Archiv | Mai 2016

Achtung Buch: Die Ernte des Bösen von Robert Galbraith

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Nachdem mich die ersten beiden Bände der Kormoran Strike Serie auf Anhieb überzeugen und fesseln konnten, stand es natürlich außer Frage, dass auch dieser dritte Band bei mir einziehen muss. Und große Freude herrschte schon beim Betrachten des tollen Covers, das die Tower Bridge in mystischer Stimmung zeigt und schon viel Spannung verspricht.

Und spannend geht es auch direkt los, denn an Robin wurde ein Paket gesendet, in dem sich ein abgesägtes Frauenbein befindet. Eine Geschichte beginnt, die mehr ist als ein morbider Scherz. Viel zu schnell wird deutlich, dass es sowohl für Robin als auch für Strike zur Privatangelegenheit wird, in der sich Zukunft, Gegenwart und Vergangenheit der beiden nicht nur an einer Stelle kreuzen. 4 Männer aus Strikes Vergangenheit sind für Strike potenzielle Kandidaten für diese makabere Tat, mit der sowohl Robin als auch er selbst angegriffen werden sollen. Alle 4 hat Strike persönlich hinter Gitter oder zumindest vor Gericht gebracht und alle 4 haben ein handfestes Motiv zur Rache. Da haben wir einen Pädophilen, einen Gauner, einen ehemaligen Kameraden und Strikes eigenen Stiefvater, der schon unter dem handfesten Tatverdacht steht, Strikes Mutter umgebracht zu haben.

Gemeinsam mit Strike und Robin verfolgen wir diese vier Männer, was nicht immer leicht ist. Viel Vergangenheit muss aufgearbeitet werden, vieles erklärt und deutlich gemacht werden. Dazu kommt noch die nervenaufreibende Gegenwart, denn schließlich steht Robins Hochzeit vor der Tür. Ein Grund zu feiern? Eher nicht, denn graue Wolken verhängen den Liebeshimmel – und zaubern mir, die schon seit Band 1 auf ein Happy End für Strike und Robin hofft – ein breites grinsen ins Gesicht. Ob es dieses Happy End jedoch geben wird, steht nach wie vor in den Sternen. Wir switches also zwischen den Ermittlungen und dem Privatleben der Protagonisten hin und her, was der Handlung eine neue Dynamik gibt.

Durch die vielen Rückblicke und Erklärungen bekommt man manchmal den Eindruck, dass die Geschichte langatmig sein könnte, ist sie aber keineswegs. Ein steter und sehr gut konstruierter Spannungsbogen umrahmt das Ganze und ergibt einen Krimi, dem es an nichts fehlt. Dafür sorgen auch nicht zuletzt unsere beiden Ermittler Strike und Robin, die mit ihrem einzigartigen Charme – er ruppig-liebenswert, sie pfiffig-keck – wie schon in den vorherigen Bänden zu überzeugen wissen. Dazu kommen noch kurze Einblicke in das Leben und Denken des Mörders – eine wirklich kranke Seele, von der man bis zuletzt nicht weiß, wer dahintersteckt.

Vielseitig, spannend, gut strukturiert und abwechslungsreich, mit tollen Charakteren und einem super Handlungsort gespickt, ist dieser Krimi wirklich eine würdige Fortsetzung und ein absoluter Lesegenuss, den ich jedem Krimifan nur sehr empfehlen kann.

Achtung Gewinner: Der Wahnsinn den man Liebe nennt

Ihr Lieben,

leider hat der Job mich etwas zu sehr im Griff gehabt, deshalb gibt es auch heute erst die Auswertung!

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Ein Exemplar des Wahnsinns macht sich auf den Weg zu

KARIN

Liebe Karin, herzlichen Glückwunsch! Bitte sende mir deine Adresse doch per Mail an:

Julie.gross85@gmail.com

Euch anderen lieben Teilnehmern danke ich für eure tollen Kommentare! Danke, dass ihr mich an eurem Liebeswahnsinn teilhaben ließt! Das nächste Gewinnspiel kommt sicher bald! Habt ein sonniges Wochenende!

