Archiv | Januar 2017

Achtung, Buch: Himbeeren mit Sahne im Ritz von Zelda Fitzgerald

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Zelda Fitzgerald ist vor allem durch ihren Ehemann bekannt geworden. Sie war die Frau des großen Autors Scott F. Fitzgeralds. Kaum ein Autor prägte die Roaring Twenties mehr als er. Doch auch Zelda schrieb und veröffentlichte eigene Werke, wenn auch teilweise unter Scotts Namen.

Berühmt geworden als Muse und Frau an der Seite des großen Scott F. Fitzgerald, prägte Zelda schon bald ein eigener Schaffensdrang. Die beiden waren wohl das berühmteste Künstlerpaar ihrer Zeit. Stets umgeben von Glamour und Ruhm, füllten sie die Titelseiten der damaligen Presse – sowohl der Unterhaltungs- als auch der Literaturpresse. 1920 publizierte Scotty seinen ersten Roman, im selben Jahr, in dem er das eigensinnige Südstaaten-Flappermädchen Zelda heiratete. Sie entsprach genau dem Frauenbild, das er in seinen Romanen stets in den Fokus rückte. Doch Zelda war mehr als nur Muse und Flapper. Sie schrieb eigene Geschichten, die sie zunächst des Geldes wegen unter dem Namen ihres Mannes publizierte. Nun erschien vor Kurzem unter dem Tirel „Himbeeren mit Sahne im Ritz“ eine Sammlung von elf Erzählungen aus der Feder der einzigartigen Künstlerin. Vor allem das weibliche Lebensgefühl der Goldenen Zwanziger war es, das sie in den Fokus ihrer Erzählungen rückte.

Auch in „Himbeeren mit Sahne im Ritz“ sind es solche modernen, extravaganten junge Frauen, deren Leben im Mittelpunkt steht. Wir begleiten elf junge Heldinnen, die große Träume haben, sich durchsetzen und hart um Erfolg und vor allem um die Liebe kämpfen müssen. Da scheint sich der Wunsch nach dem großen Ruhm zu erfüllen, ist kurz darauf aber nicht mehr von Belang, da das Mädchen das große Glück in einer bürgerlichen Liebe gefunden hat. Ein anderes Mädchen schnuppert Broadwayluft und kehrt dann doch zufrieden in die Kleinstadt zurück. Eine Dritte ruiniert fast ihren Ruf und macht später doch eine außergewöhnliche Karriere. Wir haben – so die Titel der Geschichten – „Mädchen mit Talent“, „Das Südstaatenmädchen“, „Das Mädchen, das dem Prinzen gefiel“ und „Die erste Revuetänzerin“.

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All diesen Mädchen schrieb Zelda mit leichter Hand, viel Charme und einer gewissen Portion Naivität und Melancholie eine Lebensgeschichte auf den Leib. Man taucht mitten hinein in die Welt der Goldenen Zwanziger, berauscht von Nachtclubs und Partys. Man begleitet die jungen Frauen auf ihrem Weg durch Paris, beobachtet sie bei den Versuchen der Selbstinszenierung, die unabdingbar zum Leben dieser Zeit gehört. Alles ist in Bewegung, unaufhörlich, jeder will sich vergnügen, jeder will Erfolg und Ruhm in einer schillernden Welt, die sich am Ende doch meist nur als schöner Schein entpuppt.

