der ewige Zoff aus Band 2, der zu nichts führt, geht so weiter. Und das auf diesmal knapp 1000 Seiten!“ Doch schnell wurde klar, dass das zum Glück nicht so ist, und Anna Todd zu ihrer Geschichte zurückgefunden hat. Beide Protagonisten entwickeln sich weiter, arbeiten an sich und an ihrer gemeinsamen Zukunft. Es gibt Streitereien, ja, aber nicht das ewige Hin-Her-Sex-Versöhnung-Streit. Unstimmigkeiten definitiv, aber auch ein großes Aufeinanderzugehen und viele Versuche, Kompromisse zu schließen. Hardin wächst an vielen Stellen über sich hinaus und auch Tessa lernt, sich für ihre Ziele einzusetzen und vor allem auch, diese durchzusetzen.

Ab etwa dem ersten Drittel mag man das Buch kaum noch aus den Händen legen, denn es entwickelt sich so ein rasantes Tempo und die Ereignisse beginnen sich zu überschlagen, sodass man atemlos da sitzt und Seite für Seite in sich aufsaugt. Nicht nur einmal dachte ich: „Das kann doch jetzt nicht wahr sein!“. Familiäre Geheimnisse, Abgründe und dunkle Vergangenheiten tun sich auf, unerwartete Entwicklungen, schockierende Ereignisse, die die Handlung prägen, aber nicht überfüllen. Man bangt, fiebert, ist entsetzt, freut sich aber auch, ist stolz und genießt. Ein wahres Wechselbad der Gefühle erwartet den Leser.

Bad Boy Hardin ist und bleibt der Bad Boy, zeigt aber große Bemühungen, nicht nehr nur an sich, sondern auch an seine Geliebte zu denken und auf ihre Wünsche und Bedürfnisse einzugehen. Und dabei hat er es wirklich nicht leicht: Seine Vergangenheit holt ihn nicht nur einmal ein, sondern versetzt ihn einen Schlag nach dem anderen. Dennoch lässt er sich nicht fallen, sondern versucht noch Tessas Vater zu helfen, um ihr diese Last zu ersparen und eine „gemeinsame“ Zukunft möglich zu machen.

Und auch Tessa geht es nicht anders: Könnte sie zwar ihren Traum von Seattle letztendlich wahr machen und sich gegen Hardin durchsetzen – ja, Tessa wird reifer und  erwachsener und lernt, für Ihre Ziele zu kämpfen und diese durchzusetzen – wird aber dennoch vor schwere Proben gestellt. Wem kann sie vertrauen und wer hat sie nur benutzt? Unverhoffte Machtverschiebungen lassen den Mund offen stehen und atemlos muss man zusehen, wie großer Verrät auf schlimmster Ebene fast nicht verhindert werden kann. Zum Glück gibt es jedoch Freunde und sogar Feinde, die manchmal Gewissen zeigen können und so eine große Katastrophe zu verhindern wissen.

Ein toller dritter Band mit einem heftigen Showdown am Ende, der dafür sorgt, dass man Band 4 wirklich herbeisehnt, lässt diesmal eigentlich nichts zu wünschen übrig. Tolle Story, Entwicklungen der Protagonisten, Spannung, wohl dosierte und nicht so überspannte Erotik, eine lockere Sprache … Was will man mehr von einer solchen unterhaltsamen Sommerlektüre?

Nur der Klappentext hat mich persönlich gestört, nachdem ich das Buch gelesen habe:

„Zudem schlägt Hardin immer noch um sich anstatt Tessa zu vertrauen, und der Kreislauf aus Eifersucht, Zorn und Verschmelzung wird immer zerstörerischer!

Das stimmt so einfach nicht. Wie ich schon schrieb, geht Tessa ihren Weg und Hardin versucht ihr nach bestem Wissen und Gewissen – wenn auch nicht gleich – diesen doch zu ermöglichen und ihr beizustehen. Aber lest selbst und bildet euch eine eigene Meinung. Mich hat Anna Todd mit diesem dritten Band restlos überzeugen können und ich kann allen, die eventuell nach Teil 2 Zweifel haben, guten Gewissens sagen, dass es eine tolle Fortsetzung mit viel und stimmiger Handlung ist.

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Originaltitel: After We Fell (3)
Originalverlag: Simon & Schuster (Gallery)
Aus dem Amerikanischen von Ursula C. Sturm, Nicole Hölsken, Corinna Vierkant-Enßlin

DEUTSCHE ERSTAUSGABE – Verlag Heyne

Paperback, Klappenbroschur, 944 Seiten, 13,5 x 20,6 cm
ISBN: 978-3-453-49118-2