Achtung Buch: Pariser Symphonie von Irène Némirovsky

Pariser Symphonie von Irene Nemirovsky

Pariser Symphonie von Irene Nemirovsky

Paris – du schönste Stadt der Welt. Du Stadt, die nie schweigt, die ihre Geschichte in jedem Stein gefangen hat. Du Stadt, in der jeder Ort eigene Geschichten zu erzählen hat. Man muss nur die Augen schließen und genau zuhören, dann hört man ihre Melodie: Die Schnelllebigkeit der Stadt in einem feurigen Allegro, abgelöst von einem langsamen Andante und Adagio, die einem durch die Sinne streifen, wenn man durch die ruhigen Seitenstraßen und Parks flaniert, die tanzartigen Scherzi der jungen Frauen, die im typischen Stil durch die Stadt zu schweben scheinen und schließlich ein fulminantes Allegro vivace, das in einem schallenden Crescendo mündet, bevor es im pianissimo verhallt und nun noch einen Hauch der Pariser Luft in der Nase zurücklässt. Eine wahre Symphonie, Symphonie einer Stadt – Pariser Symphonie!

Ein Buch, dessen Cover mich schon verzauberte und das durch einen wundervollen Zufall in meinen Besitz kam. Denn da mir der Messebesuch auch dieses Jahr leider verwehrt blieb, hatte der liebe Arndt von AstroLibrium mal wieder seine Augen und Ohren für mich offen gehalten, kennt er doch meinen Leseschwerpunkt Paris zu gut. Schon flatterte eine Leseprobe bei mir zu Hause ein und ich freute mich, als er mir sagte, dass er dieses Buch gern mit mir gemeinsam lesen möchte. Arndt und Paris? Ja, hat mich verwundert, aber auch sehr gefreut, denn das macht gemeinsames Lesen aus: sich von Lesebegleitern auf fremdes Terrain entführen zu lassen, neue Horizonte erkunden und sich darüber auszutauschen. Und ein reger Austausch wurde es.

Forrest Gump sagte einst: „Das Leben ist wie eine Pralinenschachtel. Man weiß nie, was man bekommt.“ Und genau dieser Spruch passt auf die „Pariser Symphonie“. 12 Kurzgeschichten vereint die Autorin in ihrem Buch. Kurzgeschichten. Keine abgeschlossene Geschichte. Ein Lesewagnis für Arndt, der eigentlich nie Kurzgeschichten liest und ein Abenteuer für mich, da ich sehr gespannt war, was sich hinter dem verträumt-malerischen Cover verbergen wird. Und es waren definitiv keine verträumt-romantischen Geschichten.

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Momentaufnahmen und Lebenszeugnisse waren es. Einzelschicksale, die den Leser episodenhaft in ihre Fänge zogen. Allesamt geprägt von einer immensen Sehnsucht, die auch den Leser von der ersten Seite an tief in ihren Bann zog und ihn in einer tiefen Melancholie zurück ließ. Sehnsucht nach dem Vergangenen, wie in der ersten Geschichte „Geister“, in der der frühere Wohnsitz der Mutter die Geister der Vergangenheit heraufzubeschwören scheint und dunkle Familiengeheimnisse zu enthüllen droht. Vergangenheiten, mit denen man nie richtig abschließen konnte, die sich tief ins Herz gebrannt haben und das jetzige Leben noch immer stark prägen.

Sehnsucht nach der Liebe findet man in verschiedenen tiefen Formen. Die Liebe des Soldaten zu seiner jungen Frau, die ihn bis zum Tode die nötige Kraft und Hoffnung gibt. Doch kann seine junge Frau diese Liebe so innig erwidern oder wird sie doch vom Leben eingeholt? Liebe, die vorbestimmt war und doch nie ihre Erfüllung fand. Liebe, die Schmerz mit sich brachte. Liebe, die abgelehnt wurde aus Angst vor dem Leid, das mit ihr einhergehen könnte.

