Mit Karla Paul durch Paris – ein halbliterarischer Reisebericht

Letzte Woche war es wieder soweit: Karla Paul – in Insiderkreisen liebevoll „die Literaturpäpstin“ genannt – hat im ARD neue Buchtipps vorgestellt.

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Doch diesmal war etwas anders: Vorab bekamen Blogger die Möglichkeit, über die Werke zu schreiben oder sie vorzustellen. Tolle Sache, dachte ich, da bist du gern dabei. Aber wie es so ist, kommt im Leben alles anders als man denkt, denn ich war in Paris!

Paris, die schöne Zauberstadt,
die dem Jüngling so hold-selig lächelt,
den Mann so gewaltig begeistert,
und den Greis so sanft tröstet.
Heinrich Heine

Gut, man kann nicht alles haben und wer mich kennt, weiß, dass Paris zu mir gehört wie Schnee zum Winter, die Sterne zur Nacht, die Sonne zum Sommer und der Zimt zum Kaffee *lach*. Aber dann kam die Nachricht von Karla mit den Buchtipps und das Schicksal meinte es wirklich gut mit mir, denn ihr Thema war – tadaaaaa – FRANKREICH!!!

Also haben wir kurzerhand vereinbart, dass ich mir die Vorschläge in meinen Koffer packe und mal schaue, was mir in Paris so davon begegnen wird. Ich kann jetzt schon sagen: kein einziges Buch *lach*, da ich als Betreuerin einer Jugendreise unterwegs war und mit 4 anderen Betreuern 67 Kids durch die Stadt der Liebe geführt und dort betreut habe. Das heißt aber nicht, dass die Reise unliterarisch war, denn so manches Erlebnis lässt sich sehr gut mit dem einen oder anderen Buch in Verbindung bringen. Freut euch also hier an dieser Stelle auf einen Reisebericht der anderen Art, der an mancher Stelle mit einem kleinen Augenzwinkern genossen werden sollte.

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Nachdem wir am Montag nach etwa 14 Stunden Busfahrt unser Hotel erreicht hatten, war natürlich nicht mehr viel Zeit zum genießen der Stadt der Liebe. Die Kids musste auf ihre Zimmer und auch wir Betreuer waren froh, dass alles gut über die Bühne gebracht wurde. Allerdings warf ein großes Ereignis seine Schatten voraus, denn der Dienstag war der 14. Juli, also der Nationalfeiertag der Franzosen. Zum einen erinnert dieser Tag an den Sturm der Bastille, der am 14. Juli 1789 erfolgte und zum anderen an die Fête de la Féderation, bei der die Abgeordneten aller Departements und Abertausende Franzosen zusammenkamen, um sich feierlich zu versöhnen. So konnten wir von so ziemlich allen Fenstern aus schon große Feuerwerke in allen Ecken der Stadt bewundern, bevor wir letztendlich todmüde gegen 2.30 Uhr ins Bett fielen (ohne auch nur noch eine Seite gelesen zu haben).

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7.55 Uhr hieß es dann Frühstück und los in die Stadt, denn für unsere Truppe stand eine Stadtrundfahrt auf dem Programm. Leute, doofe Idee zum Nationalfeiertag, ganz doofe Idee. Denn morgens findet zwischen 10 und 12 Uhr eine große Militärparade statt, bei der der Präsident empfangen wird und die Fliegerstaffeln zeigen was sie können. Wir waren zunächst noch guter Hoffnung und sammelten unseren netten Reiseführer ein (dessen Name mir leider entfallen ist). Er war wahnsinnig toll, Schauspieler, der vor einigen Jahrzehnten von Deutschland nach Paris ging und dort mit Größen wie Lotte Lenya noch auf der Bühne stehen durfte und so schön über Woody Allen sprach – Ich habe mein Herz an ihn verloren *lach*. Allerdings hatte er trotz seines Charmes keine Chance, die schwer bewaffneten Sicherheitskräfte dazu zu bewegen, uns doch zu den Sehenswürdigkeiten zu lassen. Eiffelturm gesperrt, Louvre gesperrt, Arc de Triomphe gesperrt, Place de la Concorde gesperrt…. nun ja, so viel zur Stadtrundfahrt. Macht aber nix, das für die Kids interessante Montmartre-Viertel, speziell die Straßen rund ums Moulin Rouge *grins* standen uns ja frei. Und dort hin verschlug es uns dann auch, um die Freizeit des Tages zu genießen…

