achtung buch: palast der blauen delphine von brigitte riebe

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Ihr Lieben, heute hab ich etwas ganz Besonderes aus der Feder der lieben Brigitte Riebe für euch. Besonders und wieder ganz anders als ihre anderen Bücher. Diesmal nimmt sie den Leser mit auf eine Reise ins antike Griechenland und lässt dort den Mythos um den Minotaurus neu aufleben. Tausend Mal gehört, denkt ihr euch? Dann kennt ihr die liebe Brigitte aber schlecht! Stellt euch mal vor, ihr beschäftigt euch mit der Materie um das stierköpfige Ungetüm im Labyrinth und auf einmal schießt euch ein Geistesblitz durch den Kopf: Was ist, wenn es da gar kein Ungeheuer gab? Was ist, wenn Asterios. Sohn von Minos und  Pasiphae in seiner Bestimmung der erste männliche Priester der großen Mutter war, der die Stiermaske trägt? Wenn ihr euch vom traditionellen Mythenbild lösen könnt und dieser Sicht folgen wollt, dann seid ihr am Anfang von Brigitte Riebes Roman angekommen.

Zu dieser Zeit lag ganz Kreta in der Hand der Frauen, allen voran Minos‘ Gattin Pasiphae. Diese führte mit ihren Priesterinnen das Leben der Menschen mit Tradition und Strenge, während Minos im Hintergrund Pläne schmiedete, um der Herrschaft der Frauen ein Ende zu setzen. Zur gleichen Zeit reist der junge Astro mit seiner Mutter Merope über das Meer, um pünktlich zu den nahenden Festlichkeiten am Hof Pasiphaes anzukommen. Doch was er nicht weiß: Er wird dort nicht als Gast ankommen, sondern als Asterios, Sohn Pasiphaes und des Stiertänzers, dessen Aufgabe es sein wird, die Insel vor dem Untergang zu retten. Noch in völliger Ahnungslosigkeit gelassen, genießt er die Reise und begegnet der Jungen und wunderschönen Ariadne, die ihn mit heißer Liebe erfüllt. Keine andere Frau will er jemals an seiner Seite wissen.

Am Hof angekommen, erfährt der junge Mann vom ihm prophezeiten Schicksal und kommt zunächst gar nicht gut zurecht. Pasiphae scheint ihn nicht anzuerkennen, Minos erst recht nicht und seinen Geschwistern ist er auch mehr als fremd. Der schlimmste Schlag ist jedoch, als er feststellen muss, dass die geliebte Ariadne seine Halbschwester ist und ihrer Liebe so eine glückliche Zukunft verwehrt zu sein scheint. Heimlich treffen sich beide weiter, bis Ariadne schließlich von der großen Göttin mit einer Schwangerschaft gesegnet wird. Während sie das Kind nicht bekommen wird, steckt Asterios mitten im Unterricht mit den anderen Mysten, die so in die tiefsten Geheimnisse der Insel und ihrer Kultur eingeweiht werden und in ihren Positionen als spätere Priester und Priesterinnen ausgebildet werden.

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Dabei hat Asterios seine Ariadne nie vergessen, versuchte immer zu ihr zu gelangen und ihre Liebe zu wahren. Jung, verliebt und auch ein wenig blind vertraute er ihr und gab sich erneut der Illusion der großen und wahren Liebe hin. Unterdessen nahmen Minos‘ Pläne mehr und mehr Form an, war er es doch leid, von den Athenern für das Matriarchat auf Kreta verlacht zu werden. Rückständigkeit und Schwäche klingt daran unterschwellig mit – eine Demütigung, die Minos nicht auf sich sitzen lassen kann. So nimmt er letztlich Theseus, den Sohn des attischen Königs Aigeus mit nach Kreta, wo er mit den anderen Mysten in die kretischen Tugenden eingeführt werden soll. Rebellisch und keineswegs kooperativ bringt dieser Unfrieden in die Reihen, wo er nur kann und reizt auch Asterios an dessen wundestem Punkt: Ariadne.

Je mehr Asterios in seinen Aufgaben aufgeht, desto mehr zweifelt sie an der großen Liebe, misstraut ihn und versucht ihn zu hintergehen. Als er das bemerkt, zieht er sich von ihr zurück. Zur Strafe lässt sie sich auf Theseus ein, in dessen Plänen die Tochter der Hohepriesterin eine wahre Paraderolle einnimmt. Ein vernichtender Strudel aus Verrat, Intrigen und Macht schwelt von da an in starker Intensität über der Insel, genau wie die Gefahr des nahenden Vulkanausbruchs. Nachdem Asterios im Zweikampf mit Theseus beinahe zu Tode kommt, scheint die Prophezeiung und somit auch die Rettung Kretas in großer Gefahr.

