achtung interview: im gespräch mit kati naumann

Ihr Lieben,

London – eine Weltstadt voller Zukunft, das dachte auch Mimi Balu und stürzte sich in ihr großes Abenteuer. Heute habe ich hier die wundervolle Kati Naumann auf meiner Interviewcouch, die mir für euch Rede und Antwort stand! Es hat riesen Spaß gemacht, und ich wünsche euch viel Freude beim Lesen 🙂

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Copyright: katinaumann.de

Liebe Kati,

nachdem ich den ersten Auszug aus der „Mimi Balu“ beim Schmökersofa gehört habe, wusste ich, dass ich das Buch unbedingt lesen will und es war so schön! Noch toller ist unser Kontakt, der daraus entstanden ist und über den ich mich riesig freue! Ich hoffe, dass dieser noch ganz lange anhält und ich noch viele tolle Dinge aus deiner Feder kennenlernen darf!

Bevor ich dich gleich löchere, wäre es lieb, wenn du ein paar Worte zu dir und deinem Leben sagen könntest!

Möchtest Du hier ein paar freie Sätze? Also ich versuch es mal:

Ich bin in Sachsen geboren und habe große Teile meiner Kindheit in Thüringens Wäldern verbracht, daher wohl meine große Liebe zur Natur. Das Schreiben hat mich immer begleitet und mir geholfen, meine Gefühle und Gedanken zu ordnen. Ich habe eine große Familie und sie ist für mich die Basis von allem. Eigentlich habe ich Museologie studiert, auch lange in diesem Beruf gearbeitet und nebenher geschrieben, bis ich 1995 dann hauptberuflich freie Autorin geworden bin. Heute lebe ich mit meiner Familie in Leipzig und London und finde diesen Wechsel unheimlich spannend.

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Erinnerst du dich an das erste Buch, das du gelesen hast, oder gibt es ein Buch aus der Kindheit, das dich sehr geprägt hat?

Das erste Buch, das ich mit 5 Jahren gelesen habe, war ein Messekatalog. Ich stamme ja aus Leipzig, meine Eltern waren Fotografen und brachten von der Messe immer diese schönen bunten Hefte mit. Als ich meine Eltern fragte, was eigentlich ein E-Uropa ist, wussten sie, dass ich lesen konnte. Meine Eltern hatten eine große Bibliothek und ich hab alles gelesen, was dort vertreten war – egal ob es für Kinder bestimmt war oder nicht – von Mark Twains Tom Sawyer bis Heinrich Böll. Böll hat mich sehr geprägt, mit seiner präzisen Beobachtung von Alltagsszenen und dem tiefen Verständnis  für menschliches Verhalten.

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Welches ist dein momentanes Lieblingsbuch?

Ich habe im Urlaub Die Wolgatöchter meiner Kollegin und Freundin Ines Thorn gelesen. Und obwohl ich gar nicht mehr so gern historische Romane lese, hat mich dieses richtig weggefegt und mitgerissen. Was für eine großartige Familiensaga über russlanddeutsche Auswanderer! Kann ich nur empfehlen.

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Und dein liebster Klassiker?

Feuchtwanger: Der falsche Nero – Irgendwie immer wieder beängstigend aktuell.

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Wer ist dein absoluter Buchliebling und warum?

Da gibt es einige. Wen soll ich da nennen? Vielleicht die namenlose Ich-Erzählerin aus Daphne du Mauriers Rebecca? Ich erkenne mich in ihr an vielen Stellen wieder und fühle mich ihr sehr nah. Auch wenn ich heute nicht mehr so bin, früher war ich es.

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Wer ist dein absoluter Lieblingsbösewicht?

Der böse Wolf. Ich liebe Märchen und die Figur des Wolfs hat alles, was mich fasziniert: Wildheit, Unberechenbarkeit, Schönheit, einen hohen Gruselfaktor und er lebt in den Wäldern.

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Welcher literarischen Figur würdest du am liebsten mal so richtig die Meinung sagen?

Der selbstgerechten und gefühlskalten Zimmervermieterin Frau Franke in Heinrich Bölls „Und sagte kein einziges Wort“! Das Schlimme an ihr ist, dass sie sich für einen guten Menschen und Christen hält und das Leid anderer Menschen gar nicht zu ihr vordringt.

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Und mit welcher Pferde stehlen?

Mit den Kindern aus Bullerbü! Wie gern wäre ich Teil dieser kleinen Gang gewesen!

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Wann fingst du selbst an zu schreiben?

Mit 5 Jahren, da habe ich mein erstes Gedicht geschrieben.

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Wo schreibst du am liebsten?

Das kommt darauf an, worüber ich schreibe, mal auf dem Land in Deutschland mit Blick auf die Natur, mal in London, mit der brausenden Hauptverkehrsstraße unter mir. Wichtig ist für mich, dass die Sicht unversperrt ist und mich keiner anruft oder anspricht und aus meinen Gedanken herausreißt.

