achtung buch: eine katze namens moon von brigitte riebe

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Friede, Freude, Eierkuchen im Hause der Familie Hirsch? Ganz im Gegenteil, denn alles scheint irgendwie auseinanderzubröckeln. Tochter Fanny hat arge Probleme in der Schule und Bruder Til steckt mitten in der Selbstfindungsphase. Doch anstatt Hilfe bei den Eltern zu finden, sind beide mehr oder weniger auf sich allein gestellt. Denn: Vater Christoph hat seine eigenen Sorgen in seinem Antiquariat und Mutter Evelyn hat mehr als genug mit ihrem Partyservice zu tun, den sie mit ihrer besten Freundin Maxie betreibt und von dem sie größtenteils die Familie ernährt. Dazu kommen noch die vielen privaten Termine, die in letzter Zeit immer häufiger vorkommen und den Namen Franz Maria tragen. Auch auf die Oma Ilona ist nicht wirklich Verlass bei diesen ganzen Herzensangelegenheiten, kommt sie doch oft scheinbar ruppig daher. Dabei trägt auch sie im Inneren ihr Päckchen und es fällt ihr nicht immer leicht, dieses hinter der harten Fassade zu verbergen…

Familie, ein tolles Wort, wenn diese denn zusammenhält und nicht im Inneren mehr und mehr auseinanderzubrechen droht, wie es in der Familie Hirsch eindeutig der Fall ist. Jeder lebt mehr oder weniger mit seinen Problemen vor sich hin, ohne dass die anderen Auge oder Ohr dafür haben. Viel mehr herrscht ein wohl gesponnenes Konstrukt aus Lügen und verbogenen Gedanken, das wie ein nahendes Feuer über allen zu schwelen scheint. Genau in dieser heiklen Zeit, als Evelyn eines Nachts im Garten ihren Gedanken nachhängt, taucht ein kleines zerrupftes und verletztes Kätzchen auf, das sich auch direkt in Evelyns Herz mogelt. Trotz der familiären Vereinbarung, dass es kein Haustier in der Familie geben wird, nimmt Evelyn die Kleine, die in der klaren Mondnacht sofort auf den Namen „Moon“ getauft wurde mit und päppelt sie wieder auf.

Je mehr die kleine Dame wieder zu kräften kommt, desto mehr zeigt sich ihre Magie. Auf besonders samtpfotige Art und Weise gelingt es Moon, die Familie richtig auf den Kopf zu stellen, einige Lügen aufzudecken und sich in fast magischer Weise als Seelentröster, Mutmacher und Augenöffner zu präsentieren. Schier ungewollt manipuliert sie die Geschicke der Hirschs, bis sich am Ende alles zum Guten wendet, oder doch nicht?

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Brigitte Riebe sind in ihrem Roman „Eine Katze namens Moon“ gleich zwei Geniestreiche gelungen. Zum einen ist es die wohl süßeste, eigensinnigste und magischste Protagonistin auf vier Pfoten und zum anderen ist es die Geschichte an sich. Moon die Harmoniestifterin; Moon, die Familientherapeutin; Moon die selbstbewusste Mondkatze mit eigenem Kopf, die sich nicht beirren lässt, sich treu bleibt und nur nach eigenem Gefühl handelt, ohne dabei primär auf ihre Mitmenschen zu achten. So scheint es zumindest auf den ersten Blick. Doch schnell wird deutlich, dass dahinter viel mehr steckt: Moon weiß nämlich ganz genau, was sie da tut, wieso den Zeitschriftenstapel umstößt oder sich genau unter dem Bett versteckt. Genauso geschickt gelingt es Brigitte Riebe, die Gefühle und Handlungsweisen der Katzendame zu Papier zu bringen, deren Hauptaufgabe es zu sein scheint, das familiäre Gleichgewicht wieder herzustellen. Kein Wunder, ist sie doch auch eine wahre Katzenflüsterin!

Dazu die Geschichte: Was auf dem ersten Blick wie ein „normaler“ Familienroman aussieht, verbirgt viel mehr Tiefe. Wie heißt es so schön, man kann nie wissen, was sich hinter den Türen anderer Leute abspielt. Dafür sind die Hirschs wohl ein Paradebeispiel. Nach außen eine wundervolle Familie mit zwei Kindern, Oma, Partyservice, Haus und Katze. Aber im Inneren brodelt es gewaltig. Jeder denkt mehr an sich als an die anderen und jeder ist genauso allein mit seinen Problemen. Gerade für die Kinder ist dies eine schier ausweglose Situation. Til mit den Problemen eines jungen Mannes, der nicht weiß, wo er hingehört. Daneben die kleine Fanny mit ihren schweren Schulproblemen und nachvollziehbaren Ängsten. Beide erfahren kaum Hilfe und Unterstützung von den Eltern, die viel zu sehr auf ihre eigenen Sorgen und Nöte fixiert sind und kapseln sich mehr und mehr ab. Auch an der Stelle wirkt Moon ihre Magie und spendet den Kindern Trost, nachdem sie auch ihre Herzen langsam und im richtigen Tempo erobert hat. Moon, der kleine Katalysator der Familie, der alles ins Lot zu bringen versucht. Das kann natürlich nicht gelingen, denn wir befinden und ja (leider) im wahren Leben.

