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Achtung Blogtour: Woman in Cabin 10 von Ruth Ware Tag 6: Verbrechen auf hoher See

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Einen wunderschönen Abend, meine lieben Leser,

willkommen auf meiner Nachtfahrt ins Ungewisse. Traut ihr euch auf mein Kreuzfahrtschiff zu kommen und eine Reise über die bekannten und unbekannten Gewässer dieser Welt anzutreten? Ja? Dann auf an Bord und los geht’s! Aber vorab eine Entschuldigung meinerseits für das späte Erscheinen des Artikels … wobei, Entschuldigung wäre das falsche Wort.  Ich kann euch beruhigen, ich bin gesund und munter und hier ist er nun, mein Artikel zur Tour und den Verbrechen auf hoher See. Aber so turbulent wie auf hoher See geht es auch manchmal im Leben zu und Beruf, Familie, Gesundheit und die alltäglichen Scharmützel wie zum Beispiel ein ausgefallenes Internet können da schon mal die eine oder andere Verzögerung hervorrufen. Zu guter Letzt sind wir alle nur Menschen, die mit Liebe zum Buch ihre Blogs führen, aber dennoch primär im Hier und Jetzt zuhause sind. Auch wenn wir unseren virtuellen Zweitwohnsitz fast genauso sehr lieben und mit euch teilen! Und glaubt mir – damit spreche ich auch meinen Mitstreiterinnen aus der Seele – wir tun unser Bestes, um euch interessante und vielseitige Einblicke in die Bücher und deren Entstehung, Umfeld,… zu geben und nichts liegt uns ferner als 0815-Zeilen zu tippen, nur um auf die Minute einen Artikel zu veröffentlichen. Und das braucht seine Zeit, wie sie ein guter Wein zum Reifen braucht…

Aus diesem Grund rufe ich euch erst jetzt auf zur Nachtfahrt auf meinem Luxusliner! Oh… habt ihr die junge Frau gesehen, die dort den Kopf aus der Kabine Nummer 10 gesteckt hat? Komisch, ich hätte gedacht, dass diese Kabine gar nicht belegt ist. Aber da habe ich wohl nicht richtig zugehört. Meine erste Nacht auf einem Luxusliner… ihr hättet den unglaublichen Sonnenuntergang sehen sollen! Ein feuerroter Himmel, der im strahlend blauen Wasser versank. Wasser, überall Wasser und diese Stille! Unglaublich. Doch halt… was war das für ein Geräusch? Fast wie ein lautes Platschen… Hmm… naja… die Crew wird sich schon kümmern. Über Bord wird schon niemand gegangen sein, wobei das ja gar keine so große Seltenheit ist. Einmal ist es der Ehemann, der nach einer durchfeierten Nacht nicht mehr in der Kabine neben seiner Frau aufwacht. Die Tochter einer Familie verschwindet vor dem geplanten Besuch des Bordcasinos… Was man fand? Nur eine Handtasche und ein paar Pailletten ihres Kleiden. Allein in den Jahren 2004-2007 sind über 30 Menschen in den USA spurlos auf Kreuzfahrten verschwunden. Wohin? Niemand weiß es, niemand fand eine Leiche oder andere Spuren (Quelle: Presseportal). Ebenso im Fall der verschwundenen Hamburgerin Sabine L. im Jahr 2006. Nie ist auch nur eine kleine Spur von ihr aufgetaucht. In den frühen Morgenstunden aufgewacht, verließ sie die Kabine samt ihres schlafenden Mannes. Was danach geschah bleibt im Nebel. Hat sie den Pool erreicht? Erlitt sie einen Unfall oder wurde sie Opfer eines kriminellen Übergriffs? Wir werden es nie erfahren. Auf der Internetseite „International Cruise Victims“ findet man eine Vielzahl von Berichten Angehöriger, die Freunde oder Familienmitglieder während Kreuzfahrten verloren. Nehmt euch einmal die Zeit und lest die eine oder andere Story. Es fühlt sich an, als würde man in ein schauriges Paralleluniversum versetzt werden. (Quelle: Stern.de)

Ungeklärt lautet das Ergebnis in fast allen Fällen. Wurden die Vermissten Opfer des perfekten Verbrechens? War es eine Portion tödlichen Leichtsinns oder gar Selbstmord? Meist spricht man von tragischen Unfällen, in hoher Prozentzahl dem Alkoholkonsum zu schulden. Dennoch kann man sagen, dass ein Kreuzfahrtschiff der perfekte Ort für ein Verbrechen ist. Viele wohlhabende Menschen auf einem Haufen, die einen entspannten Urlaub genießen wollen. Ring umher nur Wasser, in dem sich eine Leiche perfekt entsorgen lässt. Schnell ist ein Unfall inszeniert, bei dem das Opfer zufällig über die Reling gegangen ist – schließlich hat man ja gesehen, wie das eine oder andere Gläschen zum Dinner getrunken wurde. Und bei einem Bremsweg von fünf Kilometern ist das Auffinden des Opfers ja schier unmöglich. Nahezu vergleichbar mit einer kleinen Stadt auf dem Wasser schwebt das Schiff dahin, mit einem gravierenden Unterschied: Es gibt keine Polizei an Bord. Außerdem verlässt man mit Betreten des Schiffs in 99 Prozent der Fälle das Rechtsgebiet des eigenen Landes und ist unter der Herrschaft der Behörden unterwegs, bei denen das Schiff registriert ist, was eine Ermittlung kompliziert und langwierig gestalten würde. Wollen das die Reedereien? Natürlich nicht… Also ist in den meisten Fällen Suizid oder ein Unfall doch die angenehmste Theorie…

Oh… was ist denn da draußen auf dem Gang für ein Hin und Her??? Ein Geschrei!! Ah.. die betrunkene Journalistin vom Dinner. Was ruft sie dem Stewart zu? Ein Mord? In Kabine 10? Da war doch gerade eben noch die junge Frau? Und der Stewart behauptet, dass die Kabine unbewohnt gewesen sei? Irgendwie bekomme ich gerade eine Gänsehaut… Ich weiß doch auch, was ich gesehen habe. Oder etwa nicht?? Bleiben wir gespannt, wie sich das Ganze weiterentwickeln wird und hoffen, dass wir alle unser Ziel heil erreichen werden!

… das perfekte Verbrechen gibt es sicher nicht, aber ein Verbrechen auf hoher See ist doch schon verdammt nahe dran…

***Gewinnspiel****

Ich hoffe, unser Schiffsrundgang hat euch neugierig gemacht. Natürlich sind wir auch nicht mit leeren Händen unterwegs und möchten drei Buchpakete auf Reisen schicken. Jedes Buchpaket besteht aus einem Thriller „Woman in Cabin 10“ mit Buchplakat und Schlüsselanhänger.

Hierzu solltet ihr aber alle Bedingungen zur Teilnahme an unserem Gewinnspiel befolgen.

1. Ich möchte von Euch gern wissen, wie ihr reagieren würdet, wenn eure Kabinengenossin oder euer Kabinengenosse an einem Tag einfach nicht mehr zum Frühstück erscheinen würde und euch jeder bei der Nachfrage versichert, dass da niemand in eurer Nachbarkabine gewohnt hat.

2. In jedem unserer Blogtourbeiträge findet ihr ein farbig hervorgehobenes Wort. Bringt alle Wörter in die richtige Reihenfolge und schickt den Lösungssatz an: irveliest@gmx.deDenkt daran, nur wer die Fragen unter jedem unserer Beiträge beantwortet und den Lösungssatz zuschickt, springt in den Lostopf.