Kaum jemandem könnte es besser gelingen, diese Stimmungen zu Papier zu bringen, als einer Frau, die genau dies alles am eigenen Körper erfahren musste. Zwar nicht mit der gleichen, fast fühlbar schmerzhaften Tiefe, mit der ihr Mann Scott arbeitete, aber dennoch mit einer ergreifenden Melancholie, gelingt es Zelda, die Stimmung der Zeit einzufangen und dem Leser zu vermitteln. Als kluge Beobachterin und Kennerin ihrer Zeit, blickt sie hinter die Fassade und vermittelt tiefe Einblicke in die Gedanken- und Lebenswelt der jungen Frauen, die sie so stilvoll porträtiert. Hinreißend und sinnlich wird man durch eine Welt geführt, in der die hohe Kunst der Selbstinszenierung zum guten Ton gehört und bekommt dennoch auch vor Augen gehalten, welch hohen Preis man unter Umständen für ein Leben im Glanz zu zahlen hatte. Es ist ein harter Kampf, der jeden Tag und jede Nacht aufs Neue gekämpft werden muss. Und nicht nur an wenigen Stellen lassen sich Parallelen und autobiografische Züge zum Leben der Autorin finden. Man erfährt von der Kluft zwischen Arm und Reich, ebenso wie man mit der Nase auf die dunklen Seiten des Ruhms gestupst wird. Abtreibung und Selbstmord stand zu dieser Zeit oftmals hoch im Kurs – wurde aber meist überspielt. So verfährt Zelda auch in ihrem Buch, in dem diese Themen nur sachte am Rande aufgegriffen werden. Die Wirkung wird dadurch jedoch nur noch verstärkt, was besonders am Tod der jungen und aufstrebenden Revuetänzerin Grace deutlich wird. Eine Geschichte, die noch lange in mir nachhallen wird.

„Gin und Champagner“ sind das Zaubermittel, das dafür gesorgt hat, dass die Welt so lange geschafft hat, durchzuhalten. Gin und Champagner als Symbole für die Zeit der Goldenen Zwanziger, als Symbol für all die jungen Seelen, die in dieser Zeit lebten und versuchten, ihren Weg zu gehen und zur Zufriedenheit zu finden. Zelda Fitzgerald schrieb in ihren Erzählungen so leise, so melancholisch, so zart und dennoch so brutal, widersprüchlich und hinreißend, wie es die Zeit der Entstehung wiederspiegelte. Das Werk ist der Spiegel eines Talents, das sich viel zu oft hinter dem Namen des eigenen Mannes verstecken musste und viel mehr gewürdigt werden sollte. So gern würde ich noch ewig zwischen den Seiten verweilen, mit den jungen Mädchen und Männern durch die Nachtclubs flanieren und sie auf ihrem Lebensweg begleiten, doch irgendwann ist der letzte Tropfen Gin getrunken, das letzte Glas Champagner geleert und man muss zurückkehren in die Realität. Dies aber nicht, ohne Zelda einen besonderen Platz im Herzen eingeräumt zu haben.

Himbeeren mit Sahne im Ritz von Zelda Fitzgerald

Zelda Fitzgerald: Himbeeren mit Sahne im Ritz. Erzählungen
Aus dem amerikanischen Englisch übersetzt von Eva Bonné
Manesse Verlag, Zürich 2016

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Achtung Buch: Dora und der Minotaurus von Slavenka Drakulić

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Spricht man von Dora Maar, drängt sich unweigerlich ein anderer Name in den Vordergrund: Pablo Picasso – Künstler, Visionär, Legende. Doch mehr als das war er derjenige, der die Tragödie im Leben der franco-argentinischen Künstlerin bedeutete.

In Form eines unbekannten Tagebuchs der Fotografin und Surrealistin, entführt uns die Autorin in die Welt der Autorin und lässt diese somit direkt selbst zur Sprache kommen. In der Ich-Form lässt Dora (eigentlich Henriette Theodora Markovitch) ihr Leben in verschiedenen prägnanten Episoden Revue passieren.

Als Tochter einer Französin und eines kroatischen Architekten wächst sie zunächst in Paris auf, muss jedoch schon bald nach Argentinien auswandern, wo ihr Vater einen vielversprechenden neuen Beruf bekommen hat. Im Gegensatz zu ihm, gelingt es der Mutter Julie nie, Frankreich hinter sich zu lassen. Sie kann sich mit der neuen Heimat nicht anfreunden und findet keinen Zugang zu den ihr neuen Kulturen und Menschen. All das Neue scheint ihr verwerflich und moralisch inkorrekt.

Ganz anders verhält es sich mit der jungen Dora, die mittlerweile zu einer jungen Frau herangewachsen ist. War sie früher ein schüchternes und ernstes Kind, sprüht sie nun vor Energie und lässt sich vom südamerikanischen Temperament hinreißen. Ein absolut inakzeptables Verhalten in den Augen der Mutter, das dazu führt, dass sie mit Dora umgehend nach Paris zurückkehrt und Argentinien samt dem primitiven und unwürdigen Leben hinter sich lässt.

