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Achtung Blogtour: Die Oleanderfrauen von Teresa Simon – Eine kleine Geschichte des Kaffees

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Morgens 5.30 Uhr, mein Wecker klingelt und der Tag beginnt. Natürlich mit einem überlebenswichtigen Ritual: Während ich die Zähne putze, läuft mein frisch gebrühter Kaffee durch die Maschine, der erstmal meine Lebensgeister erweckt.

Dabei gibt es bei mir aber nicht irgendwelchen Kaffee aus dem Supermarkt, sondern nur frisch gerösteten und fair gehandelten Kaffee vom Privatröster nebenan. Snob? Hipster? Keinesfalls. Nur bin ich mittlerweile, genau wie unsere Jule in den „Oleanderfrauen“ auf den Geschmack gekommen, dass Qualität im Fall von Kaffee auch ein Stück Lebensqualität bedeutet. Und besser als mit einem tollen, wunderbar duftenden Schluck Kaffee kann man doch nicht in den Tag starten, oder was meint ihr?

Mein Lebenselixier stammt frisch aus der „Neuen Kaffeerösterei“ in Plauen, wo der Daniööl ganz fantastische Kaffees selbst röstet. Die Bohnen bezieht er dabei nur von kleinen Plantagen, wirklich fair gehandelt und aus besten Bedingungen. Null Industrie – wenn eine Sorte alle ist, gibt es den Kaffee eben nicht mehr und man muss sich auf neue spannende Sorten freuen. Das tut dem Genuss aber auf keiner Weise einen Abbruch, viel mehr steigert es den Genuss. Die Bohnen sind dabei ja nur das Eine. Der Röstprozess ist genauso wichtig. Daniel röstet seine Bohnen im Geschäft immer Montags zu guter Jazzmusik – langsam und schonend, sodass etwaige Schadstoffe gar keine Chance haben, irgendwo Bestand zu haben und uns den Genuss zu verderben.

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Auch fürs Rundumwohl sorgt er immer ganz toll, denn unsere Feinbäckerei Aust steuert täglich noch die passenden Kuchen und Törtchen bei. Ein Besuch bei Daniel lohnt sich also wirklich komplett – ganz wie ein Besuch des Strandperlchens im Roman. Daniel ist eindeutig das Äquivalent zu Maite da Silva! Und er experimentiert auch so gern. Mit einem kleinen regionalen Brauereiunternehmen entstand das erste Black Coffee Stout, ein brillantes dunkles Kaffeebier, das stilecht mit Livemusik – nee, keine Blasmusik, sondern feinster Jazz und Funk – gefeiert wird. Auch kleine Lesungen haben schon bei Daniel stattgefunden.

Eigentlich wollte ich ihn für euch zum Thema Kaffee interviewen, aber der Umzug der Rösterei in eine neue Location steht direkt bevor und da wäre das nichts Gescheites geworden. Deshalb gab es an dieser Stelle diesen kleinen Ausflug für euch in unsere heimische Rösterei!

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Doch wo kommt er eigentlich her, der Kaffee? Nachweislich stammten die ersten Kaffee-Pflanzen aus Äthiopien. Entdeckt haben soll sie der Hirte Kadi, dessen Ziegen, nachdem sie die rote Kaffeekirsche gegessen haben, absolut aufgedreht herumsprangen. Schon im Jahr 900 n. Chr. wurde Kaffee in der Region Kaffa namentlich erwähnt. Zu dieser Zeit wurden die Blätter und getrockneten Kirschen noch nicht geröstet, sondern als Aufguss getrunken. Erst später, als der Kaffee seinen Weg ins Osmanische Reich und somit in die arabische Welt fand, wurden die getrockneten Samen erstmals geröstet, gemahlen und aufgekocht.

Beginn einer goldenen Ära? Ganz im Gegenteil. Erst im 16. Jahrhundert eröffneten in Istanbul Kaffeehäuser. Zu dieser Zeit war Kaffee aber noch nicht salongemäß. Vielmehr wurden die Kaffeetrinker unter der Herrschaft Murad IV sogar hart bestraft und die Kaffeehäuser wurden niedergerissen. Dies bedeutete jedoch keine Niederlage. Das edle Pulver wurde ein begehrtes Mitbringsel aus den Orienturlauben und erfreute sich so großer Beliebtheit, dass im 17. Jahrhundert Kaffeehäuser in Venedig, London, Wien, Paris und Deutschland eröffnet wurden. (Coffee-Circle)

Von diesem Tag an war der Hype um die Bohnen kaum aufzuhalten, wenngleich sie von einigen Herrschern weiterhin mit großer Skepsis betrachtet wurde. So ließ auch der Preußenkönig Friedrich der Große das Kaffeetrinken im Jahre 1768 unter Strafe stellen – man vermutet, dass er die aufrührerische Wirkung des Getränks befürchtete. Aber Kaffee war zu dieser Zeit schon mehr als nur ein Trend oder Genuss: Ein begehrtes Handelsobjekt war geboren und damit auch ein lukratives Wirtschaftssystem. Anstatt den Kaffee zu verbieten, belegte man ihn mit Steuern und Zöllen und steigerte so direkt den Wohlstand des eigenen Landes.

Einhergehend damit stieg auch das Wohlbefinden der Menschen, denn die Kaffeehäuser wurden zu beliebten Treffpunkten für Menschen aller Schichten, die sich dort über Gott und die Welt austauschen konnten. Und genau das ist bis heute geblieben: Die Freude der Menschen, gemeinsam mit anderen bei einer Tasse Kaffee zu sitzen und ein wenig die Zeit zu vertreiben… (Kaffeegeschichte)

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Und damit wären wir auch schon bei meiner Frage des Tages:

Seid ihr Kaffee- oder Teetrinker? Gibt es für euch ein spezielles Ritual des Kaffeetrinkens? Und was verbindet ihr mit Kaffee?

 

Gewinnspielregeln

Pro Tag gibt es von Montag bis Donnerstag je ein Exemplar des Buches „Die Oleanderfrauen“ zu gewinnen. Beantwortet dazu die Frage, die jeden Tag auf dem jeweiligen Blog gestellt wird in den Kommentaren.

