Kindheit und Schulzeit

Der Sonnenkönig Antoine

Der Sonnenkönig Antoine

Antoine de Saint-Exupéry stammt aus einer alten Adelsfamilie, deren Spuren bis ins 11. Jahrhundert zurückreichen. Er wurde am 29. Juni 1900 in Lyon geboren. Seine Eltern waren der Inspektor Jean de Saint-Exupéry und Marie de Saint-Exupéry (geb. Fonscolombe). Antoine Jean-Baptiste Marie Roger de Saint-Exupéry war das dritte von insgesamt fünf Kindern.

Sein Vater starb wenige Wochen vor der Geburt der letzten Tochter Gabrielle im Jahre 1904 und ließ seine Frau mit den fünf kleinen Kindern zurück. Im Jahre 1917 verstarb auch sein Bruder  François. Dieses Erlebnis verarbeitet er in vielen seiner Werke. Trotz des Verlustes des Vaters verlebte Antoine eine sehr glückliche Kindheit, was auch in seinen Schriften deutlich wird. Die Geschwister erschufen sich eine eigene Welt, in der sie Sicherheit und Geborgenheit fanden. Davon schreibt er beispielsweise in Wind, Sand und Sterne:

„Angesichts dieser entzauberten Wüste denke ich an die Spiele meiner Kindheit, an den dunklen und doch so leuchtenden Park, den wir mit Göttern bevölkerten, und an das Reich ohne Grenzen, das wie aus diesem Quadratkilometer niemals gänzlich durchforschten Landes schufen.“

Auch seine Schwester Simone beschreibt auf eine ähnliche Weise diese Kindheitserlebnisse. Neben aller Abenteuer, die die Kinder gemeinsam erlebten, sei die Tierliebe besonders zu erwähnen, die sich bis ins Erwachsenenalter Antoines hielt. So traf er bei einem Flugzeugabsturz auf einen kleinen Wüstenfuchs. Diese Begegnung hatte ihn so geprägt, dass er dem Fuchs eine Schlüsselrolle im Kleinen Prinzen gab.

In jungen Jahren begann sich auch schon sein Interesse für technische Erfindungen herauszubilden und gemeinsam mit seinen Brüdern begann er Experimente durchzuführen, die nicht nur einmal glimpflich abgingen. So bauten die Jungen einmal eine Bewässerungsanlage, die von einer Dampfmaschine gesteuert wurde. Das Experiment war leider nicht erfolgreich und endete mit einer Explosion. Dieses Erlebnis, bei dem der Bruder François fast ein Auge verloren hatte, verstörte Antoine zutiefst.

Auch als Erwachsener erinnert sich Antoine oft an seine Kindheit zurück und verarbeitet diese Erinnerungen in seinen Werken.

Antoine trug als Kind den Spitznamen „Tonio“, wurde aber auch wegen seiner blonden Locken „Le Roi-Soleil“ (Der Sonnenkönig) genannt. Doch auch sonst war er von einem absolut sonnigem Gemüt: Seine Neugier und sein Staunen erstreckten sich auf alles um ihn herum, seien es die Natur, die Menschen, die Erfindungen, die Tiere, Poesie, Musik oder der technische Fortschritt. Diese Neugier behielt er sich ein Leben lang bei.

Marie-Madeleine, Gabrielle, Francois, Antoine und Simone de Saint-Exupéry

Marie-Madeleine, Gabrielle, Francois, Antoine und Simone de Saint-Exupéry

Die Geschwister hatten Kindermädchen, die auch als Symbole einer wundervollen Kindheit in Antoines Büchern weiterleben. Moïsie, das zweite Kindermädchen, erwähnt er beispielsweise in Wind, Sand und Sterne: Als er nachts allein in der Wüste ist, denkt er an seine einstige Welt zurück und sieht dort seine alte Haushälterin die Wäsche aufhängen. Sein Elternhaus taucht metaphorisch als Schiff in vielen Werken auf. Alte Schulfreunde sagten, dass gerade auf diesem intakten und wundervollem Elternhaus das Genie Antoine de Saint-Exupérys basiert. Aber auch seine Geschwister waren mit besten Voraussetzungen für ein erfolgreiches Leben ausgestattet: Marie-Madeleine veröffentlichte ein Buch, Simone promovierte und veröffentlichte Kurzgeschichten, Gabrielle wurde eine Widerstandskämpferin und François war voller Würde und Weisheit, die Antoine halfen, über seinen Tod mit 14 Jahren hinwegzukommen. Diese Werte des Bruders sind tief im Kleinen Prinzen verankert.

Großer Dank gebührt dabei sicher der Mutter Marie, die es trotz des schweren Schicksals meisterte, den Kindern ein Heim voller Wärme und Geborgenheit zu schaffen, in dem sich jeder in seiner Kreativität voll entfalten konnte, Verständnis fand und selbst Verantwortung zu tragen lernte. Antoine hatte zeitlebens eine enge Bindung zu seiner Mutter, die besonders in seinen veröffentlichten Briefen deutlich wird. Er konnte mit ihr über alles und insbesondere auch über seine persönliche Entwicklung sprechen oder schreiben. Sein letzter Brief sollte sie genau ein Jahr nach seinem Tode erreichen.

