Tag-Archiv | Fischer FJB

Achtung Buch: Die Spur der Bücher von Kai Meyer

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Kennt ihr das besondere Gefühl der inneren Wärme, das einen erfüllt,, wenn man nach Hause kommt? Wenn man weiß, dass man an einen Ort zurückkehrt, der einem viel bedeutet und an dem man Freunde gefunden hat, die man nicht mehr missen möchte? Das Gefühl der Geborgenheit, das sich einfach nur richtig anfühlt? Genau dieses Gefühl löste „Die Spur der Bücher“ bei mir aus.

Alles begann damals mit den „Seiten der Welt“, die mich in ein London des beginnenden 19. Jahrhunderts entführten, genau in die viktorianische Zeit, die mir schon so manchen sehnsuchtsvollen Seufzer entlocken konnte. Dort lernte ich Furia samt Freunden und Familie kennen und begleitete sie auf ihren Abenteuern durch eine Welt voller Magie. Bibliomantik heißt das Zauberwort, dass uns die Türen zu den fantastischen Ereignissen öffnen sollte, die Kai Meyer auf eine einzigartige und wundervolle Weise für uns geschaffen hat. Und eins stand schon nach diesem Meisterwerk fest: Die bibliomantischen Abenteuer konnten definitiv noch kein Ende gefunden haben, dafür ist die erschaffene Welt doch viel zu komplex. Umso erfreuter war ich, als Kai schrieb, dass er schon an neuen Abenteuern arbeitet, die uns zurück nach London führen sollten.

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Und dann war es soweit: Ich hielt „Die Spur der Bücher“ in meinen Händen und war schon vom Cover ganz beseelt, dass sich so wunderbar in die Reihe der bibliomantischen Werke einfügte. Goldene Schrift auf einem matt-türkisen Hintergrund, optisch an der vorhergehenden Trilogie angelehnt. Es ging nicht anders… Sofort musste ich tief in die Seiten eintauchen und den Duft der Bücher inhalieren, bevor mir auch schon auf der ersten Seite die junge Mercy Amberdale begegnete, ein ganz besonderes Mädchen, dass sofort zu meiner Freundin wurde. Ganz wie damals Isis Nimmernis… Bevor ich mir jedoch zu viele Gedanken über Mercy machen konnte, war ich auch schon direkt im Geschehen gefangen. Denn die Ereignisse überschlugen sich Knall auf Fall:

Mercy und ihre drei jungen Freunde Grover, Philender und Tempest gehen einer etwas unseriösen Arbeit nach und „besorgen“ für reiche Klienten seltene und kostbare Bücher. Allerdings ist diese Aufgabe keineswegs so einfach wie sie scheint, was auch Mercy, die einzige richtige Bibliomantin unter den Freunden, schon bald sehr schmerzlich erfahren muss. Denn da gibt es Bibliomantik, die bei Weitem stärker ist, als es sich das Mädchen hätte vorstellen können. Bei einem ihrer Einsätze geraten sie in tödliche Gefahr und verlieren Grover. Ein Erlebnis mit schweren Folgen, denn die Freundschaft der drei zerbricht. Mercy spricht der Bibliomantik ab und setzt seit dem tragischen Unglück ihre Kräfte nicht mehr ein, wohingegen Tempest immer stärkere bibliomantische Fähigkeiten entwickelt.

In den folgenden zwei Jahren geht Mercy ihrer Beschäftigung nun im Alleingang nach. Sie, die in den Buchhandlungen der Stadt aufgewachsen ist, hatte es nicht nötig, sich auf die Magie zu verlassen und konnte ihre Aufträge auch so erfolgreich zum Abschluss bringen.

„Sie verstand sich auf den Umgang mit Dietrich und Brecheisen genauso gut wie auf das Studium vergilbter Bücherkataloge und halbvergessener Bibliothekskarteien. Und sie kannte die richtigen Leute.“

Nachts pirscht sie durch die geheimnisvollen Straßen und Bibliotheken der Stadt und besorgt die kostbarsten Titel – bis zu jenem besonderen Tag, der sie an den Schauplatz eines rätselhaften Mordes führt. Ein bekannter Buchhändler und Freund ihres Vaters ist inmitten seines Ladens verbrannt, ohne dass auch nur ein kleiner Fetzen Papier um ihn herum zu Schaden kam. Ein Abenteuer beginnt, das Mercy auf die Suche nach ihrer eigenen Identität und dunklen Familiengeheimnissen führen wird, das alte Freundschaften auf die Probe stellt und das Mädchen bis hin zur Wurzel der Bibliomantik führt. Mercy kann nicht länger verleugnen was sie ist – eine geborene Bibliomantin…

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Wieder einmal gelingt es Kai Meyer schon von der ersten Seite an, den Leser in seinen Bann zu ziehen. Der einzigartige und bildhafte Schreibstil gepaart mit der Kulisse des wundervollen viktorianischen Londons lässt den Leser direkt in das Geschehen eintauchen und erfüllt dieses mit einer Lebendigkeit, die einen die Geschichte nahezu plastisch miterleben lässt. Wir begleiten unsere jungen Protagonisten durch ein Abenteuer voller Freundschaft, Tragik, einer verschworenen und etwas verschrobenen Gesellschaft von Buchliebhabern, alter Geheimnisse und viel Liebe zum geschriebenen Wort und dessen Macht, die nur wenige Menschen aus den Herzen der Seiten zum Leben  erwecken können.

