Tag-Archiv | Thriller

Achtung Buch: Im dunklen dunklen Wald von Ruth Ware

img_2510

Freundschaft ist…

… wenn man eigentlich seit geraumer Zeit gar kein Freund von Thrillern ist, sich aber im Gespräch mit den anderen Lesemädels doch dazu breit schlagen lässt, es zu versuchen. So kam es, dass ich mich der Herausforderung gestellt habe, und nicht nur das Buch gelesen, sondern auch an der Blogtour zum Buch teilgenommen habe. Was wir da so erlebt haben, könnt ihr auf den folgenden Seiten nachlesen:

Kurzvorstellung des Buches bei Ronja

Eine besondere Cocktailparty bei Anja

Interview mit Ruth Ware bei Sabine

Dialog über die Freundschaft und ihre Besonderheiten bei Yvonne, Pauli und mir

Eva erklärt uns warum wir Angst im Wald haben und was ihn so besonders macht

Heike erklärt uns das Phänomen des Junggesellinnenabschieds

41-1-mc3a4delswaldtour

Das war sie also, unsere sehr spannende und gruselige Blogtour zum Thriller von Ruth Ware. Doch um was geht es nun genau?

Der Klappentext verrät uns Folgendes: 
Eine bizarre Junggesellinnenparty.
Ein Spiel, das aus dem Ruder läuft.
Manche Partys sind gut, manche sind schlecht. Diese hier ist tödlich.
Als Nora, 26, eine Einladung zum Junggesellinnenabschied ihrer ehemals besten Freundin Clare bekommt, ist sie mehr als überrascht. Sie hat Clare seit zehn Jahren nicht gesehen. Seit dem Vorfall damals, den Nora nie ganz überwunden hat… Und jetzt aus heiterem Himmel diese Einladung. Ein idyllisches Wochenende in einem Haus tief in den winterlichen Wäldern Nordenglands ist geplant. Was kann es schon schaden? Nora gibt sich einen Ruck und fährt hin. Doch etwas geht schief. Grauenvoll schief.

Viel mehr Worte möchte ich dazu gar nicht verlieren, denn jedes Wort zu viel wäre ein Wort, das euch einen, wenn auch noch so kleinen Teil der Spannung nehmen könnte. Was zunächst wie ein allseits bekanntes Schema für dieses Genre klingt, entwickelt sich schon ab der ersten Seite zu einem perfiden Katz und Maus Spiel. Jeder Mensch hat zwei Seiten, heißt es immer so schön. Und genau dies wird im Buch bewiesen. Da wird die beste Freundin zur Kratzbürste und die Feindin zur Verbündeten. Da glaubt man jahrelang, sich zu kennen und wird sich auf engstem Raum doch fremder als man es je zu glauben gewagt hatte.

Dass ein Mord passieren wird, wird hier jedem klar sein. Denn was ist schon ein Thriller ohne Blut und ohne Mord. Aber wie er vollzogen und vor allem wie sich die Geschichte im weiteren Verlauf entwickelt, das ist schon gar nicht von schlechten Eltern. Ein Mord also, MORD… wieso kann sich Nora aber an nichts erinnern? Und wieso liegt sie im Krankenhaus? Was machen die Polizisten vor ihrem Zimmer? Wie ein undurchdringlicher Nebel liegt die Vergangenheit über ihrem Gedächtnis und kann selbst mit der größten Anstrengung nicht hervorgeholt werden. Der Druck auf die junge Frau nimmt zu und da ist sie: eine erste kleine Erinnerung. Schritt für Schritt rekonstruiert Nora im Geiste die Geschehnisse vom Tag der Einladung zum Junggesellinnenabschied bis hin zum Krankenhaus. Und je weiter sich der Nebel lichtet, desto mehr wird sich Nora der Gefahr bewusst, in der sie und die anderen schweben.

img_2511

Ruth Ware ist brillant. Anders kann man es nicht sagen. Ihr ist es gelungen, einen althergebrachten Stoff so gekonnt neu zu verpacken, dass man von der ersten bis zur letzten Seite im Buch gefangen ist. Man hegt erste Ahnungen, verwirft sie wieder. Man verfolgt Spuren, die zunächst klar zu sein scheinen und dann im Schnee verlaufen. Man vertraut, um am Ende mehr zu misstrauen und man dreht sich ähnlich wie Nora permanent im Kreis, um die richtige Lösung zu finden. Perfekt spielt Ware dabei mit der Vergangenheit und der Gegenwart ihrer Protagonisten und lässt still und leise Unstimmigkeiten aus der Schulzeit einfließen. Unstimmigkeiten, die Misstrauen säen und kleine, subtile Boshaftigkeiten, die auf den ersten Blick als Neckereien abgetan werden könnten. Am Ende weiß man gar nicht mehr, wem man überhaupt noch trauen kann…

Untermalt wird dies noch durch die schaurige Kulisse. Ein Glashaus mitten im dunklen und dichten Wald. Gegensätzlicher hätte es nicht sein können: Transparenz trifft auf Bedrohung. Man fühlt sich permanent beobachtet und kann doch selbst keinen Blick ins Dunkle werfen. Dazu noch dichter Schnee und kein Handyempfang. Viel mehr braucht es nicht, um eine beklemmende Stimmung zu verursachen. Auch die einfache und knapp gehaltene Sprache unterstreichen diese Gefühle. Bis zuletzt spinnt Ruth Ware ihre Fäden, die sich mehr und mehr zu einem tödlichen Kokon verfestigen und es bleibt lange Zeit unklar, auf wen das Ganze nun eigentlich abzielt und ob Nora sich wirklich wieder komplett erinnern können wird.

Trotz einiger Längen im ersten Teil und des doch bekannten Stoffes konnte mich der Thriller komplett überzeugen und hat den Ausflug in dieses Genre für mich zu einem lohnenswerten Leseerlebnis gemacht. Ich kann das Buch jedem empfehlen, der sich gern in eine beklemmende Stimmung voller Spannung entführen lassen will und danke auch meinen Mitleiterinnen sowie dem dtv für die tolle Leserunde!

Achtung: #mädelswaldtour: Im dunklen dunklen Wald von Ruth Ware

img_2510

Hallo ihr Lieben und herzlich willkommen im dunklen Wald… Heute ist schon der 4. Tag unserer tollen Blogtour.

