Tag-Archiv | Familiengeheimnis

Achtung Blogtour: Die Oleanderfrauen von Teresa Simon – Eine kleine Geschichte des Kaffees

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Morgens 5.30 Uhr, mein Wecker klingelt und der Tag beginnt. Natürlich mit einem überlebenswichtigen Ritual: Während ich die Zähne putze, läuft mein frisch gebrühter Kaffee durch die Maschine, der erstmal meine Lebensgeister erweckt.

Dabei gibt es bei mir aber nicht irgendwelchen Kaffee aus dem Supermarkt, sondern nur frisch gerösteten und fair gehandelten Kaffee vom Privatröster nebenan. Snob? Hipster? Keinesfalls. Nur bin ich mittlerweile, genau wie unsere Jule in den „Oleanderfrauen“ auf den Geschmack gekommen, dass Qualität im Fall von Kaffee auch ein Stück Lebensqualität bedeutet. Und besser als mit einem tollen, wunderbar duftenden Schluck Kaffee kann man doch nicht in den Tag starten, oder was meint ihr?

Mein Lebenselixier stammt frisch aus der „Neuen Kaffeerösterei“ in Plauen, wo der Daniööl ganz fantastische Kaffees selbst röstet. Die Bohnen bezieht er dabei nur von kleinen Plantagen, wirklich fair gehandelt und aus besten Bedingungen. Null Industrie – wenn eine Sorte alle ist, gibt es den Kaffee eben nicht mehr und man muss sich auf neue spannende Sorten freuen. Das tut dem Genuss aber auf keiner Weise einen Abbruch, viel mehr steigert es den Genuss. Die Bohnen sind dabei ja nur das Eine. Der Röstprozess ist genauso wichtig. Daniel röstet seine Bohnen im Geschäft immer Montags zu guter Jazzmusik – langsam und schonend, sodass etwaige Schadstoffe gar keine Chance haben, irgendwo Bestand zu haben und uns den Genuss zu verderben.

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Auch fürs Rundumwohl sorgt er immer ganz toll, denn unsere Feinbäckerei Aust steuert täglich noch die passenden Kuchen und Törtchen bei. Ein Besuch bei Daniel lohnt sich also wirklich komplett – ganz wie ein Besuch des Strandperlchens im Roman. Daniel ist eindeutig das Äquivalent zu Maite da Silva! Und er experimentiert auch so gern. Mit einem kleinen regionalen Brauereiunternehmen entstand das erste Black Coffee Stout, ein brillantes dunkles Kaffeebier, das stilecht mit Livemusik – nee, keine Blasmusik, sondern feinster Jazz und Funk – gefeiert wird. Auch kleine Lesungen haben schon bei Daniel stattgefunden.

Eigentlich wollte ich ihn für euch zum Thema Kaffee interviewen, aber der Umzug der Rösterei in eine neue Location steht direkt bevor und da wäre das nichts Gescheites geworden. Deshalb gab es an dieser Stelle diesen kleinen Ausflug für euch in unsere heimische Rösterei!

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Doch wo kommt er eigentlich her, der Kaffee? Nachweislich stammten die ersten Kaffee-Pflanzen aus Äthiopien. Entdeckt haben soll sie der Hirte Kadi, dessen Ziegen, nachdem sie die rote Kaffeekirsche gegessen haben, absolut aufgedreht herumsprangen. Schon im Jahr 900 n. Chr. wurde Kaffee in der Region Kaffa namentlich erwähnt. Zu dieser Zeit wurden die Blätter und getrockneten Kirschen noch nicht geröstet, sondern als Aufguss getrunken. Erst später, als der Kaffee seinen Weg ins Osmanische Reich und somit in die arabische Welt fand, wurden die getrockneten Samen erstmals geröstet, gemahlen und aufgekocht.