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Aber an dieser Stelle, passend zu dem geschichtsträchtigen Datum soll zunächst der erste Buchtipp Karlas einfließen:

Anthony Doerr: Alles Licht, das wir nicht sehen

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Saint-Malo 1944: Marie-Laure, ein junges, blindes Mädchen, ist mit ihrem Vater, der am „Muséum National d’Histoire Naturelle“ arbeitet, aus dem besetzten Paris zu ihrem kauzigen Onkel in die Stadt am Meer geflohen. Einst hatte er ihr ein Modell der Pariser Nachbarschaft gebastelt, damit sie sich besser zurechtfinden kann. Nun ist in einem Modell Saint-Malos, der vielleicht kostbarste Schatz aus dem Museum versteckt, den auch die Nazis jagen.

Werner Hausner, ein schmächtiger Waisenjunge aus dem Ruhrgebiet, wird wegen seiner technischen Begabung gefördert, auf eine Napola geschickt und dann in eine Wehrmachtseinheit gesteckt, die mit Peilgeräten Feindsender aufspürt, über die sich der Widerstand organisiert. Während Marie-Laures Vater von den Deutschen verschleppt und verhört wird, dringt Werners Einheit nach Saint-Malo vor, auf der Suche nach dem Sender, über den Etienne, Marie-Laures Onkel, die Résistance mit Daten versorgt & Kunstvoll und spannend, mit einer wunderschönen Sprache und einem detaillierten Wissen um die Kriegsereignisse, den Einsatz des Radios, Widerstandscodes, Jules Verne und vieles andere erzählt Anthony Doerr mit einer Reihe unvergesslicher Figuren eine Geschichte aus dem zweiten Weltkrieg, und vor allem die Geschichte von Marie-Laure und Werner, zwei Jugendlichen, deren Lebenswege sich für einen folgenreichen Augenblick kreuzen.

Nachdem wir also kurz zu Fuß den Glöckner von Notre Dame besucht und den Wasserspeiern gewunken haben, ging es nach einem Mittagessen, das günstig aber eher hmm naja war,  in rasantem Tempo mit der Metro nach Montmartre und zu Fuß ganz hoch zur Sacre Coeur, da der zweite Erlebnispunkt Eiffelturm auch ins Wasser gefallen ist.

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Warum? Richtig… Vollsperrung wegen des Nationalfeiertags. Aber Montmartre konnten die Kids auch wirklich ausgiebig genießen, während wir Betreuer kurz zum verschnaufen kamen. Und den schöneren Ausblick über die Stadt gibt es ja sowieso nur von der Sacre Coeur aus *lach*. Abends haben wir uns alle etwas besonderes gegönnt – nach dem *hüstel* Mittagessen und waren klassisch französisch in einem Restaurant unterwegs mit Schnecken, Froschschenkeln und Muscheln. Also meines Erachtens nach sind Froschschenkel ja total überbewertet, aber chaqu’un à son goût.

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Beim Thema Essen wären wir auch schon beim zweiten Buchtipp der lieben Karla:

Martin Walker: Brunos Kochbuch

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Endlich: Essen wie Bruno im Périgord! Das Kochbuch zu den kulinarischen Krimis von Martin Walker. Statt nur delikater Kriminalfälle für Bruno gibt es endlich auch die delikaten Rezepte mit marktfrischen Zutaten von >Bruno, Chef de police<, zusammengestellt von Martin Walker und optisch stimmungsvoll in Szene gesetzt durch den Foodfotografen Klaus-Maria Einwanger! Trüffeln, Pâté, Käse, guter Wein und schöne, geschichtsträchtige Landschaft: Der Hobbykoch aus dem Périgord spricht alle Sinne an. Ein Gaumenschmaus und kulinarischer Reiseführer! Und eine große Liebeserklärung an das Périgord!

Hätten wir uns nur an Bruno gehalten, dann wären wir mittags sicher nicht so eingestiegen *lach*. Macht aber nix, satt geworden sind wir trotzdem und bei einer Reise mit so vielen Kiddies müssen die eigenen Bedürfnisse und Wünsche eben manchmal zurückstecken.