Ihr habt doch keine Angst, oder? Hier ist es nur ein bisschen dunkel und es passieren ziemlich schräge Dinge. Ihr wollt wissen was passiert? Na dann macht mit bei unserem Gewinnspiel und lest diesen fantastischen Thriller selbst. Der Klappentext soll euch aber dennoch einen kleinen Hinweis geben:

Eine bizarre Junggesellinnenparty. Ein Spiel, das aus dem Ruder läuft.
Manche Partys sind gut, manche sind schlecht. Diese hier ist tödlich.
Als Nora, 26, eine Einladung zum Junggesellinnenabschied ihrer ehemals besten Freundin Clare bekommt, ist sie mehr als überrascht. Sie hat Clare seit zehn Jahren nicht gesehen. Seit dem Vorfall damals, den Nora nie ganz überwunden hat… Und jetzt aus heiterem Himmel diese Einladung. Ein idyllisches Wochenende in einem Haus tief in den winterlichen Wäldern Nordenglands ist geplant. Was kann es schon schaden? Nora gibt sich einen Ruck und fährt hin. Doch etwas geht schief. Grauenvoll schief…
***

Eine besondere Rolle spielt das Thema Freundschaft. Was würde es da besseres geben, als ein bisschen mit unserer lieben Yvonne und der herzallerliebsten Pauli von der „Lesenden Samtpfote“ über das Thema Freundschaft zu plaudern. Ich habe sie die Tage zufällig im Wald getroffen und mit ihr über das Geheimnis einer langlebigen Freundschaft gesprochen. Aber lest selbst:

***

Pauli: Hey Jule, ich lese gerade „Im dunklen, dunklen Wald“ und da sind mir ganz viele Frage in den Kopf gekommen, die ich unbedingt loswerden wollte. Wie lange hatten Frauchen und du eigentlich keinen Kontakt mehr?

Jule: Hey Pauli, schön, dich hier auf dieser Bank im Wald zu treffen! Findest du es nicht ein wenig dunkel hier? Gerade wo wir doch noch zusammen im passenden Buch stecken!

Puh, das waren schon einige Jahre, die wir nichts voneinander gehört haben. War sehr traurig, aber wir hatten ja auch beide viel um die Ohren. Vieles hat sich spontan geändert, viele schöne und unschöne Dinge sind passiert, wir haben unseren Weg im Leben gesucht und mussten so manche Entscheidung treffen. Da blieb einfach kaum Zeit. Aber weißt du, was richtig schön ist? Nachdem wir durch die liebe Brigitte Riebe wieder so richtig in Kontakt kamen, war es so, als hätte es diese „leeren“ Jahre nie gegeben. Als würden wir einfach wieder bei Animal Crossing und Caramel Latte dasitzen und über Gott und die Welt reden. Es hatte sich absolut nix geändert. Die gleiche Vertrauensbasis, der gleiche Humor, wir können lachen, weinen, uns kritisieren, … Hat man nur selten im Leben und umso mehr bin ich froh, dass wir uns das so erhalten konnten.

FullSizeRender

Was meinst du denn dazu? Dich hab ich ja auch so vermisst! Was macht für dich die enge und langjährige Freundschaft aus?

Pauli: Ich finde es auch ziemlich dunkel hier, fast schon gruselig. Aber ich hab es im Buch und dem Glashaus nicht ausgehalten. Doch wenn ich mir recht überlege, gruselt es mich noch mehr, dass du mir genau die Frage gestellt hast, wegen der ich zu dir komme. Mir geht es einfach nicht mehr aus dem Kopf, wie Tom Nora gefragt hat, was das Geheimnis einer langlebigen Freundschaft ist und Nora gar nicht wusste, was sie antworten soll, weil sie und Clare so lange Funkstille hatten. Deshalb dachte ich, ich frage dich. Frauchen und du, ihr hattet doch auch so lange Funkstille. Ist das Geheimnis eurer Freundschaft vielleicht genau diese Funkstille? Eine Zeit, in der sich jeder weiterentwickelt hat, um dann dem anderen gegenüberzutreten und genau da weiterzumachen, wo man vor vielen Jahren aufgehört hat – ohne Vorwürfe, sondern mit Verständnis? Ich denke, das ist der Schlüssel! Verständnis für den anderen, den man so gut kennt, auch nach einer längeren Kontaktpause. Und welche Rolle spiele ich dabei, hier in diesem Rahmen, in dem wir uns wiedergetroffen haben. Bin ich vielleicht so besessen von Frauchen, wie Flo von Clare? Das Buch macht mich paranoid…

Darf ich dich was anderes fragen?

Jule: Flo ist wirklich besessen von Clare. So etwas kenne ich auch. Ich hatte einmal eine beste Freundin in der Schule. Sie rief mich jeden Tag an, ich durfte nur mit ihr etwas unternehmen und kaum Kontakt zu anderen haben. Das hat mich dann so fertig gemacht, dass ich es kaum mehr ausgehalten habe und diesen Kontakt auch sehr zurückgeschraubt habe.

Pauli: Solche Freunde kenne ich auch. Man denkt, sie können ohne diese eine andere Person nicht existieren, weil sie so abhängig sind. Das ist nicht nur für den Freund sehr anstrengend, an den sich diese Person klammert, sondern auch für alle anderen Personen. Man hat immer das Gefühl, dass man diese eine Person mitschleifen muss.

Aber irgendwie finde ich es traurig, dass es Menschen gibt, die sich so abhängig machen von einem Menschen. Allerdings bin ich ehrlich gesagt ja auch so abhängig und besessen von Frauchen… bei Katzen ist das aber was anderes.

Jule: Das stimmt. Aber wieso tun sie das? Vielleicht aus Bewunderung oder auch aus dem Gefühl heraus, einfach etwas Besonderes in der Person zu sehen, ihr nahe sein zu wollen? Ist das gut dosiert, kann das sehr schön sein. Aber sobald es ungesunde Ausmaße annimmt, muss man schon vorsichtig sein.

Pauli: Mir tun die Menschen leid, die sich von jemandem so abhängig machen. Jeder ist doch auch allein toll, auf seine eigene Art.

Jule: Magst nicht vorbei kommen und bissl kuscheln? Ich mag keine gruseligen dunklen Wälder, obwohl ich sonst sehr gern draußen bin! Und was wolltest du mich fragen?