Auch in Paris findet Dora schnell Anschluss und absolviert erfolgreich ein Studium im Bereich Fotografie und Malerei. Zu dieser Zeit ändert sie auch ihren Namen in Dora Maar, um ihr introvertiertes und einsames Ich hinter sich zu lassen. Ihr größtes Ziel ist eine Karriere als Fotografin und vor allem ein unabhängiges Leben.

„Ich fühlte mich wohl in meiner neuen Haut als Dora Maar, denn Dora war eine Persönlichkeit nach meinem Maß. Ich selbst hatte sie zugeschnitten. Mir schien, ich hätte, anstatt zu sein, was mir durch Geburt vorgegeben war, mich schließlich selbst so geschaffen, wie ich sein wollte. Ich war von Menschen umgeben, mit denen ich verkehrte und arbeitete und die mich schätzten. In diesen Jahren begann ich auch Geld zu verdienen. Es war nicht viel, aber damals lebten wir einfach.“
(S. 48)

Unterstütz wird sie dabei von ihrem Vater, der ihr mit finanzieller Unterstützung ihr erstes eigenes Atelier ermöglicht. Dort kommt sie dann auch schnell in Kontakt mit den schillerndsten Persönlichkeiten der Zeit wie André Breton und Georges Bataille. Insbesondere mit ihrer Straßenfotografie und mit Erotik- und Modefotos macht sich die junge Frau schnell einen Namen. Die Kamera wird ihr Auge auf die Welt, sie wird der Spiegel der Seele der Menschen für Dora. Eins jedoch kann sie nie aus ihrem Leben verbannen: das Gefühl der Entwurzelung. Es fällt ihr schwer, irgendwo heimisch zu werden. stets ist sie rastlos und unsicher – Charakterzüge, die sie hinter der Kamera zu verbergen versucht.

„Unbewusst begriff ich schon damals das Wesen der Fotografie, ich hatte ein Auge dafür. Ich frage mich, ob ich überhaupt jemals einen unschuldigen Kinderblick gehabt habe. Oder schließt der Sinn für die Fotografie Unschuld bereits aus, selbst bei einem Kind?
(S. 40)

29 Jahre alt war Dora, als es im Pariser Café „Les Deux Magots“ zur ersten schicksalhaften Begegnung mit Picasso kam. Für Dora war er zu diesem Zeitpunkt nichts anderes als ein anderer Künstler, aber für ihn war sie sofort faszinierend. Er wollte sie um jeden Preis erobern und letztendlich hatte er Erfolg. Die junge Künstlerin konnte sich seiner Ausstrahlung und Anziehungskraft nicht widersetzen, wenngleich Picasso keinesfalls als attraktiv zu bezeichnen war. Eine stürmische Affäre folgt, die wider aller Erwartungen in eine Beziehung mündete. Völlig im Liebesrausch, ignoriert Dora alle Frauengeschichten sowie Picassos Hang zu Geiz und Macht und stürzt sich zum ersten Mal in ein großes persönliches Glück, in der Gewissheit, ihrem Leben nun eine ganz andere Richtung geben zu können.

Und eine andere Richtung wurde es wirklich: Dora wurde zu Picassos Muse, Teil seiner Kunst und Mittelpunkt der Gesellschaft. Sie inspiriert ihn und wird sogar Teil des Schaffens, indem sie den Entstehungsprozess von „Guernica“ mit der Kamera begleitet.

Leider soll das Glück nicht von langer Dauer sein, denn mit der Zeit schleicht sich die Unzufriedenheit in die Beziehung. Picasso ist sich seiner Sache so sicher, dass er Dora mehr und mehr als Objekt, denn als Mensch behandelt. Er will keine gleichwertige, selbstständig denkende Person an seiner Seite, er will eine Muse, die zu ihm aufschaut und ihn vergöttert. Auch die Fotografie als Kunstform lehnt Picasso strikt ab und verhöhnt Dora für die Arbeit. Zu diesem Punkt ist ihm Dora jedoch schon so hörig, dass sie das Fotografieren aufgibt und sich freudlos der Kunst und Malerei zuwendet.