Beginn einer goldenen Ära? Ganz im Gegenteil. Erst im 16. Jahrhundert eröffneten in Istanbul Kaffeehäuser. Zu dieser Zeit war Kaffee aber noch nicht salongemäß. Vielmehr wurden die Kaffeetrinker unter der Herrschaft Murad IV sogar hart bestraft und die Kaffeehäuser wurden niedergerissen. Dies bedeutete jedoch keine Niederlage. Das edle Pulver wurde ein begehrtes Mitbringsel aus den Orienturlauben und erfreute sich so großer Beliebtheit, dass im 17. Jahrhundert Kaffeehäuser in Venedig, London, Wien, Paris und Deutschland eröffnet wurden. (Coffee-Circle)

Von diesem Tag an war der Hype um die Bohnen kaum aufzuhalten, wenngleich sie von einigen Herrschern weiterhin mit großer Skepsis betrachtet wurde. So ließ auch der Preußenkönig Friedrich der Große das Kaffeetrinken im Jahre 1768 unter Strafe stellen – man vermutet, dass er die aufrührerische Wirkung des Getränks befürchtete. Aber Kaffee war zu dieser Zeit schon mehr als nur ein Trend oder Genuss: Ein begehrtes Handelsobjekt war geboren und damit auch ein lukratives Wirtschaftssystem. Anstatt den Kaffee zu verbieten, belegte man ihn mit Steuern und Zöllen und steigerte so direkt den Wohlstand des eigenen Landes.

Einhergehend damit stieg auch das Wohlbefinden der Menschen, denn die Kaffeehäuser wurden zu beliebten Treffpunkten für Menschen aller Schichten, die sich dort über Gott und die Welt austauschen konnten. Und genau das ist bis heute geblieben: Die Freude der Menschen, gemeinsam mit anderen bei einer Tasse Kaffee zu sitzen und ein wenig die Zeit zu vertreiben… (Kaffeegeschichte)

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Und damit wären wir auch schon bei meiner Frage des Tages:

Seid ihr Kaffee- oder Teetrinker? Gibt es für euch ein spezielles Ritual des Kaffeetrinkens? Und was verbindet ihr mit Kaffee?

 

Gewinnspielregeln

Pro Tag gibt es von Montag bis Donnerstag je ein Exemplar des Buches „Die Oleanderfrauen“ zu gewinnen. Beantwortet dazu die Frage, die jeden Tag auf dem jeweiligen Blog gestellt wird in den Kommentaren.

Am Ende der Blogtour gibt es noch eine weitere Verlosung, quasi einen Hauptgewinn:

Wir werfen noch drei, diesmal handsignierte, Exemplare in den Lostopf, die unter denjenigen verlost werden, diean allen Tagen aktiv waren und auf allen Blogs kommentiert haben. In jedem der Gewinnerpakete wird außerdem noch eine kleine Spezialität eines privaten Kaffeerösters zu finden sein, sodass ihr das perfekte Aroma zum Buch riechen und schmecken könnt, während ihr tief in den Seiten versinkt.

Natürlich gibt es noch ein paar kleine Regeln zu beachten:

Teilnahmebedingungen:
• Wer darf teilnehmen? Minderjährige nur mit schriftlicher Erlaubnis der Eltern, nur Teilnehmer aus Deutschland. Teilnehmer aus dem Ausland sind ebenfalls zugelassen, sofern diese das Porto selbst tragen.
• Die Gewinner werden ausgelost und stimmen durch ihre Teilnahme zu, namentlich auf den teilnehmenden Blogs genannt zu werden.
• Die Verlosung beginnt am 20.01.2018 und endet am 28.01.2018 um 23:59 Uhr.
• Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
• Eure Daten werden ausschließlich für das Gewinnspiel und den Versand benutzt und danach gelöscht.
• Eine Haftung für den Versand ist ausgeschlossen.
• keine Barauszahlung möglich
• Meldet sich der Gewinner auf unsere Nachricht nicht innerhalb von 7 Tagen nicht, wird neu ausgelost.

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Achtung Buch: Marlenes Geheimnis von Brigitte Riebe

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Nicht umsonst reimt sich Riebe auf Liebe, denn auch der neueste Roman der bezaubernden Münchner Autorin traf mitten ins Herz. Wohl dosierte Unterhaltung und brillant recherchierte Geschichte treffen in „Marlenes Geheimnis“ aufeinander und reißen den Leser mit in eine Familiengeschichte der ganz besonderen Art.
Wir treffen auf eine Familie, die um ihr Schicksal kämpft – jedes Familienmitglied auf seine Art und Weise – und befinden uns mitten in einer Zeit des Umbruchs der ganzen Welt. Der Zweite Weltkrieg steht direkt vor der Tür und damit einhergehend große Veränderungen, die ihre Spuren noch weit in die folgenden Generationen tragen sollen…