Pauli: Oh ja, es ist auch ziemlich kalt, da kuschel ich gern. Aber nun zu einer dieser Fragen, die mich nicht loslässt. Stell die vor, Frauchen hätte dich in all den Jahren der Kontaktpause aus heiterem Himmel auf ihren Junggesellinnenabschied eingeladen… wärst du gegangen, um der alten Zeiten willen?

Jule: Oh…. diese Frage ist wirklich schwierig, da ich ja eigentlich kein Freund dieser ganzen Spektakel bin *Lach* komisch, wo ich doch so ne ewig endlose Romantikerin bin. Ich kann dir darauf keine eindeutige Antwort geben, da das auch die Zeit und die Umstände bestimmt hätten. Wäre es in der Zeit gewesen, als mein Pa… sicher nicht, wäre es zu machen gewesen, vielleicht… hmm das ist wirklich ein etwas schwieriges Thema, auf Frauchen hätte ich mich sehr gefreut und hätte es bei ihr sicher auch in Erwägung gezogen, auch wenn ich sonst niemanden gekannt hätte.

Pauli: Hättest du dich gar nicht gewundert?

Jule: Gewundert – sicherlich etwas, aber ich kenn so viele verrückte Pärchen, bei denen das Knall auf Fall passiert und auch Freunde, mit denen man viel weniger als mit Frauchen zu tun hatte, die einen einladen, von daher wäre ich sicher überrascht gewesen, aber positiv und erfreut. Und hundert pro hätte das dazu geführt, dass wir wieder eher mehr Kontakt gehabt hätten – egal, ob ich hingegangen wäre oder nicht.😉

Pauli: Und wenn ihr so lange keinen Kontakt gehabt hättet, dass du nicht mal weißt, wer der Bräutigam ist? Wärst du gegangen? Ist das das Geheimnis, dass man sich nach Jahren noch blind vertraut.

img_2511

Jule: Gegenfrage: Steht da meine Meinung denn zur Debatte? Ich meine, ich hätte ihn zwar nicht gekannt, aber Frauchen ist ja dennoch meine Freundin und wird schon wissen, was sie da tut. Hofft man zumindest.🙂

Und du hast recht: Verständnis ist die Grundvoraussetzung, um nahtlos an etwas anzuknüpfen, das lang unterbrochen war. Wie eben unsere Freundschaft. Und dazu kommt sicher noch die Ebene auf der man sich bewegt hat. Wir waren ja so arg auf einer Wellenlänge, da war das kaum ein Problem. Eher habe ich mich geärgert, dass es überhaupt alles so lang auf Eis lag. Umso schöner ist es aber, dass wir uns jetzt wiedergefunden haben.

Magst du denn Hochzeiten? Und Junggesellinnenabschiede? Wie würdest du den denn gern feiern? Oder wie überhaupt nicht?

Pauli: Ich hätte eingeladen zur Wellnessbehandlung an einem Mauseloch an einem See oder so. Ich hätte aber alle eingeladen. Nicht nur Katzen, auch Kater. Alle Kumpels! SamRoc, Wallee, Ponyo, Jack, Chester (aber nur bis 22 Uhr) und alle anderen und wir hätten Milchskey getrunken und uns von unseren Frauchen kraulen lassen. Aber wenn, dann würde ich nur Frauchen heiraten und die hat gesagt das geht nicht. Da fällt mir ein, dass ich gar nicht weiß, wie und ob sie feiern würde. Da muss ich genau zuhören, was Heike am 31.10.2016 von Frauchen zu berichten hat.

Wurdest du schon mal nach langer Zeit der Funkstille zu einem Junggesellinnenabschied eingeladen?

Jule: Eine liebe Freundin, die ich ewige Jahre auch nicht mehr gesehen habe, hat mich auch zur Hochzeit eingeladen gehabt und war unterdessen Mama geworden und so einige Überraschungen mehr, das war auch etwas komisch und am Ende aber eine riesen Freude.🙂

Pauli: Ich bin ja von Natur aus skeptisch.

Aber ich weiß, dass Frauchen genau diese Sache zu schaffen macht. Vor dem Studium, in der Schulzeit, gab es schon mal eine Juliafreundin. Zu der war auch einige Jahre der Kontakt abgebrochen, als plötzlich eine Einladung zum Junggesellinnenabschied und zur Hochzeit kam. Frauchens Mama war in der Zeit grad so krank und Frauchen ist kaum noch aus dem Haus gegangen, weil alles zu viel war. Deshalb hat sie die Einladung abgesagt. Ich weiß aber ganz genau, dass sie nicht mehr bereut, als diese Entscheidung. Nachvollziehbarerweise, ist der Kontakt zu dieser Freundin jetzt nicht mehr so gut. Ich glaube, sie hat es Frauchen nie verziehen, dass sie nicht gekommen ist. Frauchen ist deshalb immer sehr traurig.

Yvonne: Pauli, hier bist du? Ich habe schon gesucht! Hey Jule, schön dich zu sehen. Na, plaudert der Fellball wieder aus dem Nähkästchen.

Jule: Hey Yvonnchen! Mannomann, Pauli ist aber wissbegierig. Man kommt ja gar nicht zum durchatmen.😉

Yvonne: Wem sagst du das. Aber ich bin froh, dass Pauli so clever ist. Ohne ihre Idee mit dem Blog, hätten wir uns wohl nicht so schnell wieder gefunden. Aber wieso ist das Kontakthalten oftmals so schwierig heutzutage? Wir leben doch im Zeitalter der modernen Kommunikation.

Jule: Vielleicht besteht genau da das Problem – wir sind übermedialisiert! Nie war es leichter als heute, Kontakt zu knüpfen und zu halten. Man kann auf Facebook schauen, auf Instagram, Twitter und wie die ganzen Social Medias alle so heißen. Deshalb macht man sich ja kaum noch die Mühe, einen Kontakt bewusst aufrecht zu erhalten. So mit Briefe schreiben und so. Ich will wissen, was jemand macht: Ach schau, ein neuer Snap, ein neuer Eintrag auf der Pinnwand. Man wird so von Informationen aus allen Bereichen überflutet, dass man auch manchmal einfach den Überblick verliert. Jeder arbeitet viel und hart und will in seiner Freizeit so wenig Stress wie möglich haben. Da wird es einem ja sehr leicht gemacht. Allerdings sind das sehr oberflächliche Kontakte. Wenn man diese vertiefen möchte, muss man dann schon wieder auf die konventionellen Wege zurückgreifen. Oder wie siehst du das? Ach… ich bin gern hier mit euch!