Atemberaubend und spannend beschreibt er die Erlebnisse von Mercy. Durch dunkle Gassen führt ihr Weg hin zu bibliomantischen Kämpfen und magischem Kräftemessen. Temporeiche Spannung und ein Hauch Krimi halten den Leser dabei von der ersten bis zur letzten Seite gefangen. Neue und originelle Ideen in der Buchwelt baut Meyer in sein neuestes Abenteuer ein und macht es damit zu einem tollen Auftakt der Erlebnisse und Geschichten aus der bibliomantischen Welt. Dabei begegnen wir den großen Institutionen der Adamitischen Akademie, lernen die Renegaten kennen, die sich dem Kampf gegen die Gesetzlosen verschrieben haben und treffen auf Figuren und Freunde, die uns später in den „Seiten der Welt“ zu treuen Begleitern werden sollen, wie zum Beispiel Fornak, der Alexandrinischen Flamme und die eifrigen Origamis. Aber auch neue bibliomantische Freunde wie den Veterator lernen wir kennen. Was das ist? Lasst euch überraschen. Ich mag den kleinen Kerl, auch wenn ich nicht weiß, ob ich ihn auf Dauer um mich herum ertragen könnte *lach*.

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Eine einfach nur großartige Geschichte, die den Leser in geliebte, geheimnisvolle Welten eintauchen, ihn in der Magie zwischen den Seiten versinken lässt und eine Weile die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verschwimmen lässt. Wohldosierte Spannung aber keine übertriebene Action verlieht dem Roman den Charme eines spannenden Klassikers und man versinkt darin wohlig wie in einem guten alten schwarz-weiß Film. Nichts ist drüber, nichts hektisch oder atemlos. Die Story gleitet dahin und man genießt den angenehmen Spannungsbogen samt aller liebenswerter Details. Danke für diesen grandiosen Lesegenuss, lieber Kai!

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Achtung Buch: Die Seiten der Welt „Blutbuch“ von Kai Meyer

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Eine Weile ist es nun schon her, seit das „Blutbuch“ im Fischer Verlag das Licht der Welt erblickt hat. Warum ich es jetzt erst bespreche, fragt ihr euch sicher. Aus mehreren Gründen: Der erste ist mein neuer Job, der mich so auf Trab hält, dass ich mir nicht nur einmal das Bookboard gewünscht habe, um meine Wege zu verkürzen – von Lesezeit ganz zu schweigen. Der zweite Grund wiegt natürlich noch viel schwerer – zumindest aus buchiger Sicht: Das „Blutbuch“ ist der dritte Band aus der Reihe um Kai Meyers „Seiten der Welt“ und somit das Finale. Finale bedeutet immer etwas Endgültiges, einen Abschluss und auch einen Abschied von den geliebten Charakteren, die man mehrere Jahre lang begleitet hat, mit denen man gelacht und gelitten hat. Wie man die Monate bis zum Erscheinen des Folgebandes gehibbelt hat, weil man kaum erwarten konnte, wieder tief in die „Seiten der Welt“ einzutauchen. Dazu noch die tollen Aktionen des Verlags, die uns Lesern die Welt rund um Libropolis und seine Einwohner, Gauner, Schurken, Kämpfer des Friedens und Freunde noch nähergebracht und unsere Fantasie so richtig zum Kochen gebracht haben. All das soll nach dem Finale nun vorbei sein…

Ich gebe zu, ich wollte nicht, dass die Reihe endet. Zu viel habe ich mit Furia und ihren Freunden erlebt. Vom ersten Moment an war ich tief in der Welt der Bibliomantik gefangen, lernte Tintlinge, die gefürchteten Ideen, die Kämpfer des Widerstands und viele mehr kennen. Ich erfuhr, was Gut und Böse ist und auch, dass Böse zu Gut und Gut zu Böse werden kann, dass Schein oft mehr ist als Sein, aber auch zu Sein werden kann. Wilde Exlibri wurden zu treuen Freunden, der einzigartige Duft von gespaltenen Seitenherzen lag allerorts in der Luft, während der Fischer Verlag uns einlud, ein Bookboard zu besteigen und so die Refugien aus luftiger Höhe zu erobern.

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Die Liebe zum Buch, zum Wort und auch die Macht des geschriebenen Wortes wurden in jedem Satz, auf jeder Seite deutlich. Die Phantasie Kai Meyers ist dabei einfach unschlagbar – ein wahrer Großmeister der Phantastik. Er erschafft literarische Welten, die vor dem inneren Auge des Lesers zum Leben erwachen. Welten in einer absoluten Vollendung geschrieben, mit einer eigenen Geschichte ausgestattet, die ausgeklügelter und in sich schlüssiger nicht sein könnte. Einer Geschichte, die niedergeschrieben wurde und somit erst zur Realität wurde und den eigentlichen Stein ins Rollen brachte. Mir soll an dieser Stelle verziehen sein, dass ich mir die Details zum Inhalt des Buches spare. Wer die ersten beiden Bände der Reihe gelesen hat, wird den dritten Band schon lange herbeigesehnt haben, und für diejenigen, die die ersten beiden Teile nicht kennen, wird der dritte Band einer Trilogie wohl kaum von inhaltlicher Relevanz sein.

Doch zurück zur Geschichte: Drei Bände brauchte es unbedingt, um sie zu erzählen, zu schreiben und auch, um sie umzuschreiben. Die „Seiten der Welt“ als fulminante Ouvertüre, die uns in die Welt Furias und der Bibliomantik entführte, „Nachtland“ als eine Art Entwicklungsroman, in dem sich Charaktere entfalten konnten, sich neue Wege auftaten, neue Wege begründet wurden und in dem ganz neue Refugien entdeckt wurden. Bestehendes wurde hinterfragt, Gewohntes verändert oder umgestürzt, eine merkliche Aufbruchsstimmung in eine neue Zeit war spürbar geworden. Und nun das „Blutbuch“ als episches Finale. Blut, der Stoff des Lebens, Blut als Symbol der Zugehörigkeit zu einer Familie oder/und der Verbundenheit. All diese Aspekte spielen in gewisser Weise eine wichtige Rolle.