Am Ende der Blogtour gibt es noch eine weitere Verlosung, quasi einen Hauptgewinn:

Wir werfen noch drei, diesmal handsignierte, Exemplare in den Lostopf, die unter denjenigen verlost werden, diean allen Tagen aktiv waren und auf allen Blogs kommentiert haben. In jedem der Gewinnerpakete wird außerdem noch eine kleine Spezialität eines privaten Kaffeerösters zu finden sein, sodass ihr das perfekte Aroma zum Buch riechen und schmecken könnt, während ihr tief in den Seiten versinkt.

Natürlich gibt es noch ein paar kleine Regeln zu beachten:

Teilnahmebedingungen:
• Wer darf teilnehmen? Minderjährige nur mit schriftlicher Erlaubnis der Eltern, nur Teilnehmer aus Deutschland. Teilnehmer aus dem Ausland sind ebenfalls zugelassen, sofern diese das Porto selbst tragen.
• Die Gewinner werden ausgelost und stimmen durch ihre Teilnahme zu, namentlich auf den teilnehmenden Blogs genannt zu werden.
• Die Verlosung beginnt am 20.01.2018 und endet am 28.01.2018 um 23:59 Uhr.
• Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
• Eure Daten werden ausschließlich für das Gewinnspiel und den Versand benutzt und danach gelöscht.
• Eine Haftung für den Versand ist ausgeschlossen.
• keine Barauszahlung möglich
• Meldet sich der Gewinner auf unsere Nachricht nicht innerhalb von 7 Tagen nicht, wird neu ausgelost.

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achtung buch: eine buchhandlung auf reisen von christopher morley

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Vor etwa einem Jahr hat sich eine Gruppe von Bücherliebhabern, genannt SOKO Buch, auf die Spuren eines ganz besonderen Buches begeben. Gemeinsam reisten wir nach Brooklyn und besuchten die Buchhandlung Parnassus, von deren Besitzern Mr. Roger und Mrs. Helen Mifflin wir noch viel lernen konnten.

Die Menschen brauchen Bücher, wissen es aber nicht. Meist wissen sie gar nicht, dass es die Bücher, die sie brauchen, überhaupt gibt. (S. 13)

Das war nur eine von vielen Weisheiten, die Mr. Mifflin uns mit auf den Weg gab und „Das Haus der vergessenen Bücher“ zu einem absoluten Herzensbuch für Bücherfreunde macht. 1919 geschrieben und bis heute unverändert voller Herzblut, hat es sich sofort tief in unsere Seele gemogelt und sie verzaubert. Wir haben mit Roger in der Buchhandlung gesessen und hätten ihm ewig zuhören können, sind durch das Brooklyn der Zwanziger Jahre flaniert und sind nebenbei einem literarischen Diebstahl der Sonderklasse auf die Spur gekommen. Aber eins haben wir nicht erfahren: Wie kam Roger Mifflin zu seiner wundervollen Buchhandlung Parnassus?

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Diese Frage sollte im Jahr 2015 beantwortet werden, als im August im Atlantik Verlag „Eine Buchhandlung auf Reisen“ erschien, denn nichts anderes ist der Parnassus! Eine Kutsche, die urig wohnlich eingerichtet  und mit allerhand Büchern zum Verkauf bestückt ist. An Bord Hund Boccaccio und Pferd Peg(asus), die gemeinsam mit Mifflin durch die Lande ziehen, um den Leuten die Literatur schmackhaft zu machen. Diese Stärke hatte unser lieber Roger also schon immer!

„Wenn Sie einem Menschen ein Buch verkaufen, dann verkaufen Sie ihm nicht nur so und so viel Papier, Druckerschwärze und Leim – nein, sie verkaufen ihm ein ganzes, neues Leben, Liebe und Freundschaft und Humor und Schiffe bei Nacht auf hoher See – Himmel und Erde, ich finde, das alles steckt in einem Buch – in einem wirklichen Buch!“
(S. 45)

Dabei will sich Roger jedoch keinesfalls selbst bereichern, sondern denkt nur an das Wohl seiner Leser. Egal wie sehr einer drauf drängen kann, Shakespeare zu lesen – wenn Roger der Meinung ist, dass er nicht reif dafür ist, gibt es keinen Shakespeare, aber dafür eine passende Alternative, die auch meist ins Schwarze trifft.

Morley reist mit uns Lesern an der Hand genau in diese Zeit zurück. In die Zeit, als der Parnassus auf Reisen ging, als Mifflin keine Buchhandlung hatte, als Roger seiner Helen begegnen sollte. Und mit welch großem Knall das geschehen sollte! Helen lebte zu jener Zeit mit ihrem Bruder Andrew, einem begnadeten Schriftsteller, auf der familieneigenen Farm und richtete ihm das Leben, während er auf der Suche nach Inspiration durchs Land vagabundierte und die eigentliche Arbeit vergaß.

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Literatur ist für sie nichts von praktischem Interesse, eher hinderlich in der Gestaltung des Alltags auf der Farm, da sie doch den Bruder von der Arbeit abhält – wenngleich dieser erfolgreich damit ist. Je mehr Andrew jedoch in die literarischen Weiten entschwebt, muss Helen die schwere Farmarbeit für zwei mehr und mehr allein bestreiten. Und als dann eines Tages – bloß gut, der Bruder ist unterwegs – der kleine rothaarige Mann mit seiner reisenden Bibliothek auftaucht und diese Andrew verkaufen will, sieht sie ihre Felle gar davonschwimmen.

Helen, sich der Tatsache mehr als bewusst, dass Andrew nichts lieber täte, als der Hofarbeit im Sinne der Literatur sofort zu entfliehen, sieht nur einen Ausweg aus der misslichen Situation: Sie kauft den Parnassus selbst, hinterlässt Andrew eine Liste mit lebensnotwendigen Hinweisen und macht sich auf in das Abenteuer ihres Lebens. Als erstes bedeutet dies, schneller als der Bruder zu sein und zweitens, Mifflin in den Zug nach Brooklyn zu verfrachten, bevor sie ihren persönlichen literarischen Feldzug beginnen könne – leichter gesagt als getan! Denn eigentlich genießt sie die Anwesenheit des kleinen kuriosen Männleins mehr als ihr lieb ist, und auch er scheint von ihr sehr angetan.