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Les chances perdues – verlorene Chancen, amour et fortune – Liebe und Glück, la douleur – der Schmerz: Alles Worte, die ihre tiefe Bedeutung in Némirovskys Buch finden und dieses nachhaltig prägen. All dies vor der nur knapp umrissenen Kulisse des Paris der Vorkriegszeit, dessen drohenden Schrecken man teilweise schon unterschwellig brodeln spüren kann. Paris als Schauplatz, der nur eine sekundäre Rolle spielt und der dennoch in jeder Geschichte gegenwärtig ist. Ein Schauplatz für viele einzelne Schicksale deren Facetten die Autorin in einer wundervollen sprachlichen Vielfalt und mit stilistischem Zauber festzuhalten vermag. Auch wenn man die Geschichten gelesen hat, leben diese Charaktere im Leser weiter und man ertappt sich oft dabei, wie man sich darüber Gedanken macht, wie es ihnen ergangen wäre, wenn dies oder jenes anders gelaufen wäre…

Ein Buch, das nicht nur mit dem schönsten Cover punkten kann, sondern dass auch noch auf eine vielseitige Art und Weise mit seinem Inhalt überzeugen kann. Man findet keine Pariser Romantik, dafür aber eine Fülle von Nahaufnahmen, die einen wie Blätter im Wind umwirbeln, sich ins Herz einnisten und zum Nachdenken und Reflektieren einladen. Dies kombiniert mit dem tiefen Austausch mit Arndt machte das Lesen zu einem besonderen Erlebnis. Lesewelten und Interessengebiete trafen aufeinander und verliehen dem Lesen eine ganz neue Tiefe. Und ich kann jetzt schon versprechen, dass es weder das letzte Buch von Némirovsky gewesen ist, das wir gemeinsam gelesen haben, noch dass es der letzte gemeinsame Besuch in Paris war! Und wer wissen will, wie Arndt über das Buch denkt sei herzlich zu einem Besuch HIER eingeladen!

Achtung verrückt: Bad Hair Day, ein Geburtstag, verrückte Pfingsten und ein Buchgewinn für euch!

Was „Der Wahnsinn den man Liebe nennt“ mit einem wahren Bad Hair Day, spontanen Verrücktheiten und Murakami zu tun hat? Wie fast eine Freundschaft gekündigt wurde und ein spontaner Starbucks-Kaffee alles rettete und warum wir einfach nur Crazy Bitches sind und vor allem: wie ihr ganz schnell an ein absolut wundervolles Buch kommen könnt? Das will ich euch kurz erzählen. Normalerweise sind Kolumnen ja nicht so meins, aber manchmal muss man über seinen Schatten springen, insbesondere wenn es sich um so viele Verrücktheiten handelt.

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Eigentlich wollte ich Pfingsten ja schlafen und relaxen, einfach ein paar spontan entspannte Tage erleben, nachdem der neue Job jeden Tag ein neues Abenteuer ist, das riesig Spaß macht, aber eben auch gut anstrengend ist. Ja eigentlich, wenn mich nicht vor einigen Wochen spontan ein lieber Kumpel zu einem crazy Trip nach Berlin überredet hätte. Los ging es also und wie es das Schicksal so wollte, wartete in Berlin die Überraschung eines Treffens mit der bezaubernden Lili auf mich – Herzensmenschalarm und Knuddeln ohne Ende! So muss das. Dazwischen volles Kulturprogramm mit einem Besuch im Dungeon und dem Highlight „Tanz der Vampire“ – leider nicht mit dem besten Cast, aber dennoch ein kompletter Genuss. Auf der Rückfahrt haben wir noch kurz die Kollegen beim Pfingstcamp besucht und schon war ein wundervoller Tag vorbei. Vorbei? Nee eigentlich nicht, denn ich habe die Rechnung ohne die liebe Bini von Literatwo gemacht.

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Denn: Freitagabend postete ich ein Bild aus Dresden und prompt kam die Frage, ob ich da bin. Jaaaaa, denn das ist mit mir immer so eine Sache gewesen. Da zwar ab und an, aber immer nur wie ein Kolobri am durchflattern, sodass wir uns ewig nicht gesehen haben. Dies hätte nun fast zu einer Kündigung der Freundschaft seitens Bini geführt.