Yvonne: Das stimmt schon. Man denkt immer, man kann ja jederzeit jemandem schreiben, weil man so gut vernetzt ist. Aber irgendwann ist so viel Zeit vergangen, dass man sich irgendwie nicht mehr traut und dann die Funkstille immer länger wird.

Ich bin jedenfalls froh, dass wir uns wiedergefunden haben und es nun auch hinbekommen, den Kontakt zu halten.

***

Bei der #Mädelswaldtour könnt ihr übrigens auch ein Exemplar von Ruth Wares „Im dunklen, dunklen Wald gewinnen – und das müsst ihr dafür tun:

Auf allen 6 Stationen sind 4 Buchstaben, bzw. einmal 3 Buchstaben, im Text rot markiert.
Diese ergeben in die richtige Reihenfolge gebracht das Lösungswort (23 Buchstaben), welches per Mail an lesende_samtpfote@web.de bis einschließlich 31.10.2016, 23.59 Uhr geschickt werden sollte und euch mit viel Glück das Exemplar von „Im Dunklen dunklen Wald“ beschert.

Teilnahmebedingungen:

  • Wer darf teilnehmen? Minderjährige nur mit Erlaubnis der Eltern, nur Teilnehmer aus Deutschland. Teilnehmer aus dem Ausland sind ebenfalls zugelassen, sofern diese das Porto selbst tragen.
  • Die Gewinner werden ausgelost und stimmen durch ihre Teilnahme zu, namentlich auf den teilnehmenden Blogs genannt zu werden.
  • Die Verlosung beginnt am 26.10.2016 und endet auch am 31.10.2016 um 23:59 Uhr.
  • Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
  • Eure Daten werden ausschließlich für das Gewinnspiel und den Versand benutzt und danach gelöscht.
  • Eine Haftung für den Versand ist ausgeschlossen.
  • keine Barauszahlung möglich
  • Meldet sich der Gewinner auf unsere Nachricht nicht innerhalb von 7 Tagen nicht, wird neu ausgelost.

Der Gewinner wird am 01.11.2016 gezogen und veröffentlicht, bzw. bekommt dann auch eine entsprechende Mail mit der Bitte um Angabe seiner Anschrift.

VIEL GLÜCK

achtung buch und hörbuch: layers von ursula poznanski

image3

Manche Bücher klingen vom kurzen Klappentext her schon so spannend und brandaktuell, dass man sie einfach haben muss. Ursula Poznanski ist mir bisher als Autorin leider noch nicht unter die Augen gekommen, aber seit Layers bin ich der Autorin sehr verbunden. Denn: „Layers“ konnte mich mehr als begeistern und überzeugen.

Zugleich gelesen und gehört habe ich dieses Werk und mich Seite für Seite, Schicht für Schicht tiefer in das Geschehen gewoben. Und ganz tief drinnen bin ich Dorian begegnet. Er ist 17 Jahre alt, obdachlos – nicht weil er keine Perspektive hatte, sondern weil er aus dem heimatlichen Patriarchat geflohen ist. Ein Leben auf der Straße ist allemal besser als das zu Hause. Täglich sucht er aufs Neue nach Essen und einem trockenen Schlafplatz, täglich stellt er sich erneut der Härte der Straße. Denn auch dort herrschen Regeln.

Keine Zukunft und keine direkte Perspektive bleiben dem Jungen, wenn er jenseits des Vaters auf der Straße bleibt. Bis zu jenem schicksalhaften Morgen an dem er neben der Leiche eines anderen obdachlosen Jungen erwacht – mit seinem Messer in der Blutlache des Toten. Hat er wirklich jemanden umgebracht ohne es zu bemerken? Was soll er tun? Just in diesem Moment tritt ein unbekannter junger Mann in sein Leben und reicht ihm die Hand zu einem unerwarteten Neubeginn.

In der Villa eines reichen Mannes, der sich den Straßenkindern sehr verbunden fühlt und diese unterstützt, findet sich Dorian wieder – zunächst sehr misstrauisch. Wieso sollte gerade ihm, der doch scheinbar ein Mörder ist, geholfen werden? Schnell verliert er jedoch sein Misstrauen und beginnt sich in Raoul Bornheims Villa heimisch zu fühlen. Er besucht den Unterricht und lernt dabei auch Stella kennen, die sofort zu seinem persönlichen Lichtblick wird.

image1

Natürlich ist im Leben nichts umsonst und die Kinder werden losgeschickt, um Aufträge zu erfüllen. Keine schweren Dinge: Sie müssen an zentralen Plätzen Flyer verteilen und sich an bestimmte Regeln halten: Immer am gleichen Ort bleiben, nicht weggehen, sich anstarren lassen von Passanten, die irgendwann auch beginnen, ihm merkwürdige Dinge zu sagen, die sie gar nicht wissen können und dürfen. Eine Tatsache, die Dorian mehr und mehr verstört, ihn aber nicht von seiner Pflicht abbringt.

So dauert es nicht lange bis er aufsteigt und wichtigere Aufgaben übernehmen darf. Ganz langsam, Schicht um Schicht, dringt Dorian nun in die Welt der Geheimnisse um Bornheim ein. Geschenke muss er nun überbringen, nach besonders strengen Regeln an ausgewählte Personen. Geschenke, die auf den zweiten Blick nicht so harmlos sind, wie sie scheinen und bei den Beschenkten verschiedenste Gefühle hervorrufen. Eines Tages gerät Dorian so in eine absolut missliche Lage: Er packt eins der Geschenke aus und findet darin eine Datenbrille.

Eine Datenbrille, die mehr zeigt als die Realität. Sie legt eine weitere Schicht über die Wirklichkeit, die den Träger mit einer Vielzahl von Informationen über Menschen und das Umfeld füttern. Das ist jedoch nicht alles… auch ein Countdown läuft unablässig weiter. Unterdessen ist Dorians Tat natürlich aufgefallen und unser junger Freund wurde zum Gejagten. Stets auf der Flucht, muss er versuchen, den Jägern immer einen Schritt voraus zu sein. Die Brille ist dabei ein zwingendes Hilfsmittel, auch wenn sie ihn beim Tragen für den Feind sichtbar macht. Kann Dorian die Flucht gelingen oder wird er doch zum Opfer werden? Lasst euch überraschen und vergesst nie: Die Wahrheit ist vielschichtig!