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Das zeigte sich auch am nächsten Tag, als ich wieder bei meiner eigenen Bustruppe war und die Stadtrundfahrt noch einmal erleben durfte. Davor ging es allerdings erst noch in die wundervollen Gärten nach Versailles. Dort könnte man wirklich Tage verbringen, einfach mit schauen und schlendern!

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Im Anschluss gab es dann die Stadtrundfahrt diesmal mit Hannelore (für mich war sie eher eine Claire, also genau das, was man sich unter der ultimativen „Klischeefranzösin“ vorstellt). Was ich damit meine?? Hmm am besten lest ihr das Buch (nein, der Tipp ist nicht von Karla, sondern von mir *grins*)…

Anne Berest (u.a.):How to be Parisian wherever you are

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Millionen Frauen überall auf der Welt wollen so sein wie sie: die Pariserin. Denn nur sie schafft es, mit Stil, Charme und beneidenswerter Lässigkeit durchs Leben zu gehen. Sie sieht immer gut aus – obwohl sie sich keine Gedanken darüber macht, was sie morgens aus dem Kleiderschrank zieht. Sie ist eine liebevolle Mutter – und fährt trotzdem auch ohne Anhang an die Côte d‘Azur. Sie stellt toujours strikte Regeln auf – nur um jede einzelne von ihnen mit Genuss zu brechen …

In How to be Parisian enthüllen vier Pariser Lifestyle-Ikonen mit viel Selbstironie und Witz den Mythos der Pariser Frau: ihre Allüren, ihre Nonchalance, ihren Style, wie sie liebt und wie sie ihre Tage und Nächte verbringt. Ihre wichtigste Lektion: Um eine echte Pariserin zu sein, kommt es nicht auf die Herkunft an – sondern allein auf die Einstellung!

… und ihr werdet verstehen, was ich meine. Mondän trat sie auf und führte uns durch die Stadt, in die sie vor etlichen Jahren gezogen ist. Sie punktete wirklich mit wahnsinnig viel interessantem Wissen über die Stadt und ihre Geschichte, die sie auch mit ausreichend Anekdoten und Geschichten ausschmückte, die den Kids jedoch nicht wirklich Jubelschreie entrissen. Denn mit 14 interessiert man sich noch nicht im großen Rahmen dafür, in welchem Haus die großen Modedesigner arbeiten, wo man sich die Miete sowieso nicht leisten kann, was dieses Jahr die Trends sind, die die Laufstege dominieren etc. Knapp 3 Stunden dauerte die Fahrt – man muss Hannelore trotzdem ein großes Lob aussprechen, sie hat ihre Sache toll gemacht und es ist, denke ich, auch nicht einfach, den Kindern die Geschichte einer Stadt über so einen langen Zeitraum hinweg nahezubringen. Kurz vor einem meiner Wunschziele, der tollen Buchhandlung „Shakespeare and Company“ verließ ich die Stadtrundfahrt, um Tickets für den Louvre zu besorgen und es blieb leider keine Zeit, um die Nase kurz ins Schaufenster zu stecken. Also wird das Buch einziehen dürfen, das übrigens der nächste Tipp von Karla ist:

Sylvia Beach: Shakespeare and Company

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Sylvia Beachs amerikanische Buchhandlung in Paris war für ein Vierteljahrhundert literarischer Mittelpunkt der Stadt. Gertrude Stein gehörte ebenso zu ihren Besucherinnen wie Ezra Pound, Ernest Hemingway und James Joyce. In ihren Erinnerungen entfaltet die inspirierte und inspirierende Buchhändlerin eine anschauliche Kulturgeschichte zwischen den beiden Weltkriegen.

Nachdem ich endlich – und ich habe mich wirklich gefühlt, wie in „Asterix erobert Rom“ in der Szene im Irrenhaus auf der Suche nach Formular A38 – unsere Gruppentickets hatte, habe ich ausgiebig die Sonne in den Tuilerien genossen, bevor der Rest meiner Gruppe wieder ankam und wir der Mona Lisa einen Besuch abstatten wollten.