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Das MUSSTE natürlich abgewendet werden und so war meine Frage –natürlich auf Englisch, denn wir schreiben nur auf Englisch – „Wie spontan bist du? 11.00 Uhr ein Kaffee beim liebsten Starbucks am Hauptbahnhof, bevor ich zurückfahre?“ Dank ihres Mannes, der des Englischen dann doch besser fähig ist, kam dieses Treffen dann auch glücklicherweise zustande und die Freundschaft konnte gerettet werden. Und es ist toll, wenn sich manche Dinge nie ändern: Wir waren laut, haben gelacht, 30 Minuten intensiven Austausch betrieben und dazu noch ein gemeinsames Buch gekauft. Innerhalb von nicht einmal drei Minuten stand fest, dass Murakami unser gemeinsamer Begleiter sein soll, der mitsamt passender Karte als Lesezeichen nun unseren Lesensweg bestimmen wird.

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Wann? Wir werden sehen. Wir setzen uns kein Limit, denn dafür toben wir viel zu viel bei anderen Dingen herum. Bei mir sind es vorrangig die schulischen Belange, die mich gefangen halten, Vorbereitungen, Nachbereitungen, zwischendurch die Seele auch einmal frei tanzen und durchatmen und entspannen. Durch diese ganzen kleinen und großen persönlichen Veränderungen ist das Lesen nun (leider) etwas nach hinten gerutscht, was manchmal schade ist, aber andererseits ist es auch toll in vollen Zügen das Hier und Jetzt zu erkunden, neue Bands kennenzulernen, verrückte Dinge mit seinen Schülern anzustellen und sich auch konzentriert dem Job zu widmen und seine Freunde nicht zu vernachlässigen. Ihr seht, volles Programm, aber ganz ohne Lesen geht es einfach nicht!

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Ja, und in diesem Zusammenhang muss auch der Bad Hair Day erwähnt werden, denn unser Treffen war so chaotisch-spontan, dass die Frisuren einfach auch auf der Strecke blieben und wir uns einfach nur kaputtgelacht haben. Bitch, please!! So und nun schauen wir mal, ob wir „Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki“ nicht doch etwas mit Farbe füllen können – bei dem quirlig-bunten Geplapper ganz bestimmt! Seid gespannt!

Aber bis es soweit ist, haben wir einen weiteren besonderen Lesenswegbegleiter für euch ausgesucht, bzw. hat er uns gefunden. „Der Wahnsinn den man Liebe nennt“ heißt das tolle Buch aus der Feder der herzigen Clara Römer. Ein absolutes Must-Read, dessen Entstehung ich quasi ab dem ersten Wort mit verfolgen durfte.

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Und kurzentschlossen, weil heut Pfingsten ist und noch dazu der Geburtstag der lieben Bini – an dieser Stelle ein fettes HAPPY BIRTHDAY, HONEY! Lass dich feiern und hab den tollsten Tag der Welt – wollen wir euch je ein Exemplar schenken. Das einzige, was ihr dafür tun müsst, ist uns einen kurzen Kommentar hinterlassen, was für euch „Der Wahnsinn den man Liebe nennt“ ist. Zeit dafür ist bis morgen Abend, also bis zum 17.5. gegen 20.00 Uhr! Wir sind gespannt! Und jetzt: seid verrückt, spontan und habt einfach nur Spaß!

 

Achtung Buch: Der Wahnsinn den man Liebe nennt von Clara Römer

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Ihr Lieben, heute habe ich ein Buch für euch, das aus dem wahren Leben gegriffen sein könnte. „Der Wahnsinn den man Liebe nennt“, so heißt der neue Roman aus der Feder der bezaubernden Clara Römer aus München.

Ist Liebe nicht immer Wahnsinn? Manchmal schlägt sie ein wie ein Blitz, manchmal ist sie furchtbar anstrengend, manchmal erwischt sie einen ganz kalt aus der Hinterhand und lässt einen nicht mehr los und manchmal endet sie in einem furchtbaren Desaster. So auch im Leben der charmanten und absolut liebenswerten Susa Bergman, die eine kleine Papeterie besitzt und glücklich mit ihrem Mann Wolf verheiratet ist. So glaubt sie zumindest bis zu dem Tag, an dem fälschlicherweise ein Kühlschrank zu ihr geliefert wird, der für jemanden ganz anderen gedacht ist. Nachdem auch die Arbeitskollegen von Wolf Susa nur ausweichend auf ihre Fragen antworten, beschließt sie auf eigene Faust zu ermitteln, was gerade schief läuft.