~

Ursula Poznanski ist mit „Layers“ ein wahnsinnig dichter und spannender Jugendthriller gelungen, der mich nicht nur einmal auf die falsche Fährte lockte. Schicht um Schicht grub ich mich immer tiefer in diese Geschichte, die mich selbst nach dem Lesen noch immer nicht loszulassen vermag. Manipulatives Handeln wird aufgezeigt und oftmals kann man kaum zwischen Lüge und Wahrheit unterscheiden. Wem kann man trauen und wem nicht?

Genau wie Dorian hetzt man auf der Flucht durch die Handlung, die von der engmaschigen Struktur lebt. Eine Stadt als Handlungsort, wenige Protagonisten, einige wenige aber dafür umso wichtigere Grundgedanken – all das zusammen kennzeichnet das Buch und zeigt, dass man nicht immer pompöse Ausstattung braucht, um große Kunst zu schaffen.

Die Protagonisten sind dabei sehr lebendig gezeichnet und es ist eine Freude, ihre Entwicklung zu verfolgen. Insbesondere Dorian ist eine Zentralfigur, die man sehr gern begleitet. Man schaut ihm direkt über die Schulter, leidet mit ihm, fiebert mit und versucht, den Geschehnissen auf die Spur zukommen. Geschehnisse, die zwei Fragen aufwerfen: die nach der Moral und in diesem Zusammenhang auch die nach dem technischen Fortschritt.

image2

Möglichkeiten und Missbrauch werden dem Leser vor die Augen geführt. Was passiert, wenn ausgewählte Menschen mehr wissen dürfen als andere? Ein Projekt, das im besten Wissen und Gewissen im Dienste des Guten benutzt wird, kann doch eben so schnell dem Missbrauch zum Opfer fallen. Wie schon Lagercrantz sich in „Verschwörung“ mit derartigen Themen auf einer anderen Ebene beschäftigte, wird auch hier das Thema technischer Fortschritt auf eine neue Eben gehoben. Darf man Technik nutzen, um über andere Menschen zu richten, bzw. um Wissen über sie anzuhäufen? Wo finden sich moralische Grenzen? Wie lang wird es dauern, bis derartige Entwicklungen real werden oder schlummern sie gar schon in irgendwelchen Laboren?

Fragen über Fragen, die den Leser zum Nachdenken anregen und atemlos aus diesem Buch auftauchen lassen. Ein absolutes Must-Read für mich aus dem Genre Jugendbuch, dass ich jedem jungen Leser ans Herz legen möchte. Die FAZ hat schon recht, wenn sie schreibt:

So spannend wie abgründig, so aktuell in seinem Thema wie zeitlos in den zugrundeliegenden Konflikten.

Und da ich es auch gehört habe, sei euch auch diese Variante mit der wundervoll vielseitigen und angenehmen Stimme von Jens Wawrczeck, der der Story und vor allem den Charakteren auf eine einzigartige und wundervolle Art und Weise Leben einhaucht.

Ein herzlicher Dank an dieser Stelle gebührt Arndt Stroscher von Astrolibrium, der mich mit einem Unikat von Autogramm der lieben Ursula live von der Buchmesse überrascht hat. Was er da erlebt hat und wie tief er in die Schichten von „Layers“ eintauchen durfte, könnt ihr HIER lesen und hören!

achtung hörbuch: die verschwörung von david lagercrantz

9783837131352_Cover

Vorab muss ich sagen, dass dies mein erster Roman/mein erstes Hörbuch aus der Reihe um Lisbeth Salander war. Die ersten Teile habe ich, weil ich ja dann doch wissen wollte, wie es begann, in der wunderbaren schwedischen Filmadaption genossen und nebenher auch kurz angelesen, um einen Vergleich zu Lagercratz‘ Stil stellen zu können, der ja ein wahrlich großes Erbe übernommen hat und auch eine ganz schöne Verantwortung auf seinen Schultern zu tragen hatte. Da ich momentan nicht so viel Hörzeit habe, habe ich mir etwa nach der Hälfte noch das Buch gekauft, da ich einfach wissen wollte, wie es weitergeht und somit ein paralleles Hör- und Leseerlebnis daraus gemacht habe. Doch nun zur „Verschwörung“:

Alles beginnt mit einer Verschwörung gegen Mikael Blomkvist, der einigen Kollegen ein wahrer Dorn im Auge ist. So versuchen Vorgesetzte ihn aufgrund seines Stils und seiner Vorgehensweise zu denunzieren. Just in diesem Moment wird er von Frans Balder, einem führenden IT-Wissenschaftler im Bereich der künstlichen Intelligenz, kontaktiert, der brisante und vor allem interessante Informationen für ihn habe. Doch zu einem Austausch beider Männer kommt es nicht mehr, da Balder ermordet wurde. Was steckt hinter diesem Attentat? Wer wollte damit etwas vertuschen? Und vor allem: Was hat Balders autistischer Sohn mitbekommen, der mit ihm im Zimmer war?

Fragen über Fragen, die nach einer Beantwortung lechzten. Schnell war ich tief versunken in Blomkvists Welt und verfolgte atemlos das Geschehen. Die Konstruktion dieses neuen Falls hielt mich fest in ihren Schnüren und schnell konnte ich feststellen, dass Lagercrantz ein würdiger Träger für dieses Erbe war. Ein treffender Stil, eine brillante Erzählweise und eine absolute Larssen’sche Denkweise ließen diesen viertel Teil perfekt mit der Millenium-Trilogie verschmelzen.

Die Handlung soll hier nicht weiter erwähnt werden, denn wer Larssen kennt, weiß wie brillant verschnörkelt sich diese entwickelt, bis es am Ende den ganz großen Knall gibt. Es hat mir wahnsinnig viel Freude gemacht, die Fäden nach und nach zusammenzuführen und mich erneut auf Lisbeths Spuren zu begeben. Denn: Balder hatte Kontakt zu Lisbeth und stellt ein wichtiges Verbindungsglied dar. Nach wie vor ist sie meine absolute Herzensfigur und ich hoffe, es war nicht das Letzte, was wir von ihr gehört haben! Man lernt erneut ihre warme und herzliche Seite kennen, wenngleich sie doch unter der rauen Schale verborgen bleibt und erst auf den zweiten Blick deutlich wird. Alle Charaktere werden lebendig und authentisch gezeichnet, was mir oft das Gefühl gab, mit alten Bekannten zusammenzutreffen und gemeinsam diesen Fall zu lösen.