„Ach nein.. nicht noch ein Weltkriegsdrama“ werden sicher einige nach diesen ersten Worten denken. Doch ihr irrt, denn Brigitte Riebe gelingt es wieder einmal, schon so oft Gehörtes und Gelesenes von einer komplett anderen Perspektive ausgehend zu betrachten. Dabei verdeutlicht sie aufs Neue die Wichtigkeit der Auseinandersetzung mit unserer eigenen Geschichte – oftmals unbequem und lästig – aber dennoch absolut nötig und unausweichlich, wie uns ja die letzten Wahlergebnisse schmerzlich vor Augen führten.

22237128_1471527202883708_56223225_nFoto: Marianne Kaindl

Wie passt nun diese ernste Thematik zu brillanter, packender Unterhaltung? Begleiten wir Brigitte Riebe an den idyllischen und malerischen Bodensee, den sie zum Schauplatz des Romans erwählte. Die Idylle trügt, denn große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Eva Auberlin, renommierte Schnapsbrennerin aus Reichenbach ist tot. Marlene, eine Tochter Evas hält den Betrieb am Laufen und erwartet nun ihre nicht gerade geliebte Schwester Vicky und deren Tochter Nane, um gemeinsam die Beerdigung Evas zu begehen.

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Eine nahezu alltägliche Situation als Auslöser für den Roman, die aber schon bald zu einem turbulenten Strudel aus Erinnerung und Geschichte anwachsen soll. Denn Marlene, die die schier unmögliche Flucht aus dem Krieg meisterte, hinterlässt ein großes Geheimnis., das nicht nur das Leben der Hinterbliebenen auf den Kopf stellen wird. Besonders Nane taucht tief in die Erinnerungen der Großmutter ein. Evas Tagebuch als Vermächtnis, dass das Leben der jungen Frau komplett auf den Kopf stellen wird. Und dabei wollte diese doch eigentlich einfach nur richtig zur Ruhe kommen. Puzzleteil für Puzzleteil ergibt sich das Bild eines Lebens, das geprägt war von den Schrecken der Weltgeschichte, von Angst und Gewalt, aber auch von Hoffnung und Optimismus. Ein Leben, das geprägt wurde vom Neubeginn und das nun Nanes Leben in einen Neubeginn manövriert. Denn eins ist klar: Nanes Leben ist viel enger mit Marlenes Leben verbunden, als sie es sich je hätte träumen lassen.

22236979_1471527196217042_476933983_nFoto: Marianne Kaindl

Bis sie das aber erkennen wird und sich das Puzzle zusammenfügt, liegt ein langer Weg durch die Lebensgeschichte der Großmutter vor Nane, der auch gleichermaßen ein Weg der Selbstfindung für die junge Frau ist. Schließlich gibt es da ja so viele unbeantwortete Fragen…

Geht diesen Weg gemeinsam mit Nane und taucht tief ein in diesen einzigartigen Roman von Brigitte Riebe. Erkundet Marlenes Geheimnis, reist durch unsere Weltgeschichte und lernt sie aus einer neuen Perspektive kennen. Lasst euch fallen.
Schönheit trifft Tragik, Geheimnis trifft Trauer und Liebe und über allem schwebt der Geist von Marlene gespickt mit dem Duft reifer Herbstäpfel. Wundervolle und einzigartige Lesestunden erwarten euch. Seid gespannt und lasst euch mitreißen! Eine absolute Herzensempfehlung für die langen und gemütlichen Herbstabende.

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An dieser Stelle sei zwei ganz besonderen Frauen gedankt: Einerseits natürlich Brigitte Riebe, die sich mit „Marlenes Geheimnis“ einmal mehr selbst übertroffen hat und andererseits der wundervollen Marianne Kaindl für die zauberhaften Impressionen des Bodensees. Aus diesen Bildern spricht die Liebe zur Heimat und zum See! Tausend Dank, dass ich so wundervolle Menschen/Künstler wie euch kennen darf!

Achtung Buch: Die Holunderschwestern von Teresa Simon

 

Anfang letzten Jahres veröffentlichte Teresa Simon ihren Debütroman „Die Frauen der Rosenvilla“ und erreichte damit sehr verdient einen großen Erfolg. Rosen, Dresden und Schokolade waren die Stichworte, die über der Geschichte, die sich um ein Familiengeheimnis rankt, standen.