Teilnahmebedingungen:
• Wer darf teilnehmen? Minderjährige nur mit schriftlicher Erlaubnis der Eltern, nur Teilnehmer aus Deutschland. Teilnehmer aus dem Ausland sind ebenfalls zugelassen, sofern diese das Porto selbst tragen.
• Die Gewinner werden ausgelost und stimmen durch ihre Teilnahme zu, namentlich auf den teilnehmenden Blogs genannt zu werden.
• Die Verlosung beginnt am 08.01.2018 und endet am 16.01.2018 um 23:59 Uhr.
• Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
• Eure Daten werden ausschließlich für das Gewinnspiel und den Versand benutzt und danach gelöscht.
• Eine Haftung für den Versand ist ausgeschlossen.
• keine Barauszahlung möglich
• Meldet sich der Gewinner auf unsere Nachricht nicht innerhalb von 7 Tagen nicht, wird neu ausgelost.

 

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Achtung Blogtour: Die Bücherkatze von Eva Berberich

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Es ist Blogtourzeit bei den #siebenaufeinenstreich. Und es ist nicht irgendeine Blogtour, nein, es ist unsere Weihnachtsblogtour. Im Idealfall gibt es ja im Jahr keine besinnlichere und entspanntere Zeit als eben die Weihnachtszeit. Im Realfall sieht es jedoch meist genau anders aus: Der Alltag reicht der Suche nach dem perfekten Geschenk die Hand, während im Kopf die imaginären To-Do Listen der Vorweihnachtstage notiert werden. Von „Stiller Nacht“ bleibt da am Ende erstmal nicht viel, bis dann hoffentlich doch am Ende alle gemütlich beisammen sitzen und das Jahr in Ruhe im Kreis der Lieben ausklingen lassen können.

Ganz anders machen das doch die Hauptakteure in der wundervollen Geschichtensammlung, die wir euch in den nächsten Tagen näherbringen wollen. Alle zusammen von gar samtpfotiger Natur, nehmen sie uns mit durch ihre verschiedenen Lebensbereiche. Der ganzen Bande voran steht die Bücherkatze. Was eine Bücherkatze ist, fragt ihr euch jetzt sicher. Vielleicht ist es genau die Katze, die immer sanft an der Seite eines Autors schnurrte, bis dieser beschloss, ihr in einem Buch ein ewiges Zuhause zu schenken? Auf jeden Fall ist sie die Freundin der Sternenkatze. Auch eine gar besondere Erscheinung. Im Himmel lebt sie, für ein – so die Wissenschaftler – richtiges Sternbild zu unwichtig, inmitten großer und kleiner Bären, den Tierkreiszeichen und den anderen leuchtenden Gesellen. Ganz und gar nicht unsichtbar ist sie aber für die Katzenfreunde, die mit vollstem Herzen die sanften Geschöpfe als Begleiter in ihrem Leben sehen…

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Dies sind nur zwei der vielen Katzen, die uns durch das wunderbare Buch von Eva Berberich begleiten. Gemeinsam mit der Katze eines Wissenschaftlers erleben wir den großen Durchbruch, wir begleiten Adam und Eva durch eine besondere Neuauflage der Schöpfungsgeschichte, lernen viel Neues über die ägyptische Katzengottheit Bastet. Von Friedhofskatzen geht es weiter zu päpstlichen Katzen, bevor mit Pfoten und Schatten gespielt und eine Botschaft zum Schluss ganz laut und deutlich erklingt:

Das Glück ist eine Katze!

Ein Fazit, dass sich aus jeder einzelnen der 23 Kurzgeschichten ziehen lässt. Über knapp 300 Seiten hinterlässt die Katze ihre Spuren, die Katze als unbekanntes Wesen, das sich durch alle Zeiten schnurrt und scheinbar allwissend auf den Menschen herabblickt. Unbekannte und sagenumwobene Orte hat sie gesehen, alle Epochen der Geschichte durchlebt, nur um auf ewig eins zu bleiben: ein treuer Gefährte der Menschen, die sich ihrer als würdig erweisen.

Ihr seht, ich halte mich sehr bedeckt was den Inhalt des Buches angeht. Aber mehr als das Geschriebene sollt ihr an dieser Stelle auch nicht erfahren. Ihr müsst dieses Buch schon selbst in die Hand nehmen, die kätzische Magie spüren, die jede einzelne Geschichte versprüht. Ein Klang so leise und poetisch, dass er schon fast an das Schnurren einer Katze erinnert. Poesie trifft Philosophie. Kein Buch, das man in einem Rutsch verschlingen sollte. Vielmehr sollte man die Geschichten genießen, ausgewählt, jede ganz nach der persönlichen Stimmung. Denn jede Geschichte enthält ihre persönliche Botschaft und berührt den Leser auf eine besondere Art und Weise. Sie stimmt nachdenklich, beruhigt, entlockt ein Schmunzeln oder weckt den Leser auf. Genauso, wie es eine Katze tun würde, die auf sensible Art versteht, die Stimmung der Menschen zu erkennen und sich auf diese einzustellen.

„Und die Welt hebt an zu schnurren, triffst du nur das Zauberwort.“

Lasst uns gemeinsam in eine Woche rund um die Bücherkatze starten, lauscht auf das leise Schnurren, das uns besonders in der besinnlichen Zeit ganz laut und beruhigend erscheint, taucht ein in die Welt von Eva Berberich und schleicht euch auf Samtpfoten an die Geschichten an, um sie zu schnappen, festzuhalten und einfach an einem ruhigen Platz zu genießen. Mich hat die Bücherkatze verzaubert und ich bin sicher, dass sie das mit euch genauso tun wird.

Bei uns geht es in den nächsten Tagen so weiter:

12.12.17:        Scatty’s Bücherblog
Die Geschichte der Katze

13.12.17:        Zwiebelchens Plauderecke
Berühmte Katzen und ihre Herrchen/Frauchen

14.12.17:        Irve liest
Das Sternenbild Katze

15.12.17:        Das Niliversum
Das Glück ist eine Katze/Auf dem Regenbogen

16.12.17:        Bücherstöberecke
Covergestaltung

17.12.17:        Lesende Samtpfote
Interview mit der Autorin

19.12.17:        Auslosung und Gewinnspiel auf allen Blogs

20.12.17:        Individuelle Vorstellung der „Bücherkatze“ auf den Blogs

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GEWINNSPIEL
Wir verlosen unter allen Teilnehmern der Tour drei Exemplare von der „Bücherkatze“.
Es gibt allerdings ein paar Bedingungen, um am Ende wirklich im Lostopf zu landen:

Ihr müsst jeden Tourbeitrag kommentieren. Am Ende des Beitrages findet ihr eine Übersicht, in der alle Beiträge verlinkt werden.
Außerdem wird in jeden Beitrag je ein Wort eingebaut und farbig markiert. Wenn ihr alle Wörter gefunden habt, ergeben diese einen Lösungssatz. Diesen sendet ihr bitte per Mail an: Niliversum_Verlosung@web.de
Zeit um alle Beiträge zu besuchen und zu kommentieren, sowie den Satz zu schicken, habt ihr bis Dienstag den 19. Dezember 2017 um 23:59 Uhr.
Der Gewinner wird dann auf den Blogs veröffentlicht.
Viel Glück!

Teilnahmebedingungen fürs Gewinnspiel:
• Wer darf teilnehmen? Minderjährige nur mit schriftlicher Erlaubnis der Eltern, nur Teilnehmer aus Deutschland. Teilnehmer aus dem Ausland sind ebenfalls zugelassen, sofern diese das Porto selbst tragen.
• Die Gewinner werden ausgelost und stimmen durch ihre Teilnahme zu, namentlich auf den teilnehmenden Blogs genannt zu werden.
• Die Verlosung beginnt am 13.11.2017 und endet auch am 21.11.2017 um 23:59 Uhr.
• Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
• Eure Daten werden ausschließlich für das Gewinnspiel und den Versand benutzt und danach gelöscht.
• Eine Haftung für den Versand ist ausgeschlossen.
• keine Barauszahlung möglich
• Meldet sich der Gewinner auf unsere Nachricht nicht innerhalb von 7 Tagen nicht, wird neu ausgelost.