12019898_514507135391624_6386858871558525857_n

„Verschwörung“ ist für mich der brillanteste Schachzug diesen Genres in diesem Jahr. Lagercrantz ist es gelungen, erfolgreich an das Erbe Larssens anzuknüpfen und eine würdige Fortsetzung mit der gewohnte Tiefe, Vielschichtigkeit und Spannung zu erschaffen. Und man könnte direkt denken, dass Larssen ein Hellseher war, der blitzgescheit die Aktualität des gewählten Themas in Szene zu setzen verstand. Wir leben in einer Zeit, in der das Thema „Künstliche Intelligenz“ unweigerlich im Zentrum der Technologien steht. Wichtige Fragen werden dazu im Buch aufgeworfen: „Wenn der Mensch eine Intelligenz schaffen kann, die so intelligent wie er ist, kann diese dann nicht befähigt sein, eine intelligentere zu schaffen?“. Über diesen Satz sollte man scharf nachdenken und ihn bei der Forschung nie aus den Augen lassen. Die Gefahr des Missbrauchs oder des Kontrollverlusts schwebt wie ein Damoklesschwert über unserer Welt, die immer besser, höher, weiter gehen will, ohne dabei immer auf die moralischen Aspekte zu achten.

Nehmen wir die Drohnen als Beispiel: Nie war es im Ansatz leichter Krieg zu führen als heute – einen unbemannten, bei dem Menschen darauf getrimmt werden, Drohnen aus der Ferne zum Ziel zu steuern, um dort ihr vernichtendes Werk zu erfüllen. Erst gestern las ich einen Bericht darüber, wie „leicht“ es den Menschen auf diese Weise gemacht wird. Sie müssen den Opfern nicht mehr in die Augen blicken, bei dem, was sie tun…

Natürlich hat der Fortschritt auch seine guten Seiten. Aber hell und dunkel liegen immer nahe beieinander und ich denke, dass diese Warnung als indirekte Botschaft aus dem Buch mitgenommen werden kann und sollte! Warnung vor der Leichtigkeit des Missbrauchs, dem Überschätzen der Möglichkeiten… Fortschritt um des Fortschritts Willen ist nicht immer das erwünschte Ergebnis und vor allem sollte alles in einem kontrollierten Maß geschehen. Balder war sich dieser Sache gewiss und tat meines Erachtens das einzig Richtige!

Ich kann dem Buch an dieser Stelle nur eine absolut klare Empfehlung für alle Freunde des Genres mit auf den Weg geben! Ich bin überzeugt auf der ganzen Linie. Und auch das Hörbuch verstand zu begeistern, nicht zuletzt durch den Sprecher Dietmar Bär, der dem Genre eng verbunden ist. Als Hörbuchsprecher ist er ein wahrlicher Genuss, der dem Buch genau die Stimmung verleiht, die es verdient!

achtung hörbuch: girl on the train von paula hawkins

9783837131420_Cover

Für mich gehört das Zugfahren als fester Bestandteil zum Leben, da ich selbst noch kein Auto fahre. Gerade zu meiner Studienzeit bin ich oft zwischen Plauen und Dresden gependelt und habe meine Gedanken schweifen lassen, während die bekannte Natur an mir vorbei gerauscht ist. Bei den letzten Fahrten habe ich dazu das Hörbuch von „Girl on the Train“ gehört – was wäre passender! Die englische Originalfassung lag dabei auf meinem Schoß, aber hören lässt es sich beim Zug fahren einfach schöner als Lesen – bis einen die Story so stark gefangen nimmt, dass man sich verstohlen im Zug umblickt und nach einem rothaarigen Mann umschaut oder nach einem beleuchteten Haus am Fahrtweg.

Denn genau so erging es Rachel, die täglich von den Randbezirken nach London mit der Bahn fuhr. Immer an derselben Stelle war der Zug durch nie enden wollende Bauarbeiten gezwungen zu halten und machte ihr den Blick frei auf ein Einfamilienhaus voller Harmonie – so redete es sich Rachel zumindest ein. Sie gab den beiden Namen, erträumte das perfekte Leben dazu und sehnte jeden Tag wieder herbei, um dort vorbei zu fahren. Sie sah, wie beide Scherzten, auf der Terrasse saßen, wie sie frühstückten und wünschte, auch ein solches Leben führen zu können.

Früher hatte sie ein solches Leben, in genau einem dieser Häuser in Whitney, mit einem geliebten Mann. Früher, bevor… So bleiben ihr nur die Erinnerungen und die Phantasie, mit der sie sich beim Blick auf das Haus eine perfekte Harmonie erträumt – erfüllt voller geheimer Sehnsüchte und Wünsche.

Doch was ist es, dass dem Buch nun den Titel Psychothriller verleiht? Bisher scheint alles ja noch in halbwegs normalen Bahnen zu verlaufen. Bisher… bis zu dem Tag, an dem Rachel beobachtet, wie Jess (so nannte sie insgeheim die Bewohnerin des Hauses) nicht mit ihrem Mann auf der Terrasse stand, sondern leidenschaftlich von jemandem anderen geküsst wird. Wie eine Seifenblase zerplatzt das Konstrukt der perfekten Fantasiewelt mit dem Anfahren des Zuges und Rachel kommt nicht darüber hinweg. Als dann 2 Tage später noch die Schlagzeile „Große Sorge um vermisste Frau aus Witney“ in allen Zeitungen erscheint, schrillen in ihr die Alarmglocken. Das wird doch nichts mit ihrer Jess zu tun haben?

Auf einmal wurden aus Jason und Jess Scott und Megan Hipwell, Menschen mit einem realen Leben und Rachel fühlt sich als Zeugin, sie kann die Geschehnisse nicht ruhen lassen, nicht akzeptieren. Zu gern würde sie dem Aufruf der Polizei folgen und eine Aussage machen, doch wer glaubt schon einer wie ihr?

~

Absolut ungespoilert bin ich auf dieses Hörbuch zugegangen, habe bewusst im Vorfeld nicht viel darüber gelesen, da man gerade im Bereich Thriller und Krimi oft schon durch das kleinste Wort zu viel erfährt und die Handlung so merklich an Spannung verliert. Man fragt sich permanent, was mit Megan geschehen ist, man kann es nicht begreifen. Wie einen filigranes Spinnennetz baut Hawkins ihre Story auf und der Leser ist darin gefangen, kommt nicht los, verstrickt sich mehr und mehr. Die Fäden verlaufen ineinander, laufen ins Leere oder knüpfen sich langsam und still zusammen.