„Aber Bücher sind schließlich doch keine greifbare Welt, und hie und da dürsten wir auch nach irgendwelchen engeren, menschlicheren Beziehungen. Ich bin jetzt seit acht Jahren ganz allein, sieht man von meinem Bruder ab, der vielleicht gestorben ist, ohne es mir mitgeteilt zu haben. Dieses Wanderleben ist gewiss schön, aber einmal muss es doch ein Ende nehmen. Ein Mann muss Wurzeln schlagen, wenn er glücklich sein will.“
(S. 138)

Und auch Helen ist innerlich mehr als Ergriffen und fühlt sich mehr und mehr zu dem kleinen literaturbegeisterten Mann hingezogen. Eine Erkenntnis, die sie trifft wie ein Blitzschlag. Von diesem Momentan an, hat sie nur noch ein Ziel: zu Roger Mifflin zu gehören. Doch bevor beide endgültig zueinander finden (ich sehe das jetzt mal nicht als Spoiler, da dies ja schon anhand Morleys erstem Buch klar war), sind noch einige Hürden zu überwinden, auf die ihr Leser euch besonders freuen könnt.

„Das ist der Moment, in dem eine Frau zu sich selbst findet: wenn sie liebt. Es ist ganz egal, ob sie alt oder fett ist oder keinen Sinn für Romantik hat. Sie spürt das kleine Flattern unter ihren Rippen und fällt vom Baum wie eine reife Pflaume. Es kümmert mich nicht, dass Roger Mifflin und ich möglicherweise ein ebenso seltsames Paar abgaben wie Doktor Johnson und seine Frau. Ich wusste nur eins: Wenn ich den kleinen roten Teufel wiedersähe, würde ich die Seine sein – wenn er mich denn wollte.“
(S. 170)

Morleys „Buchhandlung auf Reisen“ schließt sich nahtlos an seinen Vorgänger – oder eher Nachfolger – an. Eine wortgewaltige und mehr als poetische Hommage an die Literatur, aber auch an die Liebe erwartet den Leser in diesem kleinen Büchlein, das diesmal aus Sicht Helens geschrieben wurde. Wie oft sehnt man sich nach einem Ausbruch aus dem Alltagstrott, nach der wahren Liebe, nach einem Abenteuer, dem keines ebenbürtig sein wird? Wie oft hängen wir unseren Träumen nach, einen ganz neuen Weg zu gehen?

Helen tat dies, brach aus, ging komplett neue Wege und gewann auf ganzer Linie. Sie lernte zu lieben – den Mann ihrer Träume und auch die Literatur. Sie wurde vom Herzblut Mifflins gepackt, genau wie es auch der Leser beim Inhalieren dieser Herzensgeschichte tut. Eine Herzensgeschichte, die sich wie Balsam auf die Seele legt. Viele Zitate habe ich euch gezeigt, noch viel mehr sind markiert, notiert und haben einen Platz in meinem Herzen gefunden.

Liebe Bücherfreunde, vertraut der Liebe zum Buch und eurem Instinkt – dann seid ihr stets auf der richtigen Spur und vielleicht führt diese euch zum ganz großen Lebens- und Liebesglück. Eine wahrer Hochgenuss der Literatur und das nicht nur für Literaturliebhaber. Macht euch auf, schwingt euch auf den Parnassus und schaut zu, wie sich eine hauchzarte Liebesgeschichte entspinnt, die am Anfang so sicher keiner erwartet hätte. Absoluter Herzensbuch-Alarm!

Und wer mir nicht glaubt, sollte beim Kollegen Arndt auf Astro Librium (Klick aufs Bild) vorbeischauen, der ganz sicher genau die selbe Meinung hat!

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achtung buch: die frauen der rosenvilla von teresa simon

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Kennt ihr diese Art von Büchern, von denen ihr hört und wisst, dass ihr sie unbedingt haben müsst? Die wie die Liebe auf den ersten Blick einschlagen und die ihr so schnell nicht vergessen sollt? So ging es mir mit „Die Frauen der Rosenvilla“ von Teresa Simon. Warum, fragt ihr euch? Weil dieses Buch schon in den wenigen Zeilen drei Leidenschaften von mir erfasste: Dresden, Schokolade und Rosen.

Dresden ist seit 10 Jahren meine Wahlheimat geworden, aus der ich eigentlich nicht mehr weg möchte und in die ich mich auf den ersten Blick verliebt habe. Zur Schokolade brauche ich nicht viel mehr zu sagen, als ICH LIEBE SIE und wer mich kennt weiß, wie gern ich selbst Pralinen und Schokolade selbst kreiere und verschenke *lach*. Und auch Rosen haben einen festen Platz in meinem Leben. Sie waren die liebsten Blumen meines Papas und er hat sie mich schon von Klein auf im Garten lieben und pflegen gelehrt. Und auch heute vergeht auch kein Tag, an dem nicht mindestens eine bei uns zu Hause zu finden ist.

Ihr seht, dieses Buch war ein wahres MUSS für mich. Aber um was geht es nun eigentlich?

Dresden 2013 – Die Rosenvilla in Blasewitz

Die junge Anna Kepler hat gerade ihre zweite Chocolaterie mit selbstgemachten Kreationen eröffnet und verzaubert damit ganz Dresden. Ein Wunder? Eigentlich nicht, stammt sie doch aus einer Dresdner Schokoladendynastie, die bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts zurückzuverfolgen ist. Doch nicht nur das Talent zur Schokoldadenherstellung und den außergewöhnlichen Geschmackssinn hat sie geerbt, sondern auch die Rosenvilla, die sie nun mit vollstem Herzblut restauriert.

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Auch den einst so prächtigen Rosengarten möchte sie wieder mit neuem Leben füllen und macht sich direkt mit Hilfe ihres Gärtnerfreundes Jan an die Arbeit. Damit sollte ein weiter großer Schritt in Richtung persönliche Glückseligkeit gemacht werden, denn neben der Blumen und der Schokolade wünscht sich Anna nichts mehr, als den passenden Mann an der Seite und das Trappeln von Kinderfüßen in den großen Räumen der Villa. Plötzlich wird sie jedoch aus ihren Gedanken gerissen, nämlich als Jan beim Graben auf eine alte Schatulle stößt, deren Inhalt Anna weit in die Vergangenheit der Rosenvilla katapultieren soll.