 

Achtung Blogtour: Tausend Teufel von Frank Goldammer #Tag 3 – Die Schauplätze

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Straßenbahnen kreuzen sich in der Herbstsonne. Plappernde Studenten laufen lachend durch die Straßen. Ein junger Mann schaut auf seine Uhr, das Handy am Ohr, und rennt zur Bahnhaltestelle, um die 11 nach Zschertnitz zu erwischen. Eine junge Frau sitzt verträumt am großen Springbrunnen, während ein kleiner Junge fröhlich mit den Händen im Wasser planscht. Jugendliche essen bei Babos einen Döner und unterhalten sich angeregt über die neuesten Spiele für die PS4. Die Sonne strahlt durch die letzten goldenen Blätter der Bäume im Alaunpark. Ein älterer Mann mit Hund wirft ein paar Münzen in den Schoß einiger Punks – verschmitzt lächelnd – vielleicht denkt er gerade an die eigenen wilden Jahre zurück. Auf dem Fahrrad schießt ein Hipster mit großen Kopfhörern auf den Ohren vorbei. Sicher auf dem Weg zum Elbufer, an dem er den Abend mit Freunden verbringen wird.

Es ist Herbst in Dresden. Herbst in der Neustadt, dem wilden, bunten, vielseitigen Reich jenseits der mächtigen und imposanten Altstadt der Hauptstadt Sachsens. Vom Bahnhof aus vorbei an Synagoge und Carolaplatz bis hin zum Albertplatz führt der Weg in das kultige Stadtviertel. Konzerte im Katy’s gehören genauso zum Leben wie der Schaubudensommer oder die heisse Schokolade in der Kunsthofpassage.

Doch schauen wir mal ein paar Jahrzehnte zurück ins Jahr 1947 – Dresden ein Trümmermeer.

Kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs erlebte Dresden definitiv eine politisch und kulturell wichtige Zeit: Elfriede Trötschels ‚Madame Butterfly‘ wird zu einem Glanzpunkt der Dresdner Operngeschichte. Die Künstlergruppe ‚Das Ufer‘ wird gegründet und die Staatsoperette wird nach dem Umbau eines Gasthofes an ihrem früheren Standort in Leuben eröffnet. Der Dresdner Euthanasie-Prozess gegen Ärzte und Pflegekräfte, die in der NS-Zeit an den Tötungen kranker und behinderter Menschen beteiligt waren, findet am Landesgericht am Münchner Platz statt. (Stadtwikidd.de)

Mitten in diesem Geschehen, in einer Stadt, die im Krieg zu etwa 60% zerstört wurde, bewegt sich unser Kommissar Heller. Keine Spur vom schönen Elbflorenz. Kein grünes Terrassenufer. Beißende Kälte durchzieht die Straßen – damals ohne das zum Alltag gehörende ‚bunte Volk‘ der Neustädter. Hungersnot lässt die Menschen zu Dieben werden. Lange Schlangen von Menschen stehen, in der Hoffnung auf ein wenig Essbares und vor allem Genießbares, stundenlang an der Straße, in der sich heute ein Kiosk oder Bistro an das nächste reiht. Alles wirkt kalt und grau. Eine schattenerfüllte Schwarzweißkopie der heutigen Stadt, die alle Ängste und Schrecken in ihren Nebeln vereint. Kein Lachen und Gläserklirren aus den vielen Lokalen in der Alaun- oder Louisenstraße. Dunkelheit und Bedrohung ziehen durch die Straßen des Jahres 1947 auf denen Heller unterwegs ist und nach Spuren sucht.

Heller will Licht ins Dunkel bringen. In ein allgegenwärtiges Dunkel, das sogar vor den berühmten Elbwiesen keinen Halt macht. Heute ein beliebter Treffpunkt, Location für Kino und Konzerte oder Platz zum Skaten, Radfahren und die Seele baumeln lassen. Ein Blick, der schon Canaletto in seinen Bann zu ziehen verstand und dies jetzt jährlich mit Millionen von Touristen tut. Von der Neustadtseite aus kann man ein einmaliges Panorama von der Kuppel der Frauenkirche bis hin zur Semperoper tief in sich aufnehmen – mit Glück sogar begleitet vom Tuten der historischen Schaufelraddampfer, die im Vordergrund der Kulisse auf der Elbe ihre Bahnen ziehen.

Damals, in Hellers Fall, liegt all der Glanz noch unter einem dichten, grauen Schleier verborgen. Die Elbwiesen sind vielmehr zum Schauplatz eines grausamen Fundes und somit zu einem wichtigen Ausgangspunkt der Geschichte geworden.

Stundenlang könnte ich weiter über meine Herzensstadt Dresden schreiben, die auch für elf Jahre meine Heimat sein durfte und die ich schmerzlich vermisse. Aber ich will euch nicht länger davon abhalten, den „Tausend Teufeln“ zu begegnen. Eine Frage gab es allerdings, die mir auf der Seele brannte und die ich dem lieben Frank Goldammer stellen konnte:

Lieber Frank,

dein Roman spielt ja zu Teilen in der Dresdner Neustadt. Was ist deine Meinung zu diesem bunten Viertel der Stadt und wie siehst du dessen Entwicklung seit ein paar Jahren und in Zukunft?

Welche Lieblingsorte oder Geheimtipps hättest du für Besucher der Stadt in petto und von welchen Orten würdest du sie unbedingt fern halten?

Die Antwort darauf lautete:

Bin selber in der Neustadt aufgewachsen, genau da, mitten drin. Ich mag das Viertel sehr, würde aber nicht gern leben dort, zuviel Trubel, zuviel Hundehaufen, zuwenig Parkplätze. wenn man weiß wie heruntergekommen das Viertel war, freut man sich schon über dessen Entwicklung. Ich fürchte jedoch das Viertel wird bald so exklusiv, dass die Leute die jetzt noch dort wohnen, es sich bald nicht mehr leisten können und wegziehen, das wäre schon schade. Ich würde Besucher auf keinen Fall von irgendetwas fernhalten, alles gehört zur Stadt, man soll seine Augen nicht verschließen. wenn ich anderswo bin, lerne ich die neuen Städte meist auch vom Bahnhof aus kennen, meist nicht die beste Gegend, aber so bekommt man den besten Blick dafür. Geheimtipp? Immer wieder die Elbwiesen, sowas gibts nicht oft in unserem Land.

Das fand ich richtig kurios, deckt es sich doch komplett mit meinen Empfindungen beim letzten Neustadtbummel im Sommer. Der kultige „shabby chic“ weicht mehr und mehr hippen Trendläden. Liebevoll geführte Läden und Lokale verschwinden und werden durch innovative, tolle, aber auch preislich ganz schön intensive Restaurants und Boutiquen ersetzt. Die BRN wurde quasi zu Grabe getragen und Szeneläden der „Upper class“ sprießen aus dem Boden.

Adieu, alte Neustadt – ich bin auf die Zukunft gespannt und eins steht fest: Dresden, Schauplatz von den „Tausend Teufeln“, ist immer eine Reise wert. Und eins verspreche ich: Ihr könnt gar nicht anders, als diese Stadt in euer Herz zu schließen.

GEWINNSPIEL

Wie bereits angekündigt, verlosen wir unter allen Teilnehmern der Tour ein signiertes Exemplar von „Tausend Teufel“.

Es gibt allerdings ein paar Bedingungen, um am Ende wirklich im Lostopf zu landen:

Ihr müsst jeden Tourbeitrag kommentieren. Am Ende des Beitrages findet ihr eine Übersicht, in der alle Beiträge verlinkt werden.

