Archiv | März 2016

achtung buch: frederick von perikles monioudis

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Frederick, wer ist Frederick und wieso widmet ihm ein Autor ein ganzes Buch? Richtig, es kann sich nur um den einen wahren Frederick Austerlitz – besser bekannt als Fred Astaire – handeln. Hört ihr es nicht, das leise, rhythmische klappern der Steppschuhe auf den harten Brettern, die die Welt bedeuten? Seht ihr nicht den kleinen Jungen, der Kerzengerade neben seiner Schwester und seiner Mutter in einem der berüchtigten Vaudeville-Theater sitzt und auf die Chance für einen Auftritt wartet? Ich sehe ihn. Und nicht nur ich… Gemeinsam mit Arndt von AstroLibrium habe ich Frederick über die Schulter geschaut, begleitete ihn wie ein Schatten durch sein Leben. Perikles Monioudis liefert mit seinem Roman dafür genau das richtige Material: eine Biografie, die in solch einer Weise noch nicht da gewesen ist.

Davon zeugt schon der Titel „Frederick“. Wüsstet ihr auf Anhieb, dass damit der einzigartige Fred Astaire gemeint ist? Oder könnte es nicht auch die Geschichte des kleinen Nachbarjungen von nebenan sein? Nein, definitiv muss es Fred Astaire sein. Lässig übereinander geschlagene Beine, an deren Füßen blank geputzte Steppschuhe glänzen – das Ganze stilvoll in gedecktem schwarz-weiß mit golden anmutender Schrift. Ein Cover voller Eleganz, ganz wie der Protagonist selbst. 12733641_567985670043770_4919182645352333563_n

Sehr gespannt war ich, schließlich liebe ich es, mich durch Biografien in die Leben interessanter Persönlichkeiten hineinzuführen. Nicht immer gelingt den Autoren dabei der Spagat zwischen Informationsgehalt und Spannung der Biografie, doch Perikles Monioudis beweist dabei ein wahres Ausnahmetalent. Warum aber Fred Astaire? Auf diese Frage antwortete mir der Autor sehr charmant:

„Wieso Fred, fragst Du mich. Nun, Astaire war und ist für mich ein großes Faszinosum. Schon als Kind, als ich an Sonntag nachmittagen seine Filme sah, war ich gebannt von seiner Erscheinung, noch mehr aber von seinem Tanz. Später setzte der Intellekt ein, mir wurde klar, dass diese schwerelose Eleganz konkrete Gründe hatte: ein einmaliges Talent – und Arbeit, Arbeit, Arbeit. Ich merkte, daß mich der Künstler Astaire hinter dem Hollywoodstar Astaire mindestens genauso ansprach: die Ängste, die Fixierungen, die Ambitionen des weltbesten Tänzers. Ich habe alles über Astaire gelesen und alles gesehen, was es an Filmen und Bildern von ihm gibt – und ich habe mir meinen eigenen Reim auf ihn gemacht.“

Und wie er sich einen eigenen Reim darauf gemacht hat. Wer eine chronologische Biografie erwartet, wird dabei nicht auf seine Kosten kommen, aber dafür eine große Überraschung erleben und sich sicher dennoch begeistert im Buch verlieren können. Während ich dich die Seiten flog, schwebten Bilder und Melodien an mir vorbei. Fred Astaire mit Ginger Rogers, Cole Porter, flotte Steps. Viele Fakten, die ein sehr charakteristisches Gesamtbild des Ausnahmetalents zeigten, wechselten sich ab mit realen und fiktiven Gedankengängen. All dies mutete an, wie eine wundervolle Choreografie. Wundervoll aber schwer zu bändigen, genau wie es das Leben Astaires war. Geplagt von Selbstzweifeln und dem Drang zur ultimativen Perfektion, war es oft die Angst vor dem Altern, vor dem Verlust der Beweglichkeit und der Langsamkeit, die wie ein Damoklesschwert über Fred schwebte. Eine Verunsicherung, die Monioudis Mensch werden lässt. In verschiedenen Figuren und Rollen begleitet sie Fred Astaire durch sein Leben und uns, die Leser, durch das Buch. Ein Symbol für die Abkehr  von der Eleganz und der Sterblichkeit der Schönheit. Und jeder ist sterblich, eine Tatsache, die nahezu allgegenwärtig über Fred zu stehen scheint.

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Man springt durch die Zeit, wie ein Tänzer durch die Choreografie. Vor, zurück, man blickt in die Zukunft und in die Vergangenheit. Man muss Handlungsstände verknüpfen und selbst mögliche Verbindungen erschließen. Ein Lesen voller Genuss und Anspruch, ein Kunstwerk. Doch war Fred Astaire schon immer das Ausnahmetalent? Nein, viel mehr war es seine Schwester Adele, die ins Zentrum rückte. Sie war der geheime Stern und Frederick das schmückende Beiwerk, als beide Kinder 1905 zu einem Vortanzen geschickt wurden. Doch dies sollte nie so werden. Atemlos begleitete ich Monioudis auf seiner Reise durch das Leben Astaire, der zuerst die Bühnen eroberte und dann das Medium Film als Weg zur Perfektion entdeckte. Eine Perfektion, die ihn manchmal zu zerreißen, zu verschlingen drohte. Dennoch entstand sie, die Legende Astaire.

Eine Legende, der Perikles Monioudis nur zu gerecht wird. Sowohl inhaltlich als auch stilistisch fährt er ganz große Geschütze auf, um dieses Buch zu einem informativen und einzigartigen Lesevergnügen zu machen. Literarischer Anspruch trifft auf Nostalgie trifft auf Biografie. Man schwebt im Raum und in der Zeit, man erfreut sich – so man sie noch gelernt hat – die alte Rechtschreibung wiederzufinden und somit auch auf der Stilebene in die Vergangenheit reisen zu können. Warum?

„Alte Rechtschreibung: Ich kann mich mit der alten Rechtschreibung stärker identifizieren als mit der neuen, fühle mich im scharfen S zu Hause. Und da dtv die Entscheidung mir überließ, musste ich nicht lange überlegen. Ja, die alte Rechtschreibung passt auch noch gut zum Text über Fred Astaire – wie ein rahmengenähter Tanzschuh auf den flinken Fuss …“

So Monioudis‘ Begründung der Entscheidung dafür. Eine Entscheidung, für die ich sehr dankbar bin. Dieses Buch war ein wahrer Tanz voller Gefühl, Rhythmus und Melodie und ich bin sehr froh, ihn mit meinem persönlichen Fred Astaire, Arndt Stroscher (KLICK), getanzt zu haben. Die Schuhsohlen glühen noch, nachdem der Vorhang eines tollen gemeinsamen Lesens gefallen ist. Eins steht aber fest: The Show must go on! Und ihr, liebe Leser, schaut vorbei beim dtv und besorgt euch diesen Schatz! Ihr werdet es nicht bereuen.

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