Und schief läuft leider so einiges: Während Susa in ihrem Leben glücklich zu sein scheint, spielt sich hinter der Fassade Schlimmes ab. Denn der Kühlschrank wird zu Wolfs Affäre geliefert, mit der er schon seit Jahren eine Zweitbeziehung führt und mit der er sogar ein Kind gezeugt hat. Für Susa bricht eine Welt zusammen: Sie wollte immer ein Kind mit Wolf, ein glückliches Leben, und nun sah sie sich in einer Parallelwelt gefangen, in der eine andere Frau all das hat, was sie niemals haben wird – inklusive ihres Mannes…

Nachdem das wunderschöne Cover das Buch schon zu einem absoluten Must-Have macht, setzt die Geschichte dem Ganzen noch die Krone auf. Angesiedelt im schönen München (das auch sehr bildlich und detailliert beschrieben wird), begleiten wir Susa durch die Höhen und Tiefen ihrer Beziehung. Eigentlich sind es ja anfangs mehr Tiefen, denn der Betrug durch den Mann und die Freunde setzt ihr verständlicherweise mehr als zu, aber ich muss sagen, dass ihr nichts besseres hätte passieren können. Denn Wolf ist von der ersten Seite an einfach nur die Personifizierung des Arschlochs im Kostüm eines schönen Mannes. Und glaubt mir, nicht an wenigen Stellen hätte ich ihn liebend gern ordentlich die Meinung gesagt, wenn er vor mir gestanden hätte. Dass es Susa dennoch schwerfällt ihn zu verlassen, ist dennoch verständlich, denn wenn man liebt, dann liebt man – und das ohne Rücksicht auf (eigene) Verluste.

Doch Susa geht ihren Weg weiter, lässt Wolf hinter sich. Und gerade diese Entwicklung ist es, die mich an den Roman gefesselt hat – so sehr, dass ich ihn kaum aus den Händen legen konnte und wollte, und ihn so schon innerhalb von zwei Abenden ausgelesen hatte. Susa ist eine Frau wie du und ich, absolut authentisch und ungekünstelt, genau wie ihr Leben, das die Autorin in einem fließenden und mitreißendem Stil schildert. Wohlgeführte Dialoge reichen bildhaften und detaillierten Beschreibungen die Hand und ergeben am Ende eine Szenerie, die in sich rund und ausgeglichen ist. Keine Ecken und Kanten, ein Buch zum Wohlfühlen und zum hineinlesen, trotz der ernsten Thematik. Denn auch diese ist sehr behutsam verpackt. Man kann das Buch also einerseits als niveauvolle Unterhaltungsliteratur betrachten, aber andererseits auch sehr tiefgründig lesen. Denn dass manche Trennung und vor allem mancher Betrug mit viel Schmutz und Bösartigkeit verbunden sein kann, muss man nicht extra erwähnen. Clara Römer nähert sich dieser Thematik auf eine sehr einfühlsame und sensible Weise, die das Buch auch nach dem Lesen noch im Herzen nachhallen lassen.

Dieser Aspekt wird von der Lebendigkeit der Charaktere noch unterstrichen. Allesamt sind sie wie aus dem Leben gegriffen. Geh auf die Straße und schau dich um: Im Nachbarhaus könnte Susa wohnen, um die Ecke könnte gehetzt Wolf kommen, der angeblich aus dem Büro kommt, in Wahrheit jedoch bei seiner kleinen Zweitfamilie war. Was weiß man schon, was sich hinter den verschlossenen Türen der Nachbarn abspielt.