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Zwischen einem schmalen goldenen Armreif in Schlangenform, einer zerrissenen Perlenkette, einer roten Haarsträhne, einem Eisernen Kreuz 1. Klasse und vielen anderen Dingen findet sie einen Stapel Briefe und eine Fotografie einer ihr unbekannten Frau. Annas Neugier ist entfacht und sie stürzt sich direkt auf die Briefe.

„Ich brenne. Ich glühe. Bin wie im Fieber.
Darf ihn niemals wiedersehen und werde es doch schon bald.
Noch heute!“

Mit diesen Zeilen eines Briefes von einer gewissen Emma aus dem Jahre 1919 beginnt Annas Reise in die Vergangenheit, die sie nicht allein bewältigen kann. Zu durcheinander ist alles, von mehreren Schreibern verfasst. Zum Glück gibt es ja Freundin Hanka, Bibliothekarin und ihren treuen Kater Libro, die in akribischer Kleinstarbeit alles sortiert und gemeinsam mit Anna nach und nach entschlüsselt. Und was die beiden Frauen dabei entdecken, ist einfach unglaublich…

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Knapp 450 Seiten umfasst Teresa Simons Roman. Schier hindurchgeflogen bin ich und habe dabei jede Seite tief in mich aufgesaugt. Bin gemeinsam mit Anna durch bekannte Ecken geschlendert, habe in Gedanken in der Schokoladenbar in der Neustadt Pause gemacht und mir dabei vorgestellt, wie es wäre, wenn es Annas Chocolaterie wirklich gäbe. War im Schokoladenshop an der Frauenkirche und wollte einfach nicht, dass das Buch endet.

Denn zu vielschichtig, schön, traurig, ergreifend, verrückt war das alles, was Anna auf den Briefseiten erlebte. Alle Fäden laufen zusammen in der Rosenvilla, die eine Familiengeschichte erzählt, die weiter zurück reicht, als Anna es sich hätte jemals träumen lassen. Genau wie sie in den Briefen gefangen war, war ich es im Buch. Von Seite zu Seite lüfteten sich die kleinen und filigranen Geheimnisse, die am Ende ein einmaliges Netz aus lebendigen und einzigartigen Charakteren sowie einer wundervollen und berührenden Geschichte ergaben.

Und die Protagonisten waren alle etwas ganz besonderes. Allen voran natürlich Anna, die ich vom ersten Moment an ins Herz geschlossen habe (nicht nur, weil wir beide rothaarig sind *lach*). Sie ist eine so liebenswerte und gefühlvolle Frau, die aber auch klare Ziele vor den Augen hat und diese auch verfolgt. Eine spritzige Mischung – wahres Elbfeuer eben. Dieses Feuer findet man auch in den anderen Frauen des Romans, über die an dieser Stelle nicht mehr verraten werden soll. Ihr müsst sie selbst kennen lernen, denn den Umfang dieses Buches kann und will ich nicht in Worte fassen. Man muss es lesen, wie eine Praline genießen und schmelzen lassen, langsam die Verbindungen herstellen, staunen, kopfschütteln, traurig sein, lachen, einfach den Gefühlen freien Lauf lassen.

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Dieses Buch kann ich wirklich nur jedem Leser ans Herz legen, der Dresden und Schokolade liebt, der den Duft von Rosen allgegenwärtig in der Nase haben will, während er in eine Familiensaga der ganz besonderen Art und Weise eintaucht. Geschichte und Fiktion treffen aufeinander und es gibt eine Explosion der Sinne und Gefühle. Und wem das auf dem Papier noch nicht reicht, sei dazu aufgefordert, sich zuerst mit den letzten Seiten des Buches auseinanderzusetzen, selbst Trüffel zu machen und den passenden Eierlikör und es sich dann mit dem Buch gemütlich zu machen! Teresa Simon hat einfach an alles gedacht! Und mehr als das: Sie stand mir sogar für euch noch Rede und Antwort! Mit einem Klick kommt ihr direkt zum

Interview mit Teresa Simon

Für mich ist „Die Frauen der Rosenvilla“ definitiv eines der Bücher schlechthin, das ich sicher nicht zum letzten Mal in den Händen hatte!

achtung buch: ein mann namens ove von frederik backmann

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Jeder von uns kennt Menschen wie Ove, sogenannte Nachbarn aus der Hölle. Nachbarn, die jeden Tag durchs Viertel gehen und prüfen, dass auch alles in Ordnung ist, dass keiner falsch parkt und dass niemand seinen Müll irgendwo liegen lässt. Nachbarn die mit dem Finger auf Leute zeigen, die sie nicht mögen, die missmutig und mürrisch sind und scheinbar nicht viel für ihre Umwelt übrig haben.

Genau so ein Nachbar ist Ove. Ove ist 59 Jahre alt, fährt Saab und hat es sich zur Aufgabe gemacht, in seinem Viertel für Ordnung zu sorgen. Eigenbrötlerisch lebt er in seinem Haus, macht jeden Morgen seine Kontrollgänge und schreibt Falschparker sowie Ordnungswidrigkeiten akribisch auf. Was soll er sonst auch machen? Schließlich ist seine geliebte Frau Sonja tot und er selbst frühzeitig in Pension geschickt worden. So scheint es zumindest auf den ersten Blick zu sein.

Eines Tages zieht eine neue Familie ins Nachbarhaus: Eine hochschwangere Frau samt Mann und zwei Töchtern. Parvaneh, die schwangere Frau beginnt von der ersten Minute an, sich liebevoll in Oves Leben zu drängen und dieses auch gehörig auf den Kopf zu stellen. Schon bald beginnt Oves harte Schale zu bröckeln und ein ganz weicher Kern mit einer rührenden Lebensgeschichte taucht auf.

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Ein Mann namens Ove ist ein Buch für den perfekten Abend auf dem Sofa, bei Kerzenschein und einer schönen Tasse Kakao mit Zimt. Ein perfektes Buch für graue Herbsttage, aber auch für die sonnig-goldenen. Eigentlich ist es ein Buch für jede Lebenslage.  Und dabei ist es etwas ganz besonderes, genau wie Ove selbst.

Begegnet und zunächst ein mürrischer und griesgrämischer Eigenbrötler, wird dieses Bild schnell revidiert, als man mehr aus Oves Leben erfährt. Frederik Backman beschreibt die Geschehnisse anhand zweier Handlungsstränge: einerseits erleben wir, wie es Ove in der Gegenwart ergeht und andererseits gibt der Autor ein feinfühliges und rührendes Bild von Oves Vergangenheit wieder.