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Jedem einzelnen Charakter wurde eine bestimmte Rolle zuteil, er entwickelte sich weiter, musste über sich hinauswachsen und sich seinem persönlichen Schicksal stellen. Nicht selten gingen diese Entwicklungsprozesse mit Schmerz und Leid einher, jedoch liegt die Betonung auch stets auf den Werten der Freundschaft und Loyalität. Am Ende laufen alle Fäden zusammen, man versteht, warum alles so kam wie es kommen musste. Doch bis zu diesem Moment erlebt man ein wahrlich episches Finale in den Tiefen der Seiten der Welt. Furia, Isis und Cat sind meine definitiven Favoritinnen des Buches, was nicht bedeutet, dass die anderen Charaktere nicht genauso gut gezeichnet sind. Jeder einzelne strotzte vor Komplexität, Lebendigkeit und einer eigenen Persönlichkeit, die bis ins kleinste Detail ausgefeilt wurde. Dabei bleibt auch die eigene Person – die Person des Autors – nicht außen vor. Schonungslos stellt er seine Rolle infrage, zeigt indirekt auf, welche Macht das geschriebene Wort hat und übt auch ausreichend Kritik.

Man kann nur sagen, dass Kai Meyer ein absolutes Gesamtkunstwerk gelungen ist: Eine Hommage an das geschriebene Wort, eine Welt, in die man eintaucht, in die man sich verliebt, die man tief inhaliert und die man nicht mehr missen möchte. Eine Welt, in der die Geschichte um Furia in Ende fand, die aber so komplex aufgebaut ist, dass am Ende die Hoffnung auf neue Abenteuer in den Refugien bleibt und wir dem einen oder andren liebgewonnenen Charakter doch noch einmal über den Weg laufen werden. Definitiv wurden die „Seiten der Welt“ zu meinem Seelenbuch, das mit all seiner Bibliomantik mein Seitenherz gespaltet hat. Danke dafür, danke für ein buchiges Wunder, lieber Kai!

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Achtung Buch: Sommernachtstraum von Tanya Lieske

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Shakespeares ›Sommernachtstraum‹ als Schultheaterprojekt! Voller Vorfreude stürzen sich Ben und seine Schüler in die Proben. Hermia liebt Lysander, Helena will Demetrius, Oberon straft Titania, und die Feenkönigin liebt plötzlich einen Esel: willkommen in Shakespeares Sommernachtstraum! Während die Theatertruppe versucht, der verschlungenen Verwechslungskomödie um verwirrte Liebespaare Herr zu werden, geraten die Liebesgeschicke aller Beteiligten ziemlich durcheinander: Struppi liebt Mireille, Mary Jane will Ben und Bens Freundin trifft sich heimlich mit Mireilles Vater. Bald weiß niemand mehr, wer eigentlich gerade in wen verliebt ist …

»Verliebte und Verrückte
Sind beide von so brausendem Gehirn, 
So bildungsreicher Phantasie, die wahrnimmt, 
Was nie die kühlere Vernunft begreift!«

Soweit beschreibt der Klappentext das Buch, das ich von dem Moment an, als ich diesen las, unbedingt haben wollte. Shakespeares „Sommernachtstraum“ im Hinterkopf, perfekt für den Sommerabend an dem man die Elfen erahnen kann, während draußen die Grillen zirpen. Oberon und Titania, dazwischen den kecken Puck, der seinen Schabernack treibt, um die Liebenden zu necken, bis am Ende jeder den richtigen Partner gefunden hat. Diese Geschichte adaptiert als Theaterstück einer 9. Klasse – das kann sehr unterhaltsam sein, dachte ich, und nahm mir das Buch letzte Woche an einem richtig schönen Sonnentag mit in den Garten. Doch schon bald zeichnete sich ab, dass dieses Buch viel mehr ist, als nur eine Adaption des beliebten Klassikers.

Wieso? Ganz einfach: Die Autorin holt das Stück ins Hier und Jetzt, lässt es eine Schulklasse aufführen, die gerade mitten in der Pubertät steckt und der all die Irrungen und Wirrungen, die Shakespeare schon vor über 400 Jahren aufschrieb, mehr als bekannt ist – auch wenn die Kids den Klassiker sicher noch nicht in den Händen hatten – wenn doch, dann aber sicher nur widerwillig als Pflichtlektüre. Und da stecken wir auch schon mitten im Geschehen. Während die Kinder für das Stück proben, läuft das normale Leben weiter. Doch was ist schon normal? Mobbing, Schikane, Probleme zuhause, schwache Elternhäuser, Karriere, wenig Zeit für die Kinder, Gruppenzwang – das sind Stichworte, die heute leider an vielen Stellen schon zum Alltag gehören und aus diesem nur schwer wegzudenken sind. Natürlich sind das oftmals Einzelfälle, aber wenn man diese summiert, kommt man teilweise auf erschreckende Bilanzen. Ich arbeite ja seit März als Lehrerin an einer Oberschule und bin mit all diesen Themen schon in Berührung gekommen, manchmal fassungslos, dass es das wirklich in diesem Maße gibt, berührt und immer bemüht, den Kids zu helfen. Genau wie Ben – der junge Englischlehrer. Auch er versucht, mithilfe seiner Inszenierung des „Sommernachtstraums“ die Kids ein Stück weit aus der Realität zu entführen und sie ihren Alltag vergessen zu lassen.

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Doch das kann nicht gänzlich gelingen, da an vielen Stellen Realität und Klassiker verschmelzen – siehe Klappentext. Die Liebe geht die merkwürdigsten Wege und trifft dabei auf die Alltagsprobleme der Jugendlichen und auch auf die Erwachsenen, die oft ihr Päckchen zu tragen haben. Darüber erfahren wir durch die verschiedenen Erzählperspektiven, die uns die Protagonisten in all ihren Gefühlen – von Freude bis Trauer, von Euphorie bis Melancholie, von Liebe bis Schmerz – nahebringen. Man erfährt die Dinge, die zu Hause hinter den Kulissen passieren, man lernt sie im strahlenden Scheinwerferlicht kennen, sieht aber auch ihre Verzweiflung und Tränen, wenn der – metaphorisch betrachtete – Vorhang gefallen ist. Jeder spielt jeden Tag seine Rolle und ich war so oft sehr berührt, was auch durch den wundervoll sanften und einfühlsamen Erzählstil der Autorin verstärkt wurde, die sich sehr gut in die Seele eines 15jährigen Teenagers hineinversetzen kann.

