happy birthday ol‘ blue eye: frank sinatra und seine zeit von johannes kurz

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Genau heute, auf den Tag genau vor 100 Jahren wurde Francis Albert Sinatra – allen besser bekannt als der einzigartige Frank Sinatra – in Hoboken, New Jersey geboren. Als Sohn zweier italienischer Einwanderer (die Mutter stammte aus Genua, der Vater aus dem sizilianischen Catania) wuchs er wohlbehütet und gefördert, aber von Mutter Dolly auch stark dominiert auf. Sie blieb auch immer die zentrale Figur in seinem Leben, an der er bis zu ihrem tragischen Tod 1977 festhielt. Über Dolly sagte Sinatra:

„Meine Mutter war nicht hart und gewalttätig. Die Umgebung, in der sie lebte, die war es. Sie war einfach eine starke Persönlichkeit, die mir Sicherheit geben und einen Gentleman aus mir machen wollte. Sie hätte mir sogar Samthosen angezogen, aber in dieser Gegend wäre das tödlich gewesen.“
(S. 30)

Über Vater Marty sagte er:

„Vater war ein liebenswerter, zurückhaltender Mann. Wenn ich etwas ausgefressen hatte, hat er nie die Hand gegen mich erhoben. Und das will für einen Profiboxer etwas heißen. Meine Mutter allerdings hat sich fit und jung erhalten, indem sie mir nachlief und mich versohlte. Aber sobald ich einen bestimmten Ausdruck in Vaters Augen sag, wusste ich, was die Stunde geschlagen hatte. Ich glaube, er konnte gerade seinen Namen schreiben, und im lesen war er auch keine Größe. Das wussten wir und brachten ihn deshalb nie in Verlegenheit.“
(S. 30)

Schon bald entdeckte der junge Sinatra sein Gesangstalent, und begann seine Karriere in der Swing-Ära als Sänger in den Orchestern von Harry James und Tommy Dorsey. Ausschlag dafür gaben seine frühe Liebe und sein Idol Bing Crosby, dem er nacheifern wollte. Er verließ die Schule ohne Abschluss und widmete sich ganz seiner musikalischen Karriere. 1939 heiratete Sinatra seine Jugendliebe Nancy Barbato, mit der er seine gemeinsame Tochter Nancy Sinatra bekam. Es folgten Frank Junior und Tina Sinatra.

Kurz nach der Hochzeit konnte Frank als Leadsänger bei Harry James arbeiten, woraus unter anderem der berühmte Titel „All or Nothing“ entstand. Später wechselte er in das Orchester von Tommy Dorsey, wo ihm mit „I’ll never smile again“ der erste Nummer-1-Hit gelang. Rasch wurde er landesweit bekannt und beschloss, nun endgültig als Solosänger weiterzumachen.

Schnell wurde er zum musikalischen Idol der Generation. Die jungen Mädchen lagen ihm zu Füßen, und er konnte leider nicht immer widerstehen. Um 1945 begann er seine Filmkarriere als Schauspieler, und bekam im Folgejahr einen Oscar für den Kurzfilm „The House I Live In“. Mit dem Beginn der 50er Jahre bekam Franks Leben eine rapide Wendung: Zahlreiche Affären mit teils prominenten Frauen, sowie Kontakte zum organisierten Verbrechen zerstörten seinen guten Ruf. Es folgte die Scheidung, weitere Ehen, die auch nicht von Dauer waren, und der Verlust des Plattenvertrags mit Columbia.

Im Jahr 1952 folgte ein neuer Vertrag beim Film, und im Folgejahr ein neuer Plattenvertrag. Ein Comeback war ihm gelungen, das so schnell keiner nachahmen konnte. Mit Liedern wie „Come Fly with Me“ gelang ihm schnell der große Durchbruch – „The Voice“ war zurück. Und das auch noch beim Film, wo er sich mehr und mehr etablierte, bis er ab den 60er Jahren als der Entertainer schlechthin bezeichnet werden konnte.

1971 sollte dann Schluss sein mit Liveauftritten. Er hielt es jedoch nicht ohne die Bühne aus, und stand schon 1973 wieder auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Bis in die 90er Jahre war er nun präsent, nahm neue Titel auf und bereiste alle fünf Kontinente. 1993 war er das letzte Mal in Europa auf Tournee, bevor er 1995 seinen letzten Auftritt in Palm Springs absolvierte.

1998 endete das Leben eines der größten Sänger und weltbesten Entertainer nach einem zweiten Herzinfarkt, dem er nach wenigen Stunden erlag.

~

Sinatra, ein Name, der bis heute für eines steht: Für „The Voice“, „Ol‘ Blue Eye“, für unvergessene Titel, für einen Menschen mit mehreren Gesichtern. Einerseits geprägt von einem großen sozialen und politischen Engagement, werden ihm andererseits bis heute die Kontakte zum organisierten Verbrechen – also der Mafia – nachgesagt. Ein Schwerenöter, ein Frauenheld, aber immer auch Sinatra, der Sohn italienischer Einwanderer, der seinen Weg ging, der niemanden imitieren wollte, der ehrgeizig an sich arbeitete, bis er da angekommen ist, wo er hinwollte.

Ein Mann, der von seinen Idolen geprägt war, sich von seinen Träumen leiten ließ, und der hart an deren Erfüllung arbeitete. Ein Mann, der uns noch heute unbeschreibliche Momente beschert, wenn seine Titel im Radio erklingen. Es gibt niemanden, der die alten Songs nicht mitsingen oder zumindest mitsummen kann.

100 Jahre wäre Frank Sinatra heute geworden – und auch heute noch ist er unvergessen. Musikgrößen interpretieren ihn neu, Cover-Alben tauchen auf, Künstler wie Roger Cicero singen seine Lieder, sogar klassische Größen wie Thomas Quasthoff.

Sinatra – eine Legende. Eine Legende, der der österreichische Journalist, Autor und Jazz-Experte Johannes Kunz auf besondere Weise Tribut zollt. Er veröffentlichte im LangenMüller-Verlag eine ganz besondere Biografie des Ausnahmekünstlers, der noch heute die Herzen höher schlagen lässt. Und diese Biografie ist wirklich etwas ganz Besonderes: Kunz nähert sich Sinatra über seine Zeit. Was das bedeutet? Er begibt sich auf die Spuren der Ära des Swing und Jazz,  beschreibt die Entwicklung der Musikgeschichte der USA und verknüpft diese mit der Lebensgeschichte Sinatras. Man hat folglich nicht nur die Biografie des Ausnahmetalents, sondern bekommt gleichzeitig einen Überblick über die Gesamtentwicklungen in Amerika und in der Welt. Für mich war dieses Buch eine absolute Bereicherung. Während ich las, klangen die Titel tief in mir nach, die Musik begleitete mich auf jeder Seite und ich fühlte mich Sinatra noch nie näher, als beim Lesen dieses Buches. Eine liebe Freundin von mir sagte einmal, als ich meinte, dass ich gern einmal in dieser Ära gelebt hätte:

„Menschen vergehen, die Erinnerungen, die Kunst und die Musik bleiben auf ewig!“

In diesem Sinne: Danke für alles, Ol‘ Blue Eye! You did it your way!

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2 Kommentare zu “happy birthday ol‘ blue eye: frank sinatra und seine zeit von johannes kurz

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