Und die war nicht immer leicht. Ove verlor zeitig seine Mutter und wuchs mit dem Vater auf. Sie führten eine stille, aber harmonische Vater-Sohn-Beziehung aus der Ove viele Werte mitnehmen sollte, die sein Leben definierten. Dazu zählen Fleiß, Ehrlichkeit und Kollegialität. Ove arbeitete immer hart und fleißig, doch lebte er wirklich? Ja, nämlich als er seine Frau Sonja kennenlernte.

Ove war nie die Frage gestellt worden, wie er gelebt habe, bevor er sie traf. Aber hätte das jemand gefragt, wäre seine Antwort gewesen, dass er das gar nicht getan habe.

Und so erging es ihm auch nach dem Tod seiner Frau. Nun, als ihm scheinbar nichts mehr blieb, beginnt er Vorbereitungen für sein Sterben zu treffen. Denn als Sonja starb, war auch sein Leben vorüber.

Dann steht er da, mit den Händen in den Hosentaschen und sieht sie einfach nur an. Am Ende legt er seine Hand vorsichtig auf den großen Stein und streichelt vorsichtig von einer Seite zur anderen. Als ob er ihre Wange wäre. „Du fehlst mir“, flüstert er.

Doch dann zieht eine Familie ins Nachbarhaus: die hochschwangere Perserin Parvaneh samt ihres Mannes und ihrer zwei Töchter.  Und auf einmal wird alles anders. Unbewusst rüttelt Parvaneh Ove wach und stellt sein ganzes Leben auf den Kopf. Was habe ich beim Lesen gelacht, wenn sie ins Haus gestürmt kommt und Ove zwingt, Dinge zu tun, die er nie im Leben getan hätte. Wie sie über ihren tollpatschigen Mann – von Ove liebevoll „Der Volltrottel“ getauft – schimpft, wie sie Ove ins Leben zurückholt und zeigt, wer er wirklich ist, wie sie ihm das „Katzenvieh“ aufzwingt,… Denn wie einst Sonja, scheint nun Parvaneh zu erkennen, dass Ove mehr ist als Schwarz und Weiß.

Du tanzt in dir, Ove, wo es keiner sieht. Und dafür werde ich dich immer lieben. Ob du es willst oder nicht.
(Sonja zu Ove)

Es ist jedoch nicht nur Ove, der dem „Zauber“ Parvanehs verfällt. Vielmehr verwandelt sie das ganze Stadtviertel und füllt es mit Wärme und tiefen Gefühlen. Sie weckt das in den Menschen, was viel zu lange in der Tiefe schlummerte: Gemeinschaftsgefühl, Herzlichkeit und tiefe Gefühle. Und auch der Leser wird von Parvaneh verzaubert.

Auch mich hat der Zauber dieses Buches von Beginn an gepackt und nicht mehr losgelassen. Die wundervolle Sprache Backmans, die schon an den Zitaten deutlich wird, hat mich tief berührt und ich muss sagen, dass es wenige Bücher gibt, die mir beim Lesen so oft die Tränen in die Augen getrieben haben, wie dieses.

Die Biografie Oves ist die Biografie eines Mannes, der für seine Werte – allen voran für Gerechtigkeit – kämpft. Und das bis zuletzt. Dabei hat das Leben viele, man will sagen zu viele, Schicksalsschläge für ihn bereit gehalten, die ihn jedoch nie brechen konnten. Sie haben ihm nur einen harten Panzer verpasst, den es mit viel Gefühl und einer manchmal straffen Hand zu brechen gilt.

Backman spielt perfekt mit seinen Charakteren, die so lebendig sind, dass man sich wünsche würde, ihnen auf der Straße zu gehen. Er gibt ihnen Schicksale, die hinter jeder Haustüre lauern könnten und die man auf den ersten Blick nicht zu erahnen vermag. Mit viel Feingefühl beschreibt er diese Geschichten, die hinter den einzelnen Protagonisten stecken und verwebt sie zu einem filigranen Netz, in dessen Zentrum immer einer auftaucht: Ove.

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Ich kann nur raten: Lest dieses Buch unbedingt! Lasst euch verzaubern von Parvaneh, von Ove, vom Katzenvieh, von Jimmy und wie sie alle heißen. Erlebt, wie Oves Panzer bricht und wie unter der harten Schale ein ganz weicher Kern auftaucht. Doch erlebt nicht nur Oves Veränderung, erlebt den Wandel eines ganzen Stadtviertels, der das Herz berührt. Tränen der Rührung wechselten sich mit Lachtränen ab und am Ende hab ich wirklich geheult wie ein Schlosshund. Nicht vor Trauer, nein, ein Weinen aus einem guten Gefühl heraus, weil die Geschichte so herzerwärmend geschrieben ist und genau dieses warme Gefühl tief im Herzen zurücklässt. Ich finde, jeder sollte einen Ove haben – und natürlich auch die dazugehörende Parvaneh. Für mich DAS Herbstbuch schlechthin und Herzensbuch noch dazu!

Ein Mann namens Ove beim Fischer Verlag

achtung buch: das haus der vergessenen bücher von christopher morley – ein neuer Fall für die SoKo Buch

Puh… Stockholm liegt hinter uns und die Akademiemorde sind auch aufgeklärt. Zeit für Urlaub meinte der Chef. Aber richtig Urlaub, weit weg, da wo man von Stress, Hektik und Arbeit verschont ist. Was wäre da nahe liegender als eine Zeitreise ins Brooklyn des Jahres 1919.