Begleitet wird die Geschichte von keinem anderen als von Shakespeare persönlich, der an vielen Stellen mit Ironie und Witz, aber auch mit Tiefgründigkeit das Geschehen kommentiert. An seiner Seite agiert der Elfenkönig Oberon, der es nicht für nötig erachtet, im Hintergrund zu bleiben, sondern viel lieber direkt auf der Erde herumspaziert und so – verkleidet als Bettler – unbemerkt die Geschicke der Protagonisten in die richtige Richtung lenkt und deren Wege kreuzt. Eins wird beiden aber deutlich: Es gibt Probleme, die auch die Jahrhunderte nicht lösen können, vor allem in Bezug auf die Liebe und die dazugehörigen Probleme.

Die Geschichte fließt beim Lesen nur so dahin und war viel zu schnell vorbei. Man begleitet die Protagonisten mit all ihren Problemen wie der ersten Liebe, Mobbing, Magersucht, Verwahrlosung und erkennt so viele Bekannte darin wieder. Ein großer Teil Gesellschaftskritik, der in dieser Geschichte verarbeitet wird und mich sehr getroffen hat, sehe ich doch genau das fast täglich. Ein Jugendbuch ist hier entstanden, das einerseits amüsiert und andererseits tief berührt und aufrüttelt. Kein leichter Lesestoff! Wirklich nicht. Aufgrund der Fülle der angeschnittenen Themen, blieb manches Thema mehr an der Oberfläche und wird auch nicht zum Ende gebracht, was einerseits etwas schade ist, andererseits dem Buch aber keinen Abbruch tut, da es so dennoch wichtige Denkanstöße gibt, die jeder für sich selbst betrachten und benutzen kann.

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Insgesamt haben wir hier einen Jugendroman, der mich mehr als begeistern konnte. Ein Hauch von Mystik und Fantasie trifft auf Realität und eine berührend tragisch-komische Geschichte. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge verlasse ich diese Seiten, die mir direkt vor Augen geführt haben, wie das Leben als 15jährige(r) war, ist und immer wieder sein wird: Ein Chaos aus Gefühl, Liebe, Orientierungslosigkeit und dazu noch dem alltäglichen Wahnsinn des Lebens obendrauf. Und dennoch bleibt  auch da immer der Hauch des Fernstaubs, der das ganze überstrahlt! Eine klare Leseempfehlung meinerseits und wohl eins der besten und überraschendsten Bücher des Jahres!

 

achtung buch: jenseits des schattentores von beate teresa und susanne hanika

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Willkommen in Rom! In der ewigen Stadt, die vor Geschichte und Mythologie nur so strotzt. Rom, die Heimat der 17jährigen Professorentochter Aurora, die es gerade ziemlich satt hat, von ihrem Vater bevormundet zu werden und irrwitzige Aufträge für einen seiner besten Freunde zu erfüllen. Schließlich war sie deswegen nicht nur einmal in ungewollte Aufmerksamkeit gekommen und von den Carabinieri durch halb Rom gejagt worden. Am hellsten Tag auf das Collosseum klettern, den Neptun im Trevibrunnen besuchen oder sich in ein antikes Bad der römischen High Society zu mogeln gehört eben nicht ganz zu den ungeahndeten Kavaliersdelikten.

All dieser Dinge überdrüssig geworden, beschließt sie unverbindlich eine Wohnung zu besichtigen und ahnt zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass sie damit in das Abenteuer ihres Lebens schlittern wird. Wer ist diese Luna, die ihr die Tür öffnet und glaubt, dass sie über irgendwelche Aufträge Bescheid weiß? Wieso liegt da ein toter Mann in der Wohnung und was haben ein Zwerg und ein verdammt attraktiver junger Mann mit der ganzen Geschichte zu tun? Die Antwort auf all diese Fragen liegt jenseits des Schattentores. Macht euch gemeinsam mit Aurora auf die Suche und blickt dabei Persephone, der Göttin der Unterwelt, über die Schulter, der es tüchtig schwer fällt, sich nicht in die Geschehnisse auf der Erde einzumischen.

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Jugendbuch trifft antike Mythologie. Wer mich kennt, weiß, dass mit dieser Kombination zwei Herzensthemen bedient werden und sofort stand fest, dass ich dieses Buch lesen möchte… nein muss.

Schnell ist man mitten drin im Geschehen und begleitet Aurora bei ihrer Wohnungssuche. Ihr Vater, ein renommierter Professor war so verärgert über ihre waghalsigen Aktionen, dass er ihr Stubenarrest verpasste, obwohl das Mädchen eigentlich nichts dafür konnte. Schließlich waren es alles Aufträge, die sie von einem der besten Freunde des Vaters aufgetragen bekam – unter dem Siegel der absoluten Verschwiegenheit natürlich – und die keinen wirklichen Sinn ergaben, außer Aurora regelmäßig in Schwierigkeiten zu bringen. Auf der Suche nach einer Wohnung wird ihr zufällig eine Adresse in die Hände gespielt und sie beschließt, dort ihr Glück zu versuchen. Doch anstatt einer gemütlichen Bleibe erwartet sie die junge Luna, die sie sofort mit der Aufgabe behelligt, eine Leiche verschwinden zu lassen. Charon der Skipper ist tot, umgebracht worden von Luna. Aber warum?

Ehe sie sich versehen kann, steckt Aurora mitten in einem Abenteuer aus Mythologie, Geschichte und Politik. Jeder scheint auf einmal etwas von Charon, oder wie er öfter genannt wird, dem Skipper zu wollen. Insbesondere die beiden verfeindeten Mafiaclans der Stadt buhlen um das Vorrecht und schrecken dafür auch nicht vor extremsten Mitteln zurück. Während beide Mädchen versuchen, die Leiche des Skippers zu beseitigen kommen ihnen auch noch der junge aber arrogante Leon und sein spezieller Zwergenfreund Tatramedes ins Spiel, die zwar enorm hilfreich sind, aber deren Ziele auch etwas undurchschaubar sind.