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War aber leider nichts, denn im Louvre war’s zu warm, was einen unvermeidlichen Einlassstopp mit sich zog. Schade, sehr schade, da wirklich die Hälfte unseres Busses ein Foto mit der lieben Mona Lisa haben wollte. Hätte ich die Möglichkeit nur genutzt, mir das Ganze schon einmal anzuschauen, als die anderen noch bei der Staru waren 🙂 naja… die nächste Chance kommt bestimmt *lach*.  Damit endete auch der letzte Abend in der Stadt der Liebe, bevor es am nächsten Tag vor der Heimreise als krönender Abschluss noch ins Disneyland gehen sollte.

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Knappe 40 Grad und dennoch viel Freude läuteten den Abschiedstag ein. Zimmer wurden abgenommen, Gepäck in den Bus gebracht und los ging es. In Disneyland selbst durften die Kids ihre Freizeit genießen und ohne uns Betreuer los. Umgekehrt waren wir auch froh über etwas Ruhe und schlenderten entspannt herum oder saßen am Treffpunkt bei Eis und kühlen Getränken. In diesem Zusammenhang soll auch Karlas letzter Buchtipp stehen, zu dem mir im Zusammenhang mit meiner Reise leider keine andere Assoziation einfällt als Eis *lach*

Alain Monnier: Die wunderbare Welt des Kühlschranks in Zeiten mangelnder Liebe

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Es sind ja immer die simplen Dinge im Leben, die Großes verändern. Da bestellt eine entzückende, etwas unterkühlte Französin in Toulouse einen neuen Kühlschrank – und der ist defekt. So weit, so normal. Aber dann: Marie – das ist die Schöne – ruft die Hotline der Firma an, die ihr das Haushaltsgerät verkauft hat, und was passiert? Nach und nach treffen 17 Kühlschränke in Maries Wohnung ein, während in Indonesien ein neues Thermostat auf seinen Transport ins ferne Frankreich wartet. Halb Europa ist unterwegs, um ihr zu helfen, und das bleibt natürlich nicht unbeobachtet: Das Fernsehen kommt, sogar die BILD aus Deutschland berichtet. Wie gut, dass Marie einen verlässlichen Freund an ihrer Seite hat. Er ist Schriftsteller und erzählt diese Geschichte so herzerwärmend komisch, dass mangels Kühlung nicht nur in Toulouse die Temperaturen steigen.

Und auch im Disneyland stiegen die Temperaturen stetig, aber die Kids haben es zum Großteil gut überstanden und genug getrunken und gegessen, sodass wir gegen 19.00 Uhr langsam zu den Bussen starten konnten und mit ein wenig Wehmut den Heimweg antraten.

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Nach einer angenehmen Nachtfahrt mit wenig Schlaf erreichten wir die Heimat Freitag morgens gegen 7.30 Uhr und konnten die Kids alle gesund an ihre Eltern übergeben. 

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Für mich war es die erste Reise als Betreuerin für TweenyTOURS und ich bin so begeistert. Toll organisiert, super Reiseleiter und größtenteils echt liebe Kids. Freue mich schon tierisch auf die nächste Reise und sage an dieser Stelle richtig dolle DANKE an alle, die dabei waren (auch wenn ich bezweifle, dass es einer von ihnen lesen wird). Und der zweite Dank gehört Karla für die tollen Buchtipps 🙂 hoffentlich gibt es bald mehr 😀

Mehr von Karla findet ihr auf Facebook, Twitter oder auf: Buchkolumne 

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6 Kommentare zu “Mit Karla Paul durch Paris – ein halbliterarischer Reisebericht

  1. Richtig, richtig klasse und ich freue mich, dass du das ein oder andere Mal an mich denken musstest. Deine Karte ist angekommen. Tausend Dank und einen dicken Knutsch.

  2. Wundervoll 🙂 Da macht das lesen Spaß! Hast Du großartig zusammengestellt!

    Und ich frage mich immer und immer, wieso mich so ein warmes, heimeliges Gefühl beschleicht, wenn „Alles Licht….“ irgendwo auftaucht! ❤ Ist halt doch ein ganz besonderes Buch!

    Liebste Grüße
    Bine

    • Vielen lieben Dank 😀 hihi es hat auch wirklich Spaß gemacht, den Bericht zu verfassen – hätte noch tausend Dinge mehr hineinpacken können, aber ein paar kleine Geheimnisse müssen bleiben 😀 „Alles Licht…“ habe ich selber leider, leider noch nicht gelesen. Steht aber definitiv auf meiner To-Read Liste ❤

      Liebste Grüße auch an dich ❤

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