In einigen wird euch eine Frage gestellt werden, auf die ihr bitte antwortet, oder andere Beiträge müsst ihr einfach nur so kommentieren. Wenn wir euren Kommentar werten sollen, dann schreibt aber bitte ein bisschen mehr als nur „nett“ 🙂

Zeit um alle Beiträge zu besuchen und zu kommentieren habt ihr bis Dienstag den 21. November 2017 um 23:59 Uhr.

Der Gewinner wird dann auf den Blogs veröffentlicht. Solltet ihr eine Mailadresse hinterlassen, werdet ihr direkt informiert.

Viel Glück!

Die Frage:< strong>Wart ihr schon einmal in Dresden? Was gefällt euch dort am besten? Bzw. was wäre DER Grund für euch, die Stadt zu besuchen? Teilnahmebedingungen fürs Gewinnspiel:<<<
r darf teilnehmen? Minderjährige nur mit schriftlicher Erlaubnis der Eltern, nur Teilnehmer aus Deutschland. Teilnehmer aus dem Ausland sind ebenfalls zugelassen, sofern diese das Porto selbst tragen.

• Die Gewinner werden ausgelost und stimmen durch ihre Teilnahme zu, namentlich auf den teilnehmenden Blogs genannt zu werden.

• Die Verlosung beginnt am 13.11.2017 und endet auch am 21.11.2017 um 23:59 Uhr.

• Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

• Eure Daten werden ausschließlich für das Gewinnspiel und den Versand benutzt und danach gelöscht.

• Eine Haftung für den Versand ist ausgeschlossen.

• keine Barauszahlung möglich

• Meldet sich der Gewinner auf unsere Nachricht nicht innerhalb von 7 Tagen nicht, wird neu ausgelost.

Achtung Buch: Lennard Malmqvist und der ziemlich seltsame Mops des Buri Bolmen von Lars Simon

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Schon als ich das Cover samt Titel sah, stand fest, dass ich dieses Buch unbedingt lesen möchte. Humor, Magie und eine fesselnde Handlung wurden versprochen und auch auf weite Sicht vermittelt. Doch worum geht es überhaupt?

Lennart Malmqvist ist ein erfolgreicher Unternehmensberater, der weitestgehend – sieht man einmal von der juckreizauslösenden Liebesallergie ab –  zufrieden seinem Tagewerk nachgeht. Er lebt in einem gemütlichen Haus in Göteborg, in dessen Erdgeschoss sich ein Zauberei- und Scherzartikelladen befindet. Mit dessen Besitzer Buri Bolmen versteht sich Lennard ebenso gut wie mit seiner italienischen Nachbarin Maria, die ihn und den Rest des Hause mit kulinarischen Hochgenüssen verwöhnt und dazu gern laute Arien der italienischen Operngrößen zum Besten gibt. Eine fast perfekte Idylle, würde man meinen. Aber eben nur fast. Denn eines Tages stirbt Buri Bolmen auf mysteriöse Weise, ein gruseliger Leierkastenmann verfolgt Lennart bis in seine Träume und zu guter Letzt verliert er noch in einem wichtigen Meeting die Gewalt über seine Stimme und somit den wichtigsten Firmenvertrag aller Zeiten. Doch eine neue große Aufgabe wartet schon auf Lennart: Wie er von einem Notar erfährt, hat Buri ihm den Lasen samt Mops Bölthorn vererbt, der bei Gewitter zu sprechen beginnt. Ein skurriles Abenteuer und eine besondere Freundschaft nehmen ihren Lauf…

Die Geschichte entspricht genau ihrem witzig-skurrilen Cover. Simon nimmt den Leser von der ersten Seite an mit in sein magisches Abenteuer, das nicht an wenigen Stellen massiv die Lachmuskeln strapaziert. Schon allein die Darstellung des leicht adipösen und stark sabbernden und röchelnden Mopses ist allzu köstlich und in Mischung mit den herrlich lockeren und komischen Dialogen unschlagbar. Ebenso die Darstellung der einzelnen Charaktere: Herrlich erfrischend und lebendig lernen wir Maria kennen, die italienische Seele des ganzen Hauses, die nicht nur mit fabelhaftem Essen Herz und Seele jedes einzelnen Bewohners zusammenhält, sondern eher wie eine „Mamma“ zu allen ist. Dazu Lennart, eigentlich ziemlich durchschnittlich und doch so besonders, wie er erst nach dem Tod Boris – den ich übrigens sehr fernmehr kennengelernt hätte – erfährt. Magisch ist er, aber keinesfalls in Magie geschult oder ausgebildet.Vielmehr muss er im „Selbststudium“ beginnen, die Geheimnisse zu lösen, die er sich in seinen kühnsten Träumen nicht ausgemalt hätte. Aber erstens kommt ja alles anders, und zweitens als man denkt. Zur Magie kommen noch der magische Mops und Beschützer Bölthorn sowie eine orakelnde Keksdose deren Geheimnisse es zu entschlüsseln gilt, was – unter uns gesagt – stellenweise zum Brüllen komisch ist.

Und schon sind wir mitten im Strudel der spannenden Geschehnisse dieses ersten Bandes einer spannend-komischen Trilogie aus dem Hause dtv. Freund wird Feind, die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen mehr und mehr und mitten im Zentrum stehen ein noch immer relativ ratloser Lennart samt magischem Mops Bölthorn, die sich mutig ins Abenteuer stürzen, dessen Fortsetzung hoffentlich nicht allzu lange auf sich warten lässt. Viele Handlungsstränge wurden aufgeworfen, wenige abgeschlossen, was in Anbetracht der Folgebände nicht schlimm ist, sondern viel mehr Lust auf das Weitere macht.

Ein sehr gelungener und erfrischender Lesegenuss, der mit Humor, Fantasy und sehr charmanten Charakteren zu punkten versteht!

 

Achtung Buch: Im dunklen dunklen Wald von Ruth Ware

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Freundschaft ist…

… wenn man eigentlich seit geraumer Zeit gar kein Freund von Thrillern ist, sich aber im Gespräch mit den anderen Lesemädels doch dazu breit schlagen lässt, es zu versuchen. So kam es, dass ich mich der Herausforderung gestellt habe, und nicht nur das Buch gelesen, sondern auch an der Blogtour zum Buch teilgenommen habe. Was wir da so erlebt haben, könnt ihr auf den folgenden Seiten nachlesen:

Kurzvorstellung des Buches bei Ronja

Eine besondere Cocktailparty bei Anja

Interview mit Ruth Ware bei Sabine

Dialog über die Freundschaft und ihre Besonderheiten bei Yvonne, Pauli und mir

Eva erklärt uns warum wir Angst im Wald haben und was ihn so besonders macht

Heike erklärt uns das Phänomen des Junggesellinnenabschieds

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Das war sie also, unsere sehr spannende und gruselige Blogtour zum Thriller von Ruth Ware. Doch um was geht es nun genau?

Der Klappentext verrät uns Folgendes: 
Eine bizarre Junggesellinnenparty.
Ein Spiel, das aus dem Ruder läuft.
Manche Partys sind gut, manche sind schlecht. Diese hier ist tödlich.
Als Nora, 26, eine Einladung zum Junggesellinnenabschied ihrer ehemals besten Freundin Clare bekommt, ist sie mehr als überrascht. Sie hat Clare seit zehn Jahren nicht gesehen. Seit dem Vorfall damals, den Nora nie ganz überwunden hat… Und jetzt aus heiterem Himmel diese Einladung. Ein idyllisches Wochenende in einem Haus tief in den winterlichen Wäldern Nordenglands ist geplant. Was kann es schon schaden? Nora gibt sich einen Ruck und fährt hin. Doch etwas geht schief. Grauenvoll schief.