All diese Ereignisse erfahren wir aus zwei Perspektiven: Einmal erleben wir direkt mit, wie Aurora sich auf der Erde durchschlägt und andererseits beobachten wir alles durch Persephones Glaskugel. Die alternde Göttin hat es sich zum Hobby gemacht, durch ihre Kristallkugel die Geschehnisse der Erde zu beobachten, ist allerdings mehr als gelangweilt davon. Bis sie eines Tages Aurora erblickt und von ihren Taten mehr als neugierig gemacht wird. Sie beschließt, ihr weiter zu folgen und kann ihre Finger manchmal auch nicht ganz aus dem Schicksal heraushalten.

Aurora ist dabei eine sehr niedliche und sympathische Protagonistin, wenngleich sie nicht immer ganz authentisch ist. Als Antike-Expertin hätte sie eigentlich sofort beim Namen Charon stutzig werden müssen. Wenn auch nicht gleich, dann aber spätestens an der Stelle als ihr bewusst war, dass an den alten Mythen doch mehr Wahrheit zu finden ist als sie einst dachte. Je mehr man das Mädchen aber kennen lernt, desto mehr schließt man es in sein Herz und verfolgt gespannt, wie die Geschichte weitergeht.

Leon, Luna und Tatramedes sind tolle Nebencharaktere, die mich auch zu überzeugen verstanden. Natürlich war schnell klar, welche Rolle Leon wirklich spielt, aber es ist ja auch immernoch ein Jugendbuch – und ein wundervolles noch dazu. Und richtig lachen musste ich über Kassiopeia und Persephone. Zwei alternde Göttinnen mitten in einer ausgewachsenen Midlife-Crises und unbemannt. Diese beiden sind eigentlich meine geheimen Stars der Geschichte. Die Götter lieben schon seit jeher ihre Freizügigkeit und so wurden die Themen Liebe und Sex auch ausreichend thematisiert, was ich aber in Anbetracht der Entwicklung der heutigen Kids als okay befinden kann.

Das Thema Mythologie wird auch ordentlich bedient, bietet es ja schließlich die Basis für die Geschichte, wenngleich es auch schön gewesen wäre, die römischen Adaptionen der Götter zu sehen – schließlich spielt die Geschichte ja in Rom und nicht im alten Griechenland. Aber auch das soll meinem Lob keinen Abbruch tun. Es ist alles gut erklärt und die Umsetzung der Mythen in die Moderne ist ausgesprochen gut gelungen. Über die bezaubernde Kulisse der ewigen Stadt muss, denke ich, auch nicht mehr gesagt werden! Wundervoll!!!

Insgesamt hat mir der Roman richtig viel Freude bereitet, wenngleich es oft der Reise ins Labyrith des Minotaurus glich. Viele unvorhersehbare Wendungen gaben dem Vorhersehbaren die Spannung, die das Buch bis zum Ende konsequent lebendig hielt und zu einer tollen Story machte. So verworren wie die Handlungsstränge ab und an wirkten, nahm mir dies nie die Lesefreude. Viel mehr war es ein wahrer Anreiz das Puzzle Kapitel für Kapitel weiter zu entschlüsseln. Abenteuer mit einem Hauch Romantik und Mythologie gepaart mit charmanten Charakteren ergeben hier eine wunderbare Geschichte aus der Feder der Hanika-Schwestern, die jedem Freund dieser Geschichten ein breites Lächeln aufs Gesicht zaubern und viele wundervolle Lesestunden bescheren wird.

Vielen Dank an die S. Fischer Verlage / den Sauerländer Verlag für das Rezensionsexemplar!

achtung buch: das juwel (1) – die gabe von amy ewing

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Violet Lastings hatte es nicht leicht in ihrem Leben. In einem der ärmsten Bezirke, dem Sumpf, aufgewachsen ist ihr ein hartes Leben inmitten ihrer Familie beschert worden. Doch sie hat eine besondere Gabe: Nur mit Hilfe ihrer Willenskraft kann sie Dinge verändern und wachsen lassen. Sie ist ein sogenanntes Surrogat, also eine der besonderen jungen Frauen, die dazu bestimmt sind, ihr weiteres Leben im Juwel – dem prunkvollen Kern der ewigen Stadt – zu verbringen. Ein Segen, scheint es auf den ersten Blick, der sich jedoch schnell zu einem wahren Fluch entwickelt. Denn: Die jungen Frauen sind dazu bestimmt, das Fortleben der Adligen im Juwel zu sichern, indem sie diesen als Leihmütter zur Verfügung stehen. So wird Violet bei einer Auktion von der Herzogin vom See aufgekauft, die große Hoffnungen in eine schnelle Schwangerschaft setzt, schließlich ist Violet mit der Nummer 197 von 200 in den Top Ten der Surrogate. Bedingungsloser Gehorsam soll der jungen Frau dafür ein sehr angenehmes Leben im Palast ermöglichen. Vom ersten Moment an wird deutlich, dass dieses Leben nichts für Violet ist, denn schnell merkt sie, dass sie eigentlich nichts wert ist und dass ihr Leben mit der Geburt des Kindes besiegelt wäre. Und dann ist da noch Ash, der ungeahnte und verbotene Gefühle in ihr auslöst…

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„Das Juwel“ ist ein wahres Juwel der Jugendbücher, die bisher in diesem Jahr erschienen sind. Erinnerte mich der Aufbau der dargestellten Welt zunächst arg an Panem, wurde dieses jedoch durch die komplett andere Handlung sofort revidiert. Ewing zeigt eine Gesellschaft, die in Kreise aufgeteilt ist. Von arm nach reich sind diese angeordnet und im Mittelpunkt liegt das Juwel, das eigentliche Zentrum der Macht. Doch überall wo so eine Fülle von Macht herrscht, muss es auch einen Schwachpunkt geben: Die reichen, mächtigen Herrscher würden aussterben, gäbe es die armen Mädchen nicht. Denn einige von diesen sind mit der Macht ausgestattet, die den Nachwuchs im Juwel garantiert. Surrogate nennt man sie, ein Begriff, der in mir einen bitteren Geschmack auslöst, reduziert er die Mädchen doch zum Gegenstand, zur Ware.

