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Achtung Buch: Im dunklen dunklen Wald von Ruth Ware

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Freundschaft ist…

… wenn man eigentlich seit geraumer Zeit gar kein Freund von Thrillern ist, sich aber im Gespräch mit den anderen Lesemädels doch dazu breit schlagen lässt, es zu versuchen. So kam es, dass ich mich der Herausforderung gestellt habe, und nicht nur das Buch gelesen, sondern auch an der Blogtour zum Buch teilgenommen habe. Was wir da so erlebt haben, könnt ihr auf den folgenden Seiten nachlesen:

Kurzvorstellung des Buches bei Ronja

Eine besondere Cocktailparty bei Anja

Interview mit Ruth Ware bei Sabine

Dialog über die Freundschaft und ihre Besonderheiten bei Yvonne, Pauli und mir

Eva erklärt uns warum wir Angst im Wald haben und was ihn so besonders macht

Heike erklärt uns das Phänomen des Junggesellinnenabschieds

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Das war sie also, unsere sehr spannende und gruselige Blogtour zum Thriller von Ruth Ware. Doch um was geht es nun genau?

Der Klappentext verrät uns Folgendes: 
Eine bizarre Junggesellinnenparty.
Ein Spiel, das aus dem Ruder läuft.
Manche Partys sind gut, manche sind schlecht. Diese hier ist tödlich.
Als Nora, 26, eine Einladung zum Junggesellinnenabschied ihrer ehemals besten Freundin Clare bekommt, ist sie mehr als überrascht. Sie hat Clare seit zehn Jahren nicht gesehen. Seit dem Vorfall damals, den Nora nie ganz überwunden hat… Und jetzt aus heiterem Himmel diese Einladung. Ein idyllisches Wochenende in einem Haus tief in den winterlichen Wäldern Nordenglands ist geplant. Was kann es schon schaden? Nora gibt sich einen Ruck und fährt hin. Doch etwas geht schief. Grauenvoll schief.

Viel mehr Worte möchte ich dazu gar nicht verlieren, denn jedes Wort zu viel wäre ein Wort, das euch einen, wenn auch noch so kleinen Teil der Spannung nehmen könnte. Was zunächst wie ein allseits bekanntes Schema für dieses Genre klingt, entwickelt sich schon ab der ersten Seite zu einem perfiden Katz und Maus Spiel. Jeder Mensch hat zwei Seiten, heißt es immer so schön. Und genau dies wird im Buch bewiesen. Da wird die beste Freundin zur Kratzbürste und die Feindin zur Verbündeten. Da glaubt man jahrelang, sich zu kennen und wird sich auf engstem Raum doch fremder als man es je zu glauben gewagt hatte.

Dass ein Mord passieren wird, wird hier jedem klar sein. Denn was ist schon ein Thriller ohne Blut und ohne Mord. Aber wie er vollzogen und vor allem wie sich die Geschichte im weiteren Verlauf entwickelt, das ist schon gar nicht von schlechten Eltern. Ein Mord also, MORD… wieso kann sich Nora aber an nichts erinnern? Und wieso liegt sie im Krankenhaus? Was machen die Polizisten vor ihrem Zimmer? Wie ein undurchdringlicher Nebel liegt die Vergangenheit über ihrem Gedächtnis und kann selbst mit der größten Anstrengung nicht hervorgeholt werden. Der Druck auf die junge Frau nimmt zu und da ist sie: eine erste kleine Erinnerung. Schritt für Schritt rekonstruiert Nora im Geiste die Geschehnisse vom Tag der Einladung zum Junggesellinnenabschied bis hin zum Krankenhaus. Und je weiter sich der Nebel lichtet, desto mehr wird sich Nora der Gefahr bewusst, in der sie und die anderen schweben.