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Und auch dieses Jahr steht ein großes Familiengeheimnis im Zentrum des neuen Romans „Die Holunderschwestern“. Die junge Restauratorin Katharina Raith bekommt an einem Vormittag überraschend Besuch von dem charmanten jungen Engländer Alex Bluebird, der ihr die Tagebücher ihrer verstorbenen Urgroßmutter Fanny überreicht. Beim Lesen taucht sie tief in die Geschichte ihrer eigenen Familie ein, die so manches gut gehütete Geheimnis verbirgt. Geheimnisse, die bis ins Hier und Jetzt reichen. Denn wieso sonst würde die eigene Mutter so abweisend auf Katharinas Fragen reagieren und wieso ist da auf einmal so eine große Aufregung von allen Seiten, als Isi, die Freundin und Kollegin von Katharina, eine alte Kücheneinrichtung aufspürt, die sie unbedingt wieder im alten Glanz erstrahlen lassen will. Findet es heraus!

Doch zunächst einmal tauchen wir mit Katharina tief ein in die Geschichte Münchens im Jahre 1918. Fanny lebte mit ihrer Zwillingsschwester Fritzi und dem Vater nach dem Tod der Mutter in einem kleinen bayerischen Ort, an dem sie sich sehr eingeengt fühlt. Die Luft zum Atmen fehlt ihr schier und sie beschließt, in einer Nacht und Nebelaktion nach München zu fliehen, um in der Großstadt ihr Glück zu machen. Schweren Herzens lässt sie ihre Schwester Fritzi und den Vater zurück und beginnt ihr neues Leben. Ein neues Leben, das nicht den besten Start nahm, wurde Fanny doch schon im Zug vom schlechten Gewissen und der Sehnsucht zu Fritzi geplagt. In diesem Moment tritt die junge Alina Rosengart in ihr Leben, eine Bekanntschaft, die Fannys Zukunft in München nachhaltig prägen soll. Die beiden Mädchen werden beste Freundinnen und Vertraute und Fanny bekommt durch die Rosengarts die Möglichkeit, sich aktiv an Politik, Kultur und Kunst zu beteiligen. Sie lernt die Familie von Paul Klee kennen und verbringt viel Zeit in diesen Kreisen.

Eines Tages jedoch steht Fritzi vor der Tür, die die Trennung von der Zwillingsschwester nicht mehr aushielt und nun auch in der Großstadt Fuß fassen will. Schnell macht auch sie sich einen Ruf, jedoch ganz anders, als man es sich gewünscht hätte. Im Gegensatz zu Fanny gerät sie schnell in judenfeindliche Kreise, während ein Mann namens Adolf Hitler mehr und mehr an Macht gewinnt…

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Wieder ist Teresa Simon ein wahrer Geniestreich gelungen. Genau wie „Die Frauen der Rosenvilla“ sind auch „Die Holunderschwestern“ ein wahrer Pageturner. Gekonnt springt die Autorin zwischen den beiden Zeitebenen und vermittelt dem Leser nicht nur eine tolle Rahmenhandlung, sondern gibt auch auf besondere Art und Weise tiefe Einblicke in die Geschichte Münchens. Dieses tut sie jedoch nicht durch die sture Vermittlung von Fakten, vielmehr lässt sie uns Geschichte (er)leben. Man schaut den Charakteren über die Schulter, erlebt mit, wie es den einzelnen Protagonisten ergangen ist, welche Schwierigkeiten sie im Leben zu meistern hatten und wie leicht man geblendet werden konnte und so ins falsche Lager abdriftete.

Dabei wählt sie ein Zwillingspaar als Hauptprotagonisten der Vergangenheitsebene: Fanny und Fritzi. Sie sind einerseits so eng verbunden, wie es nur Zwillinge sein können und andererseits doch so konträr wie Licht und Schatten, Gut und Böse, Hell und Dunkel…. Macht euch selbst ein Bild! Dennoch waren sie beide auf ihre Art sehr sympathisch – man kann ja nachvollziehen, warum wer wie gehandelt hat. Fanny ist und bleibt jedoch meine heimliche Favoritin – gemeinsam mit Alina und Bubi. Ach, ihr werdet sie in euer Herz schließen!