Im Zentrum steht die junge Violet – ein wundervoller und starker Charakter – die mit besonders ausgeprägten Auspizien gesegnet (oder verflucht) ist. Sie kann die Dinge sehr schnell wachsen lassen und ist eine begnadete Cellistin. Ersteigert wird sie von der Herzogin vom See, einer kalten, dominanten Person, die der jungen Frau das Leben im Palast alles andere als leicht macht. Allein der Gedanke, für sie ein Kind auszutragen widert Violet nur an und als die Herzogin ihre wahren Absichten zeigt, beschießt diese, alles in ihrer Macht liegende zu tun, um ihrem Schicksal zu entgehen und dabei am besten noch ihre Freundin Raven aus demselben zu befreien. Denn schließlich ist sie diejenige, mit der sie schon seit jeher am engsten verbunden ist und wahre Freunde gehen miteinander sogar durch die Hölle. Für Ravens Glück riskiert Violet alles, sogar den Verlust der eigenen Chance auf ein anderes Leben. Und dann spielt da noch die verbotene Liebe eine sehr große Rolle.

Intrigen und Machtspiele werden ganz groß geschrieben unter den Adelsdamen. Die Männer haben meist nicht viel zu sagen, steht doch der edle Nachwuchs im Zentrum und garantiert den Wohlstand der Familien. Bösartige Damen sind es allesamt, die nur an sich denken. Jede will zuerst den lang ersehnten Erben in den Armen halten und sie sind bereit, dafür sämtliche moralische Grenzen zu überschreiten und ihre Surrogate als das zu benutzen, für das sie in ihren Augen da sind: lebendige Gebärmaschinen. Fast erinnert es schon an Genmanipulation: Das perfekte Kind soll entstehen, koste es was wolle und welche medizinischen Mittel dafür genutzt werden müssen.

Ein sehr überzeugender Auftakt zu einer tollen Trilogie, kann ich nur sagen. Neben dem wundervollen Cover brillieren die dargestellten Charaktere, die absolut plastisch und lebendig gezeigt werden. Man fühlt mit ihnen, leidet mit ihnen und will unbedingt wissen, wie es weitergeht. Fesselnd, teilweise sehr brutal und emotional geht es zu, voller Eifersucht und Egoismus. Doch auch die Liebe kommt nicht zu kurz – wobei eigentlich schon, denn zart aufkeimende Triebe werden im Ansatz schon erstickt, um die höhere Mission nicht zu gefährden. Von der ersten Seite an war ich tief drin im Geschehen und viel zu schnell hat das Buch ein Ende gefunden gehabt – wie zu erwarten natürlich mit einem sehr fiesen Cliffhanger!

Amy Ewing präsentiert eine faszinierende und fantastische Welt, die den Leser in ihrem Bann zu halten versteht. Eine spannende, teils sehr grausame Grundhandlung gepaart mit lebendigen Charakteren versprechen einen sehr guten zweiten Teil, auf den ich mich jetzt schon freue!

achtung buch und hörbuch: die seiten der welt – nachtland von kai meyer 

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Nachdem es Furia im letzten Jahr gelungen war, die Entschreibung und somit den Tod der Bibliomantik zu verhindern, war die Gefahr natürlich noch nicht gebannt. Die verbleibenden Mitglieder der Adamitischen Akademie, Vertreter der Gründungsfamilien Cantos, Himmel und Hohenmut, herrschen im geheimen Zentrum, dem Sanktuarium, auf brutale Art und Weise über die Bibliomanten und Exlibri. Dieser Terrorherrschaft stellen sich Furia und ihre Freunde mutig entgegen. Doch sie schaffen es nicht allein. Der Widerstand braucht Mitstreiter.

Schließe dich dem Widerstand zur Rettung der Bibliomantik an!

So lautet der Slogan auf der Homepage des Fischer FJB, der es sich zur Aufgabe gemacht hatte, den Freunden die bestmögliche Unterstützung zu bieten. Natürlich kann nicht jeder Mitglied werden. Nur die loyalsten, cleversten und mutigsten Kämpfer kamen durch die acht Challenges die es zu bewältigen galt.

Zunächst braucht ein richtiger Rebelle einen Rebellen-Namen. War dies geschafft, mussten Freunde mobil gemacht und der Widerstand auf die Straße gebracht werden.

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Codes mussten geknackt werden, Wissen über den Widerstand wurde auf die Probe gestellt, die Sanktuariumskarte musste erobert werden und natürlich musste auch eine gewisse Sicherheit auf dem Bookboard bewiesen werden, bevor es losgehen konnte.

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Doch dann war man sofort drin im Geschehen und schaute Furia direkt über die Schulter als sie mit Isis in Libropolis auf den Ausbruch des Chaos wartete. Ein Chaos das Finnian vorbereitet hat, um den Mädchen Einlass in die Festung Marduks, dem Herrscher über das Ghetto, zu ermöglichen. Dort sollte die sagenumwobene Sanktuariumskarte verborgen sein, die den Widerständlern den Weg ins Herz der Adamitischen Akademie weisen soll. Alles scheint erfolgreich zu laufen, bis den Freunden mitten in der bizarren Sammlung von bibliomantischen Artefakten, die Marduk in der Festung angehäuft hat, eines klar wird: Sie sind mitten in eine Falle getappt. Statt der Karte wartet der Bibliomanten Arbogast – Isis‘ ehemaliger Lehrmeister – auf die jungen Widerständler und versucht, Isis auf seine Seite zu ziehen. Sie bleibt bei ihm und ermöglicht den Freunden so die Flucht in die Residenz der Faerfax, die im Laufe der Zeit zum Zuhause von über 80 Exlibri geworden ist.