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Ruth Ware ist brillant. Anders kann man es nicht sagen. Ihr ist es gelungen, einen althergebrachten Stoff so gekonnt neu zu verpacken, dass man von der ersten bis zur letzten Seite im Buch gefangen ist. Man hegt erste Ahnungen, verwirft sie wieder. Man verfolgt Spuren, die zunächst klar zu sein scheinen und dann im Schnee verlaufen. Man vertraut, um am Ende mehr zu misstrauen und man dreht sich ähnlich wie Nora permanent im Kreis, um die richtige Lösung zu finden. Perfekt spielt Ware dabei mit der Vergangenheit und der Gegenwart ihrer Protagonisten und lässt still und leise Unstimmigkeiten aus der Schulzeit einfließen. Unstimmigkeiten, die Misstrauen säen und kleine, subtile Boshaftigkeiten, die auf den ersten Blick als Neckereien abgetan werden könnten. Am Ende weiß man gar nicht mehr, wem man überhaupt noch trauen kann…

Untermalt wird dies noch durch die schaurige Kulisse. Ein Glashaus mitten im dunklen und dichten Wald. Gegensätzlicher hätte es nicht sein können: Transparenz trifft auf Bedrohung. Man fühlt sich permanent beobachtet und kann doch selbst keinen Blick ins Dunkle werfen. Dazu noch dichter Schnee und kein Handyempfang. Viel mehr braucht es nicht, um eine beklemmende Stimmung zu verursachen. Auch die einfache und knapp gehaltene Sprache unterstreichen diese Gefühle. Bis zuletzt spinnt Ruth Ware ihre Fäden, die sich mehr und mehr zu einem tödlichen Kokon verfestigen und es bleibt lange Zeit unklar, auf wen das Ganze nun eigentlich abzielt und ob Nora sich wirklich wieder komplett erinnern können wird.

Trotz einiger Längen im ersten Teil und des doch bekannten Stoffes konnte mich der Thriller komplett überzeugen und hat den Ausflug in dieses Genre für mich zu einem lohnenswerten Leseerlebnis gemacht. Ich kann das Buch jedem empfehlen, der sich gern in eine beklemmende Stimmung voller Spannung entführen lassen will und danke auch meinen Mitleiterinnen sowie dem dtv für die tolle Leserunde!

achtung buch: der wald der träumenden geschichten von malcolm mcneill

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Es war einmal vor nicht allzu langer Zeit, als die Erde von einem seltsamen Phänomen heimgesucht wurde. Niemand konnte es erklären und die Versuche, es zu beenden schienen allesamt erfolglos. Die Rede ist von Dem Verschwinden. Große Hoffnungen setzte man in das ISVVV – das Internationale Symposium zur Vorbeugung und Verhinderung Des Verschwindens. Ergebnisse ließen jedoch auf sich warten, Das Verschwinden setzte sich fort, aber ein kleiner Hoffnungsschimmer regte sich: Kinder Verschwanden nicht. Nur Erwachsene, keine Kinder.

Das liegt wahrscheinlich daran, dass ein Kind für Das Verschwinden verantwortlich ist. Max, der ehemalige Waisenknabe, mit dem alles begann, lebt mittlerweile bei dem Schlachter Forbes und seiner Frau Alice, die ihn aus dem Waisenhaus geholt hatten, nachdem er dort schon für ungewollte Furore gesorgt hatte. Denn: Max erschien aus dem Nichts. Man fand ihn in einem Bücherregal in einem Antiquariat, nackt und ohne auch nur den kleinsten Hinweis auf seine Herkunft. Auch sah er nicht aus, wie ein typisches Kind und verhielt sich auch nicht wie eins.

Max bemerkte natürlich, dass er anders war, und auch dass die anderen ihn anders behandelten und zog sich immer mehr in seine Ecke zurück – in eine Ecke, die mit dem Bild eines Heißluftballons verziert war. In dem Ballon sitzt ein glückliches Paar, das Max niemals abweisend anschaut, wie die anderen. Unterdessen beschäftigen sich die anderen nur voller Argwohn mit ihm und fragen: Woher kommst du? Wer bist du? Fragen, auf die der kleine Max keine Antwort weiß, die ihn aber noch lange verfolgen sollen.

Eines Tages kamen dann aber die Mulgans, Forbes und Alice, und nahmen den Jungen zu sich nach Hause. In ein Zuhause, wo es auch ein Wandbild gab, wo er glücklich werden sollte. Das Verschwinden ging weiter und Max fühlte sich verfolgt von einem Dunklen Mann, der immer da war. Auch dieser begann Max die Fragen zu stellen, die er aus dem Heim nur zu gut kannte: Wer bist du? Woher kommst du? In Max begann es zu arbeiten, denn je mehr er überlegte, desto weiter rückten die Antworten in die Ferne, die er zu kennen glaubte. Er stellte die Fragen am Abend Forbes, der ihm daraufhin erklärte, dass er adoptiert ist. Eine Tatsache, die in Max den eisernen Willen schürt, seine Herkunft zu erforschen und seine wahren, immerwährenden Eltern zu finden.