Knapp 320 Seiten voller Gefühl, voller Schmerz, voller Liebe und Sehnsucht erwarten den Leser. 320 Seiten, die berühren, fesseln, nachdenklich machen, aber auch einfach nur schön sind. Begegnungen, die das Herz berühren, Momente der Wut – ein Potpourri der Gefühle, das ich jeder Leserin sehr ans Herz legen kann und möchte. Lernt Susa kennen und geht mit ihr einen schwierigen Weg – er lohnt sich! Für mich definitiv ein Herzensbuch aus mehreren Gründen und eine Top-Empfehlung für das Frühjahr 2016. Das perfekte Buch für die lauen Frühlingsabende.

Achtung Buch: M Train von Patti Smith

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„Es ist nicht so leicht, über nichts zu schreiben.“

Das ist der erste Satz im biografisch angelegten neuen Buch „M Train“ von Patti Smith. Und dieser Satz soll sich wie ein roter Faden durch das Buch ziehen. Über „Nichts“ schreiben, wieso sollte man das tun? Was ist „Nichts“? Ist „Nichts“ das, was übrig bleibt, wenn man über seine Vergangenheit reflektiert? Über geliebte Menschen und über Freundschaften, die man hinter sich lassen musste- sei es durch Krankheit, Unfälle oder einfach nur durch den Lauf der Zeit? Sind es Idole, Begegnungen und Erinnerungen, die sich wie lose Fetzen durch unsere Erinnerungen ziehen wie ein Windhauch, der an alte Zeiten erinnert?

Wenn all das „Nichts“ ist, dann hat Patti Smith, die gefeierte Musikerin, Dichterin und Künstlerin sehr viel dazu zu sagen, und das auf eine ganz besondere Art und Weise. Und auch „M Train“ beginnt im „Nichts“ – nämlich in einem kleinen Café in Greenwich Village, das heute nicht mehr existiert. „Nichts“ ist mehr davon übrig. „Nichts“? Eine glatte Lüge, denn niemand kann ein „Nichts“ besser füllen als Patti Smith. Ihr „Nichts“ ist eine Fülle von Erinnerungen und Momenten aus ihrem Leben. Und auf eine Reise durch eben dieses begleiten wir sie quer durch die Welt. Wir besuchen mit ihr Mexiko, Japan und auch Deutschland und bekommen dabei tiefe Einblicke in die Dinge, die Patti Smith wichtig waren, die ihr Leben waren und die einfach Patti Smith sind.

Angefangen bei der Liebe zu kleinen Cafés, die schon mit einer Reihe liebevoller Spleens einhergeht (sie geht beispielsweise mit einem Buch zur Toilette, bis „ihr Tisch“ frei wird), in denen sie Listen aufschreibt, über ihr Leben sinniert, und schreibt und malt und ihre an die 14 Tassen Kaffee pro Tag trinkt, begleiten wir Patti Smith durch ihren Alltag, der oft in ihrer unbändigen Liebe zu Kriminalserien endet.

„Zurück in meinem Zimmer, packte ich mich warm ein und trank Tee auf dem Balkon. Dann machte ich es mir gemütlich und überließ mich Leuten wie Morse, Lewis, Frost, Wycliffe und Whitechapel – Kriminalkommissare, deren Launenhaftigkeit und zwanghaftes Wesen mein eigenes widerspiegelte. Wenn sie ein Kotelett aßen, bestellte ich dasselbe beim Zimmerservice. Wenn sie einen Drink nahmen, bediente ich mich an der Minibar. Ich übernahm ihre Gepflogenheiten, vollkommen vereinnahmt oder leidenschaftslos entfremdet.“

(S. 79)

Doch neben dem alltäglichen Caféhausbesuch und der Krimileidenschaft gibt es noch ein ganzes Universum in Patti Smith zu entdecken, nämlich ihr Innerstes. Ein ganzer Planet, gefüllt von Erinnerungen, Momentaufnahmen und Gedankengängen, die sie mit uns teilt. Momentaufnahmen – ein wichtiger Aspekt im Leben von Patti, was schon auf dem Cover deutlich wird: Patti an ihrem Tisch im Caféhaus, ihre Kamera, eine große Tasse Kaffee und ein nachdenklicher, in die Ferne schweifender Blick. Einzig die Schale Olivenöl zum Tunken und der Vollkorntoast fehlen noch, um das tägliche Stillleben zu komplettieren, das den Start in den Tag der Autorin beschreibt.