War das Vertrauen der Freunde in die Ex-Unterstützerin zu früh? Lagen die Exlibri mit ihrem Misstrauen gegen Isis richtig? Furia will das nicht wahrhaben und setzt mit den Freunden alles daran, auch dieses Geheimnis zu lüften. Im Hintergrund ziehen sich die Fäden jedoch mehr und mehr zusammen. Die drei Häuser spinnen ihre Fäden, um die Bibliomantik endgültig komplett zu kontrollieren und die Exlibri mehr und mehr ins Exil zu drängen. Nichts ist mehr übrig vom alten beschaulichen Libropolis der Buchliebhaber. Wir fliegen auf Bookboards durch dunkle, enge Gassen, in denen illegale Geschäfte abgewickelt werden. Wir stürmen Marduks Festung und landen in einem brual-grausigen Kabinett der Schaurigkeiten. Dort wird uns erstmals vor Augen gehalten, wie zerstörerisch man Bibliomantik einsetzen kann. Zwischendurch springen wir durch die Seiten der Welt, die von den gefährlichen Tintlingen bevölkert werden und uns nicht gern wieder gehen lassen.

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Ihr seht, Kai Meyer hat erneut alles gegeben, um eine einzigartige Welt zu erschaffen, angefüllt mit phantastischen Kreaturen und einer wahnsinnig guten Story. Waren die „Seiten der Welt“ ein mehr als gelungener Auftakt, wird im „Nachtland“ ein großer Höhepunkt geschaffen. Alles Bekannte wird infrage gestellt oder man erkennt neue Perspektiven, Freundschaft und Loyalität nicht nur einmal auf die Probe gestellt. Man findet sich in einem großen Netz wieder, einem Netz aus Intrigen, Spannung, Hoffnung und Mut. Große Aufgaben warten auf unsere Freunde und nicht nur einmal müssen wir um ihr Leben bangen oder Verluste betrauern.

Doch auch neue Freunde und Gefährten bringt Kai Meyer ins Spiel: Da haben wir die zarte und wunderschöne Kallista Nassandra, desertierte Akademieagenten und mutige Exlibri, die sich auf die Seite der Freunde schlagen und zu treuen Beschützern oder Begleitern werden. Doch wie es so ist, hat man viele gute Charaktere, sieht sich auch immer das Böse gezwungen nachzuziehen. Lasst euch überraschen, zu welchen Abgründen manche Charaktere fähig sein können!

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Schon im letzten Jahr stand ich fast genauso hier, voller Lobes und mit der freudigen Aufgabe, meine Meinung über die „Seiten der Welt“ zu Papier zu bringen. Schon damals war ich absolut hingerissen von der Welt und den Figuren, die Kai Meyer geschaffen hat. Tief ergriffen hat mich die Bibliomantik, schnell bin ich durch die Seiten gerauscht, um absolut fasziniert aufzutauchen aus dieser einzigartigen Welt mit nur einer Frage im Sinn: Wie wird es weitergehen? Nun, es ging weiter und haben „Die Seiten der Welt“ meine Erwartungen erfüllt, muss ich über „Nachtland“ sagen, dass es meine Erwartungen noch übertroffen hat. Sowohl an Spannung als auch an Entwicklung, Phantasie und Figuren hat Kai Meyer noch eins drauf gesetzt. Wahnsinn – wie unerschöpflich muss die Kreativität dieses Mannes nur sein! Ich bin restlos begeistert und absolut fasziniert.

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An dieser Stelle sei auch der Argon Hörbuchverlag besonders lieb erwähnt, denn neben der wundervollen Printversion aus dem Hause Fischer FJB machte er „Nachtland“ für mich noch zu einem audiovisuellen Erlebnis! Bin ich über den Tag in die Seiten getaucht, habe ich abends das Gelesene noch einmal vom wundervollen Simon Jäger vorgelesen bekommen. Ein Traum! Die Stimme ist einfach nur facettenreich, warm und wundervoll zu hören. Jeder Charakter wird so auf eine ganz besondere Weise noch zum Leben erweckt! Dieses Hörerlebnis sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen.

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Eines muss ich ganz zum Schluss noch erwähnen: einen großen Dank an meine zwei Widerstandsmitleser Heike von irveliest und Arndt von AstroLibrium! Mit euch macht es einfach richtig Spaß! Ja, Arndt, wir haben Einhörner zu retten versucht und sind tief in die Refugien eingetaucht. Durch die 8 Challenges haben wir uns gemeinsam gewuselt und wurden letztendlich zu anerkannten Rebellen. Viele Artefakte haben wir gefunden und wieder verloren, aber wenigstens hast du dem Einhörnchen ein tolles Zuhause geben können! Freu mich schon auf unser nächstes Bookboardrennen *grins* (Bei einem Klick auf Arnds Bild kommt ihr direkt zu seiner Besprechung).

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Und die Heike! Was haben wir uns für eine Lesechallenge geliefert! Kopf an Kopf haben wir uns durch die Seiten gefiebert und hatten dabei so lustige Diskussionen! Leute, ich sage euch, die Fantasie dieser Frau ist unschlagbar! Was habe ich gegrinst manchmal! Ein paar kleine Einblicke sollt ihr bekommen – natürlich mit geschwärzten Figurennamen, wir spoilern ja nicht 🙂 (Und auch bei einem Klick auf Heikes Bild kommt ihr zu ihrer Besprechung)

J: Hihi, ich denke, du magst sie irgendwie.

H: Sagen wir mal so.. sie hat mich irgendwie fasziniert mit ihrer krassen, kaltschnäuzigen Art, aber ich fand… Rache genial. Und wenn nun Schluss ist mit… umso besser. 

Oder was auch sehr schön war:

H: Ach die … wird noch alle gut aufmischen, denke ich… und … ist wohl auch unkaputtbar.