Viel mehr Worte möchte ich dazu gar nicht verlieren, denn jedes Wort zu viel wäre ein Wort, das euch einen, wenn auch noch so kleinen Teil der Spannung nehmen könnte. Was zunächst wie ein allseits bekanntes Schema für dieses Genre klingt, entwickelt sich schon ab der ersten Seite zu einem perfiden Katz und Maus Spiel. Jeder Mensch hat zwei Seiten, heißt es immer so schön. Und genau dies wird im Buch bewiesen. Da wird die beste Freundin zur Kratzbürste und die Feindin zur Verbündeten. Da glaubt man jahrelang, sich zu kennen und wird sich auf engstem Raum doch fremder als man es je zu glauben gewagt hatte.

Dass ein Mord passieren wird, wird hier jedem klar sein. Denn was ist schon ein Thriller ohne Blut und ohne Mord. Aber wie er vollzogen und vor allem wie sich die Geschichte im weiteren Verlauf entwickelt, das ist schon gar nicht von schlechten Eltern. Ein Mord also, MORD… wieso kann sich Nora aber an nichts erinnern? Und wieso liegt sie im Krankenhaus? Was machen die Polizisten vor ihrem Zimmer? Wie ein undurchdringlicher Nebel liegt die Vergangenheit über ihrem Gedächtnis und kann selbst mit der größten Anstrengung nicht hervorgeholt werden. Der Druck auf die junge Frau nimmt zu und da ist sie: eine erste kleine Erinnerung. Schritt für Schritt rekonstruiert Nora im Geiste die Geschehnisse vom Tag der Einladung zum Junggesellinnenabschied bis hin zum Krankenhaus. Und je weiter sich der Nebel lichtet, desto mehr wird sich Nora der Gefahr bewusst, in der sie und die anderen schweben.

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Ruth Ware ist brillant. Anders kann man es nicht sagen. Ihr ist es gelungen, einen althergebrachten Stoff so gekonnt neu zu verpacken, dass man von der ersten bis zur letzten Seite im Buch gefangen ist. Man hegt erste Ahnungen, verwirft sie wieder. Man verfolgt Spuren, die zunächst klar zu sein scheinen und dann im Schnee verlaufen. Man vertraut, um am Ende mehr zu misstrauen und man dreht sich ähnlich wie Nora permanent im Kreis, um die richtige Lösung zu finden. Perfekt spielt Ware dabei mit der Vergangenheit und der Gegenwart ihrer Protagonisten und lässt still und leise Unstimmigkeiten aus der Schulzeit einfließen. Unstimmigkeiten, die Misstrauen säen und kleine, subtile Boshaftigkeiten, die auf den ersten Blick als Neckereien abgetan werden könnten. Am Ende weiß man gar nicht mehr, wem man überhaupt noch trauen kann…

Untermalt wird dies noch durch die schaurige Kulisse. Ein Glashaus mitten im dunklen und dichten Wald. Gegensätzlicher hätte es nicht sein können: Transparenz trifft auf Bedrohung. Man fühlt sich permanent beobachtet und kann doch selbst keinen Blick ins Dunkle werfen. Dazu noch dichter Schnee und kein Handyempfang. Viel mehr braucht es nicht, um eine beklemmende Stimmung zu verursachen. Auch die einfache und knapp gehaltene Sprache unterstreichen diese Gefühle. Bis zuletzt spinnt Ruth Ware ihre Fäden, die sich mehr und mehr zu einem tödlichen Kokon verfestigen und es bleibt lange Zeit unklar, auf wen das Ganze nun eigentlich abzielt und ob Nora sich wirklich wieder komplett erinnern können wird.

Trotz einiger Längen im ersten Teil und des doch bekannten Stoffes konnte mich der Thriller komplett überzeugen und hat den Ausflug in dieses Genre für mich zu einem lohnenswerten Leseerlebnis gemacht. Ich kann das Buch jedem empfehlen, der sich gern in eine beklemmende Stimmung voller Spannung entführen lassen will und danke auch meinen Mitleiterinnen sowie dem dtv für die tolle Leserunde!

Achtung: #mädelswaldtour: Im dunklen dunklen Wald von Ruth Ware

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Hallo ihr Lieben und herzlich willkommen im dunklen Wald… Heute ist schon der 4. Tag unserer tollen Blogtour.

Ihr habt doch keine Angst, oder? Hier ist es nur ein bisschen dunkel und es passieren ziemlich schräge Dinge. Ihr wollt wissen was passiert? Na dann macht mit bei unserem Gewinnspiel und lest diesen fantastischen Thriller selbst. Der Klappentext soll euch aber dennoch einen kleinen Hinweis geben:

Eine bizarre Junggesellinnenparty. Ein Spiel, das aus dem Ruder läuft.
Manche Partys sind gut, manche sind schlecht. Diese hier ist tödlich.
Als Nora, 26, eine Einladung zum Junggesellinnenabschied ihrer ehemals besten Freundin Clare bekommt, ist sie mehr als überrascht. Sie hat Clare seit zehn Jahren nicht gesehen. Seit dem Vorfall damals, den Nora nie ganz überwunden hat… Und jetzt aus heiterem Himmel diese Einladung. Ein idyllisches Wochenende in einem Haus tief in den winterlichen Wäldern Nordenglands ist geplant. Was kann es schon schaden? Nora gibt sich einen Ruck und fährt hin. Doch etwas geht schief. Grauenvoll schief…
***

Eine besondere Rolle spielt das Thema Freundschaft. Was würde es da besseres geben, als ein bisschen mit unserer lieben Yvonne und der herzallerliebsten Pauli von der „Lesenden Samtpfote“ über das Thema Freundschaft zu plaudern. Ich habe sie die Tage zufällig im Wald getroffen und mit ihr über das Geheimnis einer langlebigen Freundschaft gesprochen. Aber lest selbst:

***

Pauli: Hey Jule, ich lese gerade „Im dunklen, dunklen Wald“ und da sind mir ganz viele Frage in den Kopf gekommen, die ich unbedingt loswerden wollte. Wie lange hatten Frauchen und du eigentlich keinen Kontakt mehr?

Jule: Hey Pauli, schön, dich hier auf dieser Bank im Wald zu treffen! Findest du es nicht ein wenig dunkel hier? Gerade wo wir doch noch zusammen im passenden Buch stecken!

Puh, das waren schon einige Jahre, die wir nichts voneinander gehört haben. War sehr traurig, aber wir hatten ja auch beide viel um die Ohren. Vieles hat sich spontan geändert, viele schöne und unschöne Dinge sind passiert, wir haben unseren Weg im Leben gesucht und mussten so manche Entscheidung treffen. Da blieb einfach kaum Zeit. Aber weißt du, was richtig schön ist? Nachdem wir durch die liebe Brigitte Riebe wieder so richtig in Kontakt kamen, war es so, als hätte es diese „leeren“ Jahre nie gegeben. Als würden wir einfach wieder bei Animal Crossing und Caramel Latte dasitzen und über Gott und die Welt reden. Es hatte sich absolut nix geändert. Die gleiche Vertrauensbasis, der gleiche Humor, wir können lachen, weinen, uns kritisieren, … Hat man nur selten im Leben und umso mehr bin ich froh, dass wir uns das so erhalten konnten.

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Was meinst du denn dazu? Dich hab ich ja auch so vermisst! Was macht für dich die enge und langjährige Freundschaft aus?

Pauli: Ich finde es auch ziemlich dunkel hier, fast schon gruselig. Aber ich hab es im Buch und dem Glashaus nicht ausgehalten. Doch wenn ich mir recht überlege, gruselt es mich noch mehr, dass du mir genau die Frage gestellt hast, wegen der ich zu dir komme. Mir geht es einfach nicht mehr aus dem Kopf, wie Tom Nora gefragt hat, was das Geheimnis einer langlebigen Freundschaft ist und Nora gar nicht wusste, was sie antworten soll, weil sie und Clare so lange Funkstille hatten. Deshalb dachte ich, ich frage dich. Frauchen und du, ihr hattet doch auch so lange Funkstille. Ist das Geheimnis eurer Freundschaft vielleicht genau diese Funkstille? Eine Zeit, in der sich jeder weiterentwickelt hat, um dann dem anderen gegenüberzutreten und genau da weiterzumachen, wo man vor vielen Jahren aufgehört hat – ohne Vorwürfe, sondern mit Verständnis? Ich denke, das ist der Schlüssel! Verständnis für den anderen, den man so gut kennt, auch nach einer längeren Kontaktpause. Und welche Rolle spiele ich dabei, hier in diesem Rahmen, in dem wir uns wiedergetroffen haben. Bin ich vielleicht so besessen von Frauchen, wie Flo von Clare? Das Buch macht mich paranoid…

Darf ich dich was anderes fragen?