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Neben den tollen Büchern machst du ja noch ganz viele andere super Dinge, magst du uns ein wenig davon erzählen?

Eines meiner Lieblingsprojekte ist die Hörspielreihe für Kinder „Die kleine Schnecke Monika Häuschen“.

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Copyright: katinaumann.de

Hier verbinde ich Comedy-Elemente mit Naturwissen, einer kleinen Handlung und einer Moral am Ende.  Das Tolle daran ist, dass ich hier im Team arbeiten kann, denn das Textbuch ist bei einem Hörspiel ja nur ein kleiner Teil. Ganz viele großartige Leute sind hier am Entstehen beteiligt (Produzent, wunderbare Sprecher, Toningenieur und eine tolle Plattenfirma im Rücken) und wir alle sind richtig gute Freunde geworden (oder waren es schon vorher). Eigentlich sind die Produktionstage wie Familientreffen. Im Zusammenhang mit Monika Häuschen laufen gerade noch viele andere Projekte an, für die ich gerade schreibe. Eins davon ist mein neuer Kreativblog www.my-home-is-my-häuschen.de

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Wie kannst du am besten entspannen?

Zur Zeit gar nicht 😉 Ich habe so viele Sachen gleichzeitig zu schreiben! Aber ich entspanne mich gern mit Handarbeiten, das ist ein toller Ausgleich zur Kopfarbeit. Ich finde es faszinierend, dass aus einem Faden, der doch im Querschnitt nichts als ein Punkt ist, ein dreidimensionales Objekt werden kann. Deshalb bereite ich in meinem neuen Kreativblog alles auf, was ich in den Monika-Häuschen-Hörspielen verwende. Rezepte, Experimente, Basteln, Handarbeiten. Dort kann ich alle Dinge, die ich liebe, verbinden.

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Du lebst ja mit deinen Lieben in zwei wundervollen Städten: Leipzig und London. Gerade London ist auch eine meiner absoluten Lieblingsstädte, die ich immer wieder besuchen könnte! Was hat dich/euch denn zur Hälfte ins wundervolle Großbritannien verschlagen und was ist das Besondere an beiden Städten für dich?

Leipzig habe ich mir ja nicht ausgesucht, es ist einfach meine Heimat und hier fühle ich mich geborgen! Leipzig hat für mich genau die richtige Mischung aus Großstadt und Gemütlichkeit und wir haben hier die Buchmesse – ein Grund mehr, Leipzig zu lieben! London wiederum hat unglaublich viel Tradition und Stil, überall ist Kunst und Musik, eine inspirierende Stadt, in der alles möglich ist! Wer noch mehr über meine Liebe zu London wissen will, sollte unbedingt „Die große weite Welt der Mimi Balu“ lesen 😉

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Nun noch ein paar Fragen im Zusammenhang mit Mimi Balu:

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Wie kam dir die Idee zu Mimi Balu?

Ich habe ein Jahr ein London gelebt und bin auch jetzt noch oft dort. Mir sind dabei so viele spannende und witzige Sachen passiert, die mir die Unterschiede zwischen deutscher und der britischer Lebenseinstellung bewusst gemacht haben, dass ich unbedingt ein Buch daraus machen wollte. Etwas selbst zu erleben, ist immer besser als zu recherchieren!

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Wenn du das Buch in drei Sätzen vorstellen müsstest, wie würdest du es beschreiben?

Was soll man tun, wenn man viele Talente hat und nicht weiß, worin das größte besteht? Wie soll man sich entscheiden, wenn der Mensch, der einem bisher immer geholfen hat plötzlich selbst Hilfe braucht? „Die große weite Welt der Mimi Balu“ ist ein Buch über die Suche nach dem richtigen Platz im Leben – und den kann man in einer britischen Weltstadt ebenso finden wie in der deutschen Provinz.

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Die liebe Michaela Balutzke ist ja die Verkörperung der Träume von fast jedem jungen Menschen, der aus dem kleinen Heimatstädtchen ausbrechen möchte, um die große weite Welt möglichst berühmt zu erobern. Wie kam dir die Idee zu dieser Figur und ihrer Geschichte?

Ganz einfach, sie ist mir in London über den Weg gelaufen. Es war keine „Sie“ und hieß demzufolge auch nicht Mimi – aber dieser Künstler verkörperte all das, wofür Mimi steht. Unglaublich viel Talent, eine große Sehnsucht nach dem Erfolg, die auch mit zunehmendem Alter nicht nachlässt, die ungebrochene Hoffnung, dass es ganz sicher noch klappen wird und jemanden aus der Familie daheim, der das mit trägt und der genauso daran glaubt. Das fand ich wunderbar und sehr berührend!