Antoine mit seiner Mutter

Antoine mit seiner Mutter

Schulzeit

Anfangs wurde Antoine zu Hause unterrichtet, besuchte jedoch von 1908-1909 eine katholische Schule in Lyon. 1909 zog Marie mit ihren Kindern nach Le Mans im Norden, wo Antoine und François dieselbe Jesuitenschule besuchten, auf die auch schon ihr Vater ging. Von dort aus schrieb er auch die ersten beiden Briefe an seine Mutter. Bis 1914 blieb er auf der Schule – eine Zeit, die für den Jungen aus einem mehr als geborgenem Elternhaus sehr schwer gewesen sein muss, da familiäre Geborgenheit auf einmal gegen strenge Disziplin ausgetauscht worden waren. Die Folgen waren anfängliche Unordnung, Tagträumereien und absolut mangelhafte Konzentration. Mit der Zeit besserte sich dies und seine Freude am Schreiben prägte sich mehr und mehr heraus. Mit 14 Jahren schrieb er die Autobiographie eines Zylinders, die bis heute im Collège Sainte-Croix aufbewahrt wird und ihm die erste Auszeichnung seines Lebens einbrachte: den Preis für den besten französischen Aufsatz des Jahres.

Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs änderte sich auch Antoines Leben gravierend. Die Jungen sollten die Schule wechseln, da die Mutter – gelernte Krankenschwester – als Oberschwester in die Nähe von Lyon versetzt wurde. Die neue Schule machte die Jungs jedoch so unglücklich, dass sie auf die alte Schule zurückkehren dürften und bei ihrer Tante lebten.

1915 kamen sie dann in die Villa Saint-Jean im Schweizer Fribourg und blieben dort bis 1917. Dort wurde das freiwillige Bejahen von Disziplin und das Verantwortungsgefühl gelehrt, die zukünftig kennzeichnend für Antoine de Saint-Exupéry sein sollten. Zu dieser Zeit begann er auch verstärkt Gedichte zu schreiben und war der festen Überzeugung, ein guter Dichter zu sein. Diese Illusion zerschlug sich bald, aber seine Prosa behielt immer starke poetische Züge bei.

1917 machte Antoine sein Abitur, konnte sich aufgrund der Erkrankung seines Bruders jedoch nicht darüber freuen. François starb nur einen Monat später, so würdevoll und kraftvoll, dass Antoine tief beeindruckt war und darin den Grundstein zu seiner Philosophie fand: Der Tod an sich ist nur ein relativ unwichtiger, den Körper betreffenden Vorgang. So schreibt er im Flug nach Arras:

„Wenn der Körper abfällt, kommt das Wesentliche zum Vorschein. Der Mensch ist nichts als ein Bündel von Beziehungen. Die Beziehungen allein zählen beim Menschen.“

Mit dem Tod seines Bruders wächst das Verantwortungsbewusstsein Antoines gegenüber seinen Schwestern.

Im Herbst 1917 begann er sein Studium in Paris, wo er die Karriere eines Marineoffiziers einschlagen wollte. Dafür benötigte er jedoch Unterricht in höherer Mathematik, die er dort absolvieren wollte. Nun war er zum ersten Mal ganz allein und noch dazu in einer Großstadt fernab der Geborgenheit der Familie. Seine Hauptaufgabe bestand jetzt darin, seinen Platz im Leben zu finden…

~

An dieser Stelle soll schon einmal auf die wundervolle Biographie über Antoine de Saint-Exupéry aus der Reihe Heyne Biographien verwiesen werden, in der ihr noch viel mehr Details aus dem Leben Antoines finden könnt und auf der zu großen Teilen dieses Projekt basiert:

Joy D. Marie Robinson: Antoine de Saint-Exupéry. Schriftsteller,Flieger und Abenteurer. München: Wilhelm Heyne Verlag GmbH 1993.

Aus dieser Ausgabe habe ich auch die Bilder abfotografiert und nur dort liegt das Copyright. Nur das Foto der Geschwister stammt aus der Rowohlt Monographie über Antoine de Saint-Exupéry:

Luc Estang: Antoine de Saint-Exupéry mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Hamburg: Rowohlt Taschenbuch Verlag 2008.

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6 Kommentare

6 Kommentare zu “Kindheit und Schulzeit

  1. Pingback: Antoine de Saint-Exupéry – Kindheit und Schulzeit | Ruby's Cinnamon Dreams

  2. Antoine als Blog-Projekt, das erfordert Fingerspitzengefühl, da man ja eigentlich alles über ihn gelesen hat, oder glaubt, es gelesen zu haben. Dieses Fingerspitzengefühl hast du leider nicht – nein – es ist viel mehr…

    Es ist ein Gefühl, das auf den ganzen Körper und den Geist ausstrahlt und sich nicht nur auf unseren Tastsinn bezieht. Ich lerne gerade wieder viel dazu und deine Begabung, direkt ins Leserherz zu schreiben, sorgt dafür, dass sich vieles verankert, was vergessen war.

    Ich lese weiter… sehr gerne sogar… 😉

    • Vielen Dank für das tolle Feedback 🙂 über einen bzw. seinen Herzensautor zu schreiben, ist immer etwas ganz besonderes! Da fügt sich fast automatisch Wort an Wort und man genießt die gemeinsame Zeit so sehr! Freue mich, so tolle Begleiter auf der Reise zu haben! Da lachen die Sterne wirklich vom Himmel herab!

  3. Tatsächlich haben wir uns auch im Romanistik-Studium nie viel mit Antoine de Saint-Exupéry befasst, obwohl mich die Person hinter dem kleinen Prinzen durchaus interessiert hätte. Freu mich, dass du diese Wissenslücke für mich schließt. 🙂

    • Ja, ich finde das auch total schade, habe auf gut Glück die Prüfung dort mithilfe der Unterlagen einer Freundin gemacht, die das Seminar hatte, und dieses später glücklicherweise als Gasthörer besuchen können 🙂 sollte es mehr zu geben! Material gibt es dazu genug 🙂

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