Einsam, denkt man sich, melancholisch und in Gedanken versunken. Denn Patti Smith ist oft allein und ich denke, sie ist es gern. Natürlich unter Vorbehalten, denn es wird deutlich, wie sehr sie bestimmte Lebensereignisse nachhaltig schmerzen. Verluste spielen eine große Rolle in ihrem Leben, allen voran der Verlust ihres geliebten Mannes. Doch Patti kann allein sein und ihr Leben genießen. Sie pflegt ihre Kontakte auf der ganzen Welt, kann aber auch in Büchern versinken, die sie liebt und die allesamt eine besondere Bedeutung für sie haben. Fotografie ist ihr wichtig, sehr wichtig, dokumentiert sie doch mit ihren Kameras die Dinge und Momente, die für sie wichtig sind: Frida Kahlos Krücken, Bobby Fishers Schachturniertisch, die Standpromenade in Rockaway Beach, einen Engel auf einem Friedhof. Nur Fotografien? Nein, Dokumente ihres Lebens, Zeugnisse von Erlebnissen und Reisen, die sie prägten und zu der Patti Smith machten, die heute in diesem Buch über genau diese Erlebnisse reflektiert.

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Allein, aber nicht einsam – so sollte man das Leben Pattis wirklich beschreiben. Direkt von der ersten Seite an verfällt man dem Stil und der Sprache der Autorin. Man spinnt sich ein in einen Kokon, der warm und gemütlich ist. Man ist gern allein mit Patti, eine wohlig warme Melancholie breitet sich beim Lesen in einem selbst aus, man träumt sich in das facettenreiche Leben der Autorin und versinkt mit ihr im Kaleidoskop der Momentaufnahmen und Erlebnisse. Fast mit einer kindlichen Neugier lebt sie ihr Leben, lässt sich treiben, ist fasziniert von Dingen, die einen Moment ihr Leben bedeuten und die sie im nächsten Moment verliert oder vergisst- siehe ihr Notizbuch oder das Murakami-Buch, das sie auf der Flughafentoilette vergaß. Rastlos, aber dennoch voller Ruhe reist sie durch die Welt, teils von wahnwitzigen Ideen getrieben, immer irgendwie auf der Suche nach Beständigkeit und einem Ankommen und immer versunken in tiefe Gedanken, denen ich nur zu gut folgen konnte.

„Ich glaube an Bewegung. Ich glaube an diese unbekümmerte Kugel, die Welt. Ich glaube an Mitternacht und an die Mittagsstunde. Aber woran glaube ich noch? Manchmal an alles. Manchmal an nichts. Es schwankt wie flirrendes Licht über einem Teich. Ich glaube an das Leben, das eines Tages jeder von uns verliert. Wenn wir jung sind, glauben wir, uns passiert das nicht, wir sind anders. Als Kind dachte ich immer, ich würde ncht erwachsen werden, dass es meine Entscheidung wäre. Und dann wurde mir – erst vor Kurzem . klar, dass ich eine Linie überschritten hatte und unbewusst in der Wirklichkeit meiner Chronologie verhaftet war. Wie konnten wir so verdammt alt werden? Sagte ich zu meinen Gelenken, meinem eisenfarbenen Haar. Jetzt bin ich älter als mein Liebster und meine verstorbenen Freunde.“

(S. 325f)

Die Lebenden und vor allem die Toten sind ein wesentlicher Bestandteil im Leben Pattis und auch ein sehr prägender. Denn auch das ist „M Train“: eine Hommage an all diejenigen, die Patti hinter sich lassen musste und die dennoch noch einen wichtigen Platz in ihrem Leben haben und so weiterbestehen. Viele tote Dichter, Musiker und Schriftsteller werden von ihr durch Erinnerungen honoriert, doch den zentralen Platz bestimmt ihr viel zu jung verstorbener Mann, der Musiker Fred Sonic Smith. Wie kleine Inseln des Glücks streut Smith Episoden ihrer gemeinsamen Zeit in ihr Buch ein, die an eine mystische und freudige Zeit erinnern. Episoden, in denen sie auch offen Gefühle und den Schmerz über den Verlust zeigt und den Leser so auch an ihren innersten Gefühlen teilhaben lässt.