Und da haben wir die wahre und größte Stärke des Romans. Er ist aus dem Leben geschrieben. Kein leichter Stoff nach dem üblichen Schnittmuster, in dem auf die Familienkrise das große Happy End mit Herzchen folgt. Viel subtiler und feinfühliger wird gezeigt, wie die Familie zwar in gewisser Weise mit Moons Hilfe auf den richtigen Weg gebracht wird, aber dennoch nicht alles auf einmal zu Gold wird, was glänzt. Was oberflächlich heiter scheint, ist in Wahrheit eine bittersüße Geschichte über das Gewinnen und Verlieren in vielerlei Hinsicht. Holprige Wege, um zu sich selbst zu finden, die Fähigkeit sich eigene Fehler einzugestehen, tiefes Gefühl, wahre und ehrliche Liebe, daneben verzweifelte Lügen und falscher Stolz, eine Mischung, die besser nicht hätte dargestellt werden können.

„Eine Katze namens Moon“ hat mich tief berührt. Wer eine einfach gestrickte Familiengeschichte für das schnelle Lesevergnügen erwartet, wird möglicherweise enttäuscht sein. Man muss vielleicht zwei Mal hinschauen, um den tieferen Sinn hinter der Geschichte zu erfassen, aber dieses Hinschauen lohnt sich. Denn dann wird man Zeuge einer bezaubernden, wenngleich etwas traurigen Geschichte mit einer zauberhaften Portion Katzenmagie. Moon hat ihren Platz tief in meinem Herzen und den wird sie definitiv nicht mehr hergeben.

Don’t dream it, be it!

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Wie ihr seht, war ich mit meiner Lektüre nicht allein, denn neben einem wundervollem Mail-Austausch steckte ich auch noch zugleich mit meiner liebsten Yvonne im Buch – übrigens ein perfektes Beispiel für Katzenmagie: Wir hatten jetzt wirklich einige Jahre keinen Kontakt mehr und was soll ich sagen, seit ein paar Wochen haben wir uns wieder ❤ Macht mich einfach nur sehr, sehr glücklich und der Dank dafür gebührt einzig und allein Moon! Und auch sie hat ihre Gefühle zu Moon zu Papier, besser zu Blog, gebracht – endlich! Besucht doch mal ihre wunderbare Seite, die voller Katzenmagie steckt (schließlich ist sie ihrer kleinen Samtpfote Pauli gewidmet) und sicher in Zukunft viele tolle Rezensionen aus Katzensicht und andere tolle Dinge für euch bereit hält.

Eine Katze namens Moon auf: Lesende Samtpfote – reading and other things through a cats eye

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12 Kommentare zu “achtung buch: eine katze namens moon von brigitte riebe

  1. Pingback: pelzige Lektüre: Eine Katze namens Moon von Brigitte Riebe | lesende Samtpfote

  2. Hey, wie cool….habe ich gerne gelesen. Als Fan historischer Romane kommt man als Leserin an dieser Autorin wirklich nicht vorbei..hihi..aber lese nach gerne solche Geschichten und werde deshalb im Buchladen meiner Heimatstadt mal schauen.

    LG..Karin…

  3. Oh liebe Karin, da wirst du sicher leider, leider kein Glück haben, denn im normalen Buchhandel ist es leider nicht mehr zu bekommen – außer du hast einen Reader, als eBook wird es noch vertrieben. Sonst kannst du nur im Internet mal nach gebrauchten Exemplaren schauen!

    Ja, nicht wahr, sie ist einfach brillant 🙂

    LG 😀

  4. Och nö, jetzt hatte ich gerade etwas für meine WuLi entdeckt (die fast platzt *räusper*), und da sehe ich, dass es das Buch nicht mehr gibt…Julie, Julie, du bist mir eine!
    Der Roman klingt einfach perfekt! Eine katzige Hauptdarstellerin und dazu eine Geschichte, die ihren Zauber in ihrer Zwiebelschalenhaftigkeit verbirgt. Das mag ich sehr, wenn man gerne zweimalhinscheuen darf!!
    Beste Grüße ❤

  5. Pingback: Es weihnachtet sehr bei Ruby und Paulinchen | Ruby's Cinnamon Dreams

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