Auch die Protagonisten der Jetztzeit lassen keine Wünsche offen. Mit Charme erobert Alex nicht nur das Herz von Katharina und Isi, sondern auch das Leserherz. Die beiden Restauratorinnenmädels sind einfach nur herzerfrischend und sprühen vor Leben, sodass man sie einfach lieben muss und auch die diversen Nebencharaktere verzaubern mit ihren charakteristischen Eigenschaften von ruppig bis geheimnisvoll. Eine tolle Mischung!

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Und das Handwerk darf bei Teresa natürlich auch nicht zu kurz kommen. Waren es im letzten Jahr Schokolade und die Kunst der Pralinenherstellung, so sind es diesmal Holunder und Restauration, die ins Zentrum gerückt werden. Dabei trumpft die Autorin einmal mehr mit viel gut recherchiertem Fachwissen und Liebe zum Detail auf, die das Buch noch authentischer machen, als es so schon ist. Da wird nicht an der Oberfläche gekratzt, sondern tief in die Materie eingetaucht.

Alles in allem ist „Die Holunderschwestern“ ein Roman, der sehr kurzweilige und tiefe Lesemomente garantiert. Eintauchen und genießen heißt die Devise beim Lesen – und dabei noch etwas lernen. Mitgefühl, Hoffnung, Zuversicht, Liebe und Leid und viel Vertrauen – das sind wohl die wichtigsten Gefühle, die in jeder einzelnen Zeile des Buches mitschwingen und den Leser festhalten und einfangen. Und das Sahnehäubchen bilden am Ende – wie sollte es bei Teresa Simon auch anders sein – eine Sammlung köstlicher Rezepte, die auch noch das Genießerherz höher schlagen lässt.

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Ideal für den Sommer, Urlaub, Strand, Balkon, Garten – einfach ideal für alle Lebenslagen! Danke für diesen Lesegenuss, liebe Teresa! Ich freue mich schon sehr auf dein drittes Buch!

Und ihr, liebe Leser, seid herzlich eingeladen, auch das absolut tolle Interview mit Teresa Simon zu genießen, bei dem sie viel aus dem Nähkästchen plauderte und viele persönliche Einblicke gibt. Hier geht’s entlang:

„Es muss nicht immer Schokolade sein!“ – Im Gespräch mit Teresa Simon

 

 

 

 

„Es muss nicht immer Schokolade sein!“ – Ein Wiedersehen mit Teresa Simon

Über ein Jahr ist es her, seit der wundervolle Debütroman „Die Frauen der Rosenvilla“ von Teresa Simon im Heyne Verlag erschienen ist und seither große Erfolge feiert. Nun war es vor wenigen Wochen soweit: „Die Holunderschwestern“ erblickten das Licht der Welt und ich habe für euch ein exklusives neues Interview mit der absolut herzigen Teresa führen dürfen, die gerade ein paar sonnige Tage im schönen Bella Italia verbringt und dennoch Zeit für ihre lieben Leser findet. Also, ihr Lieben, nehmt euch ein wenig Schokolade, atmet den Duft der Rosen auf dem Tisch und genießt ein Glas der erfrischenden Holunderlimonade, während ihr lest, was Teresa uns zu berichten hat.

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Liebe Teresa,

ein Jahr ist vergangen, seit die Rosenvilla das Licht der Welt erblickt hat und sehr erfolgreich wurde. Dazu die herzlichsten Glückwünsche! Nun ist dein zweiter Roman erschienen. Willst du für uns eine kurze Bilanz des letzten Jahres ziehen? Wie waren die Monate zwischen Rosenvilla und Holunderschwestern? Hättest du dir diesen Erfolg ausgemalt? Und wie war es nun kurz vor der Veröffentlichung der Holunderschwestern? Standst du unter starkem „Leistungsdruck“ oder hast vielleicht sogar etwas gezweifelt, ob du den Erwartungen an das neue Buch gerecht werden kannst?