„Später riss mich seine Stimme aus dem Schlummer. Dora, ich zeige dir, was ich heute Nachmittag gezeichnet habe! Er machte das Licht an, und vor mir auf dem Bett befand sich eine kleine Zeichnung, auf der eine Frau und ein Mann mit Stierkopf abgebildet waren. Das sind du und ich, siehst du, Dora und der Minotaurus, sagte er stolz, richtete den Finger aufs Papier und wartete auf meine Reaktion.
Die Zeichnung ist brutal. Ich hasse ihn. Bete ihn an. Niemals werde ich mich von ihm trennen.“
(S. 85)

Damit ist Picasso jedoch nicht zufrieden. Vielmehr muss sich Dora mit einer Vielzahl von ständig wechselnden Geliebten stellen, mit denen Picasso sie psychisch quält. Sie redet sich ein, dass er ja stets zu ihr zurückkommt. So hält sie an einer Beziehung fest, aus der sie nur als Verliererin hervorgehen kann. Picasso erniedrigt sie so sehr, dass sie sich in psychologische Betreuung begeben muss. Dort muss sie schmerzhaft erkennen, dass Picasso ihre Situation komplett egal ist, er sie sogar schon mit einer jungen Muse ersetzt hat. In diesem Moment fasst die junge Frau einen Entschluss, der ihr Leben komplett verändern soll…

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Dora Maars Leben wird von Drakulić auf eine ungeschönte und direkte Art und Weise wiedergegeben, die den Leser von der ersten Seite an bannt. Aufgrund der intensiven und klaren Ich-Erzählung, hat man das Gefühl, direkt in Doras Gedankenwelt einzutauchen. Man schwankt zwischen Verständnis und Entsetzen für die junge Frau. Wie konnte sie sich so selbst aufgeben, ihre Ziele opfern für einen Mann, für den sie nur ein austauschbares Objekt ist? Messerscharfe Selbstanalysen stehen im Widerspruch zu ihrem Handeln. Sie schafft es einfach nicht, sich aus dem Bann Picassos zu befreien und schaut sich in gewisser Weise selbst beim Verfall zu.

Eine wichtige Schlüsselstelle ist eindeutig die Präsentation des Bildes „Dora und der Minotaurus“, das der jungen Frau ihre Situation schmerzlich wie einen Spiegel vor die Augen hält. Auch auf den anderen Bildern dieser Zeit ist Dora nur noch ein Schatten der jungen und aufstrebenden Frau. Trotz all dieser Demütigungen kommt sie nicht von ihm los, erhebt ihn nahezu zu einem Heiligen und lässt sich zerstören. Ebenso gebannt wie Dora von Picasso ist, ist man als Leser von der Geschichte. Man kann sich nicht von ihr lösen, ganz gleich, wie entsetzt man doch aufgrund der Qualen der jungen Frau ist. Der Roman ist brillant recherchiert und berührt auf jeder Seite mit seiner Tragik und dem tiefen Schmerz. So schnell kann es passieren, dass man sich trotz aller Cleverness in eine Abhängigkeit stürzen kann, aus der man nur als Verlierer und komplett zerstört hervorgehen kann. Immer dachte Dora, sie sei anders als die anderen Verflossenen des großen Genies. Und am Ende musste sie teuer für dieses Trugbild bezahlen. Eine Lebensgeschichte, die tief berührt und lange nachhallt.

 

Achtung Buch: Ein Meer aus Tinte und Gold von Traci Chee

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Kaum beginnt das neue Jahr, wird es auf meinem Blog nach einer kurzen berufsbedingten Pause auch richtig spannend, denn ich nehme euch mit auf eine Reise ins Abenteuer der jungen Sefia.