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Liebe Leser und Hörer, ich kann euch nur noch sagen: greift zu diesem Buch oder Hörbuch und lasst euch tief in die Refugien entführen. Begleitet Furia und ihre Freunde bei diesem epischen Abenteuer!

achtung buch: atlantia von ally condie

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Die Zwillingsschwestern Rio und Bay leben in der harmonischen Unterwasserstadt Atlantia. Nach dem mysteriösen Tod ihrer Mutter naht ein wichtiger Tag heran: Die Zeremonie, bei der sich die jungen Leute entscheiden müssen, ob sie Unten leben wollen oder nach Oben gehen. Diese Entscheidung ist endgültig. Da beide durch den Tod der Mutter noch viel enger zusammengeschweißt sind, beschließen sie Unten zu bleiben. Doch während der Zeremonie passiert das Unerwartete: Bay entscheidet sich für das Oben, ohne mit ihrer Schwester noch ein einziges Wort gewechselt zu haben. Nach ihrer Abreise versucht Rio alles, um einen Weg zurück zu ihr und nach Oben zu finden, was durch die starke Absicherung Atlantias schier unmöglich scheint. Hilfe sucht sie dafür bei ihrer Tante Maire, zu der sie eigentlich kein gutes Verhältnis hat, und bei True, dessen bester Freund gemeinsam mit Bay nach Oben ging. Während ihrer Versuche, nach Oben zu kommen, geraten sie schlimmen Verschwörungen auf die Spur, die sich im Untergrund abspielen und nichts Gutes bedeuten. Wird es Rio und den anderen gelingen, nach Oben zu kommen und das Unheil von Atlantia abzuwenden? Lest selbst!

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Nachdem mich die „Cassia & Ky“ Trilogie von Ally Condie im Laufe der drei Bände leider nicht komplett überzeugen konnte, war ich sehr auf Atlantia gespannt. Positiv war dabei schon auf Anhieb für mich, dass es sich um einen Einzelband und nicht um eine weitere Trilogie handeln würde.

Schon das wundervoll gestaltete Cover hat mich sofort verzauber und auch die Inhaltsangabe hat mehr als neugierig gemacht. Atlantia selbst überzeugt durch die authentische und sehr gut durchdachte Unterwasserwelt inklusive ihrer detailliert und lebendig gezeichneten Bewohner. Ganz besonders sticht hierbei die tiefe Verbundenheit der Schwestern Bay und Rio hervor, die nicht einmal durch die Distanz zwischen „Unten“ und „Oben“ zerstört werden konnte. Mutig, zuversichtlich und ihren Ängsten trotzend, stehen die beiden Mädchen „ihren Mann“ und verfolgen zielstrebig ihre Missionen. Auf Anhieb waren mir die beiden Mädchen sympathisch, wenngleich ich Bays Handeln zu Beginn nicht verstehen konnte. Warum verlässt sie trotz Absprache ihre Schwester und Atlantia? Aber die Schatten lichteten sich bald und alles wurde klar.

Hinzu kommt noch Maire, die Tante der beiden Mädchen. Sie ist eine Sirene und muss sehr zurückgezogen leben, da diese aufgrund ihres betörenden Gesangs als verpönt gelten. Schnell wird deutlich, dass die beiden Mädchen ihrer Tante nicht wirklich trauen, sie aber brauchen, um das Geheimnis um Atlantia zu lösen. Ist Maire wirklich so durchtrieben, wie es scheint oder ist sie doch auf der richtigen Seite? Lasst euch überraschen!

Wir treffen auf weitere Weggefährten wie den jungen True, die mir allesamt ans Herz gewachsen sind. True dabei ganz besonders, hat ihn doch das gleiche Los erteilt wie Rio. Auch sein bester Freund verschwand – mit Bay gemeinsam – nach „Oben“ und hinterließ seinen Kumpel in totaler Ratlosigkeit. So ist es auch kein Wunder, dass True zu Rios Gefährten wird und ih bedingungslos zu helfen versucht. Gemeinsam machen sie sich daran, herauszufinden, warum Freund und Schwester den Weg nach „Oben“ gewählt haben.

Auch das Böse kommt natürlich nicht zu kurz, aber dazu möchte ich an dieser Stelle nicht mehr verraten. Stürzt euch in das Buch und lernt die wundervollen Charaktere selbst kennen! Es ist eine Freude!

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Die Grundstimmung des Buches ist eher ruhig, passend zum Gefühl des Wassers, das einen beim Lesen fast spürbar begleitet. Kampf und Action gibt es nicht, aber sehr wohl die Auseinandersetzung zwischen Gut und Böse, zwischen Egoismus und Allgemeinwohl, die sehr subtil mit leisen aber nachdrücklichen Tönen vermittelt wird. Dies ist nicht weniger wirksam als ein epischer Kampf, sondern unterstreicht das Gesamtbild des Romans auf eine tolle Art und Weise.

Neben der Geschichte der Zwillinge spielt die Geschichte der Sirenen und die Geschichte Atlantias eine große Rolle. Sie steht in einem engen Zusammenhang zur Geschichte der Mädchen und fügt sich nach und nach gekonnt wie ein Puzzle zusammen. Außerdem schwebt bis fas zuletzt die entscheidende Frage im Raum: Starb die Hohepriesterin – die Mutter der Zwillinge – eines natürlichen Todes?

Ähnlich wie bei einem Tauchgang durch ein Korallenriff gibt es viel zu entdecken: Jede Erzählung, jedes Detail und jedes Geheimnis ist Teil eines Großen Gesamtbildes, das  sich auf eine besondere Weise ganz am Ende zusammengefügt hat und mich als sehr glückliche Leserin zurücklässt. Insgesamt ist Atlantia eine sehr vielschichtige und tiefgründige Geschichte, die mit einem – trotz des ruhigen Erzähltons – immensen Spannungsbogen zu überzeugen weiß. All dies im Rahmen einer wundervoll bildlich geschriebenen Welt, die auch an vielen Stellen zum Träumen einlädt. Ich bin begeistert und fasziniert von diesem kleinen Schatz voller Geheimnisse und kann Atlantia jedem Freund eines sehr guten Jugendbuchs mit einem Hauch Dystopie nur wärmstens empfehlen!

Mehr Informationen zum Buch findet ihr auf der Seite des Fischer FJB