Eine Straße in Brooklyn im Jahre 1919

Der Krieg ist gewonnen, gute Stimmung macht sich breit, die Cafés florieren und auch kleine Buchhandlungen können die Besucher wieder in ihren Bann ziehen. Eine wirklich starke Anziehungskraft geht von ihnen aus und auch ich kam nicht umhin, mich in der kleinen Buchhandlung Parnassus umzuschauen, ein paar Worte mit dem netten Besitzer, Mr. Mifflin, zu wechseln und seinen Hund Boccacio – genannt „Bock“ hinter den Ohren zu kraulen, als plötzlich die Tür aufgestoßen wurde und ein junger, dynamischer Mann in den Laden kam. Er schien wichtige Dinge mit Mr. Mifflin besprechen zu wollen. Also zog ich mich mit meinem neuen Bücherschatz langsam zurück, nicht ohne jedoch mitzubekommen, dass der junge Mann, Aubrey Gilbert, aus der Werbebranche kommt und Mifflin ein ausgeklügeltes PR-Konzept für die Buchhandlung aufschwatzen wollte. Nun war mein Interesse aber geweckt: Würde ein solches Original wie Mr. Mifflin, stets tabakrauchumweht mit durchdringend blauen Augen, einem kurzen roten Bart und einem sichtlich wachem und cleveren Geist, auf einen solchen Werbescharlatan reinfallen? Dieses Spektakel kann ich mir wirklich nicht entgehen lassen. Also stöberte ich weiter durch die Regale, ein Ohr am Geschehen – das muss doch eine Berufskrankheit sein.

Und ich sollte Recht behalten: Mifflin gelang es doch wirklich, den jungen Werber von seiner Theorie zu überzeugen und ihn noch dazu für die Welt der Bücher zu begeistern! Ein derartig philosophischer und wortgewandter Dialog fand da statt, der noch lange in meinem Kopf herumschwirren wird. Mifflins Thesen waren aber auch einfach zu stichhaltig. Ein Beispiel?

Die Menschen brauchen Bücher, wissen es aber nicht. Meist wissen sie gar nicht, dass es die Bücher, die sie brauchen, überhaupt gibt. (S. 13)

Nun war es Zeit für den Feierabend, doch was ist das? Der Ladenbesitzer lädt den Werbemenschen zum Abendessen ein? Schade, dass ich da nicht Mäuslein spielen kann. Nun habe ich aber auch Hunger – also ab in das kleine Bistro gegenüber. Beim Hinausgehen bleibe ich an einem Buch hängen und es fällt aus dem Regal: Briefe und Reden des Oliver Cromwell von Thomas Carlyle. Schnell hebe ich das Buch auf, stelle es zurück ins Regal und verlasse das Geschäft.

Die Urlaubsruhe soll jedoch nicht lange anhalten, denn am nächsten Tag bekomme ich eine Anruf von unserem Mädchen für alles. Ein neuer Fall wartet auf die SoKo Buch und er spielt sich in eben dieser Buchhandlung in der Gissing Street ab – was für ein Zufall. Also fix ins Büro des Bookland Yard, wo schon unsere Ermittlungsakten aus dem Atlantik Verlag warteten.

Das Haus der vergessenen Bücher lautet der Titel unseres neuen Falls.

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Ein Buch ist verschwunden: Thomas Carlyle… Moment, doch nicht etwa der Cromwell? Genau der ist es. Das Buch, das ich beim Hinausgehen vom Regal gestoßen habe. Wer könnte ein Motiv für den Diebstahl eines alten Buches haben? Da es keinerlei Anhaltspunkte für uns gibt, beschlossen wir, in so viele Richtungen wie möglich zu ermitteln um auf schnellstmöglichem Wege zum Erfolg zu kommen. Da ich ja schon eine erste Begegnung mit dem Werbemann Gilbert hatte, sollte ich mich erneut an seine Fersen heften. Schließlich war er ja abends noch lange in der Buchhandlung gewesen. Nun gut, also mache ich mich mal auf die Suche, doch was ist das? Unser Mädchen für alles macht es sich im Maiskolbenclub, einem Club für bibliophile Menschen, gemütlich und eine neue Assistentin – Titania – hat ihre Arbeit im Buchladen aufgenommen. Und ich muss raus.  Die Ereignisse scheinen sich wirklich zu überschlagen, doch wo ist Aubrey Gilbert?

Während der Cromwell zu den unmöglichsten Zeiten auftaucht und wieder verschwindet, ohne dass wir bisher wissen weshalb, sitze ich im Café und hoffe, dass Gilbert noch einmal zur Buchhandlung kommt – zu dem einzigen Ort, den ich bisher mit ihm in Verbindung bringen konnte. Und das Warten wird belohnt, da kommt er! Augenscheinlich hat er sofort eine Schwäche für die bezaubernde Miss Titania entwickelt, doch Mifflin verwickelt ihn direkt in ein Gespräch über den Cromwell. Gilbert scheint nun endgültig von der Geschichte gepackt zu sein, nicht zuletzt um die Aufmerksamkeit Titanias zu erringen, und beschließt, auf eigene Faust zu ermitteln.

Plötzlich scheinen sich die Dinge zu überstürzen: Viele Menschen unterschiedlichster Typen scheinen sich für den Cromwell zu interessieren, Gilbert wird das Opfer eines Überfalls, es wurde eingebrochen,… Arbeit ohne Ende. Deshalb muss ich an dieser Stelle auch vorerst schließen und verweise sie freundlich, den Rest der Ermittlungen im gerade erschienenen Begleitbuch, das kurioserweise den gleichen Namen wie unsere Akten trägt, nachzulesen:

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 Das Haus der vergessenen Bücher ist wie gemacht für jeden Bücherfreund. Nachdem wir dieses Jahr schon die Sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra besucht haben und in Schweden die Akademiemorde zu den Akten legen konnten, ist dies das dritte Buch über Bücher, welches ausgiebig gelesen wurde und ich muss sagen, es hat sich eine Platz tief in meinem Leserherz erobert. Vor 95 Jahren wurde es zum ersten Mal veröffentlicht und dann sollte es bis ins Jahr 2014 dauern, bis es auch in deutscher Sprache beim Atlantik Verlag erscheint und die Herzen der Büchermenschen im Sturm erobert. Und ich denke, das tut es.

Christopher Morley präsentiert einen bibliophilen Schatz voller Wortwitz, Philosophie und Charme. Besonders Mifflin und der Maiskolbenclub seien dabei zu erwähnen: Eine Gruppe von Bücherliebhabern, die sich treffen, um über die geliebten Bücher zu sprechen. Mehr dazu findet ihr aber beim Kollegen Arndt. Der Buchhändler fungiert dabei als brennender Verfechter der guten Literatur und die Diskussionen über das Gute Buch und den Perfekten Kunden entlocken dem Leser oftmals ein herzliches Schmunzeln.