Bei einem Ausflug in ein neu eröffnetes Buchgeschäft kommt Max das erste Mal in Kontakt mit dem Geschichtenbuch und verliert sich mehr und mehr darin. Er zieht sich zurück aus seinem Leben, von seinen nicht immerwährenden Eltern und flieht in die Welt der Geschichten. Denn darin erfuhr er vom Wald Des Anfangs, dem Ort, wo seine immerwährenden Eltern sein müssen und den er unbedingt finden muss.

Dabei merkt er allerdings nicht, wie verletzend er ist, wie gemein er zu denen ist, die ihn wirklich lieben. Er lebt in der fixen Idee, sein Glück nur im Wald finden zu können, an dem Ort, von dem er zu stammen scheint. Nachdem Das Verschwinden letztendlich auch Alice und Forbes ereilt hat, gibt es für Max kein Halten mehr und er macht sich auf den Weg in den Wald.

Natürlich begeht er dieses große Abenteuer nicht alleine, denn da ist ja noch der Dunkle Mann, genannt Boris, der zu einem treuen Begleiter für Max wird. Boris scheint genau zu wissen, worum es eigentlich geht und wie man Dem Verschwinden Einhalt gebieten kann. Auch die alte Mrs. Jefferson steht mit Rat und Tat zur Seite und unterstützt den Jungen mit all ihrer Macht. Die treueste Begleiterin wird jedoch Martha, das kleine Geistermädchen, das seinen Platz in Max‘ Herzen und unter seinem Fingernagel finden soll. Gemeinsam machen sie sich auf, um das Abenteuer ihres Lebens zu bestehen. Wird Max seine immerwährenden Eltern finden und wird er Dem Verschwinden Einhalt gebieten können? Kommt mit in den Wald der träumenden Geschichten und schaut selbst. Vielleicht verrät euch ja ein Drache die Wahrheit!

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Der Wald der träumenden Geschichten ist ein wundervolles Jugendbuch, dass man unbedingt lesen sollte. Nicht nur als Jugendlicher, nein, auch als Erwachsener. Werte wie Freundschaft, Mut, Liebe und Familie werden ganz groß geschrieben und man wird dazu angehalten nachzudenken. Nachzudenken über sich selbst. Die sogenannten Unheilsfragen stehen permanent im Zentrum des Geschehens und graben sich ins Unterbewusstsein des Lesers.

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Wer bin ich? Woher komme ich? Was soll ich tun, wo ich nu schon einmal hier bin? Was ist die beste Lebensform?

Das sind die zentralen Fragen des Romans, mit denen sich Max permanent konfrontiert sieht und die auch den Leser zur unterbewussten Selbstreflexion anregen. Dazu kommt noch der Wert des geschriebenen Wortes: Bücher spielen eine zentrale Rolle im Leben von Max, sie eröffnen neue Perspektiven, neue Wege. Was passiert, wenn man versucht, die Bücher zu vernichten und die Geschichten auszurotten? Ein furchtbarer Gedanke, nicht wahr? Leider wurde er schon öfters in der Geschichte des Menschen zur Realität: Bücherverbrennungen, um verbotene Gedanken zu vernichten. Ein Akt der Unmenschlichkeit und Grausamkeit!

Freundschaft – ein weiterer Kerngedanke des Romans: Gerade zu der kleinen Martha beginnt Max ein inniges Verhältnis aufzubauen, er darf sie schließlich nicht vergessen – niemals!!! Mit ihr hat er eine Aufgabe bekommen, denn er muss sich um sie kümmern, seine eigenen Bedürfnisse teilweise zurückstecken, ihr die Liebe geben, die sie von Zuhause nicht kennt und für sie da sein. Umgekehrt gibt sie ihm Halt und Kraft und appelliert an seinen Mut, sein Ziel zu erreichen und darum zu kämpfen.