Jule: Flo ist wirklich besessen von Clare. So etwas kenne ich auch. Ich hatte einmal eine beste Freundin in der Schule. Sie rief mich jeden Tag an, ich durfte nur mit ihr etwas unternehmen und kaum Kontakt zu anderen haben. Das hat mich dann so fertig gemacht, dass ich es kaum mehr ausgehalten habe und diesen Kontakt auch sehr zurückgeschraubt habe.

Pauli: Solche Freunde kenne ich auch. Man denkt, sie können ohne diese eine andere Person nicht existieren, weil sie so abhängig sind. Das ist nicht nur für den Freund sehr anstrengend, an den sich diese Person klammert, sondern auch für alle anderen Personen. Man hat immer das Gefühl, dass man diese eine Person mitschleifen muss.

Aber irgendwie finde ich es traurig, dass es Menschen gibt, die sich so abhängig machen von einem Menschen. Allerdings bin ich ehrlich gesagt ja auch so abhängig und besessen von Frauchen… bei Katzen ist das aber was anderes.

Jule: Das stimmt. Aber wieso tun sie das? Vielleicht aus Bewunderung oder auch aus dem Gefühl heraus, einfach etwas Besonderes in der Person zu sehen, ihr nahe sein zu wollen? Ist das gut dosiert, kann das sehr schön sein. Aber sobald es ungesunde Ausmaße annimmt, muss man schon vorsichtig sein.

Pauli: Mir tun die Menschen leid, die sich von jemandem so abhängig machen. Jeder ist doch auch allein toll, auf seine eigene Art.

Jule: Magst nicht vorbei kommen und bissl kuscheln? Ich mag keine gruseligen dunklen Wälder, obwohl ich sonst sehr gern draußen bin! Und was wolltest du mich fragen?

Pauli: Oh ja, es ist auch ziemlich kalt, da kuschel ich gern. Aber nun zu einer dieser Fragen, die mich nicht loslässt. Stell die vor, Frauchen hätte dich in all den Jahren der Kontaktpause aus heiterem Himmel auf ihren Junggesellinnenabschied eingeladen… wärst du gegangen, um der alten Zeiten willen?

Jule: Oh…. diese Frage ist wirklich schwierig, da ich ja eigentlich kein Freund dieser ganzen Spektakel bin *Lach* komisch, wo ich doch so ne ewig endlose Romantikerin bin. Ich kann dir darauf keine eindeutige Antwort geben, da das auch die Zeit und die Umstände bestimmt hätten. Wäre es in der Zeit gewesen, als mein Pa… sicher nicht, wäre es zu machen gewesen, vielleicht… hmm das ist wirklich ein etwas schwieriges Thema, auf Frauchen hätte ich mich sehr gefreut und hätte es bei ihr sicher auch in Erwägung gezogen, auch wenn ich sonst niemanden gekannt hätte.

Pauli: Hättest du dich gar nicht gewundert?

Jule: Gewundert – sicherlich etwas, aber ich kenn so viele verrückte Pärchen, bei denen das Knall auf Fall passiert und auch Freunde, mit denen man viel weniger als mit Frauchen zu tun hatte, die einen einladen, von daher wäre ich sicher überrascht gewesen, aber positiv und erfreut. Und hundert pro hätte das dazu geführt, dass wir wieder eher mehr Kontakt gehabt hätten – egal, ob ich hingegangen wäre oder nicht.😉

Pauli: Und wenn ihr so lange keinen Kontakt gehabt hättet, dass du nicht mal weißt, wer der Bräutigam ist? Wärst du gegangen? Ist das das Geheimnis, dass man sich nach Jahren noch blind vertraut.

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Jule: Gegenfrage: Steht da meine Meinung denn zur Debatte? Ich meine, ich hätte ihn zwar nicht gekannt, aber Frauchen ist ja dennoch meine Freundin und wird schon wissen, was sie da tut. Hofft man zumindest.🙂

Und du hast recht: Verständnis ist die Grundvoraussetzung, um nahtlos an etwas anzuknüpfen, das lang unterbrochen war. Wie eben unsere Freundschaft. Und dazu kommt sicher noch die Ebene auf der man sich bewegt hat. Wir waren ja so arg auf einer Wellenlänge, da war das kaum ein Problem. Eher habe ich mich geärgert, dass es überhaupt alles so lang auf Eis lag. Umso schöner ist es aber, dass wir uns jetzt wiedergefunden haben.

Magst du denn Hochzeiten? Und Junggesellinnenabschiede? Wie würdest du den denn gern feiern? Oder wie überhaupt nicht?

Pauli: Ich hätte eingeladen zur Wellnessbehandlung an einem Mauseloch an einem See oder so. Ich hätte aber alle eingeladen. Nicht nur Katzen, auch Kater. Alle Kumpels! SamRoc, Wallee, Ponyo, Jack, Chester (aber nur bis 22 Uhr) und alle anderen und wir hätten Milchskey getrunken und uns von unseren Frauchen kraulen lassen. Aber wenn, dann würde ich nur Frauchen heiraten und die hat gesagt das geht nicht. Da fällt mir ein, dass ich gar nicht weiß, wie und ob sie feiern würde. Da muss ich genau zuhören, was Heike am 31.10.2016 von Frauchen zu berichten hat.

Wurdest du schon mal nach langer Zeit der Funkstille zu einem Junggesellinnenabschied eingeladen?

Jule: Eine liebe Freundin, die ich ewige Jahre auch nicht mehr gesehen habe, hat mich auch zur Hochzeit eingeladen gehabt und war unterdessen Mama geworden und so einige Überraschungen mehr, das war auch etwas komisch und am Ende aber eine riesen Freude.🙂

Pauli: Ich bin ja von Natur aus skeptisch.

Aber ich weiß, dass Frauchen genau diese Sache zu schaffen macht. Vor dem Studium, in der Schulzeit, gab es schon mal eine Juliafreundin. Zu der war auch einige Jahre der Kontakt abgebrochen, als plötzlich eine Einladung zum Junggesellinnenabschied und zur Hochzeit kam. Frauchens Mama war in der Zeit grad so krank und Frauchen ist kaum noch aus dem Haus gegangen, weil alles zu viel war. Deshalb hat sie die Einladung abgesagt. Ich weiß aber ganz genau, dass sie nicht mehr bereut, als diese Entscheidung. Nachvollziehbarerweise, ist der Kontakt zu dieser Freundin jetzt nicht mehr so gut. Ich glaube, sie hat es Frauchen nie verziehen, dass sie nicht gekommen ist. Frauchen ist deshalb immer sehr traurig.

Yvonne: Pauli, hier bist du? Ich habe schon gesucht! Hey Jule, schön dich zu sehen. Na, plaudert der Fellball wieder aus dem Nähkästchen.

Jule: Hey Yvonnchen! Mannomann, Pauli ist aber wissbegierig. Man kommt ja gar nicht zum durchatmen.😉

Yvonne: Wem sagst du das. Aber ich bin froh, dass Pauli so clever ist. Ohne ihre Idee mit dem Blog, hätten wir uns wohl nicht so schnell wieder gefunden. Aber wieso ist das Kontakthalten oftmals so schwierig heutzutage? Wir leben doch im Zeitalter der modernen Kommunikation.

