Studienzeit und Militär (1917-1923)

Studium

Wie schon am Ende des Kapitels über die Kindheit und Schulzeit Antoine de Saint-Exupérys angedeutet wurde, war sein größtes Ziel eine Karriere als Marineoffizier. Dieser Herausforderung stellte er sich voller Selbstbewusstsein und trotz einiger Anflüge von Heimweh, spiegeln alle Zeugnisse dieser Zeit die freudige Erwartung des jungen Mannes wider, der eine genaue Vorstellung von seiner Zukunft hatte.

Antoine, der Student - 1920

Antoine, der Student – 1920

Aus dem Sonnenkönig war „Saint-Exu“ geworden – ein Spitzname, den er von den Kommilitonen am Lycée Saint-Louis erhielt und der ihm gefiel. Er integrierte sich mit viel Freude in das Studentenleben, nahm an vielen Aktivitäten Teil, brauchte aber auch seine Auszeiten.

Auch innerhalb der Schulpolitik war er sehr aktiv und setzte sich auch für die Gründung einer Art Klassenregierung ein, in der er zum „Präfekten für gute Sitten“ gewählt wurde. Sein bester Freund zu dieser Zeit war Henri de Segogne, der ihm auch bei so manchem Schabernack behilflich war, wie zum Beispiel bei einem Fluchtversuch durch die Abwasserkanäle, um den Unterricht zu schwänzen.

Trotz allem Fleißes konnte er seine Unordnung nicht in den Griff bekommen, was dazu führte, dass er sein kleines Pult, in dem er viel verstauen konnte, räumen musste. Eine Anekdote besagt, dass er daraufhin einen Vers an die Tafel schrieb, woraufhin der Präfekt sich erweichen ließ und Antoine an sein Pult zurückkehren durfte.

Diese Verse begannen übersetzt in etwa so:

Ganz hinten im Studierraum war ich
Ein kleines wertloses Pult.
Ich war das ganze Glück
Meines illustren Besitzers…

Trotz der Unordnung war er ein sehr fleißiger Student, der schon zeitig einen Hang zur Philosophie entwickelte, andererseits aber auch wahres Genie im Bereich der Mathematik zeigte. Joy D. Marie Robinson schreibt über Antoine in ihrer Biografie:

„Intelligent und von schneller Auffassungsgabe, konnte er sich auf jedem Gebiet auszeichnen, das ihn interessierte, während er diese Intelligenz bei Fächern, die ihn nicht reizten, einfach nicht einsetzte.“

Der junge Student führte ein äußerst geselliges Leben, entdeckte mit seinen Freunden zeitig die schönsten Cafés von Paris und wurde schnell ein gern gesehener Gast der vornehmen städtischen Gesellschaft. Dort war seine entfernte Cousine Yvonne de Lestrange eine besonders gute Freundin, die ihn mit Leuten wie André Gide und Jean Prévost bekannt machte.

1918 wurde das Lycée Saint-Louis evakuiert, da Paris stark von Bombenangriffen gefährdet war. Das Lycée Lakanal in Sceaux wurde der neue Lehrplatz von Antoine de Saint-Exupéry.  Nach dem Waffenstillstand kehrte er zurück an die École Bossuet, wo er sich für seine Aufnahmeprüfungen für die Ecole navale vorbereiten wollte. Die schriftlichen Prüfungen bestand er mit Bravour, in den mündlichen versagte er jedoch kläglich, als es um geografische und geschichtliche Fragen ging. Ein bitterer Rückschlag für Antoine, der diese Prüfung aus Altersgründen nicht wiederholen durfte. Sein Lebenstraum war zerstört.

Nach einigen unentschlossenen Monaten ging er dann in eine ganz andere Richtung und schrieb sich an der Ecole des Beaux-Arts als Gasthörer für Architektur ein. Diese „Zwischenetappe“ führte zwar nicht direkt zu einem beruflichen Weiterkommen, prägte dafür aber Antoines späteren Stil und seine Wortwahl maßgeblich. Über diese Zeit existieren kaum schriftliche Zeugnisse und auch keinerlei Korrespondenz zwischen ihm und der Mutter, was verwunderlich ist, da diese eigentlich zu jeder Zeit stattfand.

Militärdienst

Im April 1921 wurde Antoine de Saint Exupéry zum zweijährigen Wehrdienst einberufen, der ihn auf eigenen Wunsch in ein Fliegerregiment nach Straßburg führte. Dort mietete er sich ein luxuriöses Zimmer in einer der besten Straßen, um ein ungestörtes Privatleben fernab der Kaserne führen zu können. Kaum im Regiment angekommen, begann sich seine Leidenschaft für die Fliegerei herauszubilden. Er wurde zunächst dem Bodenpersonal zugeteilt, doch sein Wunsch zu Fliegen wurde  immer stärker. Aufgrund seiner Hartnäckigkeit erbarmte sich der Hauptmann letztendlich und ließ Antoine auf dem Gelände Privatstunden nehmen. Eigensinnig traf er seine Entscheidung, fliegen zu wollen und bat die Mutter um finanzielle Unterstützung.