 Bücher sind doch eigentlich die einzig wahre Medizin, die die kranken Seelen der Menschen nach dem Krieg zu heilen vermag. Und so lautet auch der Leitspruch der Buchhandlung Parnassus:

Wir haben, was Sie wollen. Geistige Unterernährung ist ein ernstes Leiden. Wir haben die richtige Medizin für Sie. (S. 9)

Dazu kommen natürlich noch viele andere liebenswert gezeichnete Charaktere, wie zum Beispiel mein Werbemensch Gilbert, die sich ins Herz der Leser schleichen und einfach dort bleiben. Viel Gefühl und wohl dosierte Spannung im Cromwell-Fall runden die Sache mit und man kann großartige Entwicklungen der Protagonisten bewundern. Ich bleibe hier bei Gilbert, denn die anderen Protagonisten wurden von den anderen SoKo Mitgliedern ausführlich durchleuchtet. Aubrey Gilbert, Anfangs Werbefachmann durch und durch, macht im Laufe des Romans einen Wandel durch, wie das hässliche Entlein zum schönen Schwan. Will er anfangs noch einfach nur einen Werbevertrag mit Mifflin abschließen, wächst er schon bald über sich hinaus und stürzt sich – beseelt von der Liebe und der aufkeimenden Begeisterung für Bücher – in ein turbulentes Abenteuer.

Eigentlich kann er auch gar nicht anders, denn wenn man in diese Geschichte eintaucht, ist man dem Zauber der Bücher schon verfallen. Christopher Morley ist mit diesem Werk eine wundervolle Hommage an den Beruf der Buchhändler gelungen. Die Liebe zum Buch wird auf jeder Seite mehr als deutlich und am Liebsten würde man sich sofort auf den Weg machen, der wundervollen Buchhandlung „Parnassus“ einen Besuch abstatten und im Cromwell oder Dickens oder einem anderen literarischen Schatz stöbern, den Duft der Seiten tief inhalieren und sich zuhause fühlen. Für mich zählt „Das Haus der vergessenen Bücher“ eindeutig zu den buchigen Highlights des Jahres und bekommt das Prädikat „Herzensbuch“ verliehen.

Die gesamten Ermittlungsergebnisse

Wenn ihr auf dieses Bild klickt, kommt ihr direkt zum Gesamtüberblick zu unseren Ermittlungsergebnissen. Jeder von uns hat das Buch unter einem bestimmten Aspekt betrachtet und das Endergebnis ist eine wunderbare runde Sache. Natürlich sind momentan noch nicht alle Besprechungen geschrieben, aber wenn ihr immer einmal vorbei schaut, werdet ihr nach und nach die komplette Welt des Hauses der vergessenen Bücher vorfinden und verstehen können, warum dieses Buch ein Herzensbuch sein muss.

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Besucht auch gerne Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra oder begeitet die SoKo bei den Ermittlungen zu den Akademiemorden!

achtung herzensbuch: die bücherdiebin von markus zusak

Die-Buecherdiebin-teaser-Poster

Wir befinden uns im Jahr 1939. Im kalten, schneereichen Winter sind Liesel Meminger und ihr Bruder Werner auf dem Weg nach Molching, um ihren neuen Pflegeeltern übergeben zu werden. Eine erste Katastrophe erschüttert Liesels junges Leben: Werner stirbt während der Fahrt und muss auf der Strecke beerdigt werden. Während der Beerdigung sieht Liesel, wie der junge Bestatter ein Buch im Schnee verliert. Die Bücherdiebin schlägt das erste Mal zu und mit dem „Handbuch für Totengräber macht sie sich auf die Reise in ihre ungewisse Zukunft. Ihr steter Begleiter ist dabei kein Geringerer als der Tod selbst, der Liesels Geschichte in allen Farben und Facetten berichtet.

Ein neuer Lebensabschnitt für Liesel beginnt in Molching, in der Straße, die nach dem Himmel benannt ist, bei Hans und Rosa Hubermann, in einem kleinen Haus mit zu niedrigem Keller. Das Erste, was das Mädchen mit ihrer neuen Familie verbindet, ist das lautstarke Fluchen von „Mama“ Rosa. SAUMENSCH heißt das neue Zauberwort, das Rosas Lieblingsbezeichnung für Liesel und auch Hans ist (da auch in der Abwandlung Saukerl). Klingt hart, findet ihr? Lest das Buch und ihr werdet den Begriff lieben, denn darin verbirgt sich auch etwas ganz anderes: pure Liebe!

„Was ist schlimmer als ein Junge, der dich hasst? Ein Junge, der dich liebt.“ (S. 59)

Genau auf diesen trifft Liesel auch: Rudi Schneider, Jesse Owens Fan und begeisterter Läufer, der zu ihrem Vertrauten, besten Freund und Seelenverwandten wurde und … der einen Kuss von Liesel wollte, den diese ihm aber niemals geben wollte.

Diese Menschen stellten also das neue Zentrum in Liesels neuem Leben dar, oder? Richtig, wenn man nicht das „Handbuch für Totengräber“ vergisst, das stets seinen Platz an Liesels Herzen hat, wenngleich sie nicht einmal weiß, was sie da mit sich herum trägt. Denn: Liesel kann nicht lesen. Im Laufe der Zeit entwickelt sich eine innige Freundschaft zwischen dem Mädchen und ihrem neuen Papa und sie beginnt bei ihm lesen zu lernen und den Wert der Worte zu erkennen.

Eines Tages geschieht jedoch etwas absolut Unerwartetes im Leben der Habermanns: ein ausgemergelter junger Mann vor der Tür, der von Rosa und Hans im Keller versteckt wird. Im Keller? Ja, denn Max Vandenburg ist Jude, also die Gefahr Nummer 1, die man sich zu dieser Zeit ins Haus holen konnte.

Der Beginn einer außergewöhnlichen Freundschaft und einer aufregenden Zeit im Hause Habermann, die geprägt sein wird von tiefen Gefühlen, weiteren Bücherdiebstählen, 13 Geschenken, Geheimnissen und politischen Entwicklungen…

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Die Bücherdiebin – ein Buch, über das man Bücher schreiben könnte. Markus Zusak ist damit ein Wunderwerk gelungen. Auf eine bisher einzigartige Art und Weise gelang es ihm, die Zeit des Nationalsozialismus einzufangen und dem Leser zu präsentieren. Gerade auch für Jugendliche sollte es zur Pflichtlektüre werden, spiegelt es doch so viele Werte und so viel Geschichte wieder.