Jule: Vielleicht besteht genau da das Problem – wir sind übermedialisiert! Nie war es leichter als heute, Kontakt zu knüpfen und zu halten. Man kann auf Facebook schauen, auf Instagram, Twitter und wie die ganzen Social Medias alle so heißen. Deshalb macht man sich ja kaum noch die Mühe, einen Kontakt bewusst aufrecht zu erhalten. So mit Briefe schreiben und so. Ich will wissen, was jemand macht: Ach schau, ein neuer Snap, ein neuer Eintrag auf der Pinnwand. Man wird so von Informationen aus allen Bereichen überflutet, dass man auch manchmal einfach den Überblick verliert. Jeder arbeitet viel und hart und will in seiner Freizeit so wenig Stress wie möglich haben. Da wird es einem ja sehr leicht gemacht. Allerdings sind das sehr oberflächliche Kontakte. Wenn man diese vertiefen möchte, muss man dann schon wieder auf die konventionellen Wege zurückgreifen. Oder wie siehst du das? Ach… ich bin gern hier mit euch!

Yvonne: Das stimmt schon. Man denkt immer, man kann ja jederzeit jemandem schreiben, weil man so gut vernetzt ist. Aber irgendwann ist so viel Zeit vergangen, dass man sich irgendwie nicht mehr traut und dann die Funkstille immer länger wird.

Ich bin jedenfalls froh, dass wir uns wiedergefunden haben und es nun auch hinbekommen, den Kontakt zu halten.

***

Bei der #Mädelswaldtour könnt ihr übrigens auch ein Exemplar von Ruth Wares „Im dunklen, dunklen Wald gewinnen – und das müsst ihr dafür tun:

Auf allen 6 Stationen sind 4 Buchstaben, bzw. einmal 3 Buchstaben, im Text rot markiert.
Diese ergeben in die richtige Reihenfolge gebracht das Lösungswort (23 Buchstaben), welches per Mail an lesende_samtpfote@web.de bis einschließlich 31.10.2016, 23.59 Uhr geschickt werden sollte und euch mit viel Glück das Exemplar von „Im Dunklen dunklen Wald“ beschert.

Teilnahmebedingungen:

  • Wer darf teilnehmen? Minderjährige nur mit Erlaubnis der Eltern, nur Teilnehmer aus Deutschland. Teilnehmer aus dem Ausland sind ebenfalls zugelassen, sofern diese das Porto selbst tragen.
  • Die Gewinner werden ausgelost und stimmen durch ihre Teilnahme zu, namentlich auf den teilnehmenden Blogs genannt zu werden.
  • Die Verlosung beginnt am 26.10.2016 und endet auch am 31.10.2016 um 23:59 Uhr.
  • Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
  • Eure Daten werden ausschließlich für das Gewinnspiel und den Versand benutzt und danach gelöscht.
  • Eine Haftung für den Versand ist ausgeschlossen.
  • keine Barauszahlung möglich
  • Meldet sich der Gewinner auf unsere Nachricht nicht innerhalb von 7 Tagen nicht, wird neu ausgelost.

Der Gewinner wird am 01.11.2016 gezogen und veröffentlicht, bzw. bekommt dann auch eine entsprechende Mail mit der Bitte um Angabe seiner Anschrift.

VIEL GLÜCK

Die Frauen und Augustus

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Im Rahmen einer tollen Blogtour mit dem dtv habe ich mich gemeinsam mit vier anderen Bloggern mit dem „Augustus“ von John Williams auseinandergesetzt und diesen intensiv durchleuchtet. Was nach dem Lesen bleibt, ist die Erkenntnis, einen wahrlich monumentalen Roman gelesen zu haben, der in seiner Tiefe und Besonderheit nachhallt und das Herz eines jeden Freundes von Rom höher schlagen lassen wird. Ich nehme euch hier mit auf eine kleine Reise durch das Leben des Kaisers und lege mein besonderes Augenmerk dabei auf die Begegnungen mit Frauen und deren Auswirkungen auf das Leben Octavius‘.

Ein besonderes Erlebnis ist dieser Roman auch in der Hörfassung. Berühmte Stimmen aus Fernsehen und Rundfunk erwecken das alte Rom zum Leben und vermitteln ein einmaliges Gefühl, direkt in das Geschehen involviert zu sein.

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Hinter jedem starken Mann steht eine starke Frau – diesen Spruch kennt wohl jeder von euch, doch trifft er auch auf einen der größten und wichtigsten Menschen der römischen Geschichte zu? Eins steht fest: Abgeneigt war Augustus dem schönen Geschlecht in keiner Weise, jedoch konnten ihn nur wenige Frauen wirklich nachhaltig prägen.

Beginnen wir also einmal bei der wichtigsten Frau im Leben eines jeden Mannes: seiner Mutter Atia. Weise und mit mütterlicher Wärme hielt sie stets die Hände über ihren Sohn und warnte ihn vor den Folgen, die ihn erwarten würden, sollte er Cäsars Erbe annehmen. Glanz und Ruhm auf der einen Seite, aber auch Unbekanntes, Dunkles und Mächtiges, dessen Ausmaß er in seinem jungen Alter noch gar nicht ermessen könne.

„Das Testament wurde öffentlich gemacht, und es ernennt Dich zu Cäsars Sohn und Erben. Ich weiß, Dein erster Impuls wird sein, beides anzunehmen, den Namen und das Vermögen, aber deine Mutter fleht dich an zu warten, zu überlegen und abzuschätzen, in welche Welt Dich das Testament Deines Onkels einlädt. Es ist nicht die schlichte Welt von Velletri, diesem Ort auf dem Land, in dem Du Deine Kindheit verbracht hast, (…). Dies ist die Welt Roms, in der niemand Feind noch Freund kennt, in der Freizügigkeit stärker als Tugend bewundert wird und Prinzipien nur den Eigennutz dienen:“
(S. 43)

Trotz aller gut gemeinten Ratschläge tritt Octavius das Erbe des Onkels an und wird binnen wenigen Jahren zu einem mächtigen Herrscher, der seine Mutter aber immer im Herzen trägt, was insbesondere nach deren Tod während der Beerdigungszeremonie deutlich wird. Sehr wohl trug er ihre Ratschläge im Herzen und versuchte diese für sich und das römische Volk umzusetzen. So spricht er über sie:

„Rom wird dich, die du Rom warst, nie wieder erblicken. Ein Verlust, der allein durch deine beispielhafte Tugend zu ertragen ist, die uns doch sagt, dass unser Kummer, währt er zu lang und wird er zu tief empfunden, dem eigentlichen Ziel deines Lebens zuwiderläuft. (…). Du, der du einen ehrenwerten römischen Namen trägst, hast in vollem Maße jene alten Tugenden des Landes verkörpert, die unsere Nation im Laufe ihrer Geschichte genährt und erhalten haben.  (…). Dank deiner Sanftmut besaßt du eine anderen Feinde als die Zeit, die dich nun von uns genommen hat. Rom, ach Rom, blicke auf jene, die hier ruht und sehe in ihr das Beste deines Wesens, deines Erbes.
(S. 122-123)

Insbesondere diese Worte zeigen, welch wichtige Rolle Atia im Leben ihres Sohnes gespielt hat. Sie war es, die ihm die monumentalen Werte, die Ideale vermittelt hat, die für ihn Rom ausmachen. Ihre Güte und Weisheit sollen auf ewig in den Menschen weiterleben. Eine Rede, eine Geste, die nur von wahrer Liebe zeugen kann.