Das letzte Jahr war besonders für mich. Die vielen positiven Reaktionen auf „Die Frauen der Rosenvilla“ haben mich bewegt, berührt und natürlich granatenmäßig gefreut – noch einmal 1000 Dank an alle! Ja, aber nach dem Roman ist natürlich auch vor dem (nächsten) Roman. Ich trage dieses Thema ja schon lange in mir herum (in verschiedenen möglichen Formationen), weil es eine Menge mit meiner persönlichen Familiengeschichte zu tun hat – und auf einmal war die Idee da, es so und NUR so zu erzählen … Dresden & Rosen & Schokolade? Dachte mir schon, dass ihr das mögt. Aber Holz & Kunst & München? Mein Verlag war ein bisschen skeptisch, ich eigentlich nicht, denn ich liebe diese Geschichte so sehr … nach den ersten Reaktionen ihr auch – freut mich total! Und die anderen, die den Roman „Die Holunderschwestern“ Noch nicht kennen, möchte ich an dieser Stelle herzlichst dazu einladen …

Von Dresden nach München führte dich die Reise. Was war der Anreiz, diesmal die bayrische Landeshauptstadt zum Schauplatz deines Buchs zu machen? Ist es nur die Heimatliebe gewesen, der historische Hintergrund, oder etwas ganz Anderes?

München war nach dem 1. Weltkrieg ein sehr besonderes Pflaster und bei weitem nicht nur so griabig-gemütlich, wie manche denken. Immerhin wurde hier die Revolution ausgerufen! Künstler und Gelehrte lebten hier, große Autoren wie Feuchtwanger, Graf, Mann und andere. Und eben auch Paul Klee, dessen Bilder ich seit meinen Jugendtagen verehrte und liebe. Wie kaum ein anderer konnte er Farben zum Klingen bringen. Und da ich mich entschlossen hatte, einen Handlungsschwerpunht nach Schwabing zu verlegen (wo ich auch selbst seit vielen Jahren lebe), kam eines zum anderen …

O ja, Paul Klee… unser Nachmittag im Lenbachhaus, gemeinsam mit Arndt… Deine Erzählungen, Berichte, Geschichten. Mit niemandem würde ich lieber in eine Galerie gehen und so viele kleine Episoden dann niedergeschrieben in einem wundervollen Buch wiederfinden!

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Als wir miteinander sprachen, sagtest du so furchtbar charmant: „Es muss nicht immer Schokolade sein.“ Dabei muss ich furchtbar lachen, denn du weißt ja, was ich dir immer vorwerfe: Es gibt kaum eine Autorin, die so gekonnt kulinarische Leckereien in ihre Bücher einbaut, dass ich beim Lesen wahre Hungerattacken bekomme. Und dann noch diese Rezepte am Ende! Du bist ja eine wahre Göttin der Delikatessen! Wählst du diese willkürlich aus, oder haben diese Rezepte für dich eine persönliche Bedeutung?

Die Rezepte sind nicht drin, um euch schwach zu machen (wenn sie das zusätzlich tun, umso besser), sondern stehen in engem Zusammenhang zum Text. In „Die Frauen der Rosenvilla“ hatte Anna eine Schokolaterie und macht feine Pralinen, hier kocht Fanny einfache Gerichte (man könnte fast sagen: sie kocht um ihr Leben – und das ihrer jüdischen Freundin Alina). Die Rezepte stammen von meiner Großmutter, aus deren Leben ich mir eben so einiges für Fanny „geborgt“ habe: auch meine Oma konnte fantastisch kochen (ungelernt), nicht die feinen Menüs, sondern das, was die einfachen Leute gerne gegessen haben (sofern sie etwas zu essen hatten!). Sie sollte Weißnäherin werden (hat sie gehasst), sie kam 1918 aus einer vielköpfigen Weidener Familie jung und naiv nach München – direkt in den Revolutionsherbst 1918 … 

Ich habe meine Oma sehr geliebt. Sie war gütig und hatte einen Riesenherz – und das ich auch Fanny gegeben. Sie hat mich aufgezogen, bis ich 2 Jahre alt war (Mama musste arbeiten)  und mich in ihren großen, gütigen Händen gehalten und gehegt. Immer wenn ich an sie denke, rieche ich Vanille …

Ich hänge ihr schönes Foto mit an – vielleicht mag Julia es ja mit einzustellen? Da war sie ungefähr 30 Jahre alt …

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Diesmal steht der Holunder in all seiner vielseitigen Wirkung im Zentrum des Geschehens. Warum gerade diese Pflanze? Übrigens kann man Holunder auch vorzüglich mit Schokolade kombinieren… Lach! 