Alles dreht sich um die zentrale Frage: Wo ist Megan? Rachel, besessen von der fixen Idee, dieses Rätsel zu lösen, gerät dabei selbst in dieses Spinnennetz, nahezu unfähig sich zu befreien. Geschickt wird mit Rückblenden und Perspektivenwechseln gearbeitet; der Leser staunt und schaut fassungslos und gefesselt zu, wie sich die Ereignisse zu überschlagen beginnen. Bis zuletzt bleibt man in dieser Spannung gefangen, nahezu atemlos, während man die Entwicklungen nicht fassen mag. Hochspannung garantiert!

Für jeden Fan des Genres Psychothriller ist „Girl on the Train“ eine wahre Empfehlung und ein purer Genuss. Steigt ein in den Zug, setzt euch neben Rachel und teilt eine Geschichte mit ihr, die vor Spannung und unerwarteten Wendungen nur so strotzt. Und im Falle, ihr wollt es lieber Hören als Lesen, kann ich euch dazu auch nur wärmstens ermutigen. Die Stimmen von Britta Steffenhagen, Rike Schmidt und Christiane Marx, erwecken die Protagonisten auf besonders packende Art zum Leben und verleihen der Story noch ein ganze Menge mehr an Dynamik. Einfach ein Genuss für Auge und Ohr.

Mainbook-Tour – Buchvorstellungen Tag 3

BLOGTOUR LOGO

Heute geht es weiter mit zwei neuen Autoren des Mainbook-Verlages. Zum einen wäre da Jessica Swiecik, die 2014 ihren Debütthriller veröffentlicht hat und dann wäre da Daniel Stenmans mit seinem „Friedhofssänger“. Und ihr wisst ja: jeder Kommi ist ein Los für die große Abschlussverlosung 😀 Also haut in die Tasten 😉

 ~

„Liebesteufel“ von Jessica Swiecik

Ein Thriller für Jugendliche und Junggebliebene!!

 liebesteufel

Ein Teufel, der im Internet sein Unwesen treibt und auf der Jagd nach jungen, unschuldigen Mädchen ist. Der Liebesteufel treibt sich auf einer Datingplattform herum und ist besessen von Jugendlichen, die fast noch Kinder sind. Wer ist er? Und warum kann man ihn nicht stoppen? Eine spannende Suche beginnt, die auf ein tragisches Ende zusteuert….

Lilly Büllow führt ein langweiliges und zurückgezogenes Leben als Zimmermädchen im Schlangenbader Hotel Auenblick. Das einzige, was ihr Freude bereitet, sind die Zimmer der Gäste, in denen sich so manch schmutzige Geheimnisse verbergen. Als ein bekannter Thrillerautor namens Viktor Dreissinger im Auenblick eincheckt und zeitgleich Juli, die Tochter der Hotelbesitzerin, von ihrer vermissten besten Freundin Laura berichtet, schrillen bei Lilly die Alarmglocken. In der Gegend um Wiesbaden sollen in den letzten Monaten mehrere Mädchen verschwunden sein. Die Polizei geht davon aus, dass sie von zu Hause ausgerissen sind, doch weder Lilly noch die freche Teenagerin Juli können dies glauben. Als Lilly Viktor Dreissingers Hotelzimmer aufräumt, ist sie entsetzt: Auf dem Schreibtisch steht Lauras silberner Laptop, aufgeklappt, mit einer sonderbaren Geschichte darauf…

 ~

„Der Friedhofsänger“ erzählt gruselige Stories vom Niederrhein – von Daniel Stenmans

 friedhof

„Der Friedhofsänger“, dachte ich. „Das wäre ein cooler Titel für eine Horrorstory!“ Und gleichzeitig begannen etliche Fragen rund um diese mysteriöse Figur durch meinen Kopf zu spuken. Irgendwann wurde mir klar, dass die Figur des Werner P. Bonner, den alle den Friedhofsänger nennen, Stoff für mehrere Geschichten liefert. Weil er nämlich diese Geschichten erzählt!Alles begann mit einem Titel.

Er legt seine Hand auf die Grabsteine des Kevelaerer Friedhofs und sofort weiß er, wie der Mensch, der dort begraben liegt, zu Tode gekommen ist. Er sieht die wahre Geschichte. Eine Wahrheit, so düster und unheimlich, dass man sie besser nicht erzählen sollte. Doch Bonner kann nicht anders. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese Wahrheiten zu verkünden.

Diese Serie – mit ihren kurzen, prägnanten und in sich geschlossenen (Kurz-)Geschichten – soll eine kleine Hommage an mein Idol sein – den amerikanischen Autor Stephen King, dessen Romane mich schon seit meiner Jugend begleiten. Gerade seine „Kleinstadtgeschichten“ begeistern mich besonders. Wenn man den Buchdeckel aufschlägt und zu lesen beginnt, betritt man die Hauptstraße von Castle Rock oder Derry (zwei von Kings fiktiven Kleinstädten) und trifft auf alte Bekannte, weil man ihnen schon in anderen Büchern begegnet ist. Diesen Effekt wollte ich beim „Friedhofsänger“ auch erzielen: Der Leser soll sich bewusst dafür entscheiden, einen alptraumhaften Trip nach Kevelaer zu machen – immer und immer wieder. Der Horror angesiedelt in jener heilen Kleinstadtmentalität, unter deren Oberfläche es mächtig  brodelt wie in einem Vulkan kurz vor seinem Ausbruch, bietet das perfekte Tableau für gruselige und schockierende Geschichten. Nur dass meine Kleinstadt am Niederrhein nicht fiktiv, sondern real ist. Ich wohne dort, und ich liebe es, meine Horrorgeschichten in ihren Straßen spielen lassen.

achtung buch: totale kontrolle von james douglas

bb5b0fda30

Raben sind schon interessante Tiere, so intelligent, so vielseitig einsetzbar. Seit vielen Jahren stehen die Vögel schon im Zentrum von Untersuchungen im Bereich der Neurowissenschaften. Ihre komplexe Denkweise und vielseitigen Einsatzmöglichkeiten beeindrucken immer wieder aufs Neue. So auch die Wissenschaftler in James Douglas Thriller „Totale Kontrolle“.