Seit Sefias Eltern gestorben sind, gibt es nur noch eine Person im Leben des jungen Mädchens: ihre Tante Nin. Schon immer zogen die beiden durch das Land, auf der Flucht vor einem unheimlichen Verfolger. Alles scheint gut zu sein, bis Tante Nin plötzlich entführt wird uns Sefia ganz allein zurückbleibt. Die einzige Spur zu ihrer Tante ist ein mysteriöser Gegenstand im Rucksack, den Sefia schon mit sich führt, so lange sie denken kann. Dabei handelt es sich um nichts Geringeres als um ein Buch. Was ein Buch ist? Das weiß Sefia nicht, denn in ihrer Welt spielen Bücher keine Rolle. Niemand ist sich der Macht des geschriebenen Wortes bewusst. Wirklich niemand?

Sefia beginnt, sich intensiv mit dem Buch zu beschäftigen, ist es doch die einzige Spur, die sie zu ihrer Tante Nin führen kann. Schnell erkennt sie dabei die gewaltige, geheimnisvolle und magische Kraft, die sich im Inneren des Buches befindet. Eine Kraft, die sie nur dann entschlüsseln kann, wenn sie sich auf eine gefährliche Reise begibt. Zum Glück muss sie diese Reise nicht alleine antreten, denn unverhofft kommt es zur Begegnung mit einem treuen Begleiter. Sefia rettet den jungen, stummen Archer aus den Fängen brutaler Männer. Dafür schwört ihr Archer ewige Freundschaft und Treue. Und nach und nach entschlüsseln die beiden jungen Abenteurer nicht nur das Geheimnis des Buchs, sondern auch das Geheimnis ihrer eigenen Herkunft…

Das erste Buch von Kelanna, „Ein Meer aus Tinte und Gold“ von Traci Chee ist ein fulminanter Auftakt zu einer spannenden und magischen Jugendbuchwelt. Man befindet sich mitten in einer Welt, in der weder Bücher, noch das geschriebene Wort von Bedeutung zu sein scheinen. Auf den ersten Blick zumindest. Denn: Schaut man in die Tiefe, erkennt man bald, dass genau die Macht der Bücher die große Gefahr ist, in der sich Archer und Sefia befinden. Keine Bücher, also auch keine Geschichten? Zum Glück ist dem nicht so, denn auf traditionelle Weise erzählen sich die Menschen die Geschichten der großen Abenteurer und Helden, die so stets am Leben erhalten werden. Ein Appell an uns möglicherweise, auch die Geschichten unserer Ahnen am Leben zu erhalten und weiterzuerzählen? Ich finde, es ist ein schöner Gedanke, der durch Figuren wie Kapitän Lees und die Erzählungen über ihn in mir zu keimen begann. Er ist nur eine von einer Vielzahl einzigartiger und liebevoll gezeichneter Figuren, die Sefia und Archer während ihrer abenteuerlichen und gefährlichen Reise begleiten. Schon früh zur Selbstständigkeit erzogen, wurde aus dem jungen Mädchen schnell eine kluge und mutige Überlebenskünstlerin, die sich frei von Angst jeder Gefahr stellt. Je mehr sie sich mit dem Buch auseinandersetzt, desto mehr erschließen sich ihr die Buchstaben und die Welt der Wörter – sie bringt diese in die Welt hinaus und sich damit noch in größere Gefahr.

Der Erzählstil der Autorin hat mich besonders begeistert. Von ruhigen Tönen bis hin zu spannenden, fast atemlos machenden Beschreibungen hat das Buch alles, um den Leser von der ersten bis zur letzten Seite gebannt zu halten. Dazu tut auch die liebevolle Gestaltung des Buches ihr Übriges. Da findet man ausgebrannte Textstellen, mysteriöse Symbole und kleine Rätsel, die das Lesen zu einem eigenen Abenteuer machen und den Leser so noch tiefer in Sefias Welt eintauchen lassen. Der Wechsel von Vergangenheit und Gegenwart ist zwar manchmal etwas schwierig zu verfolgen, aber den roten Faden verliert man eigentlich nie. Für mich war „Das Meer aus Tinte und Gold“ ein wundervoller Auftakt und ich freue mich schon sehr, bald wieder nach Kelanna zurückkehren zu dürfen.