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Oma Trude – Eigentlich sollte jeder eine Oma Trude haben, oder? Ach ich finde sie so herzerwärmend, diese kleine und resolute Person, die bedingungslos an ihre Mimi glaubt und ihr den Rücken stärkt, wo es nur geht und dabei manchmal zu wenig an sich selbst denkt. Sie sagt an einer Stelle:
„Ist es nicht manchmal schön, von etwas zu träumen und es sich so vorzustellen, wie es in Wirklichkeit nie geworden wäre?“ Passiert dir das auch manchmal?

Im Grunde passieren mir alle Dinge, über die ich schreibe, in abgewandelter Form irgendwie und irgendwann, auch wenn ich nie meine eigene Geschichte benutzen würde, ich kenne die Gefühle, über die ich schreibe, sehr genau. Und ja, manchmal finde ich es schöner, wenn ich bestimmte Dinge nicht rausfinde, sondern sie mir so denke, wie ich sie gern hätte.

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Gibt es eine Figur im Buch, die dir besonders ans Herz gewachsen ist und warum?

Es ist natürlich Oma Trude. Das ganze Buch ist eine Liebeserklärung an die Großmutter an sich, aber besonders an meine eigene Oma. Wie Oma Trude hat sie immer an mich geglaubt, auch wenn sie mich zum Glück nicht finanziell unterstützen musste. Noch heute zehre ich von ihrer Liebe und so wird es Mimi auch gehen, wenn Oma Trude irgendwann nicht mehr da sein kann.

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Limbach-Oberfrohna und London, zwei Städte die unähnlicher nicht sein könnten, wie du auch zu Beginn jeden Kapitels mit den kleinen aber feinen Unterschieden zeigst. Beide Städte haben auf ihre Art und Weise dennoch ihren Charme. Wieso hast du diesen Kontrast von teils anonymer und hektischer Metropole und ruhiger, vertrauter Kleinstadt gewählt?

Das ganze Buch lebt ja von Kontrasten in den Berufen, den Wünschen, dem Aussehen und eben auch den Wohnorten der Protagonisten. Der Unterschied wird mir jedes Mal sehr bewusst, wenn ich in London bin und er ist auch symbolisch zu sehen. Wenn man seinen Platz gefunden hat, ist es überall auf der Welt schön, spannend und erfüllend.

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Mimi lernt im Verlauf des Buches, dass man manchmal auf ganz andere Weise das große Glück finden kann, als man es sich erwünscht und erwartet hat. Sie musste nur lernen, die Augen zu öffnen und sich auf ihre Talente zu besinnen. Dazu brauchte es so machen Stups von Oma Trude, die immer an ihre Mimi geglaubt hat. Niemals den Glauben an sich selbst und seine Träume verlieren – in der heutigen Zeit manchmal ganz schön schwierig, aber dennoch wichtig, oder was meinst du?

Es ist wirklich nicht leicht, bei den unerschöpflichen Möglichkeiten, die sich heute bieten, den Punkt zu finden, an dem man das Beste aus sich heraus geholt hat, ohne sich zu früh zufrieden zu geben. Ich glaube, die Kunst ist, irgendwann tatsächlich glücklich zu sein mit dem, was man erreicht hat. Wir können nicht alle Weltstars werden und sollten nicht ein Leben lang deshalb unzufrieden sein. Es gibt viele Wege glücklich zu werden, man muss sie nur annehmen und schätzen lernen.

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Welche (literarischen) Zukunftspläne hast du im Moment?

Heute Abend fliege ich nach London und schließe mich dort für ein paar Tage weg, um an einem neuen Roman zu arbeiten. Es wird außerdem bald Neues von Monika Häuschen geben und die anderen Sachen darf ich noch nicht verraten 😉

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Gibt es etwas, das du deinen Lesern gern mit auf den Weg geben möchtest?

Liebt eure deutschen, regionalen Autoren, denn wir leben von eurer Liebe! Übersetzungen von erfolgreichen amerikanischen Weltbestsellern sind wichtig und toll, aber darin werdet ihr solche Orte wie Limbach-Oberfrohna und eure eigenen Geschichten vergebens suchen! Und liebt eure regionalen Buchhändler und unterstützt sie! Sie sollten auf die rote Liste der bedrohten Arten kommen!

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Liebe Kati, hab vielen Dank, dass du dir die Zeit für unser Interview genommen hast. Es hat riesig Spaß gemacht, Mimis „Karriere“ mit all den Höhen und Tiefen zu verfolgen und oft habe ich mich gefragt: „Sind wir nicht alle ein wenig Mimi Balu?“. Ich wünsche dir eine tolle Zeit und freu mich riesig, bald mehr von dir zu lesen oder zu hören 

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Kati liest aus „Mimi Balu“ beim Schmökersofa in Plauen

Wer mehr über Kati und ihre tollen Projekte erfahren möchte, sollte unbedingt auf ihrer HOMEPAGE vorbeischauen:

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