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All dies wäre an sich schon eine Biografie, die ihresgleichen suchen müsste, doch mit ihrer Sprache setzt Smith dem Genuss noch eine Krone auf. Schmerzhaft schön und anmutig ist jeder Satz, jede Erinnerung gestaltet. Die Melancholie und die wohltuende Einsamkeit überträgt sich unweigerlich auf den Leser. Sätze, in denen die Magie von Smiths Worten deutlich wird, wechseln sich mit verklärten Polaroid-Aufnahmen ab und man möchte nicht heraus aus dieser Welt. Man möchte in eine Decke gekuschelt mit einer Tasse Tee ewig in „M Train“ bleiben. Dieses Buch hat mir gezeigt, wie wohltuend die Einsamkeit und Melancholie sein kann. Nahezu eine reinigende Wirkung hat dieses Buch auf die Seele. Entschleunigend wirkt es und lenkt den Fokus auf die kleinen aber oft so wichtigen Momente des Lebens, die man in der schnelllebigen Zeit so oft unbewusst verstreichen lässt. Man beginnt selbst nachzudenken, sich selbst zu hinterfragen, sucht besondere Momente und erinnert sich und ertappt sich oft dabei, wie sich ein leichtes Lächeln auf die Lippen stiehlt.

„Es liegt in der Natur von Bildern, zu verschwinden und plötzlich wieder aufzutauchen, zusammen mit der Freude und dem Schmerz, die wir mit ihnen verbinden, wie klappernde Blechdosen hinter einem altmodischen Hochzeitsgefährt. Ein schwarzer Hund auf einem Streifen Sand. Fred im Schatten schäbiger Palmen am Eingang zum Gefängnis Saint-Lauren, die in sein Taschentuch eingewickelte blau-gelbe Gitanes-Streichholzschachtel und Jackson, der vorausrennt und im fahlen Himmel nach seinem Vater sucht.“

(S. 300)

Tiefe Melancholie, die von Patti Smith gekonnt in Szene gesetzt wird, phasenweise durchbrochen vom fast schon rotzigen Humor der unvergleichlichen Frau, die mit ihrer Biografie ein ganz besonderes Lebenszeugnis ablegt. Ein besonderes Selbsporträt mit Ecken und Kanten, das mehr zeigt als Patti Smith. Es zeigt vor allem ihre Umwelt, ihr Umfeld, Menschen und Dinge, die aus ihr die Frau machten, die wir heute sehen und zu kennen glauben. Man schwebt mit ihr zwischen Traum und Wirklichkeit – in einer Ebene des „Nichts“, das man wortreicher nicht beschreiben könnte. Ein „Nichts“, in das man tief hineinsinken möchte, in dem man sich verliert und aus dem man nur schwer wieder auftauchen möchte…

„Wir wünschen uns Dinge, die wir nicht haben können. Wir wollen einen bestimmten Augenblick, einen Klang, eine Empfindung noch einmal erleben. Ich möchte die Stimme meiner Mutter hören. Ich möchte meine Kinder als Kinder sehen. Kleine Hände, flinke Füße. Alles verändert sich. Der Junge ist erwachsen, der Vater ist tot, die Tochter ist größer als ich und erwacht weinend aus einem schlimmen Traum. Bitte bleibt für immer, sage ich zu den Dingen, die ich kenne. Geht nicht fort. Werdet nicht groß.“

(S. 272)

Eine großartige Botschaft am Ende meiner Besprechung dieses einzigartigen Buches, das zu meinen persönlichen Favoriten gehört. Patti Smith nahm mich nicht nur mit auf eine Reise durch ihr Leben, sondern schickte mich auch auf einen Trip durch mein eigenes Leben. Dieses Buch ist Spiegel ihres Lebens, ein Kaleidoskop von Gefühlen und Erinnerungen und vor allem ein Seelenbuch. Eigentlich kann man es nicht in Worte fassen, man muss das Buch lesen, um seine Wirkung zu fühlen.