 Holunder – der Strauch der Frau Holle – ist eine alte Heil- und Schutzpflanze. Eigentlich sollte jedes Haus einen Holunderstrauch haben … Blüten und Beeren lassen sich vielfachst verarbeiten, sind in der Volksmedizin bekannt (u.a. fiebersenkend!), und schmecken vorzüglich. Außerdem sind die Blüten weiß und die Beeren dunkel – Tag und Nacht – Gut und Böse, Himmel und Hölle – das passt wunderbar zu diesem sehr unterschiedlichen Zwillingspärchen, das ich hier erzähle … Geht mal bisschen in die Recherche zu diesem Thema – es lohnt sich wirklich! Auch das Märchen „Goldmarie & Pechmarie“ hat damit zu tun …

übrigens stand neben dem Geburtshaus meiner Großmutter auch „in echt“ dieser Strauch – und das Brot, von dem im Roman erzählt hat, hat meine Urgroßmutter Anna Clara wirklich selbst gebacken …

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Natürlich kommt bei den Holunderschwestern auch die Geschichte nicht zu kurz. Und auch in diesem Buch ist es wirklich gelebte Geschichte. Worauf setzt du dein Hauptaugenmerk beim „Erzählen“ von Geschichte? Ist es die authentische Wiedergabe oder sind es eher spezielle Details aus der Zeit, die dich fesseln und die du dann näher betrachtest und ins Zentrum des großen Ganzen rückst?

Ich möchte Geschichte durch (meine) Geschichten erzählen. Dabei interessieren mich weniger Kriege und Verträge, sondern das Leben der Menschen: Was haben diese Ereignisse mit den Menschen gemacht? Wie hat sich das konkret auf ihren Alltag auswirkte? Haben sie anderes geliebt, gegessen, geheiratet, ihre Kinder anders erzogen? 

Das ist mein Ansatz, „Geschichte“ ist für mich nichts Abstraktes, sondern die Dinge, die zum Greifen sind; wie ein Tisch gedeckt wird, wie ein Stuhl geschreinert wird, wie jemand seine Schuhe putzt …

Wenn ihr so wollt: jeder Tag, den wir erleben, ist Geschichte …

Natürlich kann sich ein Roman nicht im Alltäglichen erschöpfen, sonst würdet ihr euch schnell langweilen. So lasse ich Fanny ihre schwierige Zwillingsgeburt erleben, während Hitler seinen Putsch versucht (der misslingt – noch) … Die Stadt ist verbarrikadiert, es wird geschossen, ihr Mann treibt sich irgendwo bei den Nazis rum, nicht einmal die Hebamme kommt mit dem Radl durch  – das ist für „erlebte Geschichte“ – spannend, spannend! 

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Du beschreibst diesmal ein sehr düsteres Kapitel der Münchner Geschichte, was man auch am Tonfall des ganzen Buches spürt. Es ist ernsthafter als die Rosenvilla, wohingegen die Geschehnisse in der Jetztzeit einfach wieder erfrischend, romantisch, spritzig sind. Ist dir dieser Spagat schwergefallen? 

Kein bisschen! Die Zeit nach 1818 war eine schwere Zeit für alle. Zum ersten Mal hatte Europa „Krieg total“ erlebt, alle waren davon gezeichnet – und was dann als Brauner Dunst heraufzog, war ja eher noch schlimmer. Jedes Mal wenn ich in einem Kapitel tief eingetaucht war, hat es sich für mich wie eine Befreiung angefühlt, wieder ins „Jetzt“ zu dürfen . Wier können wir froh sein, hier und jetzt zu leben! 

Fritzi und Fanny – Zwillinge im Zentrum der Geschichte. Zwillinge, die einerseits enger zusammen und andererseits ferner nicht sein könnten. Hast du diese Figurenkonstellation in all ihrer Ambivalenz bewusst gewählt? Bzw. was hat dich dazu bewegt, ein Zwillingspaar als Hauptprotagonisten des „historischen Teils“ zu verwenden?