„Ja, man spricht auch von außersinnlicher Wahrnehmung. Raben sehen Dinge, die wir nicht erkennen. Ihre Hirnaktivität kann zum Beispiel das Magnetfeld der Erde wahrnehmen und für die Ortsbestimmung nutzen. Es gibt Leute, die behaupten, Raben hätten Verbindung zum Jenseits.“ (S. 8)

Raben sind es auch, die die Inaugurationsrede des US-Präsidenten Obama stören. Was für die normalen Besucher wie eine Tücke der Natur aussieht und auch in der Presse nicht großartig erwähnt wird, ist jedoch bei Weitem von ernsthafterer Natur. Schließlich warf einer der Raben eine Kapsel mit einer eindeutigen Warnung ab: „Nächstes Mal sind es Ebolobama-Tröpfchen… Von Hunderten Raben auf die Stadt versprüht…“

Auch in der Forschung von Vanessa Parker, einer angesehenen Neurobiologin, spielen die Raben eine Rolle: Parker gelangen große Fortschritte im Zusammenhang mit dem „Human Brain Project“, einer Forschung, die ermöglichen sollte, Krankheiten des Hirns wie Alzheimer zu heilen. Natürlich bringen derlei Manipulationen am Hirn auch eine andere Seite mit sich: man könnte Menschen bewusst manipulieren.Genau an diesem Punkt ist Parker angekommen:

„Sie werden es nicht glauben. Sie baut Chips aus künstlichen Silikonneuronen. Statt Ionen, wie in den Zellkanälen der Neuronen in unserem Kopf, fließen Elektronen durch ihre künstlichen Nervenzellen. Ihr ist es gelungen, sehr nah an die Biologie heranzukommen. Sie sagt, sie könne praktisch jedes Musterverhalten programmieren, ein sogenanntes Aktionspotenzial auslösen, das an die Zellen im Gehirn weitergeleitet wird. Ich verstehe darunter Emotionen, Triebe, Aggressionen aber auch schöpferische Impulse.“ (S. 16).

Man muss, denke ich, nicht weiter ins Detail gehen, was das für Folgen haben könnte. Menschen könnten zum Kampfmaschinen umgebaut werden die auf Töten und Morden programmiert sind. Sie würden kämpfen, ohne ihr Handeln zu hinterfragen. Die perfekte Armee könnte auf diese Weise geschaffen werden und die positiven Aspekte dieser Forschung gerieten komplett ins Hintertreffen. Die Wunschvorstellung der Total Mind Control ist zur schrecklichen Wahrheit geworden. Um einen Missbrauch zu verhindern, wird Ex-FBI Agent Ken Cooper eingeschaltet, der mit seiner Firma die Sicherung des Projekts gewährleisten soll.

Doch dafür ist es schon fast zu spät. Zu viele Geheimdienste haben Informationen erhascht und wollen nun das Projekt für Ihre militanten Zwecke nutzen. Eine junge Frau wird brutal ermordet aufgefunden und das Wettrüsten erreicht neue, erschreckende Dimensionen. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, der Cooper und Co. von den USA nach Nordkorea und Europa führt. Kann Cooper die Zentrale des Cyberkriegs zerstören und wird er verhindern können, dass Parkers Erfindung in die falschen Hände gerät? Lest selbst!

~

„Totale Kontrolle“ – Was für ein klasse Buch! Es liegt schon eine ganze Weile bei mir und ich hatte letztes Jahr auch schon begonnen zu lesen, könnte es aber nicht beenden, da mir die Masterarbeit dazwischen kam. Und dieses Buch kann man nicht nebenbei lesen. Es fordert die gesamte Aufmerksamkeit des Lesers von der ersten bis zur letzten Seite.

Man taucht direkt ein in die Handlung und wird Zeuge, wie Cooper den Auftrag bekommt, Parkers Forschung zu schützen. Kaum wurde dieser Auftrag ausgesprochen, explodiert die Handlung in sehr viele Einzelstränge, die wiederum mit noch mehr Personen verbunden sind. Anfangs war das ziemlich verwirrend für mich, doch im Laufe der Handlung konnte ich die Institutionen, Geheimdienste und Forscher ziemlich gut auseinanderhalten.

Die Handlung war sehr dicht gestrickt und man musste wirklich aktiv dabei sein, um nichts zu verpassen. Denn Unwichtiges gab es nicht. Jede Seite war Teil dieses Politpuzzles, des Kampfes um die brisanten Forschungsergebnisse, die der Erfindung der Atombombe gleichkämen. Der Spannungsbogen wurde perfekt ausgearbeitet und hielt wirklich bis zuletzt an.

Auch die Charaktere könnten mich überzeugen, meist knallharte Geheimdienstler oder Politiker, die ihre Interessen mehr als deutlich kund taten und vor nichts zurückschreckten, dass sie von ihrem Ziel abhalten könnte: der totalen Kontrolle des menschlichen Bewusstseins.

10930947_412293495612989_461527286725808765_n

Und da sind wir schon an dem Punkt, der mich an dem Buch am meisten fesselte: der Realitätsbezug. Drohnen, Spionage, Abhörskandale, all das ist nichts Neues mehr. Hobbyfilmer können schon mit Drohnen arbeiten, die es frei zu kaufen gibt und so einfach alles Filmen, ohne dass es das Umfeld gleich mitbekommt. Wie weit sind wir entfernt vom total gläsernen Menschen? Gibt es das Recht auf Privatsphäre noch?

Und dann natürlich der Aspekt der Forschung: Was ist ethisch noch vertretbar? Wo steht die Forschung, die Pharmaindustrie wirklich? Was ist wahr und was wird uns vorgespielt? Welchen Stellenwert hat der Mensch? Ist er noch ein eigenständiges Wesen oder Marionette?

All diese Fragen werden im Roman mehr oder weniger direkt angesprochen und regen sehr zum Nachdenken an. Insgesamt kann ich den Roman nur jedem empfehlen, der auf diese Art Thriller steht, also vor wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und politischen Themen nicht zurückschreckt und gern beim Lesen mitdenkt. Bisher hatte ich noch nicht viele Romane dieser Art, bin aber wirklich gefesselt und werde zukünftig sicher auch mehr aus dieser Richtung lesen. Das einzige Manko am Buch war die kleine Schrift. Wenn man so hochkonzentriert lesen muss, lieber ein dickeres Buch aber bissl größer geschrieben. Dies tut dem Buch aber keinerlei Abbruch, ist nur meine persönliche Empfindung gewesen!

Vielen Dank an den LangenMüller-Verlag für das Tolle Buch!