In diesem Zusammenhang sei auch Hirtia zu nennen, deren Mutter zur Zeit der Geburt Octavius‘ als Sklavin in Atias Haushalt arbeitete. Sehr eng war ihre Bindung zu dem kleinen Jungen und bis ins hohe Alter, als sie noch einmal nach Rom fuhr, um die Stadt mit schwindendem Augenlicht ein letztes Mal zu sehen, hielt sie die Erinnerungen an den kleinen Jungen Tavius im Herzen. Nun, nach über fünfzig Jahren sieht sie diesen Jungen am Ende ihres Lebens noch einmal wieder. Er begegnet ihr voller Güte und auch sie entgegnet ihm die Wärme des Herzens.

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Ganz anders war es dabei um die Ehen Octavius‘ bestellt. Arrangiert wurden sie durch Maecenas und erfolglos waren sie. Man mag von Liebe gar nicht sprechen. Die erste Ehe wurde mit Servilia arrangiert und basierte – wie auch alle folgenden Ehen – auf politischen Gründen. Sie wurde niemals geschlossen, da sie in der Endkonsequenz nicht nutzbringend für Rom gewesen wäre. Die zweite Ehe betraf Clodia und ihr lag einer Vereinbarung des Triumvirats zugrunde, mit dem ein Friede mit Antonius einhergehen sollte. Ganz das Gegenteil war jedoch der Fall und somit wurde die Scheidung beschlossen. Die dritte Ehe wurde mit Scribonia beschlossen, mit der Frau, die ihm seine einzige Tochter Julia schenken sollte. Auch diese Ehe wurde letztendlich geschieden.

Wenn man diese Erlebnisse so betrachtet, wird deutlich, dass die Politik und die Liebe einfach nicht zu vereinen sind. Zweckmäßig arrangierte Ehen erfüllen nie den Zweck der Liebe, der zur Zeit Octavius‘ aber sowieso hintergründig war. Allerdings erfüllten seine Ehen nicht einmal die politischen Zwecke, für die sie ausgerichtet wurden. Ist es also verwunderlich, dass er sich den leichten Vergnügungen zuwendete?

Eine Frau gab es jedoch, die sein Herz erreichte, die ganz die Seine war: seine Tochter Julia. Wider aller Gesetzmäßigkeiten ließ er ihr alle Bildung zukommen und sie von seiner neuen Frau Livia – einer starken Person, die genau wusste, was sie wollte und wie sie es bekommt – anstelle einer Amme großziehen. Julia bewunderte Livia und beide Frauen entwickelten über die Jahre hinweg eine gewisse Art von Freundschaft. Und das, obwohl Livia die Berechnung und Härte in Person war, die alles tat, um ihre persönlichen Wünsche und Ziele zu erreichen, koste es was es wolle. Julia lernte die traditionellen Hausarbeiten ebenso wie die Kunst des Latein und der Rhetorik gleichwertig mit den Jungen. Über ihre Kindheit sagte sie:

„Mir scheint, dass ich damals glücklich gewesen bin, vielleicht so glücklich wie sonst nie in meinem Leben, doch nach drei Jahren ging diese Zeit zu Ende, und ich musste zur Frau werden. Es war der Abschied von einer Welt, auf die ich nur erste Blicke geworfen hatte.“
(S. 245)

Und es sollte nicht der letzte Abschied im Leben der jungen aufstrebenden Frau bleiben. Drei Ehemänner hatte sie, die sie nicht liebte. Mit siebzehn wurde sie das erste Mal zur Witwe, als ihr Mann Marcellus verstarb. Es folgte die Ehe mit Marcus Agrippa, dem engen und vertrauten Freund des Vaters, die neun Jahre andauern sollte. Doch auch in Julias Leben dominierte nicht die Liebe, sondern das Pflichtgefühl:

„Ich war des Kaisers Tochter. Ich war auch die Frau von Marcus Agrippa, meines Vaters Freund, zuallererst aber war ich die Tochter des Kaisers. Man ging gemeinhin davon aus, dass meine Pflicht vor allem Rom galt.“
(S. 294)

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Doch genau gegen diese Pflicht begann sich die junge Frau aufzulehnen und widersetzte sich den Gepflogenheiten des Landes. So setzte sie selbstbewusst durch, dass sie die Stadt verlassen dürfe, um an der Seite ihres Mannes zu reisen. Sie lernte die Welt kennen, durchlebte diverse mythische Rituale und musste letztlich doch eines bitter erfahren: Sie würde immer Rom sein und in dessen Pflicht stehen.

„Im Jahr des Konsulats von Tiberius Claudius Nero, Livia Sohn und Ehemann von Vipsania, der Tochter meines Mannes, fuhr ich wieder nach Rom. Ich war fünfundzwanzig Jahre alt. ich, die eine Göttin gewesen war, kehrte zurück als einfach Frau und verbittert.“
(S. 307)

Nach Agrippa Tod wurde Julia von ihrem Vater an Tiberius Claudius Nero versprochen, dem Ehemann, den sie abgrundtief hasste. Ein Hass, der soweit reichte, dass sie ihn nur mithilfe einer Vielzahl von Liebhabern ersticken konnte. Liebhaber, die ihr zum Verhängnis werden sollten. Denn was Julia nicht merkte war, dass ihre Liebhaber hinter ihrem Rücken gegen ihren Vater verschworen hatten und ein tödliches Komplott schmiedeten. Des Ehebruchs und der Mitschuld bezichtigt würde das unweigerlich den Tod Julias mit sich bringen. Eine Tatsache, die der liebende Vater mit klugen Schachzügen aus der Welt schaffen kann. Aber zu einem teueren Preis: die geliebte Tochter muss ins Exil. Dies war der einzige Weg um ihr Leben und die Ehre der Stadt Rom zu retten. Zwei Schicksale, auf ewig und unzertrennlich aneinander gebunden. Und immer blieb in ihm die Liebe zu seiner Tochter:

„Aller Groll, den ich meiner Tochter gegenüber gehegt haben mag, ist längst versiegt, da ich einsam, dass es trotz ihrer Rolle bei der Verschwörung noch immer eine Julia in ihr gab, die das den Vater liebende Kind blieb und vielleicht alle vernarrt in ihn war, eine Julia, die entsetzt vor dem zurückgewichen sein muss, wozu sie gedrängt wurde, eine Julia die sich immer noch, auch in der Einsamkeit Reggios, an die Tochter erinnert, die sie einmal gewesen war. (…). Ich wünschte mir damit, dass Rom einmal jenes Potential besäße, das ich in meiner Tochter sah. Letzten Endes haben sie mich beide verraten, nur kann ich sie deswegen nicht weniger lieben.“
(S. 432)

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Ja, die Frauen begleiteten Octavius von jungen Jahren an und hinterließen ihre Spuren in seinem Leben. Spuren, die Williams auf eine einzigartige Weise in seinen Briefen lebendig werden lässt und die den Leser bannen. Wie intensiv die Beziehung zwischen Vater und Tochter in diesem Zusammenhang war, zeigt schon allein die Tatsache, dass er ihrer Geschichte ein ganzes Buch im Roman eingeräumt hat. Doch weniger Platz hätte auch nicht gereicht, um das Leben und die Beziehung zwischen Vater und Tochter in all ihrer Vielschichtigkeit darzustellen.

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Flüchtige und zweckdienliche Beziehungen waren es vordergründig, die Octavius‘ Leben prägten, sieht man von seiner Mutter, der Tochter und seiner letzten Frau Livia ab, die einen großen Einfluss auf ihn und die Geschichte Roms hatten. Rom über alles, Rom ist der Atem, das Leben und der Tod. Und dennoch schlummert auch im stärksten Kaiser die Sehnsucht nach der Liebe, die insbesondere bei Julia zu spüren ist, aber auch in der Beschreibung seiner Ehe mit Terentia, einer auf den ersten Blick einfachen Frau, die es jedoch verstand, ihm Liebe und Zuneigung zu geben, für ihn da zu sein und ihm Trost zu spenden. Dinge, die er, das Oberhaupt Roms, nur selten erfahren durfte. Denn es ging schließlich um Rom, immer um Rom…

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