 Meine Großmutter hatte auch eine Zwillingsschwester (zweieige Zwillinge)), das hat mich schon als Kind fasziniert: diese Nähe und auch die Verschiedenheit, denn gezofft haben die beiden sich auch (selbst als ältere Damen). Aber ich als Einzelkind hab mir oft vorzustellen versucht, wie das wäre, noch jemand so nah bei mir zu haben – eine Verbündete? Eine Rivalin? Ich denke, es ist bei allen Zwillingen immer beides vorhanden ..

Ist mir sehr leicht gefallen, mich einzudenken …

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Nun kehren wir zurück ins Hier und Jetzt: Mit Katharina und Isi sind dir ja wieder zwei wahre Zuckerstücke an Protagonisten gelungen, genauso wie mit den anderen Nebencharakteren, über die wir hier nicht mehr verraten wollen. Die Leser sollen sich ja selbst ein Bild machen, oder was meinst du? Damals war es das Pralinenhandwerk, das du ins Zentrum gerückt hast, diesmal ist es die Holzkunst, die Restauration. Was hat dich auf dieses Handwerk gebracht? 

Ich liebe schöne alte Dinge – nur oft sind sie eben im Lauf der Zeit nicht mehr ganz so schön, und wer ihnen wieder das „Flair“ verleiht, ist in meinen Augen ein Künstler. Außerdem ist mein bester Freund Schreiner (unsere Wohnung ist voll mit seinen Möbeln), da reden wir immer wieder über Holz und Gestaltung. Aber er macht neue Möbel – und doch bin ich auf seine Vermittlung auf den wunderbaren  Restaurator  Clemens Oppenheimer gestoßen, der meine „Werkstatt-Kapitel“ unterstützt und liebevoll begleitet hat – danke noch einmal, lieber Clemens!  Hab viel dabei gelernt …

Was verbindest du mit folgenden Stichworten: Holz, Holunder, Trennung, Kochen, Tagebuch

Holz – Wärme

Holunder – Schutz

Trennung – immer schmerzlich, oft aber auch heilsam

Kochen – wunderbar (wenn man es kann, aber jeder kann es lernen!)

Tagebuch – Geheimnis (natürlich!) 

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Welcher Prota ist dir in diesem Buch besonders ans Herz gewachsen und welcher ist dir am schwersten gefallen?

Ich mag sehr gern Bubi und Alina, aber natürlich ist es Fanny, Fanny, Fanny (obwohl ich ihre irrlichternde Schwester Fritzi auch tief ins Hertz geschlossen habe!). Am schwierigsten war vielleicht die spröde Mutter Christine, die auch ihr Päckchen zu tragen hat und erst später eine Wandlung durchläuft … 

Aber ehrlich gesagt man ich sie alle, sogar den Widerling Josef, der sich so herrlich schreiben ließ !!!

Was hält die Zukunft für Teresa Simon und ihre Leser bereit?

Hab einen neuen Klingelton für mein Handy: „Auf der Reeperbahn nachts um ½ 1  …

Also, liebe Leser und Leserinnen: Es geht auf nach Hamburg … riecht ihr schon den Kaffee duften?????? 

Was möchtest du deinen Lesern dieses Jahr mit auf den Weg geben?

Lasst euch nichts vormachen, meine Lieben, und schon gar nicht von Leuten, die so tun, als gäbe es schnelle Lösungen für schwierige Probleme. Wer nichts aus der Geschichte lernen will, dem ist einfach nicht zu helfen. 50 Millionen Tote hat uns das im Zweiten Weltkrieg gekostet – der Wahnsinn! Bleibt offen, kritisch, aber tolerant und vergesst niemals: „we are the world …“ 

Herzlichst eure Teresa.

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Liebste Teresa, 

ich danke dir für die viele gemeinsame Holunderzeit, vor allem auch während der Entstehung dieses buchigen Schatzes und freue mich, dich bald wiederzusehen, zu hören und noch viel mehr zu lesen! 

Eins muss ich nun doch noch beifügen… Über den Klingelton reden wir noch *lach*

Wer von euch noch wissen will, was uns die liebe Teresa letztes Jahr berichtet hat, klickt bitte  HIER.

Zu den „Frauen der Rosenvilla“ geht es HIER.

Mehr zu den „Holunderschwestern“ folgt in den nächsten Tagen! Stay tuned und habt es wundervoll!