Antoine der Militärpilot

Antoine der Militärpilot

Am 8. Juli 1921 durfte Antoine das erste Mal allein fliegen und bewies bei einigen Turbulenzen den perfekten Instinkt eines wahren Piloten. Obwohl er dachte, sein Flugzeug würde brennen, brachte er es perfekt zu Boden.

Antoine de Saint-Exupéry hatte sich freiwillig nach Marokko versetzen lassen, um dort seine Ausbildung zum Piloten zu beenden und seine Militärlizenz zu erwerben. Dort begegnete er zum ersten Mal der Wüste, die für ihn und seine Werke so wichtig werden sollte. War er anfangs von einer großen Sehnsucht nach Frankreich ergriffen, begann er doch bald schon die Schönheit der Wüste Afrikas für sich zu erkennen. Auch das Heimweh erwachte und machte ihm selbst seine Liebe zur Heimat Frankreich bewusst. Heimat – ein weiteres Thema, das in vielen seiner Werke einen hohen Stellenwert einnehmen soll. In Marokko entdeckte er auch seine Liebe zum Zeichnen, die sich in den Illustrationen des Kleinen Prinzen widerspiegelt. Er zeichnete schon als Kind gern und entdeckte diese Leidenschaft zwischen der Einsamkeit der Wüste und den geselligen Abenden in Casablanca oder in der Kaserne für sich wieder.

Im Dezember 1921 erhielt er schließlich seine Lizenz als Militärpilot und 1922 wurde er nach Frankreich zurückgeschickt, in das schreckliche Ausbildungslager von Istres, wo er glücklicherweise nur eine kurze Weile bleiben musste.

Der frischgebackene Korporal Saint-Exupéry trat im April 1922 in die Offiziersschule von Avord ein, wo er auf künftige Kollegen wie Marcel Reine traf. Dort erhielt er vorrangig theoretischen Unterricht in Vorbereitung auf sein Diplom als Militärbeobachter. Im Oktober schloss Antoine die Offiziersschule erfolgreich ab, wurde zum Leutnant befördert und beschloss, seinen Militärdienst im 34. Luftregiment in Le Bourget Nähe von Paris zu beenden.

Dort verbrachte er eine sehr angenehme Zeit, konnte er doch aufgrund der Nähe zu Paris die alten Kontakte zu Schulfreunden und Familienfreunden wieder aufnehmen und pflegen. Er traf auf Henri de Segogne, Bertrand de Saussine und die Familie Vilmorin, die ihn sehr an seine eigene erinnerte, da die sechs Geschwister ebenso eng miteinander verbunden waren und unter Schutz ihrer wundervollen Mutter standen, wie er es aus seiner eigenen Familie von früher kannte.  Während dieser Zeit verliebte er sich in die jüngste Schwester Louise, die später auch Schriftstellerin wurde. Auch Louise war schwer verliebt in den jungen Piloten, mit dem sie sich ewig über Poesie unterhalten konnte und der für Sie Gedichte schrieb. Schon bald verlobten sie sich – zum Missfallen von Louises Mutter, die Antoine  nicht für angemessen hielt – und Antoine überreichte ihr einen Ring, dem ihm die Mutter aus dem Familienerbe geschickt hatte.

Louise de Vilmorin

Louise de Vilmorin

Anfang 1923 erlitt er seinen ersten schweren Unfall als Pilot, als seiner Maschine über den Vororten von Paris der Treibstoff ausging. Er zog sich bei dem Absturz einen Schädelbruch zu, setzte die Fliegerei jedoch sofort nach der Genesung wieder fort, um keine Zweifel aufkommen zu lassen. Dieser Unfall bestätigte Louises Mutter nur in ihrem Missfallen und sie setzte das Ultimatum, dass sich Antoine zwischen Louise und der Fliegerei kompromisslos zu entscheiden habe.

Nach seiner Entlassung wurde ihm ein Arbeitsplatz als Berufspilot in der Luftwaffe angeboten, aber die Vilmorins bestanden nach wie vor darauf, dass er die Fliegerei aufgeben muss. Er beugte sich dieser Auflage – womöglich weil er seine Berufung als Pilot zu dieser Zeit noch nicht erkannt hatte – und begann eine solide Büroanstellung als Inspektor bei der Ziegelei Boiron.

Nach zwei Jahren, die nur von der Fliegerei geprägt waren, lebte er nun beständig am Boden und versuchte sich damit abzufinden – nur um Louise zu bekommen.

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Copyright und Quellen:

Bild Antoine, der Student: Francetveducation

Bild Antoine als Militärpilot: The Little Prince

Bild Louise de Vilmorin: Homepage des Tourisme Verrières

Joy D. Marie Robinson: Antoine de Saint-Exupéry. Schriftsteller,Flieger und Abenteurer. München: Wilhelm Heyne Verlag GmbH 1993.

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Ein Kommentar

Ein Kommentar zu “Studienzeit und Militär (1917-1923)

  1. Wieder viel gelernt und den Menschen hinter dem Flieger wieder ein wenig besser erkannt. Die Beharrlichkeit seines Pilotenwunsches war mir so nicht bekannt, passt aber zu seiner Vita. Erneut Kompliment. Wo andere ein Passagierflugzeug brauchen, zündet bei dir ein einziges Triebwerk, um Dein Projekt abheben zu lassen… Flieg….

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