achtung buch: jenseits des schattentores von beate teresa und susanne hanika

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Willkommen in Rom! In der ewigen Stadt, die vor Geschichte und Mythologie nur so strotzt. Rom, die Heimat der 17jährigen Professorentochter Aurora, die es gerade ziemlich satt hat, von ihrem Vater bevormundet zu werden und irrwitzige Aufträge für einen seiner besten Freunde zu erfüllen. Schließlich war sie deswegen nicht nur einmal in ungewollte Aufmerksamkeit gekommen und von den Carabinieri durch halb Rom gejagt worden. Am hellsten Tag auf das Collosseum klettern, den Neptun im Trevibrunnen besuchen oder sich in ein antikes Bad der römischen High Society zu mogeln gehört eben nicht ganz zu den ungeahndeten Kavaliersdelikten.

All dieser Dinge überdrüssig geworden, beschließt sie unverbindlich eine Wohnung zu besichtigen und ahnt zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass sie damit in das Abenteuer ihres Lebens schlittern wird. Wer ist diese Luna, die ihr die Tür öffnet und glaubt, dass sie über irgendwelche Aufträge Bescheid weiß? Wieso liegt da ein toter Mann in der Wohnung und was haben ein Zwerg und ein verdammt attraktiver junger Mann mit der ganzen Geschichte zu tun? Die Antwort auf all diese Fragen liegt jenseits des Schattentores. Macht euch gemeinsam mit Aurora auf die Suche und blickt dabei Persephone, der Göttin der Unterwelt, über die Schulter, der es tüchtig schwer fällt, sich nicht in die Geschehnisse auf der Erde einzumischen.

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Jugendbuch trifft antike Mythologie. Wer mich kennt, weiß, dass mit dieser Kombination zwei Herzensthemen bedient werden und sofort stand fest, dass ich dieses Buch lesen möchte… nein muss.

Schnell ist man mitten drin im Geschehen und begleitet Aurora bei ihrer Wohnungssuche. Ihr Vater, ein renommierter Professor war so verärgert über ihre waghalsigen Aktionen, dass er ihr Stubenarrest verpasste, obwohl das Mädchen eigentlich nichts dafür konnte. Schließlich waren es alles Aufträge, die sie von einem der besten Freunde des Vaters aufgetragen bekam – unter dem Siegel der absoluten Verschwiegenheit natürlich – und die keinen wirklichen Sinn ergaben, außer Aurora regelmäßig in Schwierigkeiten zu bringen. Auf der Suche nach einer Wohnung wird ihr zufällig eine Adresse in die Hände gespielt und sie beschließt, dort ihr Glück zu versuchen. Doch anstatt einer gemütlichen Bleibe erwartet sie die junge Luna, die sie sofort mit der Aufgabe behelligt, eine Leiche verschwinden zu lassen. Charon der Skipper ist tot, umgebracht worden von Luna. Aber warum?

Ehe sie sich versehen kann, steckt Aurora mitten in einem Abenteuer aus Mythologie, Geschichte und Politik. Jeder scheint auf einmal etwas von Charon, oder wie er öfter genannt wird, dem Skipper zu wollen. Insbesondere die beiden verfeindeten Mafiaclans der Stadt buhlen um das Vorrecht und schrecken dafür auch nicht vor extremsten Mitteln zurück. Während beide Mädchen versuchen, die Leiche des Skippers zu beseitigen kommen ihnen auch noch der junge aber arrogante Leon und sein spezieller Zwergenfreund Tatramedes ins Spiel, die zwar enorm hilfreich sind, aber deren Ziele auch etwas undurchschaubar sind.

All diese Ereignisse erfahren wir aus zwei Perspektiven: Einmal erleben wir direkt mit, wie Aurora sich auf der Erde durchschlägt und andererseits beobachten wir alles durch Persephones Glaskugel. Die alternde Göttin hat es sich zum Hobby gemacht, durch ihre Kristallkugel die Geschehnisse der Erde zu beobachten, ist allerdings mehr als gelangweilt davon. Bis sie eines Tages Aurora erblickt und von ihren Taten mehr als neugierig gemacht wird. Sie beschließt, ihr weiter zu folgen und kann ihre Finger manchmal auch nicht ganz aus dem Schicksal heraushalten.

Aurora ist dabei eine sehr niedliche und sympathische Protagonistin, wenngleich sie nicht immer ganz authentisch ist. Als Antike-Expertin hätte sie eigentlich sofort beim Namen Charon stutzig werden müssen. Wenn auch nicht gleich, dann aber spätestens an der Stelle als ihr bewusst war, dass an den alten Mythen doch mehr Wahrheit zu finden ist als sie einst dachte. Je mehr man das Mädchen aber kennen lernt, desto mehr schließt man es in sein Herz und verfolgt gespannt, wie die Geschichte weitergeht.

Leon, Luna und Tatramedes sind tolle Nebencharaktere, die mich auch zu überzeugen verstanden. Natürlich war schnell klar, welche Rolle Leon wirklich spielt, aber es ist ja auch immernoch ein Jugendbuch – und ein wundervolles noch dazu. Und richtig lachen musste ich über Kassiopeia und Persephone. Zwei alternde Göttinnen mitten in einer ausgewachsenen Midlife-Crises und unbemannt. Diese beiden sind eigentlich meine geheimen Stars der Geschichte. Die Götter lieben schon seit jeher ihre Freizügigkeit und so wurden die Themen Liebe und Sex auch ausreichend thematisiert, was ich aber in Anbetracht der Entwicklung der heutigen Kids als okay befinden kann.

Das Thema Mythologie wird auch ordentlich bedient, bietet es ja schließlich die Basis für die Geschichte, wenngleich es auch schön gewesen wäre, die römischen Adaptionen der Götter zu sehen – schließlich spielt die Geschichte ja in Rom und nicht im alten Griechenland. Aber auch das soll meinem Lob keinen Abbruch tun. Es ist alles gut erklärt und die Umsetzung der Mythen in die Moderne ist ausgesprochen gut gelungen. Über die bezaubernde Kulisse der ewigen Stadt muss, denke ich, auch nicht mehr gesagt werden! Wundervoll!!!

Insgesamt hat mir der Roman richtig viel Freude bereitet, wenngleich es oft der Reise ins Labyrith des Minotaurus glich. Viele unvorhersehbare Wendungen gaben dem Vorhersehbaren die Spannung, die das Buch bis zum Ende konsequent lebendig hielt und zu einer tollen Story machte. So verworren wie die Handlungsstränge ab und an wirkten, nahm mir dies nie die Lesefreude. Viel mehr war es ein wahrer Anreiz das Puzzle Kapitel für Kapitel weiter zu entschlüsseln. Abenteuer mit einem Hauch Romantik und Mythologie gepaart mit charmanten Charakteren ergeben hier eine wunderbare Geschichte aus der Feder der Hanika-Schwestern, die jedem Freund dieser Geschichten ein breites Lächeln aufs Gesicht zaubern und viele wundervolle Lesestunden bescheren wird.

Vielen Dank an die S. Fischer Verlage / den Sauerländer Verlag für das Rezensionsexemplar!

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3 Kommentare zu “achtung buch: jenseits des schattentores von beate teresa und susanne hanika

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