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Atemlos bin ich aus diesem Roman aufgetaucht, atemlos und begeistert. Schließlich gehört die gesamte griechische Mythologie zu meinen liebsten Gebieten im Bereich der Historie. Werden dann aus den griechischen Gottheiten noch Menschen aus Fleisch und Blut, die eine eigene Geschichte haben, ist das Ganze ein absoluter Volltreffer. Und wer könnte so etwas besser, als Brigitte Riebe. Sie nimmt sich die Figur des Minotaurus im Labyrinth her und überlegt, wie es wohl wirklich zugegangen ist.

Heraus kam eine Geschichte voller Intrigen, schmerzlicher Liebe und Tradition, die den Leser von Beginn an bis hin zur letzten Seite tief in ihrem Bann hält. Wir begleiten den jungen Asterios, der seinen schweren Weg vom unbeschwerten Jüngling Astro hin zum Hoffnungsträger Kretas bestreiten muss. Trotz der harten weiblichen Hand gelingt es ihm, sich seinen Platz im Labyrinth zu erobern und sich Anerkennung zu verdienen, wenngleich das Misstrauen bei vielen noch immer schwer wiegt.

Insbesondere seine Liebe zu Ariadne lässt ihn manch kleinen Irrweg gehen, ohne aber jemals das große Ziel aus den Augen zu verlieren. Oft wirft ihm das Schicksal schwere Steine in den Weg und Minos und seine Gefolgen versuchen den Jungen zum Spielball ihrer Intrigen zu machen. Doch nicht nur Minos macht ihm das Leben schwer: Viel schlimmer wird es, als Theseus von Athen nach Kreta kommt und großen Unfrieden in allen Bereichen stiftet. Schwere Zeiten liegen vor Asterios und es bleibt bis zum Ende fraglich, ob er die Prophezeiung erfolgreich beenden wird.

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Ariadne – was soll zu ihr gesagt werden, außer dass sie die perfekte Mensch gewordene Adaption des Mythos ist? Die athenische Version, die auch im Buch umgesetzt wurde, besagt, dass Minos Athen unterworfen hat, nachdem sein Sohn dort ermordet wurde. Als „Strafe“ wurden die Athener dazu verpflichtet, alle neun Jahre sieben Jungfrauen und sieben Jünglinge als Menschenopfer für den Minotaurus nach Kreta zu schicken. Im Roman werden diese nicht als Opfer geschickt, da es den Minotaurus ja in der Form des stierköpfigen Monsters nicht gibt. Vielmehr sollen sie mit der kretischen Tradition vertraut gemacht werden und im Labyrinth ihr wahres Ich erkennen. Unter den letzten 14 Jungen und Mädchen kam aufgrund einer Intrige von Minos Theseus mit nach Kreta – ein folgenschwerer Fehler, benutzte er Ariadne doch nur als Mittel zum Zweck, also um Kreta zu schaden und Asterios dabei fast tödlich zu verletzen. Doch jeder bekommt am Ende das, was er verdient!

Was für eine vielschichtige Welt uns die Autorin hier präsentiert! Das alte, mythische Griechenland zum greifen lebendig gemacht mit Charakteren, die farbiger und vielseitiger nicht sein könnten. Mythologie lebendig und fundiert recherchiert, wird hier in einer absolut dichten, spannenden und ergreifenden Geschichte präsentiert, die besser nicht hätte sein können. Spannung, Liebe, Verrat und Authentizität erzeugen einen Spannungsbogen, der den Leser bis zuletzt in Atem hält und begeistert. Eine komplett andere Sicht auf die Dinge, die mich absolut begeistern und überzeugen konnte. Für Freunde von Mythologie und Antike ein Muss! Ihr werdet es lieben!

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8 Kommentare zu “achtung buch: palast der blauen delphine von brigitte riebe

  1. Hallo und guten Tag,

    hm von dieser Autorin habe ich schon gelesen..Die schöne Philippine Welserin…ein trauriges Buch, aber mit ganz viele Wissen um Heilkräuter/Pflanzen und ihre Wirkung nicht nur im positivem Sinne.

    LG..Karin..

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