Gleich zu Beginn zeigt uns der Tod persönlich, was das Verderben ist! Drei Mal ist er Liesel direkt begegnet und drei Farben begleiteten ihn dabei:

FotoS. 22

Der Nationalsozialismus, der Liesel die Mutter und den Bruder nahm, der ihr Leben bei den Habermanns bestimmte, der ihr den Freund Max nahm, nur weil dieser der falschen Religion angehörte. Der Nationalsozialismus der Menschen in den Krieg trieb, der Menschen ausrottete. Krieg – Tod – Schmerz – Verlust – alles Dinge, die unter dem Hakenkreuz zu schlimmer Realität wurden. Der Nationalsozialismus, der Wohlstand und Frieden versprach – wenn man sich mit der Partei arrangieren konnte. Doch konnte es jeder? Hans Hubermann konnte es nicht …

Bücher als ein weiterer wichtiger Aspekt des Romans: Durch sie lernt Liesel die Bedeutung der Wörter kennen, sie lernt lesen und das Lesen wird zu einem zentralen Punkt im Leben des Mädchens. Sie erkennt die Macht der Worte. So vieles kann mit Worten erreicht werden – Gutes und Schlechtes. So bleibt auch ihr erster Bücherdiebstahl nicht der Einzige. Ein zweites Buch stiehlt sie während einer Bücherverbrennung zu Ehren Hitlers. Ein gefährlicher Akt, der ihr jedoch neue Türen öffnet – nämlich die zur Bibliothek der Bürgermeistergattin. Wo dies hinführen wird? Lest selbst und heftet Euch an die Fersen von Liesel, wenn sie sich einmal wieder auf den Weg zum Haus des Bürgermeisters macht.

Zusak zeichnet in seinem Roman wunderbare Charaktere, die plastischer nicht dargestellt werden könnten. Die Beziehungen und Verbindungen werden im Verlauf des Buches immer klarer und reißen von der ersten bis zur letzten Seite mit. Eine Handlung, so vielseitig und tiefgründig, dass sie trotz der bekannten Grundmaterie komplett überzeugt. Trotz des fiktiven Ortes gibt es so viel Realität darin, dass man sich versucht fühlt, mehr über den Ort Molching und die Schicksale der dort lebenden Protagonisten zu erfahren. Wie kann etwas Fiktives so real sein? Zusak sagte dazu in einem Interview im Börsenblatt:

„Aus dem Heimatdorf Olching, wo sich die Schlüsselszene des Romans “Die Bücherdiebin” ereignet, habe ich kurzerhand Molching gemacht. Ich wollte keinen realen Schauplatz, sondern wollte den Ort der Handlung selbst erfinden. Ich habe mich also an der Realität orientiert, sie aber fiktionalisiert. Der Name Molching stand sehr schnell fest, bei anderen Namen dauerte es länger. Manche habe ich aus bestehenden Namen zusammengesetzt, zum Beispiel von Freunden meiner Eltern oder aus dem Abspann deutscher Filme.“

Das komplette Interview mit noch mehr interessantem Hintergrundwissen findet Ihr hier:

Interview Markus Zusak

Insgesamt ein Buch, welches sich sofort in die Kategorie Herzensbuch geschlichen hat. So viel Tiefe, Gefühl, Wahrheit auf so vielen Seiten, die man am Liebsten in einem Rutsch lesen möchte und die mir einige Nächte mit sehr wenig Schlaf beschert haben, habe ich bisher nicht so oft erlebt und ich danke Markus Zusak aus ganzem Herzen für dieses Wunderwerk!

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Natürlich habe ich mir auch die Verfilmung angeschaut und muss sagen: Sie hat mich überzeugt und mir ausgesprochen gut gefallen. Natürlich kann man kein Buch von derartiger Vielseitigkeit und Komplexität in einen 2,5-3h Film pressen und vieles, auch Wichtiges, fällt dem Schnitt zum Opfer. Aber dennoch ist hier großes Gefühlskino gelungen, welches die Handlung, gestutzt, aber sehr gut zu vermitteln weiß. Aber, liebe 20th Century Fox, wieso ein derartiger Epic Fail???? Der Film spielt in Deutschland, in Molching, einer Stadt, an deren Geschäften Titel wie KOLONIALWARENGESCHÄFT und SCHNEIDEREI stehen. Und was passiert dann? Liesel lernt lesen im „Handbuch für Totengräber“ und schreibt ihre gelernten Vokabeln an die Wand. Gut und schön, ist ja im Buch auch so. Aber wieso ist das Buch und alle weiteren auf ENGLISCH? Und wieso schreibt Liesel die Vokabeln auf ENGLISCH an die Wand? Das wäre vermeidbar gewesen. So viel Geld, das für gute Filmrequisiten ausgegeben wird, da wäre doch ein wenig mehr Authentizität drin, oder? Das ist wirklich sehr schade, aber abgesehen davon ein toller Film, schon allein durch die hervorragende schauspielerische Leistung aller Beteiligten.

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Eine Notiz in eigener Sache an den Tod

Lieber Tod,

Durch die Bücherdiebin bist Du mir sehr gegenwärtig geworden in einer plastischen Art und Weise. Denn ein stiller Begleiter meiner Familie warst du ja seit dreieinhalb Jahren. Stets an unserer Seite, manchmal fast nur wie ein Hauch, dann wieder beängstigend hart und gegenwärtig warst du da. Bis zum 19.2. diesen Jahres, als Du die Seele meines Papas dann doch in die Finger bekommen hast. Mit nur 57 Jahren natürlich zu früh, aber wann ist schon der richtige Moment, um zu gehen? Gesundheitlich betrachtet war es genau der richtige Moment und ich danke Dir für die Sanftheit, mit der du agiert hast. Oft genug hat er Dir ein Schnippchen geschlagen und wir konnten so noch eine schöne gemeinsame Zeit haben. Auch für diese Möglichkeiten danke ich Dir. Und ich bin sicher, seine Seele saß auch aufrecht und erwartete Dich an diesem Tag…

Und sollte mich jemals jemand fragen, was es für ein Tag war? Es war ein türkisblauer Tag…