Max‘ Reise gleicht einem Selbstfindungstrip der ganz besonderen Art und Weise. Er schleicht sich ins Herz des Lesers und bleibt dort fest verankert. Der Wald der träumenden Geschichten zeigt auf eine besondere Weise, dass man erst dann richtig froh sein kann, wenn man in seinem Inneren zufrieden ist, und erkennt, was die wichtigen Werte im Leben sind. Erst dann, wenn man zu sich selber gefunden hat, hat man auch seinen Platz in der Welt gefunden. Greift zu diesem besonderen Buch und geht mit Max gemeinsam den Weg, ihr werdet verzaubert sein!

achtung buch: stellt euch vor, oder lieber nicht… der eiserne wald von chris howard

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Stellt euch vor, ihr würdet in einer Welt leben, in der es weder Tiere noch Pflanzen gäbe und Mais das einzige verfügbare vollwertige Nahrungsmittel ist. Verfügbar ja, aber zu horrenden Preisen. Menschen werden wie Sklaven gehandelt und eine Institution namens GenTech scheint über allen Dingen zu stehen und alle Zügel in der Hand zu halten.

Habt ihr das Bild? Dann Willkommen in der Welt von Banyan, einem jungen Tree Builder, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, aus Eisen, Metall und anderen Abfällen Pflanzen so naturgetreu wie möglich auf kunstvollste Weise nachzubilden und so seinen Lebensunterhalt zu verdienen.

Bei einem seiner Aufträge begegnet er einer mysteriösen Frau, die einen lebensechten Baum auf den Bauch tätowiert hat. Nachdem der Zufall in Form der Tochter ihm noch ein Polaroid eines echten Baumes, an den sein Vater gekettet ist, in die Hände spielt, steht für Banyan fest, dass die Bäume nach wie vor existierten müssen und eine abenteuerliche Reise ins gelobte Land „Zion“ beginnt. Unterwegs trifft er auf alte und neue Bekannte, wie beispielsweise die junge Piratin Alpha, die ihn auf seiner Reise begleiten werden…

Chris Howard greift in seinem Roman mehrere sehr zeitgemäße Themen auf. Zum einen die Vernichtung der Wälder, Klimakatastrophen und den Klimawandel und zum anderen die daraus hervorgehenden Folgen für die Menschheit. Bäume spenden Leben, Nahrung und Schutz. Banyans Welt hat all dies nicht, die Menschen sind von Armut geplagt, geben ihr Hab und Gut für eine Hand voll Mais, Insekten mutieren zu einer menschenfressenden Bedrohung und Menschen sowie Natur spielen verrückt im kalten Kampf ums Überleben. Hinzu kommt noch die Wissenschaft, die uns die Bedrohungen der Klontechnologie vor die Augen führt. Erst ein Schaf, dann Pflanzen und in diesem Jahr erste Erfolge beim Klonen von Stammzellen eines Embryos. Für die Wissenschaft ein Grund zum Jubeln, für mich ein Aufschrei des Entsetzens. Wozu wird die Menschheit eines Tages fähig sein? Gibt es auf der einen Seite die Guten, die die Erkenntnisse im Sinne der Menschheit einsetzen werden, so gibt es auch immer die Gegenspieler. Folgen: Will man sich nicht ausmalen, werden aber im Buch ausreichend angedeutet.

Nun noch zum Buch:

Insgesamt hat es sich schön lesen lassen, wobei ich ab ungefähr Seite 250 ein paar Seiten nur noch überflogen habe, da sich die Geschichte auf der Arche für mein Gefühl etwas hingezogen hat. Danach war ich aber wieder voll dabei und bin nun wirklich gespannt, wie es dann in Teil 2 weitergehen wird. Banyan ist mir sehr ans Herz gewachsen mit seinem Mut und seinem Willen und Durchhaltevermögen trotz aller Schicksalsschläge, die er im Laufe des Buches erleiden muss. In diesem Zusammenhang steht auch meine Bewunderung für Alpha, die ihn sehr gut ergänzt. Ein gekonntes Spiel mit den erschreckenden Vorstellungen einer wissenschaftsdominierten Zukunft inklusive deren Missbrauch (Wissenschaft soll ja nicht zwingend als schlecht gelten, sie wird ja erst dazu, wozu der Mensch sie nutzt oder missbraucht), welches bis zur letzten Seite in die Tiefe geht und zum Nachdenken anregt! Ich kann es nur empfehlen