achtung buch: gemini – der goldene apfel von eric nylund

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Eliot und Fiona sind Zwillinge, die gemeinsam mit ihrer Großmutter und ihrer Urgroßmutter zusammenleben. Nicht so ungewöhnlich auf den ersten Blick? Dann wartet ab, denn eine lange Verbotsliste, die nahezu alle Dinge einschließt, die Freude machen, dominiert das Leben der Zwillinge. Doch das ist bei Weitem nicht alles: Die Großmutter unterrichtet sie selbst zu Hause, tonnenweise Hausaufgaben sind zu bewältigen und noch dazu müssen beide in einem Schnellrestaurant mit merkwürdigem Chef arbeiten. So bleibt nur sehr wenig Zeit für die eigenen Hobbys, die beide ja so gar nicht haben, außer die Bücher, die ihnen bis auf Ausnahmen erlaubt sind. Fantasy, SciFi, Religion und Mythologie sind absolute Tabuthemen. Doch beide lassen sich nicht unterkriegen und machen mit selbst ausgedachten Spielen das Beste aus ihrer Situation, die durch das unterkühlte Verhalten der Großmutter nicht besser wird.

Doch auf einmal wird alles anders, als am fünfzehnten Geburtstag der Zwillinge ein mysteriöser Mann vor der Tür steht und behauptet, ihr Onkel zu sein. Zeit für Fragen bleibt nicht, denn die Großmutter schickt sie bestimmt und mit Nachdruck zur Arbeit. Der sonst so normale Arbeitsweg ist jedoch an diesem Tag auch alles andere als normal, da sie auf einen Obdachlosen treffen, der um Geld für neue Saiten für seine Violine bettelt. Eliot fühlt sich sofort auf eine merkwürdige Weise zu ihm hingezogen und gibt ihm sein Taschengeld. Dafür erfährt er einige merkwürdige Dinge von ihm und die Geschwister beschließen, nach der Arbeit dem ominösen Onkel zu ein paar Antworten zu bewegen.

Dieser ist jedoch schon verschwunden und die Großmutter hüllt sich in bedächtiges Schweigen. Alles scheint auf einmal anders: Zum Geburtstag gibt es Fantasybücher und die Hausaufgaben fallen aus. Nach und nach lichten sich die Dinge jedoch und die Zwillinge erfahren, dass sie die Kinder von „Gut“ und „Böse“ sind, die nie zusammenkommen durften. Nun liegt es an ihnen, über den Ausgang eines Krieges zu entscheiden, der seit Anbeginn der Zeit existiert. Wer ist stärker? Gut oder Böse? Werden die Kinder den Verführungen widerstehen und die Welt retten können?

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„Der Goldene Apfel“ ist der Auftakt-Roman zu Nylunds Gemini-Serie und leider der einzige Teil, der ins Deutsche übersetzt wurde. Es ist ein wahres Meisterwerk und ich werde definitiv Teil 2 auf Englisch lesen.

Schon zu Beginn taucht man tief in das Leben der Charaktere ein, erfährt wie ihr Alltag aussieht und kann sich ein gutes Bild des gesamten Lebensstils der Familie machen. Schnell hat man sich seine Meinung zu den einzelnen Personen gebildet, die man im Laufe des Romans nicht nur einmal wieder überdenkt. Nichts ist am Ende so, wie es zunächst scheint und man muss wirklich auf jedes Detail achten. Insbesondere die Zwillinge machen große Entwicklungen durch und wachsen an jeder der drei Prüfungen, auf die ich an dieser Stelle nicht weiter eingehen werde. Sie lernen mit ihren besonderen Fähigkeiten umzugehen, und nicht nur einmal fragt man sich, ob Gut wirklich Gut und Böse wirklich Böse ist. Ein wahres Verwirrspiel, dass zu begeistern versteht.

Neben den Hauptpersonen gibt es noch eine ganze Reihe von Nebencharakteren, die man nicht unterschätzen sollte, da auch diese einige Entwicklungen im Buch durchmachen, für diverse Überraschungen gut sind und die Handlung direkt und indirekt massiv beeinflussen. Diese gestaltet sich wohl durchdacht mit Haupt- und Nebensträngen und weiß den Leser bis zur letzten Seite zu fesseln. Sehr dynamisch und in einer angenehmen Sprache geschrieben, fliegt man nahezu durch die knapp 800 Seiten und ist am Ende sehr traurig, dass das Buch zu Ende ist. Trotz der in sich abgeschlossenen Handlung macht es viel Lust auf mehr, da ein guter Cliffhanger eine vielversprechende Überleitung zum Folgeband bildet. Dennoch kann „Der Goldene Apfel“ sehr gut als Einzelbuch gelesen werden.

Nylunds wunderbare Art zu schreiben und diese außergewöhnliche Geschichte haben dieses Buch zu einem absoluten Lesegenuss für mich gemacht. Szenen erwecken wahres Kopfkino in mir, was sich auf die Kunst der Beschreibungen des Autors zurückführen lässt. Er hypnotisiert den Leser und fast hört man leise Geigenklänge, während man beginnt, eine nie endende Schachtel Pralinen zu verzehren. Ein wirklich außergewöhnliches Leseerlebnis für alle Fantasy-Freunde  – aber bitte nicht für die ganz jungen Leser, da einige Szenen schon etwas arg brutal sind. Ein bekanntes Genre wurde hier komplett neu, spannend und anders aufgezogen und bietet samt seiner Fülle an gut recherchierten Mythen und Legenden ein Leseabenteuer der besonderen Art.

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